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The Lord of Fashion

 

 

§ Eine Liebe gegen alle Gesetze §

 

 

 

Von

Sandra Eckervogt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung des Werkes ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig und strafbar. Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks und der Übersetzung, sind vorbehalten! Ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Autors/Verlages darf das Werk, auch nicht Teile daraus, weder reproduziert, übertragen noch kopiert werden, wie zum Beispiel manuell oder mithilfe elektronischer und mechanischer Systeme inklusive Fotokopien, Bandaufzeichnungen und Datenspeicherung. Zuwiderhandlung verpflichtet zu Schadenersatz.

Alle Namen, Orte und Geschehnisse, sind vom Autor frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten sind rein zufällig!

 

 

Vorwort

 

Liebe Leser und Leserinnen!

 

Diese Liebesgeschichte habe ich in einem sogenannten

„Soap-Stil“ geschrieben. Das wiederum bedeutet:

Dialoge und Situationen können euch vielleicht etwas zu „kitschig“ und „übertrieben“ vorkommen.

Einige meiner Kollegen/Kolleginnen, die das Buch bereits lesen durften, finden: genauso muss es sein und sind hellauf begeistert! Es ist eine gesunde Mischung aus Betriebsratsarbeit und Liebe.

Vielen Dank für euer ehrliches Feedback.

Also legt bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage.

Immerhin handelt es sich hier um eine fiktive Geschichte.

Die Gedanken sind frei und Geschmäcker verschieden.

 

Doch wer weiß? Vielleicht hat sich manches wirklich so zugetragen?

 

Ich wünsche allen Betriebsräten, weiblich oder männlich, alles Gute, viel Kraft, ein dickes Fell und nie die Hoffnung verlieren!

Und ich grüße all meine Kollegen und Kolleginnen auf der ganzen Welt!

Und natürlich die Geschäftsleitung!

 

Eure Sandra

 

Information:

BR= Betriebsrat

Ein Betriebsrat ist eine institutionalisierte Arbeitnehmervertretung in Betrieben, Unternehmen und Konzernen. Das Wort bezeichnet fachsprachlich das betriebsverfassungsrechtliche Mitbestimmungsorgan, umgangssprachlich wird darüber hinaus oft auch ein einzelnes Mitglied des Organs als Betriebsrat oder Betriebsrätin bezeichnet.

In Deutschland und Österreich ist der Betriebsrat ein Organ zur Mitbestimmung und Vertretung der Arbeitnehmerinteressen der auch an betrieblichen Entscheidungen mitwirkt. Rechtliche Grundlage in Deutschland ist das Betriebsverfassungsgesetzt nach welchem Arbeitnehmer eines Unternehmens mit mindestens fünf ständigen und wahlberechtigten Arbeitnehmern berechtigt sind, einen Betriebsrat zu wählen.

GBR= Gesamtbetriebsrat

Bestehen in einem Unternehmen mehrere Betriebsräte, so ist ein Gesamtbetriebsrat zu errichten.

Die gesetzliche Grundlage ergibt sich hierfür in Deutschland aus den §§ 47 - 53 Betriebsverfassungsgesetzt (BetrVG).

Der Gesamtbetriebsrat ist originär zuständig, wenn eine Angelegenheit das gesamte Unternehmen oder wenigstens mehrere Betriebe betrifft und nicht durch die einzelnen Betriebsräte innerhalb ihrer Betriebe geregelt werden kann, also eine unternehmenseinheitliche oder betriebsübergreifende Regelung objektiv zwingend erforderlich ist. (vgl. § 50 Absatz 1 BetrVG). Dieses kann sich aus technischen oder rechtlichen Gründen ergeben. [1] Eine Zuständigkeit des Gesamtbetriebsrats besteht auch, wenn ein Betriebsrat eine in seinen Zuständigkeitsbereich fallende Angelegenheit an den Gesamtbetriebsrat nach § 50 Absatz 2 BetrVG delegiert hat.

GBA= Gesamtbetriebsrats-Ausschuss: ist „sozusagen“ das Gremium des GBR.


Quelle: wikipedia

 

Prolog

 

§ New York §

 

Torben Danzas stand im zwanzigsten Stockwerk am Fenster und blickte auf die vollen Straßen von New York hinunter. Hupende Yellow Cab Taxis, bunt leuchtende Reklametafeln an den gegenüberliegenden Gebäuden, Hunderte von Menschen, die von der Arbeit kamen oder auf dem Weg dorthin waren. Hinzu kamen Tausende von Touristen, die New York zu jeder Jahreszeit besuchten. Wie fleißige Ameisen flitzten die Menschen über die Gehwege der Millionenmetropole.

Ab morgen würde er nicht mehr hier sein. Sein Flug ging um zehn Uhr und brachte ihn zurück nach Berlin, seine Heimat. Einerseits war er froh darüber, denn die letzten Monate in Amerika waren nicht einfach gewesen: die Neueröffnungen der großen Filialen von LORD FASHION in Las Vegas, San Francisco und hier in New York, die Probleme mit der hiesigen Gewerkschaft, die sehr viel Wind in der Presse verbreitet hatte. Zu seinem persönlichen „Glück“, hatte vor drei Monaten seine amerikanische Freundin Schluss gemacht, da sie eine neue Stelle in San Francisco bekommen hatte. Wenn er jetzt zurückblickte, wurde ihm klar, dass es gar keine richtige Liebe gewesen war. Was hielt ihn hier noch? Da kam der Anruf vor zwei Wochen sehr gelegen. Ludwig Karl Wichmann, der Besitzer und Gründer von LORD FASHION, bot ihm einen Posten an, der nicht hätte besser sein können. Torben sollte der neue Firmenchef von Deutschland werden und die Verantwortung über hundert Filialen übernehmen.

Dieses Angebot hatte er wirklich nicht ablehnen können und willigte, ohne groß zu überlegen, ein.

Seine Koffer waren gepackt und nun freute er sich auf seine neue Herausforderung in Deutschland, dem größten Markt von LORD FASHION.

Der Hauptsitz war in Berlin und zu seinem Glück hatte er mit Hilfe seines älteren Bruders Jens, der dort als Arzt eine eigene Praxis besaß, schnell die passende Wohnung gefunden.

Torben trat zu seinem Schreibtisch, auf dem lediglich noch eine Lampe stand, löschte das Licht und schloss langsam die Tür hinter sich.

Goodbye, New York.

 

1. Kapitel


§ Berlin §


„Ich habe dich schon zweimal aufgefordert, meine Filiale zu verlassen!“, keifte die Filialleiterin, und stemmte ihre Hände in die Hüften.

Bonny Sue blieb gelassen. „Ich habe das Recht hier zu sein.“

„Ich will niemanden vom Gesamtbetriebsrat hier sehen, das habe ich auch schon mehr als zweimal erwähnt!“, zickte sie weiter.

„Ach? Das sehen deine Kollegen aber ganz anders“, grinste Bonny Sue gekünstelt.

„Probleme gibt es überall, das heißt aber noch lange nicht, dass wir einen sinnlosen Betriebsrat im Haus brauchen!“

„Das sehen die Mitarbeiter ebenfalls ganz anders, Patrizia.“

Ihre Augen wurden schmal und nun verschränkte sie die Arme vor ihrer Brust. „Na, dann gib mir doch bitte die Namen, dieser besagten Mitarbeiter.“

„Klar, ich hau die Personen sicherlich nicht in die Pfanne!“

„Dann lügst du! Ich komme hier mit allen blendend aus, wenn hier irgendjemand Probleme hat, gehört er nicht zu LORD FASHION, so einfach ist das!“

„Der Wahlvorstand ist schon bestellt und in vier Wochen ist die Wahl. Dann wollen wir mal sehen, wer nicht zu LORD FASHION gehört. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag, Patrizia.“ Mit diesen Worten ließ sie die Filialleiterin stehen und ging.


