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Marc. 14, 6.
Jesus aber sprach: Lasst sie mit Frie-
den; was bekümmert ihr sie? Sie
hat ein gutes Werk an mir getan.



Lasset sie mit Frieden,
Kümmert nicht das Weib,
Weil sie noch hienieden
Ehrte meinen Leib;
Ihre Opfergabe
Duftet süß durch’s Haus,
Hat sie doch zum Grabe
Mich gesalbt voraus.

Lasset mich genießen
Zarter Liebe Zoll,
Lasset sie ergießen
Wes‘ ihr Herze voll;
Wenn die Welt erloschen
In der Andacht glut,
Rechnet nicht nach Groschen
Seines Dankes Tribut.

Arme zu versorgen
Habt ihr allezeit,
Tut es heut und morgen,
Wie die Not gebeut;
Doch vom Weltgetümmel
Gönnt am heilgen Tag
Noch dem Geist gen Himmel
Scheinen Flügelschlag.

Wo als Heiderose
Ein geweiht Gemüt
In der dürren Prose
Dieser Erde blüht,
Taugt, ihr Rechenmeister,
Eure Waage nicht,
Wägt man auch die Geister
Mit dem Marktgewicht?

Wenn mit ihrem Pfunde
Fromme Poesie
Einer Erdenstunde
Himmelsduft verlieh:
Ehret ihre Sendung,
Dämpfet nicht den Geist,
Scheltet nicht Verschwendung,
Was den Schöpfer preist. –

Senke nicht erschrocken
Dein beschämt Gesicht
In ergoss’ne Locken,
Fürcht, o Weib, dich nicht;
Mag dich immer schelten
Die verkehrte Welt:
Christus wird vergelten,
Was ihm wohlgefällt.

Ach, nicht oft begegnet
Lieb ihm hier zu Land;
Darum sei gesegnet,
Milde Frauenhand,
Narde, die so reichlich
Duftend ihn umfloss,
Locke, die so weichlich
Trocknend ihm umschloss!

Sei es arm und wenig,
Was dein Herz getan:
Er, dein großer König,
Blickts in Gnaden an;
Der zur Witwengabe
Mild sein Aug gewandt,
Hat bei kleiner Habe
Große Lieb erkannt.

Noch in Kreuzeshöhen,
Noch in Grabesluft
Wird ihn süß umwehen
Dieser Narde Duft;
In der Engel Chören,
Königlich verklärt,
Wird er die noch ehren,
Die ihn so geehrt.

Wo man je wird melden,
Was der Herr vollbracht,
Da wird mit dem Helden
Auch der Magd gedacht,
Die zum namenlosen,
Martervollen Streit
Ihm den Weg mit Rosen
Liebend noch bestreut.

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Publication Date: 06-01-2011

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