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Prolog, 1886

 

Der Schein der Lampe traf mich wie ein Blitz. Die Dunkelheit, die mich bis zu dem Zeitpunkt eingehüllt hatte, war verschwunden. Ein Mann mittleren Alters leuchtete mir ins Gesicht, sah erschrocken an mir runter und blickte mir wieder in mein Gesicht. Mit einer Stimme, die dunkel und alt klang, sprach er mich an: „Was tut Ihr hier?“

Ich wusste nicht, wie ich auf diese Frage reagieren sollte. Ich war verwirrt. Wo war ich? Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass ich von einem Schiff kam.

„Sir?“, die alte Stimme holte mich aus meinen Gedanken zurück.

„Könnt Ihr mir wohl sagen wo ich bin?“

„Aber sicher Sir, Ihr seid an den Docks.“

„An den Docks? Wie komme ich nur hier her?“

„Das weiß ich nicht Sir. Wie lautet Euer Name?“

Ich dachte nach.

Mir fiel mein eigener Name nicht ein.

Was mochte wohl passiert sein?

„Ich bin...“

„Ihr wisst ihn nicht? Dann muss ich Euch zur Polizei bringen, als Hafenmeister ist dies meine Pflicht.“

„Danke, aber das wird nicht nötig sein. Zur Polizei werde ich alleine finden.“

Der Mann sah mich eingehend an, schien von der Idee, dass ich alleine losziehen wollte, nicht allzu angetan zu sein. Ich bemerkte eine Veränderung in den Gesichtszügen des Mannes, er überlegte.

„Aber sicher könnt Ihr gehen. Ich werde Euch zur Hauptstraße bringen.“

Wahrscheinlich hatte der Mann machte sich seine Gedanken darüber, ob er mich begleiten sollte oder nicht. Aber ihm schien der Weg zu lang gewesen zu sein, dem Bauchumfang zu schließen war das Gehen auch nicht seine größte Leidenschaft.

Er brachte mich an den schwankenden Schiffen im Hafen vorbei zu der Hauptstraße, die sich quer durch die Stadt zog.

„Passt auf Euch auf Sir, so spät in der Nacht tummelt sich viel Abschaum auf den Straßen.“

„Ich danke Euch“, meinte ich und ging die Hauptstraße hinunter.

Der Mann sah mir noch lange nach, dann drehte er sich um und verschwand im Dunkeln des Hafens. Er hatte Recht gehabt, auf der Hauptstraße, auf der normalerweise vornehme Damen und Herren flanierten und Händler ihre Ware anpriesen, sammelte sich nach Einbruch der Dunkelheit der Abschaum. Falschspieler, Diebe, Huren und anderes Pack standen in kleinen Gruppen oder alleine auf der Straße. Als ich weiter auf der Hauptstraße ging, merkte ich wie die Blicke dieses Abschaums mir folgten. Aber niemand versuchte mich zu überfallen, niemand schien an mir Interesse zuhaben. Noch bevor ich mir weiter meine Gedanken darüber machen konnte, lief ich direkt in die Arme einer Hure. Ihr blondes Haar lag ungekämmt und strähnig auf die Schultern, ihre Wangen waren gerötet und aus ihrem Mund kam ein Geruch, der stark nach Alkohol roch.

„Na Süßer, wie ist es mit uns beiden?“, ich zuckte vor dem Mundgeruch zurück.

„Verzeiht, aber ich habe kein Geld bei mir“, ich versuchte dieser Frau höflich zu entkommen.

„Süßer, das macht doch nichts, bei mir kann man anschreiben“, sagte die Hure und begann an meinem Hemd zu spielen. Ich nahm ihre Hände, sie waren dreckig und blutig, und wies sie ab.

„Vielen Dank, aber ich muss weiter.“

Ich ließ die Hure stehen und ging die Hauptstraße weiter hinunter.

Ich überlegte wieder: Warum wusste ich nicht mehr wie ich hieß, noch woher ich kam oder wie ich bei den Docks landen konnte.

Als ich das Ende der Hauptstraße erreichte stand ich vor der White Cathedral, der großen Kirche, die ganz aus weißem Marmor bestand. Das weiße Gotteshaus lag im Schatten, nur die Lampen an der Tür brannten noch. Ob der Pater noch auf war? Gerade schlug die Kirchenuhr Mitternacht. Der Pater würde nicht mehr wach sein. Ich klopfte an die hölzerne Tür, das Klopfen hallte durch die Kirche. Ich wartete, lange, aber nichts regte sich. Ich trat zurück und warf einen erneuten Blick auf die Uhr, es hatte keinen Sinn zu warten. Ich ging an der Kirche vorbei, der Friedhof lag vor mir und ein Haus, das Haus des Paters. Eine kleine Lampe stand im Fenster, der Rest lag im Dunkeln. Ich ging zur Holztür und klopfte abermals. Wieder wartete ich, doch dieses Mal hörte ich im Inneren Schritte. Die Tür wurde leicht geöffnet und ein Gesicht erschien im Glanz einer Lampe, es war der Pater.

