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I.Erwachen

 

Ein Duft weckte sie. Jasmin und Lavendel stiegen ihr in die Nase und betörten ihre Sinne. Langsam öffneten sich die smaragdgrünen Augen, doch nur wenige Sekunden später waren sie fast schwarz. So weit musste sie ihre Pupillen in der Dunkelheit dehnen um das letzte Licht aufnehmen zu können. Langsam nahmen die Konturen des Raums wieder Gestalt an. Der alte, schwere Schrank am anderen Ende des Raumes ragte majestätisch in die Dunkelheit. Das wenige Licht, das der Neumond spendete, fiel auf den warmen Sand, welchen sie knöcheltief in den Raum gefüllt hatte. Als sie aufstand, um sich ins Bad zu begeben, sanken ihre Füße leicht ein. Sie liebte es, ihre Füße darin zu vergraben, während sie darauf wartete, dass sich die Wanne füllte. Sie streifte in einer einzigen fließenden Bewegung das weiße Satinnachthemd ab und legte sich ins Wasser. Kleine Schweißperlen auf ihrer Stirn zeigten, dass es wieder einmal viel zu heiß war. Aber genau so liebte sie es, zu spüren, wie ihr Herz schwerer schlug und auch ihr Atem schwerfälliger wurde. Sie genoss das alles eine kleine Ewigkeit lang. Ihr Weg, nachdem sie aus der Wanne gestiegen war, führte sie zum Fenster, um es zu öffnen. Die Luft einer lauwarmen Spätsommernacht umströmte ihren Körper und ließ Gänsehaut über ihren noch feuchten Rücken kriechen.

Leichte Kleidung, mit diesem Gedanken zog sie sich ein schwarzes Sommerkleid über und eilte zur Tür hinaus. Als sie das taufeuchte Gras unter ihren Füßen spürte, beglückwünschte sie sich selbst zu der Entscheidung, keine Schuhe angezogen zu haben.

II.Jagd

 

Langsam lief sie über die Wiese hinter dem Haus. Die Grashalme streichelten sanft ihre nackten Füße. Sie musste sich beherrschen, nicht ihre gute Laune zu verlieren, als sie von der Wiese auf den Asphalt trat. Zumindest war er warm und fühlte sich dadurch nicht ganz so unangenehm an. Im kleinen Umkreis um ihre Füße bildete sich leichter Nebel. Sie schlenderte die Straße entlang und freute sich über den sternklaren Himmel. Gut, dass die Laternen um diese Zeit schon aus sind. Sie genoss das Licht der Sterne und des Mondes in ihrem Haar. Es schien sich fast darin zu fangen und weiße Strähnen in das dunkle Rot zu zeichnen. Sie sah die Tür vor sich und wunderte sich, wie schnell sie gelaufen sein musste, um jetzt schon da zu sein. Mit einer einzigen, fließenden Bewegung griffen ihre schlanken Finger nach dem Türgriff, drückten diesen nach unten und schubsten beim Loslassen die Tür in den Raum. Nur einen Spalt. Genug für ihren kleinen Körper, um hindurchzupassen. Sie konzentrierte sich, den Raum nicht zu erwärmen. Sie durchquerte ihn mit so wenigen Schritten wie möglich und trat durch eine Art Torbogen, der den nächsten Raum abtrennte. Dort saß er auf einem Stuhl. Sie betrachtete ihn von hinten. Wenn er aufstehen würde, wäre er viel größer als sie. Ein Lächeln flog über ihre Lippen, denn es gab nicht viele, auf die das nicht zutraf. Er schien alt zu sein, viel älter als sie es war. Und er schien auf jemanden wie sie zu warten. Sie beschloss, sich bemerkbar zu machen und augenblicklich stieg die Temperatur im Raum um zehn Grad. Angenehmer. Der Mann sprang auf und sah sie entsetzt an.

 

„Du? Warum schicken sie dich?“, kamen die Worte fassungslos aus seinem Mund.

 

„Du hast gegen das Abkommen verstoßen. Es wurde bereits über dich entschieden. Ich bin hier, die Strafe zu vollstrecken.“, flüsterte sie und ihre Stimme war sanft und ruhig.

 

„Darf ich dich noch etwas fragen?“

 

„Bei den Menschen gibt es den Brauch, dass der Verurteilte einen letzten Wunsch hat. Doch wir sind beide keine Menschen.“ Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, stieg die Temperatur wahnsinnig schnell an. Innerhalb weniger Sekunden stand der gesamte Raum in Flammen. Durch den Luftzug wirbelten ihre Haare wild um den Kopf. Schreiend brach der Mann zusammen, um dessen Körper die Hitze am stärksten war.

