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Shakespeare und Merlin

By:
User: philhumor
Shakespeare und Merlin

Der junge Shakespeare bleibt vor einem der Londoner Wirtshäuser stehen. Er sagt zu Merlin: „Ich lade dich ein. Wann isst du eigentlich was? Du begleitest mich seit Wochen, doch du scheinst keinerlei Appetit zu haben.“

Merlin lächelt. „Es wird Zeit, dass ich dir einiges erkläre. - Du nennst mich Merlin – und du denkst, es sei ein Scherz. Wegen meines geheimnisvollen Wesens und dieses großen spitzen Hutes? Das würde in der Tat den Namen Merlin rechtfertigen. Doch ich bin der berechtigte Träger dieses Namens – der einzige, der wahre.“

Shakespeare nickt. „Ist gut. Du kannst glauben, was du willst. Ich mache meinen Freunden da keinerlei Vorschriften. Schau mich an: ich fantasiere mir unentwegt Könige herbei und schönste Hofdamen, bevölkere mit ihnen meine Bühnenwelt, die vor meinem geistigen Auge aufgebaut ist.“

Merlin schüttelt den Kopf. Sein großer Hut schlackert von einer auf die andere Seite. „Ich gehöre nicht in deine Zeit. Fremd bin ich hier. Ein Gast, dem keiner anmerken soll, dass er ... Ach, eigentlich durchschaut mich jeder auf Anhieb. Ich kann mein wahres Wesen schlecht verbergen.“

Shakespeare zupft an Merlins langem blauem Gewand. „Dann zieh dir etwas Unauffälligeres an. Ich würde dir etwas leihen. Doch dieses Gewand, was ich trage, ist das einzige, was noch nicht völlig zerschlissen ist.“

Sie gehen in das Wirtshaus und setzen sich an den langen Tisch, der vor dem Kamin steht. Grillhähnchen hängen über dem Feuer auf einem Spieß. Shakespeare beugt sich hinüber und reißt sich eine Keule ab von einem der Hähnchen.
...

Nimmt teil am Januar 2011 Kurzgeschichten-Wettbewerb:
http://www.bookrix.de/_group-de-kurzgeschichten-1

Als Youtube-Hörbuch:
http://www.youtube.com/watch?v=BwfJ1cWMqrk


Posts and Comments
Important Post
garlin

herrlicher kleiner Betrug. Ach wenn das bei mir doch nur auch funktionieren würde!

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louisa.madeleine

der den leser in eine andere welt entführt.

da merlin sich aber ohne seinen zauberstab nackt fühlt, möchte auch ich ihn nicht entkleiden, denn sonst verlören die dinge und worte ihre magie.
lg steffi

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avaita

Geben wir der Stimme die Macht, Menschen zu berühren oder dem, der das zu Sagende vorgibt, es niederschreibt und nicht nur Hörern, die Möglichkeit gibt, es für sich zu interpretieren, irgendwann, wenn es bereit ist Früchte zu tragen auch dem Leser.

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joe.mac.zey

Erstaunlich, was aus so einer winzigen Wortspielerei doch Üppiges herausspringt.

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reininde

hochinteressante Gedanken über Ideen und Worte, zusammengesponnen in einem wunderbaren Ambiente.
Reinhard

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