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Inhaltsverzeichnis

 

- Was ist AD(H)S

 

- Welche Symptome zeigen sich bereits im Baby – und Kleinkindalter

 

- Verhaltensregeln bei AD(H)S

 

  1. klare Regeln und klare Konsequenzen

  2. Kommunikationsregeln

  3. Auszeit

  4. Verstärkerpläne

  5. „Ziehen“

  6. Ruhezone

  7. Entspannung

  8. Atemübung

  9. 1:1 Betreuung

  10. Aufgaben geben

  11. „Pate“ sein

  12. Ernährung

  13. Positiv – Buch

  14. Positiver – Umriss

  15. Konzentration

  16. Übersicht

  17. Starke Partner

  18. Selbstreflektion

  19. Situationsbeobachtung

  20. Gruppenbeobachtung

  21. Ignorieren

 

- Selbstinstruktionstraining

 

- AD(H)S , Legasthenie und andere Störungen unterscheiden

 

- Teilleistungen

 

- Beispiele einer Förderung

 

- positive Eigenschaften

 

- Gesprächsführung / Elterngespräche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorwort

 

Die frühe Diagnose von AD(H)S ist wichtig, um Kindern und Eltern einen langen Leidensweg zu ersparen und die Kinder frühzeitig optimal fördern zu können. Wird die Diagnose AD(H)S zu spät oder gar nicht gestellt entstehen eine Reihe von Sekundärproblematiken, z. B Aggressionen, Schulversagen, Schulverweis, Depressionen und auch gewalttätiges Verhalten sind möglich. Daher ist es wichtig, dass bereits in Krippen, Tagespflegestellen und Kindergärten auf eventuelle Warnzeichen reagiert werden kann und die Kinder entsprechend ihrer Problematiken und Individualitäten gefördert werden können.

Dieser Ratgeber soll ihnen helfen, auf eventuelle Warnzeichen objektiv reagieren zu können, die Kinder optimal zu fördern und zu unterstützen und es soll ihnen ermöglichen, mit den Eltern in Kontakt zu treten. Für diese Elterngespräche ist Fingerspitzengefühl und Verständnis notwendig. Es nutzt niemandem, den Eltern das Gefühl zu vermitteln, die Problematiken ihres Kindes legen nur bei ihnen und ihrer Erziehung. Abgesehen davon, werden viele Eltern bei diesem Thema erst einmal in die „Verteidigungsstellung“ gehen. Einige Eltern wissen sehr wohl, dass das ein oder andere nicht rund läuft. Dennoch verleugnen etliche Eltern diese Dinge und verschließen vor der Realität die Augen.

 

Was ist AD(H)S

 

 

AD(H)S hat viele Namen; AD(H)S, ADS; Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Hyperkinetische Störung, Zappelphillipsyndrom, ADHD, ADD, POS..

 

Wir kennen diese Kinder aus unserem täglichen Arbeitsalltag alle. Die Kinder sind laut, halten sich an keine Regeln und erwecken nicht den Anschein, dass sie sie verstehen wollten. Sie sind rüpelhaft, machen die Mahlzeiten zu einem Desaster, weil die Kinder „ herum hampeln“, ständig etwas verschütten und mit den Fingern manschen. Das Gruppengefüge gerät pausenlos durcheinander, da die Kinder nur „ Stunk“ machen und kein geordnetes Miteinander möglich ist. Spielsachen werden absichtlich kaputt gemacht und sie können anderen Eltern schon nicht mehr erklären, wo Bisswunden und blaue Flecken ihrer Kinder herkommen. Die anderen Kinder haben mittlerweile gemerkt, dass dieses Kind eine „besondere“ Rolle einnimmt und irgendwie immer die „Schuld“ bekommt, wenn etwas schief geht – und sie nutzen es aus, und hauen dieses „spezielle“ Kind ständig in die „Pfanne“.

 

Sein sie ehrlich: Sie sind froh, wenn sie Feierabend haben oder das Kind mal krank ist.

 

Verständlich. Verständlich aber leider auch ungerecht. Lernen sie dieses „spezielle“ Kind zu lieben, denn dieses Kind hat ungeahnte positive Eigenschaften – sie müssen sie nur (wieder) finden. Diese „speziellen“ Kinder sind anders und werden es vielleicht auch immer bleiben. Sie passen mit ihrer Art zu leben, zu reden, zu denken und zu handeln nicht in unsere Gesellschaft und nicht in unseren Arbeitsalltag. Diese Kinder und ihre Eltern werden noch viele schwierige Jahre vor sich haben. Je eher wir diesen Kindern und auch den Eltern unseren Respekt und unser Verständnis entgegen bringen und je eher wir mit allen Beteiligten zusammen versuchen eine Lösung für diese Problematiken zu finden, um so eher können diese Kinder und ihre Familien ein „normales“ Leben führen.

