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Wenn das Leben vorwärts drängt!

WENN DAS LEBEN VORWÄRTS DRÄNGT!

 

 

Montag, 26.Februar 1979.

 

 

In St. Pölten / Österreich wird ein kleines Mädchen geboren. Sie wiegt 3930 Gramm und ist 52 cm groß. Eine Glatze ziert ihren Kopf und die Augen sind leuchtend blau. Ihr Name soll Sylvia Pia Maria lauten.

Ihre Eltern, die bereits eine ältere Tochter haben, erfreuen sich sehr über ihre zweite Tochter, die laut der Mutter etwas Affenähnlich ist. Zumindest was die Behaarung anbelangt und das Gesichtchen ...

 

Das kleine Kind wurde sehr schnell größer und schon bald bekam es die ersten Zähnchen. Am 15. 7. 1979 war es so weit, die erste Zahnspitze war zu sehen. Nur 3 Monate später konnte sie bereits sitzen und mit 13. Monaten stolperte das Mädchen ihren ersten Schritten entgegen.

 

Zum 2. Geburtstag bekam die Kleine ein kleines Geschenk. Sie hatte sich den ganzen Tag schon darauf gefreut, obwohl sie genau wusste, was in dem Geschenk sein würde!

Das Geheimnis wurde bereits Tage zuvor von ihrer Mutter gelüftet, als sie dem Kind verriet:

„So Sylvia, du bekommst zu deinem großen Tag ein eigenes Kinderbesteck mit Hänsel und Gretel drauf!“

 

Obwohl es nichts besonderes war, freute sich das Mädchen sehr, denn dann hatte sie endlich ihr eigenes Besteck, so wie ihre große Schwester Martina auch schon.

 

Doch gefeiert wurde erst am Nachmittag. Und dieses Warten war nicht gerade eine Stärke von Sylvia. Im Gegenteil, da wurde des öfteren gefragt, wann es endlich Torte und Geschenk gab. Doch sie wurde immer wieder vertröstet:

„ Du musst noch warten und Papa möchte vorher auch noch ein schönes Foto von dir machen. Da bekommst du dann noch ein Kleidchen angezogen, damit du richtig fesch aussiehst!“

 

Endlich war es Nachmittag und des Mädchens Mutter stellte schon mal Teller mit Kuchengabeln und Tassen für Kaffee und Kakao auf den Küchentisch. In der Mitte des Tisches blieb ein Platz frei. Dieser war für die Torte reserviert, die kurz vor dem Feiern auf den Tisch platziert wurde. Die Mutter „trommelte“ die gesamte Familie zusammen:

„ Oma! Papa! Martina! Sylvia! TORTE!“

 

Alle kamen geschwind herbei. Die Oma setzte sich auf ihren Sessel neben der Küchentüre, Martina saß gleich nebenan und an der anderen Seite war der Platz der Mutter. Sylvia, das Geburtstagskind kniete wie immer auf der Bank und hatte nur noch Augen für die Torte.

„Können wir endlich anschneiden?“ fragte das Mädchen doch die Mutter verneinte. „Du musst dich erst für das Foto umziehen.“ erwiderte die Mutter die in Blitzes Eile das Kind vom schmutzigen „Zuhause-Gewand“ hinein in das frische „Geburtstagsfoto-Gewand“ - einen weißen Rollkragenpullover, darüber eine gelbe Bluse und dann noch ein bunt gemustertes Kleid - wechselte.

Und da kam auch schon der Familienvater, der vom großen Tag seiner Tochter ein Foto machen sollte. Beide Hände hatte er voll. In der einen Hand trug er das Fotostativ, das sehr schwer zu sein schien und in der anderen Hand hatte er eine große schwarze Kamera mit separatem Blitzlicht. Die Familie sah dem Familienoberhaupt zu, wie er das Stativ mit der Kamera zusammen steckte und anschließend den Auslöser und das externe Blitzlicht miteinander verband. Alles musste ganz genau gemacht werden, erklärte der Mann seiner Familie, die schon wartend etwas unruhig schien. Auch das Geburtstagskind wurde etwas unruhig, denn sie wollte unbedingt schon von der Torte naschen. Jedoch hatte ihr Vater anscheinend mehr Zeit als die restliche Familie, denn das Zusammenbauen der Kamera mit dem Stativ und dem Blitzgerät, überschritt bereits eine halbe Stunde.

 

Am Küchentisch stand alles bereit und in der Zeit des großen Kameraaufbaues stellte die Mutter noch zwei Kaffeekannen mit Kaffee und Kakao auf den Tisch.

„Wie lange dauert es noch?“ fragte die Mutter.

„Bin es gleich!“ antwortete der Vater.

„Torte, ich will Torte!“ sagte Sylvia mit feuchten Augen und zittriger Stimme.

„Da geh ich noch schnell aufs Klo!“ entgegnete die Oma und machte sich auf den Weg.

„Mir ist fad!“ klagte Martina.

