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Konterbande im Container

GLOBAL TASK FORCE #1

von Conrad Shepherd

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

 

Wieder einmal ein brandgefährlicher Auftrag für die Agententruppe um Commander Jennings: Wer hat den Container mit dem wertvollen Kriegsmaterial geraubt und was steckt dahinter? Auf jeden Fall ist die Sache politisch brenzlig. Nach und nach wird der Fall immer verzwickter, denn die unterschiedlichsten Parteien und Organisationen mischen mit. Das GTF-Team, eine weltweit operierende Polizeieinheit, zieht alle Register und arbeitet mit vollem Einsatz daran, die skrupellosen Verbrecher dingfest zu machen.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

Erstveröffentlichung: 1971

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Lautlos glitt er durch das Wasser. Das Mondlicht erhellte die ersten Faden mit einem eigenartigen Zwielicht, in dem nur begrenzte Sicht herrschte. Schattenhaft war die phantastische Umwelt zu erkennen, in der sich der Schwimmer bewegte. Sein Körper glänzte leicht phosphoreszierend auf. Aus der Maske kam ein Strom silbrig schimmernder Luftblasen. Der Mann hatte die Hände an den Körper gelegt und bewegte sich nur mit raschem Schlagen der Flossen vorwärts, wie der Schatten eines Haies. Und noch etwas verband ihn mit diesem Unterwasserräuber: der Wille zu töten. Mit einer leichten Bewegung glitt der Mann tiefer ins Wasser hinab. Zu leicht konnte das Phosphoreszieren seines dahingleitenden Körpers von oben erkannt werden. Er beobachtete den Tiefenmesser, während er sank: zehn Meter. Das Wasser wurde kälter, je tiefer er tauchte.

Wieder schaute er auf den Tiefenmesser: zehn Meter.

In fünfzehn Meter Tiefe war alles in blauschwarze Finsternis gehüllt. Dort, wo der Strahl seiner Unterwasserlampe hinglitt, wurde die Dunkelheit in Schattierungen von Blaugrün verwandelt. Im Licht wirkten die Schwärme von Mikrolebewesen wie Staub. Jenseits der Lichtbahn verlor sich die Sicht wieder in schwarze Unendlichkeit.

Das winzige Unterwasserradar brachte den Schwimmer zielstrebig voran.

Der Mann hatte schon oft bei Tag getaucht, jetzt, in der Nacht, überkam ihn unter Wasser ein Gefühl nervenzerrender Einsamkeit und die Vorstellung, als ob er sich in einer ihm fremden Dimension bewegte. Ständig war ihm die ungeheure Ausdehnung der Wassermassen um ihn herum bewusst.

Hin und wieder warf er einen Blick nach oben, obwohl er dort außer einem vagen Schimmer nichts sehen konnte. Aber irgendwie war dieser Blick nach oben ermutigend. War quasi die Versicherung dafür, dass er jederzeit an die Oberfläche zurückkehren konnte.

Mit einem Blick auf das leuchtende Zifferblatt seiner wasserdichten Armbanduhr schwamm er schneller voran.

Das „Ping-Ping“ des Radars in der winzigen Hörkapsel wurde lauter.

Dann tauchten plötzlich die großen, leicht rostigen Glieder einer Ankerkette im Schein der Unterwasserlampe auf.

Er war am Ziel.

Er hielt sich mit einer Hand an der Kette fest und begann langsam und mit kleinen Pausen aufzusteigen, um seinen Körper an die veränderten Druckbedingungen zu gewöhnen.

Als der algenbewachsene Kiel des Schleppers unmittelbar über ihm lag, schwamm er mehrmals um den Schiffsrumpf herum. Unter dem unförmig ausgesparten Heck sah er die wuchtigen Doppelschrauben glänzen und verlor sich für Sekundenbruchteile in der Vorstellung, was geschehen würde, wenn diese Schrauben plötzlich anfangen würden, sich zu drehen.

Mit einem winzigen Schauder schwamm er zu der kurzen, angenieteten Eisenleiter, die auf das Achterdeck hinaufführte.