„Was kann ich für Euch tun?“

„Verzeiht die nächtliche Störung Pater, aber vielleicht könnt Ihr mir sagen, wer ich bin.“

Die Tür öffnete sich nun ganz, der Pater winkte mich hinein. Das Haus war doch etwas kleiner, als es von Außen erschien. Es gab nur eine Etage mit zwei Zimmern und einer Kochnische. Der Pater stand in seinem Nachthemd vor mir, eine Schlafmütze zierte sein Haupt, ein Rosenkranz lag auf seinem Nachttisch. Er lud mich ein an dem Eichentisch nahe der Kochnische Platz zu nehmen. Der Pater ging zu einer Tür, anscheinend war es die Vorratskammer. Er kam mit einer Flasche Wein wieder, schenkte mir und sich ein und reichte mir den Becher.

„Wie kommt Ihr auf die Idee ich würde Euch sagen können wer Ihr seid?“

Ich überlegte. Ja, warum dachte ich der Pater wüsste um meine Identität?

„Ich weiß es nicht Pater, aber ich hätte auch nicht gewusst, an wen ich mich hätte wenden können.“

Der Gottesdiener nickte versonnen, griff zu seinen Becher und trank einen Schluck.
„Trinkt ruhig, es ist ein schwacher Jahrgang, aber dennoch schmeckt er hervorragend. Ein Kloster in der Nähe stellt ihn selbst her, ich bin mit den Ordensbrüdern gut befreundet.“

Ich trank einen Schluck, der Pater hatte Recht, der Wein war ein junger Jahrgang, kein besonders guter, aber ich hatte Durst.

„So nun erzählt doch mal. Wisst Ihr irgendetwas über Euch oder Eure Herkunft?“, fragte der Pater und sah mich freundlich an. Ich dachte angestrengt nach, aber mir fiel nichts ein, ich hatte nur meine Kleider.

„Es tut mir leid, aber ich kann Euch nichts erzählen.“

„Nun, das ist schade und verschlechtert die Chancen Euch zu helfen. Habt Ihr etwas in den Taschen?“

Ich stutzte. Meine Taschen hatte ich wahrhaftig noch nicht überprüft. Ich tastete über die Taschen meines Rockes, in der Linken war nichts, aber in der Rechten lag etwas Schweres. Ich steckte meine Hand hinein und zog einen Schlüssel heraus. Der große, klobige Schlüssel brachte mir keine Erkenntnis über meine Identität. Ich legte ihn auf den Tisch zwischen den Pater und mich. Ich bemerkte eine leichte Veränderung in den Gesichtszügen des Paters, er nahm den Schlüssel und drehte ihn in den Händen. Es schien, als wisse der Pater von dem Gebäude zu dem der Schlüssel gehörte.

„Wisst Ihr etwas darüber Pater? Ich habe ihn noch nie gesehen.“

„Noch nie? Das ist komisch, denn der Schlüssel gehört zu einem Gebäude hier in der Nähe. Es ist das alte Waisenhaus, es leben nur noch wenige Kinder dort, die meisten sind schon alt und weggegangen. Warum habt Ihr einen Schlüssel?“

„Ich weiß es nicht Pater.“

„Nun, vielleicht solltet Ihr morgen dort nach Eurer Herkunft fragen. Wisst Ihr, wo Ihr die Nacht verbringt?“

Ich schüttelte den Kopf, ich hatte kein Geld, keinen Ort, wo ich einkehren konnte.

„Nun, es ist meine Pflicht Euch Unterschlupf zu gewähren.“

„Ich möchte Euch keine Umstände machen Pater.“
Er winkte ab, ging in die Ecke in der sein Bett stand, kam mit einer Decke aus Wolle und einem Kopfkissen wieder.
„Ich werde auf der Küchenbank schlafen, Ihr könnt mein Bett nehmen und sagt nichts. Ich bin es gewöhnt auf einer Pritsche zu liegen. Damals im Kloster hatte ich nichts anderes.“

Ich sah, wie der Pater sich sein Lager auf der Holzbank bereitete und sich hinlegte.

„Kommt gut zu liegen, ich führe Euch morgen zu dem Waisenhaus, wenn Ihr mögt.“

„Danke“, ich legte mich auf das Bett und schlief schnell ein.

 

Am nächsten Morgen hörte ich ein Gemurmel, welches an mein Ohr drang. Mein Bewusstsein ließ die Geräusche zu Worte formen, ich erkannte ein Gebet, der Pater war bereits erwacht. Ich schlug die Augen auf und reckte mich. Meine Glieder knacksten, ich sah mich um, langsam gewöhnten sich meine Augen an das, noch rötliche, Tageslicht.