Sie war gerade in ihrer eigenen Filiale eingetroffen, als sie ans Telefon gerufen wurde. „Bonny? Telefon für dich!“

Sie legte ihre Tasche im Büro ab und nahm den Hörer.

„Ja, Bonny hier!“

„Oh gut, dass ich dich erreiche, Bonny. Patrizia macht Ärger“, erklang die aufgeregte Stimme von Tina.

„Ich bin ja auch gerade weg“, seufzte sie. „Wieso, was ist denn?“

„Sie hat Lars angerufen und ein Heidentheater gemacht, dass du ihre Leute zum Boykott anstiftest und ohne ihr Wissen ein Wahlvorstand einberufen wurde. Sie holt sich gerade jeden Mitarbeiter einzeln ins Büro und setzt ihn unter Druck!“, berichtete sie.

Bonny zog eine Grimasse und fasste sich an die Stirn. „Na super! Ich werde sofort mit Lars telefonieren und du beruhigst die Leute. Sie sollen auf keinen Fall irgendetwas unterschreiben oder sich einschüchtern lassen. Die blufft nur. Ich werde dann gleich wieder zu euch kommen, okay? Schaffst du das, Tina?“

„Hoffe ich doch! Es sind schon zwei heulend aus dem Folterzimmer rausgekommen“, sagte sie mit belegter Stimme.

„Wer denn?“, wollte Bonny wissen.

„Sabine und Tilly.“

„Da hat sie sich die Schwächsten als Erstes reingeholt. Also, Tina, ich rufe jetzt Lars an und komme, so schnell es geht, zu euch rüber, okay?“, versuchte sie ihre Kollegin in der anderen Filiale zu beruhigen.

„Ich danke dir, Bonny, und bring bitte Taschentücher mit, hier werden wohl noch mehr Tränen fließen.“


„Hey, Lars, Bonny hier. Wie ich gehört habe, bist du auf dem Weg zu Patrizia?“

„Das hat sich aber schnell herumgesprochen“, lachte er sanft. Lars war Bezirksleiter. Er betreute alle Berliner Filialen von LORD FASHION.

„Lars, ehrlich, so geht das nicht! Mich hat gerade eine Kollegin angerufen und erzählt, dass Patrizia alle zu sich ins Büro holt und denen die Hölle heiß macht, nur weil der Wahlvorstand einberufen wurde.“ Bonny konnte sich nur schwer beherrschen.

„Sie hat mir erzählt, dass du sie provoziert hast und alle Kolleginnen gegen sie aufhetzt, das geht ebenfalls nicht.“

„Was hat sie? Dass ich nicht lache! Also ehrlich, Lars, wie du weißt, habe ich vom GBR die Befugnis, in alle Filialen zu gehen und bei den Wahlvorbereitungen meine Unterstützung zu geben!“

„Das weiß ich, aber vielleicht solltest du einen anderen Ton anschlagen. Vielleicht fühlen sich die Leute durch deine Art provoziert?“, nahm er die Filialleiterin in Schutz.

„Wie bitte? Wenn sich jemand im Ton vergriffen hat, dann ja wohl sie! Lars, sie setzt die Mädchen so unter Druck, dass sie weinend aus dem Büro rennen!“ Jetzt wurde sie sauer. „Das kann es doch wohl nicht sein!“

„Na, jetzt übertreib nicht. Ich bin ja auf dem Weg und schaue mir die Sache aus der Nähe an.“

„Ja und ich komme auch und zeige dir mal, was wirkliche Nähe ist. Bis gleich!“ Ehe er etwas erwidern konnte, hatte sie den Hörer hingeknallt. „Ich glaub ich spinne!“, fluchte sie laut vor sich hin und schnappte sich ihre Tasche.

„Musst du schon wieder weg?“, fragte Conny überrascht. Conny war ihre Filialleiterin und zum Glück war sie auf Bonnys Seite.

„Ja, es gibt in der Filiale Ärger und Lars kommt gleich.“ Mehr sagte sie nicht und verschwand.


Bonny stürmte die Treppen zum Büro hoch und hörte Patrizia schon von Weitem laut toben. Sie klopfte an und trat ins Zimmer.

„Was will die denn hier?“, rief Patrizia wütend.

Die will dich mal von deinem Trip runterholen!“, konterte Bonny.

Lars hob beschwichtigend die Hände. „Langsam, langsam, mit diesen Freundlichkeiten werden wir gar nichts erreichen. Also, Mädels, reißt euch zusammen!“, ermahnte er sie höflich.

Patrizia schmollte kurz. „Was gibt ihr das Recht, hier einfach meine Mitarbeiter zu bequatschen, damit ein Betriebsrat entsteht?“

„Das Gesetz, Patrizia, das liebe Gesetz!“

„Wer ist denn im Wahlvorstand, Bonny?“, wollte Lars wissen und holte sich Stift und Papier.

„Tina, Mareike und Billy.“

„Okay.“ Er notierte sich die Namen und blickte zu Bonny hoch. „Und wann finden die Wahlen statt?“

„In vier Wochen und sie werden stattfinden!“, betonte Bonny extra und warf Patrizia einen bösen Blick zu, die diesen ebenso erwiderte.

„Patrizia, warum bist du der Meinung, das Bonny deine Kollegen aufhetzt?“, fragte er sie direkt.

„Sie spaziert andauernd durch meine Filiale, hält meine Mitarbeiter von der Arbeit ab und setzt ihnen Flöhe ins Ohr, dass das Arbeiten mit einem Betriebsrat wesentlich besser sei als jetzt“, zählte sie die Schandtaten von Bonny auf, die daraufhin ihre Augen verdrehte.

Lars wandte sich Bonny zu. „Stimmt das?“

„Was? Das mit den Flöhen?“, scherzte sie trocken.

„Bitte, Bonny, das ist eine ernste Sache“, ermahnte er sie.

„Ach, auf einmal ist es eine ernste Sache? Ja, ich bin des Öfteren in dieser Filiale gewesen, und ja, ich habe jedes Mal mit unseren Mitarbeitern gesprochen. Und da wir ein sauberes Unternehmen sind, habe ich ihnen keine Flöhe ins Ohr gesetzt, sondern lediglich Aufklärungsarbeit geleistet“, stellte sie ihren Standpunkt klar.

„Pfff…seitdem sie hier gewesen ist, spielen meine Mitarbeiter verrückt!“, argumentierte Patrizia dagegen.

„Deine Mitarbeiter, wie du sie immer so schön nennst, können dich nicht ausstehen. Das ist das Problem und deswegen wehren sie sich!“, warf Bonny ihr vor. Sie hatte das Gefühl, dass Patrizia gleich explodieren würde.

„Wie bitte? Meine Mitarbeiter können mich nicht ausstehen? Jetzt gehst du eindeutig zu weit!“

„Das möchte ich auch gerne wissen. Wie kommst du darauf, Bonny? Das ist eine harte Unterstellung.“

Bonny grinste sie triumphierend an. „Na, weil sie es mir erzählt haben. Sie ruft bei den Kranken an und fragt nach, ob sie nicht schon eher wieder arbeiten können, denn eine Grippe ist doch nichts. Oder sie scheißt die Abteilungsleiter zusammen, weil sie die Werbung nicht richtig aufgebaut haben, und droht mit Gehaltskürzung! Die Urlaubspläne werden einfach umgeschmissen, … der jeweilige Mitarbeiter hat aber bereits gebucht!“

„Das ist ja wohl die Höhe! Was fällt dir ein, so was zu behaupten? Verlass sofort meine Filiale!“, schrie Patrizia, außer sich vor Wut.

Bonny blieb ganz gelassen und lächelte Lars breit an. „Mit ihr kann man nicht vernünftig reden. Und so cholerisch reagiert sie immer und bei jedem“, versicherte sie ihm.

