Cover

Der Polizist und das Buch


Ich betrat das Juweliergeschäft durch den Vordereingang, der unversehrt war, allerdings abgesperrt und zwei Polizisten standen Wache.
Der Innenraum war großzügig mit Vitrinen ausgestattet, in denen wunderschöne Schmuckstücke ausgestellt waren. Schmuckstücke, die ich mir mit meinem geringen Gehalt nicht mal in zwei Leben leisten konnte.
Und wem sollte ich sie auch schenken? Egal, darüber konnte ich jetzt nicht nachdenken.
Ich rückte meine Krawatte zurecht und holte bereits meinen Ausweis hervor, den ich dann dem Inhaber zeigte, der bereits von meiner Partnerin befragt worden war. Danach gingen wir in den hinteren Bereich des Ladens, wo sich mir ein Bild darlegte, das ich bereits schon öfters gesehen hatte.
Insgesamt vier Mal innerhalb der letzten sechs Monate.
Nichts von den wichtigen Dokumenten oder Schmuckstücken fehlte, außer ihr Aufbewahrungsort.
“Warum bricht jemand in Läden ein, um den Safe zu stehlen?”, fragte Michaela halb laut und ich konnte nichts darauf antworten.
Ich hatte bereits so viele Personen befragt und Berichte gewälzt, dass ich das Gefühl hatte jeglichen Überblick zu verlieren. Und weitere Vorfälle machten es nicht einfacher für mich.
Ohne es bemerkt zu haben, hatte ich in meine Tasche gefasst und nach meiner Schachtel Zigaretten gefasst, aber hier war es sicherlich nicht erlaubt.
Darum hielt ich sie lediglich weiter fest und hörte mir an, was Michaela zu erzählen hatte, auch wenn es immer das Gleiche war.
Als besäße der Einbrecher einen Schlüssel war er in das Geschäft eingedrungen und hatte den Safe geöffnet, geleert und ihn mitgenommen.
Nachdem erneut alle Personalien aufgenommen waren, gingen wir gemeinsam hinaus auf die Straße, wo einige neugierige Passanten am Absperrband standen und tuschelten oder mit ihren Handys Fotos machten.
Nirgends gab es Privatsphäre mehr. So eine lächerliche Angelegenheit.
“Toni, ich hol uns noch eben einen Kaffee und dann können wir zurück ins Präsidium fahren, in Ordnung?”, fragte Michaela und ich nickte nur und ließ sie ziehen.
Endlich konnte ich mir eine Zigarette anzünden und während sie stumpf vor sich hinglimmte und ich den Rauch in die Luft ausstieß, stand ich abseits des Geschäfts und versuchte mir ein Bild zu machen.
Ein gestohlener Safe, keine gestohlene Waren und ein Einbrecher mit einem ungewöhnlichen Talent. Wie konnten diese Dinge nur zusammenpassen.
“Haben Sie vielleicht etwas Kleingeld?”
Zuerst hatte ich es gar nicht wahrgenommen, doch dann kam die Frage erneut.
“Haben Sie vielleicht etwas Kleingeld?”
Es war eine junge Frau, mit dunkelgrünem Haar und Piercings im Gesicht. Auf ihrer Schulter saß eine Ratte und in der Hand hielt sie einen Plastikbecher von Starbuck’s.
Der sah aus, als wäre noch eben aus dem Laden gekommen, aber wahrscheinlich hatte sie ihn nur rasch geschnappt.
Ich kramte in meiner Hosentasche und fand ein paar Centstücke, die ich ihr in den Becher warf.
“Vielen Dank auch und als kleine Gegenleistung empfehle ich ihnen das hier.” Sie hielt eine Visitenkarte hoch, doch ich winkte ab.
“Nein danke, ich brauche keine Werbung.”
“Das ist keine Werbung. Sie sehen aus, als könnten Sie Hilfe gebrauchen. Dort werden Sie sicherlich fündig werden. Zögern Sie nicht, sonst geht Ihnen noch was wertvolles abhanden.” Mit einem Wink und einem Quietschen ihrer Ratte, verschwand die junge Frau und fragte andere Passanten nach Kleingeld.
Überrascht sah ich auf meine Hand, denn ich konnte mich nicht erinnern, die Visitenkarte entgegengenommen zu haben, aber da war sie nun.
Natürlich warf ich einen Blick darauf.
Sie hatte eine leicht vergilbte Farbe und in braunen Lettern stand drauf:
Bücher - Wir kennen Deine Antwort!
Hm? Was sollte das sein? Ein neuer Protest oder Werbung für einen Buchladen?
Ich drehte die Karte herum und da befand sich nur der Name eines Ortes. Kein Name oder eine Adresse.
Dafür hatte ich nun wirklich keine Zeit und da ich keinen Papierkorb in der Nähe fand, stopfte ich sie in die Zigarettenschachtel und wurde bereits von meiner Partnerin gerufen, die zwei heiße Becher Kaffee in den Händen hielt.
Sofort stiegen wir in das Auto ein und fuhren zurück ins Präsidium, wo wir an unseren Schreibtischen saßen, die direkt gegenüber lagen. Darauf stapelten sich nur Papiere zu den Einbrüchen, mit denen wir betraut waren, aber allmählich hatte ich meine Zweifel damit.
“Ich schreibe gleich den Bericht”, erklärte Michaela mir und eifrig holte sie ihr Notizbuch hervor, um alle Informationen in den Computer einzutippen.
