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Kapitel 4. Das Date




Schon als ich an diesem Morgen aufwachte, hatte ich ein bedrückendes Gefühl.
Als ich dann am Frühstückstisch saß, durfte ich mir dann noch anhören, wie unglaublich attraktiv Misaki doch sei und was er für wunderschöne Glasklare blaue Augen hatte.
Das es doch eine Sünde wäre, sich diesen Mann nicht zu krallen.
Und ich dachte mir nur: Ich kotz ins Essen.
Nur weil ich das Pubertäre Alter inzwischen hinter mir gelassen hatte musste ich mich nun dem erst besten um den Hals werfen?
Noch dazu einem Wolf im Schafspelz?
Für wie naiv mussten die mich halten?
Weil ich nichts zu deren Schwärmereien sagte, sondern weiter an meinem Brötchen rum lutschte und mir nebenbei einen Kaffee gönnte, meinte Yu, sie müsste uns eine andere Erklärung mitteilen, warum ich nicht an Misa interessiert war.
„ Bist du etwa Lesbisch, Risa?“ bei dem Worten verschluckte ich mich prompt und bekam einen derben Hustenanfall. „ Ich mein, uns kannst du es doch sagen.“
„ Nur weil ich mich nicht jedem gleich um den Hals werfe, heißt das doch nicht das ich auf Frauen stehe!“ keuchte ich ihnen entgegen. „ Vielleicht hab ich ja sogar einen Freund, den ich euch nicht vorstellen will.“
„ Sieht er gut aus? Erzähl doch mal was über ihn.“ klinkte sich Chika im Gespräch ein.
„ Ich habe gesagt, da sich einen Freund haben könnte, nicht das ich einen habe!“ ich aß den letzten Bissen auf und fuhr dann fort. „ Und selbst wenn ich einen hätte, würde ich euch das nicht auf die Nase binden.“
Genervt stand ich von meinem Platz auf und kümmerte mich um die Kinder.
„ Was hat sie denn?“ fragte Yu verblüfft.
„ Risa ist bestimmt wegen dem Date heute etwas neben der Spur. Schließlich muss man nicht jeden Tag seine Zeit mit einem völlig Fremden verbringen.“ wenigstens unsere Mutti verstand mich ein bisschen.
„ Ihr ist sein aufregender Körper bestimmt auch nicht entgangen.“ kicherte Chikako belustigt.
„ Spielen wir heute wieder zusammen, Risa?“ fragte Miya mich.
„ Heute geht es leider nicht, Maus. Ich muss doch in die Stadt.“
„ Och schade.“
„ Aber morgen spielen wir wieder zusammen, ja?“
„ Versprochen?“
„ Ja, versprochen.“
>Stimmt, sie hat ja heut dieses Treffen mit Misaki. Vielleicht sollte ich ihnen nach schleichen. Nicht das sie Misa noch was antut...oder er ihr... ...< dachte Patty sich besorgt.
Das blonde Mädchen wollte unbedingt heraus finden, warum ich gestern so komisch reagiert hatte und warum ich zusammen brach.
Der Gedanke, das ich ein Teufel sein könnte, hatte sich tief in ihr fest gebissen.
„ Hast du keine Angst? Ich mein, da könnte doch so viel passieren. Kann man diesem Typen vertrauen?“ auch Elenor machte sich so ihre Gedanken.
„ Na hör mal! Natürlich kann man Misaki vertrauen!“ fuhr Patty ihre Freundin an. „ Er wird nichts gemeines machen!“
„ Ja sorry. Du hast recht. Es ist ja dein Misaki.“
„ Schon gut. Aber für Misaki ist Risa auch eine Fremde und um ihn macht ihr euch keine Sorgen!“
„ Glaubst du etwa ich würde ihm etwas antun?“
„ Ähm nein! Natürlich nicht... ich...“ doch dann sprang sie plötzlich auf und rannte aus dem Zimmer.
>Was läuft denn jetzt ab?<

Etwas verwirrt folgt ich ihr und fand sie schließlich im Garten wieder.
„ Was ist los, Patty? Was bedrückt dich denn?“
„ NICHTS!! Ich finde es nur unfair wie sie über Misaki richten. Dabei kennen sie ihn ja gar nicht!“
„ Ja eben. Genau das ist doch das Problem.“ Ich setzte mich zu ihr auf die Wiese und schaute in den Wolkenfreien Himmel. „ Sie kennen ihn nicht und deshalb machen sie sich Sorgen um mich. Wenn du ihn nicht kennen würdest, würdest du dir doch auch Sorgen machen, oder?“
„ Ja vielleicht. Ich weiß ja auch nicht was mit mir los ist...“
„ Hast du etwa Angst ich nehme dir Misa weg?“
Die Kurze riss plötzlich die Augen weit auf und starrte mich mit offenem Mund an.
„ Hab ich etwa recht?“ griente ich sie an. „ Bist du in ihn verliebt?“
„ I-Ich weiß nicht wovon du redest! Wie sollte ich mich in so einen alten Mann verlieben können? Außerdem bin ich für so was noch viel zu klein.“
„ So klein bist du doch gar nicht mehr. Und es ist doch nur Menschlich sich zu jemanden hingezogen zu fühlen, der einem Geborgenheit und Sicherheit vermittelt.“
„ Ich wäre gern bei ihnen eingezogen...“ erklärte sie mir leise. „ Als Keiths Freundin noch lebte, wollten sie mich adoptieren. Aber als sie starb, fiel er in ein tiefes Loch. Und solche Unwichtigkeiten wie mich zu adoptieren wurden neben sächlich.“
„ Auch Keith wird sich wieder ein kriegen und dann wird er dich bestimmt zu sich holen. Verliere die Hoffnung nicht, Patty.“
„ Der wird sich nicht wieder ein kriegen.“ urplötzlich find sie an zu weinen. „ Er will doch nur sterben! Das einzige was ihm am Leben hält, sind seine Rache Gefühle!“
„ Patty...“ tröstend nahm ich sie in den Arm und strich ihr beruhigend über den Rücken.
