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Kapitel 1 Marilija aus dem Ameisenhügel an der Waldseekiefer

 

 

Nachdem der Ameisenprinz Ronny und die Ameisenkönigin Lilija ihren neuen Ameisenhügel mit Leben gefüllt hatten, wurde kurze Zeit später „das Ei“ von Lilija gelegt, aus dem später das Ameisenmädchen Marilija heran wuchs.

 

Als sie ihr Larvenstadium beendet hatte, kam Ameisenkönigin Lilija zu ihr und sagte: „Guten Morgen Marilija. Ab heute bist du eine Arbeiterin und wirst mit den anderen Arbeiterameisen die Kokonkugeln mit dem Kot unserer Larven entsorgen und Kiefernnadeln sammeln, damit unser Ameisenhügel größer wird. Er wurde ja von den Ameisenköniginnen Käthe vom Kiefernhain und Arelija vom Tannenwäldchen als Hochzeitsgeschenk gebaut. Es wird aber langsam zu klein, denn inzwischen ist unser Ameisenvolk ganz schön gewachsen. Also Marilija mach dich an die Arbeit zum Wohl unseres Volkes.“ Darauf antwortete Marilija: „Ja, Majestät, es geschehe was sie befehlen.“ 

 

 

Auf dem Weg zu den Larven traf sie ihren Vater Ronny: „Guten Morgen Marilija, ich kann mich noch gut erinnern, als ich genauso begann wie du. Bevor du den Ameisenhügel zum ersten Mal verlässt, möchte ich dir noch einen guten Rat geben. Wir Ameisen sind so ziemlich die kleinsten Lebewesen im Wald. Daher müssen wir doppelt und dreifach aufpassen. Es lauern überall Gefahren, mit denen wir nicht rechnen. Es gibt Raubinsekten, Spinnen, Ameisenbären, die auch Ameisen auf ihrem Speiseplan haben. Von größeren Tieren oder gar Menschen kannst du einfach durch Zertreten ums Leben kommen. Du bist für sie viel zu klein, dass es gar nicht immer deren Absicht ist, uns gefährlich zu werden. Doch ein Schritt eines Kindes reicht aus, um dein Leben versehentlich zu beenden. Es würde es noch nicht einmal bemerken.“

 

 Das Ameisenmädchen Marilija antwortete Ronny: „Vielen Dank lieber Papa, dass du mir die Gefahren bewusst gemacht hast, die auf uns Ameisen lauern. Meine Mutter, die Ameisenkönigin Lilija erzählte mir von deinen Abenteuern mit dem Hummeljungen Karl. Bitte erzähle du mir davon.“ Ronny antwortete: „Wenn du heute deine Arbeit erledigt hast, lade ich euch alle ein. Schließlich seid ihr alle meine Kinder. Dann erzähle ich euch von meinen Abenteuern mit dem Hummeljungen Karl, dem Hummelmädchen Fanny, dem Igelmädchen Mitzi und der Kreuzspinne Susimix.“

 

 

 

Voller Vorfreude auf die Geschichte, die ihr Ameisenpapa Ronny erzählen würde, erledigte sich die Arbeit viel leichter. Die Kokonkugel mit dem Larvenkot schien gar nicht so schwer zu sein. Auch die Kiefernadel, die sie am Kiefernadelhaufen am Waldsee sammelte, brachte sie fast wie im Flug zum Ameisenhügel zurück. So lief sie an diesem Tag wohl zwanzig Mal mit der Kokonkugel raus und mit einer Kiefernadel rein und fühlte sich überhaupt nicht müde. Denn Papa Ronny würde ja am Abend diese schöne Geschichte erzählen.

 

Endlich war es so weit. Alle Ameisenarbeiterinnen versammelten sich um ihren Vater Ronny. Der begann so, wie unsere Omas und Opas:

 

 „Es war einmal ein Ameisenjunge. Sein Name war Ronny. Er verließ an seinem ersten Tag den Ameisenhügel am Kiefernhain, um vom Kiefernadelhaufen Kiefernadeln zum Flicken eines Loches im Ameisenhügel vom letzten Winter zu suchen. Als er auf dem Rückweg zum Hügel war, rief ihm jemand von oben aus der Luft zu: „Ich bewundere dich, dass du so eine große Kiefernadel tragen kannst, wo du selbst doch viel kleiner bist als sie. Ich bin die Hummel Karl und ein Hummeljunge.“

 

Darauf antwortete der Ameisenjunge Ronny: „Guten Tag, die Ameisenkönigin Käthe vom Kiefernhain gab mir den Namen Ronny. Ich bin eine Arbeiterameise und habe die Aufgaben die Kokonkugeln mit dem darin eingeschlossenen Larvenkot aus dem Hügel zu tragen, damit er sauber bleibt und Kiefernadeln zum Ameisenhügel zu tragen. Weil diese Baumaterial für unser Nest sind.“  Der Hummeljunge Karl war ein sehr lustiges Insekt. Wenn er über die Wiese von Blume zu Blume flog, summte er immer so fröhlich.

 

Er begleitete ihn bis er den Ameisenhügel am Kiefernhain erreichte. Dann fragte er ihn, ob sie Freunde werden wollen. Er würde jeden Tag zur Ameisenstraße am Kiefernadelhaufen kommen und sich mit ihm unterhalten. Sie verabredeten sich für nächsten Morgen.