Kein Jahr war es her, da kam sie frisch von der Akademie und ich sollte sie, als alter Hase, einarbeiten. Gleich am ersten Tag war mir der Generationsunterschied stark aufgefallen, aber mittlerweile wusste ich, dass es nicht schlecht war, auch in meinem Alter noch einmal etwas Neues zu lernen.
Ein wenig von leichtem Fieber ergriffen, verglich ich alle neuen und alten Daten, nur um wieder am selben Ort anzukommen.
Der Startpunkt, von dem aus ich in zig Richtungen gehen konnte.
Den restlichen Tag über taten wir nichts Anderes, als zu telefonieren oder andere Informationen einzuholen, die ich bald auswendig kannte.
“Auf Wiedersehen!” Weitere Kollegen klopften an die offene Bürotür und verabschiedeten sich.
“Toni, willst du nicht auch langsam Feierabend machen?”
Es war halb neun. Niemand erwartete mich Zuhause.
“Nur noch einen Moment. Aber du kannst ruhig schon gehen, Michaela. Wir sehen uns morgen früh wieder.”
Sie lächelte nur und es zeigte mir sofort, dass sie wusste, ich würde nicht so schnell Ruhe geben.
“Dann wünsche ich dir eine gute Nacht und bis morgen.” Sie zog ihre Jacke über und verließ das Büro ebenfalls.
Bald brannte nur noch meine Bürolampe und von ein paar Kollegen, die Nachtschicht hatten, aber sie ruhten sich lieber aus, so lange sie konnten.
“Warum stiehlst du die Safes?”, grummelte ich verärgert, weil ich keine Antwort fand.
Ich hatte genug davon und verließ jetzt meinen Arbeitsplatz, als ich zum Auto ging und durch die abendlichen Straßen der Stadt fuhr. Bevor ich zu meiner Wohnung fuhr, hielt ich noch an einer Tankstelle und kaufte eine Schachtel Zigaretten.
Draußen warf ich alles in den Mülleimer, als mein Blick auf die Visitenkarte fiel, die aus der alten Schachtel gerutscht war.
Ich griff mir an den Kopf und zischte: “So ein Unsinn aber auch.”
Keine fünf Minuten später saß ich im Auto, eine Zigarette im Mund und auf dem Lenkrad einen Atlas.
Michaela benutzte dafür rasend schnell ihr Handy, aber ich konnte mit dieser Technik nichts anfangen und am Ende waren alte Methoden immer noch die Besten.
Mit zusammengezogenen Augenbrauen fuhr ich die Linien und Kästchen ab und konnte diesen Ort doch nicht finden.
Das war doch seltsam.
Nachdem ich es immer wieder versucht hatte, gab ich es auf und fuhr zu meiner Wohnung. Dort würde ich eh nur ein Bier trinken und grübelnd irgendwann vor dem Fernseher einschlafen.
Am nächsten Morgen fuhr ich schon früh ins Büro und war dieses Mal auf die Technik angewiesen, denn über das Internet konnte man anscheinend alles finden.
Ich gab in das eingerahmte Kästchen Kroßdorf ein, drückte auf die große Entertaste und schon erwartete ich etliche Berichte, die über den Bildschirm huschten und die unterschiedlichsten Farben hatten.
Normalerweise benötigte ich viel Zeit, um überhaupt einen Überblick zu finden, aber dieses Mal wurde mir nur ein einzige wichtige Seite angezeigt.
Ich klickte auf die braun, unterstrichene Schriftart und ein weiteres Fenster wurde geöffnet.
Ein schwarzer Bildschirm, auf dem nichts passierte.
Hatte ich etwas kaputt gemacht? Diese Technik war viel zu empfindlich!
Schon wollte ich nach den Kabeln schauen, als ein Blinken auf dem Bildschirm erschien. Danach wurde dort geschrieben:
Bücher - Wir kennen Deine Antwort!
Es gab sogar eine Internetseite dazu? Die Leute mussten aber auch überall Werbung machen.
Unter der Schrift erschien eine weitere:
Benötigen Sie Hilfe?
Dann zwei Flächen - Buttons wurden sie, denke ich, genannt - auf denen einmal Ja und einmal Nein standen.
Eigentlich konnte das nur ein Spiel sein, aber welche Alternativen hatte ich schon und abbrechen konnte ich das ganze immer noch. Ich war wirklich zu alt für so etwas. Aber Morde wurden heute den Jungen gegeben. Ein alter Mann wie ich war noch gut für Einbrüche oder Überfälle.
Noch zwei Jahre, dann würde ich in Rente gehen. So lange würde ich das auch noch aushalten.
Ich fuhr mit der Maus über das Stück Stoff und der Zeiger bewegte sich zum Ja-Kästchen und ich drückte auf die Taste der Maus.
Sofort öffnete sich ein weiteres Kästchen.
Bitte geben Sie die Worte ein.
Worte?
“Lächerlich!”, tönte ich und lehnte mich zurück.
Ein einzelner weißer Strich blinkte in dem Kästchen, als würde er auf eine Eingabe warten.
Und welches Wort wollten Sie überhaupt?
Ich versuchte es mit ein paar, aber das Feld wurde einfach wieder zurückgesetzt.
Noch einmal holte ich die Visitenkarte und gab dann Kroßdorf ein.