„ Du weißt doch wie es ist, wenn man eine geliebte Person verliert. Natürlich ist jetzt alles schwarz und das ganze Leben macht keinen Sinn mehr. Aber irgendwann wird er zu seinem alten Ich zurück finden. Da bin ich mir sicher...“
„ Du kennst ihn nicht, Risa.“ schniefend strich sie sich die Tränen weg. „ Sonst wüsstest du, dass es nichts auf dieser Welt gibt, was ihm seinen Willen zu leben wieder bringen kann.“ fügte sie im Flüsterton hinzu.
„ Vielleicht ist ihm dieses Etwas oder dieser Jemand nur noch nicht begegnet. Oder er ist schon im Besitz dessen und weiß es nicht.“
„ Ich weiß einfach nicht was ich noch machen soll...“
„ Das kann ich dir auch nicht sagen. Aber am besten wäre es wohl, wenn du ihm einfach noch etwas mehr zeit schenkst.“
> Merkt dieser Idiot denn nicht, das er sie mit seinem Verhalten verletzt? Männer!<
„ Ich lasse ihm ja so viel zeit wie er braucht. Ich wünschte nur, er würde ein bisschen dieser Zeit ins Aufräumen investieren.“ argwöhnisch verzog Patty ihren Mund. „ Er ist schon so alt und doch so unfähig für sich selbst zu Sorgen.“
„ Naja, Männer sind halt von Haus aus unreif. Er wird schon noch lernen wie man den Haushalt schmeißt.“
„ Das hoffe ich doch.“ kicherte Patricia belustigt. „ Schließlich kann ich ihnen nicht ewig die Brocken hinterher räumen. Eines Tages werde ich meinen eigenen Haushalt haben.“
„ Ich hoffe für dich das du dir keinen zweiten Keith an lachst.“ ich konnte mir ein grinsen kaum verkneifen. „ Ansonsten wirst du wohl ewig die Putzfrau bleiben.“
„ Da hast du wohl recht. Aber Keiths Treue darf er gern haben.“
„ Ok, da könntest du recht haben. Hach ja, wenn man sich doch den perfekten Mann backen könnte.“
„ Das wäre echt eine feine Sache...“
Kurze Zeit schwiegen wir uns an und jeder für sich dachte über den perfekten Traummann nach, solange, bis wir beide plötzlich gleichzeitig auf seufzten.
Und genauso gleichzeitig fingen wir an zu lachen.
„ Schön das du wieder lachen kannst.“ ich erhob mich wieder und hielt hr meine Hand hin. „ Wir sollten jetzt zurück zu den anderen gehen, bevor die noch einen Suchtrupp nach und aussenden.“
„ Ok.“
Nachdem sie sich die Tränen weg gewischt hatte, griff Patricia nach meiner Hand und stand wieder auf.
Zusammen schlenderten wir dann wieder zurück in das Haus.

Um Punkt 12 Uhr stand dann Misaki bei uns in der Tür um mich abzuholen.
„ Guten Tag.“
„ Misaki!“ Patty sprang ihm gleich wieder in die Arme. „ Bist du aus dem Bett gefallen?“
„ Wie könnte ich ein Date mit so einer bezaubernden Frau denn einfach verschlafen?“
„ Sprichst du von dir?“ wollte ich dann von ihm wissen.
„ Na das wird sicher spaßig heute...“ war alles was er dazu sagte. „ Geht es dir wieder besser, ja?“
„ Sieht man doch, oder nicht?“
„ Schade...“ seufzte Misa gekonnt. „ Ich hatte mich schon drauf gefreut dich die ganze Zeit im Arm halten zu können.“
„ Die ganze Zeit im Arm halten zu können?“ harkte das blonde Mädchen verdutzt nach.
„ Träumereien eines Spinners.“
„ Ach so?“
„ Hach ja, du bist echt niedlich.“ lächelte mich dieser Teufel süß an. „ Wollen wir dann mal?“
„ Wenn es sein muss.“
„ Bis später, Kleines.“
„ Besuch mich bald wieder, ok?“
„ Sicher.“
Langsam folgte ich ihm zu seinem Wagen hin und ließ mich brummend auf den Beifahrersitz nieder.
„ Hast du irgendwelche besonderen wünsche?“
„ Nein.“
„ Mh. Ein sehr pflegeleichtes Mädel also.“
„ Wenn du meinst.“
Seufzend drehte er sich zu mir hin und musterte mich nachdenklich.
Meine abwehrende Haltung war nun wirklich nicht zu übersehen und so blieb es ihm auch nicht verborgen.
„ Wäre es für dich nicht viel angenehmer, wenn du wenigstens versuchen würdest, meine Gegenwart zu genießen?“
„ Ja vielleicht.“
Lächelnd schüttelte er seinen Kopf und fuhr los.
„ Du musst doch inzwischen bemerkt haben, das ich an keinem Kampf interessiert bin, oder?
Jetzt, wo er sich auf die Straße konzentrieren musste, nutze ich die Chance und betrachtete ihn ausgiebig.
Wenn man dem glauben schenkte, was Patty über den Zustand seiner Wohnung erzählte, würde man doch annehmen, das er ein dicker, verpickelter alter Sack mit Akne im Gesicht war.
Aber genau das Gegenteil war der Fall.
Misaki hatte ein sehr gepflegtes Äußeres, selbst seine Hände spiegelten diese Reinheit wieder.
Je länger ich mir seine starken, Muskulösen Arme ansah, desto tiefer rutschte ich in meine Gedankenwelt.
Ich stellte mir vor, wie er mich mit Leichtigkeit tragen könnte und wie sanft diese Hände einen streicheln würden.
Dabei vergaß ich scheinbar, dass es sich bei diesem Mann um einen Teufel handelte, dass ich andere seiner Art verfolgte und ins Reich der Toten zurück schickte.
Was war nur los mit mir? Bevor Dark in mein Leben getreten war, wusste ich noch was ich für diese Ausgeburten der Hölle empfand: Abgrundtiefer Hass.
Aber jetzt...hatte sich etwas an meinem Denken verändert?