„Guten Morgen Pater.“

Er drehte sich um, sein Gebet schien zu Ende gesprochen zu sein, er lächelte.

„Guten Morgen, wie habt Ihr geschlafen?“

„Gut, danke für das Nachtlager Pater.“

„Aber nicht doch, es ist meine Pflicht als Pater gewesen. Nächstenliebe gehört zu mir und meinem Leben.“

„Und ich weiß was sich gehört Pater, danke nochmals.“
„Da wir nun die Höflichkeiten ausgetauscht haben, können wir nun zum Frühmahl übergehen.“

Ich sah Brot und Haferschleim auf dem Tisch, dazu ein Krug mit Wasser. Ich spürte bei dem Anblick den Hunger der in meinem Magen lag. Der Pater winkte mich zum Setzen und ich griff nach einem Dankgebet zum Brot. Nach dem Essen stand der Gottesdiener auf, wir gingen zur Tür und in die helle Morgensonne. Warme Strahlen drangen an meine Haut, ich genoss den Augenblick. Der Pater gab mir den Schlüssel wieder und wies mit seiner Hand auf die Hauptstraße: „Kommt, hier entlang.“

Wir gingen auf die Straße, die Läden hatten geöffnet, Damen und Herren gingen an uns vorbei und grüßten den Pater herzlich. Nichts erinnerte an das Treiben des Abschaums in der Nacht.

„Ihr seid sehr beliebt hier nicht wahr Pater?“

Er nickte: „Ja, aber es war nicht immer so mein Freund.“

„Ach? Warum?“, meine Neugierde war geweckt.

„Mein Vorgänger war nicht sehr beliebt gewesen, er hatte den Menschen hier das Geld aus den Rocktaschen gezogen, wenn ich das mal so formulieren darf. Er hatte ihnen eine Kathedrale versprochen, dafür das Geld abgenommen, ohne sein Versprechen zu halten. Er starb, unerwartet, manch einer munkelte, dass er ermordet wurde.“

„Zum Wohle des Volkes.“
Der Pater lachte auf, er lachte wohl gerne. Wir hatten bereits schon seit ein paar Minuten die Hauptstraße verlassen, wir betraten engere Gassen. Am Ende einer solchen Gasse tauchte wie aus dem Nichts ein großes Haus auf. Es lag im Schatten der Sonne und Kinderlachen drang von dem Spielplatz neben dem Gebäude. Das Haus und das Grundstück wurde von einem niedrigen Holzzaun eingefasst und schützte die Bewohner symbolisch. Der Pater trat auf das kleine Tor zu und rief nach jemanden. Eine Frau kam an den Zaun, sie trug eine Schwesterntracht, wie das einer Nonne. Nach ein paar Worten mit dem Pater wandte sie sich an mich: „Zeigt Ihr mir mal den Schlüssel.“

„Aber selbstverständlich Miss.“

Die Frau sah sich den Schlüssel an, blickte mich an und sah wieder auf den Schlüssel.

„Woher habt Ihr den?“, fragte sie.

„Ich hatte ihn in meiner Rocktasche.“

„Wo bleiben nur meine Manieren, kommt doch rein“, sie wandte sich an den Pater, „danke Pater.“

„Ich hab zu danken Schwester Marie“, sagte der Pater, gab mir die Hand und ging fort.

Wir gingen in das Haus und stiegen die Treppe nach oben.

„Schwester Anne ist hier die Leiterin, sie wird Euch sagen können, wer Ihr seid und Eure Fragen beantworten.“

„Sagt Schwester Marie, seid Ihr schon lange hier im Waisenhaus?“

Schwester Marie schüttelte mit den Kopf.

„Nein, ich bin erst seit ein paar Jahren hier, Schwester Anne allerdings schon seit vierzig Jahren. So alt wie ich Euch einschätze dürfte sie Euch noch kennen, oder sagen können wo Ihr suchen könnt.“

Wir kamen an einem Zimmer an, Schwester Marie klopfte und öffnete langsam die Tür.

Das Zimmer lag im Halbdunkeln, eine Frau saß an einem Schreibtisch und blickte überrascht auf.

„Wen hast du mir da mitgebracht?“, ihre Stimme klang, wie die einer netten Großmutter, warm und herzlich.

„Wir hatten uns gewünscht du könntest uns das sagen.“

„Kommt doch herein.“

Ich ging in das Zimmer, es war ein Arbeitszimmer und doch kaum möbliert. Ein Schreibtisch und ein Besucherstuhl aus dunklem Kiefernholz und ein Schrank aus dem gleichen Material standen in dem Raum. Die Schwester deutete auf den Besucherstuhl und ich setzte mich, ich fühlte mich wie ein Schuljunge vor dem Direktor. Schwester Marie legte meinen Schlüssel auf den Schreibtisch, Schwester Anne blickte etwas bleich und überrascht auf den Schlüssel.

