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Nicht in Menschenhände lass mich fallen,
Herr, ich weiß, wie Menschentücke tut,
Wie die Taube in des Geiers Krallen,
Wie das Lamm in Tigertatzen ruht;
Lass mich fallen, Gott, in Deine Hände,
Üb an mir dein heiliges Gericht,
Kenn ich doch den Vater, dem am Ende
Über seinem Kind sein Herze bricht.

Nicht von Menschenaugen lass mich schätzen,
Welche blind nach Schein und Schimmer gehen,
Tückisch an des Nächsten Fall sich letzen,
Gierig nach des Bruders Splitter spähn;
Leite mich mit deinem Angesichte,
Dessen Flammenblick mein Herz durchblitzt,
Doch des‘ Vateraug mit mildem Lichte
Vor dem Fall sein schwaches Kindlein schützt.

Nicht von Menschenzungen lass mich richten,
Deren Pfeil am Ziel vorübertrifft.
Eitel ist ihr Lob und frommt mitnichten,
Und ihr Grimm ist gärend Otterngift;
Richte mich durchs Wort aus deinem Munde,
Wie ein Schwert durchhaut es Mark und Bein,
Aber in die gottgeschlagne Wunde
Träuft es mild der Gnade Balsam ein.

Nicht auf Menschenherzen laß mich trauen,
Nicht auf Herrengnad' und Volkesgunst,
Eh' will ich mein Korn im Wasser bauen,
Und mein Haus im goldnen Wolkendunst;
Laß mich ruhen, Herr, an deinem Herzen,
Unter deinen Flügeln wohnt sich's warm:
Selig, wer in Freuden dir und Schmerzen
Fällt als Kind in deinen Vaterarm.

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Publication Date: 06-01-2011

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