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Nana rannte, rannte um ihr Leben, stolperte und fiel hin. Panisch rappelte sie sich wieder auf, rannte weiter. Noch nie in ihrem Leben hatte sie solche Angst, ihr Herz hämmerte wie wild. Sie stolperte durch schmale Gassen, entlang verlassener Hochhäuser. Wie war das eigentlich gekommen? Seit wann war die Stadt so scheinbar unbewohnt? Es kam ihr vor wie Jahre…




Vor einer Woche…

„Schon wieder sind 4 Menschen aus Elunia verschwunden..“ , Nana schaltete das Radio aus. Sie schaute sich nochmal in ihrem Zimmer um und ging raus auf den Flur um die Tür abzuschließen.
Hier im Waisenhaus war es immer so dunkel, dachte sie und gähnte. Nana hatte keine Lust auf Schule und besonders nicht auf ihre Mitschüler.
An anderen Waisenkindern vorbei, ging sie in den Speisesaal. Wie erwartet waren alle Plätze schon besetzt. Es war ein kleines und schon ziemlich altes Waisenhaus.
In Großstädten wie Elunia gab es viele Menschen und somit auch viele Waisenkinder, jedoch waren die meisten Heime überfüllt und niemand machte sich die Mühe dies zu ändern. Nana nahm sich ein Brötchen und verließ den überfüllten Raum. Schlurfend und ohne große Lust machte sie sich auf den Weg zur Schule. Der Bus war wie erwartet voll mit stinkenden und übelriechenden Leuten, angeekelt zog Nana ihre Nase kraus.
Als sie in der Schule ankam, läutete schon zur ersten Stunde, doch Nana machte sich nicht die Mühe sich zu beeilen. Was für ein beschissenes Leben! Sie zog die Tür zum Klassenzimmer auf.
„Na sowas! Fräulein Nana, beehrt uns auch mal mit ihrer Anwesenheit! Was für ein Ehre!“ Zornig sah Nana ihre Lehrerin an, doch sofort verflog ihr Zorn wieder, als sie den Jungen neben ihr sah. „Also, da du nun auch hier bist, kannst du Jonas ja auch das Schulgebäude nach der Stunde zeigen und…“
Doch Nana hörte ihr schon gar nicht mehr zu. Der neue Mitschüler stand cool neben der Lehrerin und sah sie unberührt an. Sie hatte plötzlich ein komisches Gefühl im Bauch, aber nicht so ein Gefühl, wie man hat, wenn man sich auf den ersten Blick in jemanden verliebt, NEIN, es war so als wollte ihr Körper ihr sagen „Renn weg! Hau ab!“. Nana hatte noch nie so ein Gefühl gehabt, als sie jemanden angesehen hatte. Sie musste sich zusammenreisen, dachte und ging in schnellen und zitternden Schritten auf ihren Platz.
„NANA! Hör mir gefälligst zu, wenn ich mit dir Rede!“, schrie sie ihre Lehrerin an. Unberührt sah Nana sie an. Welche nun seufzte: „Na gut, Jonas du kannst dich hinter Nana setzen! Nana vergiss nicht Jonas das Schulgebäude zu zeigen! So dann fangen wir mal mit dem Unterricht an…“
Der Neue ging an Nanas Platz vorbei und setzte sich hinter sie. Das durfte jetzt doch nicht wahr sein, wieso musste die Lehrerin ihn hinter sie setzten.
Sie hatte immer noch dieses komische Gefühl und musste sich bemühen sich nicht dauernd nach ihm umzusehen. Nana zitterte. Missmutig versuchte sie dem Unterricht zu folgen, das gelang ihr jedoch nicht, immer wieder musste sie an den Jungen hinter ihr denken. Gleich nach dem Pausendong hielt sie es nicht mehr aus und rannte aus dem Klassenzimmer raus auf den Pausenhof. Dort blieb sie dann außer Atem stehen.
WER IN ALLER WELT IST ER??? Wie konnte sie nur solch eine Angst vor ihm haben? Die anderen in ihrer Klasse, blieben davon sichtlich unberührt, sie hatten Nana lediglich nur blöd angeglotzt. Nana wollte jetzt nicht mehr hier bleiben, hier wo dieser Neue, dieser Jonas war. Also beschloss sie in den alten Park zu gehen.
„Hey, was hast du denn? Hast dich wohl in den Neuen verliebt was? Haaahaaaa!“ Nana drehte sich um und sah Melina und ihre Clique, sie hielten sich alle den Bauch vor Lachen. Wütend wandte Nana sich von der Gruppe ab und lief zum Park, der 10 Minuten entfernt lag, hinter ihr konnte sie immer noch das Gelächter von Melina hören.
Als sie am Park ankam konnte man von weitem schon eine Gruppe von Jugendlichen sehen, die an Bäumen und Parkbänken, welche sie sich zusammen geschoben haben, lümmelten. Als Nana sich der Gruppe näherte rief eine Person schon ihren Namen und löste sich von der Gruppe während sie ihr wild mit den Armen zu wedelte. Es war Josh, er war sowas wie der Anführer der Clique. Blitzartig besserte sich ihre Laune (welche nicht lange andauern sollte) und sie gesellte sich zu der Gruppe.
Sie hing hier öfters mit der Clique rum, hier im Schutz der Gruppe fühlte sie sich sicher und aufgehoben. „Hey, was machste hier? Hast du nicht normalerweise Schule?“, fragt Andy sie, er grinste Nana fröhlich an.
Andy war groß, schlank und immer gut gelaunt. Ganz im Gegensatz zu Nana, die meistens ernst und genervt wirkte.
„Ach, keine Ahnung! Wir haben einen neuen Schüler, Jonas, es ist irgendwie komisch. Wenn ich ihn anseh‘ oder in seiner Nähe steh‘, dann bekomm ich so en komisches Gefühl und möchte am liebsten einfach nur WEG von ihm. So als hätte ich Angst vor ihm, oda so!“, Nana machte eine abwehrende Handbewegung, sie wollte nicht wirklich über IHN reden. Sie zitterte immer noch ein wenig.
Ihre Freunde sahen sie überrascht an. Ein Grund: Nana kannte keine Angst ; Zweiter: Nana zitterte nicht ; Dritter: Nana war immer cool. Und im Moment war sie nichts von all dem! Sie saß auf der Bank, die Arme um die Beine geschlungen und zitternd, mit dem Blick zu Boden.
Stille, niemand sagte etwas. Josh war der Erste, der das Wort wieder ergriff: „Naja, aber etwas Gutes hat es ja! Jetzt kannst du den ganzen Tag mit uns verbringen!“ verständnisvoll lächelte er Nana an. Sie sah auf, direkt in seine Augen. Langsam hörte sie auf zu zittern und entspannte sich wieder. „Sagt mal habt ihr auch schon mitbekomm, dass immer mehr Leute verschwinden oder ermordet werden?“, fragte Leonie um vom vorherigen Thema abzulenken.
„Was soll daran so besonders sein? Wir leben in einer Großstadt, da passiert sowas andauernd!“, das war Maxi. „Hörst du keine Nachrichten?? Die ermordeten Leute sind immer, bis zur Unkenntlichkeit zerschnitten. Und es verschwinden zur Zeit häufig ganze Familien! Einige Zeugen sagen, dass sie komischerweise, diese Familien, nach einer Woche wieder in ihrem Haus gesehen hätten, als dann die Polizei das Haus durchsuchte, war von der Familie keine Spur. Und das war nicht nur bei einer Familie so, sondern bei… ehm … ich glaube jetzt sind es schon sechs Familien, das sind ungefähr 20 Menschen verschiedener Altersgruppen! Sowas ist doch nicht normal! Aber es gibt auch viele Fälle in denen Obdachlose und Kinder verschwinden!“, antwortete Leonie. „Davon hab ich auch schon gehört. Aber warum sollt uns das kümmern? Es sin immerhin nur Familien, wie du sagst! Und Obdachlose verschwinden tagtäglich ohne, dass jemand was davon mitbekommt, und die Familien könnten umgezogen sein.“, Kai zuckte mit den Schultern.
„Wie kannst du sowas sagen? Es sind Menschen, die sterben und verschwinden!!

