Cover

Titel

Titelbild: Angela Körner-Armbruster

Vorwort

Liebe Leser,

es ist Ihnen gewiss aufgefallen, dass wir dieses Mal eine DoppelAusgabe für Sie gestaltet haben. Die "normale" für den Juli und ein großes Urlaubsschwelgen für den August. Also ist es wie immer, nur doppelt so schön: Das sommer-wind-Journal bringt jede Menge frischen, freundlichen Lesewind für Sie!

Bleiben Sie gesund und lesefroh

wünscht Ihnen Angela Körner-Armbruster

 

 

 

 

Wie immer gilt:

Wir veröffentlichen stets zum Monatsbeginn und wollen frisches Lesevergnügen bringen. Ein übergeordnetes Thema gibt es normalerweise nicht. Das Journal soll kunterbunt und vielfältig sein - und vor allem: Positiv!

Unser Verlag trägt den Namen „SommerWind“, weil er luftig und belebend sein möchte. Das Sommer-Wind-Journal soll Begegnungen mit Menschen und ihren Träumen, ein entspanntes und entspannendes Lächeln und vielleicht sogar einen anderen Blickwinkel bringen.

Und es ist ein MitMachJournal. Schicken Sie mir also Ihre Erlebnisse, Ideen, Reisebilder. Berichten Sie von einer Ausstellung, einer Sammlung, einem Hobby… was immer Sie möchten. Ich freue mich auch über kleine Beiträge!

Impressum:

Sommer-Wind-Verlag

Angela Körner-Armbruster

Kapellenweg 14

88427 Bad Schussenried

kontakt@sommer-wind-verlag.de

 

© 2019 sommer-wind-verlag Körner-Armbruster

Der Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages möglich. Die Verwendung in anderen Medien, Seminaren, Vorträgen etc. ist verboten.

Inhalt

Rückblick: Erika

Ausblick

Zahlenspiele

Fundstück: Steinhuder Meer

Reise in die Vergangenheit

Schmunzler des Monats

Bild des Monats

Gedicht des Monats: Haide Hattmannsdorfer

Geschichte des Monats: Renate Brunner und ihr Schaf

Handschriftliches

SpielkartenGlück

PostkartenGlück

LeseGeschichte:

Redewendungen

Aberglaube und Brauchtum

BauernRegeln

Kirchen

Bäume

Lesegeschichte:

BildGeschichte:

Unterwegs für Sie: Lüneburger Heide

Fortsetzungsroman: Last Minute Rom

KünstlerPortrait: Karin Jablonka

LeseGeschichte:

Zugehört

Ohren auf: Sah ein Knab ein Röslein stehn

Hobby: Karin und Hermann Maucher

LeseGeschichte:

BurgGeschichten: Wewelsburg

Sammlerglück: Muscheln

SchilderSpaß

Schönheit des Alltags

Mach es wie die Sonnenuhr

MuseumsTipp:

Kopfnicken

Kopfschütteln

Kleines Erlebnis

Staunen

Deutsche Sprache

Wo wohnst du?

Gut zu wissen

Aufgegabelt

Leckeres Wissen: Buchweizen

Tierisches Wissen

Begegnung: Rolf Nobel

Serie: Mit der Apfelscheuer durchs Jahr

Vorausgedacht

Zum guten Schluss

 

SonderAusgabe: Urlaubsglück



Unsere MitMacher wohnen in:


Besonderer Dank in diesem Monat an:

Albert Scherer

Alexandra Taschner

Angelika Hinkelmann

Antje Koller

Bastian Armbruster

Brigitte Marx

Christiane Stuber

Desi Seher

Gloria Fröhlich

Haide Hattmannsdorfer

Heike Rissel

Hermann Maucher

Ingeborg Saes

Karin Jablonka

Karin Maucher

Ludwina Simmet

Lutz Armbruster

Mathias Westburg

Matthias Hummel

Reinhard Kallweit

Renate Brunner

Rolf Nobel

Rosemarie Willig

Rudy Schall-Osper

Siggi Stein

Susanne Winkler

Volker Kiemle

Rückblick

Diesen Monat kommt es stark darauf an, in welchem Alter Sie sind. „Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein“ ist nämlich ein bisschen speziell. Ich habe das Lied von meinem Vater kennen gelernt und dachte, es sei ein kitschiges Schnulzending, zu dem man früher getanzt und kokettiert habe. Heide, Hotte Buchholz, Liebesschwüre, all so was eben. Vielleicht aber kennen Sie es sogar aus Steven Spielbergs Spielfilm „Schindlers Liste“?