 

Doch als er den Ameisenhügel verlassen wollte, bemerkte er den Regen, der schon die ganze Zeit herunter fiel. Deshalb würde ihn sein neuer Freund Karl nicht besuchen können. Insekten können nicht im Regen fliegen, weil die Flügel dann nass werden. Sie würden wie Steine vom Himmel fallen. Deshalb beschloss der Ameisenjunge Ronny, dass er seinen Freund Karl in seinem Hummelnest am Buchenbaum besuchen wollte.

 

 So verließ er am Kiefernadelhaufen die Ameisenstraße. Er kannte aber den Weg nicht, wie er zum Hummelnest gelangen konnte. Deshalb fragte er die liebe Weinbergschnecke Marta. Sie war eine schon sehr weise, alte Schnecke und hatte in ihrem Leben fast alle Ecken der Waldlichtung gesehen. Sie erklärte ihm genau den Weg und machte Ronny auch über die Gefahren aufmerksam, die am Haselnussbusch von der Kreuzspinne Susimix ausgingen, die dort ihre Netze gesponnen hatte, um besonders fliegende Insekten wie Fliegen, Schmetterlinge, Bremsen und Motten zu fangen.

 

„Geh bis zum Haselnussbusch, wo die Kreuzspinne Susimix auf ihre Beute wartet, die ihr ins Spinnennetz geraten. Dann ist es nicht mehr weit bis zur großen Buche.“, hatte die Weinbergschnecke Marta zu Ronny gesagt. Nur ganz unten am Boden war sie nicht gefährlich, weil auch Susimix ihre natürlichen Feinde hatte.

 

Mit diesem Wissen fand Ronny schließlich das Hummelnest von Karls Hummelvolk an der großen alten Buche. Als er vor dem Einflugloch ankam, sah er schon von weitem seinen neuen Freund den Hummeljungen Karl.

 

Aber für heute Kinder ist meine Geschichte zu Ende. Wenn ihr mögt, erzähle ich euch morgen, wie es mit Ronny und Karl weiterging.“ Das Ameisenmädchen Marilija sagte: „Ach schade, erzähl doch weiter bitte, bitte, bitte!“

 

Doch Ronny setzte sich durch und sagte: „Kinder so freut ihr euch doch schon auf die Fortsetzung morgen Abend und seit motiviert, fleißig zu arbeiten wie heute. Ich wünsche euch eine gute Nacht. Ihr braucht den Schlaf dringend. Morgen wird wieder ein arbeitsreicher Tag für euch.“ 

Kapitel 2 Marilijas Traum

 

 

Marilija hatte die Geschichte ihres Vaters so gefallen und sie spannend gemacht, wie es am anderen Abend weitergehen würde.

 

Sie begann zu träumen. Da war eine wunderschöne Wiese mit schönen gelben Blüten. Sie als Ameise kannte natürlich nicht den Namen, wie wir Menschen sie nannten. Für sie schienen sie die Blumen des Sonnengoldes zu sein. Die ganze weite Wiese leuchtete wie in Gold getaucht. Es war Löwenzahn, der ja für eine kleine Ameise riesig groß erschien. Für Marilija schien die Wiese ein richtiger goldener Blumenwald zu sein.

 

Sie sah in den Himmel und hörte plötzlich ein lautes Summen. Eine dicke Hummel senkte sich zu ihr herab. Marilija fragte die Hummel: „Mein Ameisenpapa hat mir heute Abend die Geschichte erzählt von der Freundschaft zwischen dem Hummeljungen Karl und ihm. Bist du vielleicht der Freund meines Papas?“

 

 Die Hummel ließ sich auf einer Löwenzahnblüte neben Marilija nieder und antwortete: „Nein ich bin nicht der Hummeljunge Karl. Aber er ist mein Vater. Ich bin das Hummelmädchen Linda. Mein Vater hat uns auch von seiner Freundschaft zwischen deinem und meinem Papa erzählt. Weißt du, dass der Ameisenjunge Ronny meinem Papa Karl das Leben rettete?“

 

 Das Ameisenmädchen Marilija antwortete: „Hallo Linda, mein Name ist Marilija. Gestern begann mein Papa uns von seiner Freundschaft zu erzählen. An der spannendsten Stelle unterbrach er und schickte uns ins Bett. Deshalb weiß ich noch nichts von der Lebensrettung.“

 

So begann Linda zu sprechen: „Dein Papa Ronny hatte meinen Vater Karl im Buchenbaumnest besucht, weil es an dem Tag ganz viel geregnet hat. Deshalb konnte Karl nicht, wie versprochen zur Ameisenstraße am Kiefernadelhaufen fliegen.

 

Karl war so erfreut, über Ronnys Besuch, dass er zur Hummelkönigin Bea vom Buchenbaumnest eilte und um Erlaubnis bat, ihn ins Hummelnest zu lassen. Sie gestattete Ronny ins Nest zu kommen und unterhielt sich selbst eine Weile mit ihm.