 

Endlich war der Vater fertig und stellte sich hinter die Kamera und blinzelte durch den Sucher. In der einen Hand den Auslöser für das Blitzgerät haltend, in der anderen stellte er die Schärfe und Belichtung ein.

In der Zwischenzeit kam die Oma auch wieder vom Klo zurück und freute sich, dass es endlich los ging.

 

„Alle schön schauen. Wo ist das Vogi?“ stöhnte der Vater, der in halb gebückter Haltung und einem verkrampften Gesicht hinter der Kamera in den Sucher starrte.

Alle grinsten in die Kamera. Und „klick“ wurde ein Foto gemacht.

„Nein! Sili, warum hast du die Augen zu gemacht?! - Müss´ma nochmal machen!“ sagte der Mann der wiederum in gebückter, verkrampfter Haltung und Gesichtsausdruck hinter die Kamera verschwand.

„Mama, darf ich Torte?“ fragte Sylvia ihre Mutter die ihrer Tochter mit Finger auf dem Mund zeigte, dass sie leise in die Kamera schauen sollte.

„Wo ist das Vogi!“ sagte der Mann erneut. - Und alle sahen lächelnd in die Kamera.

Doch kein Kamerageräusch ertönte. „Sili schön schauen!“ kam es hinter der Kamera hervor.

„Ich will Torte!“ kam es jedoch von dem Mädchen als Antwort. Die Mutter, die neben dem Mädchen beim Tisch stand, ging weg in Richtung Schlafzimmer, das sich im Nebenzimmer befand.

Als sie nach kurzer Zeit wieder kam, der Vater noch immer hinter der Kamera seiner Haltung treu geblieben war sagte, dass die Mutter das Kind nicht ablenken sollte, legte sie ihrer Tochter ein Geschenk neben den Kuchenteller, mit den Worten die an ihren Ehemann gerichtet waren:

„ Stell dich nicht so deppert, Bärli!“

„Darf ich das aufmachen? Darf ich Torte?“ fragte das Mädchen immer wieder.

Doch es hieß nur „WARTE!“....

 

…..Jedoch wollte ich nicht mehr warten! Mein Vater stand immer noch hinter der Kamera, immer noch gebückt und immer noch nicht hatte es den Anschein, dass dieser Moment schnell vergehen könnte.

 

„BRÜLL! - SCHREI!“ was zu viel war, war zu viel! - ich konnte einfach nicht mehr länger warten. Die Torte stand genau vor meiner Nase, das Geschenk zu meiner Rechten und ich musste nur sitzen, lächeln und WARTEN! Ich entschloss mich, dieser Situation Beine zu machen und zeigte meinem Vater auf eine laute Weise, dass ich eigentlich kein Foto brauchen würde, sondern eben nur ein Stück dieser Torte und dass ich endlich mein Geschenk mit dem Besteck öffnen wollte! In dem Moment: „CLICK“ - Ein Foto. Ich, mit weit offenem Mund vom lauten weinen.

„Sili!“ ertönte es von Papa hinter der Kamera hervor. Ich hörte vom weinen auf und sah in die Kamera. „CLICK“ ertönte es erneut. „So Vater, jetzt schneiden wir aber die Torte an, sonst gibt’s gleich wieder ein Konzert!“ meinte meine Mutter, die bereits das Messer in der Hand hielt. Noch schnell die Kerzen auf der Torte angezündet und das Geburtstagslied mehrstimmig geträllert. Da hörte man hohe Stimmen, tiefe Stimmen, komplett falsche Töne und Papa, der eine ganz eigene Kreation von diesem Lied sang.

Ich durfte meine Kerzen ausblasen, es waren drei auf der Torte. Zwei die für meine Geburtstagsjahre standen und eine Lebenskerze. Nach dem dritten Versuch hatte ich alle drei Flammen besiegt und Mama schnitt die Torte an. Das erste Stück ging an mich, danach bekam meine Schwester und die Oma, auch Papa, der hinter der Kamera hervor kam und sich auf seinen Platz setzte, bekam ein Stück davon. Und Mama nahm sich als letzte ein Stück auf ihren Teller. Kaffee und Kakao wurde ebenso in die Tassen geschenkt. Meine Schwester und ich bekamen einen Kakao und die Erwachsenen bekamen Kaffee. Außer Papa, der nahm sich einen Malzkaffee, denn dieser würde seinem Bauch nicht so schaden wie der Bohnenkaffee.

Während die Familie mit Essen und Trinken beschäftigt war, packte ich nebenbei mein Geschenk aus. Da ich ja wusste, was drinnen war, fragte mich meine Mutter, ob es mir gefallen würde und als ich bejahend nickte, gab sie mein Besteck in die Bestecklade und meinte grinsend:

„Jetzt hast du deine eigene Gabel, Messer und Löffel.“ Sie zeigte mir, wo es lag, damit ich es zu jeder Zeit finden konnte.

Der restliche Tag verlief dann noch ganz ruhig. Die Torte wurde fertig gegessen und Oma durfte später das gesamte Geschirr abwaschen. Papa packte seine Kamera wieder zusammen und sagte, dass nur noch ein paar Fotos gemacht werden brauchen, danach würde der Film entwickelt werden und wir könnten die Fotos begutachten.