Ich hatte als Zehnjährige und als fast Sechzigjährige keine Ahnung, was dahinter steckt! Nur durch Zufall entdecke ich, dass die liebe Erika ungefähr 1930 von einem Spezialisten für Marschlieder komponiert wurde. Er hieß Herms Niel und lebte von 1888 bis1954.

Aber nun will ich Ihnen erst mal den Text zeigen:

Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein

und das heißt Erika.

Heiß von hunderttausend kleinen Bienelein

wird umschwärmt, Erika.

Denn ihr Herz ist voller Süßigkeit,

zarter Duft entströmt dem Blütenkleid.

Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein

und das heißt Erika.

 

In der Heimat wohnt ein kleines Mägdelein

und das heißt Erika.

Dieses Mädel ist mein treues Schätzelein

und mein Glück, Erika.

Wenn das Heidekraut rotlila blüht

singe ich zum Gruß ihr dieses Lied.

Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein

und das heißt Erika.

 

In meinem Kämmerlein blüht auch ein Blümelein

und das heißt Erika.

Schon beim Morgengraun, so wie beim Dämmerschein,

schaut’s mich an, Erika.

Und dann ist es nur, als spräch es laut:

Denkst du auch an deine kleine Braut?

In der Heimat weint um dich ein Mägdelein

und das heißt Erika.

 

Herrlich rührselig, nicht wahr? Und kaum vorstellbar, dass jener Herr Niel 1933 in die damals angesagte Partei eintrat und Kapellmeister beim Reichsmusikzug des Reichsarbeitsdienstes wurde und sich zu Propagandazwecken sehr viele Marschlieder einfallen ließ. Volksnahe und einfache Lieder mit Herz und Schmerz sollten über den Alltag und die Hintergründe hinwegtäuschen.

Ich kann nicht sagen, dass ich blauäugig war. Ich hab es einfach nicht gewusst. Woher auch? Ich bin 1960 geboren. Aber es erstaunt mich doch sehr, dass die „Erika“ im Ausland als „typisch deutsch“ eingestuft wird und tatsächlich 1984 bei der Fußball-EM auf dem Weg ins Stadion von manchen Fans gegrölt worden war. Ob Tony Marshall das alles gewusst hat, als er 1977 zusammen mit „Muss i denn zum Städtele hinaus“eine Schallplatte damit bestückte?

Noch verrückter ist jedoch, dass es dieses Lied sogar auf finnisch und Afrikaans gibt!

Ausblick auf kuriose Tage im Juli

Zum einen ist da der Internationaler Witze-Tag und lustigerweise auch der Habe-ich-vergessen-Tag. Für mich passt das, denn ich kann mir keine Witze merken, also würde ich beide Tage gleichzeitig feiern. Der Welt-UFO-Tag kann insofern spannend werden, dass sie an diesem Tag eine Umfrage starten, einfach nur so: Wer würde mit einem Ufo mitfliegen und warum? Da kommen gewiss spannende Gespräche zustande.

 

Ebenfalls spannend ist der Tag des Ungehorsams. Jeder von uns ist das, mal mehr mal weniger, bewusst und unbewusst. Der Tag des Ungehorsams soll am 3. Juli begangen werden und an den Tag des zivilen Ungehorsams erinnern. Der Hintergedanke: Bürger sollen aktiv an der Politik ihres Landes teilnehmen, indem sie friedlich gegen ein Gesetz protestieren, das sie aus irgendwelchen Gründen als nicht rechtmäßig einstufen.

 

Wer keine hat, kann auch den Tag der Klimaanlage nicht feiern, sondern bei extremer Hitze den Brate-Eier-auf-dem-Gehweg-Tag. Dazu frönen wir dem Tag der Country-Musik und vergessen den Tag der Workaholics, um zu überlegen, was um alles in der Welt ein Tag der Regenschirmhülle soll?

 

Beim Internationalen Tag des Kusses müssen wir hoffentlich nicht lange überlegen! Und beim Sag-die-Wahrheit-Tag auch nicht. Geh-in-den-Park-Tag ist bei mir fast jeden Tag und Tag der Schokolade sowieso.

