Cover




Das Böse lauert immer und überall (6)
Överall luert de Bumann (10)


Das Böse ist immer und überall

sweder van rencin

Ein paar Vereinsfreunde hatten beschlossen anstelle einer gemeinsamen Paddeltour eine per Rad zu unternehmen.
Mein Freund Erwin war beauftragt die Tour vorzubereiten. Er hatte dann, wie man das heute tut- im Internet nach Radwanderwegen Ausschau gehalten und war auf eine interessante Seite gestoßen, die aber doch mehr für Motorisierte geeignet war und er schloss diese Seite. (Um auf die kostenfreie! Seite zu gelangen musste man sich aber (wie üblich) mit Namen und Mailnummer anmelden- was Erwin auch getan hatte.)

Eine Woche später flatterte ihm ein Brief mit Rechnung von 60 Euro ins Haus und einem angehängten Dankeschön dafür, dass er sich als Nutzer dieser Seite angemeldet habe. Erwin verfluchte seine Dummheit, aber bezahlte die Rechnung.
Dann erst erzählte er mir davon. Ich beschnupperte die Seite und sagte ihm, dass er ein Riesenross gewesen sei- dieser Forderung nachzukommen. Es war nämlich nicht, wie nun endlich vom Gesetzgeber gefordert, deutlich ersichtlich, dass man einen Nutzungsvertrag auslöste.
Nun- es war geschehen- wir vergaßen die Sache und die Radtour wurde für uns alle ein wunderbares Erlebnis.
Einen Tag vor Neujahr rief mich Erwin an- ich sollte doch bitte ganz schnell vorbeikommen- es wäre wichtig.
Als ich kam- zeigte er nur auf den PC und sagte: „Lies mal“!
Da war zu lesen, dass sich das von Erwin bezahlte, aber nie von ihm genutzte Programm automatisch um weitere 12 Monate verlängert habe und die Gebühr von 60,- Euro bitte bis zum 5. Januar zu überweisen sei.
Erwin hat schon feuerrote Haare, aber nun war auch noch sein Kopf vor Wut gefärbt und er stieß schreckliche Drohungen aus.
Nachdem ich meinen Freund etwas beruhigt hatte, legte ich in einer Mail den Fall dar- sehr sachlich und fast freundlich, was Erwin erneut in Rage brachte und er mich vergebens zu überreden suchte- einige gepfefferte Schimpfworte in den Text einzubauen.
Am 4. Januar erhielt Erwin eine Mail; Sein Vertrag sei am 31.12. 2011 gekündigt- was ja nun wieder hieß, dass man Erwin doch weiter über den Tisch zu ziehen beabsichtigte.
Ich versuchte zu telefonieren, aber nach einer viertel Minute Klaviergeklimper brach jedes Mal die Verbindung abrupt ab.
Ich schrieb wieder eine Mail und nach 3 Tagen kam Antwort; man sei auch mit einer Ratenzahlung einverstanden- im Anhang wären die Bedingungen zu lesen.
Ich Esel legte also nochmals Widerspruch ein- und am 9. hatte Erwin bereits die 1. Mahnung im Kasten und das ganze war wie ein Drohbrief abgefasst. „Wollen Sie es wirklich so weit kommen lassen“? so die freundliche Überschrift- nebst einer Mahngebühr über 10,- Euro.
Jetzt platzte auch mir Galle und wir riefen einen Vereinsfreund an, dessen Schwager, wie wir wussten, einer Anwaltskanzlei vorstand. Der Schwager empfing uns noch am selben Tag und führte mit einem Kollegen ein kurzes Telefongespräch. Er meinte dann: „Eine bekannte Abzockseite- ihr hättet gar nicht reagieren müssen. „
Damit wir ruhig schlafen könnten, würde er das für uns aber entgültig regeln. Ein Freundschaftsdienst meinte er, als wir wegen eventueller Kosten fragten und Erwin hat dann der vollbusigen Vorzimmerdame noch einen Zehner für die Kaffeekasse gegeben.