 

 

Zwei Jahre später

 

 

… ich war vier Jahre alt, kam ein für mich großer Tag. Mein erster Kindergartentag stand an. Ich war total nervös, denn ich wusste nicht, was dort passieren würde, obwohl ich mich schon seit Tagen riesig darauf gefreut hatte. Ich wusste, dass ich dort den ganzen Vormittag mit anderen Kindern zusammen war und mit denen spielen durfte, doch.....

 

...würde ich dies überhaupt wollen? Spielen konnte ich doch zu Hause genau so gut, und allein.

Ich sah mir die ganze Sache mal an, denn eine große Wohl hatte ich gerade mit vier Jahren nicht.

Im Kindergarten angekommen, es roch frisch geputzt, bekam ich einen Sitzplatz in der Garderobe zugewiesen. Mein Zeichen war eine Giraffe. Meine Mutter hatte mich in den Kindergarten begleitet. Sie stellte meine ausgezogenen Schuhe unter die Garderobenbank und zog mir meine Hausschuhe an. Zuvor durfte ich meine weiße Kindergartentasche mit dem tollen Käfer drauf und dem Spiegel im Inneren, die ich um den Hals getragen hatte auf den Haken an meinem Platz hängen. Meine Mutter nahm mich an der Hand und ging mit mir in Richtung Gruppe. Dort wartete schon eine Frau, die sich als „Tante Margot“ vorstellte. Meine Hände fest um meine Mutter geklammert, die mich langsam nach vorne schob. Zwei fremde Hände, die mir entgegen kamen und ich hörte, wie diese „Tante“ mich fragte, wie mein Name war. Meine Antwort war zaghaft und schüchtern:

 

„Sylvia.“

 

„Hallo Sylvia, möchtest du ein bisschen bei uns bleiben und spielen?“ entgegnete sie mir.

 

Ich nickte und beide Hände kamen immer näher in meine Richtung. Meine Mutter schob mich weiter nach vorne. Und ich drehte mich zu ihr um und sagte:

 

„Mama, du auch.“

 

Doch sie sagte, dass sie wieder nach Hause gehen müsse und sie würde mich etwas später abholen.

 

Was? Sie würde nicht bei mir bleiben? Sie würde mich später abholen? Erst später? Was ist später?Wann ist später? Wieso muss ich da ganz alleine bleiben? Dachte ich.

 

Ich spürte, wie die Hände meiner Mutter immer lockerer wurden und schließlich ganz verschwanden, ich hatte auf einmal gar keinen Halt mehr. Meine Arme zu ihr ausgestreckt und „Mama!“ rufend erfassten mich die Hände dieser fremden Frau, die sich Tante Margot nannte. Meine Mutter drehte sich nochmals um und winkte mir zu und ging. Sie ging wirklich! In Richtung Türe! Durch die Türe und schloss diese! Sie ließ mich hier alleine! Ganz alleine!

Mein eigens komponiertes Konzert brach aus, als ich in stürzenden Tränenfluss und Gebrüll ausbrach! Diese fremde Frau, die sich noch immer als „Tante“ ausgab, nahm mich mit beruhigenden Worten mit in die Gruppe. Sie setzte sich auf einen Stuhl und nahm mich auf den Schoß. Sie versuchte mich noch immer mit Worten zu beruhigen, doch mir war völlig egal, was sie mir versuchen würde zu sagen oder zu erklären, denn ich hörte ihr gar nicht zu. Meine Mama war weg, sie hatte mich an diesem schlimmen Ort ganz alleine gelassen! Ich war ganz alleine! Niemand war hier, nur ich...... und diese „Tante“, die mir aber vollkommen egal war.

….Und da war doch noch etwas. Ferne Stimmen die lachten und miteinander redeten. Das waren Kinder, die nicht lange auf sich warten ließen und nachschauten was passiert war. Doch die Frau unter mir meinte, dass alles in Ordnung sei und dies mein erster Tag war und ich traurig war, weil meine Mama gegangen war.

Ja verdammt! Meine Mama war weg und hat mich zurück gelassen! Und Nichts, aber absolut NICHTS war in Ordnung! Mir kam es vor wie Stunden, dass ich noch an diesem Abschiedsschmerz zu nagen hatte, doch wenn ich heute so drüber nachdenke, könnten es auch Minuten gewesen sein.

Ich saß noch immer am Schoß und beruhigte mich schließlich etwas. Meine Augen wanderten während den letzten Schluchzen um mich herum. Da konnte ich noch eine Frau entdecken, die gerade mit ihren weißen Arbeitsmantel mit einigen Kindern spielte. In der anderen Ecke, sah ich ebenfalls Kinder die miteinander spielten. Und niemand weinte, alle schienen fröhlich zu sein. Warum weinte ich dann eigentlich? - Ach ja, meine Mama war nicht hier!

