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Höllentrip nach Nevada: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

 

Der New Yorker Privatdetektiv Bount Reiniger, der dafür bekannt ist, auch den kniffligsten Fall zu lösen, hatte den Bankräuber Budd Lupus gestellt, woraufhin dieser zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Lupus gelingt es nach einiger Zeit, im Zuchthaus Geiseln zu nehmen, und will mit ihnen seine Flucht von Riker’s Island erpressen. Um das Leben der sieben Unschuldigen zu retten, schlägt der Anstaltsleiter einen Geiseltausch vor. Lupus ist einverstanden und verlangt - Bount Reiniger! Schon lange hatte der Gangster darauf gewartet, sich endlich an dem verhassten Detektiv zu rächen ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Budd Lupus - Er wurde zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt, kommt nach wenigen Monaten wieder aus dem Gefängnis und entfachte einen mörderischen Teufelstanz.

Stirling Morris - Ein ehrgeiziger Anstaltsleiter, der seine Karriere durch Lupus’ Ausbruch gefährdet sieht.

Roul Fosse - Er stellt dem Gangster seinen Privat-Jet zur Verfügung, um sich brandheiße Storys für seine Zeitungen zu sichern.

Arnold Harbutt und Roger Daltrey - Sie fliegen den Gangster in die Hölle.

Grace Greene - Sie wartet in der Wüste auf ihren Geliebten.

June March - unterstützt Bount Reiniger bei seinen Ermittlungen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.



1

Er trug ein T-Shirt im Knast Look. Nur die Nummer fehlte dran. Schweiß glänzte auf seinem verzerrten Gesicht. Er verlangte sich alles ab, denn er lief um die kostbare Freiheit.

Jetzt blieb er stehen. Sein Atem rasselte. Er wandte sich halb um und erblickte seinen hartnäckigen Verfolger: Bount Reiniger! Bount wieselte mit federnden Schritten über das Areal des aufgelassenen Trockendocks. Es war ein Hindernisrennen in der sengenden Glut des Mittags. Vom Hudson klang das dumpfe Tuten eines Frachters. Kein Wölkchen hing am postkartenblauen Himmel. New York war mal wieder ein Backofen. Zum Umfallen. Doch Bount biss die Zähne zusammen. Er musste Budd Lupus haben. Und er war sicher, dass er ihn kriegen würde. Eine reine Zeitfrage. Nichts sonst.

Lupus lief weiter. Seine Füße stampften über rostzerfressene Bleche hinweg. Er übersprang mehrere morsche Pfosten und erreichte mit flatternden Lungen und weichen Knien jenen dunklen Schatten, den ein langer, schäbiger Tanker warf. Hier, in diesem stählernen Ungetüm, wollte er sich irgendwo verbergen. Mit gekrümmtem Rücken huschte der Verbrecher auf eine Eisenleiter zu. Nervös holte er seinen Colt Diamondback aus dem Hosenbund. Jeder seiner Schritte war von einem leisen Knirschen begleitet.

Sobald Lupus die Leiter erreicht hatte, schnellte er sich hoch. Atemlos turnte er die dreckigen Sprossen hinauf. Im Bauch dieses Kahns gab es unzählige Möglichkeiten, sich zu verstecken. Das brachte Vorteile, die der Verbrecher in einen Blitzsieg über Bount Reiniger ummünzen wollte.

Eine offene Luke. Lupus wollte sofort in das Innere des Tankers gleiten. Da hörte er Reiniger seinen Namen rufen: „Lupus! Geben Sie auf!“

Der Ganove dachte nicht daran.

Wütend schraubte er seinen Körper herum. Mit der Linken klammerte er sich an die Leiter. Die Rechte mit dem Colt suchte Bount Reiniger. Aber der gewiefte Privatdetektiv war nirgendwo zu sehen. Lupus vermutete den verhassten Spannemann hinter einem halb verrotteten Holzkahn, der seinen hässlichen Bauch in unverschämter Aufdringlichkeit der grellen Sonne entgegenwölbte. Lupus gab schnell einen Schreckschuss ab. Die Kugel schrammte über den Kahn. Ehe Bount Reiniger den Schuss erwidern konnte, schlüpfte der Verbrecher geschmeidig in den Tanker.

In der nächsten Minute stand Bount unter der Leiter.