Oder war ich die ganze Zeit mit dem bekannten Schubladendenken durch die Welt gelaufen?
War Misa es überhaupt wert, ihm hart erkämpftes Vertrauen entgegen zu bringen?
Nun, ich war fast davon überzeugt, dass ich es am Ende des heutigen Tages heraus gefunden haben sollte.
„ Du musst mich nicht die ganze Zeit nur anstarren, du kannst auch gern mit mir reden.“
schon wieder grinste er mich frech an und holte mich ins hier und jetzt zurück.
„ Lass mich doch!“ leicht gerötet verschränkte ich meine Arme vor die Brust. „ Schließlich habe ich nicht jeden Tag ein Date mit einem Dämon.“
„ Das wird bestimmt nicht deine letzte Verabredung mit mir sein.“ selbstsicher smilte er mich über den Rückspiegel an.
„ Sei dir da mal nicht so sicher.“

Kurze Zeit später hielt er vor einem kleinen schicken Restaurant an, stieg aus dem Auto aus und öffnete meine Tür um mir allen ernstes beim aussteigen zu helfen.
„ Ich sag dir gleich, das die Gentleman Masche bei mir nicht zieht.“
„ Ich bin wie ich bin. Und eigentlich hab ich mir gar nicht vorgenommen, dich heut in mein Bett zu bekommen.“
„ Um eine Lüge nie verlegen, was?“
„ Wirklich nicht.“
„ Und warum wolltest du dann unbedingt den Tag heut mit mir verbringen?“
„ Um mehr über dich zu erfahren. Und vielleicht erkennen wir ja ein paar Gemeinsamkeiten.“
„ Gemeinsamkeiten? Ich mit einem Teufel? Das glaubst doch wohl selber nicht.“
„ Zu mindestens schlagen wir uns beide die Nächte um die Ohren, um die Stadt etwas sicherer zu machen, oder?“
„ Ja schon...“
„ Na siehst du! Da haben wir schon die erste Gemeinsamkeit.“ lächelnd nahm er meine Hand in seine und zog mich zärtlich mit sich. „ Komm schon, ich habe Hunger und hier gibt es die Weltbeste Pizza.“
„ Ist ja gut.“
Wir hatten die Gaststätte kaum betreten, da kam der Boss des ganzen schon angelaufen und begrüßte Misaki freundlich.
„ Misaki, mein Junge! Wir haben uns ja lang nicht mehr gesehen. Und OH du hast ja eine reizende Begleitung mitgebracht. Kommt mit mir, ich bringe euch zu dem besten Tisch.“
„ Du isst wohl öfter hier, was?“ wollte ich von meinem Begleiter wissen.
„ Ich habe halt nicht die Zeit noch groß zu kochen.“
„ Soll das ein Ja sein?“
„ Finde es doch heraus.“
„ So bitte sehr. Hier seit ihr zwei völlig ungestört.“
Der attraktive Herr neben mir, schob einen Stuhl zurück und deutete mit einem Kopfnicken an, das ich mich hin setzen sollte.
Am liebsten hätte ich mich ja auf einen anderen Stuhl gesetzt, aber ich wollte Misaki vor seinem Freund nicht dumm da stehen lassen.
Also folgte ich seiner Anweisung und setzte mich vor ihm hin.
„ Wisst ihr schon was ich trinken wollt?“
„ Eine Cola hätte ich gern.“
„ Für mich ein Wasser.“
„ Sehr gern.“ mit den Worten verließ er uns erst einmal wieder.
„ Du und ein Wasser?“ harkte ich verdutzt nach. Das passte irgendwie nicht zu ihm.
„ Sicher. Ich muss doch noch fahren.“
„ Und daran hältst du dich?“
„ Na klar. Ich stehe doch schließlich unter strenger Beobachtung.“
„ Ach, deshalb zeigst du dich jetzt von deiner besten Seite.“
„ So ist das nun auch wieder nicht.“
„ Das würde ich jetzt auch sagen.“
„ Du wirst schon noch sehen, dass ich mich immer so verhalte.“
Ein paar Minuten später bekamen wir dann unsere Getränke und bestellten einen leckeren Salat für mich und eine fettige Pizza für ihn.
„ Na dann erzähl mir mal, warum du deines gleichen jagst.“
„ Mein Partner und ich führen ein Büro für übernatürliches. Tagsüber jage ich also auf Bestellung und Nachts jage ich um die Menschen zu schützen.“
„ Wäre es nicht Finanziell effektiver, wenn ihr eure Beute nicht noch Nachts jagen würdet?“
„ Die Menschen die uns engagieren werden meist von Geistern heim gesucht. Jene, die von Teufeln gequält werden, haben oft nicht mehr die Möglichkeit uns zu rufen.“
„ Das stimmt wohl.“
„ Und warum bist du zur Jägerin geworden?“
„ Weil ich die Teufel hasse. Mehr als alles andere auf der Welt.“ ich schloss kurz meine Augen und sah dann zur Seite. „ Außerdem hat Thanatos mir etwas geraubt, was ich mir auf jeden Fall wieder holen werde.“
„ Deine Kräfte?“
„ Auch. Aber noch schlimmer ist der Verlust meiner Schwester. Allein dafür werde ich ihn in den Arsch treten.“
„ Ja, dieser Hund hat viele Leben auf dem Gewissen.“ dann schaute er mich ernst an. „ Also suchst du auch nach dem letzten Weg, der in die Dämonen Welt führt?“
„ Jep. Aber bisher konnte ich noch nichts brauchbares heraus finden.“
„ Dann haben wir ja schon wieder was gemein. Auch wir suchen nach dem Tor.“
„ Ehrlich?“ erstaunt sah ich zu ihm hin. „ Warum das?“
„ Weil Thanatos nicht nur eine gute Freundin getötet hatte sondern auch Keiths Vater durch seine Hand starb.“
Dann stimmte es ja wirklich. Diese zwei Teufel und ich gingen den Gleichen weg, kämpften für das Selbe und verfolgten das gleiche Ziel.