Lars seufzte. „So kommen wir nicht weiter. Also, … laut Gesetz darf jeder einen Betriebsrat gründen und das ist nun mal in dieser Filiale der Fall. Es ist auch erlaubt, dass Bonny diese Wahl begleiten und unterstützen darf. Ich schlage vor, dass du, Bonny, deine Arbeit weitermachst, dich aber mehr im Hintergrund hältst.“

„Was? Du unterstützt sie noch!“, rief Patrizia entsetzt und Bonny hätte ihr am liebsten die Zunge rausgestreckt, konnte sich aber gerade noch beherrschen.

„Bitte, Patrizia und wir unterhalten uns noch einmal in aller Ruhe darüber, okay?“, versuchte Lars die Situation in den Griff zu bekommen.

Patrizia wollte protestieren, hielt aber dann doch lieber den Mund und brummte nur.

„Sie soll bitte mit dem Terror und den Einzelgesprächen aufhören. Mehr verlange ich nicht“, sagte Bonny.

„Terror? Wer macht denn hier Terror? Du spielst dich hier auf, wie Robin Hood!“, brüllte Patrizia.

„Und Verräter wurden damals gehängt!“, schnarrte sie spöttisch.

„Bonny! Es reicht, geh jetzt! Ich kümmere mich um den Rest und melde mich bei dir“, sagte er mit fester Stimme.

Bonny grinste und verließ das Büro.


Sie stellte ihre Tasche ab und kickte ihre Schuhe in die Ecke. Als sie gerade in der Küche war, klingelte ihr Handy. „Hat man denn nie Feierabend?“ Sie kramte es aus ihrer Tasche. „Hey, Sabrina! Was gibt es denn?“

Sabrina war die erste Vorsitzende vom Gesamtbetriebsrat und arbeitete in einer großen Hamburger Filiale. „Störe ich?“

„Aber nein, was kann ich für dich tun?“

„Ich wollte dir nur sagen, dass wir morgen um elf eine Telefonkonferenz haben.“

„Ach und warum?“ Sie holte sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank.

„Halt dich fest, ich habe heute erfahren, dass wir ab morgen einen neuen Deutschlandchef haben!“, berichtete sie aufgeregt.

„Was! Und Michael?“, fragte Bonny überrascht.

„Der hat seinen Rücktritt bekanntgegeben, da er nach Frankreich geht. Er wechselt zu einer anderen Firma.“

„Wenn er schlau ist. Und wer ist der Neue?“

„Torben Danzas.“

„Nein? Doch nicht der Torben Danzas, der als Tellerwäscher bei LORD FASHION angefangen hat?“

„Doch, genau dieser Tellerwäscher ist unser neuer Boss“, bestätigte Sabrina.

„Oh Mann, ich weiß noch, als ich ihn vor fünf Jahren kennengelernt habe, da war er Bezirksleiter.“ Sie sah ihn direkt vor sich. Ein junger Schnösel mit Pickeln, hässlicher Frisur und Brille.

„Du weißt ja, wie schnell man in unserem Unternehmen aufsteigen kann“, lachte sie.

„Nur Betriebsräte nicht“, seufzte Bonny und erzählte Sabrina von ihrem heutigen Tag.

„Na, da bin ich aber gespannt. Du bekommst dieser Tage auch die Einladung zur GBR -Versammlung.“

„Oh ja, schön. Du, Sabrina? Kannst du mir einen Gefallen tun und noch mal mit Lars sprechen?“

„Klar, mache ich. Dann wünsche ich dir einen schönen Abend, wir hören uns morgen auf der TK und sehen uns in drei Wochen in Berlin.“



2. Kapitel


Torben lächelte freundlich in die Kamera und gab an diesem Tag zig Leuten die Hand und Interviews. In keinem anderen Land war es so eine Sensation wie in Deutschland, der neue Chef von LORD FASHION zu sein.

Nach der ganzen Öffentlichkeitsarbeit zog er sich mit seinem neuen Team in sein Büro zurück und wurde über alle wichtigen Angelegenheiten unterrichtet.

„Im Moment haben wir die meisten Schwierigkeiten mit Gründungen von Betriebsräten“, informierte Stefan ihn, der als Finanzmanager und stellvertretender Chef in diesem Unternehmen fungierte.

„Wirklich? In New York hatten wir ebenfalls Probleme. Unser Pressesprecher hatte alle Hände voll zu tun. Zum Glück musste ich mich nicht mit dem Thema auseinander setzen. Betriebsräte sind sehr heikel und teuer“, bestätigte er.

Stefan nickte. „So sieht es aus. Und da unser Chef auf Kosten besonders fixiert ist, sind diese Betriebsräte der größte und sinnloseste Kostenfaktor im Unternehmen. Er möchte, dass wir sie so schnell es geht, loswerden und alles von ihm abschirmen.“

„Okay, dafür bin ich auch. Es reicht mir, was ich in den Staaten miterlebt habe. Das muss in Deutschland nicht auch noch passieren. Ich möchte alle wichtigen Daten von den bestehenden Betriebsräten; wer jeweils den Vorsitz hat und welche Positionen sie vertreten. Ob sie auffallen, sich hart für den BR einsetzen, wer zurzeit am meisten Schwierigkeiten macht…“, verlangte Torben.

Es kam Gelächter auf, worauf er fragend in die Runde blickte. „Was lacht ihr?“

„Einen Namen können wir dir schon jetzt sagen“, grinste Naya, die Personalchefin.

„Und der wäre?“, fragte Torben.

„Bonny Sue aus 007“, antwortete Stefan.

„Oh, etwa ein Bond Girl, das eine Mission zu erfüllen hat?“, scherzte Torben.











§ Filiale 010/ Berlin Mitte §


Mandy blickte ihren Filialleiter, Sunil, entsetzt an. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Wir haben dir sechs Wochen Zeit gegeben!“

Sunil blieb die Ruhe selbst und legte ein überhebliches Grinsen auf sein hübsches Gesicht. „Du weißt doch, wie viel wir in den letzten Wochen zu tun hatten. Oder willst du mir etwa weismachen, dass ein lächerliches Seminar wichtiger ist, als der starke Umsatz, den wir benötigen, um dein Gehalt zu bezahlen?“

Mandy schluckte die schwerwiegenden Worte ihres Chefs hinunter und schloss kurz die Augen, um nicht zu explodieren. „Lieber Sunil, Seminare stehen uns Betriebsratsmitgliedern nun einmal zu, starker Umsatz hin oder her. Ich werde auch gar nicht weiter mit dir darüber diskutieren, denn unser Anwalt ist bereits informiert und leitet alles in die Wege.“

Das überhebliche Grinsen verschwand augenblicklich aus seinem Gesicht und seine Augen wurden schmal. „Das solltest du dir lieber noch einmal überlegen. Wenn du einen Anwalt einschaltest, bedeutet das unnötige Kosten, und die muss ich hier in der Filiale einsparen. Das wiederum bedeutet, dass eine Mitarbeiterin nicht oft eingeteilt wird.“ Er beugte sich ihr gefährlich entgegen. „Und wie du weißt, hat Jenny gerade ihre eigene Wohnung bezogen. Hm? Was meinst du wohl, wie sie die Miete zahlen soll?“

„Das wagst du nicht!“Mandy schnappte nach Luft.

Sunil stand graziös auf und lächelte auf sie nieder. „Willst du das Risiko wirklich eingehen? Außerdem, nur weil du die Vorsitzende bist, heißt es noch lange nicht, dass du hier machen kannst, was du willst.“

„Ich mache hier nicht was ich will, sondern habe lediglich mein Recht auf Fortbildung geltend gemacht. Du musst nicht meinen, dass du hier einen Freifahrtsschein hast, nur weil du Filialleiter bist. Du wirst von unserem Anwalt hören.“


Mandy setzte sich umgehend mit genau diesem Anwalt in Verbindung, der die nötigen Schritte unternahm. Noch am selben Tag wurde Sunil per Kurier ein Brief zugestellt.