Der Bildschirm flimmerte sofort und es gab einen Effekt, als würde das Bild wie Glas zerspringen. Dann wurden Bilder und Zettel angezeigt, die sowohl aus den Zeitungen, als auch von Polizeiberichten kamen.
Alle waren sie zu den Überfällen?!
“Was soll das?”, rief ich aus und da es noch früh war, wunderte sich niemand über mein Verhalten, weil niemand da war. “Das sind geheime Informationen! Hör auf damit!”
Als würde es etwas ändern, schrie ich den Bildschirm an und klickte auf die Tasten dieser kleinen Maus oder auf die Tastatur, aber es hörte nicht auf.
“Sofort aufhören!” Mittlerweile hielt ich den Bildschirm fest, aber es hörte augenblicklich auf und der Bildschirm wurde wieder schwarz.
Überrascht, verärgert und gleichzeitig erleichtert setzte ich mich wieder hin.
“Was war das?”
Aber natürlich war die Sache noch nicht vorbei und eine Figur erschien jetzt auf dem dunkeln Hintergrund.
Ich konnte sie nicht identifizieren.
Aber von der Art erinnerte sie mich irgendwie an den Pacman, den ich als Kind bereits kannte.
Die seltsame Figur verharrte, bekam plötzlich Arme und Beine und ein breites Lächeln, das sehr seltsam aussah. Sie bewegte die Lippen und zu dem Ton, den ich nicht hörte, gab es weitere Kästchen, in denen das Gesagte erschien.
Hat Sie überrascht, was Sie sahen?
Kamen Ihnen die Informationen bekannt vor?
Wenn Sie noch mehr wissen wollen, dann besuchen Sie mich!
Sie finden mich unter folgender Adresse:

Ich notierte sofort die Adresse und suchte nach dem Zielort.
So etwas war ein Netzangriff, wenn ich Michaela richtig verstanden hatte! Und das war gegen das Gesetz. Wer auch immer dafür verantwortlich war, den würde ich ausfindig machen und verhaften.
Ich fand den Ort und hinterließ meiner Partnerin nur eine kurze Nachricht, bevor ich das Präsidium verließ und in das Auto stieg.
Vor mir lag eine halbe Stunde Fahrt durch Feld und Wiesen. Und das Dorf bestand aus drei Straßen, einem Tante-Emma-Laden und meinem Bestimmungsort.
Eine Weile sah ich nur Bäume und musste über einen Trampelpfad fahren, aber danach ragte vor mir ein Gebäude auf, dass mich stutzig machte.
Ich hatte nicht viel Ahnung von Architektur, aber selbst ich erkannte die unterschiedlichen Epochen, die sich in dem Haus wiederfanden.
Ein mittelalterlicher Turm, der hoch hinausragte und direkt an ein mehrstöckiges viktorianisches Haus gebunden war, das wiederum in eine Fachwerkfront ausging und dahinter meinte ich einen Schornstein einer Fabrik zu sehen.
Wer baute sich denn so ein Haus?
Jemand der zu viel Geld hatte oder verdammt kauzig zu sein schien.
Mein Auto parkte ich in der Auffahrt und stieg die Stufen zum Eingang hinauf. Von dort erkannte ich schon, dass die meisten Fenster zugezogen waren und auch sonst machte es zwar keinen runtergekommenen Eindruck, aber zumindest einen verlassenen. Außerdem konnte ich keine Klingel finden, aber eine Schnur, an der ich zog und selbst von draußen hörte ich das laute Schallen mehrerer Glocken.
Dann hieß es warten und zunächst geschah nichts, weswegen ich zwei weitere Male klingeln musste. Erst daraufhin wurde die Tür geöffnet, die unerwarteterweise nicht knartzte, und dahinter begrüßte mich ein Mann, in einem feinen Anzug und zurückgekämmten grauen Haaren. Seinem Aussehen nach zu urteilen kam er aus China und die Augen waren besonders eng verschlossen, dass ich nur einen Schatten seiner Pupillen ausmachte.
“Schönen guten Tag, was ich kann ich für Sie tun?”, fragte er höflich und seine Aussprache war perfekt und besaß keinen charakterlichen Akzent, der darauf schließen lassen konnte, dass er aus dem Ausland kam.
Natürlich hielt ich meinen Ausweis in die Höhe und stellte mich als Polizist vor, der von dem Hausherrn eingeladen worden war. Dabei verschwieg ich, woher diese Einladung kam. Aber dem Mann schien das auch relativ gleichgültig zu sein, da er die Tür weiter öffnete und mich mit einer kurzen Verbeugung eintreten ließ.
Eigentlich hatte ich mir die Eingangshalle bereits pompös ausgemalt, aber sie war erstaunlich übersichtlich und besaß nur drei Türen und eine Treppe, die in das obrige Geschoss führte. Dem Butler folgend, der er der Haltung nach zu sein schien, gingen wir in ein geräumiges Wohnzimmer, das aus alten Antiquitäten zusammengewürfelt war und nur durch die teuren Gegenstände eine Gemeinsamkeit besaß.
“Wenn Sie noch einen Moment Platz nehmen würden. Ich werde den Professor informieren, dass sie da sind.”
“Ist es erlaubt, wenn ich eine Zigarette rauche?”
“Natürlich.” Bevor er ging stellte mir der Butler einen Aschenbecher auf den Tisch.
Ich öffnete das Fenster und setzte mich dann mit der Zigarette im Mund auf das Sofa.