„ Und konntet ihr schon was heraus finden? Über das Tor meine ich.“
„ Den einzigen brauchbaren Hinweis den wir entdeckten war ein Rätsel. Das Tor befindet sich zwischen dem Himmel und der Hölle. Also auf der Erde. Zu mindestens gehen wir davon aus.“
„ Zwischen Himmel und Hölle?“ wiederholte ich seinen Satz nachdenklich. „ Also zwischen dem Reich der Götter und dem Reich der Teufel. Ja, das könnte wahrhaftig die Erde sein. Eventuell liegt das Tor in einem Gebäude oder auf einem Platz verborgen, was man mit der Hölle oder dem Tot verbindet.“
„ Ein Friedhof zum Beispiel.“
„ Ja, oder aber in einem alten Tempel. Ein verlassenes Bestatter Gebäude könnte auch vom Tod erfühlt sein.“ ich machte eine kurze Pause, da unser Essen aufgetischt wurde.
Als wir dann wieder allein waren, führte ich meine Überlegungen fort. „ Oder was zieht dich denn noch an? Du bist doch ein Teufel.“
„ Friedhöfe, natürlich. Oder Orte an denen Dämonenbeschwörungen stattfinden. Das Leichenschauhaus oder Bestatter ziehen mich nun nicht so an aber dafür Massengräber. Dort ist die Wut und das verlangen nach Rache stärker.“
„ Du meinst Gräber mit Mordopfern?“ und dann fiel mir eine alte Geschichte ein, die sich die Kinder gern als Gruselgeschichte am Lagerfeuer erzählten. „ Vor ein paar Jahrhunderten lebte ein Mönch in einem Tempel. Dieser Mönch ernährte sich vom Menschlichen Fleisch und saugte den Jüngeren die Lebensenergie aus um Überleben zu können. Danach verscharrte er die Leichen in dem Kellergewölbe unter dem Tempel.
Die Menschen vertrauten ihm und ließen sogar ihre Kinder in seiner Obhut. Also wo könnte die Wut und das Verlangen nach Vergeltung größer sein, wenn nicht da?“
Erstaunt starrte er mich an. Hatten wir nun tatsächlich DEN Hinweis gefunden, der uns nach vorne bringen würde?
„ Natürlich das ist es! Wenn wir nun heraus finden können, wo sich dieser Tempel befindet, finden wir vielleicht auch endlich das Tor.“
„ Es gibt viele Bücher, die diese Geschichte neu aufgerollt haben. Irgend eins davon wird bestimmt die wahren Daten beherbergen.“
„ Und die Geschichte ist wirklich wahr?“
„ Ja.“ nickte ich. „ Ein Teufelsaustreiber hatte zufällig gesehen, wie der Mönch einem Kind die Lebensenergie aus gesaugt hatte. Mit Gottes Hilfe hat er dem Treiben dann ein Ende gesetzt und seine Erlebnisse für die Ewigkeit festgehalten.“
„ Das hat er sehr gut gemacht.“
„ Ja, aber ich bezweifle das wir das originale Buch finden werden. Oder doch...vielleicht in einem Museum?“ dachte ich kurz darüber nach.
„ Er war ein Teufelsaustreiber? Vielleicht liegt das Buch in einer Bibliothek der Kirche.“
„ Stimmt. Das wäre wahrscheinlicher.“
„ Tja, aber die Kirchen wirst du wohl allein abklappern müssen. Du weißt ja das ich da nicht rein komme.“
„ Bevor ich mich unvorbereitet um die Bibliotheken der Kirche kümmer, studiere ich lieber erst mal ein paar Bücher. Nicht das dieser Austreiber für die Kirche am anderen Ende der Welt gearbeitet hat.“
„ Ich wusste doch das es nur gut sein kann, sich mit dir zu verbünden.“ er lächelte mich an und aß das letzte Stück seiner Pizza auf.
„ Erst einmal ist das ja nur ein Hinweis. Ob uns dieser Weg ans Ziel führt, sehen wir dann.“
„ Und wenn wir am Ziel ankommen? Was hast du dann vor?“
„ Dann werde ich Thanatos für alles was er getan hat büßen lassen.“ ich sah Misaki fest in die Augen. „ Ich werde dafür sorgen, dass die Göttin des Lebens ihre Mächte wieder erlangt und jeder der von diesem Deppen getötet wurde, zurück ins Leben findet.“
„ Mh?“ erst spiegelte sich erstaunen in seinem Gesicht wieder, aber dann sah er mich wieder leicht lächelnd an. „ Diese Göttin des Lebens scheint ja eine wichtige Person bei euch zu sein.“
„ Sie ist die einzige, die die verlorenen Seelen noch retten kann. Die einzige...“ betroffen senkte ich meinen Blick. „ Die in der Lage ist, die Lebenskerzen neu an zu zünden.“
„ Das heißt also das alle Seelen, die von Thanatos getötet wurde, gar nicht wirklich tot sind?“
„ Nicht alle. Und zur Zeit sind sie schon tot. Aber sie... könnte sie zurück holen.“
„ Und sie lebt auch noch, ja?“ er machte eine künstlerische Pause und trank von seinem Wasser. „ Thanatos sucht doch nach ihr, weil ihr Blut diese Schwuchtel unverwundbar machen könnte.“
„ Also weißt selbst du das. Ein Dämon, von niedrigem Rang.“
„ Hey!“ er trat mir leicht gegen das Bein. „ Werde mal nicht verletzend hier.“
„ Ist doch so, oder nicht?“
„ Man könnte tatsächlich behaupten, das ich die rechte Hand vom Prinzen bin. Also begegne mir mit etwas mehr Respekt.“
„ Du meinst doch wohl, das rechte Ei des Prinzen, oder?“
„ Und wer warst du noch mal?“
„ Ich bin bloß eine einfache Göttin, die Rache geschworen hat...“
Während wir hier saßen und uns angeregt unterhielten, bemerkten wir nicht, das wir beobachtet wurden.
Patty war uns mit dem Fahrrad hinterher gefahren und hätte drauf schwören können, das er mich hier hin bringen würde.