Wie ein gut trainierter Feuerwehrmann im Ernstfall kletterte er nach oben. Vor der Luke hielt er lauschend inne. Dumpf hallten ihm Lupus’ Schritte entgegen. Mit größter Vorsicht stieg er ein. Seine Automatic war bereit, Feuer zu spucken.

Aber der Waffe bot sich kein Ziel. Es stank erbärmlich im Tankerbauch.

Bount rümpfte die Nase. Mit einer unwilligen Handbewegung wischte er die Schweißtropfen von seiner Stirn. Anderswo gab es bei solchen Temperaturen Hitzeferien. Bount war nahe daran, seinen Job zu verwünschen, der immer den vollen Einsatz und den ganzen Mann forderte, egal wie heiß oder wie kalt es war.

Im ungewissen Licht erkannte Bount, dass er auf einem schmalen Eisensteg stand. Er eilte diesen entlang, kam zu einer Treppe, die im Zickzack nach oben und nach unten lief. Nun stellte sich die Gretchenfrage: Hinauf oder hinunter?

Budd Lupus machte es Bount leicht, sich zu entscheiden. Der Gangster scharrte irgendwo oben ganz kurz mit dem Fuß. Das genügte. Behutsam machte sich Bount Reiniger an den Aufstieg. Er trug Schuhe mit Kreppsohlen und bewegte sich auf der Treppe wie eine sanft darüber streichende Feder.

Es war unmöglich, dass Lupus ihn hörte. Aber der falkenäugige Verbrecher konnte ihn sehen. Über die Länge von drei Stufen folgte der Colt Reinigers schwarzer Silhouette. Und dann verlor der zusammengekauerte Ganove die Nerven. Sein Wunsch, endlich Schluss zu machen, übermannte ihn. Der Schuss kam zu früh. Dieser Umstand rettete Reiniger das Leben.

Der Knall war so laut wie ein höllischer Paukenschlag. Bount sah es blitzen. Und dann setzte ein brennender Schmerz an seinem linken Oberarm ein. Er feuerte sofort zurück. Seine Schüsse brachten den Gangster in Bedrängnis. Die Kugeln klatschten rings um Lupus gegen die Stahlplatten. Einige zirpten als Querschläger gellend davon.

Lupus war gezwungen, sich nach oben abzusetzen. Bount schoss ihm nach und trieb den Verbrecher schießend bis auf das Tankerdeck. Der Schmerz im linken Arm nahm zu. Bount presste die Kiefer aufeinander. Warmes Blut rann ihm bis zu den Fingerspitzen hinab und tropfte dann auf den dreckigen Boden. Trotzig machte Bount Reiniger weiter. Er keuchte über die Eisenstufen hinter dem Gangster her.

Und dann standen sie einander in der zitternden Sonnenglast gegenüber. Männer mit harten Zügen. Keiner auf seine Weise bereit, irgendwelche Konzessionen zu machen. Wie zwei Westernhelden kurz vor dem letzten Showdown standen sie auf dem weitflächigen Deck des alten Tankers. Sie wussten beide, dass sich hier oben alles entscheiden musste.

Bounts Wange zuckte. Es war ihm, als hätte ihm jemand ein glühendes Eisen an den Arm gepresst.

„Werfen Sie die Waffe weg und nehmen Sie die Hände hoch, Lupus!“, schrie Reiniger. Er ging langsam auf den Verbrecher zu. Nicht eine Sekunde ließ er den gefährlichen Mann aus den Augen. Lupus wirkte wie ein in die Enge getriebenes Tier. Die Chancen standen fünfzig zu fünfzig. Also war für den Verbrecher noch nichts verloren. Mit ein bisschen Glück konnte sich das Blatt noch zu seinen Gunsten wenden.

Dieses Glück versuchte er im nächsten Augenblick.