„Ich empfehle mich“, sagte Schwester Marie und schloss von Außen die Tür.

Nun wandte die Oberschwester den Blick zu mir: „Woher habt Ihr den Schlüssel?“

Es klang kalt und nicht mehr so wie die Stimme einer gutmütigen Großmutter.

„Ich weiß nicht wer ich bin, ich weiß nicht wie ich heiße und ich weiß nicht woher ich diesen Schlüssel habe.“

„Nun, das ist der alte Schlüssel des Waisenhauses, Ihr habt Recht gehandelt hierher zu kommen“, ihre Stimme hatte wieder den alten Klang angenommen, „ich bin seit fast vierzig Jahren hier und Ihr erinnert mich an den jungen Jack Hopkins, der hier einst gelebt hatte.“

Der Name weckte keine Regung in mir. Ich hatte von Leuten mit Gedächtnisschwund gehört. Wenn Diese etwas aus ihrer Vergangenheit in der Hand oder etwas aus der Zeit gehört hatten, regte sich etwas in ihnen. Doch bei mir gab es keine Reaktion.

„Er wurde vor fünfzehn Jahren zu uns gebracht, als seine Mutter starb. Wir wissen nicht viel von ihr, wir wissen nur, dass sie eine Straßendirne war und hier in der Stadt lebte und ihren Geschäften nachging. Ich hole eben die Akte, wartet hier.“

„Aber natürlich“, ich dachte nach.

War ich tatsächlich der Sohn einer Hure? War mein Vater ein Freier gewesen? Einer dieser Lustmolche? Ich konnte es nicht glauben.

Die Schwester kam wieder, unter ihrem Arm hatte sie eine Aktenmappe.

„Hier“, sie reichte mir ein Foto eines jungen Knaben mit schwarzem Haar, glatt wie ein See an einem windstillen Tag. Seine Augen strahlten Angst und Trauer aus, die Schwester hatte recht, ich sah ihm etwas ähnlich, „das war Jack.“

„Jack hatte ein auffälliges Muttermal an der rechten Gesäßseite. Vielleicht solltet Ihr mal gucken?“

Ich stand auf, drehte mich von der Schwester weg und zog meine Hose etwas nach unten, ein seltsam geformtes Muttermal blitzte auf. Die Schwester lächelte mich an, ich zog die Hose hoch und setzte mich wieder.

„Nun wissen wir wer Ihr seid, oder darf ich Euch duzen?“

„Wenn Ihr mögt Schwester, gerne.“

„Jack, du bist damals zu uns gekommen, voller Trauer und Angst. Doch du hast dich gut eingelebt, mit sechzehn Jahren bist du fortgegangen und bist zur See gefahren. Ich hab hier deine Akte, magst du sie lesen?“, die Schwester reichte mir den Ordner. Es waren auf der ersten Seite meine Daten festgehalten worden:


Name: Jack Hopkins

Alter: 5 Jahre

Geburtsdatum: 24. Februar 1866

Mutter: Johanna H.

Vater: unbekannt

Auffälligkeiten: Muttermal an der rechten Gesäßseite, schwarze Haare, dunkle Augen, mittelgroß, schlank, ängstlich, hat kaum Vertrauen in seine Umwelt und Mitmenschen und halb verwahrlost.

 

Auf der nächsten Seite befand sich ein Bild meiner Mutter in Großaufnahme. Mir blickten zwei Augen entgegen deren Blick Meinem glich. Ihre Züge waren sehr weiblich, fast zu weich und sie machte einen guten Eindruck. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass diese Frau, meine Mutter, eine Hure war. Ich sah mir die letzte Seite an, es war der Zeitungsbericht über ihren Tod. Es wurde berichtet, dass sie gegen Morgen des 06. August 1871 in der Nähe der Kirche tot aufgefunden wurde, erschlagen von einer Whiskyflasche einer billigen Marke. Sie lag zerbrochen neben der Leiche. Verdächtige gab es keine, Zeugen waren ebenso nicht vorhanden. Nach Wochen der Ermittlungen wurde die Suche nach Aufklärung abgebrochen.

Ich legte die Zettel in den Ordner zurück und fragte die Schwester nach meinem Geburtshaus.

„Das Haus liegt gleich in der Nähe. Du gehst die Gasse zurück, die zur Hauptstraße führt und biegst Rechts ab. Nach dem Lebensmittelladen von Benjamin Johnson gehst du in die linke Gasse. Das einzige Haus, welches in dieser Gasse liegt, ist das Haus welches du suchst. Aber“, sie lehnte sich zu mir rüber und flüsterte nur noch, „es ist zwar bewohnt, doch der Mann, der dort wohnt, kennt niemand. Noch nie war es vorgekommen, dass man ihn einkaufen sah. Alles an Erledigungen werden von Boten übernommen, er muss sehr wohlhabend sein.“

„Nun, vielleicht hat genau dieser seltsame Mann die Antworten die ich brauche.“

Schwester Anne hatte sich wieder zurück gelehnt und lächelte.

