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Das Buch/Ebook: »SOS-SEENOT – Notsignale zum komischen Ende der Erde«, ist urheberrechtlich geschützt. Es darf ohne schriftliche Genehmigung des Autors weder im Ganzen noch teilweise reproduziert, vervielfältigt oder verändert werden. Dieses Verbot beinhaltet ausdrücklich auch die Übersetzung in andere Sprachen, die Verwendung in elektronischen Systemen sowie sämtliche gewerblichen Aufführungen. Alle Rechte sind ausdrücklich vorbehalten.
Andreas Kräft, 28.06.2012

Der Autor:
geb. 1958 in Hannover.

Impressum:
Andreas-Kräft-Geoden-Buch
Copyright © by A. Kräft
Einbandgestaltung: A. Kräft
Eine Zusammenstellung aus den Büchern:
Die Keule der Wahrheit (2006)
Titanic – Eisberg vor Gericht (2007)
Heribert – das lustige Phrasenschein (2009)
1. Auflage – 2012
Kontakt:
www.geoden-buch.de // www.gorgopolis.de
E-Mail: andreas.kraeft@freenet.de

Bildnachweis: Seite 178, »Schwarzer Mann mit Kind auf endloser Straße«.
Der Herr der dieses Bild gezeichnet hat und den ich mit dem Decknamen Bernhard bezeichne – ich kenne ihn im Grunde nicht näher. Wir hatten nur wenige Tage miteinander zu tun. Allerdings war ich über seine psychische Verfassung seinerzeit erschüttert. Doch habe ich ihn in dieser Zeit auch schätzen gelernt und mich überwunden ihn zu fragen, ob ich dieses Bild mitnehmen dürfe. Er bejahte es. Allerdings wusste er nicht – ja ich selbst damals selbst noch nicht –, dass es einmal einen Platz in einem meiner Bücher finden würde. So möchte ich denn an dieser Stelle sagen: »Lieber Bernhard! Solltest du eines Tages in dieses Buch hineinschauen und deine Zeichnung entdecken, so sei mir bitte nicht böse. Sei versichert, dass ich deiner im Guten gedenke und nur allzu naiv hoffe, dass diese, deine Zeichnung, vielleicht noch einem weiteren Menschen auf irgendeine Weise helfen mag. Allerdings bist du der Urheber. Du hast zu entscheiden, was zu geschehen hat. Auch könntest du wollen, dass dein wirklicher Name dabeisteht. Wenn du dich in irgendeiner Weise äußern möchtest, dann suche im Internet meine Homepage oder schreibe mir bitte per E-mail. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles erdenklich Gute!«
Andreas Kräft

Inhaltsverzeichnis:



Von der ersten bis zur letzten Stund' 5
Die Sonne geht auf 6
Radio Neu-Helgoland (Fragen an die Redaktion) 7
Über Technik- und Moralpiraten 15
Das Phrasenschein – (Ein Haustier macht fette Beute!) 17
Die Antidopingkommission 20
Doping – endlich freigegeben! 25
Rotkehlchen auf dem Balkon 39
Die Formel des Jahrhunderts 45
T I T A N I C – Das Hauptwerk aller Zeitalter 50
– Tritt ein in die Titanic 51
– Eisberg vor Gericht 52
– Der Staatsanwalt hat das Wort 65
– Das Urteil auf Neuhelgoland 69
– Die Rache der Eisberge 87
T I T A N I C – Endstation 89
Hansdampf und der Zechpreller 90
Antiquität zum Bestauenen 92
Ballade eines denkenden Sünders 105
Missverständnis 108
Der schiefe Lenker 111
Der Filmpreis 112
Wenn ich so zurückdichte ... 113
Wer kennt Mietzis Radfahrer? (... nur ein Girrzip?) 116
Weil andere ... 129
Wissen ohne Vorsilbe 131
Intelligenz im Wandel 133
Philosophie eines Phrasenschweins 137
König der Könige 138
Perlentaucher und maritime Hausschweine 142
Der Rostlaubengott 143
Perlentaucher und Juwelier 145
Neue Bälle 149
Die Lückenbüßer 154
Limericks – eine sinnlose Serie 156
Ein Wort an alle (alle Gläubigen und Hausmänner) 158
Das Kling-Klang-Konzert 160
Winterlandschaft 171
Zwölf Jahre im Kerker 174
Meinung und Freiheit 179


Von der ersten bis zur letzten Stund'




Von der ersten bis zu letzten Stunde

Zu früher Stunde, wusst ich, ich hab viel Zeit,
Zu früher Stunde, ahnte ich nichts von dem Leid.