Nun stand sie also an einem der Fenster und schielte immer wieder zu uns rüber.
>Sie machen ja gar nichts. Wenn sie wirklich ein Dämon wäre, hätte er sie da nicht schon längst gekillt? Oder ist sie harmlos? Kann ich nun beruhigt sein?<

Wir blieben noch einige Minuten in diesem Lokal sitzen, entschieden uns aber dann dazu, dem nah gelegenen Rummelplatz einen Besuch abzustatten.
Also bezahlten wir unser Essen und schlenderten zu Fuß zu dem besagten Vergnügungspark hin.
„ Wie lange bist du eigentlich schon auf der Erde, Misa?“
„ Schon sehr lange. Wie lange kann ich dir gar nicht so genau sagen.“
„ Wieso? Wie alt bist du denn?“
„ In meiner Menschlichen Form oder mein wahres Alter?“ grinste mich dieser Typ an.
„ Von mir aus Beides.“
„ Nun, als Mensch bin ich Mitte zwanzig in etwa, aber als Teufel hab ich die Einhundert schon geknackt.“
„ Ehrlich? Alter Sack.“
„ Die Unsterblichkeit nagt an mir, könnte man so sagen.“
„ Hauptsache sie nagt dir nichts ab...“
„ Das las mal meine Sorge sein.“
„ Darüber wollte ich mir weiß Gott keine Sorgen machen. Ganz bestimmt nicht.“
„ Hach ja.“ seufzte mein Begleiter theatralisch. „ Ob du dir wohl jemals Sorgen um mich machen wirst?“
„ Vielleicht im nächsten Leben.“
„ Versprochen?“
„ Klar, im nächsten Leben werd ich nämlich ein Kummerkasten sein.“
Als er anfing zu lachen, musste auch ich aus unerfindlichen Gründen mit lachen.
„ Mh, du hast wirklich ein süßes Lachen. Zu schade das ich es so selten zu hören kriege.“
„ Dann musst du mich halt öfter zum Lachen bringen.“
„ Das sagt sich so leicht.“
So langsam konnte man die Musik der Fahrgeschäfte und die vergnügten Schreie hören.
Die Luft war erfühlt mit den süßesten Gerüchen und lud in das Süßigkeiten Paradies ein, wo man schon allein beim hinschauen zehn Kilo zunahm.
Er wollte mich doch öfter Lachen hören, oder hatte ich da was falsch verstanden?
Und um ihm diese bitte zu erfüllen, schleppte ich ihn mit in das Spiegelkabinett.
Trotz seinem sehr guten Orientierungssinn, lief er ein paar Mal frontal gegen eine der vielen Spiegeln und bei mir war das Gelächter natürlich groß.
Da hatte Misa seinen Willen doch bekommen, oder?
Danach fuhren wir im Riesenrad mit. Die Aussicht von ganz oben war wirklich atemberaubend schön und man konnte fast über die ganze Stadt schauen.
Anschließend schleifte Misaki mich dann mit in die ach so gruselige Geisterbahn.
„ Tu doch wenigstens so als hättest du angst und komm ein wenig näher.“
„ Warum sollte ich hier Angst haben?“
Ich saß gelangweilt in dem Wagen und starrte die nicht grad angst einflößenden Fratzen an.
„ Schau mal.“ er zeigte mit dem Finger auf ein Bild. „ In diesem Bild lebt ein Teufel.“
„ Ja und? Der tut doch nichts.“
„ Er nicht, aber ich könnte was machen. Danach würdest du dein Bewusstsein wieder verlieren und naja...“ und ein weiteres Mal wurde ich von ihm angegrinst.
„ Das wagst du nicht!“
„ Och warum denn nicht? So würde unsere Verabredung auf jeden Fall bombig enden.“
„ Weil ich dich dann leider in deine Einzelteile zerlegen muss.“
Plötzlich kam der Wagen mit einem lauten Quietschen zum stehen.
> Na was kommt jetzt? Die Puppe die von der Decke herunter gelassen wird?<
Doch es geschah erst mal gar nichts, bis mir jemand auf die Schulter tippte.
Seufzend drehte ich mich zu demjenigen um und fragte mich gleichzeitig wann ich aus dieser lahmen Bahn wieder raus kam.
Allerdings sollte mir nun doch ein Schrecken eingejagt werden, der bis auf die Knochen vordrang.
Als ich mich also umdrehte, starrte mich ein breit grinsender Thanatos an.
Ja, ihr habt richtig gelesen und im ernsten Moment dachte ich auch er wäre es wirklich.
Dementsprechend panisch rückte ich von ihm weg und stieß gegen einen leicht grienenden Misaki.
Gleich danach setzte sich die Bahn wieder in Bewegung und der verfluchte dreckige Teufel nahm seine wahre Gestalt wieder an.
Damit noch nicht genug, da hallte doch tatsächlich sein dämliches Lachen durch die Bahn.
Hätte Misaki mich nicht zurück gehalten, hätte ich diesem Dämon, der von der Angst lebte, seine Leidenschaft um die Ohren gehauen.
„ So ein MISTKERL!!!!“ brüllte ich ihm noch immer bebend entgegen.
„ Ganz ruhig, Liebling.“
„ Ach du sei bloß ruhig!!“ schnauzte ich nun mein nächstes Opfer an. „ Du hast ihm bestimmt darum gebeten dies zu tun!“
„ Nein. Hab ich nicht. Aber ich muss sagen, dass mir das gar nicht ungelegen kam.“
„ Ich sollte dich killen, ja wirklich, das sollte ich tun.“
Da mein Körper sich noch immer nicht beruhigt hatte, ließ ich es zu, dass er zärtlich meine Schulter streichelte.
Zum Schluss war ich echt froh, als wir die Geisterbahn endlich verlassen konnten.
„ Und was machen wir nun schönes?“
„ Ich weiß nicht, lass uns doch einfach mal weiter gehen.“
Patty klebte uns noch immer dicht am Fersen, und beobachtete jeden meiner Schritte ganz genau.