 

Dann zeigte Karl seinem Freund Ronny das ganze Hummelnest mit den vielen Waben, wo die Larven mit leckerem Hummelhonig gefüttert wurden. Auch das Hummelmädchen Fanny wurde ihm dort vorgestellt. Am Ende übergab die Königin Bea vom Buchenbaumnest zehn Tropfen Hummelhonig an Ronny, die er seiner Ameisenkönigin Käthe vom Kiefernhain überreichen sollte.

 

Der Regen hatte inzwischen aufgehört. Darüber freute sich Karl so sehr, dass er Ronny bis zum Haselnussbusch begleitete. Dort hatte aber die Kreuzspinne Susimix ihre Spinnweben gespannt. Obwohl Karl die Gefahr kannte, geriet er in ein Spinnnetz, weil er vor Freude, wieder draußen fliegen zu können, nicht aufpasste.

 

Da fiel Ronny sein Gespräch mit der Weinbergschnecke Marta ein. Sie hatte ihm vom Mäuserich Gustav erzählt, der Spinnen zu seinen Leibspeisen auf dem Speiseplan hatte.

 

Ronny suchte Gustav und konnte ihn überzeugen mit zum Haselnussbusch zu kommen. Dort fraß er die Kreuzspinne auf und befreite Karl mit seinen Zähnen und Krallen von den Spinnweben.

 

So rettete Ronny seinem Freund Karl das Leben, weil er sich im richtigen Moment an die Weinbergschnecke Marta erinnerte.“ Vor Begeisterung machte das Ameisenmädchen Marilija einen Ameisensalto vom feinsten. „Das wusste ich ja noch gar nicht, dass mein Papa ein richtiger Ameisenheld ist.“

 

Gerade in diesem Moment wachte Marilija aus ihrem schönen Traum auf. 

Kapitel 3 Fortsetzung der Geschichte vom Vortag

Am Abend versammelten sich wieder alle Arbeiterameisen um Ronny, damit er mit seiner Geschichte fortfahren konnte.

 

„Liebe Arbeiterinnen, seid ihr schon aufgeregt, wie die Geschichte weitergeht?“

 

Da meldete sich das Ameisenmädchen Marilija zu Wort: „Papa Ronny, heute Nacht hatte ich einen wundersamen Traum.“ Sie erzählte ihm genau ihren Traum von der Löwenzahnwiese mit der Hummel, die zu ihr herunter kam und ihr sagte, sie sei die Tochter von Karl und würde Linda heißen.

 

Darauf antwortete Ronny: „Das freut mich, dass auch Karl Nachwuchs bekommen hat. Vielleicht werdet ihr zwei Linda und du auch Freunde. Weißt du Marilija, wenn wir Insekten träumen, sehen wir dadurch in unsere Vergangenheit zurück. Wir sehen durch sie aber auch in die Zukunft. Unsere Träume sind so was wie unsere Hellseher bzw. Orakel. Ich würde diese Freundschaft begrüßen, schließlich bin ich ja die erste Ameise, die auf diese Idee kam. Eigentlich war es aber Karl, der mich fragte, ob wir Freunde sein wollten.“

 

„Erzähl uns bitte die Geschichte weiter Papa Ronny!“, riefen die Arbeiterinnen ihm zu. Also setzte er sich in der Mitte auf den Strohhalmsessel und begann an der Stelle, wo er am Vorabend aufgehört hatte. Dann erzählte er weiter, wie er wieder in den Ameisenhügel zurückkehrte.

 

 

Die Ameisenkönigin Käthe vom Kiefernhain hatte ihn dort abgefangen, weil er ja statt, wie die anderen Arbeiterameisen seiner Arbeit nachzugehen, zum Hummelnest gekrabbelt war. Nach der Geschichte war sie trotzdem stolz auf Ronny, weil er sich in fast jeder Situation zu helfen wusste. Er hatte ihr ja auch den Hummelhonig von der Hummelkönigin Bea vom Buchenbaumnest mitgebracht.

 

In der Nacht hatte er dann einen seltsamen Traum. Er befand sich auf einer völlig, ihm unbekannten Waldlichtung, wo lauter Elfen von Blüte zu Blüte flogen, um Nektar zu trinken. Dort wurde ihm der Elfenkönig Oberon vorgestellt, dessen Reich durch Zauberkünste vor menschlichen Augen geschützt wurde. Gerade, als Oberon ihm erklärte, dass er dort Honig, Nektar und Blattlausmilch in Hülle und Fülle genießen dürfte, wachte er aus diesem Traum auf.

 

Am Tag darauf beförderte Ameisenkönigin Käthe vom Kiefernhain Ronny zum Botschafter vom Kiefernhain und sandte ihn mit zwei Ameisensoldaten zur Hummelkönigin Bea vom Buchenbaumnest. Er sollte ihr zum Dank für den Hummelhonig Blattlausmilch überbringen und sie zum Besuch in das Ameisennest am Kiefernhain einladen. 

 

Unterwegs wurde die Delegation vom Hummelmädchen Fanny entdeckt. Weil sie Ronny kannte, fragte sie ihn nach der Begrüßung, wo er denn hin möchte. Der Kiefernadelhaufen lag doch in einer ganz anderen Ecke der Waldlichtung. Da erzählte Ronny ihr, dass die Königin ihn offiziell zum Botschafter ernannt hatte und ihn mit seinen Leibwächtern zur Hummelkönigin schickte.