Zu früher Stunde, aß und trank ich gut,
Zu früher Stunde, hatt' ich bannig Mut.

Zu früher Stunde, bereitete ich den Tag,
Zu früher Stunde, grüßte ich jeden, den ich mag.

Zur Mittagsstunde, hört' ich nur von Lügen,
Zur Mittagsstunde, von Trug und von Betrügen.

Zur Mittagsstunde, hörte ich von Hass und Krieg,
Zur Mittagsstunde, von Heil und Gas und Sieg!

Zur Mittagsstunde, von Armut ohne Gleichen,
Zur Mittagsstunde, sah ich den Berg von Leichen.

Zur Abendstunde, hör ich die Vögel singen,
Zur Abendstunde, wollt ich, mir würde mehr gelingen.

Zur Abendstunde, liebe ich die Natur,
Zur Abendstunde, kommt auch ein Schöpfer vor.

Zur Abendstunde, möchte ich gern genesen,
Zur Abendstunde, tu's Schöpferbuch ich lesen.

Zu später Stunde, schlag ich zu das Buch,
Zu später Stunde, sag' ich mir, ich hab genug.

Zu später Stunde, genehm' ich mir ein' Wein,
Zu später Stunde, schlaf ich endlich ein.

Zu später Stunde, hab ich das End' erspäht,
Zu später Stunde, weiß ich, ich bin ... zu spät.

Die Sonne geht auf




Die Sonne geht auf

Die Sonne geht auf und bescheint die Welt,
glänzend wie ein Traum.
Sie erhellt das Leben für die Bonzen mit Geld,
und strahlt auch sonst ... auf jeden Abschaum.

Und der Mond geht auf und die Nacht bricht herein,
und auch er leuchtet, wie er kann.
Und er spendet Licht für jedes mistige Schwein,
und keinen kriegt er dran.

Und die Sterne funkeln über dem Meer,
sie befunkeln China, Deutschland und Litauen.
Und die hungernden Münder und das hilflose Heer,
der massakrierten und vergewaltigten Frauen.

Die Sonne gibt Licht, und doch ist sie blind,
wie die menschlichen Supersterne.
Sie quasseln von Frieden, von Wohlfahrt fürs Kind,
wie eine schmutzige Laterne.

»Hier müssen wir lang, dort müssen wir hin,
dann erreichen wir's Paradies!«
Doch noch auf dem Weg, meucheln sie dich hin!
Denen geht's nur um Ehre und Kies.

Natürlich müssen wir verhandeln,
doch wer nicht mitkommt, den schlage ich tot!
Tu einfach an meiner Seite wandeln,
dann essen wir Friedensbrot.

Liebes Geschöpf, oh schau nicht weg!
Sieh ihn – den Mensch gewordenen Dreck!

Radio Neu-Helgoland (Fragen an die Redaktion)




Adalbert Huxputt aus Doppenweiler, Frage an Radio Neu-Helgoland:
»Wann, wie und woran kann man einen charakterlich aufrechten Deutschen erkennen?«

Antwort:
»Nun, Herr Huxputt, das ist eine so komplexe wie sinnlose Frage. Natürlich könnte man einen aufrechten Deutschen erkennen – soweit vorhanden. Allein der nötige Aufwand um einen solches Prachtexemplar aus den Fängen der Gesellschaft herauszuschälen ist mit einem derart horrenden Aufwand verbunden ... verstehen Sie? Ich will's Ihnen ... oder am besten ich verdeutliche es Ihnen am Beispiel eines Beispiels. Verstehen Sie? Also, wir bleiben jetzt ganz ruhig und stellen die Frage einmal anders, nämlich: Wie findet man sämtliche wirklichen Theaterschauspieler in Deutschland? Nun am besten, Sie gehen ins Theater, dann werden Sie sehen, dass dort gar keine Schauspieler agieren. Niemand von denen, die dort herumturnen, hat irgendetwas mit Schauspiel zu tun. Das haben Sie bald heraus. Aber was jetzt? Nun, Sie wissen inzwischen, am Theater gibt es keine Schauspieler – also müssen all die Mimen sämtlichst außerhalb der Theater und Schauspielhäuser zu suchen und zu finden sein. Aber außerhalb der Theater gibt es 82 Millionen Einwohner in Deutschland. Verstehen Sie? Jetzt beginnt für Sie der eigentliche Aufwand. Und Sie begreifen, bezogen auf unseren charakterlich aufrechten Deutschen, dass dieses Juwel eines deutschen Bürgers genauso wenig dort zu suchen ist, wo sie ihn am ehesten vermuten, wie wirkliche Schauspieler die Theaterlandschaft bevölkern.
Nun womöglich habe ich Sie frustriert, dann seien Sie mir dankbar und unterlassen Sie Ihre alberne Suche.
Oder aber ich habe Sie nicht entmutigt, was nur daran liegen kann, dass Sie mich nicht verstanden haben. Für diesen Fall will ich Ihnen denn jetzt sagen, was für Sie zu tun ist. Doch es wird nicht leicht. Also:
Bestellen Sie zunächst alle 82 Millionen Deutschen (inklusive Wahl- und Andersdeutsche) nach Frankfurt am Main und Umgebung. Dann verteilen Sie kostenlos, unbürokratisch und in grenzenloser Anzahl:

a) fünfhundert-Euro-Scheine in Aachen,
b) bieten parallel dazu Pornohefte, -Filme und Huren in
Flensburg feil,
c) dazu Doktor- und Fürstentitel in München,
d) sowie Superstar-Urkunden in Dresden,
e) ausgefüllte Lottoscheine auf Rügen
f) und Nummerköntchen in umliegenden
Nachbarländchen

Wie gesagt, alles kostenlos, unbürokratisch und in grenzenloser Anzahl.

Alsdann wenden Sie sich wieder der hessischen Metropole zu.
Die, die jetzt noch in Frankfurt am Main übriggeblieben sind, und nicht wie die Idioten um Deutschland herumrotieren, es wird eine überschaubare Menge sein, sind nun entweder fußkrank (die meisten) oder die von Ihnen gesuchte Spezies – die charakterlich aufrechten Deutschen. Nun wir wollen ihnen aber bei aller Mühe, doch nicht zu viel Hoffnung machen.


Unser Tipp:
Bieten Sie den im hessischen Frankfurt Zurückgebliebenen einen kostenlosen Bestellservice mit den gleichen Elementen wie im Norden, Osten, Westen und Süden an. Die die bestellen, sind die Fußkranken. Die die nicht bestellen, sind endlich die von Ihnen Gesuchten.«

Frage von uns: »Was wollen Sie eigentlich mit dieser Minderheit?«

*
Bodo M. Hagelputt aus Lappendorf, Frage an Radio Neu-Helgoland:
»Wann wird das deutsche Volk endlich wieder in vollem Maße aus Menschen von aufrechtem Charakter bestehen?«

Antwort der Redaktion:
»Wieder eine sehr komplexe Frage, die sich aber glücklicherweise kürzer beantworten lässt. Also: Frühestens, mein lieber Herr Hagelputt, wenn Sie mindestens 81,7 Millionen der anderen Landsleute, um den aufrechten Teil herum, eliminiert haben.«

Bodo M. Hagelputt aus Lappendorf:
»Bei allen Gurkenfässern, was reden Sie da! Vielleicht haben Sie mich missverstanden. Ich meinte: Was muss geschehen, damit das deutsche Volk endlich wieder in vollem Maße aus Menschen von aufrechtem Charakter besteht?«

Antwort der Redaktion:
»Wir haben Sie nicht missverstanden. Die Antwort der Redaktion lautet: Sie sollten die anderen 81,7 Millionen eliminieren.«

Bodo M. Hagelputt aus Lappendorf:
»Liebe Radio-Neu-Helgoland Redaktion! Ich bin ob ihrer drastischen Lösung schon rechtschaffen irritiert. Gibt es denn keinen humaneren Weg?«

Antwort:
»Sicher doch, Herr Hagelputt. Hängen Sie sich selbst auf!«

Bodo M. Hagelputt aus Lappendorf:
»Aber Pardon, ich halte mich für einen Teil der Aufrechten!«

Antwort der Redaktion:
»Die anderen auch!«

*
Klothilda-Metchild von Pfauenschwanz aus Klein-Hegelbroichingen, Frage an Radio Neu-Helgoland:
»Arbeiten in Ihrem Sender nur Deutsche mit einem aufrechten, verlässlichen Charakter?«