„Ich wünsche dir viel Glück Jack.“

Ich stand auf, bedankte mich mit einer Verbeugung bei der Schwester und ging die Treppe nach unten. Am Zaun traf ich wieder auf Schwester Marie, sie sah mich fröhlich mit blauen Augen an. „Habt Ihr herausbekommen, was Ihr wissen wolltet?“

„Ja, das habe ich. Nun weiß ich wenigstens, wie ich heiße.“
„Verratet Ihr mir welcher Name Eure Identität ziert?“

„Für Euch tue ich alles“, ich lachte auf.

„Macht Ihr mir etwa den Hof?“, Schwester Marie lachte mit.

„Ich weiß, dass Euer Herz den Kindern gehört, so würde ich mich hüten Euch den Hof zumachen.“

„Da habt Ihr Recht Sir, nun wie lautet Euer Name?“

„Ich werde es Euch verraten Schwester“, ich legte meinen Mund an ihr Ohr, „ich heiße Jack Hopkins.“

Als ich sie wieder ansah, bemerkte ich einen leichten Schleier von Röte auf ihrem Gesicht.

„Verzeiht mir, wenn ich Euch zu nahe gekommen bin.“

„Das macht doch nichts, nun was habt Ihr jetzt vor?“, Schwester Marie schien an mir und meinem Leben interessiert zu sein.

„Ich werde das Haus besuchen, indem meine Mutter und ich gewohnt hatten.“

„Ich kenne das Haus Sir, es ist hier in der Nähe. Ich kann Euch hinführen, wenn Ihr mögt.“

Ich überlegte, es schien, als wollte die Schwester noch etwas in meiner Gesellschaft bleiben.
„Wollt Ihr mich hinführen Schwester“, es war eine rhetorische Frage, Schwester Marie kam durch die Zaunpforte und hakte sich bei mir unter. Verdutzt erwiderte ich den Armdruck und wir gingen auf die Hauptstraße.

„Ich weiß nicht, ob Ihr es wisst Jack, aber ich bin keine Ordensschwester. Ich bin nur eine Frau in Schwesterntracht, die im Dienste des Waisenhauses steht. Früher waren dort nur Ordensschwestern, aber das ist schon lange her.“

Ich blickte verwirrt in die blauen Augen von Marie, hatte sie mir etwa gerade ein Angebot gemacht? Nein, das konnte nicht sein. Inzwischen waren wir in der Gasse mit dem Haus meiner Vergangenheit angekommen.

„Schwester Marie...“

„Ach nennt mich doch nur Marie, Jack.“

„Nun, wie Ihr wollt, Marie“, der Name klang wunderschön, „wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass Ihr mir den Hof macht.“

„Eine Dame würde niemals einem Mann den Hof machen Jack, das müsst Ihr doch wissen.“

„Ihr seid so überraschend, dass mich nichts mehr zu wundern vermag.“

„Das ist das Haus Jack.“

Wir standen auf einmal vor einem Haus aus weißen Brettern und grünen Fensterläden, die geschlossen waren. Ich trat einen Schritt auf das Haus zu, Marie blieb stehen. Gerade als ich die Veranda erreicht hatte, wurde die Tür geöffnet. Mir blickte, zu meiner Verwunderung, ein Butler entgegen.

„Mein Herr erwartet Euch Sir.“

Jetzt war ich noch verwunderter. Ich folgte dem Butler in das Innere des Hauses. Bevor die Tür geschlossen wurde, rief ich Marie zu, dass ich sie am Nachmittag vom Waisenhaus zu einem Spaziergang abholen würde.

Im Inneren des Hauses herrschte Dunkelheit, die an manchen Stellen von Kerzen durchbrochen wurde. Der Butler ging durch das Haus, ich folgte ihm und sah mich weiter um. Die Gegenstände, die von dem Schein des Kerzenleuchters, die der Butler in den Händen hielt, angestrahlt wurden, waren kostspielig. Silberteller, Gemälde und andere Dinge von unschätzbaren Wert standen und hingen in dem Raum. Der Butler führte mich weiter durch den Raum, trotz der Kerzen war es fast so dunkel, wie die Nacht. Wie konnte sich der Butler nur so schnell fortbewegen? Oder war es nur meine Einbildung? Am Ende des Raumes befand sich eine Tür, die mit rotem Samt beschlagen war. Bevor der Butler an einem Seil an der linken Seite der Tür zogen konnte, legt ich meine Hand auf seine Schultern. Erst dachte ich, er würde vor Schreck zusammenfahren, doch eine Regung blieb aus.

