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ZWEI ALTE KNOCHEN

Drei rabenschwarze Krimi-Storys

von STEPHAN PETERS

 

 

IMPRESSUM

© dieser Digitalausgabe 2015 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.alfredbekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

ZWEI ALTE KNOCHEN Drei rabenschwarze Krimi-Storys © by Stephan Peters

und Edition Bärenklau, 2015

Cover © by David Marc, Maryville/Tennessee

Layout: Steve Mayer

 

Der Umfang dieses Ebook entspricht 55 Taschenbuchseiten.

 

Die Story “Zwei alte Knochen” und die beiden anderen Erzählungen von Stephan Peters sind als Einstieg in das reichhaltige Kurzgeschichtenwerk des Düsseldorfer Krimiautors exklusiv ausgekoppelt worden.

Sie gehören zum Band „Männer haben den IQ eines Grabsteins“ und versammeln insgesamt 13 Erzählungen des Autors. Stephan Peters ist oft zu Gast bei Live-Lesungen in ganz Deutschland. Ein spannendes Interview gab er dem Regionalsender „Center-TV“ zusammen mit seiner bei diesen Lesungen auftretenden Partnerin Deborah Haarmeier – zu finden auf unserer Verlagshomepage.

 

 

Das Ebook beinhaltet folgende drei Krimi-Storys:

Mein alter Freund Brutus

10 Grad Minus

Zwei alte Knochen

 

 

 

 

Mein alter Freund Brutus

Wie schön ist es, Kriminalautor zu sein und sein Hobby als Beruf ausüben zu können! Aber auch wir Künstler müssen früh aus dem Bett, und um 15 Uhr klingelt gnadenlos der Wecker! Dann heißt es frühstücken, durch den nahe gelegenen Park gehen, die Zeitungen studieren, um hernach zwei Stunden am Computer zu sitzen. Nachmittags wird Tee gebrüht, Kuchen gegessen, und danach ruhe ich etwa eine Stunde auf der Couch aus. Das Leben ist schon hart …

Nachts wird dann richtig gearbeitet, der Kopf läuft auf Hochtouren, und im Hintergrund spielt Chopin. Und während das Fenster geöffnet ist, weht frische Abendluft ins Wohnzimmer hinein. Dort steht eine durchgehangene Couch mit zahllosen Kissen, die sehr gut zu dem schweren Schreibtisch passt, der von Ohrensesseln aus dem 19. Jahrhundert umgeben ist. Die Tapete ist aus grünem Leinen, ein Kamin ist in der hinteren Ecke, auf dem Pfeifen, Karaffen und drei Totenköpfe stehen. Dann entzünde ich zahllose Kerzen und schlurfe wie ein mittelmäßiger Schauspieler auf einer Dorfbühne in einem alten Morgenrock als Graf Dracula herum. Ich wollte eigentlich Chemie studieren, um später in Oxford als Professor von Jedermann bewundert werden. Ich sah mich schon wallendes Haares und Gewandes durch die heiligen Hallen gehen, und alle Studentinnen würden mir zu Füßen liegen. Aber dann bin ich dahinter gekommen, dass das Studium mehr als beschwerlich ist und ich nicht einmal die Prinz Reife habe. Somit kaufte ich mir einen Chemiebaukasten, stellte Phiolen und Mikroskop auf den Kamin und hängte Fotos von großen Chemikern an die morsche Wand. Es waren Richard Heck und Brian Kobilka, die Nobelpreisträger in diesem Fach. Das hatte mir völlig genügt. In meiner Fantasie bin ich seitdem tatsächlich Professor in Oxford, der ab und an einen Krimi schreibt. Leider ohne die mich vergötternden Studentinnen …