 

Die fremde Frau nahm mich von ihrem Schoß und meinte zu mir, dass, wenn ich mich beruhigt hätte, wir zusammen zu den anderen Kindern gehen könnten um dort mitzuspielen. Ich nickte, denn was blieb mir schon anderes übrig, und die Frau nahm mich an der Hand. Wir gingen zu ein paar Kinder, die gerade mit einer Magneteisenbahn spielten. Die Frau fragte die Kinder, ob ich mitspielen durfte und die Kinder stimmten zu. Ich setzte mich auf den Boden und schaute zu. Die Kinder spielten weiter ohne mich zu beachten. Ich saß einfach da und sah ihnen zu. Es war interessant und manchmal sogar lustig. Und hin und wieder kam mir sogar ein Lachen aus. Doch wenn ich lachte über eine lustige Spielsituation, sahen mich die Kinder an.

 

Ich saß da und machte weiters nichts. Sitzen, schauen, lachen. Doch scheinbar gefiel das den Kindern nicht und fingen deshalb nach ein paar Minuten an, den Magnetzug wegzuräumen. Nach dieser Tat verstreuten sich die Kinder und vermischten sich unter den anderen Gleichaltrigen.

Ich saß noch immer da, am Boden und blickte in die Gruppe. Beide Frauen hatten eine Beschäftigung und standen mit dem Rücken zu mir. Alle anderen Kinder spielten und hatten sichtlich Spaß. Ich blieb sitzen und starrte zurück auf den leeren Boden vor mir. Ich saß und wartete. Vielleicht kam ja irgendwer her und wollte mit mir spielen? Oder einer der beiden Frauen würde sehen, dass ich alleine sitzen würde und würde mich zu den nächsten Kindern bringen und fragen, ob ich mitspielen dürfte, doch niemand kam! Niemand fragte mich! Niemand sah mich!

Nach Minuten langem herumsitzen und warten, nahm ich all meinen Mut zusammen und stand auf, sah mich wieder in der Gruppe um und entschloss mich zu den vier Kindern zu gehen, die gerade Memory spielten. Ich ging zaghaft hin, im Kopf schon den Fragesatz „Darf ich mitspielen?“ immerwährend durchgehend. In Gedanken schon mitspielend und lachend.....

 

Am Tisch angekommen, ich stand dort und sah zu wie die Kinder spielten. Alle spielten weiter, niemand beachtete mich, so, als wäre ich nicht hier. Ich sah weiter zu. Minuten lang stand ich neben den fremden Kindern und machte nichts. Ich sah einfach zu bis ich dann leises Getuschel hörte:

„Schau, die steht noch immer da!“ flüsterte das eine Kind.

„Die soll endlich weggehen!“ antwortete das andere Mädchen.

„Spiel weiter!“ meinte ein Junge am anderen Ende des Tisches. Ich sah weiter zu. Bis ich meinen Mut zusammen nahm und leise fragte, ob ich mitspielen durfte. Plötzlich war es ruhig um den Tisch, alle starrten mich an. Bis das Mädchen schräg gegenüber mir laut und bestimmend sagte: „ Nein, du spielst nicht mit!“

Enttäuscht drehte ich mich um und ging weg. Sah mich wieder um, wo das nächste Kind war, mit dem ich spielen konnte. Ich hatte da eines im Blickfeld. Ein Mädchen, dass gerade mit Bausteinen spielte.

Wiederum fragte ich: „Darf ich mitspielen?“

Das Mädchen blickte mich mit einem stechenden Blick an und meinte herrisch: „Verschwinde!“ Abermals drehte ich mich weg. Plötzlich ertönte eine Stimme, die meinte, dass es Pausenzeit wäre. Uns Kindern wurde erklärt, dass wir unsere Jause aus der Tasche nehmen durften und uns zum Tisch setzen sollten. Ich nahm meine Jause und setzte mich alleine an einen Tisch, da sich die anderen Kinder schon zusammen gesetzt hatten. Ich aß mein Brot und als ich fertig war, brachte ich die zusammengeknüllte Alufolie, in der mein Brot gewickelt war zurück in meine Tasche. Nachdem alle Kinder mit der Jause fertig waren, probierte ich es noch einmal bei einer Gruppe von Kindern, die Karten spielten. Doch diese, die inmitten des Spieles waren, erblickten mich, dass ich auf sie zukam, leises Getuschel, und auf einmal wurden die Karten weggepackt und die Kinder gingen an mir vorbei, als wär´ ich Luft. Von nun an wusste ich, ich will hier nicht sein!