 

Interessant ist der Tanabata-Tag. Ein Sternenfest mit chinesischem Ursprungs. Es erinnert an einen Rinderhirten und eine Weberin, die voneinander getrennt rechts und links der Milchstraße verbannt wurden. Der Grund? Sie haben sich so sehr geliebt, dass sie nicht mehr arbeiten wollten! Also wurden die Tiere krank und es gab keinen neuen Kleider mehr. Ein Mal im Jahr aber lässt sie der Fluss der Milchstraße ungehindert zueinander kommen! Am Vorabend werden traditionell Bambusbäume aufgestellt. An ihnen befestigt man Zettelchen mit Wünschen und hofft, dass sie in Erfüllung gehen.

 

Dann haben wir noch den Internationaler Tag der Stadtschreier. Da fallen mir einige Menschen ein. Wichtigtuer, die immer zu viel und zu laut reden und immer ihren Senf dazu geben müssen und all rundum nerven. Ist das gemeint? Nein. Der Stadtschreier verkündete früher im Auftrag der Gemeindeverwaltung amtliche Bekanntmachungen und wichtige Dinge des gesellschaftlichen Lebens. Bekanntes ist vielleicht der Name „Ausrufer“. Weil sie mit einer Glocke auf sich aufmerksam machten, nannte man sie allerdings auch „ Ausscheller“.

 

Und sonst? Sie könnten den Tag der Zuckerplätzchen mit dem Tag des Rock’n’Roll verbinden und den Ehrentag der Kuh mit dem Tag des Teddybär-Picknicks oder dem Tag der Haustierfotos. Dann geht es mal so richtig tierisch zu!

 

Den Muntere-die-Einsamen-auf-Tag sollten wir alle in Ehren halten, nicht wahr, und ein monatlicher Tag der Einfachheit täte uns gewiss auch gut. Wie ist mit dem Tag der fröhlichen Arbeitnehmer? Schon schwieriger.

 

Noch schwieriger finde ich den Tag des gelben Schweins am 17.Juli. Ich persönlich kenne keine gelben Schweine und so interessiert es mich, wie dieser Tag zustande kommt. Er wurde in den 1960er Jahren von den Herren Michael Spivak und David C. Kelly ins Leben erfunden. Beide sind Mathematiker und feiern an diesem Tag die Zahl 17. jetzt sind sie wohl ebenso verblüfft wie ich, was? Warten Sie ab, die Erklärung geht weiter und dann dürfen sie so richtig schmunzeln. Die beiden mussten nämlich angeblich bei der Zahl 17 an ein gelbes Schwein mit 17 Zehen, 17 Zähnen, 17 Wimpern (den Rest dürfen sie sich selbst denken) denken. Nun gut, die Gedanken sind frei…

 

Der Internationaler Tag der Gerechtigkeit und der Welt-Zuhör-Tag erscheinen mir persönlich wichtiger als der Tag des Kaviars oder der Tag der sauren Süßigkeiten. Für den Tag der Hängematte könnte ich mich heute, bei 36 Grad Celsius schon erwärmen. (Dieses Wortspiel musste einfach sein!) Am Tag der großartigen Großmütter erhebe ich mein Glas auf mich und unsere Enkelinnen, denn der passt zum Internationalen Tag der Freude. Nur – was fang ich mit dem Nadel-Einfädelungs-Tag oder dem Alles-oder-Nichts-Tag an? Nichts. Und auch nicht mit dem Geh-mit-Deiner-Zimmerpflanze-spazieren-Tag. Statt dessen ein dreifach Hoch auf den Unikeonpäivä! Den kennen Sie nicht? Das ist der Siebenschläfertag oder der Tag der Schlafmütze in Finnland!

Zahlenspiele


700 Millionen 200-Euro-Scheine wurden in diesem Monat neu gedruckt. Für uns. Für Sie und für mich. Das finde ich wirklich nett von der Notenbank. Nur her damit! 700 Millionen klingt viel, nicht wahr? Aber nicht, wenn man das große Ganze betrachtet. Allein in Deutschland sind nämlich derzeit 22,61 Milliarden Banknoten mit einem Gegenwert von 1,231 Billionen Euro und 130,72 Milliarden Münzen mit einem Gegenwert von 29 Milliarden Euro im Umlauf.