Was genau erwartete ich hier eigentlich? Eigentlich müsste ich mit Michaela nach weiteren Indizien in den Einbruchsfällen suchen und jetzt saß ich in diesem seltsam gebauten Haus und wartete auf einen unbekannten Professor.
“Ich bin wirklich zu alt für diese Art von Vorfällen!”, raunte ich und drückte meine Zigarette in dem Aschenbecher aus.
Die Zimmertür wurde aufgerissen und knallte gegen die Wand, so dass ich erschrocken zusammenzuckte und alarmiert aufsah. Danach gefroren sowohl meine Gesichtszüge, als auch meine Bewegungen.
In dem Türrahmen stand ein Bär!
Nein, kein echter Bär. Es war eindeutige eine menschliche Person, die ein Bärenkostüm trug. Und beim zweiten Blick war es nicht einmal das Kostüm von einem echten Bären, sondern einem Teddybären mit einem pinkfarbenen Fell, übergroßen Knopfaugen und einer blauen Schleife um das linke Ohr.
Dieser Teddymensch kam in das Zimmer gestapft, blieb beim Tisch stehen und stemmte eine Hand in die Hüfte, während die andere auf mich zeigte.
“Ich wusste, dass Sie früher oder später vorbeikommen würden! Wobei ich eher mit später gerechnet habe. Aber selbst so ein ausgebildeter und langjähriger Polizist, der aus der alten Schule stammt braucht irgendwann einmal Hilfe. Nicht wahr?” Jetzt legte er die Hand an seinen Kopf. “Aber sie müssen nicht verzweifeln, Herr Polizist. So schwierig und seltsam Ihnen wahrscheinlich alles erscheint, so gibt es stets einen plausiblen und logischen Hintergrund. Natürlich wird er nicht immer von den Menschen verstanden. Vor allem nicht von diesen ignoranten Menschen heutzutage. Sie leben einfach vor sich in der Gesellschaft und hinterfragen keine ihrer Aufgaben. Sie sehen nichts von der Manipulation und den Veränderungen, die sie erreichen können. Nicht einmal die Hilfe sehen sie, die ihnen direkt zu Füßen liegt. Unerhört!”
Die Stimme klang zwar etwas stumpf, aber sie war eindeutig männlich und ich schätzte den Mann im Innern zwischen dreißig und vierzig.
Nachdem sein Sprachfluss fürs Erste abgebrochen war, tat er nichts weiter, als still zu stehen. Dann sreckte er mir die Bärenpflanke entgegen.
“Freut mich, dass Sie es einrichten konnten mich in meinem bescheidenen Heim zu besuchen, Herr Polizist.”
Ein wenig unwohl drückte ich die Hand und holte aus: “Danke, aber mein Name ...”
“Namen sind Schall und Rauch. Wussten Sie, dass der Mensch nicht nur über den Namen verfügt, der ihm gegen wird, sondern auch einem, den er von Geburt an trägt. Aber niemand kennt diesen Namen, nicht einmal die Menschen selber. Zumindest wird es so in einigen Glaubensrichtungen erzählt.”
Mir war diese Person unangenehm, vor allem, weil sie sich mir nicht persönlich vorstellte, sondern in diesem albernen Kostüm steckte.
“Und Sie sind?”, fragte ich deswegen nach.
“Ich bin lediglich ein kauziger und neugieriger Professor, der in diesem Heim Rätseln auf der Spur ist und Erfindungen, die die Welt verändern werden. Wobei die Welt wohl nie bereit sein wird, diese zu empfangen. Aber ich liebe meine Arbeit einfach. Ach ja, nennen Sie mich einfach Professor.”
Er bezeichnete sich also selber als kauzig? Das sagte mehr als genug über seinen geistigen Zustand aus, aber deswegen war ich jetzt nicht hier.
“Ich bin hier, um Ihnen ein paar Fragen zu stellen”, erklärte ich und sofort nahm der Bär auf einem übergroßen dunkelblauen Ohrensessel Platz, schlug die Beine übereinander und legte die Arme darauf.
Ein sehr seltsames Bild, das ich wohl nie vergessen würde, vor allem, weil sich das Pink des Kostüms so sehr mit der Farbe des Sessels biss. Aber der Professor schien jetzt sehr aufmerksam.
“Dann stellen Sie Ihre Fragen und ich werde Sie beantworten, Herr Polizist. Aber vorher eine Frage meinerseits. Möchten Sie etwas trinken? Kaffe, Tee, Alkohol?”
“Vielen Dank, aber ich möchte nichts.”
“Wie Sie wünschen, dann nehme ich auch nichts. Ihre Fragen?”
“Natürlich.” Die kurze Zeit, die ich alleine war, hatte ich mir einige Notizen gemacht und zückte jetzt Stift und Block. “Ihr Name ist Professor und Sie leben in diesem Haus?”
“Jawohl. Nicht völlig alleine, aber auch ich lebe hier.”
“Sind Sie in die Datenbank der Polizei eingedrungen und haben Sie wichtige Informationen gestohlen?”
“Nein, das habe ich nicht. Für diese Art von Eindringen in die Privatsphäre habe ich nichts übrig.”
“Aber dennoch wissen Sie, wer ich bin und haben mich kontaktiert?”
“Ich wusste natürlich nicht, wer Sie sind, woher auch? Ich sitze Ihnen heute zum ersten Mal persönlich gegenüber. Aber ich habe jemanden kontaktiert.”
“Und wen?”