„ Ich werde das Gefühl nicht los, das wir beobachtet werden...“ teilte ich Misa meine Gedanken mit.
„ Du bist doch eine attraktive junge Frau und solltest daran gewöhnt sein, dauernd angegafft zu werden.“
„ Auf solch Unwichtigkeiten achte ich in der Regel nicht.“
„ Du weißt auch so, dass du blendend Aussiehst, nicht wahr?“
„ Ach du Spinnst doch.“
„ Manchmal bestimmt.“
„ Sag mal, sieht eure Wohnung eigentlich wirklich so schlimm aus, wie Patty immer erzählt?“
„ Nein. Es ist noch viel schlimmer.“ er machte eine kurze Pause und sah mich dann lächelnd an. „ Wir sind doch kaum zuhause und noch dazu fehlt uns die Frau im Haus. Warum sollen wir aufräumen, wenn wir auch so wissen, wo sich alles befindet?“
„ Das ist echt widerlich.“ ich verzog angewidert meinen Mund und stellte mir vor, wie Kakerlaken nachts über ihre Gesichter liefen. „ Ihr habt bestimmt einige Untermieter. Kein wunder also dass sie nicht mehr zu euch hin kommt.“
„ Ach quatsch.“ wehrte er überzeugt ab. „ Es ist ja nicht so, das wir in einer Mülltonne leben. Wir sind halt etwas unordentlich.“
„ Also wenn bei euch Essensreste an der Decke kleben und euer Geschirr ein eigen Leben hat, ist das schon keine Unordnung mehr. Aber anderer Seitz passt es natürlich zu zwei stinkenden Teufeln.“
„ Kannst du nicht einfach mal vergessen, das ich zu denen gehöre und nur mich sehen? Das ist unfair, das du alle gleich über einen Kamm scherst.“
„ Vielleicht schaffe ich das ja wirklich eines Tages.“
Nun war ich schon fast den ganzen Tag mit ihm unterwegs und wusste letzten Endes fast gar nichts über ihn.
Gut, er suchte wie ich den Weg in die Hölle. Aber das tat er doch logischerweise nur um Keith zu unterstützen.
Dann arbeitete er in einem Büro für übernatürliches, aber das konnte doch nicht nur sein Lebensinhalt sein.
Zudem hatte ich ihn doch letztens bei den Senioren im Altersheim gesehen und was er mit meiner Schwester zu tun hatte und ob es da überhaupt eine Verbindung gab, wusste ich auch nicht.
Aber selbst wenn es sich um Rika handelte, was würde es dann ändern?
Sollte ich ihnen auf die Nase binden, das sich ihre Schwester war? Das sie wegen mir überhaupt erst auf die Erde kam und wegen einer Verwechslung mit mir, ihr Leben lassen musste?
Auf der anderen Seite, wollte ich natürlich mehr über ihr Leben erfahren und dafür musste ich ja nicht viel von mir preisgeben.
Grade weil es ja auch keinen was anging, wer ich war und was ich hier zu suchen hatte.
>Und wenn Rika den Beiden bedingungslos vertraute, dann kann ich ihnen doch auch vertrauen, oder?<
Allerdings hielt mich eine wichtige Frage davon ab, die Wahrheit heraus finden zu wollen: War ich in der Lage meine Emotionen unter Kontrolle zu behalten?
Oder welche Erklärung sollte ich Misaki geben, wenn ich heulend zusammen brach?
Manche Geheimnisse blieben besser im Verborgenen und so manch gesagtes besser ungehört.
Möglicherweise gehörte diese Geschichte dazu und für alle Beteiligten wäre es das Beste, nichts weiter darüber zu erfahren.
„ Wenn du Thanatos jemals gegen über stehen solltest, willst du dann als Sieger und lebend wieder aus der Sache heraus kommen? Oder suchst auch du nur den sicheren Weg in den Tot?“
„ Ich muss überleben. Sonst wäre der Tod eines guten Freundes umsonst gewesen. Schon allein deswegen darf ich mein Leben nicht verlieren.“
„ Aber setzt du dieses geschenkte Leben nicht Nacht für Nacht leichtfertig aufs Spiel?“
„ Du hast mich noch nicht kämpfen sehen. Du tust ja fast so als wäre es ein einfaches Spiel mich zu erledigen. Aber so ist es nicht.“
„ Das ist wohl richtig.“
„ Wenn ich nicht nach Thanatos suchen würde, so würde es keiner tun. Er würde niemals seine gerechte Strafe bekommen und seine Schreckensherrschaft würde kein Ende finden. Mein Vorteil ist, das er mich unterschätzen würde wenn ich vor ihm stehe. Genauso wie du mich unterschätzt.“
„ ...“ Misaki schwieg dazu nur und starrte nachdenklich kleine Kinder an, die ihre Eltern dazu drängelten, ihnen einen Luftballon zu kaufen.
Natürlich konnte er nachvollziehen, wie groß mein Wunsch nach Rache sein musste, aber er konnte sich keineswegs vorstellen, dass ich Mächtig genug war Thanatos zu stoppen.
Also war es in seinen Augen noch wichtiger, das ich mit ihnen gemeinsam kämpfte und er mich zur Not immer beschützen konnte.
Misaki musste also dafür Sorgen, dass ich ihm vertraute und mich nicht mehr allein gegen die Armee der Teufel stellte.
„ Was uns jetzt noch fehlt ist ein nettes kleines Andenken an unser erstes Date, oder was meinst du?“ gab er fröhlich von sich. „ Warte hier, ich bin gleich wieder da.“
Mit diesen Worten ließ er mich an einer kleinen Seitengasse stehen und verschwand in der Menschenmenge.
> Na toll...<

Eine gefühlte Ewigkeit stand ich also da und langweilte mich fast zu Tode.
Solange, bis hinter mir plötzlich eine Mülltonne umfiel und dessen Deckel gegen meine Füße rollte.
Erst da, vernahm ich die dunkle Aura, die ausnahmsweise mal nicht zu Misaki gehörte.
Wenigstens würde es jetzt etwas interessanter werden.