 

Fanny flog schnell zu ihrem Hummelnest und meldete Karl und der Königin, dass Ronny jetzt als Botschafter unterwegs war. Karl und Fanny flogen nun voran und geleiteten die Ameisendelegation durch das Brennnesselwäldchen, wo sie so gut wie sicher vor Feinden waren.

 

Nach der Ankunft im Hummelnest wurde eine Strohhalmleiter ausgerollt und die Grillen schmetterten auf ihren Fanfaren, fast wie am Hofe menschlicher Könige bei Staatsempfängen.

 

Abends wurde dann ein Hummeltanzwalzer gezeigt und die Grillen legten zur Insektendisko auf.

 

Völlig müde war Ronny dann nach seiner Rückreise im Ameisenhügel auf sein Nachtlager gefallen und begann erneut zu träumen.

 

Dieses Mal gelangte er wieder auf Oberons Blumenwiese. Doch in dieser Nacht wurde er von Karl und Fanny begleitet. Der Elfenkönig Oberon begrüßte Ronny, wie einen Insektenprinzen und lud die drei Freunde in seinen Blumenpalast ein.

 

Vor ihnen erhob sich ein riesiger grüner Palast, der aus dicken Blumenstängeln zusammen geflochten war. Trotzdem lebten sie und ließen goldfarbene Blüten wachsen, die den Palast sehr kostbar erscheinen ließen. Überall schwirrten Elfen, Bienen, Hummeln und die buntesten Schmetterlinge, wie du sie noch nie gesehen hast herum, von Blüte zu Blüte und tranken so viel Nektar, wie sie wollten. Den Fußboden des Schlosses bildeten lauter rote Klatschmohnblüten, die wie ein ausgerollter roter Teppich wirkten, wie ihn die Menschen von Staatsbesuchen ihrer Könige kannten.

 

Dann gelangten sie in den Thronsaal, der hell erleuchtet war, mit Sonnenblumenkronleuchtern. Das Licht selbst wurde von abertausenden Glühwürmchen erzeugt, die die Form von Glühlampen bildeten.

 

Die Wände sahen edel aus, weil tausende weiße Jasmin- und Porzellanblüten dem Saal etwas Besonderes verliehen. An der Wand stand ein Thron aus goldenen Blüten des Goldregens verziert. So waren alle Elemente des Blumenpalastes lebendig und sahen trotzdem sehr edel aus.

 

Für uns Menschen war er natürlich unsichtbar, wie die ganze Welt der Blumenelfen. In dieser Nacht stellte der Elfenkönig Oberon Ronny seine spätere Ameisengemahlin, die Ameisenprinzessin Lilija vom Tannenwäldchen vor. Beide tanzten die ganze Nacht durch und die beiden Hummeln natürlich untereinander.

 

Am anderen Morgen erzählte Ronny seiner Ameisenkönigin Käthe vom Kiefernhain von seinem wundersamen Traum mit der liebreizenden Ameisenprinzessin Lilija vom Ameisenhügel am Tannenwäldchen.

 

Darauf erklärte ihm die Königin, dass es kein Traum war.

 

„Für heute beende ich meine Geschichte. Sonst geht sie zu schnell zu Ende. Ihr sollt ja noch die Spannung behalten, wie sie weitergeht. Kommt also morgen Abend zur selben Zeit hier in diesen Kreis.“ „Ach wie schade. Wir sind noch gar nicht müde.“, antworteten die Ameisenarbeiterinnen nach dieser Erzählung.

 

„Basta für heute ist Schluss!“, betonte Ronny noch einmal, drehte sich um und begab sich zu seinem Schlafbereich.

Kapitel 4 Das Hummelmädchen Linda

Das Ameisenmädchen Marilija wachte am nächsten Morgen auf und machte sich wieder frisch und munter an die Arbeit. Gerade als sie am Kiefernadelhaufen der Waldseekiefer ankam, summte es über Marilija.

 

 

 

  

Ein Hummelmädchen war es und Marilija sprach sie gleich an: „Guten Morgen Linda. Du bist mir vor zwei Nächten im Traum begegnet. Ich freue mich, dass wir uns heute wirklich treffen.“ – „Wer bist du denn?“, fragte die Hummel neugierig. – „Ich heiße Marilija und bin eine Tochter von Ameisenprinz Ronny und meiner Mama der Ameisenkönigin Lilija vom Hügel an der Waldseekiefer.“

 

 „Hier auf der Wiese stehen die schönsten Löwenzahnblumen, die ich in meinem bisherigen Hummelleben gesehen habe. Besseren Nektar können wir für unsere Honigherstellung gar nicht bekommen.“, sagte die kleine Hummel, die wie Marilija zum ersten Mal ihr Hummelnest verlassen hatte als Arbeiterin.

 

 „Bist du Linda, die Tochter des Hummeljungen Karl? Ich habe von dir geträumt und habe in ihm deinen Namen erfahren.“ – „Ja ich bin Karls Tochter und leben jetzt im Hummelnest an der alten Linde mit dem Astloch.