Antwort der Redaktion:
»Im Prinzip ja! Es kommt allerdings darauf an, wie sich das der Intendant gerade vorstellt.«

*

Frau Ludmilla Kastellhopp aus Pötterdam, Frage an Radio Neu-Helgoland:
»Warum beschimpft man die Politiker eigentlich als Lügner? Ich kenne keinen einzigen Menschen in meiner Umgebung, der nicht ununterbrochen lügt!«

Antwort:
»Ja, sehen Sie, liebe Frau Kastellhopp, es gibt halt mehr Politiker, als man sich gemeinhin so denkt.«


*

Herr Kurt Killermeister aus Göllhagenmoor, Frage:
»Wieso beschimpfen sich die Politiker eigentlich gegenseitig der Unredlichkeit? Heißt es nicht, dass jemand der im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen sollte?«

Antwort der Redaktion:
»Sie haben schon recht, lieber Herr Killermeister! Nur, dass die Politiker in einem Glashaus säßen, ist längst Vergangenheit. Heutzutage sitzen die eh nur noch auf einem Scherbenhaufen.«

*

Herr Wendelin X. aus Leppisch: Frage an Radio Neu-Helgoland:
»Was soll ich eigentlich davon halten? Die Politiker reden von Umweltschutz, lassen sich aber selbst in den ausstoßfreudigsten Karossen herumkutschieren. Das ist mir so, als wenn ich mit einer dicken Schweinshaxe zwischen den Zähnen, für eine vegetarische Lebensweise demonstriere.«

Antwort der Redaktion:
»Ihrem klaren Standpunkt entnehmen wir, dass Sie für die politische Laufbahn ungeeignet sind.«


*

Herr Ferdinand Klappensteg aus Großjammern, Frage an Radio Neu-Helgoland:
»Die Kabarettisten decken so viele Lügen in Staat und Wirtschaft auf. Sagen Kabarettisten eigentlich immer die Wahrheit?«

Antwort der Redaktion:
»Ja, natürlich! Wenn's gerade passt.«

*
Frau Ottilie Fürchtestein aus Hinterjoppeln, Frage an Radio Neu-Helgoland:
»Warum glauben die Menschen den Politikern und dann andererseits wieder den Kabarettisten? Da stimmt doch was nicht!«

Antwort der Redaktion:
»Doch, doch, es stimmt alles. Erst hören Menschen gern Lügen – und später dann jemanden, der sie aufdeckt.«

*
Ottilie Fürchtestein aus Hinterjoppeln:
»Aber hallo! Ich könnte den Leuten gleich sagen, dass sie da auf einen Lügner hereinfallen.«

Antwort der Redaktion:
»Seien Sie nicht Lebensmüde!«

*

Frau Gretel Weiser zu Bersteimer aus Runkelfried fragt:
»Liebe, kompetente, Radio-Neu-Helgoland-Redaktion: Wie soll ich denn das verstehen: Einerseits sind die Strafen bei Gammelfleisch viel zu niedrig, andererseits soll es aber gar nicht gesundheitsschädlich sein. Ja, worum geht's denn dann eigentlich?«

Antwort der Redaktion:
»Schauen Sie, liebe Frau Bersteimer – natürlich um uns alle! Zunächst einmal soll Ihnen, als potenziellem Wähler, deutlich gemacht werden, dass der Staat unheimlich was unternimmt. Also in Bezug auf Ihr Wohlergehen. Deshalb werden höhere Strafen eingeführt, die der Gammelfritze aber durch gewisse Zuwendungen ins politische Lager auf den Komposthaufen politischen Aktionismusses umleiten und somit noch im gemäßigten Zaume halten kann, was etwaige – zugegeben unwahrscheinliche aber doch immerhin mögliche – schreckliche Strafen betrifft, die ansonsten nur, wie vormals gehabt, durch einen gezielten Griff in die Kaffeekasse zu decken gewesen wäre ...«

Frau Gretel Weiser zu Bersteimer aus Runkelfried:
»Aber hören Sie! Das klingt ja, als würde durch die gesetzliche Strafverschärfung der Kadaverheini noch belohnt?«