 

Ich stand da, ganz allein inmitten der Kindergartengruppe. Ich blickte mich um, niemand beachtete mich, niemand sah zu mir. Alle waren beschäftigt mit spielen, lachen oder wie die Erwachsenen mit Tisch abwischen oder sonstige Tätigkeiten. Mein Blick schweifte in Richtung Ausgangstüre. Meine Gedanken waren schon dass mich niemand vermissen würde, wenn ich mir die Schuhe anziehen und mein weißes Kindergartentäschchen nehmen würde und durch die Türe Richtung Heimwärts gehen würde. Niemandem würde es auffallen. Ich wusste doch, wie ich nach Hause kam, ich hatte mir den Weg in der Früh ganz gut gemerkt und eingeprägt. Es war doch wirklich ein Kinderleichter Weg. Einfach gerade aus und nur zweimal über die Straße gehen. Und ich wusste doch, wie ich über die Straße gehen konnte, auch wenn ich es eigentlich noch nicht alleine durfte, aber ich wusste wie es ging. Absolut kein Problem, dachte ich als ich schon auf dem Weg in Richtung Garderobe war und mich plötzlich jemand von hinten an der Schulter anfasste und mich fragte, wo ich hingehen würde. Es war also doch jemandem aufgefallen.... ICH war jemandem aufgefallen! Sofort verschwand in meinem Kopf mein Vorhaben und ging mit der anderen Frau, die sich später als „Tante Gerti“ entpuppte, mit.

Wir gingen zu einem Tisch und ich setzte mich hin. Sie gab mir ein Blatt Papier und Stifte zu malen. Ich nahm mir einen Stift und fing gleich an zu malen. Ich malte gerne. Ich malte und malte und bemerkte eigentlich gar nicht, dass ich ganz alleine an dem Tisch war. Denn auch diese „Tante Gerti“ hatte sich schon wieder jemandem anderen gewidmet. Meine Gedanken waren bei meinem Bild. Ich hörte nichts, ich sah nichts. Außer meine Zeichnung und die Stifte. Als mein Kunstwerk dem Ende zukam, vernahm ich vereinzelt wieder die Stimmen der anderen Kinder. Manche schrien, manche quietschten. Fernes Kinderlachen und ermahnende Stimmen der Tanten.

Ich blickte auf. Sah die Kinder und die Tanten. Alle waren sie in irgendeiner Weise beschäftigt. Alle hatten Spaß. Alle Kinder saßen mit den anderen Kindern zusammen und spielten, nur ich saß ganz allein an einem Tisch mit meiner Zeichnung und den Stiften. Abseits der anderen.

„Sylvia!“ rief jemand

„Schau mal, deine Mama ist hier!“ Es war Tante Margot.

„Mama!“ rief ich mit Tränen in den Augen und sprang auf und wollte schon zu ihr hinlaufen. Als Tante Margot mich noch stoppte und meinte, dass ich meine Zeichnung in eine Lade mit meinem Zeichen darauf legen könnte und anschließend zeigte sie mir, wo die Stifte hingehörten. Nachdem ich weggeräumt hatte, rannte ich zu meiner Mutter, umarmte sie und zog mir blitzschnell meine Schuhe an, packte meine Kindergartentasche und ging durch die Türe. Meine Mutter kam erst später aus der Kindergartentüre, da sie mit den Tanten noch sprach wie es gelaufen war. Endlich kam sie und ich wollte nur noch nach Hause. Meine Mutter fragte mich als wir am Weg nach Hause waren, wie es mir gefallen hatte. Ich sah sie an und erzählte ihr, dass ich nicht mehr hingehen wollte. Doch meine Mutter entgegnete mir, dass ich bis zur Schule in den Kindergarten gehen müsse.

Am nächsten Morgen, ich war wieder auf den Weg zum Kindergarten, sagte meine Mutter, dass es an diesem Tag bestimmt besser gehen würde. Doch leider hatte sie sich getäuscht. Mein zweiter Tag verlief genauso wie mein erster. Tränen, niemand wollte mich mitspielen lassen und im Endeffekt war mir dann klar, dass dies meine Kindergartenzeit werden würde.

Alleine an einem Tisch spielend und alles allein machend. Und so war es dann auch. - Ziemlich trostlose Zeit.

 

 

DOCH DIE ZEIT BRINGT EINEM NICHT UM, SONDERN MACHT EINEM STÄRKER...

 

 

Nach zwei Jahren Kindergarten, wo ich aus heutiger Sicht sagen kann, ich hätte mir dies auch sparen können, kann ich nur sagen, dass ich am Schluss meiner Kindergartenzeit nicht mal wusste, wie die Kinder alle hießen. Ich wusste vereinzelte Vornamen, die ich im Laufe von Kindergesprächen aufgeschnappt hatte, oder wenn eine der Kindergartentanten mir sagte, dass ich zu der oder denjenigen gehen soll um dort mitzuspielen.

Aber wie ihr ja schon erfahren habt, war ich am Ende wieder an meinem Tisch ganz weit von den anderen abgeschottet und beschäftigte mich ganz allein! - Es gab sicherlich auch „schöne“ Tage/Momente, nur leider erinnere ich mich nicht mehr daran!

 

 

 

Eine erneute Hoffnung der Dazugehörigkeit kam dann mit dem ersten Schultag!