Zwei Tage später stürmte Jenny völlig erbost zu Mandy und gab ihrem Ärger Luft. „Ich glaube, ich spinne! Der Blödmann hat mich fast den ganzen Monat gestrichen! Wie soll ich denn jetzt meine Miete bezahlen?“

Mandy starrte fassungslos auf die Arbeitspläne. Sunil hatte seine Drohungen tatsächlich sofort in die Tat umgesetzt und Jenny nur noch für ihre gesetzlichen Pflichtstunden eingeteilt - die lagen laut Tarifvertrag bei lächerlichen zwanzig Stunden pro Woche. „Dieser Idiot!“

„Was habe ich denn angestellt, dass er mich plötzlich so streicht?“ Jenny war den Tränen nahe.

Mandy seufzte schwer und erklärte Jenny, warum Sunil diese miese Aktion veranstaltet hatte. „Tja, und das ist jetzt sozusagen seine Retourkutsche.“

„Was! Nur weil er dich nicht auf ein Seminar lässt, kann ich meine Miete nicht bezahlen?“

„Genau. Wir müssen uns etwas einfallen lassen. Wenn wir jetzt nachgeben, geht das immer so weiter“, versuchte Mandy ihre verzweifelte Kollegin zu beruhigen.

„Na, du hast gut reden. Damit du ein Seminar besuchen kannst, fliege ich nach nur zwei Monaten wieder aus meiner Bude!“, brauste Jenny auf.

„Jetzt warte erst einmal ab. Ich werde Bonny Sue anrufen, vielleicht weiß sie einen guten Rat, okay?“


In der Zwischenzeit schnappte Sunil sich Jenny und bat sie in sein Büro. „Bitte, Jenny, nimm doch Platz.“

Sie setzte sich.

„Ich möchte sehr gerne mit dir über die Arbeitspläne sprechen. Wie du gesehen hast, wurdest du öfter ausgetragen.“

„Genau, und ich möchte gerne wissen, warum.“

Sunil faltete seriös die Hände und blickte sie ebenso an. „Ja, weißt du, … es liegt an Mandy. Wie sie dir sicherlich schon erzählt hat, will sie unbedingt zu einem Seminar. Nun ja, wie soll ich das sagen? Sie benötigt es eigentlich gar nicht.“

Jenny zog fragend eine Braue hoch. „Ach, nicht?“

„Nein. Es geht darum, wie unsere Bürokraft die Arbeitszeiten besser berechnen kann, und wie du ja weißt, ist Mel doch wirklich Spitze in dieser Hinsicht. Oder findest du, dass sie schlechte Arbeit leistet?“

„Nein?“ Sie schüttelte sachte den Kopf.

„Siehst du? Also, warum soll Mandy dann auf ein Seminar fahren, das über zweitausend Euro kostet? Hinzu kommen dann noch die Hotelkosten, denn die Fortbildung findet in Lübeck statt und nicht hier in Berlin.“

„Zweitausend Euro für ein Seminar?“, wiederholte Jenny pikiert. „Das sind vier Monate meiner kompletten Mietkosten!“

Sunil lehnte sich zurück und grinste Jenny hinterlistig an. „Und da ich diese immensen Kosten verbuchen und ja auch irgendwie wieder einsparen muss, musst du wiederum leider zu Hause bleiben.“

„Also, wenn Mandy nicht fahren würde, würde ich wieder voll eingeplant werden?“, wiederholte sie zu ihrem Verständnis.

„Genau. Und nun sei doch mal ehrlich: Glaubst du wirklich, dass Mandy in einer Woche für zweitausend Euro mehr lernt als unsere liebe Mel, die den Job schon seit vielen Jahren ausübt? Und wie, denkst du, muss Mel sich fühlen, wenn sie erfährt, dass Mandy hinterrücks an ihrem Stuhl sägt?“, redete er hinterlistig auf sie ein.

Jenny pustete laut aus und fuhr sich durch ihr Haar. „Ich möchte nicht, dass Mel ihren Job verliert.“

„Genauso wenig wie ich möchte, dass du deine neue schicke Wohnung verlierst. Also?“


Mandy hatte Bonny Sue erreicht und diese wollte gleich morgen in die Filiale kommen, um noch einmal in Ruhe und sachlich mit Sunil über dieses heikle Thema zu sprechen.

„Ah Jenny, gut, dass ich dich sehe. Ich habe mit Bonny Sue gesprochen, sie kommt morgen und klärt die Sache.“

„Sag mal, stimmt es, dass du Mels Posten haben willst?“, fragte Jenny direkt.

Mandy stutzte. „Was? Mels Posten? Wer sagt das denn?“

Jenny verschränkte abwartend die Arme vor ihrer Brust. „Sunil hat mir reinen Wein eingeschenkt. Er sagt, du willst dieses Seminar nur machen, damit Mel ihren Job verliert.“

„WAS? So ein Blödsinn, ich will doch nicht, dass Mel ihren Job verliert!“

„Ach, und warum willst du dann unbedingt dieses Seminar machen, wo es um Arbeitszeitberechnung geht, die du eigentlich gar nicht machen musst?“ Jenny behielt den anklagenden Ton bei.

„Ich würde gerne dieses Seminar besuchen, um einen Einblick zu erhalten, um mitreden zu können. Damit ich euch helfen kann, wenn es Probleme mit den Stunden gibt“, verteidigte sich Mandy und glaubte nicht, was Jenny ihr da eigentlich vorwarf.

„Und dafür musst du ein Seminar besuchen, das … zweitausend, ich wiederhole … zweitausend Euro kostet? Weißt du eigentlich, dass ich mit zweitausend Euro, fünf Monate meine Miete bezahlen könnte?“

„Was hat dir Sunil eigentlich für einen Mist erzählt?“ Mandy wurde langsam sauer.

„Mist? Sunil hat mir keinen Mist erzählt, sondern die Wahrheit. Wenn du unbedingt zu diesem scheiß Seminar fahren willst, bekomme ich nur meine Pflichtstunden und dann kann ich gleich wieder zu meinen Eltern ziehen! Vielen Dank, Mandy, du bist ja eine tolle Betriebsrätin! Und dich habe ich auch noch gewählt!“ Mit diesen Worten ließ Jenny sie einfach im Flur stehen.


Als Mandy zur Kaffeepause ging, spürte sie schon die Auswirkungen, denn Olga trat auf sie zu. „Sag mal, stimmt es, dass du schuld daran bist, dass Jenny ihre Bude verliert?“

Mandy verdrehte theatralisch die Augen. „Nein, ich bin nicht schuld, und nein, Jenny wird auch nicht ihre Bude verlieren!“

„Aha. Und warum spaziert Jenny durchs Haus und erzählt so einen Quatsch? Sie sagt, weil du zum Seminar fahren willst und das zu teuer ist, wird ihr die Arbeitszeit gestrichen.“

„Olga, ich kann dir versichern, dem ist nicht so. Du kennst doch unseren lieben Sunil, der verdreht einem die Wörter im Mund um.“

„Tja, dann würde ich an deiner Stelle mit unserem lieben Sunil mal ein ernstes Wörtchen reden.“

Mandy starrte in ihre Kaffeetasse und seufzte. „Das werde ich…das werde ich.“


§ Am nächsten Tag §


Mel holte sich gerade die Stempelkarten, als sie Mandy bei den Spinden entdeckte. „Ah, guten Morgen, Mandy, hast du mal einen Moment Zeit für mich?“

Mandy wusste sofort, worum es ging, und folgte ihr in das Büro. „Nein, ich will deinen Posten nicht, und nein, ich bin nicht schuld daran, dass Jenny ihre Bude verliert.“

Mel nahm sofort eine abwehrende Haltung ihr gegenüber ein. „Aha, … da hat Sunil mir aber etwas ganz anderes erzählt.“

„Ja, das ist mir auch schon zu Ohren gekommen. Aber er hat dir etwas ganz Falsches erzählt, das ist das Problem, Mel.“

„Willst du etwa damit sagen, dass Sunil, unser Filialleiter, mich angelogen hat?“

„Auf alle Fälle hat er dir nicht die Wahrheit gesagt. Ich will dir doch nicht den Job wegnehmen, nur weil ich ein Seminar besuchen möchte, in dem es um Arbeitszeitberechnungen geht“, stellte Mandy klar.