„Mensch haste die Möpse gesehen!?“ meinte er grinsend, woraus ich schloss, dass seine ansonsten immer gute Laune Wiederkehr feierte.
Der Anwalt hielt Wort.
Gestern mailte man Erwin- bei der Kündigung sei versehentlich anstelle des Jahres 2010, das Folgejahr eingelesen worden und alle Zahlungsaufforderungen seien damit hinfällig.
Leider haben nicht alle so viel Glück wie Erwin, also seht euch vor, liebe Freunde.
Das Böse ist immer und überall!


(op Platt geiht dat op de neegst Siet wieder ...)


Överall luert de Bumann

(no een Geschicht vun sweder van rencin)
Nedderdüütsch vun Eduard M. Heinrichsen


Miene Frünnen ut `n Vereen un ik, wi wullt mol wat anners tosamen moken as jümmers man bloots mit`n Kanu över`t Water. De Drahtesel schall dat in düssen Johr sien un Erwin wör an de Reih, den Padd rut to söken.

He nimmt sik de Opgaav .to Harten un kiekt bi`t Internet (dat is so wat niemodsches in`n Computer, wor keen allens wies warrn kann). Erwin sökt sik een Siet rut, op de Landkoorten to sehn sünd. Nu markt he, dat de Siet bloots för Autofohrer is un he mokt de Siet wedder dicht.

Nu hett he sik mit Nomen un Adress anmelden müßt för den Bescheed. Een Week later kriggt he Post un schall 60 Euro betolen för de Siet mit de Koorten. Dösig as he is deit he dat ok. Un denn verklort he mi dat.Ik kiek mi de Siet an un segg to em, dat he een Dösbaddel is un he dat nich het betolen möten. Dat is keen echten Verdrag ween mit de Lüüd vun de Siet.

Wi hebbt de Saak op sik rohn loten un use Tuur mit de Drahtesels mokt. Schöön is dat ween.
Dat niege Johr is noch `n poor Daag hin, dor meld sik mien Fründ Erwin wedder bi mi. He schall de Siet 12 Maand wieder betolen, de Verdrag is nich künnigt worden hebbt se em schreven. Wedder sösstig Euro för nix. Erwin is bannig in Brass komen.
Nu hebbt wie een fründlich email, dat is `n elektronschen Breef, schreven. Ik hebb dor allens verklort un meent, dormit is de Saak ut de Welt. An`n 4. Januar hett Erwin een email kreegen, dat sien Verdrag erst an 31.12.2011 utlopen deit. Se wullt em wedder övern Disch trecken. Nu hebb ik dat mit den Feernspreker versöcht. Do hett lang Musik speelt un dann vun sölbens ophört. Fortens hebb ik noch `n email schickt un „Widerspruch“ inleggt. Veer Daag wieder hett Erwin de 1. Mahnung kregen un he shall tein Euro Mahngebühr betolen.

Dat weer toveel un wi hebbt een Frünn ut ´n Vereen anropen. De Mann vun sien Süster is Afkaat un de hett seggt, wi möt darop gor nich reagieren. Un he mokt dat kloor för us, Erwin schall nu weder ruhig slaapen.

Dat köst nix, hett de Afkaat noch seggt.He hett allens regelt kregen, de Lüüd vun de Siet hebbt schreven, dat dat „sehr bedauerlich“ ween is un de Saak för Erwin ut is. Mien Frünn hett de dralle Deern in`t Vorzimmer tein Euro för de Kaffekass geven un mi ankeken. He grient un frogt mi:“ Hest de Boss sehn?“ Do is mi klor wehn, he is wedder boben op.

Nu hebbt wi ja nich all so`n Dusel as Erwin, leeve Frünnen, passt op :

Överall luert de Bumann!


x-x-x-x-x-x-x-x-x-x

Imprint

Text: alle Rechte bei den Autoren Fotos: Eduard M. Heinrichsen
Publication Date: 03-14-2011

All Rights Reserved

Next Page
Page 1 /