Die Plastikschwimmhäute an seinen Füßen behinderten zwar den Aufstieg beträchtlich. Trotzdem gelang es ihm, fast lautlos an Deck zu kommen.

Er verwünschte das leise Geräusch, mit dem das Wasser an seinem schwarzen Gummianzug herabrann und unter dem Mondlicht phosphoreszierende Pfützen auf den genarbten Decksplatten hinterließ.

Der Mond leuchtete grell über der Karibischen See, der Insel Saint Croix und dem Hafen von Cristiansted.

Fast hatte es so ausgesehen, als würde ihr Plan in allerletzter Sekunde noch schiefgehen. Die mondhelle Nacht ließ niemanden ungesehen an die CUBA LIBRE herankommen, der es von der Pier Seite aus versucht hätte.

Deshalb die Unterwasserexkursion. Jetzt galt es nur noch, den Wachhabenden zu überrumpeln.

Das dürfte nicht allzu schwierig werden. Der Killer rechnete mit der späten Stunde und dem natürlichen Schlafbedürfnis des Wachhabenden.

Zwei, drei Schritte. Dann tauchte der Killer im Schatten des ausladenden Schleppgeschirrs unter.

Er zerrte sich die Schwimmhäute von den Füßen und überprüfte kurz die Druckkontrolle der Harpune.

Es war eine Mantos-Harpune, für die Jagd auf Haie, mit dem Revolvergriff mitten am Lauf. Die beiden großen Kohlendioxyd-Patronen waren am kurzen Schaft befestigt und mit der Druckkammer über dem Abzug verbunden. Der Druck war regulierbar, um die Pfeile mit unterschiedlicher Geschwindigkeit abschießen zu können. War das Ventil ganz geöffnet, katapultierten zwanzig Atmosphärendruck den Pfeil mit der Gewalt einer Rakete aus dem Lauf.

Die Ladekontrolle war in Ordnung.

Unhörbar huschte die Gestalt im Taucheranzug nach vorn.

Dort, wo sich die Brückenaufbauten des Schleppers gegen den hellen Nachthimmel abhoben, glaubte er eine Bewegung hinter den gebogenen Scheiben der Kommandobrücke gesehen zu haben.

In Sekundenbruchteilen erstarrte er zur Reglosigkeit.

Seine Finger umkrampften das kurze Rohr, aus dem der hässliche Kopf eines Haipfeiles hervorragte.

Angestrengt starrte er zur Brücke empor.

Ein kurzer Lichtschein flackerte auf und erlosch wieder. Das rhythmische Aufglühen verriet dem ungebetenen Besucher der CUBA LIBRE, dass sich der Posten eine Zigarette angezündet hatte.

Das Gesicht hinter der alles verbergenden Tauchermaske verzog sich zu einem hässlichen Grinsen.

Es würde für den Mann die letzte Zigarette sein Leben sein.

Weiter.

Mit wenigen Schritten erreichte er den Aufgang zur Brücke. Am Fuß der schmalen Treppe hielt er einen Moment an und lauschte. Nichts war zu hören, das auf die Anwesenheit mehrerer Leute auf dem Schlepper hinwies. Der Posten war tatsächlich allein.

Der Killer stieg empor.

Wie ein urweltliches Fabeltier tauchte er neben der Schiebetür auf, hinter der der Steuerraum des Schleppers lag. Kalt glitzernde Augen musterten den Mann darin.

Der saß auf dem Kartentisch und ließ die Beine baumeln.

Der Killer hob die Harpune langsam in Brusthöhe. Das Mondlicht glänzte auf dem Stahl der Pfeilspitze.

Diese Haipfeile waren mörderisch. Der abschraubbare Kopf enthielt eine 357er Magnum-Patrone, die beim Auftreffen explodierte und den Pfeil noch tiefer hineintrieb, während gleichzeitig die Widerhaken herausschnellten.

Diesmal jedoch war der Sprengsatz am Pfeil entfernt: Er hätte den Brustkorb des Mannes zerfetzt, und es wäre zu viel Blut geflossen, das ein Mitglied der Bande hätte entfernen müssen, um die Spuren des Mordes zu beseitigen.