Antwort der Redaktion:
»Liebe Frau Weiser, bei aller Güte, aber Sie sollten uns nicht unterbrechen! Das Missverständnis rührt daher, dass Sie uns unser Argument nicht vollständig unterbreiten ließen. Denn es ist doch offensichtlich, dass die angesetzten Maßnahmen der Wirtschaft überaus nützen, da der Herr Gammelfleisch-Unternehmer die verwesenden Leichenteile weiterhin gewinnbringend abzusetzen vermag, was wiederum die Anschaffung eines neuen Maserati, nebst einer tickenden Rolex, ungemein erleichtert und wieder den einen oder anderen Steuereuro in die leeren Staatssäckel spült, der ansonsten als Verwesungsgut von der Steuer abgesetzt würde und so der Allgemeinheit – also auch Ihnen, liebe Frau Weiser – ein für alle Mal verloren gehen würde. Sie müssen halt mal lernen, die Dinge in ihrer Gesamtheit zu sehen.
Somit können wir diesen ganzen Komplex abschließend zusammenfassen, mit den Worten:

Der Gammelfritze schließt den Kreislauf,
und Sie bekommen einen Einlauf!«

*
Frau Thusnelda Rindsleder aus Winkelheide an der Wupper fragt:
»Mal ehrlich: Steht die Welt nicht politisch, finanziell, sozial, geistig und umweltmäßig am Scheideweg in den Abgrund?«

Antwort der Redaktion:
»Liebste Frau Rindsleder: Da Sie einleitend zu ihrer konvexen Fragestellung eine ehrliche Antwort erwarten, mögen Sie sich in Bezug auf die Antwort bitte etwas gedulden, bis wir redaktionell geklärt haben, was Ehrlichkeit in unserem Falle eigentlich ist. Wir bitten Sie dabei eindringlich, innerhalb der nächsten drei Quartale von weiteren Nachfragen abzusehen. Wir sind aber auf jeden Fall um schnellstmögliche Recherche und Antwort bemüht. Ganz ehrlich!«

***
Mit dieser Frage sind wir denn auch zum Ende unserer heutigen Runde gekommen.

Wir bedanken uns bei allen Hörern für Ihre mündlichen wie auch schriftlichen Fragen und wünschen Ihnen allen, bis wir uns Wiederhören, ein gesegnetes Sommerloch!

Ergebenst
Ihre Radio-Neu-Helgoland Redaktion

Über Technik- und Moralpiraten




Über Technik- und Moralpiraten


Die Menschheit taucht ins Technik-Meer
und findet dort Korallen,
sie schwimmt begeistert hin wie her,
und findet Spaß an allem.

Sie ruft: Heureka! – Gib ihn her!
Den Preis für Nobel(e) Künste.
Wir fliegen jetzt bis auf den Mond,
und machen was sich sonst noch lohnt,
und alles was man schafft!
Wir bauen Atomkraftwerke,
die dienen uns mit aller Kraft
und riesenhafter Stärke.

Die Nahrungsmittelproduktion
die fördern wir für'n Hungerlohn,
mit mannigfaltigem Gift;
in Sahelzone – und noch breiter,
Milliarden Menschen hungern weiter,
doch die Bananen werden verschifft.

Wir förden Öl, und Gas und Kohle?
Mensch! Dass uns nicht der Teufel hole!
Wir fördern nichts – wir rauben bloß!
Wir füllen unseren fetten Schoß,
mit Aktien und Moneten.
Wir schüren Krieg zum Waffentesten,
in Dritte-Welt-Länder am besten,
und feiern feste Feten.

Wir laden uns Handy-Klingeltöne,
glotzen TV – das ist das Schöne,
fressen Müll aus Internet.
Missbrauchen Frauen,
missbrauchen Kinder,
wir sind die wahren Menschenschinder –
Hauptsache wir haben 's nett.

Wir sind Piraten – um nichts besser,
wir liefern andere ans Messer,
um selbst bequem zu sitzen,
und nicht zu sehr zu schwitzen.

Wir sind ein kaltblütig Geschlecht,
was scheren wir uns um ein Recht?
Wir haben ja Paragraphen.
Da kann man herrlich mit jonglieren –
und während die Ärmsten der Armen frieren,
kann ich in Ruhe schlafen.

Wir beuten den Planeten aus,
und wenn er leer, dann ziehen wir aus,
am besten auf den Mars.
Doch wenn wir oben eingetroffen,
ob nüchtern oder ob besoffen,
dann merken wir: Das war's!

Das Phrasenschein – (Ein Haustier macht fette Beute!)