„Woher weiß Ihr Herr, dass ich zu ihm wollte?“

„Mein Herr weiß alles, was in der Stadt los ist.“

„Wer ist das?“

„Der Name meines Herrn wird er Euch selbst nennen. Ich bin nicht befugt Euch darüber in Kenntnis zu setzten.“

Ich nickte, obgleich der Butler es nicht sehen konnte. Als ich keine weitere Fragen mehr stellte, griff er zu dem Band an der Tür. Kurz darauf wurde diese geöffnet und ich sah zum ersten Mal einen hell erleuchteten Raum und das Gesicht des Mannes, wo ich auf meine Fragen Antwort bekommen sollte. Der Mann lud mich mit einer Handbewegung in den Raum ein, der Butler trat nach mir ein.

„Setzt Euch doch Jack“, der Mann zeigte auf einen Stuhl, der ebenfalls mit rotem Samt beschlagen war. Der Butler hingegen ging zu einer Bar, schenkte ein Glas Brandy ein und fragte mich, ob ich etwas zu trinken wolle.

„Einen Whisky bitte.“

Der Butler gab seinem Herrn den Brandy und mir den Whisky. Der beißende Geruch strömte mir in die Nase, ich schnupperte an dem Glas, es war ein hervorragender Jahrgang. Nachdem der Butler die Getränke abgestellt hatte, verbeugte er sich und verließ das Zimmer. Ich sah mich um, der Raum war genauso wertvoll ausgestattet, wie der Vorraum.

„Ihr heißt doch Jack nicht wahr?“, die Stimme des Mannes zog meine ganze Aufmerksamkeit auf sich. Ich blickte in zwei dunkle Augen, die offen waren und doch etwas vor mir zu verbergen hatten. „Nun ich will der Höflichkeit genüge tun und mich vorstellen. Mein Name ist Edgar Hoover.“

Der Name sagte mir nichts.

„Warum habt Ihr mich zu Euch rufen lassen Mister Hoover?“

„Nun ich kann auf Eure Fragen Antwort geben Jack. Zum Beispiel wer Ihre Frau Mutter war und wer Euer Herr Vater war.“

Mir stockte der Atem, woher kannte er meinen Vater?

„Eure Frau Mutter war, wie Ihr es bestimmt schon herausgefunden habt, eine stadtbekannte Dirne. Sie lebte in diesem Haus, ich kaufte es vor ein paar Jahren von der Stadt und renovierte es aufwendig. Als ich den Dachboden ausräumen ließ, stieß mein Butler auf eine Kiste. Ich öffnete sie und fand darin das hier“, er öffnete die Schublade seines Tisches und überreichte mir ein kleines Buch. Ich starrte auf den Einband, Tagebuch von Johanna H., stand darauf.

„Es ist von Eurer Frau Mutter, nicht wahr?“, Hoover holte mich aus meinen Gedanken zurück.

„Ja, so ist es.“

Ich schlug das Buch auf, durchblätterte es mit meinem Daumen und stieß auf den letzten Eintrag vom Tage ihres Todes:

06. August 1871, Sonntag

 

Heute kam ein Mann an die Tür, er sah aus, als hätte er Geld. Sein Umhang war aus feinstem Stoff, sein Zylinder sah wertvoll aus, in seiner schwarzen Weste blitzte eine silberne Taschenuhr. Er bat mich ihm meinen Sohn, meinen Jack, zu überlassen und warf einen dicken Beutel Goldmünzen auf den Tisch. Auf die Frage was er mit meinem Sohn wolle, antwortete er nicht gleich. Nach ein paar Minuten sagte er mir, er wolle Jack ein besseres Leben schenken. Aber für kein Geld der Welt gebe ich meinen Sohn her und auch wenn er es mir irgendwann einmal übel nehmen wird, dass er kein besseres Leben hatte, ich habe es aus Liebe getan. Wir haben nicht viel Geld, mein Ruf in der Stadt ist bekannt und ich bin geächtet, aber ich bin eine gute Mutter. Und die Liebe einer Mutter ist unbezahlbar.

Als ich dies den Unbekannten sagte, bebte er vor Zorn und verließ wehenden Mantels das Haus. Ob er mir Böses will? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich Jack jetzt ins Bett gebracht habe und ich auf die Straße muss. Heute Mittag ist ein Handelsschiff im Hafen eingetroffen, viele Seeleute warten auf mich. Gute Nacht mein Junge und denke daran, deine Mutter liebt dich, egal was andere Leute sagen.

 

Ich blätterte in dem Tagebuch weiter, aber es war wirklich der letzte Eintrag.

„Wissen Sie etwas über den Mann?“, fragte ich Hoover, er sah mich lange an, bevor er antwortete.