Bount bemerkte das Blitzen in Lupus’ Augen. Das Signal, dass sofort etwas passieren würde. Und da geschah es auch schon. Der Gangster riss seinen Diamondback hoch und wollte sich seines Verfolgers nun endgültig entledigen. Aber Bount war gewarnt. Und er reagierte um den Bruchteil einer Sekunde schneller als Budd Lupus. Reinigers Automatic bäumte sich brüllend auf. Die Kugel war schon unterwegs, während Lupus’ Finger noch im Begriff war, sich zu krümmen. Treffer. Rechte Schulter. Der Gangster wurde regelrecht ausgehoben und herumgeworfen. Sein Colt flog in weitem Bogen davon. Lupus fand das Gleichgewicht nicht wieder. Er musste sich mit drei Rückwärtsschritten abfangen. Zweimal stampfte er schwer auf dem Tankerblech auf. Doch beim dritten Schritt trat er über das Deck hinaus ins Leere. Erschrecken prägte sein schweißnasses Gesicht. Mit einem gellenden Schrei fiel er.

Bount hörte den Aufprall.

Dann war es still.

Der Detektiv hastete dorthin, wo Lupus abgestürzt war. Der Verbrecher regte sich nicht. Er lag auf dem Rücken. Seine Glieder waren verdreht.

Bount Reiniger suchte den kürzesten Weg nach unten. Als er Lupus erreichte, kam dieser gerade wieder zu sich. Dunkelrotes Blut tränkte sein T-Shirt. Außer der Schusswunde schmerzte den Gangster ein Unterschenkelbruch und die Prellung des Brustkorbes.

Bount schob die Automatic in sein Schulterholster. „Das hätten Sie sich sparen können, Sie verdammter Narr!“, knurrte er.

„Ach, fahren Sie doch zur Hölle, Reiniger!“, knirschte Lupus mit schmerzverzerrtem Gesicht und zusammengepressten Zähnen.

Erst jetzt hatte Bount Zeit, sich um seine eigene Verletzung zu kümmern. Ein Streifschuss. Nicht weiter schlimm. Aber schmerzhaft. Mit der gesunden Rechten angelte Bount ein zigarettenschachtelgroßes Walkie-Talkie aus dem federleichten Sommerjackett. Er zog die Teleskopantenne heraus und drückte auf die Sprechtaste.

„Wilkie!“, rief er seinen Assistenten.

„Ja, Bount!“, quakte Lenning aus dem kleinen Apparat. „Tut mir leid, ich kann Lupus nirgendwo sehen. Der Fiesling scheint uns durch die Lappen gegangen zu sein.“

Bount grinste. „Da sieht man’s wieder mal. Nicht jeder, der ’ne große Klappe hat, fängt damit auch was.“

„Was soll das heißen, Bount?“

„Geschenkt. Jedenfalls ist uns Lupus nicht entkommen. Er liegt hier neben mir.“

„Du hältst ihm das Händchen?“

„Nur wenn er es ausdrücklich verlangt. Es geht ihm nicht gut. Er hat eine Kugel in der Schulter und einen Beinbruch.“

„Der Ärmste. Und wie geht es dir?“, erkundigte sich Wilkie Lenning.

„Streifschuss“, sagte Bount lakonisch.

„Mann!“, seufzte Wilkie. „Das hätte aber auch ins Auge gehen können.“

„Das schon. Aber dann wär’s kein Streifschuss gewesen“, gab Reiniger zurück. „Hör zu, Junge. Es ist heute zu heiß, deshalb werde ich mir Lupus nicht auf die Schulter laden ...“

„Ich komme sofort mit dem Wagen!“, fiel Wilkie dem Detektiv ins Wort.

„Darum wollte ich dich bitten“, gab Bount Reiniger zurück.

„Und wo finde ich euch?“

Bount gab darüber eine präzise Auskunft, dann steckte er das Walkie-Talkie ein. Lupus wurde von einer Schmerzwelle überflutet. Er krümmte sich ächzend.

„Verdammt, .Reiniger!“, presste er heiser hervor. „Ich wünsche mir, dass ich Ihnen das eines Tages zurückzahlen kann.“

Bount zündete sich eine Chesterfield an. „Wird wohl kaum möglich sein, mein Guter. Sie können sich vorstellen, was auf Sie wartet.“

Lupus hatte einen misslungenen Bankraub hinter sich. Die Wachmannschaft war auf der Hut gewesen. Nicht einen Cent hatte Lupus in seine Gangsterfinger bekommen. Mit Mühe und Not hatte er sich der Festnahme an Ort und Stelle entziehen können. Ein alter Polizeibeamter hatte sich ihm in den Weg gestellt. Lupus hatte den Uniformierten mit seinem Colt niedergeschlagen und war getürmt. Heute stand fest, dass der alte Cop für den Rest seines Lebens gelähmt bleiben würde. So etwas stimmt keinen Richter milde.