“Denjenigen, der die Überfälle auf Juweliergeschäfte bearbeitet. Es hätte auch jeder andere x-beliebige Polizist sein können. Meine Informationen sollten dem Leiter der Untersuchungen übergeben werden. Und da Sie vor mir sitzen, werden Sie das wohl sein.”
“Und wie Sie sind Sie auf diese Vorfälle aufmerksam geworden?”
“Im Fernsehen und in den Zeitungen liest man mehr als genug, wobei diese Nachrichten natürlich völlig überspitzt sind, aber sie sind interessant. Menschen interessieren sich für Klatsch und Tratsch. Ich im Übrigen auch.”
“Das bezweifle ich nicht. Und wieso haben Sie mich jetzt kontaktiert?”
“Ich wollte wissen, ob Sie wirklich auf diese Visitenkarte reagieren”, erklärte mir der Plüschbär in nüchterem Ton, ohne dabei herablassend zu sein. “Ich will ehrlich mit Ihnen sein, Herr Polizist. Sie sind nicht der Erste und auch nicht der Letzte, dem ich eine Visitenkarte habe zukommen lassen. Überall wo es Rätsel gibt, gibt es Menschen, die sie lösen wollen und die hier und da wahrscheinlich Hilfe brauchen, aber selber werden sie nicht fündig. Diesen Menschen will ich helfen.”
“Aus reiner Selbtsliebe wahrscheinlich”, ließ ich mich zu der Aussage hinreißen, auch wenn es nicht gerade dem Rang des Polizisten entsprach.
“Niemals!”, antwortete er ehrlich und es überraschte mich. “Es sind Versuche. Jeder Mensch versucht etwas, wie Kinder. Nur viele vergessen das im Laufe der Zeit. Viel zu langweilig.”
“Es klingt, als würden Sie Menschen als Versuchskanninchen nehmen.”
“Nein, nicht Menschen! Menschen sind irrelevant!”
Kauzig und vielleicht ein wenig geistesgestört, genau das Bild hatte ich allmählich von ihm.
“Tut mir leid, wenn ich Ihre Zeit in Anspruch genommen habe, Professor, aber ich muss wieder zur Arbeit.”
“Eine Arbeit mit welchen Ergebnissen?”
Ich blieb sitzen und sagte nichts darauf.
Der groteske Mann in dem Kostüm faltete die Hände, bevor er die oberen Knöpfe seines Kostüms aufmachte und ein kleines Taschenbuch hervorholte. Das legte er vor mir auf den Tisch.
“Wenn Sie nicht weiter wissen, dann sollten Sie mal wieder eine gute Lektüre zur Hand nehmen, Herr Polizist, sie wird Ihnen ganz sicher helfen. Wenn nicht, dann eben nicht. Sie haben ja nichts zu verlieren. Aber vielen Dank für Ihren Besuch.”
Der Professor stand auf und ging zur Tür, als ich noch einmal sagte: “Die Schleifenfarbe passt nicht.”
“Ich habs gewusst!”
Dann war er verschwunden, der seltsame, kauzige Plüschbärenmann und ich wurde höflich vom Butler hinausbegleitet und sobald ich im Auto saß hielt ich das Buch hoch, dass er mir gegeben hatte.
Es war eine Taschenbuchausgabe, von etwa zweihundert Seiten, die bereits sehr oft gelesen zu sien schien. Das Cover war ein kitschiger Aufdruck, das ich kaum genau erkennn konnte. Doch in großer Schrift stand drüber:
Luftige Überfälle
Sehr übertrieben und als ob ich nicht genug Kriminalfälle in meinem Leben hatte. Aber es war ja auch nur ein Buch.
In dem Moment klingelte mein Handy und am anderen Ende war Michaelas Stimme zu hören, die mir von einem weiteren Vorfall berichtete.
In den nächsten Tagen gab es wieder nichts weiter als Besuche, Gespräche und weitere Informationen.
Und danach geschah drei Wochen lang nichts. Als sei die ganze Sache einfach ausgestorben.
Als ich also erneut einen ruhigen Abend hatte, saß ich mit einem Bier und einer Zigarette am Küchentisch und sah das Buch auf einem Stapel Zeitungen liegen, wo es seit drei Wochen lag. Nun nahm ich es zum ersten Mal richtig in die Hand und klappte den Deckel auf.
Irgendetwas war hinein gekritzelt worden, wie in einem alten Schulbuch, aber es war viel zu unleserlich, um es zu entziffern.
Irgendwie begann ich die ersten Zeilen zu lesen und war bald schon mit dem Buch fertig, als es früh am Morgen war. Danach legte ich es zur Seite und nahm das letzte Bier aus dem Kühlschrank.
„Das war nicht sonderlich hilfreich“, raunte ich.
Was dachte sich dieser Professor nur dabei mir so etwas zu geben? Kauzig, ohne jeden Zweifel.
„Meine Güte, das ist ja völlig langweilig!“
Erschrocken ließ ich das Bier fallen und drehte meinen Kopf ruckartig herum, dass ich augenblicklich einen Schmerz im Nacken spürte. Aber zu sehr davon abgelenkt starrte ich auf das Mädchen, das auf meinem Küchentisch hockte.
„Wie bist du hier reingekommen?“, rief ich sofort alarmiert.