Mel wandte sich kurz von ihr ab, und als sie sich wieder zu ihr umdrehte, wirkte ihr Gesicht noch immer böse. „Tut mir leid, Mandy, aber ich vertraue da voll und ganz, Sunil.“

„Das tut mir leid, Mel, denn ich habe wirklich nicht vor, deinen Posten zu ergattern. Du kennst mich doch jetzt schon so lange, traust du mir so eine hinterhältige Gemeinheit wirklich zu?“ Mandy trat zu ihr und sah sie eindringlich an.

Um Mels Mundwinkel zuckte es. „Man kann den Leuten immer nur vor den Kopf gucken.“

„Ja, das merke ich auch gerade. Und wie ich sehe, kann ich dich nicht von meiner Unschuld überzeugen.“ Sie verließ das Büro, stempelte und begab sich auf die Verkaufsfläche.

Mann, das durfte doch nicht wahr sein! Sunil hatte es tatsächlich geschafft und sie binnen weniger Tage zum Buhmann der Filiale abgestempelt. Hoffentlich konnte Bonny Sue das wieder gerade biegen?


Bonny Sue erreichte gegen elf Uhr die Filiale und suchte als Erstes Mandy in ihrer Abteilung auf.

„Die spinnen doch alle total! Sunil hat Mel und Jenny gegen mich aufgehetzt und mich als Buhmann dargestellt!“

Bonny Sue tätschelte beruhigend ihre Schulter, als sie sah, dass Mandy Tränen in den Augen hatte. „Komm, ich rede jetzt mit Sunil und auch mit den anderen beiden und dann werden wir sehen, okay?“

Mandy nickte und wischte sich flink die Tränen aus den Augen. „Okay. Wenn was ist, du weißt ja, wo ich stecke.“


Bonny Sue klopfte an und trat in Sunils Büro. Er telefonierte gerade und hob zur Begrüßung die Hand. „Ja … nein, geht klar … super, dass du für Jenny einspringst, ja … okay Paul, wir sehen uns, bis dann!“ Er legte auf, erhob sich und reichte ihr die Hand. „Guten Morgen, Bonny Sue. Bitte, nimm doch Platz.“

Deine Freundlichkeiten kannst du dir sonst wo hinstecken, dachte sie. „Guten Morgen, Sunil, danke, dass du dir die Zeit für mich nimmst.“

Er setzte sich wieder und faltete die Hände auf dem Tisch. „Aber selbstverständlich, ich vermute, du möchtest mit mir über Mandy reden?“

„Genau, es wäre für mich verständlicher, wenn du mir die triftigen Gründe erläuterst, warum Mandy nicht zu diesem besagten Seminar fahren kann.“ Noch war sie ihm gegenüber höflich gesinnt. Noch.

„Mel ist eine sehr hervorragende Bürokraft und Isana eine super Vertretung. Ich verstehe nicht, warum Mandy ebenfalls in dieser Geschichte informiert werden soll.“

„Es zweifelt niemand hier im Haus an den Qualitäten von Mel und Isana. Es geht doch lediglich darum, dass Mandy als erste Vorsitzende einen neutralen Einblick in die Stundenberechnungen erhält.“

„Dieser Einblick ist aber zu teuer und es liegt auch keine Notwendigkeit vor. Mandy kann gerne eine Woche bei Mel in die Schulung gehen.“ Er grinste sie frech an.

„Ach, komm schon, Sunil. Du weißt, dass das nicht das Gleiche ist. Auf dem Seminar werden einem die Gesetze und Möglichkeiten gezeigt, oder hat Mel eine Ausbildung als

Rechtsanwältin, Fachbereich Arbeitsrecht?“, provozierte sie ihn und wusste, jetzt war die Phase der Höflichkeit vorbei.

Er lehnte sich lässig zurück und seine braunen Augen funkelten sie gefährlich an. „Genau darum geht es euch Betriebsräten doch nur. Ihr wollt unbedingt auf diese Seminare gehen, um zu lernen, wie ihr uns noch mehr schaden könnt, nicht wahr?“

Bonny Sue lachte hart. „Ach Sunil, wie niedlich! Es gibt nun mal Arbeitgeber und Arbeitnehmer und beide haben Rechte und Pflichten einzuhalten. Und ein Recht der Arbeitnehmer ist es, sich weiterzubilden. Wenn du wirklich glaubst, dass uns Betriebsräten dort nur das Böse gelehrt wird, dann begleite doch Mandy. Soweit ich weiß, gibt es ab zwei Personen Rabatt.“

„Du findest es also niedlich, wie ich mich in dieser Situation verhalte?“, fragte er und sie sah, dass er langsam aber sicher wütend wurde.

„Da…da haben wir es ja schon wieder, Sunil. Du hast die göttliche Gabe und kannst einem nicht richtig zuhören, beziehungsweise verdrehst du einem das Wort im Mund um“, brachte sie mit zuckersüßer Stimme hervor.

Diesmal lachte Sunil hart. „Ich verbitte mir deine unerhörten Unterstellungen! Willst du mir sagen, dass ich blöd bin?“

„Nein. Ich möchte einfach nur wissen, warum du Jenny erzählst, dass sie wegen Mandy aus den Plänen gestrichen wurde, und warum du Mel sagst, dass Mandy ihr den Job wegnimmt.“

Jetzt platzte Sunil der Kragen, doch er bewahrte seine Haltung. „Nun, wie soll ich es sagen? Es ist ihre Schuld, denn du weißt ganz genau, dass ich die Kosten für das sinnlose Seminar wieder einsparen muss, und da Jenny in den letzten Monaten die Person mit den meisten Stunden war, muss sie jetzt halt kürzertreten.“

„Was natürlich völliger Schwachsinn ist, denn für Jenny planst du ja einen anderen Mitarbeiter ein. Oder wie willst du den Verkauf wuppen?“

Sunil beugte sich ihr auf dem Tisch entgegen. „Die Pläne können dir völlig egal sein, Bonny Sue. Du arbeitest hier nicht und ich würde sagen, unser Gespräch ist hiermit beendet.“

„Also, eigentlich ist das Gespräch noch lange nicht beendet, aber ich will mal nicht so sein.“ Sie erhob sich und verließ sein Büro. Dieser arrogante Fatzke! Tja, dann musste sie mal wieder Lars anrufen. Doch vorher wollte sie sich noch in Ruhe mit Jenny und Mel unterhalten.

„Glaubt ihr wirklich, Mandy ist so boshaft und will, dass du aus deiner neuen Wohnung fliegst, Jenny? Und dass sie dir den jahrelangen Job wegnehmen möchte, Mel? Nur weil sie auf ein Seminar fahren will?“

Mel und Jenny saßen leicht verlegen vor Bonny Sue.

„Aber Sunil hat mich wegen ihr komplett gestrichen! Mir fehlen diesen Monat über achthundert Euro, da kann ich nicht von leben und das nur, weil sie unbedingt zu diesem Seminar will“, motzte Jenny.