 

„Es tut mir leid, aber das Gesetz ist eindeutig.“, sagte sie, drehte sich um und ging. Komplett niedergebrannt, ungewöhnlich hohe Temperaturen, keine Überreste, das sollten die Schlagworte auf den morgigen Titelseiten sein. Ihr Kopf war schon längst an einem anderen Ort. Dies war ihr einziger Auftrag für heute Nacht, sie wollte den Rest also genießen. In der Ferne waren die ersten Sirenen zu hören. Das brennende Gebäude erhellte die gesamte Straße und sie ärgerte sich, dass sie dadurch nun die Sterne nicht mehr sehen konnte. Sie schlenderte die Straße weiter hinunter, bis sie im Park ankam. Heute Nacht wollte sie nur noch Gras unter ihren Füßen spüren.

III.Versammlung

 

 

„Komm runter vom Baum, Naamah, der Rat verlangt nach dir.“ Paimona musterte sie mit gleichgültigen, tiefschwarzen Augen. Naamah kam mit einem Satz vom Baum gesprungen, auf dem sie bis eben noch die Sterne beobachtet hatte. Als ihre nackten Füße festen Halt im Gras fanden, legte sich ihr schwarz-blaues Haar wieder auf ihre Schultern, als hätte es dort einen festen Platz, von dem es nichts vertreiben könnte.

 

„Mein Auftrag ist erfüllt, und weitere stehen heute nicht an. Warum kann ich nicht in Ruhe die Sterne ansehen?“, Naamahs Stimme klang schon fast traurig.

 

„Ich weiß nur, dass der Rat nach dir verlangt. Deshalb bin ich hier. Darf ich dich was fragen?“, Paimonas Stimme wurde nachdenklich.

 

„Was willst du wissen?“, Naamah hob den Kopf und ihre Augen funkelten. Sie musste aufsehen, um dem Mala-ak in die Augen sehen zu können, doch bei Paimona störte es sie nicht.

 

„Bereust du manchmal deine Entscheidungen?“

 

„Bereust du, mir gefolgt zu sein?“

 

„Nein, aber in manchen Nächten, wenn du die Sterne ansiehst, sehne ich mich nach früher und bereue, unserem Herrn gefolgt zu sein.“ Naamahs Lachen schallte quer durch den Park.

 

„Lass das den Rat nicht hören, wir sind zur Neutralität verpflichtet, er ist nicht mehr unser Herr.“ Sanft legte sie ihre Hand auf Paimonas Wange und musste sich dazu schon fast strecken. Als diese die zärtliche Berührung spürte, hoben sich ihre großen, mit tiefschwarzen Federn bestückten Flügel leicht an. „Siehst du, deshalb mochte ich diesen Heuchler, dem du früher dientest, noch nie. Er verstieß dich ohne jede Gnade. Trauere nicht um das, was du hattest, sondern freue dich über das, was du hast.“ Hätte es Paimona nicht besser gewusst, wäre es ihr schon fast wie eine liebevolle Geste vorgekommen. Sie genoss es trotzdem und verdrängte die Sehnsucht.

 

„Wir treffen uns im Rat.“ Paimonas schwarze Augen wendeten sich gen Himmel und mit wenigen kräftigen Schlägen ihrer Flügel war sie außer Sichtweite. Auch Naahma wollte nun gehen. Während sich ihre Haare langsam dunkelrot färbten, dachte sie noch einmal an das Gesicht des Verurteilten. Er hatte müde ausgesehen. Keine Anzeichen von Angst waren in seinen Augen, so als wollte er für seine Tat bestraft werden. Als ihre Haare komplett die Farbe der Flammen angenommen hatten, wurde sie auch schon von diesen erfasst und verzehrt.

 

-/-

 

Fast alle waren anwesend.

 

„Kannst du nicht damit aufhören?“ Baalberith blickte Gog durchdringend an, welcher mit den Fingern ungeduldig auf dem Tisch herumtippte. Dieser jedoch ignorierte den Advokaten, weil er ihn wahnsinnig langweilte und sprach zum Metatron gewandt.

 

„Ich empfinde diesen Rat immer wieder aufs Neue als eine solch herrliche Zeitverschwendung.“ Gerade als dieser anhob, zu antworten, wie wichtig es sei, Übereinkünfte zu treffen und dass Gog nicht hier wäre, würde sein Herr nicht genau so denken, öffnete sich die Tür und Paimona betrat den Raum. Doch als alle Anwesenden voller Spannung herumfahren wollten, um zu sehen, wer da kam, schlug eine Flamme in der Mitte des Raumes aus dem Boden und im nächsten Moment stand Naamah lächelnd mitten im Raum. Mit einer

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Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 02-24-2015
ISBN: 978-3-7368-8068-9

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Danke der Frau, die die Dämonen meiner Rechtschreibung austrieb.

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