„Dumme Frage!“, schnauzte die Kleine mich sofort an. „Du hast doch eben noch meine Geschichte gelesen, Guardia!“
Seufzend ließ ich mich auf den Küchenstuhl fallen und rieb meinen Nasenrücken. „Ich habe eindeutig zu viel getrunken heute. Das Ganze muss ein Traum sein.“
„Stolto!“ Verärgert schlug sie mir auf den Kopf und der Schmerz war eindeutig real. „Warum muss der erste Mensch, dem ich begegne so ein Idiot sein!“
Ruckartig ergriff ich ihr Handgelenk. „Nun aber mal halblang, junges Fräulein!“ Sie hielt in der Bewegung inne und sah mich aufmerksam an. „So spricht man nicht mit Erwachsenen, hat dir das niemand beigebracht? Und erst einmal solltest du dich vorstellen und mir erklären, wo du herkommst!“
Anscheinend schien das Mädchen zur Ruhe gekommen zu sein, da es sich im Schneidersitz bequem machte und ein Lächeln auf den Lippen trug. „Ich bin Donna Nero, meines Zeichens beste Diebin von Florenz und stets zu Diensten.“
„Donna Nero“, sprach ich leise und dann machte es Klick. Ich sprang auf und hielt Ausschau. Sah überall nach, aber es war verschwunden.Das Taschenbuch des Professors war nicht mehr da, dafür saß aber jemand in meiner Küche, der denselben Namen, wie der Hauptcharakter trug. „Das ist doch alles Unsinn!“
„Lo non ni credo!“ Donna Nero drückte ihren Zeigefinger gegen meine Stirn. „Guardia, du müsstest doch eigentlich an das Unglaubliche denken, wenn du jemals einen Fall lösen willst oder passiert dir das zum ersten Mal?! Aber wenn du dich damit ruhiger fühlst, dann halte das Ganze einfach für einen Traum! Ich bin ohnehin nur hier, um meinen Teil der accordo zu halten.“
„Accordo?“
„Abmachung. Aber das ist nichts für dich. Ich bin hier, weil du Hilfe brauchst, oder? Und frag jetzt nicht, was für Hilfe? Das habe ich schon so oft gehört! Du brauchst Hilfe und ich muss wissen wobei!“
„Vielleicht sollte ich eine Frührente beantragen“, murmelte ich und war immer noch nicht in der Lage das Ganze logisch zu betrachten. „Am Besten ich schlafe einmal darüber!“
Das würde sich sicherlich morgen früh klären, da war ich mir sehr sicher!
Anscheinend rief das Mädchen noch etwas auf Italienisch, aber ich war bereits ins Schlafzimmer getaumelt und ließ mich auf dem Bett nieder.
Nach ein paar Stunden erholsamen Schlafs, war ich am nächsten Tag alleine in meiner Wohnung und das seltsame Buch lag auf dem Küchenfußboden, aber wahrscheinlich war es da gestern einfach hingefallen. Ich hatte wahrscheinlich einfach zu viel gearbeitet und getrunken, was meine seltsamen Träume erklärte.
Aber eines war auf jeden Fall sicher! Ich würde das Buch heute wieder seinem Besitzer zurückbringen!
Gerade als ich es in die Tasche meiner Jacke gesteckt hatte, hörte ich das Handy klingeln und fuhr zwei Minuten später ins Präsidium, wo Michaela bereits auf mich wartete.
„Toni, wir haben wahrscheinlich einen Durchbruch in den Juwelierüberfällen.“
„Haben wir?“
„Ja, es wurde ein großer Van in der Nähe jedes Geschäfts gesehen, nur ein paar Tage vor dem Einbruch. Wir haben bereits eine Fahndung rausgegeben und drei Fahrzeuge gefunden, die der Beschreibung ähneln. Kommst du mit?“
„Ja, natürlich.“
Gemeinsam fuhren wir zum äußeren Rand der Stadt, wo es hauptsächlich ein paar Wohnhäuser und viele geschlossene Geschäfte gab, sowie einen Kiosk, vor dem ein großer dunkelblauer Van stand.
„Das ist er. Dem Kennzeichen nach gehört er dem Besitzer des Kiosk Gerd Jürgens“, erklärte mir Michaela nach einem Blick auf ihr Handy. „Gehen wir und fragen, was er an dem Tag gemacht hat.“
Sie war schneller als ich aus dem Auto und auf dem Weg über die Straße, während ich noch meinen Gurt löste.
„Noioso! Denkt sie ernsthaft, dass der Mann etwas damit zu tun haben könnte?“
Wieder erschrocken über das Auftauchen sah ich zur Beifahrerseite, wo wieder Donna Nero saß und ihren typischen schwarzen Body trug, während um ihre Schultern ein übergroßer blauer Schal gewickelt war. Sofort rieb ich mir die Augen und den Kopf, doch der nachgiebige Druck ihres Fingers auf meiner Schulter machte mir klar, dass ich es nicht träumte. Eindeutig nicht.
„Du hast mich gestern einfach stehen lassen, Guardia!“, beschwerte sie sich ausgiebig und hing noch ein paar italienische Schimpfwörter dran. „Hältst du das Ganze etwa für einen Scherz? Ich habe es mir ja auch nicht ausgesucht, aber ich nehme es wenigstens hin, im Gegensatz zu dir.“
„Wieso bist du wieder hier?“, konnte ich lediglich fragen.