„Natürlich ist das eine absolute Sauerei, aber die hast du doch nicht Mandy zu verdanken, sondern Sunil. Mandy ist Betriebsrätin und zwar eine sehr gute, oder? Sie hat ein Anrecht auf diese Fortbildung. Es geht doch nur darum, dass sie Einblicke erhält und Gesetze lernt, die sie im Notfall anwenden kann, und zwar um euch zu schützen.“

„Das mag ja sein, aber wie bekomme ich denn jetzt meine Stunden wieder?“, wollte Jenny verzweifelt wissen.

„Erst einmal muss ich wissen, ob ihr immer noch sauer auf Mandy seid oder zu ihr haltet und wir das gemeinsam klären.“ Bonny schaute beide fest an.

Mel kratzte sich verlegen an der Stirn. „Ich glaube, du hast recht, kann mir gar nicht vorstellen, dass Mandy so gemein ist und uns beiden schaden will.“

„Na, das ist doch schon mal ein guter Anfang“, freute Bonny Sue sich.

„Aber wie Jenny gerade schon sagte: Wie biegen wir das denn wieder gerade? Sunil hat doch das Recht auf seiner Seite und braucht Jenny nur diese Pflichtstunden zu geben, oder?“, fragte Mel.

„Sag mal, Mel, habt ihr nicht auch den Ordner, in dem ihr die nächsten acht Wochen schon fest geplant habt?“

„Ja, bei mir im Büro, wieso?“

„Wenn die Pläne schon feststehen und der BR diese genehmigt hat, dürfen sie Jenny nicht streichen. Kann ich sie mir kopieren?“

Mel nickte. „Klar … ich mache das eben.“ Sie ging in ihr Büro und kam kurz darauf mit den kopierten Plänen für Bonny Sue zurück.

„Okay, aber was ist, wenn der Monat rum ist? Dann wird er mich all die anderen Monate ebenfalls streichen “, brachte Jenny ihre Ängste hervor.

„Da fällt uns schon was ein. Hauptsache ihr haltet alle zusammen. Am besten redet ihr noch mal mit Mandy, die Sache nimmt sie wirklich mit.“

Die beiden Mädels nickten und suchten das Gespräch mit Mandy.

Bonny Sue verließ die Filiale und rief Lars auf seinem Handy an. „Lars, hast du heute oder morgen Zeit für mich?“

„Wo bist du jetzt?“, wollte er von ihr wissen.

„Ich war in der Filiale von Sunil und müsste dringend mit dir reden.“

„Okay? Was ist denn jetzt schon wieder passiert, meine Liebe?“

„Das möchte ich dir nicht am Telefon sagen. Wollen wir uns im Stadtcafѐ Central 8 treffen?“

„Ja, das passt, ich bin in der Nähe. Sagen wir in zwanzig Minuten?“

„Super, ich werde da sein. Und vielen Dank, Lars.“

„Immer wieder gerne, Bonny Sue.“ Er lachte und beendete das Gespräch. Mann, diese Bonny Sue konnte ganz schön nerven. So eine hartnäckige Betriebsrätin hatte er noch nie in seiner Laufbahn bei LORD FASHION erlebt. Ein Grinsen huschte über sein Gesicht. Aber sie war sehr hübsch und hatte wirklich etwas auf dem Kasten, das musste er sich eingestehen.


Bonny Sue bestellte sich gerade einen Milchkaffee, als Lars das gemütliche Cafѐ betrat und an ihrem Tisch Platz nahm.

„Na? Wo musst du denn jetzt schon wieder die Retterin spielen?“

Bonny Sue reichte ihm die Hand und erzählte ihm, was sich in der Filiale von Sunil abgespielt hatte. „Lars, er kann doch nicht einfach Jenny die ganzen Stunden streichen, damit Mandy ein schlechtes Gewissen bekommt und nicht zum Seminar fahren kann.“

Lars kratzte sich am Kopf und seufzte. „Natürlich ist das nicht schön, aber ich verstehe Sunil auf gewisse Weise. Das Seminar ist wirklich nicht erforderlich, Bonny.“

„Jetzt fang du auch noch an! Mandy hat bis jetzt erst vier Seminare besucht und es spricht doch nichts dagegen, dass sie sich auf diesem Gebiet weiterbildet, oder?“

„Und was hast du jetzt vor?“

„Das frage ich dich, Lars, denn ich habe mit Sunil gesprochen und er zeigt in keinster Weise Vernunft. Er beharrt darauf, dass Mandy die Böse ist, und alle müssen darunter leiden.“

„Kann Mel denn nicht Mandy die Bürosache erklären und zeigen?“

„Nein, kann sie nicht. Mel hat doch gar nicht das rechtliche Hintergrundwissen. Ich meine, wir können auch in die Einigungsstelle gehen; die Pläne wurden vom BR bereits genehmigt, und da Sunil sie ohne vorherige Absprache einfach geändert hat, liegt ein Verstoß vor.“ Sie machte eine kurze Pause und grinste ihn breit an. „Und du weißt, eine Einigungsstelle kostet meistens über zehntausend Euro.“

Lars strich sich über sein Kinn und schmunzelte. „Ach Bonny, Bonny. Du bist mir vielleicht eine Nummer.“

„Heißt das, dass Mandy fahren darf?“

Lars nippte an seinem Kaffee und seufzte. „Ich werde Sunil gleich anrufen und ihm sagen, dass er die Kostenübernahme unterschreiben soll.“

„Schön, dann kannst du ihm auch gleich sagen, dass er es nicht wagen soll, Jenny weiterhin so oft zu streichen!“

„Soweit ich weiß, hat Jenny lediglich einen flexiblen Stundenvertrag und die Mindeststunden liegen bei zwanzig pro Woche, also hat Sunil das gute Recht, Jenny nur diese Stunden einzutragen. Sie hat den Vertrag selbst unterzeichnet.“

„Ich weiß, Lars, aber Jenny wird dann vor Gericht gehen, da wir beweisen können, dass sie die letzten Monate immer über hundertzwanzig Stunden gearbeitet hat, und du weißt ganz genau, dass sie dann ein Anrecht auf einen Festvertrag mit dieser Stundenanzahl hat“, konterte Bonny Sue mit freundlicher Stimme.

Lars hob lachend die Hand. „Ja, schon gut, ich habe es kapiert. Ich werde mit Sunil reden, alles wird gut.“


3. Kapitel


§ Drei Wochen später §


„Ich begrüße euch recht herzlich zu unserer GBR- Sitzung. Ich darf mit großer Freude zwei neue Betriebsräte willkommen heißen, einmal aus Hamburg und die anderen Kolleginnen kommen aus dem Herzen Münchens“, eröffnete Sabrina die Sitzung.

Es wurde geklatscht und danach folgte eine kurze Vorstellungsrunde. Zurzeit gab es neunzehn Filialen in ganz Deutschland, die über einen Betriebsrat verfügten. Jede dieser Filialen durfte einen Abgesandten zu der Versammlung schicken, die alle drei Monate in Berlin stattfand und drei Tage dauerte.

„Das Highlight unserer Versammlung ist, dass sich morgen Torben Danzas, unser neuer Deutschlandchef, vorstellen wird. Ich bin sehr gespannt, wie er mit den Themen und Problemen der Betriebsräte in Deutschland umgehen wird, und wir werden auch noch die Fragen durchgehen, die wir ihm stellen werden“, verkündigte Sabrina.

„Na, der kann was erleben“, flüsterte Kyra Bonny zu und beide lachten.

„Darauf kannst du wetten!“, erwiderte Bonny und konnte den morgigen Tag kaum erwarten.


Am Abend trafen sich noch ein paar Leute an der Hotelbar.

„Wer weiß? Vielleicht sieht er Betriebsräte nicht so abwertend?“, hoffte Nils, der aus der Filiale Hameln kam.