Der Killer stieß ein kurzes Räuspern aus. Es klang unnatürlich laut in der Stille der Nacht.

Der Mann hinter den Scheiben hob den Kopf.

Seine Augen zeigten erst Erstaunen, dann Erschrecken. Schließlich erschien in ihnen Todesfurcht, als er merkte, was ihm bevorstand.

Noch ehe er eine Abwehrreaktion ausführen konnte, barst die Fensterscheibe auseinander. Es zischte wie eine Grube voll Schlangen, als der Pfeil aus der Harpune getrieben wurde und sich in den Körper des Mannes bohrte. Er fiel im Steuerraum auf den Rücken. Der Pfeilschaft ragte aus seiner Brust.

Der Killer betrachtete sekundenlang die reglose Gestalt. Dann zog er den Zippverschluss der Schenkeltasche auf und holte ein kleines Funkgerät heraus.

Er schaltete ein, wartete, bis die Grünkontrolle die Betriebsbereitschaft anzeigte und sagte: „Alles klar! Ihr könnt kommen.“



2

Der Mann war bereits tot – nur wusste er es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Er stand auf der Backbordseite der Brücke und starrte unter dem Rand der Schirmmütze hervor auf die Lichterketten von Cristiansted. Hin und wieder trug die Brise die Rhythmen der Steel Bands aus den Bars und Kneipen im Hafenviertel herüber.

„Pah! Nachtwache“, knurrte der Mann verdrießlich.

Er spuckte den Zigarettenstummel über Bord und schaute auf die Uhr an seinem Handgelenk. Eine Stunde nach Mitternacht.

Das Schiff, die ESTELLA der Luce Steamship Company, befand sich seit dem späten Abend auf der Reede vor Saint Croix, eine der vielen Inseln über den Winden.

Von Georgetown kommend, hatte der moderne Containerfrachter auf der Höhe von St. Lucia einen Funkspruch der Reederei erhalten, wonach Cobato ausgeklammert und zuerst Cristiansted angelaufen werden sollte.

Das tat er.

Aber als sie sich bei der Zweigniederlassung von Leski Exports per Sichtfunk meldeten, zeigte sich der dortige Manager sehr überrascht. Wie er versicherte, habe man ihm über die Kursänderung der ESTELLA keine Nachricht gegeben. Der Frachter war erst für den nächsten Vormittag avisiert worden. Deshalb sei im Moment niemand von der Crew des Containerschleppers erreichbar. Aber er würde sehen, was sich machen ließe. Notfalls würde er die Besatzung der CUBA LIBRE in den Kneipen auflesen. Vor drei oder vier Uhr morgens würde der Schlepper jedoch nicht längsseits kommen.

Jetzt war es 1.56 Uhr.

„Was tue ich inzwischen?“, fragte sich der Wachhabende der ESTELLA laut.

Er hatte es sich angewöhnt, mit sich selbst zu sprechen. Einmal aus Mangel an geeigneten Gesprächspartnern, zum anderen aus purer Langeweile.

„Ganz einfach warten!“, beschloss er, sich selbst die Frage beantwortend.

Aus der Brusttasche holte er sich eine zerknautschte Packung und brannte sich eine Zigarette an.

Die Kommandobrücke der ESTELLA hinter ihm war halbdunkel und leer. Nur die Lichter hinter den Uhren und Skalen brannten und die Punktleuchte über dem großen Kartentisch.

Der Mann hieß David Gavin, war Erster Offizier an Bord der ESTELLA. Der Skipper schlief gerade und mit ihm fast die gesamte Crew von 29 Mann. Die einzige Ausnahme bildete der Ingenieur im Maschinenraum.

Der Container, den sie hier abliefern sollten, enthielt Erzscheide-Anlagen für die Bauxit-Gruben.

Der Erste rauchte seine Zigarette zu Ende, schnippte sie durch das offene Fenster in die mondhelle Nacht, und ging dann tiefer in die Kommandobrücke hinein.

Er warf sich in den hochlehnigen Sessel des Rudergängers.

2.13 Uhr.

Gavin schob die Schirmmütze in den Nacken und starrte eine ganze Weile die toten Bildschirme des Sichtfunks an. Dann zuckte er die breiten Schultern unter dem dünnen Uniformhemd.