 

 

2. September 1985 – Schulanfang

 

 

 

Meine Sommerferien hatte ich mit Ach und Krach rüber gebracht – mir war aber auch so was von langweilig. Obwohl ich ja meine Schwester zu spielen hatte und mein Rad und meine Spielsachen. Ja mir war sogar so langweilig, dass ich mir sogar die Schulzeit herbei sehnte und ich mich sogar darauf freute! Jetzt konnte ja nur noch alles besser werden....

 

Endlich war es soweit. Mit einer großen Schultüte in der Hand stand ich wartend mit meiner Mutter , die gerade mit meinem Bruder Peter schwanger war, vor der Volksschule. Immer mehr Menschen kamen mit ihren Kindern dazu. Einige kannte ich vom Sehen her aus dem Kindergarten, einige waren mir fremd. Ich blickte mich immer wieder um, ob ich noch mehr Kinder kannte. Doch niemand blickte zu mir. Sie waren alle mit plaudern beschäftigt, einige der Kinder aßen sogar schon aus ihrer Tüte die Süßigkeiten ohne dass ihre Eltern dies bemerkten. Ich musste grinsen und konnte gleichermaßen nicht verstehen, dass die Eltern nichts mitbekommen würden.

 

Der Pfarrer kam mit einer weiblichen Gestalt neben sich und es hieß, dass alle Schulanfänger der Klassen nach in die Kirche gehen mussten. Die Kinder stellten sich der Klassen nach zusammen. Doch irgendwie wusste ich nicht, was ich zu machen hatte, denn ich wusste ja nicht einmal, wer in die erste Klasse gehen würde, oder gar wo die Kinder der ersten Klasse zusammen standen. Ich sagte dies meiner Mutter, dass ich nicht wüsste, wo ich hingehen sollte und sie meinte zu mir:

 

„Sternderl, du musst zu den Kindern, mit denen du im Kindergarten warst!“

 

Ja aber, ich kannte ja diese Kinder gar nicht! Eigentlich nur vom sehen, aber diese die ich vorhin sah, waren plötzlich alle wie vom Erdboden verschwunden! Kein einziges bekannte Gesicht mehr hier! - Wo waren die alle nur hin? Ich sah mich um, und stellte fest, dass die anderen Kinder, die älteren, bereits zusammen in einer Zweier Reihe standen. Zuletzt waren die größeren Kinder. Ich hörte von hinten meine Mutter jemandem fragen, wo die Erste Klasse sei und diese Stimme, sie war weiblich, meinte, dass die Kinder der ersten Klasse bereits in die Kirche gegangen wären. Meine Mutter schnappte mich an der Hand und meinte zu mir in einem schnelleren Gang:

 

„Beeil dich, deine Klasse ist schon in der Kirche. Die sitzen ganz vorne, du musst also in den ersten Reihen schauen, ob du jemanden findest den du kennst. Ansonsten frag die Kinder, welcher Klasse sie angehören! Ich nehme in der Zwischenzeit deine Schultüte.“ - In meinem Kopf kamen tausende von Gedanken auf mich zu. Eine schlimmer als die andere!

Sollte dies wirklich mein erster Schultag sein? Schon am Anfang mit Schwierigkeiten gepflastert?

Endlich in der Kirche angekommen, an hunderten von Leuten vorbei gedrängt und auf der Suche nach meiner Klasse, wo ich die Kinder nicht mal kannte. Ich war begeistert! - Nein, nicht wirklich. Eher im Gegenteil. Alle Leute die bereits in der Kirche ihren Platz eingenommen hatten starrten mich an. Manche Kinder tuschelten und lachten, als sie mich sahen. Am liebsten wollte ich umdrehen und einfach hinaus gehen.

 

Ich brauchte doch keine Kirche. Eigentlich hasste ich es in der Kirche zu sein, da ich jeden Sonntag von meiner Oma auch dazu gezwungen wurde mit ihr in die Kirche zu gehen und mich zu langweilen. Und was noch schlimmer war, ich musste jedes mal neben der Mauer sitzen und ich konnte mir zu 100% sicher sein, dass im Laufe der Messe eine schwarze, hässliche, große, fette Spinne auftauchte und diese immer genau neben mir sitzen blieb – und zwar die gesamte Messe lang!

 

Doch umdrehen konnte ich nicht, auch wenn es mir gerade sehr unwohl war, dass mich alle anstarrten und tuschelten und kicherten....

Ich musste einfach immer einen Schritt vorwärts machen und mich darauf konzentrieren, dass ich bekannte Gesichter finden müsse. Ganz egal was der Rest der Kirche machte.

Endlich sah ich jemanden. Ein Mädchen. Sie hatte langes braunes Haar die sie zusammen gebunden hatte. Ich kannte sie.... auch mit dem Namen. Sie hieß Anita.