„Leider nicht, er war auch nie wieder in Erscheinung getreten. Ich habe viele Leute gefragt, einige konnten sich trotz der langen Zeit an ihn erinnern. Aber niemand kannte den Mann und konnte mir weiter helfen. Lest den Eintrag Eurer Geburt.“

Ich blätterte wieder mit den Daumen die Seiten durch, bis ich den besagten Eintrag fand:

24. Februar 1866, Sonntag

 

Ich bin Mutter geworden, ich, ausgerechnet ich!

Einer meiner Begleitschaften hatte mich geschwängert und ich habe auch schon eine Ahnung wer.

 

Jetzt wurde es spannend, gebannt las ich weiter:

 

Ich habe John Harpens angesprochen, er kam als Einziger in Frage der Vater meines Kindes zu sein. Doch er wollte nichts von seinem Sohn wissen, versuchte mir einzureden, dass es hätte jeder sein können. Aber ich spürte, dass Jack von ihm war. Oh John, und ich habe dich geliebt!

 

Das war alles, das war der Eintrag meiner Geburt. Ich überflog auch die anderen Einträge, doch nirgendwo tauchte der Name John Harpens noch einmal auf. Ich sah Hoover fragend an, dieser stand auf und schenkte mir nach. In Gedanken hatte ich das Glas geleert, ohne dass ich mir dessen bewusst war.

„Danke“, zu mehr war ich nicht in der Verfassung.

„Nun, John Harpens war mein Vater.“

Ich hustete, das hatte ich wahrhaftig nicht erwartet. Die ganze Geschichte wurde immer mysteriöser.

„Mein Vater zog nach Eurer Geburt fort und lernte im Sommer 1868 meine Mutter kennen, er heiratete sie und dann wurde ich geboren. Als er starb erzählte er meiner Mutter von einem kleinen Jungen namens Jack und von dieser Stadt hier. Als sie ein paar Jahre später starb, erzählte sie mir von Euch. Aber“, er durchsuchte seine Schublade und holte ein kleines Paket heraus, „ich habe noch etwas in der Kiste gefunden.“ Er reichte mir das Paket. Das Papier war bereits brüchig und an den Ecken gerissen. Das Band, um das Pakets selbst, war aus dünnem Leder. Ich zog ein paar Mal an dem Band, es löste sich leicht, das Papier fiel auseinander. Ich öffnete das Paket, in ihm lag ein Brief, an mich adressiert, und eine Kette mit einem silbernen Kreuz als Anhänger.

Ich öffnete den Brief, legte die Kette um meinen Hals und begann zu lesen:

Wenn dich dieser Brief erreicht, mein Sohn, bin ich längst verstorben und du trauerst um mich. Nun, ich habe dir nie gesagt, wer dein Vater ist. Vielleicht aus Angst vor deiner Reaktion, vielleicht aber aus anderen Gründen, die ich nicht benennen kann. Dein Vater ist fortgezogen, als ich ihn von dir erzählte und versuchte an einen anderen Ort sein Glück. Ich musste dich alleine großziehen und ich habe versucht dir eine gute Mutter zu sein. Viele werden dich verachten, weil ich das bin, was ich bin, eine Hure. Das Schlupfloch für Männer, deren Triebe ich nutze. Verzeih mir, dass ich dir das nie gesagt habe und dir ausgewichen bin, wenn du mich danach gefragt hattest. Ich habe dich geliebt, denn du bist mein Sohn und egal was passiert, es wird immer so bleiben.Ich gebe dir hiermit das wertvollste aus meinem Besitz, echtes Silber, halte die Kette in Ehren und Gedenken.

In Liebe deine Mutter Johanna

 

Ich sah von dem Brief auf und Hoover an. Er lächelte und gab mir das Portrait eines Mannes in jungen Jahren.
„Unser Vater.“

Ich sah mir das Bild näher an, ich hatte Ähnlichkeit mit ihm. Aber noch waren nicht alle Fragen beantwortet.

„Ich weiß, was Ihr jetzt denkt, Halbbruder. Ich habe Euch noch nicht alles erzählt. Fragt mich.“

„Warum habt Ihr einen anderen Nachnamen, als unser Vater?“

„Ich wurde früh Vollwaise, wie Ihr auch. Nach dem Tod unseres Vaters nahm ich den Namen meiner Mutter an. So konnte ich hier meine Herkunft schützen und verbergen. Jeder, von den Alten hier, weiß auch heute noch, dass unser Vater einen Besuch bei Dirnen nicht abgeschlagen hatte, wenn ich das mal so ausdrücken darf.“

Das klang sehr plausible.

„Warum hatte ich den Schlüssel des Waisenhauses?“
„Den Schlüssel des Waisenhauses?“, fragte Hoover erstaunt.