 

 Mein Papa Karl und die Hummelkönigin Klara haben geheiratet und gründeten auf Hummelart einen neuen Hummelstaat an der alten Linde. Dadurch wird dafür gesorgt, dass immer frisches Blut in ein neues Volk kommt. Dieses System der Natur ist viel älter als es Menschen und hoch entwickelte Lebensformen überhaupt gibt.“

 

 

Da ihr Papa extra betont hatte, dass er nichts dagegen hätte, wenn Linda und Marilija sich anfreunden, wie damals Karl und er, antwortete sie freundlich: „ Gestern und vorgestern sammelte ich den ganzen Tag über Kiefernadeln für unseren Ameisenhügel und trug Larvenkot unserer Ameisenlarven im Kokon eingeschlossen aus dem Hügel, um ihn rein zu halten.

 

Abends erzählte mein Papa von seiner Begegnung mit dem Hummeljungen Karl und seinen weiteren Abenteuern. Er hat es so spannend erzählt. Immer an der spannendsten Stelle schickte er uns ins Bett, weil er am anderen Abend weiter erzählen wollte.

 

Gestern erzählte er mir eine richtige romantische Geschichte, wie er meine Mutter, die Ameisenkönigin Lilija vom Ameisenhügel an der Waldseekiefer kennen lernte.

 

Sie soll ihm vom Elfenkönig Oberon im Traum vorgestellt worden sein. Dein Vater Karl und das Hummelmädchen Fanny sollen auch dabei gewesen sein. Die ganze Nacht haben sie nach Grillentanzmusik getanzt.

 

Gerade da, sagte mein Papa Ronny: „Schluss für heute, Gute Nacht Kinder.“ Wir riefen im Chor: „Wir sind noch gar nicht müde. Du erzählst so spannend, dass wir erst recht munter werden.“ Doch er ließ sich nicht erweichen.“

 

„Jetzt muss ich aber erstmal zum Kiefernadelhaufen, damit ich mit einer Nadel auf dem Rücken zurück zum Ameisenhügel krabbeln kann. Sonst entsteht an meiner Stelle eine große Lücke, die nicht so schnell geschlossen werden kann.

 

Unsere Versorgung ist wichtig für die anderen Arbeiterinnen, die die Nadeln gekonnt am Ameisenhügel verbauen, damit kein Regenwasser hinein gelangt und keine Windböe ihn umweht, brauchen pausenlos Material.“

 

Das Hummelmädchen Linda antwortete: „Auch ich bin eine Arbeiterin wie du. Während du Kokonkugeln und Kiefernadeln den ganzen Tag über, hin und her trägst, fliege ich von Blüte zu Blüte und hole den Nektar von ganz tief unten am Stempel. Dabei bleibt immer etwas Blütenstaub an meinen Hinterbeinen hängen. Fliege ich damit zur nächsten Blüte, bleibt etwas vom Blütenstaub dort zurück.

 

 Dadurch trage ich zur Bestäubung der Blumen und Pflanzen bei. Ohne unsere Arbeit, würden bald keine Obstbäume mehr Früchte tragen. Alles Leben würde aufhören zu existieren. Die Welt würde fahl und grau werden. Auch die Vögel würden nicht mehr singen. Viele ernähren sich ausschließlich von Blumen- und Getreidesamen. Einige Vögel sollen sogar Nektar trinken, wie wir Insekten.

Sie würden verhungern.“

 

Marilija antwortete: „Ja, wir Ameisen sind so etwas wie die Waldpolizei. Wenn ein Insekt aus Altersgründen stirbt, tragen andere Arbeiterameisen die Fliege oder den Schmetterling zum Ameisenhügel, wo sie unserer Ernährung dienen. Von einer Fliege können viele Ameisen mehrere Tage von leben. Für unsere Larven melken wir Blattläuse und gewinnen so die Blattlausmilch. Unsere Blattlauskolonien werden sogar gegen Feinde verteidigt.“

 

Während dieser Worte war sie weiter gekrabbelt und erreichte gerade eben den Kiefernadelhaufen. Dicht daneben wuchs ein Schlehenbusch, der im Frühjahr weiße Blüten und im Winter blaue Beeren trug.

 

 

Die dienten vielen Vogelarten als Winternahrung, wenn alles verschneit war. Dort entdeckte das Ameisenmädchen Marilija eine Spinnwebe.

 

Die Kreuzspinne Tara war dort auf Beutezug. Da Marilija schon die Geschichte von Karls Errettung gehört hatte, warnte sie Linda rechtzeitig.

 

Dann erzählte sie ihr auch dieses Ereignis. Linda bedankte sich daher sehr für Marilijas Aufmerksamkeit. Sie hätte die Spinnwebe nicht bemerkt und wäre hinein geraten.

 

Gerührt sagte Linda: „Kann es so was geben, dass wir fast alles erleben, was unsere Väter hinter sich haben? Ist es unser Schicksal gewesen, dass wir uns zufällig hier auf der Löwenzahnwiese trafen?“

 

Da antwortete Marilija: „Ich habe schon von anderen Tieren rings herum gehört, dass alle unsere beiden Väter als berühmte Insekten in unserer Welt ansehen. Durch ihre Freundschaft haben sie vieles erreicht.

 

Heute Abend frage ich auch danach, wie er durch seine Hilfsbereitschaft auch von anderen Tieren Hilfe bekam, als er mal darauf angewiesen war. So ließ das Igelmädchen Mitzi ihn wohl in ihrem Stachelkleid mitreisen. Da war er vor allen Feinden sicher.