Als ich mich dann zu dem Grund des rollenden Deckels umdrehte, erblickte ich einen alten Mann, der schwer atmend gegen eine Wand lehnte.
„ Dieser Körper ist kein guter Wirt mehr...“ murmelte er kaum hörbar.
„ Was ist los, Opa? Bietet dir dieser Mensch nicht mehr die benötigte Lebensenergie?“
Das war wirklich ekelhaft, die Haut dieses Kerls war an manchen Stellen schon eingerissen und die Lederartige Haut des Dämonen schimmerte dort hindurch.
Er brauchte ein neues Opfer, ein jüngeres und da kam ich ihm grad recht.
„ Wenn ich dich erst mal übernommen habe, wird mich dieser Teufelsschlächter nicht mehr erkennen. Ja...“ er lachte dreckig und schlurfte vor mir weg. „ Mit dir mache ich kurzen Prozess also komm schon. Komm...“
>Er wird also von einem Schlächter verfolgt... deshalb will er von der Menschenmenge weg. Um kein unnötiges Aufsehen zu erregen. Wenn er wüsste, wie gelegen mir das kommt. Er hat ja keine Ahnung mit wem er sich da anlegt.<
„ Also, hättest du gern einen schnellen oder eher einen qualvollen Tod?“
„ Du Göre glaubst also du könntest mich besiegen?“
Als er dann endlich an dem Punkt angekommen war, wo er sich scheinbar sicher fühlte, streifte er sich die Haut des alten Mannes wie einen Mantel ab.
Dann baute er sich in seiner vollen Größe vor mir auf und brüllte mich lautstark an.
Dieser Dämon sprach nur Teuflisch, oder die Sprache, die sein Wirt sprach.
Außerdem hatte diese Art nichts an, er war also vollkommen nackt. Was aber nichts zu heißen hatte, da er keine Menschlichen Proportionen hatte.
Stattdessen hatte er eher die Körperform eines Flughörnchen, nur nicht so pelzig und süß.
Seine Hände und Füße zierten lange Krallen, seine Augen waren Glutrot und auf seinem kahlen Kopf befanden sich 2 lange spitze Hörner.
Nur Flügel hatte er keine, und auch der Schwanz war von Gott nicht gegeben.
Obwohl ich mich schon etwas wunderte, warum er allein unterwegs war. Das passte nicht zu seiner Art. Oder waren die anderen dem Teufelschlächter zum Opfer gefallen?
Allerdings hatte ich dann keine Zeit mehr mir darüber den Kopf zu zerbrechen, da er auf mich zu gestürmt kam.
„ Mh...“ grinsend wartete ich darauf, das er versuchte in mich ein zu dringen, denn dass würde er nicht schaffen.
Und als er meinen Körper übernehmen wollte, prallte er an meinem Leibeigenen Schutzschild ab.
Seit mein Körper seine Mächte verloren hatte, schütze er sich selber mit einem undurchdringlichen Schild.
Kein Dämon konnte diese Barriere so leicht überwinden und so ein kleiner Parasit schon mal gar nicht.
Unsanft flog das Vieh gegen ein paar Mülltonnen und blieb einige Sekunden regungslos liegen.
„ Du bist... du bist wirklich... aber nichts bringen...du nicht Lage ihn zu töten...niemand ihn beseitigen.... Keiner...“ stammelte dieser Wicht mit den letzten Worten, die vom alten Wirt noch in seinem Kopf waren.
Unbeeindruckt lehnte ich meine Hand auf das Schmuckstück, was sich an meinem Hals befand.
Mit geschlossenen Augen rief ich die Mächte, die nicht mir gehörten, und befahl ihnen mir zu helfen.
Ein leichter Wind umspielte meinen Körper, vereinte sich mich dem sanften Glitzern meiner Kette und wurde zu einem Strudel geballter Energie.
„ Vernichtet ihn!!“
Die Worte waren kaum ausgesprochen, da rasten spitze Zapfen, aus reiner heiligen Energie, auf den Teufel nieder und durch schlugen seinen gesamten Körper, als wäre er aus Butter.
Alles was hinterher von ihm über blieb war eine Staubwolke, die vom Wind fort getragen wurde.
>Wenn der Kampf gegen Thanatos doch auch so einfach werden würde...<
Grade als ich mich auf dem Absatz umdrehte und zurück zu Misaki gehen wollte, hallte ein allgemeines Stöhnen durch die schmale Gasse.
>Ich wusste doch das er niemals allein unterwegs sein würde.<
Langsam drehte ich mich halb um und entdeckte eine Flut aus alten Menschen, die keineswegs besser aussahen wie ihr toter Freund.
„ Na das wird spaßig...“
Die meisten verloren die überflüssige Haut schon beim entlang humpeln der Häuserwände und stolperten teilweise über umgeworfene Mülleimer.
Auch wenn sie im Moment wie ein unbeholfener Haufen aussahen, war ich mir der Gefahr, die von denen ausging, durchaus im klaren.
Und doch konnte ich nichts daran ändern, dass es mir Spaß machte mit ihnen zu spielen.
Ich benutzte sie als Trampolin, veranlasste sie dazu, sich ungewollt selber anzugreifen oder mit den Köpfen zusammen zu prallen.
Es war ein leichtes ihren Angriffen auszuweichen, allerdings hatte ich das Gefühl dass es immer mehr wurden und so fing ich an, einige von ihnen in die ewigen Jagdgründe zu schicken.
Als Jägerin war ich ja eher im Fernkampf geübt aber den Kampf mit dem Schwert hatte ich inzwischen auch raus.
Das besondere an meinen Waffen war, das sie noch aus meinen Mächten geschmiedet wurden und von daher am effektivsten im Kampf gegen Teufel waren.
So wie das Wasser über Feuer siegte, gewann das Licht gegen die Dunkelheit und mein Schwert genauso wie meine Pfeile verkörperten die geballte Macht des Lichtes.
Doch plötzlich mischte sich ein weiterer Teufel in das Geschehene ein, zerschlug gleich mehrere Dämonen mit nur einem Schlag.
