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"Siehste, so war das mal".
Woher kommt das denn?
Sind Erinnerungen schön oder Gift für das Jetzt?

Kann es sein, dass es Menschen gibt, die vor ihrer eigenen Vergangenheit Angst haben?
Gar fliehen?
Oder woher kommt es, dass sie sie so ablehnen?
Für viele ist es nicht ungewöhnlich, dass die Vergangenheit ihren Standplatz beibehält, dass sie existiert und dass man zu ihr steht.
Für andere, höre ich, ist sie unangenehm. Na ja, wer weiß, was andere in ihrem Leben alles mitgemacht haben, doch das gilt ja nicht für alle Menschen, oder?
Da ist es dann erklärlich, wenn es heißt: „Blick nicht ständig in die Vergangenheit zurück“.
Wie ich darauf komme?
Nun ja, wenn ich die Blicke sehe, die sich an meinen Bildern an den Wänden anheften, dann erklärt mir das vieles. Manche Blicke sind recht skeptisch, da frage ich mich schon: “Was denkt der sich grad“, projiziert er seine Erfahrungen oder Erinnerungen jetzt auf mich“?
Für mich klingt das eher so, als hätte da einer ein eigenes Problem, das er selbst gar nicht als Solches erkennt.

Auf vielen von meinen Bildern sieht man meine Vergangenheit, natürlich, es war ja gestern, geschenkte selbstgemalte Bilder von meiner zeichnenden Mama, meine Kindheit, bestimmte Begebenheiten, die Eltern, meine Hochzeit, das 1. Kind, Oma und Opa – lange tot, meine verstorbenen Katzen, meine beiden Brüder in jungen Jahren, ich auch mal aktuell, Schauplätze im Urlaub mit Freund oder Mann, überhaupt meine Männer, Liebhaber, Freunde, alles Geschöpfe, die einen gewissen, sehr wichtigen Stellenwert in einer bestimmten Zeit meines Lebens eingenommen haben. Es sammelt sich eben allerhand an im Laufe des Lebens, das ich nicht unbedingt in alte Alben verbanne.
Alles was noch gestern und vorgestern war, ist schließlich längst Vergangenheit..
Ich sehe keine Veranlassung sie abzuhängen, im Gegenteil, manchmal tausche ich sogar die Bilder aus. Warum auch nicht, ich hebe mir ja auch für eine gewisse Zeit ( ich weiß, viel zu lange ) - meine alten Kontoauszüge und alten Akten auf, obwohl sie längst nicht mehr gebraucht werden oder gar aktuell sind.
Bilder und Bücher, ja bestimmte Situationen gehören in ihren Erinnerungen zu meinem Leben.
Ich krusche nun nicht täglich darin herum, nicht dass das einer meint, schließlich lebe ich ja in der Gegenwart und bin mir dessen durchaus bewusst, aber sollte ich sie deshalb vielleicht verleugnen? Das wär doch ausgesprochen dumm, letztendlich hat sie ja mal existiert.
Für mich wäre das so, als würde ich einen Großteil meines Lebens wegschmeißen.
Da wäre ja dann mein rückwärtiges Leben leer, vielleicht sogar belanglos, so ganz ohne Erinnerungen.
Sehe ich auf das eine oder andere Bild, dann denke ich vielleicht sogar aktuell an den einen oder anderen der sich darauf befindet.
Neulich kam ein alter Freund vorbei, der nicht immer nur Freund, sondern auch mal mehr in meinem Leben war.
Der guckte und sagte; „ ach, da hänge ich ja auch noch!, - und lachte: “Willst du mich nicht mal abhängen, austauschen, eliminieren“?
Ich stutzte ein wenig, runzelte die Stirn, dachte drüber nach und sagte: “Neenee, warum denn, warum sollte ich das, wieso, es gibt dich doch noch, und sei es auch nur in meinen Gedanken oder als Bild an meiner Wand“?
Geschmeichelt rückte er seine Krawatte zurecht, aber ich sagte ihm: “Du, das hat nix mit dir, das hat nur was mit meinen lieb gewordenen Gewohnheiten zu tun, für dich ist das völlig ohne Aussagewert“.
So sind meine Bilder an der Wand ein Ausdruck meiner Vergangenheit, an die ich gerne zurückdenke, weil die Aktualität der jetzigen Zeit mir die Bilder und die Erinnerung daran sogar etwas verschönt, soweit ich mich dran überhaupt zurückerinnere..
Wenn andere nicht fähig sind, sich gerne an ihre Vergangenheit zurückzuerinnern, wenn da gar nichts Schönes ist, an das man gerne zurückdenkt, loswerden werden sie sie davon nicht, indem sie sie verdrängen.
Ich sehe sie lieber von Zeit zu Zeit an, und sage mir höchstens“ Siehste, so war das mal“..