Außerdem sind es nicht nur Familien, die ermordet werden oder verschwinden, sondern häufiger Obdachlose oder Kinder! Außerdem warum sollte so viele Familien wegziehen ohne vorher ein Wort darüber zu verlieren?“, Leonie war sichtlich aufgebracht über Kais Bemerkung.
„Wir können jedoch leider nichts dagegen unternehmen! Vielleicht sollten wir schauen, dass wir nicht mehr so oft alleine unterwegs sind… Heute Abend steigt ne fette Party in Blue Blood (Disco), wer hat Lust heut zu feiern?“, Josh packte es immer wieder die Stimmung zu heben. „Jo, echt cool. Wir ham eh nix mehr in letzter Zeit zusammen unternommen!“, jubelte Andy.
Den Rest des Tages hing die Clique im alten Park rum.
Alle plauderten vergnügt und fröhlich miteinander. Gegen 20:00 Uhr, als langsam die Sonne unterging, machte sich die Gruppe auf dem Weg zu Blue Blood. „Yeah, des wird en geiler Abend“, reif Andy. Sie waren alle gut gelaunt und Nana hat Jonas schon fast vergessen.
Als die Clique Blue Blood betrat, tanzten schon überall Jugendliche, im Rhythmus der lauten Musik und der bunten Lichter, egal ob auf der Tanzfläche oder an der Bar, jeder war gut drauf. Josh, Andy, Leonie, Kai, Maxi und Nana gesellten sich zu einer zu dem Rest ihrer Clique, welche sich in der Sitzecke der Dico gemütlich gemacht hatten. Das waren: Lullu, Lenox, Felix, Rene und Flori. Lullu und Felix saßen wie so oft Arm in Arm auf der Bank, sie waren schon seit ca. einem Jahr zusammen.
In der Hand hielt jeder ein Glas mit irgendeinem Mixgetränk. Josh und die anderen setzten sich zu ihnen und bestellten sich auch gleich etwas zum Trinken.
Alle genossen die Nacht und feierten, tanzten und tranken. Gegen 12 Uhr wollte Nana gerade aufstehen und sich auf den Weg zum Waisenhaus machen, als sie wieder dieses komische Gefühl bekam. Verängstigt schaute sie sich in der Disco um, ihre Blicke huschten über die Tanzfläche und über die Leute hinweg.