Dieser Typ sah im Gegensatz zu den anderen richtig Majestätisch aus. Seine Haut glänzte in der Sonne richtig und glich einer schwarzen Rüstung.
Sogar sein Kopf sah aus wie ein Helm, so als würde er seine Rüstung unter der Haut tragen.
Irgendwie kam mir dieser große starke Teufel, der mit nur einem Schlag hunderte von seiner Art tötete, bekannt vor.
Jedoch, als er sich dann zu mir umdrehte, und mich diese eiskalten goldenen Augen zum Rückzug aufforderten, wusste ich wer hier vor mir stand.
Und dann landete Misaki neben ihm und kämpfte an seiner Seite. Damit lag es wohl auf der Hand dass dieser majestätische Teufel nur Keith sein konnte.
„ Du bist spät...“ war seine Begrüßung.
„ Na du lebst doch noch.“
Hinter einer kleinen Kurve hockte Patty dann neben einer Mülltonne und verfolgte das geschehene anhand ein Paar Schatten, die an die Wand geworfen wurden.
Nur sah sie so natürlich nur die Halbe Wahrheit.
Zum einen waren nicht alle der anwesenden Teufel zu sehen und zum anderen stand auch ich in einer blöden Ecke.
Also sah sie bloß konstant 3 Teufel die gegeneinander kämpften und sie glaubte auch ganz genau zu wissen wem diese Schatten gehörten. Mir, Misaki und Keith, den sie zufällig gesehen hatte.
Obwohl die Beiden schon viele von den Dämonen zu Staub zermahlen hatten , wurden es nicht weniger und ich machte mir langsam Gedanken darüber, ob ich ihnen nicht irgendwie helfen konnte.
>Die Mächte meiner Eltern sind zu ungenau, ich könnte Misa oder seinen bekloppten Freund verletzten. Das einzige was gehen würde...<
Aber das war viel zu gefährlich. Wenn ich mit dem Bogen kämpfen würde, würde ich genau die Ziele treffen, die ich will und das mit null Prozentiger verfehl Chance.
Allerdings würde ich meine Aura damit Preis geben und so wohl die Teufel als auch die Götter wären in der Lage mich aufzuspüren.
Die beiden Schwachmaten gehörten aber Schluss endlich zu den Guten und dementsprechend mussten wir doch zusammen halten.
War das nicht unser Plan gewesen?
Während ich mit mir selber haderte, ging es vor mir noch immer richtig zur Sache und diese niederen Wesen überfielen Keith und Misaki wie Ratten den Käse.
>Ich muss was unternehmen!!!<
Ein allerletztes Mal schloss ich noch einmal meine Augen und im nächsten Moment hielt ich meinen weiß schimmernden Bogen in der Hand.
Wie eine schützende Hand wachte das Abbild der Göttin des Lebens über mich und als ich den Bogen spannte, tat das Trugbild über mir es mir gleich.
„ VORSICHT!“ schrie ich ihnen als Warnung zu.
Misa wie auch der eiskalte Typ drehten sich zu mir um und starrten mich erstaunt an.
„Ein Schuss genügt um meine Feinde zu besiegen, so war es schon immer und so wird es auch immer bleiben!“ das war so was wie mein persönlicher Zauberspruch beim Bogenschießen.
„ Was will die denn mit diesem Zahnstocher anfangen?“
Genau in diesem Moment schoss ich meinen Pfeil ab und noch im Flug vervielfältigte er sich und traf jeden einzelnen Teufel direkt ins Herz. Jeden, außer Keith und Misa.
Die Pfeile saugten den Dämonen die dunkle Macht aus und löste sie somit auf. Nicht mal eine Staubwolke blieb von denen übrig.
Danach ließ ich den Bogen wieder verschwinden und verlor dementsprechend die verräterische Aura.
Zum Glück merkten die Beiden überlebenen zwar, das sich meine Aura veränderte, aber sie wussten sie nicht zu zu ordnen.
„ Wow... ich hätte nicht gedacht das du so Mächtig bist.“
„ Ich hab doch gesagt ihr unterschätzt mich alle.“
Nur Keith sagte nichts. Er musterte mich bloß und flog dann weg.
Also wenn das wirklich der Freund von Rika war, dann verstand ich wirklich nicht, was die bloß an dem gefunden hatte.
Aus dem Augenwinkel bekam ich mit, das der attraktive schwarzhaarige Typ seine menschliche Gestalt annahm.
„ Oh man ich bin ja voller Blut...“ er knirschte kurz mit den Zähnen und sah mich dann entschuldigend an. „ So kann ich doch nicht zurück auf den Rummelplatz gehen.“
„ Schon ok. Ich würde sagen du fliegst deinem komischen Partner hinterher. Ich komme schon nach Hause.“
„ Holen wir das Ende dann mal nach?“
„ Wer weiß das schon...“
„ Nun gut... ich ruf dich einfach mal an...oder komm vorbei.“
„ Du weißt ja wo du mich finden kannst.“
„ Sicher...“ die Enttäuschung über den ausbleibenden Abschiedskuss war ihm direkt ins Gesicht geschrieben.
Seufzend ging ich zu ihm hin und richtete den Kragen seines Hemdes.
„ Es war ein sehr schöner Nachmittag.“ gab ich leise zu. „ Schade das er so aprupt enden musste.“
„ Vorsicht, sonst schmiere ich dich auch noch mit dem schwarzen Blut voll.“
„ Ich pass schon auf keine Sorge.“ lächelnd sah ich zu ihm auf und gab ich einen kurzen Kuss auf die Wange. „ Bis zum nächsten Mal, Misaki.“
Dann drehte ich mich um und ging zurück Richtung dem Rummelplatz.
„ Diese Frau macht mich fertig...“
Ich ahnte zu diesem zeitpunkt noch nicht, dass Patty nun ein ganz falsches Bild von mir hatte, denn von ihren drei Schatten ist nur einer übrig geblieben und ich war die einzige die die schmale Seitenstraße in ihrer Richtung verließ...

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Publication Date: 10-03-2011

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