Bonny winkte seine Worte ab. „Pfff, das glaubst du doch wohl selber nicht! Ich habe gehört, dass er das letzte halbe Jahr in Amerika war und sich mächtig gegen die amerikanische Gewerkschaft eingesetzt hat. Außerdem kenne ich ihn noch als Bezirksleiter, da war schon nicht gut Kirschen essen mit ihm“, entgegnete Bonny.

„Na, dann geben wir ihm eben Erdbeeren“, schlug Ina trocken vor, worauf alle lachten.

„Die ich vorher mit Arsen versetze, denn es werden seine letzten Erdbeeren sein, die er isst“, sagte Bonny eiskalt und schlürfte an ihrem Cocktail.

„Meinst du wirklich, dass er so gegen uns Betriebsräte, sein wird?“, fragte Anny unsicher.

Bonny biss vergnügt in ihre Cocktailkirsche. „Und ob! Und ich freue mich schon morgen, Leute!“



§ Am nächsten Tag §


„So, ich glaube, wir machen eben zehn Minuten Pause, bevor Torben kommt“, schlug Sabrina vor.

Die Meute verteilte sich nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen, oder man nutzte die Gelegenheit, das Örtchen 17 (ist das stille Örtchen im Einzelhandel) aufzusuchen.

„Wie sieht Torben denn aus?“, fragte Agneta in die Runde.

„Pickel, kurze, braune Haare und Brille“, klärte Bonny alle auf.

„Na, das hört sich doch glatt nach meinem Traummann an“, scherzte Catrin trocken, worauf alle lachten.

„Nee, ehrlich, Bonny, sieht der so aus? So was Hässliches wird doch nicht Deutschlandchef?“, bezweifelte Paula die Beschreibung von Bonny.

„Nun, jedenfalls sah er vor ungefähr drei Jahren so aus“, sagte Bonny.





Torben stieg aus seinem Ford Kuga und begab sich zur Rezeption. „Guten Tag, ich möchte zur Tagung von LORD FASHION.“

„Guten Tag. Ja, da müssen Sie den Gang entlang und in dem Saal Berlin finden Sie die Gruppe.“

Torben bedankte sich und trat in den Tagungsraum. Sabrina, die Vorsitzende, kam ihm strahlend entgegen. „Hallo Torben, schön, dass du da bist.“

Sie gaben sich die Hand und Torben erwiderte ihr Strahlen. „Danke, dass ich mich vorstellen darf.“

„Möchtest du einen Kaffee? Wir machen gerade eine kleine Pause“, bot Sabrina ihm an.

Er rieb sich die Hände und sein Blick schweifte durch den Raum. „Oh ja, sehr gerne. Kaffee ist immer gut.“

Sabrina zeigte ihm, wo sich alles befand, und er goss sich einen Kaffee ein.

So langsam trudelten alle wieder auf ihren Plätzen ein.

„Das nennst du hässlich?“, fragte Paula, als sie Torben vorne bei Sabrina stehen sah.

Bonny drehte sich um und es traf sie der Schlag: Nein, das konnte unmöglich Torben Danzas sein! Doch nicht der Torben, der vor drei Jahren kurze Haare, Pickel und eine Brille getragen hatte?

Torben Danzas war groß, hatte braunes, längeres, gewelltes Haar, die feinste Haut, die sie je bei einem Mann gesehen hatte, und die Brille hatte er anscheinend durch Kontaktlinsen ersetzt. Er trug einen schwarzen Anzug mit einem hellblauen Hemd und war leicht gebräunt. Torben Danzas hatte sich vom hässlichen Entlein zum Schwan gemausert.

„Ich nehme alles zurück.“ Bonny machte große Augen.

Die GBR- Mitglieder setzten sich an ihre Tische.

Torben nahm neben Sabrina Platz und sein Blick huschte durch die Reihen. Wer von ihnen wohl Bonny Sue war? Hm? Vielleicht die? Die sah sehr streng und energisch aus. Und hässlich dazu.

Sabrina stand auf, als Ruhe eingetreten war. „Ich darf euch jetzt Torben Danzas vorstellen, er ist seit ein paar Wochen unser neuer Deutschlandchef.“ Sie wandte sich ihm zu. „Torben, herzlich willkommen und Glückwunsch an dieser Stelle zu deinem neuen Posten.“

Alle neunzehn Leute klatschten.

„Ich glaube, am besten stellst du dich selber vor“, sagte Sabrina und reichte das Wort an ihn weiter.

Torben stand auf. „Danke, Sabrina.“ Er trat einige Schritte nach vorne und überlegte immer noch, wer wohl die fanatische Betriebsrätin Bonny Sue sein könnte.

„Mein Name ist Torben Danzas, ich bin neunundzwanzig Jahre alt, nicht verheiratet.“

Agneta tippte Paula an, die neben ihr saß und flüsterte: „Mensch, da haben wir ja noch Chancen.“ Beide kicherten.

„Ich bin seit sechs Jahren bei LORD FASHION und habe hier als kleine Aushilfe neben meinem Studium angefangen. Danach habe ich bei LORD weitergearbeitet und zwar als Filialleiter in mehreren Städten. Es folgten jeweils ein Jahr in Italien und Frankreich. Das letzte halbe Jahr war ich in Amerika und habe dort diverse Stores aufgebaut. Bis ich vor drei Wochen das Angebot von Ludwig Wichmann bekommen habe, Deutschlandchef zu werden. Nun, hier bin ich. Möchte noch jemand etwas wissen?“, fragte er in die Runde.

„Schwul?“, rief Uwe, worauf alle grölten.

Torben lachte und strich sich über seine Nase. „Nein, ich bin nicht schwul.“

„Ach so ein Mist aber auch“, seufzte Paula und schmolz dahin.

Alle klatschten und lachten.

„Sonst noch jemand eine Frage?... Nein? ...Dann stellen wir uns einmal vor.“ Sabrina begann.

Jeder sagte seinen Namen, die Filialnummer, und was er sich von Torben erhoffte.

Die Person, die er für die gewisse Bonny Sue gehalten hatte, entpuppte sich jeweils als eine andere. Sein Blick ruhte auf der Schönheit, die in der letzten Reihe saß und ihm irgendwie bekannt vorkam.

„Mein Name ist Bonny Sue und ich komme aus 007 Berlin“, begann sie.

Es traf ihn der Schlag! Diese schöne, junge Frau war die Person, die dem Unternehmen all die Betriebsräte bescherte? 007? Ja, aber natürlich! Es musste inzwischen zwei oder drei Jahre her sein, als er sie in der Filiale gesehen hatte. Da war sie ihm schon aufgefallen und zwar durch ihr loses Mundwerk, aber nicht durch ihre Schönheit.

„Ich beglückwünsche dich zu deinem enormen Erfolg in unserem Unternehmen“, sie machte eine kurze Pause. „Was ich mir wünsche, ist, dass du die Betriebsräte akzeptierst und nicht wie in Amerika bekämpfst, dass du uns menschlich behandelst und dass endlich diese fiesen Machenschaften gegen uns aufhören“, brachte sie mit provokanter Stimme vor, worauf alle klatschten.

Torben spürte seinen Puls schneller schlagen. Dieses Aas, sein Team hatte recht, sie war eine Schlange.

„Ich habe die Gewerkschaften in den Staaten nicht bekämpft. Wie kommst du darauf?“, hinterfragte er. Das war der Pressechef gewesen, dachte er bei sich.

Bonny grinste schelmisch. „Weil ich lesen kann und es durch die Presse in New York und hier in Deutschland ging.“

„Es gab einige Probleme, ja, da stimme ich dir zu, aber sie sind inzwischen gelöst.“

„Schön, aber auch nur, weil sich die First Lady eingemischt hat. Ich hoffe, wir müssen hier nicht Frau Merkel einsetzen“, zickte sie und verfluchte seine wunderschönen, braunen Augen. Ihre Kollegen und Kolleginnen lachten über ihre Aussage.