„Wieso? Er fragt doch tatsächlich wieso! Ich mache es jetzt ein für alle mal klar. Wenn du mir nicht endlich sagst, wobei du Hilfe brauchst, dann werde ich wirklich böse und das willst du nicht!“
„Was tust du dann, dir selber Informationen beschaffen?“
„Nichts leichter als das!“ Sie saß mittlerweile auf dem Sitz und hatte ein Handy in der Hand, das eindeutig Michaelas war.
„Wie hast du ...“
„Du hast doch mein Buch gelesen, oder etwa nicht?“ Sie grinste, während sie auf das Display tippte. „Wirklich interessant. So etwas wirklich in der Hand zu haben. Und die Informationen auch.“
„Du schaust dir unsere Untersuchungen an?“
„Du sagst ja nichts.“
Es war ohnehin schon lächerlich, dass ich anscheinend mit einem Buch sprach oder besser mit einem Charakter daraus, aber dass ich jetzt auch noch Hilfe annehmen sollte, war noch verrückter.
„Toni, kommst du?“, rief mich Michaela, die ich beinahe vergessen hatte.
„Du bleibst hier und verschwindest, sobald wir zurück sind und ...“, ich schnappte mir das Handy, „das lässt du sein. Wenn du Fragen hast, dann frag ab jetzt mich.“
Ihr Grinsen war nicht zu übersehen, das ich nicht leiden konnte, aber ich hatte nun Arbeit zu erledigen.
Natürlich ergab die Befragung nur das Ergebnis, dass Gerd Jürgens nichts damit zu tun hatte. Was mir klar war.
Überraschenderweise war Donna tatsächlich verschwunden und lediglich das Buch lag auf dem Beifahrersitz, wo Michaela es aufhob und mich ansah. „So etwas liest du?“
„Jemand hat es mir gegeben.“
„Aha.“ Sie lächelte ebenfalls nur kurz, bevor ich das Buch zurück in meine Tasche steckte und wir gemeinsam ins Büro zurückfuhren.
„Darf ich endlich meine Fragen stellen?“
Ungewöhnlicherweise hatte ich mich an das plötzliche Auftauchen gewöhnt und jetzt war ich dabei einen Kaffee aus der kleinen Küche zu holen, wo ich alleine war.
„Was hast du für Fragen?“
„Wieso habt ihr den Einbrecher noch nicht gefangen?“
„Bitte? Wenn wir wüssten ...“ Ich warf ihr einen Blick zu. „Du weißt, wer es ist?“ Ich war nicht wirklich überzeugt davon.
„Also das die Antwort liegt ja wohl auf der Hand. Sag mir nicht, dass es dir noch nicht aufgefallen ist? Also noch mehr mit der Nase kann man niemandem drauf stoßen. Und ein kleiner Tipp! Das sind keine Einbrüche! Es wurde schließlich noch nichts gestohlen.“
„Du bereitest mir wirklich Kopfschmerzen.“ Ich trank meinen Kaffee schwarz und dachte dabei über ihre Worte nach. „Hast du gerade gesagt, dass noch nichts gestohlen wurde?“
„Sì.“
„Aber die Safes sind entwendet worden.“ Vor meinem inneren Auge sah ich noch einmal die Berichte. „Warum die Safes? Wer hat etwas davon, wenn man einen Safe entwendet?“
Nachdem sie sich einen puren Zuckerwürfel in den Mund gesteckt hatte, zeigte sie wieder auf mich. „Das ist doch so einfach, Guardia! Das weiß doch jeder gute Dieb.“
„Ich bin kein Dieb.“
„Aber du sollst doch wie einer denken, wenn du sie zur Strecke bringen willst, oder?“
„Worauf willst du hinaus?“
„Guardia, muss ich es dir aus der Nase ziehen?“ Sie sprang vom Stuhl und spazierte aus der Küche. Entsetzt ging ich hinterher, aber anscheinend konnte sie niemand außer mir sehen.
War sie doch nur eine Halluzination?
Sie blieb neben meinem Schreibtisch stehen und sah mich mit einem Blick an, als hätte ich bereits jetzt etwas falsch gemacht. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen, setzte ich mich auf den Stuhl.
„Wann war der erste Einbruch?“, fragte sie.
„Vor sechs Monaten“, murmelte ich und Michaela schaute mich fragend an. „Was ist, Toni?“
„Äh, ich gehe einfach noch mal alles durch. Der erste Einbruch war vor sechs Monaten und der letzte vor über drei Wochen. Es gab insgesamt fünf Vorfälle.“
Weil sie dachte, ich würde mit ihr reden, zählte auch Michaela alle Indizien auf. „Sowohl die Zeiträume, als auch die Orte der Geschäfte oder ihre Ausstellungsstücke sind willkürlich gewählt.“
„Und die einzige Übereinstimmung ist die Tatsache, dass nichts gestohlen wurde, außer den Safes der Läden.“
„Und es gibt keine weiteren Beweise. Nicht einmal die Vans brachten uns einen Schritt weiter.“
Donna stand regungslos neben uns und erhob jetzt ihre Stimme. „Wenn die Safes gestohlen wurden, was macht man dann?“
„Man kauft sich neue Safes!“, meinte ich ruhig und sah aus, als spräche zu mir.
„Sind es nur die Geschäfte, die überfallen wurden?“
Ich warf einen Blick zu ihr, bevor ich weiter grübelte und noch mal für Michaela die Frage wiederholte. So hockten wir einige Zeit und die Kleine schien schon wieder genervt von der Länge, die wir für die Antwort brauchten. Aber Michaela klatschte in die Hände und sah mich freudig strahlend an.