Er stand wieder auf und durchquerte langsam die Zentrale.

David Gavin war ein untersetzter, massiger Mann mit einem Schopf blonder Haare, die an den Schläfen schon weiß waren. Sein Gesicht sah aus, als wäre er die Gutmütigkeit in Person. Doch dieser Eindruck täuschte. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr fuhr Gavin schon zur See. Dieses Leben hatte ihm seinen Stempel aufgedrückt. Er war schweigsam und hart. Misstrauisch wie ein angeschossener Wal. Aber trotzdem empfindsam und empfänglich für die feineren Strömungen des Lebens, die Illusionen schaffen oder zerstören konnten.

Einen Moment überlegte der Erste, ob er Cristiansted noch einmal rufen sollte. Ließ es aber dann doch bleiben. Sicher war in den Räumen von Leski Exports außer dem Nachtwächter niemand mehr.

Gavin ging nach hinten zum Kaffeeautomaten und tippte drei Tasten an.

Hinter der Verkleidung des Kastens schnurrte und klickte es. Das grüne Kontrolllicht erlosch. Ein rotes Lämpchen zuckte auf, und ein Kunststoffbecher rutschte in den Ausgabeschlitz.

Aromatischer Kaffeeduft verbreitete sich.

Als das grüne Licht wieder in dem bestimmten Feld erschien, schob der Erste die Klappe hoch und nahm den gefüllten Becher heraus.

Fluchend nahm er den oberen Becherrand zwischen die Fingerspitzen. Der Kaffee war wie immer brühheiß.

Gavin ging zu seinem Platz zurück und kam gerade zurecht, als das Sichtfunkgerät einen Summton von sich gab.

Der Erste stellte den Becher ab, setzte sich, schaltete zwei Systeme ein und wartete, bis sich die Bildfläche erhellte. Dann sagte er: „Schiff ESTELLA. Erster Offizier Gavin.“

Auf dem Schirm stabilisierte sich das Gesicht eines tiefgebräunten Mannes mit zusammengewachsenen Augenbrauen. Die zerbeulte Kapitänsmütze hing weit im Genick und war fleckig.

„Schlepper CUBA LIBRE. Kapitän Dominicos. Befinden uns noch fünf Minuten entfernt. Sollen einen Container für Leski Exports abholen. Kapiert?“

„Richtig“, antwortete der Erste halblaut. „Container Nummer 143 mit Maschinen für die Bauxit-Gruben.“

„Skipper!“

„Ja?“

„Tun Sie uns einen Gefallen?“

„Worum geht es?“

„Sie könnten den Container schon wassern. Würden dadurch verdammt viel Zeit sparen.“

„Sie haben es wohl eilig?“

„Stimmt, Skipper! Hatte gerade eine zauberhafte Señorita soweit, dass sie mich zu einem Nachttrunk in ihr Apartment einladen wollte – da muss dieser verdammte Auftrag dazwischenkommen. Einen ungünstigeren Zeitpunkt konnten Sie sich wohl auch nicht aussuchen, wie?“

Gavin zuckte mit den Schultern. Er sah überlegend auf die Bildfläche. Als Erster konnte er ohne Rückfragen dem Ansinnen des Schlepperkäptns zustimmen und war schon halb dazu entschlossen, als er seine Meinung änderte.

„Sie täten mir einen großen Gefallen, Skipper“, drängte Dominicos und hielt die Hand hoch.

Gavin erkannte einen zusammengefalteten Fünfzig-Dollar-Schein zwischen den Fingern.

Bei jedem anderen mochte Dominicos damit richtigliegen. Beim Ersten Offizier der ESTELLA war er jedoch sehr auf dem Holzweg damit.

„Nicht so eilig, Mister“, sagte Gavin kühl. „Ich brauche die Anforderung von Leski Exports, und Sie brauchen die Unterschriften auf dieser Anforderung.“

„Dann nicht“, knurrte Dominicos. „Es ist Ihre Zeit. Wir brauchen noch ein paar Minuten, ehe wir längsseits kommen.“

„Ich kann warten.“

„Savvy. Wir melden uns wieder.“

Der Bildschirm wurde dunkel. CUBA LIBRE hatte die Verbindung unterbrochen.



