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Vorwort

Die nachstehende Untersuchung ist das Ergebnis der gemeinsamen Aufbereitung einer Seminararbeit. Mit der Diskurstheorie von Jürgen Habermas und medienethischen Ansätzen wird die Forschungsfrage bearbeitet, inwieweit der Microblogging-Dienst Twitter sich als Diskursmedium eignet.

Darüber hinaus soll an einem Fallbeispiel die Spannung zwischen ethischen Grundsätzen und der Medienpraxis deutlich werden. Die Frage nach dem Vertrauen in die Authentizität des virtuellen Gegenübers wird dabei um die Frage nach der inhaltlichen Verlässlichkeit und nach dem Wahrheitsgehalt der Tweets ergänzt.

 

Köln, im August 2013

 

Matthias Weiler

Martin Gertler

 

Ergänzung:

Aufgrund von Korrekturen haben wir im Januar 2014 diese 2. Auflage erstellt.

1 Problemstellung, Zielsetzung und Forschungsfrage

Seitdem es Medien in Deutschland gibt, sorgen sie für Diskurse. Medien vermitteln Gesprächsthemen, transportieren politische Meinungen und beeinflussen dadurch das Leben der Gesellschaft.

Massenmedien werden entweder öffentlich-rechtlich betrieben oder durch Privatunternehmen wie Zeitungsverlage oder private Rundfunkanbieter. Medienethische Instrumente wie der Pressekodex sowie vertragliche und medienrechtliche Regelungen wie z. B. der Rundfunkstaatsvertrag stimulieren dabei medienethisch als relevant erkannte Handlungs- und Verhaltensweisen der Medienanbieter.

Seitdem sich im Internet das Mitmachweb bzw. Web 2.0 entwickelt hat, bestehen dort zahlreiche Kommunikationsmöglichkeiten, die den Empfänger auch zum Sender bzw. Kommunikator werden lassen. Die Partizipation an Blogs, durch die jedermann seinen Content unters Volk bringen kann, sowie die Teilnahme an sozialen Netzwerken wie Facebook und an Microblogging-Diensten wie Twitter stiegen in den letzten Jahren stetig an. Der bisherige Medienkonsument kann inzwischen zugleich auch als Medienproduzent agieren, er ist dann Prosument geworden.

Die Massenmedien haben das Potential dieser neuen modernen Medienkanäle für sich entdeckt: Jeden Sonntag tauschen sich Tatortfans in Echtzeit mithilfe von Twitter über die neueste Folge aus und bei der EM 2012 unterbrachen Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn ihre Berichterstattung mehrfach, um die Meinungen der Zuschauer über den ZDF-Twitterkanal einzubringen.

Doch – eignen sich moderne Medienkanäle wie Twitter zu einem gesellschaftlichen Diskurs, bei dem Verhaltensmuster als moralisch geboten bzw. verboten angesehen werden?

Ziel dieser Studie ist es, Twitter daraufhin zu untersuchen, ob eine grundsätzliche Eignung zum Diskurs gegeben ist und welche Fragen bei diesem Medium aus medienethischer Sicht zu stellen sind.

Dazu wird als Forschungsfrage formuliert:

Inwieweit eignet sich der Microblogging-Dienst Twitter als Diskursmedium und wo treten gegebenenfalls medienethische Dissonanzen auf?

Diese Frage soll anhand einer der über Twitter gestreuten Informationen bei der intermedialen Berichterstattung der Bundespräsidentenwahl im Jahre 2010 erörtert werden.

Hierzu ist zunächst die Frage zu klären, was als Diskurs bezeichnet wird und welcher Ansatz aus ethischer Sicht zu Grunde liegt. Da medienethischen Theorien auf Grundlagen von ethischen Theorien beruhen (vgl. Thimm u. a. 2012: 203 ff.), wird zur Klärung der Forschungsfrage die Diskursethik nach Habermas herangezogen.

Habermas’ klassische Theorie der Diskursethik soll so als Basis zur Bearbeitung der Forschungsfrage dienen. Nachdem dargelegt wurde, womit sich Medienethik befasst, sollen Habermas’ Ansätze für die Medienethik angewandt werden.

Daraufhin erfolgt die Anwendung der Ergebnisse auf das Fallbeispiel der Bundespräsidentenwahl, um abschließend die Forschungsfrage zu beantworten und die Befunde zu diskutieren.

2 Diskursethik und Medienethik

Dieses Kapitel geht auf den Begriff Diskurs ein, wobei es die weitreichende Bedeutung des Begriffs bei Habermas heranzieht.

Es ist anzumerken, dass es in der Philosophie verschiedene Sichten

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 01-10-2014
ISBN: 978-3-7309-7481-0

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