„Das wird natürlich die Runde machen“, plapperte sie drauf los. „Andere Geschäfte werden ihre Safes ebenfalls austauschen, wenn es so einfach ist sie aufzubrechen.“
„Und noch wurde nichts gestohlen“, wiederholte ich Donnas Aussage und es war, als würde es in meinem Kopf auf einmal Klick machen. Ich griff nach dem Telefon und wählte die Nummer des ersten Juweliergeschäfts, wo ich mit dem Inhaber sprach.
„Ok … Ja, danke …. Ja, ich habe es notiert.... Natürlich melden wir uns... Auf Wiederhören.“ Ich legte auf und wählte gleich die nächste Nummer und nachdem ich mich bei allen informiert hatte, legte ich die Beweise vor. „Alle Geschäfte haben kurz nach dem Einbruch sofort jemanden zu Besuch gehabt, der ihnen eine neue Installation von Sicherheitssystemen versprach. Und sicherlich hat sich das bereits herum gesprochen. Ich denke, wir sollten uns einmal mit diesen Installateuren unterhalten.“
Unter falschem Namen war ein Termin schnell ausgemacht und während ich mit dem angeblichen Geschäftsführer sprach, warf Michaela einen Blick in die Firmendaten.
„Sie können wirklich unbesorgt sein, wir machen keine halben Versprechungen“, erklärte mir der überfreundliche Anzugträger mir gegenüber.
Von ihm unbeachtet lief Donna im Zimmer herum und warf schließlich einen Blick aus dem Fenster.
„Dort unten steht ein schwarzer Van und die Männer, die dort etwas ein- und ausladen, sehen nicht aus, als kämen sie direkt von einem BWL Studium“, bemerkte sie halb lächelnd. „Und weiterhin riecht es ein wenig nach Salpetersäure. Und dass wird natürlich zum Beizen von Metallen verwendet, in etwa bei Safes.“
Noch während sie mir die entscheidenden Hinweise lieferte, bekam ich einen Anruf von Michaela, die mir berichtete, dass sowohl die Konten, als auch die Systeme der Firma meist Fälschungen waren und sich bereits eine Polizeieinheit auf dem Weg machte.
„Es tut mir leid, wenn ich es nicht vorher gesagt habe, aber ich benötige doch kein System mehr“, erklärte ich dem Mann, der ein wenig überraschend nach dem Grund fragte. „Wir sorgen schon selber für die Sicherheit.“ Dabei ließ ich kurz meine Marke aufblitzen und bevor der Mann verschwinden konnte, hatte ich ihn auf die Tischplatte gedrückt und die Handschellen angelegt. „Alles, was Sie sagen, kann und wird bei der Verhandlung gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht auf einen Anwalt und wenn Sie sich keinen leisten können, dann wird Ihnen einer gestellt.“
Noch während ich ihn hinausführte, war das Gebäude umstellt und Polizisten nahmen weitere Verdächtige fest und sicherten Beweismaterial.
„Und wie sich herausstellte, hatten sie vorgehabt die anderen Geschäfte auszurauben. Das ist ja so wundervoll und gerissen.“ Laut klatschend hüpfte der Professor umher, der heute ein Hasenkostüm trug.
Drei Tage, nachdem der Fall gelöst war, hatte ich wieder den kauzigen Professor aufgesucht, der über alles informiert werden wollte, als Revanche für das Buch.
„Habe ich nicht gesagt, dass Leute einfach mehr Fantasie entwickeln müssen! Wenn es doch nur immer so interessante Fälle zu lösen gäbe.“
„Ich halte es noch immer für unfassbar, dass es ein Buch gewesen sein soll.“
„Bücher, Herr Polizist, sind in Wirklichkeit diejenigen, die voller Realität sind und wir leben in einem einzigen Traum.“
Sein Denken war mir einfach zu ausgefallen.
„Wie auch immer. Ich bin Ihnen wohl einen Dank schuldig, Professor. Auch wenn ich nicht gerade mit dem Charakter überein war“, meinte ich und legte das Buch vor ihm auf den Tisch.
„Wir können uns die Hilfe nicht aussuchen. Aber vielen Dank auch dafür, dass Sie mir bei der Studie hilfreich waren. Mal schauen, wie ich Ihnen beim nächsten Mal helfen kann, Herr Polizist.“
„Beim nächsten Mal? Ich denke, dass war das erste und letzte Mal. Einen schönen Tag noch. Mein Butler wird Sie hinausbegleiten.“
Der akkurate Butler ging vor und öffnete mir die Haustür und ich trat in den strahlenden Frühlingsmorgen. Der irgendwie das Gefühl von Sommer vermittelt.
„Entschuldigen Sie, dass wir Ihre Zeit in Anspruch genommen haben.“ Ich drehte mich zu der Stimme um und sah noch eine kurze Verbeugung, als die große Tür zufiel und ich in mein Auto stieg. Dort blieb ich kurz sitzen und blinzelte mit den Augen.
„Warum war ich noch einmal hier? Und vor allem, wo ist hier?“ Noch während ich das fragte, klingelte mein Handy. „Ja, ich komme gleich zum Tatort.“
Ich startete den Motor meines alten Wagens und fuhr mit ihm den Feldweg entlang, der mich zurück in die Stadt bringen würde. Zu einem weiteren Fall, den ich als Polizist übernehmen würde.

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Publication Date: 09-14-2011

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