Darüber hinaus war auch Captain Toby Rogers hinter dem Burschen her. Toby hatte Lupus in dringendem Verdacht, einen Kumpel im Streit erstochen zu haben.

Wenn diese beiden Taten zum Tragen kamen, konnte Budd Lupus das Zuchthaus erst wieder verlassen, wenn er ein alter, gebrochener Mann war.

Aus diesem Grund nahm Bount Reiniger Lupus’ gehässigen Wunsch auf die leichte Schulter.

Bount hörte den 450 SEL heranschnurren. Gleich darauf sah er das silbergraue Prachtstück. Wilkie stoppte den Mercedes und stieg aus. Er war schlank, beinahe hager. Sein Haar war dunkelblond und so lang, wie es die Typen in Greenwich Village gerne tragen. Er war auch so wie diese gekleidet: Offene Sandalen. Keine Socken. Verwaschene Jeans. Ein Hemd, an dem kein einziger Knopf geschlossen war. Der 1,74 Meter große schlaksige Bursche war ein hervorragender Gitarrist und hatte bereits eine Menge öffentlicher Auftritte hinter sich. Wenn Not am Mann war, half er gern mal bei Bount Reiniger aus.

Wilkie wies mit dem drahtigen Zeigefinger auf Lupus und grinste. „Ich hab’ ja gleich gewusst, dass er nicht mehr weit kommt, wenn wir uns erst mal an seine Fersen heften.“

Lupus spuckte zornig aus. Sein Speichelbatzen flog haarscharf an Lennings nackten Zehen vorbei.

„Hör mal zu, du Lama. Wenn du das noch mal machst, lockere ich dir einen von deinen Vorderzähnen!“, zischte Lenning daraufhin giftig.

„Sagt mal, wie lange soll ich hier noch herumliegen!“, schrie der Verbrecher außer sich vor Wut. „Ich habe Schmerzen. Ich möchte in ein Hospital gebracht werden. Ich brauche dringend einen Arzt. Er muss mir die Kugel aus der Schulter holen und die Blutung stillen.“

„Apropos Blutung“, sagte Lenning. Er machte auf den Hacken kehrt, eilte zum Mercedes zurück und kam mit der Autoapotheke wieder. Er half Bount, das Jackett auszuziehen, krempelte den zerfetzten Hemdsärmel hoch und versorgte geschickt die Wunde an Bounts Oberarm. „Und was machen wir mit dem?“, erkundigte sich Wilkie danach.

„Ich verlange, dass ihr mir einen Notverband anlegt!“, schrie Lupus. „Ihr dürft mich nicht verbluten lassen!“

„Nun hör mal, wie der schreien kann, Bount“, sagte Lenning beeindruckt. „Wer noch so kräftig bei Stimme ist, verblutet noch lange nicht, Freundchen!“ Wilkie rümpfte die Nase. „Ich hoffe, du hast nicht vor, ihn in deinem Wagen von hier wegzubringen, Bount. Der versaut dir glatt die ganze Polsterung. So weit kann die Nächstenliebe doch nicht gehen.“

Bount verlangte von Lenning, er möge sich um Lupus’ Schusswunde kümmern.

Der Junge grinste. „Tja, dann mal ran an den wehleidigen Kameraden. Ich darf dir verraten, dass ich meinen Erste-Hilfe-Kursus an ’nem Ochsen absolviert habe. Schrei ruhig, wenn’s weh tut. Das macht mir nichts aus.“

„Ich warne dich!“, fauchte Lupus nervös. „Wenn du mir mit Absicht weh tust, zeige ich dich an, du Sadist. Reiniger! He, Reiniger! Sagen Sie ihm, er soll sanft mit mir umgehen!“

Bount - bereits auf halbem Weg zum Mercedes - drehte sich grinsend um. „Keine Sorge, Lupus. Wilkie wird Sie behandeln wie ein rohes Ei ... bevor er es in die Pfanne schlägt.“

„Also dann!“, sagte Lenning ruppig. „Mal fest die Zähne zusammengebissen. Oder soll ich Äther nehmen? ...“ Bount setzte sich in seinen Wagen. Er nahm den Hörer des Autotelefons aus der Halterung und tippte die Nummer des Police Headquarters in den Apparat. Die Telefonistin fragte ihn mit ihrer angenehmen Stimme nach seinen Wünschen.