Ich konzentrierte mich nur auf das eine Mädchen. Meine Schritte wurden immer langsamer, denn ich bemerkte, dass ich bereits ganz vorne in der Kirche war. Der Altar nur noch ein paar Schritte von mir entfernt. Noch immer auf Anita blickend, bemerkte ich so nebenbei, dass alle in der Kirche aufstanden und plötzlich stand der Pfarrer vor mir am Altar der mich entgeistert anblickte. Dieses unbehagliche Gefühl brachte mich dazu Anita zu fragen, ob sie in die erste Klasse gehen würde. Das Mädchen blickte mich entgeistert an und meinte mit großen Augen:

 

„Ja sicher, genau wie du!“

 

Ihr Blick mit großen Augen auf mich gerichtet und hochgezogenen Augenbrauen, zeigten mir, dass sie sich ein „Was ist mit der los?“ dachte. Doch in diesem Moment war mir dies vollkommen egal, denn ich wollte nur aus dem Blickfeld des Pfarrers und den restlichen Menschen in der Kirche verschwinden,. Deshalb setzte ich mich neben Anita auf die Kirchenbank, die jedoch nicht gerade viel Platz für mich übrig ließ. Doch dies war mir auch egal. Obwohl das Sitzen nicht gerade angenehm für meinen Rücken war, denn ich saß irgendwie schräg, so war der Ausgleich jedes stehen. Und ich konnte sicher sein, dass an dieser Stelle auch keine Spinne auftauchen konnte, die dann die ganze Zeit neben mir hockte. Wann hatte man schon von einer Messe-geilen Spinne gehört?

 

Es war ganz egal, ob man an einem Sonntag oder am eigenen Schulanfang in der Kirche hockte. Es war kalt, langweilig und unnötig!

 

Doch Gott sei Dank, dauerte die Messe nicht lange und Schüler standen Klassenweise wieder von ihren Plätzen auf und verließen in einer Zweier Reihe die Kirche. Dies mal mit mir. Meine Gedanken waren verwirrt, denn ich hatte niemanden gehört, der uns Kindern sagte, dass wir Klassenweise die Kirche in einer zweier Reihe verlassen sollten. Doch ich ging einfach mit. Woher wussten die Kinder dies, dass wir das machen sollten? Es war mir ein Rätsel!

 

Aus der Kirche gehend, am Friedhof entlang und dem kleinen Kirchenweg hinab in Richtung Hauptstraße, wo wir schlussendlich stehen blieben und warteten. Da kam eine ältere Frau zu uns und sagte, dass wir über die Straße gehen sollten und in der Garderobe der Schule warten sollten.

Sie selbst stellte sich auf die Straße und breitete seitlich ihre Arme aus. Die näher kommenden Fahrzeuge verringerten ihr Tempo, bis sie stehen blieben.

 

Die Kinder gingen über die Straße und ich ging einfach mit. Wir gingen in die Garderobe, die sich gleich hinter dem Eingang der Schule befand und warteten dort. Immer mehr Schüler kamen in das Gebäude. Und ich hatte wieder mal ein nicht so gutes Gefühl. Die älteren Kinder fingen wieder zu kichern und lachen an, als sie mich sahen. Von einem Mädchen hörte ich, als sie sagte:

„Schau mal, das ist die Komische, die in der Kirche dumm herum stand!“

 

Ich versuchte nicht hinzuhören, doch das war schwerer als ich dachte. Meine Gedanken waren zurück geworfen, ich fühlte mich wie im Kindergarten. Mein Blick neigte sich zum Fußboden und ich erwischte mich mit den Gedanken:“ Das wird genauso werden wie im Kindergarten!“

 

Jemand nahm mich an der Hand und sagte mir, dass wir in die Klasse gehen würden. Es war die eine Frau, die sich auf die Straße stellte. Später erkannte ich, dass dies meine Klassenlehrerin war.

Die Schule hatte sehr viele Türen und ich hoffte, dass ich es mir merken konnte, wo meine Klasse war. In eine von diesen Türen gingen wir hinein und sahen schon die Tische, die in Form eines umgedrehten Hufeisens war.

Wir Kinder mussten uns auf irgendeinen Platz setzen. Als alle Kinder ihren Platz eingenommen hatten, kamen anschließend auch die Eltern in die Klasse. Ich sah viele Mütter und einige wenige Väter. Doch meine Mutter konnte ich nicht sehen. Als ich noch immer mit meinen Augen auf der Suche nach meiner Mutter war, hörte ich eine Stimme näher kommen und Kinder lachen. Ich blickte in die Klassenmitte, wo die Lehrerin stand die sich eine Handpuppe in Form eines Kasperls über die Hand zog. Sie stellte sich selbst als Frau Lehrer Eder vor und ihr Freund wäre der Kasperl, der sich keine Namen merken kann. Sie ging mit der Puppe an der Hand zu jedem Kind und Kasperl versuchte den Namen zu erraten.

 

Ich war komplett nervös, denn sie kam immer näher zu mir. Obwohl ich nur meinen Namen sagen musste, da Kasperl jeden falsch erriet.