Alles in allem recht plüschig, und meine Einrichtung hat nichts von der modernen, eisigen Kälte aus Metall und der Farbe Weiß zu schaffen, wie in einer Leichenhalle. Das hört sich für Sie vielleicht recht angenehm an und Sie denken: Oh, der gute Mann ist gut bei Kasse! Leider ist das nicht der Fall, denn meine Bücher verkaufen sich eher mäßig. Oder sie dienen wesentlich erfolgreicheren Autoren, als ich es bin, als Grundlage für deren Schreibseminare „Wie darf ich als Autor NICHT schreiben? Diese Seminare erfreuen sich großer Beliebtheit. Meine Artikel über Tischtennis in diversen Sportmagazinen machen mich auch nicht zum reichen Mann. So habe ich einen Nebenjob als Hausmeister in dieser alten Villa, aber die Arbeit ist leicht und besteht nur aus dem Auswechseln von Glühbirnen, Rasenmähen und den Weg muss ich von Laub und Eis freihalten. Manchmal darf ich auch einen Hund Gassi führen, oder einer alten Dame die Einkaufstasche tragen. Aber – man hat schon von schlimmeren Schicksalen gehört, meinen Sie nicht auch? Der Hund war ein Basset und hörte auf den Namen Alfons. Sein Gang war gemächlich, und Alfons` Bauch hing beinahe über dem Boden. Die Schlappohren ließen auch nicht auf eine große Aktivität schließen Die Dame hieß Fräulein Iltis und war eine studierenswerte Person. Ich schätzte sie um die fünfzig Jahre. Jahre, deren Motto `Himmel, Hölle und Hormone` heißt. Sie war groß, hager und trug gerne mit verkniffenem Gesicht Kleider vom Trödelmarkt. Am liebsten lange, weite Röcke, darüber eine rote Jacke samt Schal mit Jagdmotiven. Fräulein Iltis hatte häufig Angstzustände, wie sie viele ältere, alleinstehende Damen haben. Ihre große Bibliothek durfte ich ab und zu bei einer Tasse Kaffee nebst Gin bewundern. Die kleine Wohnung bestand aus uralten Möbeln vom Trödel oder Sperrmüll, und an jeder Wand hingen Fotos von der englischen Königin. Ihr gegenüber grinste Prinz Charles und wedelte mit den Ohren und sein Vater, Prinz Philip, lächelte wohlwollend auf uns herab. Nur Kate und William waren nicht zu sehen, da sie einfach `zu jung! ` sind. Ja, meine Freundin war anglophil wie vormals Voltaire, ohne indes seine Kenntnisse über die Insel zu besitzen. In der Bibliothek gab es Dutzende Biografien über das englische Königshaus. Aber vor allem Sachbücher für Lebensberatung. Sorge dich nicht, lebe! Zum Beispiel stand ganz oben in ihrer persönlichen Hitparade und war vom vielen (erfolglosen) Lesen ganz abgegriffen. Dutzende von Merkzetteln ragten zwischen den Seiten hervor, und vom vielen Studieren über gelassenes Leben, wurde Fräulein Iltis immer nervöser. Die Dame war in einem Geschäft für Hörgeräte tätig, aber ihr Name allein schon verriet, dass sie solch ein Gerät gar nicht nötig hatte. Nur ihre Augen waren nicht die besten – was wiederum nicht zu Iltis passte. Trotzdem trug sie ihre große Brille aus den Dreißiger Jahren, stolz wie eine Lady aus den Romanen von Jane Austen. Doch auch dieser Vergleich hinkt, da Fräulein Iltis keinerlei Schwestern hatte, die, wie in den Romanen, vom genervten Vater unter die Haube zu bringen sind. Fräulein Iltis hatte bereits vor Jahren beschlossen, sich nicht den Gefahren des Lebens hinzugeben, denn in ihren Lebenshilfebüchern standen furchtbare Fallbeispiele von gescheiterten Partnerschaften, sinnlosen Auswanderungen ins Ausland, die fast alle in Pleite und Scheidung endeten. Sie las von One-Night-Stands (das musste sie erst einmal nachschlagen), die zu lästigen Babys oder zu Mord und Totschlag in der Partnerschaft führen konnten. Dieses ganze Grauen, das man `Leben` nennt trug sie als Schatten auf der Schulter. Fräulein Iltis beobachtete lieber als sadistische Zuschauerin, die am Fluss des Lebens sitzt, dasselbe, und sah lächelnden Mundes die Leichen derjenigen im Wasser vorbei schwimmen, die sich dort hinein gestürzt hatten. Ins Leben. Ins so genannte. Vor ihrem geistigen Auge sah sie Menschen verzweifelt nach Liebe rufend, die sie später auch bekamen. Aber als alles an Habsucht, Gier und Langeweile auseinander ging (wie Fräulein Iltis bereits höhnisch prophezeit hatte), erblickte sie heulende, vor nicht erfüllter Lust verkrampfte Visagen, die erneut nach dem verlangten was sie Liebe nannten und nie ans Ziel kamen, um eines Tages jämmerlich von den sinistren Fluten des Styx verschlungen zu werden. Und über all dem Seelenschmerz der Menschheit, stand, aufrecht, wie eine Galionsfigur, Fräulein Iltis auf einem Marmorfelsen und lachte sie aus. Wenn alle so leben würden, wie ich, dachte sie, wäre es ums Lebensglück der Menschheit besser bestellt. Bescheiden in der Lebensführung in einem Akustikladen, umgeben von Büchern und Alfons. Und ab und zu die Gesellschaft eines skurrilen Zeitgenossen, der Hunde spazieren führte und mit Fräulein Iltis einem Tennismatch zusah. Und nach dieser erfreulichen Feststellung, genehmigte sie sich drei Glas Gin und fütterte Alfons mit Nussecken.

Das Fräulein ging nach getaner Arbeit gerne ins nahe gelegene Schloss-Cafe` mit Blick auf den Park. Der Park lag an den Ausläufern von Düsseldorf, und ich gesellte mich bei schönem Wetter gerne hinzu. Wir zwei redeten dann über die vergangenen Tage, die neuesten Bücher und Kochrezepte, oder kommentierten mit feurigen Wangen das letzte Spiel unseres heimischen Tischtennisvereins „Sparta Knack“. In diesem sind wir auch nur passive Mitglieder, und der Verein hat leider vor drei Jahren das letzte Match gewonnen. Für meine Hundedienste entlohnte mich Fräulein Iltis, indem sie die Rechnung beim Kellner beglich und steckte mir dann großzügig noch ein paar Euro zu. Alfons saß in erwartungsvoller Haltung neben uns und wartete auf ein paar Kuchenkrümel. Sein Blick war so treuherzig, dass wir uns erweichen ließen und ihm das eine oder andere Stück vor die feuchte Nase setzten, in der Hoffnung, von keinem Tierfreund und Kenner gesehen, angezeigt, oder

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Publication Date: 03-21-2015
ISBN: 978-3-7368-8484-7

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