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1.Irgenwo

Irgendwo im Dunkel der Nacht
ein glimmender Docht
nahe bei der Futterkrippe;
zu schwach um zu wärmen.

Irgenwo auf freiem Feld
ein geknicktes Schilfrohr
nahe beim vereisten Bach;
Halt gebend hungrigen Vögeln.

Überall auf der Erde
eine Ahnung von Licht und Liebe,
ein Sehnen nach Frieden und Gerechtigkeit
durch den, der da kommt.


2.Roter Teppich

Roter Teppich ausgerollt und gesaugt:
der Zug kam pünktlich, mit dem er,
so wurde in den Medien berichtet,
um 10.30 in der Hauptstadt ankäme.

Doch er kam früher als erwartet,
fand niemanden bereit für ihn.
So ging er in die Wälder
und sprach mit Reh und Lachs und Taube.


3.Fünf Wochen

Die letzten fünf Wochen des Jahres,
sie riechen nach Zimt, Vanille und Kälte,
nach Holz im Ofen und Fichtennadeln
nach Bratapfel, Kerzenschein, Nüssen.

Die letzten fünf Wochen des Jahres,
sie riechen wie alle Wochen zuvor
nach Bohnerwachs und nassen Windeln,
nach Kohlsuppe und letzten Tränen.

Die letzen fünf Wochen des Jahres:
nach welchem der vielen Kalender
Da kommen ganz viele Fragen
nach den letzten fünf Wochen meines Lebens.


4.Ankunft im Sein

Ankunft angemeldet und erbeten,
vor Zeiten ersehnt und er fleht.
Doch der Heruntergekommene
verrät weder Zeit noch Stunde.

Sein ist die Zeit, der Raum, die Kraft
Vertrauen, Hoffnung, Liebe braucht das Sein,
um menschlich sein zu können.
Sein ist Ehre und Macht in Ewigkeit.


5.Möglich

Nicht mehr diese Gesichter
als näme die Nacht nie
und nimmer ein Ende.

Da leutet etwas in ihnen
wie ein leiser Schimmer
von stiller Hoffnung

Sollte es möglich sein,
dass wir heute bekommen
das Brot für morgen?

Sollte es denkbar sein,
zu leben für mehrere Tage
ohne Granatsplitter und Morden?

Sollte es erfahrbar sein,
dass in Kälte und Starre
Frieden und Gerechtigkeit wachsen?

Bereitet dem Herrn den Weg.


6.Lichtbringer

Merkwürdige Gestalten auf dem Weg zum Stall:
wo ich auch gehe, ich finde sie überall,
werden von vielen mit Namen genannt,
doch sind sie wirklich bekannt?

Barbara soll beginnen den Reigen.
Leben blüht aus toten Zweigen.
Nicht spurlos verschwindet ein Leben,
dass für andere so viel hat gegeben.

Nicolaus, einst Bischof in Smyrna,
war beispielhaft für Kinder da.
Sein Verzicht auf Prunk und Pracht
hat Kindern die Freiheit gebracht.


Santa Lucia, das Lichtmädchen aus dem Norden:
„Tragt in die Welt nun ein Licht,
sagt allen: fürchtet Euch nicht.“
Hoffnung soll blühen und nicht das Morden.


7.Ankunft

Wer kommt bei mir an?
Was lasse ich an mich dran?
Was erwarte ich von mir?
Warum sitze ich hier?
Fragen im Advent,
Fragen die jeder kennt.
Doch bevor wir die Antwort hören,
lassen wir und verführen und betören
von den Klängen und Düften herum:
bevor wir's gedacht, ist das Jahr um.


8.Er kommt

Er kommt an der Schmerz.
Kraftlos sinke ich
in mich zusammen,
spüre noch,
dass ich lebe,
obwohl ich nicht weiß,
ob ich das überhaupt will.


9.Advent

Wessen Ankunft erwarte ich,
wenn die Zukunft doch nur
ein schwarzes Loch ist,
das mich fressen will?

Wessen Ankunft erwarte ich,
wenn ich fallen gelassen werde,
damit ich beizeiten lerne,
niemandem zu vertrauen.

Wessen Ankunft erwarte ich,
wenn alle Jahre wieder
alles beim alten bleibt
immer alles mit „o du fröhliche“ endet.

Wessen Ankunft erwarte ich,
wenn die Hoffnung vor meinen Augen
zertreten wird von eiligen Stiefeln,
die heute noch ein Schnäppchen brauchen.


10.Ankunft 2

er kommt an
im Heimatbahnhof
keiner vermisst
keiner erwartet ihn
keiner empfängt ihn
Ein Einsamer zuhause,
der schwitzt, rein äußerlich,
aber im innnern droht er
zu erfrieren an der Eisesstarre,
dort, wo mal Heimat war.


11.Dennoch

Du hast mir nie versprochen
wie Maria im Rosenhaag zu sitzen.
Doch sieh nur selbst,
wie der Schnee sich formt
zu Blüten, die grade aufbrechen.
Doch sieh nur selbst,
wie die spitzen Dornen
anfangen Rosen zu tragen
wie in Zeiten der Väter.
Doch sieh nur selbst,
wie sich vor dunklen Wolken
ausbreitet ein strahlender Regenbogen
als Zeichen Seiner Gegenwart.


12.Wenn nicht

Nicht würde ich Glauben
schenken den Worten
vom Himmel hoch
wenn nicht der heruntergekommene
Gott so tief zu finden ist,
dass ich in die Knie
gehen muss,
um ihm nahe zu sein.
Wo Schafe und Ziegen
ihr Fressen finden,
da, genau da
finde ich ihn.


13.Barbaratag

Ein ganz persönlicher Tag
mit Familienerinnerungen,
der Tag, an dem mir -
ahnungslos wie ich war-
die Koffer vor die Tür
gestellt und das dumme Schaf
in die Wüste geschickt.

Kirschenzweige heute
in eine Vase gestellt,
sollen in Blüte stehen
drei Wochen später.
Meist werden diese
Erwartungen erfüllt.

Imprint

Text: Das alleinige Urheberrecht an Texten und Bildern liegt beim Autor.
Publication Date: 12-04-2010

All Rights Reserved

Dedication:
Ich widme dies Bändchen all denen auf der Erde, die unter Bedingungen leben müssen, die keine Hoffnung zulassen.

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