Nun war es soweit, sie stand vor mir. Mein Herz raste wie wild. Kasperl nannte einen Namen und fragte mich, ob ich so heißen würde. Schüchtern und leise sagte ich meinen Namen „Sylvia!“

„Herzlich Willkommen in der Schule!“ sagte dieser mit freundlicher und lustiger Stimme und ging zum nächsten Kind, das neben mir saß. Mein Herz beruhigte sich langsam wieder und ich dachte mir nur, woher einige der anderen Kinder ihre Schultüte wieder hatten. Ich konnte mich nicht erinnern, dass diese vorher schon die Tüte in der Kirche hatten. Scheinbar erhielten sie es von ihren Eltern bevor sie in die Klasse kamen.

Die Lehrerin erklärte uns, dass wir am nächsten Morgen bereits unsere Schultaschen mit den Heften und Mappen und alles was unsere Eltern in den Ferien bereits besorgten mitnehmen sollten. Außerdem würden wir in den ersten Schultagen unsere Schulbücher bekommen, die die Mütter mit Buchschutzfolie bekleben müssten. Dann wurden wir von der Frau Lehrer entlassen mit den Worten:

„Ich freue mich auf morgen, wo ich euch alle wieder sehen werde!“

 

Endlich war es vorbei! Die Kinder standen von ihren Plätzen auf und stürmten zu ihren Eltern. Nur ich stand da und suchte mit meinen Augen nach meiner Mutter. Einige der Kinder schubsten mich nach vorne als sie an mir vorbei drangen. Ich stand einfach so da.....mitten im Weg.

Da! Ich sah sie! Hinter den Eltern die bis in die Klasse standen, da stand sie, meine Mutter. War ja klar, dass ich sie nicht sehen konnte, wenn alle anderen vor ihr standen! Ich wartete weiter ab, bis die anderen aus der Klasse waren und meine Mutter „freie Fahrt“ in die Klasse, zu mir, hatte. Sie gab mir meine Schultüte und sagte während sie mich an der Hand nahm:

 

„Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist du schon ein Schulkind!“

 

In der Zwischenzeit war es Mittag geworden und auf dem Rückweg Richtung trautes Heim, ließ ich nochmals den Vormittag Revue passieren. Ich hoffte nur, dass nur der erste Schultag etwas schief gelaufen war und die restliche Zeit endlich besser werden würde. Es waren immerhin vier lange Jahre, die ich in dieser Schule verbringen musste. Meine Mutter bemerkte, dass ich sichtlich besorgt war und sie meinte mit ruhiger Stimmer:

„ Es war heute ein Durcheinander. Aber das kann schon vorkommen am ersten Schultag, da sind alle etwas durcheinander. So viele Leute waren es, die dort waren, da kann schon mal passieren, dass man nicht weiß wo man hingehört. Das ist ganz normal! Außerdem ist morgen vieles leichter und nicht mehr so hektisch. Und es sind nicht mehr so viele Leute dort.“

 

Ich sah sie an und fragte:“ Muss ich morgen alleine in die Schule gehen? Denn ich weiß nicht mehr wo meine Klasse ist!“

 

„Nein meine Kleine, ich werde dich die erste Woche bis zur Schule begleiten. Deine Klasse werde ich dir morgen auch zeigen, denn da nehmen wir nicht nur die Schultasche sondern auch dein Turnsackerl mit.“ beruhigte mich Mama.

 

Ich atmete auf und freute mich auf das Mittagessen, das in der Zwischenzeit zu Hause die Oma gekocht hatte. Denn jetzt nach dieser großen Aufregung hatte ich sehr viel Hunger bekommen!

Man sagt, der erste Eindruck ist der wichtigste!

 

Mein erster Eindruck von der Schule war nicht gerade glänzend. Nein, eher trübe und grau. Vom Pech verfolgt. Scheinbar hatte ich da einiges vom Kindergarten in die Schule mitgenommen.

Im Laufe meines ersten Schuljahres lernte ich die Kinder, mit denen ich auch schon in den Kindergarten ging, näher kennen. Ich lernte ihre Namen, ich lernte, mit wem ich mich abgeben konnte und mit wem besser nicht! Leider waren die meisten der zweiten Generation zugeordnet. Da war es vollkommen egal, ob das jetzt Mädchen oder Jungs waren. Irgend etwas hatte ich scheinbar an mir, dass mich die meisten – ich korrigiere – fast alle nicht mochten. Klar, im Kindergarten saß ich immer alleine, oder ich spielte alleine. Ich sprach so gut wie fast nie mit den anderen Kindern. Und das wussten diese natürlich auch in der Schule. Denn diese kannten mich ja, auch mit dem Namen!

Aber die Anderen, die ich nicht aus dem Kindergarten kannte, gut das waren nicht viele, aber auch diese begannen mich zu ...

… wie soll ich schreiben, denn damals kannte ich den Ausdruck Mobbing noch nicht – Ah, ich weiß - sie begannen mich zu hänseln, zu ärgern, zu beschimpfen, an der Schultasche zu ziehen, beim vorbei gehen einen kleinen Schlag oder Tritt zu geben.

Da ich von zu Hause immer wieder hörte, dass, wenn man nichts machen würde, sie einmal aufhörten, machte ich dies....nämlich nichts! Es

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 08-28-2017
ISBN: 978-3-7438-3035-6

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