„Ja, den alten Schlüssel des Waisenhauses.“

„Nun, ich glaube das kann ich erklären. Der Schlüssel lag zusammen mit den anderen Sachen in der Kiste. Ich habe einen Boten damit beauftragt nach Euch zu suchen, mit Erfolg. Aber als er Euch fand, verlor sich die Spur wieder.“

„In welcher Stadt war das?“

„In New Orleans.“

„Ich erinnere mich, ich habe dort Zwischenstation gemacht. Ich betrat ein Schiff und ab dann verblassen meine Erinnerungen.“

„Als der Bote zurückkam, ward Ihr bereits hier in der Stadt. Er fand Euch an den Docks, er schmuggelte Euch den Schlüssel zu und kam wieder.“

„Warum habt Ihr mich nicht sofort zu Euch geholt?“
„Ihr musstet Euren Weg selbst finden, auch um zu bestätigen, dass Ihr Jack seid.“

„Eine Frage habe ich noch. Warum habe ich keine Erinnerungen an meine Vergangenheit?“

„Nun“, Hoover steckte sich eine Pfeife an, „das ist die einzige Frage, die ich nicht beantworten kann, tut mir leid Jack.“

Ich stand auf, ich hatte genug gehört. Ich nahm den Brief meiner Mutter und das Tagebuch und verneigte mich vor Hoover. Er erhob sich ebenfalls und brachte mich zur Samttür.

„Brandon?“, auf den Ruf, durch ein Sprachrohr rechts neben der Tür, trat der Butler zu uns.

„Führe Jack zur Tür. Nun, Bruder, ich hoffe wir sehen uns wieder.“

„Das hoffe ich auch“, ich nahm die angereichte Hand von Hoover und ließ mich von dem Butler an die Haustür führen. Zum Abschied verneigte er sich und schloss die Tür. Die Kirchturmuhr schlug drei Uhr nachmittags,es war Zeit Marie abzuholen.

Als ich am Waisenhaus ankam, waren die Kinder draußen, Schwester Marie und Anne standen bei ihnen.

„Marie!“

„Jack, ich komme.“

Sie sagte etwas zu Schwester Anne, die mir freundlich zuwinkte.

Marie und ich gingen zum Strand, ein wenig spazieren.

„Und? Habt Ihr etwas erfahren?“, fragte Marie neugierig.

„Ja, vieles. Zum Beispiel wer mein Vater war.“

„Wer ist es?“

„Ein gewisser John Harpens.“

„Tut mir leid, ich habe noch nicht hier gewohnt, als ein Mann mit diesem Namen hier wohnte.“

„Aber reden wir doch nicht davon, reden wir über uns.“

„Über uns?“, Marie lächelte.

„Ihr hattet mir heute Morgen den Hof gemacht. Erinnert Ihr Euch?“

„Das würde ich nie tun Jack“, wir blieben stehen, Marie schlang ihre Arme um meinen Hals, die Wellen rauschten an den Strand.

„Lass deinen Gefühlen freien Lauf Jack“, flüsterte Marie. Ich schloss die Augen und küsste sie zärtlich.

Nach diesem Kuss war die Stadt für mich anders geworden, heller, bunter, fröhlicher. Ich lernte beim Metzger an und verdiente mein Geld damit. Es war nicht viel, aber es reichte für unser Leben. Noch nie war ich so glücklich, doch ich ahnte nicht, dass bald ein Schatten auf unser Glück fallen würde. Es geschah, als Marie eines Abends nicht heimkehrte und ich mir große Sorgen machte. Ich nahm mir eine Lampe, legte mir einen Umhang an und trat in die Nacht hinaus. Es fing an zu regnen und der Ostwind, der vom Meer kam, ließ meine Knochen klappern. Ich suchte weiter, ging zum Waisenhaus, doch alle Fenster waren dunkel. Hier konnte Marie auch nicht sein, ich ging zu den Docks und fragte mich durch den Abschaum. Ein Falschspieler zeigte wortlos auf den Strand, ich ging dort hin und fand niemanden. Ich ging niedergeschlagen und völlig durchnässt heim. Am nächsten Tag, Marie war immer noch nicht heimgekehrt, wandte ich mich an die Polizei. Doch auch die Suche der Gesetzeshüter brachte keine Ergebnisse, Marie blieb verschwunden. Ich wartete jeden Tag und jede Nacht auf ihre Rückkehr, Woche für Woche, Monat für Monat, aber vergebens. Ich verkaufte schlussendlich unser Heim und ging auf ein Schiff. Ich wollte nach Europa, nach Paris.

 

 

Imprint

Text: by Dean Douglas Hormann
Images: by Death
Editing/Proofreading: A. Krause
Translation: -
Publication Date: 06-29-2013

All Rights Reserved

Dedication:
An den Mann, der die Kriminologen seit 125 Jahren rätseln lässt!

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