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Ein Oneshot

 

 

Stille, sie war überall, sie umgab mich, hielt mich gefangen. Ich starrte an die weiße Decke, der ganze Raum war weiß gestrichen, steril, kalt. Das Bett auf dem ich lag war unbequem und nur minimal besser als wenn ich auf dem Boden schlafen würde, was ich schon oft in erwägung gezogen hatte. Ein kleiner weißer Schrank stand in der Ecke des Raumes, dort war nur das nötigste drin, Klamotten hatte ich zu meinem Bedauern nicht viele nur eine alte ausgewaschne Jeans, ein weißes T-shirt was ich hier geschenkt bekam und einen Pullover. Doch hatte ich sowieso jeden Tag meinen Kittel an, nicht weil ich es wollte oh nein, ich hasste diesen Kittel, an ihn klebte all mein Schmerz, meine Wut und die Verzweiflung.

 

Als ich von zuhause abgeholt worden war, gab man ihn mir und erlaubte mir nicht ihn gegen etwas anderes einzutauschen wie normale Klamotten. Ich weiß nicht seit wann ich hier bin, es könnten Jahre oder doch nur Wochen sein. Meine Erinnerung an meine Familie verlor ich jeden Tag mehr, jedes mal wenn man mich bat mitzukommen, mich zu einem Raum brachte und sagte ich solle mich auf die Liege legen. Jedes mal wenn ich vor Schmerz aufschrie wegen den Elektroschocks die sie mir verpassten. Ich schrie seit einer Weile fast nur noch aus Reflex, fühlte kaum noch den Schmerz. Doch fühlte ich diese Leere in mir die jeden Tag größer wurde. Man redete hier nicht mit uns, man behandelt uns wie Tiere, ich hab lange kein Wort mehr von mir gegeben, niemand redete. Ich wusste nicht was mich mehr auffraß, die Leere in mir die mein Herz erfüllte welches sonst immer mit so viel Liebe gefüllt war oder die Stille die mich auch psychisch an meine Grenzen brachte. Doch eines wusste ich, ich werde bald nicht mehr existieren, vielleicht körperlich, jedoch nicht seelisch, ich werde nur noch aus meinem Körper bestehen. Eine Leblose Hülle mehr wird nicht von der Mary Alice Brandon übrig bleiben.

 

Eine Ansage ließ mich aus meinen Gedanken holen: "Alle Patienten begeben sich in ihr Bett es ist Schlafenszeit." Zur selben Zeit ging das Licht aus, es gab hier keine Fenster, sie sagten es ist zu ihrer Sicherheit, als ob. Ich hasste diese Kontrolle, ich wollte nicht kontrolliert werden, doch wer wollte sowas schon? Seufzend schließ ich die Augen und merkte wie ich langsam einschlief, währenddessen hoffte ich nie mehr aufwachen zu müssen.

 

Ich befand mich in völliger Schwärze, sofort merkte ich das es ein Traum war und ich wollte einfach nur wieder aufwachen. Ich träumte nicht oft, noch seltener in letzter Zeit was wohl an meiner nennen wir es "Therapie" lag. Sie wirkte wohl, immerhin war sie dazu da das ich nicht mehr Träumen soll, jedenfalls nichts was noch passieren wird. Man konnte sagen ich konnte in meinen Träumen die Zukunft sehen, als ich eines Tages von diesem Zimmer und den Elektroschocks träumte flehte ich meine Eltern an sie sollen mich hier nicht hinschicken, was sie jedoch trotzdem taten.

 

Ich war aber dennoch gespannt was jetzt wohl passieren würde, nochimmer war alles Schwarz und mir kam der Gedanke das ich meinen Tod träumte, war das möglich? Nach kurzer Zeit sah ich ein schwaches Licht, was meine Vermutung nur noch verstärkte, vielleicht war ich auch schon tot? Langsam ging ich auf das Licht zu, ich verließ die Schwärze um mich und befand mich an einen anderen Ort. Genaugenommen in einer Bar. Es roch stark nach Alkohol, und Musik ertönte schwach aus einer kleinen Anlage. Im nächsten Moment betrat ein Mann die Bar, er war völlig durchnässt, wohl vom Regen der von draußen gegen das Fenster schlug. Mein Blick glitt wieder zu dem Mann, er war nicht älter als 19 und beachtliche etwa 1.90 groß. Seine blonden kinnlangen Haare klebten nass an seinem Gesicht welches angestrengt aussah, er hatte die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst und seine Haltung war angespannt. Als sie in seine Augen blickte erschrack sie, jedoch nicht weil sie schwarz waren, sondern weil sie Schmerz in ihnen sah. Etwas in mir wollte auf ihn zu gehen und ihn in die Arme nehmen, ihn trösten.

 

Da fiel mir plötzlich eine Bewegung hinter mir auf, ich drehte mich um und konnte meinen Augen kaum glauben, da stand ich. Also ich vermute das ich das bin, ich sah nicht so aus wie ich jetzt aus sehe, meine Haut war schneeweiß und meine Augen hatten einen goldenen Farbton. Ich erkannte mich fast nicht, was auch an dem lächeln auf meinen Lippen lag, wann hatte ich das letzte mal gelächelt? Zielstrebig bewegte sich mein schöneres Ich auf den Mann zu. Kannte ich ihn? Scheint nicht so, denn er sah mich verwirrt an. "Du hast mich lange warten lassen." hörte ich mich sagen. Ich kannte ihn, soviel war sicher. "Verzeihung Ma'm" antwortete der Mann mit texanischen Akzent. Mir lief ein Schauer über den Rücken und gespannt sah ich zu wie mein anderes ich ihm die Hand hinstreckte und er sie nahm.

 

Das nächste was ich sah war mein Zimmer. Es war fast schon schade das der Traum zuende war. Wenn dieser Traum etwas mit meiner Zukunft zutun hatte...jedoch ist das unmöglich. In vielerlei Hinsicht. Nie würde ich so aussehen, nie würde ich hier rauskommen, niemals...

 

Aber ein kleiner Teil in mir versuchte mich zu überzeugen das es doch so kommen wird. Es war lächerlich...jedoch hatte sich dieser Teil in mir noch nie getäuscht, er hatte schon immer Recht. Weshalb ich nachdenklich wurde. Vielleicht ist mein Leben doch noch nicht vorbei...

 

Imprint

Publication Date: 08-13-2014

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Dedication:
Ich widme diese Geschichte meiner Besten Freundin, die mich in diese Wunderbare Jalice-Welt entführt hat.

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