Dieses Biest, dachte Torben und musste sich ein Grinsen verkneifen, sie hatte es wirklich faustdick hinter den Ohren. „Ich glaube nicht, Bonny Sue.“

„Schön“, flötete sie und sprach gleich weiter. „Und was gedenkst du in Sachen flexible Einsatzkräfte zu unternehmen?“

„Warum sollte ich was in dieser Hinsicht unternehmen?“, wollte er wissen.

„Tja, warum wohl? Weil es viele dieser Flexis in unserem Unternehmen gibt, die nicht wissen, wie sie den Monat ohne Essen überstehen sollen, das meine ich. Oder wie sie die Miete bezahlen können. Außerdem wurde uns von deinem Vorgänger versichert, dass die Anzahl der flexiblen Mitarbeitern minimiert werden soll, leider sind sie verdoppelt worden!“, provozierte sie ihn weiter.

„Ich bin erst seit Kurzem hier und werde mich der Reihe nach um die Probleme kümmern, aber ihr solltet mir etwas Einarbeitungszeit gönnen“, lächelte er.

„Du hast alle Zeit der Welt“, flüsterte Agneta und himmelte ihn aus der Ferne an.

Paula kicherte vor sich hin.

„Ich hoffe nur, dass bis dahin nicht Hunderte von unseren Mitarbeitern verhungert sind“, spaßte sie trocken.

Alle lachten und klatschten wieder.

„Aber da wir ja zwei Millionen Arbeitslose haben, wird es sicherlich kein Problem sein, die Lücken zu füllen“, fügte sie sarkastisch hinzu.

„Ich werde mich darum kümmern, Bonny Sue“, entgegnete er etwas strenger.

„Bitte, nur Bonny“, verbesserte sie ihn.

Wieder ging ein leises Kichern durch die Reihen. Sie machte ihn vor der gesammelten Mannschaft zum Narren! Er musste sich eingestehen, diese Frau war sehr mutig, aber leider für eine falsche Sache. Er wusste, dass es das Klügste war, hier die Ruhe zu bewahren. Bonny Sue würde er sich ein anderes Mal vorknöpfen, allein. Mal sehen, ob sie dann immer noch so schlagfertig war wie hier vor einer starken Runde.

„Okay, nur Bonny. Wie schon gesagt, es wäre etwas zu viel verlangt, dass ich innerhalb einiger Wochen alle Probleme in Deutschland kenne. Ich bin heute hier, um mich euch vorzustellen, weil ich das für Selbstverständlich halte. Betriebsräte und Geschäftsleitung arbeiten zusammen und…“, weiter kam er nicht, denn sie fiel ihm ins Wort.

„Wir arbeiten aber leider nicht zusammen, Torben und das ist unser größtes Problem und ich hoffe von ganzem Herzen, dass DU es endlich ändern wirst“, endete sie und nahm wieder Platz. Applaus folgte und Torben merkte, was für eine Macht sie besaß.

Und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass du nicht so attraktiv wärst, dachte er beiläufig und nickte. „Okay, ich danke dir für deine Offenheit und ich werde alles, was hier gesagt wurde, mitnehmen.“ Und dich werde ich mir zur rechten Zeit vorknöpfen.


„Mann, dem hast du es aber gezeigt, Bonny!“, lobte Diego sie in der Pause.

Torben verabschiedete sich bei Sabrina und gerade als Bonny in seine Richtung sah, trafen sich ihre Blicke für Sekunden. Ihr lief ein kalter Schauer über den Rücken und sie schaute schnell weg. „Ach, der soll gleich wissen, was hier in Deutschland abgeht, eingebildeter Fatzke!“, zischte sie und blickte noch einmal zu ihm. Und das Gemeine war, dieser Fatzke sah unverschämt gut aus.

Sabrina klatschte in die Hände und rief: „Hallo ihr Lieben, die Pause ist zu Ende. Weiter geht’s!“


§§§


„Und? Wie war es?“, wollte Stefan am selben Tag von ihm wissen.

Torben lachte und legte seine Jacke auf den Stuhl. „Du hattest recht. Bonny Sue ist wirklich knallhart und unverschämt.“

„Du hast also Bekanntschaft mit unserem BR-Girl Bonny Sue gemacht. Was hat sie zu dir gesagt?“, fragte Stefan neugierig.

Torben wiederholte sein Gespräch mit ihr, worauf Stefan nur lachte. „Und? Haben wir dir zu viel versprochen?“

Torben nahm hinter seinem Schreibtisch Platz und faltete seine Hände. „Nein. Eins steht fest, sie wird das Unternehmen verlassen, wir müssen nur austüfteln, wie.“

„Soll ich mich darum kümmern?“

„Oh nein, den Spaß lasse ich mir nicht nehmen. Bonny Sue ist ab heute meine persönliche Aufgabe. Ich will jeden Schritt von ihr wissen. Jeder hat einen wunden Punkt, den muss ich bei ihr finden, dann gebe ich ihr den Gnadenstoß“, frohlockte Torben.

Stefan erhob sich und grinste ihn aus seinen blauen Augen an. „Dann werde ich dir mal ihre Personalakte geben. Da steht bereits so einiges drin.“

„Gut, danke.“

Schade, dass eine wunderschöne, junge Frau eine so miese Einstellung zum Unternehmen hatte. Sie wäre mit ihrem Mut und Einsatz genau die richtige für die Geschäftsleitung. Und trotz ihrer harten Offenheit klopfte sein Herz schneller, bei dem Gedanken an Bonny Sue…ach nein, nur Bonny. Torben lächelte.

Stefan reichte ihm kurze Zeit später die Akte ins Büro. „Hier, viel Spaß beim Lesen.“

In der Akte stand drin, dass sie mit zwanzig Jahren bei LORD FASHION angefangen hatte, um ihr Grafikstudium zu finanzieren, dieses hatte sie aber abgebrochen und war als Vollzeitkraft in der Filiale 007 in der DOB tätig. Nach acht Monaten Betriebszugehörigkeit standen neue Betriebsratswahlen an und Bonny Sue wurde gewählt. Das lag nun drei Jahre zurück.

4. Kapitel


§ Eine Wochen später §


„Neunundvierzig Euro achtzig.“ Bonny nahm das Geld der Kundin und bedankte sich bei der Frau.

„Bonny!“, rief Silke laut.

„Was ist?“, fragte sie.

„Du sollst ins Büro kommen, sagt Conny.“

„Okay, übernimmst du meine Kasse?“

Silke kam zu ihr. „Klar, mache ich.“

Bonny fuhr mit dem Lift nach oben zu den Personalräumen und betrat das Büro.

Conny hielt ihr den Hörer entgegen. „Hier für dich, Torben.“

„Torben?“, wiederholte sie überrascht und bemerkte, wie ihr Herz schneller schlug.

„Ja, er möchte dich sprechen. Ich lasse euch mal allein.“ Sie zwinkerte ihr zu und schloss die Bürotür.

Bonny starrte einige Sekunden auf den Hörer, seufzte und hielt ihn sich ans Ohr. „Bonny, hier. Hallo Torben, was kann ich für dich tun?“

„Hallo Bonny, es tut mir leid, wenn ich dich von der Arbeit abhalte“, begrüßte er sie freundlich.

„Ach du weißt doch, Betriebsräte arbeiten nicht, sondern liegen dem

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Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: Sandra Eckervogt
Images: Bildmaterial: © Viorel Sima - https://de.fotolia.com/id/67698796 - man and woman secret agents posing - Fotolia, Covergestaltung: Chris Gilcher - http://design.chrisgilcher.com
Editing/Proofreading: Andreas Fischer- BookRix
Publication Date: 01-27-2016
ISBN: 978-3-7396-3413-5

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