 

Das hat der alte Mäuserich Gustav erzählt, als er mit der Krähe Emma im Gespräch war. Ich trug gerade eine Kiefernadel auf dem Rücken, als ich die beiden sprechen hörte.“

 

Marilija legte sich eine Kiefernadel auf den Rücken und sprach zur Hummel Linda: „Ich habe mich sehr über unser erstes richtige Treffen gefreut. Sehr gern würde ich dich öfter auf der Wiese sehen. Dein Summen kommt mir schon sehr vertraut vor. Dabei ist es heute gerade unser zweites Treffen. Jetzt kehre ich um, und bringe diese Kiefernadel zum Ameisenhügel an der Waldseekiefer.“

 

Traurig antwortete Linda: „Leider musst du schon zurück, aber auch ich habe meinen Nektar gesammelt und muss zu meinem Hummelnest.“

 

Nach dieser Unterhaltung verabschiedeten sich beide Freundinnen und jede ging ihrer Beschäftigung nach, wie es ihnen vorbestimmt war. 

Kapitel 5 Fortsetzung von Ronnys Geschichte letzter Teil

Als die Arbeiterinnen am Abend wieder in den Ameisenhügel kamen, schlangen sie ihr Abendessen so schnell herunter, als würde es ihnen jemand stehlen wollen. Dabei waren sie nur gespannt, wie Ronnys Geschichte weitergehen würde.

 

Nun saßen sie wieder im Kreis und Ronny nahm wie gewohnt Platz auf dem Strohhalmsessel. Er setzte sein geheimnisvollstes Ameisengesicht auf, legte seine Fühler nach hinten, was ihm ein verwegenes Aussehen verlieh und begann zu erzählen:

 

 „Kinder, ich hatte ja an der Stelle aufgehört, als die Ameisenkönigin Käthe vom Kiefernhain Ronny erzählte, dass er nicht geträumt hatte und die Ameisenprinzessin Lilija vom Tannenwäldchen wirklich existierte.

 

Darauf sagte Ronny der Königin, dass diese Nacht ausgereicht habe, um sich Hals über Kopf in sie zu verlieben. Er wollte sie unbedingt wiedersehen. 

 

 

Darauf erklärte ihm die Königin, dass sie die Mutter von Lilija selbst schon kennen lernte. Sie sollte eine genauso weise Ameisenkönigin sein, wie sie selbst.

 

Ihr Name war Ameisenkönigin Arelija vom Tannenwäldchen. Ronny wollte sofort los, um sie zu suchen.

 

Doch Käthe vom Kiefernhain sagte, er solle sich nach den vielen Strapazen zum Hummelnest und zurück, erstmal ausschlafen und sich erholen. Er ging dann doch auf ihre Wünsche ein.

 

Dann ging Ronny vor den Ameisenhügel am Kiefernhain und wartete so lange, bis er die Krähe Emma traf, die durch den Ameisenbiss von Ronny in das Vorderbein vor Fuchs Fritz gewarnt wurde, und sich so in Sicherheit bringen konnte. Er fragte sie, ob sie sich noch daran erinnern konnte, und bat sie ihn zum Tannenwäldchen zu bringen.

 

 

Weil er so hilfsbereit war, bekam er dieses Mal die Hilfe der Krähe Emma. Er durfte sich in ihrem Federkleid verstecken und hatte die Waldlichtung in zwei Flügelschlägen überquert und sehr schnell das Tannenwäldchen erreicht.

 

Dort ließ sich Ronny gleich zur Ameisenkönigin Arelija vom Tannenwäldchen bringen und hielt offiziell um die Hand von Lilija an. Da die weise Königin schon viel von Ronny gehört hatte, wie er mit dem Hummeljungen Karl Freundschaft schloss und als Botschafter Ronny vom Kiefernhain sicher den Staatsbesuch bei Hummelkönigin Bea vom Buchenbaumnest meisterte, sagte sofort zu und rief nach der Ameisenprinzessin Lilija vom Tannenwäldchen.

 

So wurden denn beide im Blumenpalast der Elfen von Oberon persönlich vermählt und gründeten den neuen Ameisenhügel, der als Brautgeschenk an der Waldseekiefer errichtet worden war. Dort sorgen nun eure Mutter die Ameisenkönigin Lilija an der Waldseekiefer und ich für den Nachwuchs in diesem Volk. Eines Tages wird einer Arbeiterin die Ehre zuteil, ebenfalls einen Ameisenstaat zu gründen. Im Augenblick der Hochzeit erwächst ihr ein Flügelpaar. Bei den Ameisen bekommen nur die Königinnen ein Paar Flügel.

 

Beim Hochzeitsflug trägt die Königin das ausgesuchte Ameisenmännchen zum neuen Standort für den Ameisenhügel.

 

So Kinder, das war meine Geschichte. Wie hat sie euch gefallen?“ Nach einiger Zeit des Staunens fand die Ameise Marilija ihre Sprache wieder:

 

 „Papa gestern traf ich die Hummel Linda wieder. Sie hat mir erzählt, dass dein Freund Karl mit der Hummelkönigin Klara ein neues Hummelnest an der Linde mit dem Astloch baute und es mit Leben füllte.