3

David Gavin verfolgte die Manöver der CUBA LIBRE über einen Monitor, dessen Fernsehoptik sich in der Bordwand befand. Er hatte sämtliche Lampen an der Backbordseite eingeschaltet und hockte vor den Schirmen des Sichtfunks.

Neben dem Containerriesen nahm sich der Schlepper winzig aus.

„Okay, Skipper“, meldete sich der Funker der CUBA LIBRE über den Bildschirm. „Wir wären soweit. Jetzt erleichtern Sie sich.“

Gavin hatte in langen, harten Jahren viele Erfahrungen gesammelt. Er wusste genau, wann sich Korrektheit auszahlte und wann nicht.

„Ich lasse das Fallreep hinunter“, sagte er deshalb. „Kapitän Dominicos, kommen Sie bitte an Bord. Mein Chef schläft, und ich habe die Wache. Was ich brauche, habe ich Ihnen schon vor wenigen Minuten gesagt. Früher kann ich den Container nicht hergeben.“

Die Unterhaltung zwischen den beiden Männern begann spürbar schärfer zu werden, während der Erste einige Systeme vor sich auf dem Pult einschaltete.

Das hydraulisch bewegte Fallreep senkte sich von der Höhe der Reling bis knapp über die Wasserfläche hinunter.

„Okay! Wir kommen an Bord“, sagte der Schlepperkapitän giftig und schob seine fleckige Mütze in die Stirn.

Gavin schürzte nachdenklich die Lippen und ging langsam aus dem Sichtbereich der Optik hinaus. Er drückte zuerst den Summerknopf, der den Zweiten Offizier wecken sollte, ehe er aus der Schublade unter dem großen Kartentisch den langläufigen Single Action Peacemaker hervorholte, den der Kapitän dort aufbewahrte.

Das gute alte Stück war hervorragend gepflegt. Trommel und sonstige bewegliche Teile glänzten leicht ölig. Die Mahagonigriffschalen des Colts schimmerten warm im Licht der Deckenbeleuchtung.

Gavin steckte den Colt vorn in den Gürtel und zog das Hemd darüber. Er grinste schwach.

Im gewissen Sinn kam er sich lächerlich vor. Fast wie einer der theatralischen Revolutionäre aus einer Hemingway-Verfilmung. Er überlegte misstrauisch, was ihn stutzig gemacht haben könnte. Kam aber zu keinem befriedigenden Ergebnis und zuckte deshalb die Schultern. Offenbar war er nur gereizt und etwas zu nervös. Er zuckte noch einmal mit den Schultern und ging zur Backbordseite der Brücke, die mit der Bordwand abschloss.

Gavin hatte einen ausgezeichneten Blick auf das Fallreep, an dem eben die Motorpinasse der CUBA LIBRE anlegte.

Die Männer, es waren vier, kamen die Stufen herauf, betraten das Deck. Wenig später merkte der Erste an den Erschütterungen im Metall, dass sie über den Backbordaufgang heraufkamen.

Vier Männer!

Wozu waren die nötig?

Gavin machte auf dem Absatz kehrt, eilte zum Pult und presste seinen Finger längere Zeit auf den Knopf, der den Summer in der Kapitänskabine auslöste. Dann blieb er neben dem hochlehnigen Bordsessel des Rudergängers stehen und blickte den zwei Männern entgegen, die die Brücke betraten.

Wo waren die anderen beiden?

Kapitän Dominicos kam zuerst in den Raum und hielt ein Bündel Dokumente in der Hand, die in einer Plastiktasche steckten.

„Morgen, Skipper!“, sagte er leutselig. Die Augen in seinem gutgeschnittenen Gesicht schienen zu glühen.

„Hallo!“, sagte Gavin.

„Sie sind der Erste Offizier?“

Gavin nickte. Die Frage war völlig überflüssig! Dann sagte er scharf: „Sie

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Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Publication Date: 03-31-2017
ISBN: 978-3-7438-0559-0

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