Wer profitiert davon, dass man einen Politiker interviewt? Oder einen Sportler? Ich meine, haben Sie sich das schon einmal angetan, einem Sportsmann zuzuhören, der nach seinem Sieg oder seiner Niederlage oder nach einem geglückten oder verpassten Podiumsplatz befragt wurde, wie es dazu gekommen sei? Oder einem Politiker, nach einer Wahl? Ich muss es zu meiner Beschämung gestehen, ich habe solche Interviews schon verfolgt. Ich habe Ihnen Aufmerksamkeit geschenkt. Ich habe ihnen zugehört und habe den Sinn des Gesagten erfassen wollen.
Nun ja, und da sind wir auch schon bei der Achillesferse unseres Themas. Ich bin vielleicht nicht viel dööfer als die meisten anderen, aber eben leider auch nicht viel klüger! Wie – bei allen Monden – konnte es mir nur passieren, dass ich nach einem Sinn suchte, in diesem Geschwafel? Sind Sie vielleicht schon jemals bei einem solchen Dreschen vakuumminöser Worthülsen positiv überrascht worden? Auch nur einmal? Hat ein Esel wirklich schon jemals Golddukaten aus seinem Darmende herausfallen lassen?
Ein siegreicher Formel-1 Recke sagt dann etwa: »Ja, das ganze Team hat einen phantastischen Job gemacht! Wir hatten die richtige Strategie und dann habe ich enorm puschen können!«
Also diesen Satz – manchmal wird er noch um die Reifenwahl ergänzt – können Sie sich hier ausschneiden. Und irgendwo hinkleben. Auf Ihrer Toilette. Nicht viel was anderes werden die sagen, die drei Megapuscher bei der Pressekonferenz. Nach jedem Rennen. Plus je einmal die Chefmechaniker und die Bosse der Rennställe. Sie hören es also pro Rennen mindestens 9-mal (nicht eingerechnet die TV-Wiederholungen). Nun ja, andererseits, was sollen sie auch sonst sagen? Die mental abgeflachten Brumm-Brumm-Jounalisten fragen ja nach nix anderem.
Gut, das da nur achtzehn Rennen pro Jahr stattfinden.
Auch so sind das summiert schon 9x18 = 162 Schwachsinnsoriginalaussagen. Plus deren Fragen.

Mein Tipp an dieser Stelle:
Hören Sie stattdessen doch lieber einer Marktfrau zu. Da können Sie noch Überraschungen erleben, wie sonst nirgends mehr. Ein Beispiel dafür liefert uns Erich Kästner. (Fettdruck: Kästner im Original).

Marktanalyse

Sehen Sie ihn vor ihrem geistigen Auge, den geschniegelten Affen, wie er auf dem Marktplatz steht und gewahr wird, dass dort eine der Marktfrauen ein Buch liest? Sehen Sie ihn grinsen, diesen eingebildeten Fatzken? Was könnte ein solches Weib schon lesen? Rosamunde Pi-hihihi. Oder wenn's hoch kommt: Konsa-hahahahaha! Also grinst der Fatzke die Marktfrau an und sagt mit feistem Blick:

Kunde zur Gemüsefrau: »Was lesen Sie denn da, meine Liebe. Ein Buch von Ernst Jünger?«

Hören Sie seinen ironischen Unter- und sarkastischen Oberton. Hören Sie seine krematorische Überlegenheit gegenüber dieser armseligen Kreatur zwischen ihrem billigen Gemüse. Und er zeigt es mit aller Bosheit. Schon wartet er auf ihre Antwort, da sie ja nicht einmal weiß, wer das überhaupt sein soll – dieser Ernst Jünger.


Antwort der Gemüsefrau: »Nein, ein Buch von Gottfried Benn. Jüngers kristalline Luzidität ist mir etwas zu prätentiös. Benn's zerebrale Magie gibt mir mehr.«

Sehen Sie – und das ist die Pointe! Das ist der Flash-Over, der diesem geschwollenen Hahn den Teppich unter den Füßen zersägt. Wenn wir etwas brauchen, dann Gespräche mit solchen Marktfrauen.

