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Im Schatten von Santa Cruz

By:
User: Pavoni
Im Schatten von Santa Cruz
Rezension zu „Im Schatten von Santa Cruz“ von Regina Reisch

Regina Reisch schrieb bereits in jungen Jahren ein 321 Seiten schweres Buch: „Im Schatten von Santa Cruz“. Ihre Geschichte spielt in der idyllischen Kleinstadt, die zu einem Ort voller mysthischer Rätsel und Geheimnisse wird.
Reischs Geschichte dreht sich um die sechzehnjährige Catherin, die mit ihrer Familie friedlich und normal in einem normalen Haus in Santa Cruz lebt. Catherin selbst ist jedoch nicht normal – ihr Aussehen und ihre Ausstrahlung unterscheiden sie stark von anderen Menschen. Und dann passiert es, dass ihr plötzlich Personen erscheinen – Personen, die genauso ungewöhnlich sind wie sie. Evan, der introvertierte Neue, scheint dazu zu gehören. Cathy Jetzt ist es an Cathy, die merkwürdigen Rätsel um sie herum zu lösen, wenn sie jemals ihr eigenes Leben verstehen will.
Eine interessante Geschichte, doch die Frage bleibt: Was steckt in diesem Buch? In diesem Fall bietet sich jedoch eher die Frage an: Was fehlt in diesem Buch? Denn wenn man dieses Buch aufschlägt, vermisst man als Leser zunächst etwas sehr Wichtiges: Spannung.
Die Autorin kreiert für ihr Werk eine interessante Geschichte, die dem Leser eine völlig neue Gesellschaft zeigt und einiges zu bieten hat. Reisch gelingt es, den Leser zu überraschen, ihn zu verwirren und die Rätsel ihrer Geschichte erst langsam aufzudecken. Wieso also fehlt teilweise die Spannung?
Die erste Antwort lautet: Zuviel des Guten. „Im Schatten von Santa Cruz“ ist eine Geschichte, in der sich Geheimnisse und Rätsel häufen, die erst sehr, sehr spät aufgeklärt werden. Auf den ersten zweihundert Seiten hat der Leser noch keine Ahnung, was überhaupt geschieht. Die Geschichte ruft im Leser das Gefühl hervor, in diesem Chaos verloren zu sein und Zusammenhänge nicht verstehen zu können. Dann jedoch kommt die Lösung sehr plötzlich und etwas unbeholfen, indem sich die Hauptperson Umstände erschließt, die weit hergeholt zu sein scheinen und für sie eigentlich noch gar nicht ersichtlich sind, zumal dies auch nicht deren Charakter entspricht. Die Reaktion der Protagonistin auf große Umstellungen ihrer Weltsicht wirken zu glimpflich, als dass sie authentisch erscheinen, und auch der Leser wird zu plötzlich in neue Erkenntnisse eingeweiht, deren Tragweite nicht ausgeschöpft wird.
Aber auch der Schreibstil stellt Ansprüche an die Ausdauer des Lesers. Die Autorin schreibt sehr lange Sätze, die zum Teil über ganze Absätze gehen und eine Vielzahl von Nebensätzen und Einschüben enthalten. Diese „Schachtelsätze“ verwirren den Leser, da der Schreibfluss zu stockend verläuft und sowohl der Satzbau als auch der Sinn des Geschriebenen schwerer verständlich sind. Ein Beispiel ist der folgende Satz: „Selbst Freya, die neben mir saß und seufzend eine Rechnung nach der anderen zuschob, fragte einige Male, was Matthew zu mir gesagt hatte, dass ich jetzt so nachdenklich war, doch sie konnte man, verglichen mit Evan, noch relativ schnell von etwas überzeugen, das nicht stimmte.“ (S. 194) Er enthält zwei verbundene Relativsätze, die in den Hauptsatz eingeschoben wurden, einen indirekten Fragesatz, zwei Gliedsätze, verbunden durch Konjunktionen, eine durch Kommata abgetrennte Infinitivgruppe und zusätzlich noch einen Relativsatz. Klingt kompliziert? Ist es auch. Zum Teil musste ich als Leser einzelne Absätze mehrmals durchlesen, um dem Gedanken folgen zu können, was auf Dauer anstrengend wird. Und die ganze Zeit wartet man dabei darauf, dass das Rätsel endlich gelöst wird.
Darüber hinaus lastet die Darstellungsweise der Autorin zu sehr auf der Innensicht, den Gedanken und Gefühlen der Protagonistin, ihren Zweifeln, ihren Fragen, ihren Überlegungen. Vor allem zu Beginn des Buches kommt deswegen die Handlung und die über Dialoge getragene Darstellung zu kurz.
Ist das Buch also nicht lesenswert? Sollte man es nach der Hälfte weglegen und sich nach „besserem“ Lesestoff umsehen? Nein, nicht, wenn man den rätselhaften Gestalten in Santa Cruz auf die Spur kommen will. Ja, man braucht als Leser etwas Ausdauer, bis man schließlich die Hintergründe der Geschichte entschlüsseln kann, aber es lohnt sich. Der Autorin gelingt es, den idyllischen Flair der Küstenstadt, in der sie ihre Geschichte spielen lässt, einzufangen. Dadurch eröffnet sie dem Leser eine Möglichkeit, in ihre Welt einzutauchen und die Sonne, das Meer und die Geschichte selbst beinahe hautnah mitzuerleben. Vielleicht ist das der Grund, wieso man sehnsüchtig auf des Rätsels Lösung wartet, mit der Protagonistin mitfühlt und sich mit ihrem ansprechendes Charakter sehr gut identifizieren kann. Reisch erzählt die Geschichte eines Mädchens mit Ängsten und Zweifeln, wie jeder sie hat, und stellt sehr lebendig dar, wie die zunächst merkwürdige Außenseiterin ihren Platz in der Welt findet.
Zum Schluss erschafft sie in ihrem Buch eine zweite Gesellschaft, die neben unserer existiert, und ein Volk, das ganz anders ist, als man es kennt. So anders, dass eine eigenartige Faszination von ihm ausgeht, die sich auch auf den Leser überträgt. Dies kleidet Reisch in eine schöne Geschichte, die erst sehr spät an Fahrt gewinnt, sich jedoch als sehr interessant herausstellt.
Deswegen kann ich dieses Buch empfehlen, wenn auch einzelne Kritikpunkte festzustellen sind. Besonders der, der gerne liest und sich nicht erst dazu zwingen muss, aber auch jeder, der sich sonst für Fantasy interessiert, sollte sich nicht von all den Fragen abschrecken lassen: Sie werden alle beantwortet, und diese Antworten sind auf jeden Fall lesenswert.

Carolin Sprick - 10. Klasse - Marien Gymnasium Bocholt

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