„Geben Sie mir bitte das Büro von Captain Rogers“, verlangte er. „Sofort, Sir.“

Bount wartete.

„Sir?“, kam die Stimme des Mädchens Augenblicke später noch mal. „Ja?“

„Auf der Leitung des Captains wird gerade gesprochen. Wollen Sie warten oder später noch mal anrufen?“

„Ich warte“, entschied Bount. Er ließ den Hörer zwei Minuten am Ohr. Dann war Toby in der Leitung. Der Leiter der Mordkommission Manhattan C/II schnarrte sich die Freude vom Herzen, mal wieder Bounts verwelkte Stimme - wie er sagte - zu hören. Und er erkundigte sich jovial, was er für Reiniger tun könne.

„Du weißt doch, wie groß meine Anteilnahme an deinem Job ist, Toby“, sagte Bount schmunzelnd.

„Weiß ich“, tönte der Captain mit lauter Stimme. „Weiß ich doch. Du bist noch ein Freund von der alten Schule, wie man so sagt.“

„Ist es richtig, dass du auf deiner Wunschliste ganz oben den Namen Budd Lupus stehen hast, Häuptling?“, erkundigte sich Reiniger scheinheilig.

„Allerdings“, brummte Toby.

„Wäre wohl eine große Freude für dich, den Burschen ins Zuchthaus zu schicken, was?“

„Das kannst du laut sagen!“, erwiderte Rogers. „Und ganz im Vertrauen, Bount, auf diese Freude brauche ich nicht mehr lange zu warten. Meine Männer - alles tüchtige Knaben, du kennst sie - sind Lupus dicht auf den Fersen. Die Festnahme des Gangsters steht kurz bevor.“

Bount lachte. „Mit anderen Worten, ihr habt keine Ahnung, wo Lupus steckt.“

„Wie kommst du denn auf die Schnapsidee, Bount?“, protestierte der Captain. Bount Reiniger brachte dem Freund schonend bei, wie die Dinge standen. Rogers beharrte jedoch auf seiner Behauptung, dass seine Männer den Verbrecher innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden kassiert hätten. Es war bei Toby einfach nicht drin, zuzugeben, mal nicht ganz auf der Höhe gewesen zu sein. Der Captain versprach, sofort einen Krankenwagen zu schicken. Und er kündigte außerdem an, persönlich zum Trockendock zu kommen.

Zwölf Minuten später war der gewichtige Polizeibeamte da.

Lupus wurde soeben auf die Trage gelegt. Rogers beugte sich über den Gangster.

„Tja, Lupus. So geht’s im Leben. Einmal oben, einmal unten. Sie hätten wissen müssen, dass Sie in der New Yorker Polizei einen Gegner haben, dem Sie nicht gewachsen sind.“

Wilkie Lenning schaute Bount verblüfft an. „Ich denke, ich hör’ nicht richtig. Der macht doch glatt einen persönlichen Erfolg daraus!“

Bount schüttelte nachsichtig den Kopf. „Lass ihn doch. Er braucht das. Damit stärkt er sein angeknackstes Selbstvertrauen.“

Toby richtete sich auf. Mit einer herrischen Handbewegung sagte er zu den Männern mit der Trage: „Ab mit ihm. Schafft ihn zum Medizinmann. Er soll ihn zusammenflicken, damit ihn der Richter zu lebenslangem Zuchthaus verdonnern kann.“

„Lebenslang?“, bellte Lupus wütend, während sie ihn zum Krankenwagen trugen. „Wieso denn lebenslang?“

„Den kleinen Mord an Johnny Brunner schon vergessen?“, schrie Toby dem Gangster nach.

Sie schoben die Trage in das Rettungsauto. Bevor sich die Türen schlossen, brüllte Lupus noch: „Den Mord können Sie mir nicht anhängen, Captain. Dafür haben Sie keine Beweise!“

„Die habe ich demnächst beisammen!“, entgegnete Rogers.

„Ich habe Johnny nichts getan! Ich lasse mir keinen Mord in die Schuhe schieben, den ein anderer begangen hat!“

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Publication Date: 04-23-2018
ISBN: 978-3-7438-6638-6

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