Aber Interviews? Mit Sportlitikern? Nun, wir wissen im Grunde alle, dass aus diesen Interviews, wie sie genannt werden, nichts Brauchbares herauskommt. Warum hören wir ihnen dennoch weiter zu? Spricht es für oder spricht es gegen uns? Wir billigen diesen Damen und Herren eine Intelligenz zu, die ihnen, wenn sie sie denn hätten, immerhin eine gewisse Ehre bereiten würde. Aber genau damit lehnen wir uns schon allzu weit aus unserem Fenster zum Hof. So etwas dürfen wir nicht. Unbeholfen werden wir fortwährend mit gerösteten Nussschalen gefüttert. Mit jeder Silbe neu beleidigt. Nein, sage ich, der einzige Profiteur dieses fruchtlosen Geseibels ist das lachende Phrasenschwein, welches für jede dieser tumben Artikulationen einen Schadenersatz für sich reklamieren kann und aufgrund dessen immer fetter wird. Je dröger der geistige Auswurf, desto feister das Schwein. Und es macht mir nicht den Eindruck, dass das Schwein in den nächsten Jahren eine Diät wird einlegen müssen. Ach, wäre doch ich ein solches Schwein – dann wäre jetzt für mich die Zeit größter Blüte! Und in Nullkommanichts wäre ich der Rockefeller unter den Dummwiebrotabsahnern. Ach wäre ich doch nur ...

Ach was, Schluss mit dem Schweine ... äh Schwanengesang. Ich gehe jetzt nach China und richte dort den Sack Reis wieder auf. So long, Ladies und Gentlemen. Und tschüssikowski!

Die Antidopingkommission




Ein Essay? – Vielleicht.
Ein Märchen? – Nur der Teil, den man uns erzählt hat.

Es war einmal ein Radrennen. Da gewann der, der die besten Medikamente einnahm. Dies geschah dann auch bei einem zweiten Rennen. Dann bei einem dritten, schließlich beim 645-zigsten und endlich beim 1722-zigsten.

Dann kam der Tag, da einigen gewichtigen Herren auffiel, dass wohl tatsächlich der Verdacht bestehen könnte, dass im Radsport eventuell ein wenig gedopt werden könnte, beziehungsweise würde.
Man setzte daraufhin eine Untersuchungskommission ein und schließlich eine Antidopingkommission.
Dass in diesen hochrangigen Gremien, an führender Stelle, ehemalige Sportler zu finden waren, die bis vor Zeiten selbst ausreichend gedopt waren, fiel nicht weiter ins Gewicht. »Wichtig ist allein, was hinten rauskommt«, wie mal ein gewisser Karamellpuddingesser gesagt hat.

Nun denn, so nahmen also die Kommissionen ihre Arbeit auf und untersuchten und untersuchten und untersuchten. Und als sie schließlich 16813 weitere Rennen untersucht hatten, waren Jahrzehnte vergangen, und ein Mensch, der das Bedürfnis hegte ein Buch zu schreiben schrieb es auch. Und weil er nicht wusste, worüber er genau schreiben sollte, er aber früher mit Radsport zu tun hatte, schrieb er denn ein Radsportbuch. Und weil er früher auch ein bisschen mit Doping im Radsport zu tun hatte, schrieb er sogar ein Radsportdopingbuch. Dieses Buch wurde ein Knaller. Und zwar vor allem deshalb, weil dieses Buch ein paar Anklagen wagte, die vorher all die Kommissionen, die sich über die vielen Jahre redlich bemüht hatten, nicht ans Tageslicht dringen zu lassen hatten können – ... oder so ähnlich. Denn wer – aus den Dopingianern (ob Sportler oder Betreuer) – sollte ja auch bis dahin wissen, dass 85 Prozent aller Profiradsportler im Grunde ganz arme Hunde waren. Ja – das waren Asthmatiker. Die kriegten bei der Tour de France echt keine Luft, wenn sie bei 8 Prozent Steigung einen Viertausender erklommen. Natürlich – wir wollen es nicht unterschlagen – gab es auch gesunde und beschwerdefreie Profiradsportler. Allerdings hatten die nicht die mindeste Chance. Um einen der vorderen Plätze bei der Tour de France zu erringen, war eine Asthmaerkrankung zwingend erforderlich. Nur dann wurden bestimmte Mittelchen halt verschrieben. Und das alles konnte in den Untersuchungs- und Antidopingkommissionen natürlich gar niemand wissen.
Das heißt, natürlich wusste man es – nicht zuletzt aus eigener asthmatischer Erfahrung – aber nun, durch die Veröffentlichung dieses Insiders, wusste man es am Ende so sehr, dass man von Stund an gar keine Wahl mehr hatte, als es zu wissen, und sich auf die Seite der Wahrheit und Gerechtigkeit zu

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Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 06-28-2012
ISBN: 978-3-95500-001-1

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