 

 Das Hummelmädchen Linda ist seine Tochter. Der Zufall wollte es, dass ich auch ihr das Leben rettete, wie du damals Karl. Ich entdeckte zuerst, dass die Kreuzspinne Tara ihre Spinnweben am Schlehenbusch aufgespannt hatte.

 

Nur weil ich Linda rechtzeitig warnen konnte, schaffte sie gerade noch der Falle zu entgehen.“

 

Ronny antwortete seiner Tochter: „Vielen Dank für deine Informationen. In den nächsten Tagen werde ich deine Großmutter im Ameisenhügel am Kiefernhain besuchen. Hast du Lust mitzukommen? Ich frage deine Mutter um Erlaubnis, ob ich dich mitnehmen darf.“

 

Die kleine Ameise Marilija vollführte einen richtigen Jubeltanz. Darf ich morgen noch einmal auf die Löwenzahnwiese? Solange die Blumen noch blühen, wird die Hummel Linda herkommen.“

 

Darauf antwortete ihr Vater: „Ja aber beeile dich, denn irgendwann verändert sich der Löwenzahn. Dann verschwinden die gelben Blütenblätter, weil sich dann der Samen mit weißen Minischirmchen bildet. Dann reicht eine kleine Windbrise aus, um die Samen durch die Luft zu tragen.

 

Aber dann muss sich Linda nach anderen Blumen und Blüten umsehen. Wenn deine Freundin Linda und ihre Verwandten die Bienen und die Schmetterlinge fleißig waren, werden diese Samen im kommenden Jahr aufgehen und die Wiese wieder in einen goldenen Blumenteppich verwandeln.“

Kapitel 6 Marilija erzählt ihrer Freundin Linda vom Plan Ronnys

Sobald die Sonne aufging, begab sich Marilija zur Löwenzahnwiese, um die Hummel Linda zu treffen.

 

Doch wie ihr Vater am Abend gewarnt hatte, waren alle goldenen Blüten verschwunden. Stattdessen sah die Wiese jetzt komplett weiß aus.

 

Die Menschen nannten diese Blumen jetzt Pusteblumen. Kinder pflückten sie gern ab und pusteten die Samen mit dem weißen Schirmchen, so dass sie mit dem Wind fort segelten.

 

Zum Glück war die Hummel Linda auch noch ganz jung. Es war ihr erster Frühling genau wie bei Marilija. So kam sie auch über der Wiese angesummt und wunderte sich sehr, wie diese jetzt so verwandelt aussah.

 

Dieses Mal war Marilija schlauer als das Hummelmädchen Linda. Sie sagte, was ihr Vater Ronny am Vortag erzählt hatte: „Mein Papa hat gesagt, dass ich mich beeilen sollte, weil sich die Löwenzahnblüten nach der Blüte in weiße Blumen verwandelten, weil deren Samen weiße Schirmchen erhielten, die an Fallschirme bei Menschen erinnerten.

 

Er erklärte mir, dass der Wind die Samen so besser über die Wiese und sogar darüber hinaus tragen kann. So kann es vorkommen, dass einige Samen von dieser Wiese der Waldlichtung auf einer ganz anderen landen und im folgenden Jahr dort aufgehen und blühen.“

Die Hummel Linda entgegnete: „Jetzt muss ich mich nach anderen Blumen auf der Waldlichtung umsehen. Komme ich dann in mein Nest, führe ich einen speziellen Tanz auf. Daran erkennen dann die anderen Hummeln im Nest, dass auf dieser Wiese die Löwenzahnblüte vorbei ist und wir andere Blumen gefunden haben.“

 

Nach einer kurzen Pause erzählte die Ameise Marilija ihrer Freundin, dass ihr Vater Ronny in den nächsten Tagen zu ihrer Großmutter der Ameisenkönigin Käthe vom Kiefernhain aufbrechen wollte. Ihr bot er an, ihn zu begleiten.

 

Darauf antwortete Linda, dass sie sich freuen würde, wenn sie so eine Einladung bekäme. So eine Frage bekommt ein Insekt kein zweites Mal in seinem Leben. Alles hatte irgendwie seine vorbestimmte Bedeutung.

 

Danach verabschiedeten sich die beiden Freundinnen und Marilija lief gewohnheitsmäßig erst zum Kiefernadelhaufen und kehrte mit einer Nadel auf dem Rücken zum Ameisenhügel zurück.

Kapitel 7 Marilijas und Ronnys Reise zur Oma

Welches Kind freut sich nicht, wenn es zur Oma fahren darf? Genauso aufgeregt war auch die kleine Arbeiterameise Marilija, weil ihr Papa Prinz Ronny von der Waldseekiefer sie mit zur Großmutter Käthe vom Kiefernhain nehmen wollte.

 

Am kommenden Ameisentag war es so weit. Prinz Ronny und seine Tochter Marilija verließen gemeinsam den Ameisenhügel, um zum Nest am Kiefernhain zu reisen.

 

Im Laufe der Zeit war ja Ronny weiser geworden und ein besonderes Gefährt für die Reise ausgesucht. Die Krähe Emma landete fast auf die Ameisensekunde pünktlich vor ihrem Ameisenhügel an der Waldseekiefer.