Dort!

Da war er, er stand am Eingang und checkte die Lage mit seiner Gruppe. Sie standen ungefähr zu viert dort, doch Nana bemerkte die starken Auren der andern drei sofort. Es war nicht so, dass Jonas mit seinen Freunden auffiel, zumindest nicht für die anderen Jugendlichen. Nana konnte sie nur anstarren. „Hey Nana-lein, was ist los, Schätzchen?“, hauchte ihr Rene ins Ohr. „Das ist e-e-r-r!!“, stammelte diese. Nun wurde auch der Rest der Clique auf Nana aufmerksam. „Hä? Wen meinst du? Der da am Eingang? Das da soll er sein? Der sieht doch ganz normal aus!“, bemerkte Kai. „Kai!! Halt die Klappe! Komm Nana wir gehen, ok?“, Josh stand auf und zog Nana zu sich hoch, „ Okay Leute, man sieht sich!“ „Ich muss auch gehen“, Leonie machte Anstalten aufzustehen, dabei wankte sie gefährlich hin und her.

„AHHHHHHHHHHHHH!“ Ein schriller Schrei durchschnitt die laute Musik. Stille. Die Musik aus. Lichter an. Niemand wagte es sich zu bewegen. Was war passiert? Josh schaute sich nach Nana um. Sie starrte zum Eingang. Josh folgte ihrem Blick, doch dort war nichts.
Er schaute sich in der Disco um, auf der Suche nach Jonas, jedoch war von ihm und seinen Freunden keine Spur. Allerdings fand er etwas anderes. Besser gesagt, jemand anderes.
Ein Mädchen lag auf der Tanzfläche, ihre Haare waren durchdrängt von einer roter Flüssigkeit. Blut! Es rann ihr über die blassen Lippen und es verteilte sich auf den Boden.
Nana starrte noch immer zum Eingang.
Langsam löste sich ihr Blick davon und richtete sich auf das tote Mädchen. Langsam, auf wankenden Schritten trat sie auf das Mädchen zu. Josh wollte ihre Hand nehmen doch ihre Hand entglitt ihm.
Nana kniete sich zu dem Mädchen und schob ihre Haare zur Seite. An ihrer Schulter klaffte eine tiefe Wunde, um die Wunde konnte man blaue Adern sehen, die stark herausragten.
Langsam fanden die Jugendliche ihre Sprache wieder. Man konnte nun einige Mädchen schluchzen und heulen hören und Jungs, die versuchten sie zu beruhigen, andere konnten nur die Leiche anstarren.
Nana kniete immer noch benommen neben dem toten Mädchen. Sie fühlte nichts, sie war wie betäubt. Nana hatte es gesehen.
Nana hatte gesehen, wie Jonas dem Mädchen die Hand auf die Schulter legte und wie plötzlich diese tiefe Wunde da war. Nana hatte gesehen wie schnell er war. Hatte gesehen, wie seine Freunde grinsend am Eingang gestanden haben und wie sie verschwunden sind.
Schnell, übermenschlich schnell waren sie gewesen. Das war zu viel für Nana und sie kippte zur Seite, wurde ohnmächtig, landete in der Lache von Blut. „Naaaaaannnaaaa!!!!“

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Publication Date: 04-27-2011

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Dedication:
Ich widme dieses Buch meinen Freunden und meiner Familie, weil sie immer für mich da sind :)

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