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Auftaktveranstaltung zum „200-Jahre Jubiläum“ von Karl Marx

TRIER-Stadtmuseum. Die Stadt Trier feiert am 05. Mai den 195. Geburtstag seines berühmtesten Sohnes mit der offiziellen Eröffnung der Karl Marx Installation des Künstlers Ottmar Hörl. Festredner Dr. Gregor Gysi riet bei der Gelegenheit gleich mit Vorkehrungen für das 200-Jahre Jubiläum von Marx zu beginnen. Warum nicht? Wirtschafts- und Kulturdezernent Thomas Egger konnte Gysi beruhigen, Planungen für den 200. Geburtstag liefen bereits. In diesem Jahr feiert Trier den 195. Geburtstag und gedenkt des 130. Todestages von Kalr Marx, der seine weichenstellenden ersten 17 Jahre in der Stadt an der Mosel lebte.

 

"Die Vergartenzwergung des Karl Marx" titelte Der Spiegel: Viel Kritik gab es in den vergangenen Tagen für die Freiluftinstallation des Nürnberger Künstlers Ottmar Hörl. Wenn man die anderen Plastiken von Hörl sieht, kann man diese Beschreibungen nachvollziehen. Alleine mit der geräumigen Aufstellung von rd. 500 Marx-Figuren auf dem Platz rund um die römische Porta Nigra erreicht man gleich eines römischen Forums die Auseinandersetzung mit Karl Marx. Damit kommt man auch der Idee nahe, wonach "Kultur immer auch Politik macht", wie Harry Thiele, Vorsitzender der Kulturstiftung Trier, feststellte. Auf die Freiluftinstallation selber wurde bei ihrer Eröffnungsveranstaltung weiter nicht eingegangen; der anwesende Künstler Ottmar Hörl kam nicht zu Wort.

 

Unverkrampfte, offene, mal kritische oder gar humorvolle Auseinandersetzung

TRIER-Rathaus. Mit Karl Marx und seinem Werk ist ein unverkrampfter und offener Umgang gefragt, stellt OB Klaus Jensen fest. Zahlreiche Angebote der Stadt laden ein sich mit der Person aber mit dem Werk von Karl Marx mal kritisch und mal humorvoll auseinanderzusetzen, wie es in der Einleitung zum Programmheft heißt.

http://museum-trier.de/uploads/media/Begleitprogramm_Ikone_Karl_Marx_01.pdf

Gelungene Eröffnung

TRIER-Porta Nigra/Stadtmuseum. Die einen wurden kaum beachtet, der andere erhielt beachtlichen Applaus: Drei NPD-Brüller stellten sich vor der fast 2000-Jahre-alten Porta Nigra mit in den Eingang des Stadtmuseums und zeigten einen schlechten Geschmack mit ihrer Parole „Gregor Gysi! Neue Soziale Ungerechtigkeit! NSU“ und wurden kaum beachtet. Beachtlichen Applaus hingegen erhielt Gastredner und MdB Dr. Gregor Gysi.

 

„Karl Marx war ein herausragender Philosoph und Wissenschaftler, der heute weltweit der bekannteste Deutsche ist und von dem man vor allem lernen kann, wie man gesellschaftliche Realitäten zu analysieren hat. Seine größte Leistung bleibt, den Schleier des Geldes gelüftet und der politischen Ökonomie des Kapitalismus einer radikalen Kritik unterzogen zu haben.“
     Dr. Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im deutschen Bundestag

Gysi forderte nach charismatischer Einleitung einen unverkrampften Umgang mit dem Werk von Karl Marx und lebte es in seiner Rede zugleich vor. Der Umgang mit Marx sei ebenso wenig einfach wie mit Bismarck. Letzterer sei verantwortlich für drei Kriege aber auch für die Schaffung des deutschen Staates und Sozialversicherungen. Andere Staaten gehen dahingehend sehr viel offener mit entscheidenden Persönlichkeiten ihrer Geschichte um. Den biographischen Daten über Marx folgten Beispiele des Missbrauchs seiner Lehren. Aber, „das kann man ihm ja nicht anlasten“.

"Es gibt keinen Grund für die Trierer, nicht stolz auf den berühmtesten Sohn ihrer Stadt zu sein." Er empfahl auch die Benennung der Universität nach Karl- Marx. Bereits 2004 wählten die Trierer Bürger Marx zum berühmtesten Sohn der Stadt. Somit sprach Gysi den Lokalpatriotismus an, was das Publikum mit minutenlangem Applaus quittierte. Er riet "gleich morgen" mit den Vorbereitungen für den 200. Geburtstag in fünf Jahren zu beginnen. Kulturdezernent Thomas Egger bestätigte aber, dass die Vorbereitungen bereits liefen.

 

„Kultbilder und Bilderkult“ - Ausstellung zur Ikone Karl Marx

TRIER-Stadtmuseum. Die Ausstellung zur Ikone Karl Marx zeigt wie facettenreich politischer Bilderkult mit dem Hintergrund unterschiedlicher historischer Entwicklungen sein kann. Nach einer Einleitung in den Weg der Ikonographie wird Marx als Ikone der frühen Arbeiterbewegung und dann in Historienbildern dargestellt. Wenn noch zu Lebzeiten Marx häufig zusammen mit anderen Arbeiterführern in zumeist gleich gestalteten Porträts gezeigt worden ist und damit zugleich eine politische Botschaft verband, so entstanden in kommunistischen Staaten im 20. Jahrhundert Bilder mit Bezügen zur Werkgeschichte von Marx und Engels. Manche davon prägten nachhaltig das ideologisch gewollte Bild von Marx. Der lesenswerte Katalog (39,- €) geht über die Ausstellung deutlich hinaus. Die Ausstellung läuft im Stadtmuseum Trier vom 17. März – 18. Oktober 2013.

 

 

Fotogalerie

"unverkrampfter" Umgang mit Karl Marx - Ob das von dem Festredner gemeint war?
Im Bild: ein Passant verpasst (der Plastik von) Karl Marx eine Reibung...

 

 

 

Bibliographie:

Losgelöst aus dem Licht des 20. Jahrhunderts wird in der aktuell erschienen Biographie Karl Marx im Umfeld der gesellschaftlichen Strömungen seiner Zeit neu gewichtet. (ISBN 978 3 406 64096 4)

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Imprint

Text: (c) by Der Hosmok
Publication Date: 05-05-2013

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