 

AD(H)S ist nicht neu, geschweige denn eine Modekrankheit. Bereits 1845 „entdeckte“ der Berliner Psychologe Wilhelm Griesinger, dass hyperaktive Kinder die von außen einwirkenden Reize im Gehirn nicht entsprechend verarbeiten können und somit in ihrem Verhalten von der Norm abweichen.

 

Es kursiert immer noch die Meinung, bei Eltern, bei Ärzten in Schule und Kindergarten, das AD(H)S ganz sicher mit der Erziehung zusammen hängt. Eltern sind immer noch von den Vorurteilen betroffen, dass sie ihre Kinder besser erziehen sollten, dann klappt das schon. Es ist ganz sicher so, dass viele Kinder, welche die Anzeichen einer AD(H)S zeigen, keine AD(H)S Kinder sind, und dass das Fehlverhalten dieser Kinder sicher mit der nicht vorteilhaften Erziehung zusammen hängt. Aber allen Eltern zu sagen, dass das Verhalten ihrer Kinder nur mit der Erziehung zusammen hängt ist falsch. Wir haben in den letzten Jahren einen enormen gesellschaftlichen Wandel vollzogen, der unseren Kindern nicht immer gut tut – das sollten und dürfen wir nicht außer Acht lassen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der alles schneller, besser und nach Möglichkeit fehlerfrei und korrekt sein muss – zu Lasten unserer Kinder. Die Gesellschaft verlangt, dass die Kinder in weniger Schuljahren bessere Abschlüsse schaffen, dass sie nebenbei noch Tanzen, Ballett und eine dritte Fremdsprache beherrschen sollen und den „Knigge“ gelesen haben sollen. Wir überfordern unsere Kinder auf gesellschaftlich hohem Niveau und geben ihnen keine Gelegenheit mehr, kindgerecht zu lernen und zu entdecken. Dagegen ist der Schulunterricht alles andere als kindgerecht und verlangt gerade von AD(H)S Kindern Dinge, die sie nur sehr schwer, wenn überhaupt erbringen können. Wir streben heute nach dem Perfekten. Nach einer perfekten Erziehung, perfekten Eltern, perfekten Kindern, perfekter Bildung und merken nicht wirklich, dass a) Perfektionismus in Sachen Erziehung, Eltern sein und Kindern nicht funktionieren kann, da wir alles nur Menschen sind und b) das wir unseren Kindern damit keinen Gefallen tun sondern u.U mit dieser Einstellung alles verschlimmern. Was das mit AD(H)S zu tun hat? Da es Verhaltensweisen seitens der Eltern und der Betreuungspersonen gibt, die diese Symptomatiken verschlimmern können und AD(H)S Kinder eine andere Art der Förderung und des Lernens benötigen, müssen wir dies durchaus berücksichtigen.

 

Bei unseren Beurteilungen und Förderungen sollten wir diesen, nicht nur positiven Wandel unserer Zeit berücksichtigen und mit unseren Fördermöglichkeiten dafür sorgen, dass Kinder wieder mehr auf kindgerechte Weise Erleben und Leben dürfen. Kinder lernen durch eigene Erfahrungen, eigenes Handeln und eigene erfahrende Konsequenzen daraus. Kinder müssen sich bewegen, schaukeln, manschen, buddeln, fühlen und erfahren. Vielen Kindern sind diese normalen und alltäglichen Dinge fremd, da sie nicht mehr „frei“ hüpfen und toben dürfen und können, stattdessen zum Ballett oder Fußballunterricht gebracht werden. Kinder brauchen aber frei gewählte Bewegungen und Aktivitäten, um lebensnotwendige Wahrnehmungen trainieren und ausbilden zu können. Es konnte in zahlreichen Studien belegt werden, dass Kinder, die nicht frei forschen, entdecken, lernen, erfahren, erleben durften unter Konzentrationsstörungen und Aufmerksamkeitsstörungen litten. Alle Anzeichen dieser Kinder deuteten auf eine AD(H)S – es war aber keine! Seit Mitte der 90iger Jahre ist bewiesen, dass AD(H)S mit Wahrnehmungsstörungen zusammen hängt,

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Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: Corinna Wietelmann
Images: Corinna Wietelmann
Publication Date: 02-05-2014
ISBN: 978-3-7309-8103-0

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