 

Sie sagte zu Ronny: „Guten Morgen Prinz Ronny. Und wer ist denn mein zweiter Reiseinsasse für den heutigen Tag?“ Prinz Ronny antwortete: „Guten Morgen Emma. Ich habe eine meiner vielen Töchter gebeten, mich heute auf eine Reise zum Ameisenhügel am Kiefernhain zu begleiten. Sie heißt Marilija und ist eine Enkelin von Ameisenkönigin Käthe vom Kiefernhain.“

 

 

Darauf bat Emma die beiden in ihrem schwarzen Federkleid Platz zu nehmen, und ehe sie es sich versahen, landete sie nach zwei Flügelschlägen vor dem Ameisenhügel am Kiefernhain. Nachdem sich beide bei Emma bedankt und einen guten Flug gewünscht hatten, drehten sie sich zum Hügel um.

 

Das war vielleicht ein Riesenameisenhügel. So einen regelrechten Ameisenpalast hatte Marilija in ihrem ganzen Leben noch nicht gesehen. Da waren so viele Kiefernadeln verbaut, dass da die Nadeln mehrerer Bäume zusammen kamen. Ehrfurchtsvoll schlich Marilija hinter Prinz Ronny in den Ameisenhügel zur Ameisenkönigin Käthe vom Kiefernhain.

 

Wie freute sich die Königin, als sie ihren geliebten Sohn wieder vor sich sah. Sie hatten sich jetzt einige Ameisenjahre nicht gesehen. Er war viel reifer und weiser geworden.

 

Erst jetzt fiel der Königin sein Anhang auf. Sie war ja in Ameisenjahren auch schon eine betagte, alte Dame. „Mein geliebter Sohn Ronny. Wen hast du mir denn mitgebracht?“

 

„Das ist deine Enkelin Marilija vom Ameisenhügel an der Waldseekiefer. Ist sie nicht ein schönes Ameisenmädchen? Es gibt auch Parallelen. Sie hat sich ohne, dass ich es vorher wusste mit dem Hummelmädchen Linda angefreundet.

 

 Linda wiederum ist die Tochter von meinem Freund Karl, der mit der Hummelkönigin Klara das Hummelnest an der Linde mit dem großen Astloch baute und mit Leben füllte.“

 

 

Die Ameisenkönigin streichelte ihre Enkelin mit ihren zwei Vorderfüßen und hatte sie sofort in ihr großes Herz geschlossen (wie jede Oma). Mit ganz sanftmütiger Stimme, wie es nur Omas können, sagte sie:

 

„Ich freue mich sehr, dass mein Sohn Ronny mir meine Enkelin vorstellt. Das kommt in den meisten Ameisenfamilien überhaupt nicht vor. Marilija ist ein sehr schöner Name und kein gewöhnlicher. Deine Mutter gab ihn dir ganz bewusst. Du wirst einmal Königin werden, wenn du ausgewachsen bist. Deine andere Oma die Ameisenkönigin Arelija vom Tannenwäldchen wird dich auch gern sehen und sprechen, bevor du irgendwann, deinen Prinzen durch den Elfenkönig Oberon an die Hand bekommst. Hast du schon Träume gehabt und erlebt? Bei uns Ameisen träumen nur die Männchen und Weibchen, die von der Natur ausgesucht wurden, um einmal ein neues Ameisenvolk zu gründen.“

 

 „Ja, aber bisher träumte ich von dem Hummelmädchen Linda, welches ich später tatsächlich auf der Löwenzahnwiese kennen lernte. Es gab auch durchaus Parallelen zwischen ihr und mir. Auch ich rettete ihr an einer Spinnwebe das Leben, wie Ronny früher seinem Freund Karl.“

 

„Bei uns kommen die Träume immer ganz kurz vor einem bevorstehenden Ereignis. Irgendwann wirst du von deinem späteren Bräutigam träumen. Dein Vater erzählte euch die Geschichte von ihm und Karl vor allem, damit uns klar wird, welches Ameisenkind von Mutter Natur zur zukünftigen Königin bestimmt wurde. Bis zu diesem entscheidenden Traum wirst du nun von uns auf deine spätere Rolle vorbereitet, damit du ihr auch gewachsen bist.“

 

 Das Ameisenmädchen Marilija konnte lange nicht antworten. Sie war so von allem überrumpelt. Damit hätte sie nie gerechnet, dass sie einmal eine Königin über ein eigenes Ameisenvolk sein sollte. Dann gab sie ihrer Oma unvermittelt einen dicken Kuss, wie auch Menschenkinder ihre Großmutter gern haben.

 

Wie die Geschichte weiter geht. Ob Marilija heiratet und ein neues Ameisenvolk bildet, dass könnt ihr bald im zweiten Band dieses Buches nachlesen. 

 

Nachwort:




Nun sind Ronny und Karl selbst Eltern von vielen Ameisen- und Hummelkindern geworden. So beginnt eine neue Geschichte, dieses Mal über zwei Insektenmädchen, die sich anfreunden. Ob das Ameisenmädchen Marilija selbst eine Ameisenkönigin wird und was aus dem Hummelmädchen Linda wird, erfahrt ihr, wenn ihr mögt im Band Zwei dieses Buches.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch

Manfred Basedow

 

Imprint

Text: Manfred Basedow
Images: Manfred Basedow
Publication Date: 04-21-2012

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