Einen wenigstens...
Gute Vorsätze


werden immer wieder gerne genommen.

Warum nehmen wir uns eigentlich jedes Jahr, am Jahresanfang - das Gleiche vor und erfüllen es dann doch nicht.
Ist es der innere Schweinehund, der uns sagt: “Los, hopp, mach mal endlich, das wolltest du doch schon immer“, oder unser schlechtes Gewissen das uns antreibt?
Unerledigtes – ein Wort, dass uns unser ganzes Leben begleitet.
Irgend etwas bleibt doch immer liegen.
Mal sind es die bürokratischen Arbeiten, die wir vor uns herschieben, mal sind es bei Frauen die Hausarbeiten, wie: “müsst mal dringlichst die Fenster putzen, oder die Blumen umtopfen“,
oder: „ du bist zu fett, nimm ab und melde dich bei den Weight watchers an“, bei Männern, „du wolltest dein Auto auf Vordermann bringen, dich im Sportverein anmelden, das Haus streichen,“ oder ähnliches.
Ein Student: „du wolltest dich doch im Februar für das nächste Semester anmelden“.
Es ist zum Haare raufen.
Ein guter Vorsatz ist etwas was man sich vornimmt, es sagt beileibe nicht aus, dass wir es tatsächlich angehen.
Am Sylvesterabend haben die guten Vorsätze Hochkonjunktur, sie fliegen uns förmlich um die Ohren.
Wir reden davon, planen sogar vielleicht und wenn es dann näher rückt, der Tag X kommt, verpufft es, verläuft im Sande, verdünnisiert sich, so, als hätte der Vorsatz nie bestanden.!
Was sind wir nur für Schwächlinge, Chaoten, Feiglinge, Faulpelze, Trantüten, dabei wäre es doch so leicht.
Man müsste nur konkret werden, sich am Riemen reißen, sich zusammen nehmen und dann tun, was ansteht. Da hilft kein Augen rollen und seufzen, tun müssten wir es schon selber.
Liegt es an unserer Trägheit oder am Charakter?
Ich sehe es ja nicht nur an mir,
ich sehe es an vielen anderen Leuten.
Sie prahlen was sie alles vorhaben und fragst du nach einiger Zeit nach, ist nichts geschehen.
Ein allseits beliebter Satz, der dies ausdrückt, hört sich so an: ach, ich hatte noch keine Zeit, oder: ja, Morgen.
Kennst du diesen Satz nicht an dir selber? Warum wunderst du dich, dass ihn andere wie du gebrauchen?
Brauchen wir tatsächlich erst den Druck von außen, ehe wir das beginnen, was wir im Innersten längst beschlossen, jedoch nie angefangen haben?
Gute Vorsätze...
Wie zum Beispiel: Das Rauchen aufhören – vergiss es, das schaffst du eh nie!
Warum nimmt man es sich dann erst vor?
Die Auslandsreise: na ja, das Geld ist eben grad mal knapp!
Längst fällig: ne Freundin besuchen; ach die arbeitet ja grad, ist nicht zuhause!
Und schon streckst du deine Füße gerne und freudig wieder an den heimeligen Herd.
Was sind wir doch so bequem.
Und jetzt?
Räume ich endlich meinen Schreibtisch auf!
Dann habe ich wenigstens EINEN geschafft.


Imprint

Text: Text @ Angelface
Publication Date: 01-12-2009

All Rights Reserved

Dedication:
all denen, die ihre verleugnen, weil sie so schmerzhaft ist.

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