In meinem Geldbeutel sind, Moment bitte, 41 Euro und 97 Cent. Wo ist der Rest? Andererseits ist es auch so, dass nach Angaben der Bundesbank sechs Prozent der Euro-Blüten bei den Hundertern und ein Prozent bei den Zweihundertern zu finden sind. Polizei, Handel und Banken haben im vergangenen Jahr europaweit 563000 gefälschte Banknoten aus dem Verkehr genommen. Der rechnerische Schaden betrug somit 31,4 Millionen Euro. 58000 Banknoten befanden sich übrigens in Deutschland.

Fundstück vom Steinhuder Meer

Wenn da schon so viele Touristen vorbei kommen, dann kann man sie doch anlocken?

 

Reise in die Vergangenheit: Heide

Wer ein Zauberfernglas besitzt, kann damit weit zurück schauen in eine Zeit, in der die Lüneburger Heide noch ein Gletscher war. Keiner hatte eine Ahnung, dass hier Wälder und Moore und lila Heide sein würden, denn alles war mit Eis bedeckt.

Erst durch eine starke Erderwärmung schmolzen die Gletscher und das Starre wurde lebendig. Unvorstellbare Mengen von Sand und Steinen machten sich auf den Weg, um schließlich – ich glaube es war an einem Mittwoch im Juli – einen Stau zu erleben. Nicht auf der Autobahn, auch nicht an der Supermarktkasse oder beim Eisverkäufer – nein, es staute sich Geröll. Um genau zu sein, es staute sich 169 Meter hoch und ich habe den Verdacht, dass es Riesen waren, die Willsde mitspielen? fragten und ihr Bauwerk den Wilseder Berg nannten.

Einige Zeit, nur einen Wimpernschlag später gewissermaßen, hatte sich so viel Erde und Humus gebildet, dass darauf verschiedene Bäume wachsen und einen großen Wald bilden konnten. Immer wieder kamen die Riesen und pflückten sich einige Bäume als Spazierstöcke, verschütteten von ihrem Apfelsaftschorle ein wenig und es entstanden zwischen den Wäldern Moore. Weil die Riesen für alles einen Namen brauchten, um sich darüber unterhalten zu können, nannten sie das Ganze schlicht das Ende der Eiszeit und beschlossen, sich Ruhm und Ehre zu sichern, indem sie eine einzigartige Kulturlandschaft anlegten. Ein Langzeitprojekt, so eine Art Bundesgartenschau, nur etwas größer.

Das Ergebnis gefiel ihnen so gut, dass sie begannen, den Wald zu roden und Körner in die Erde zu legen. Mal sehn, was passiert, dachten sie sich und die Frauen nannten das, was sie da taten, Ackerbau und die Männer schwelgten in großen Dimension und beschlossen: Was Neues muss, her, jetzt haben wir Jungsteinzeit! Weil noch niemand den Dünger erfunden hatte und der Kaliberg am Steinhuder Meer auch noch lange auf sich warten ließ, waren die jungen Flächen bald ausgelaugt. Die Erträge schwanden, keine Regierung war da, die den Bauern den Ernteausfall vergoldete und so ließen sie die Sache mit den Feldern entmutigt sein. Das war die Chance der Heide! Sie überwucherte eifrig und erfolgreich die brachliegenden Felder und fühlte sich rundum wohl. Aus Freude über dieses ungestüme Wachsen bekam die Heide rote Bäckchen und nannte das Herbst.

Ärgerlich war nur, dass ein paar Monate später unter dem Begriff Mittelalter wieder neue Heidebauern ankamen und in ihrem Tatendrang die Schafzucht erfanden. Die Idee hatten sie von Wandersleuten aus dem Norden, die ihre Tiere wegen der zu erwartenden Seekrankheit nicht mit nach Amerika nehmen wollten. Die Kinder beschlossen, das neue Tier sei ungemein schnuckelig und die Väter trieben es hinaus auf die Heide. Ausgehungert begannen die schnuckeligen Viecher zu fressen und schrieben hochmotiviert „Landschaftspfleger“ auf ihre Visitenkarten.

Da die Heidschnucken mit der lästigen Schererei viel Arbeit machten, legten sich die Bauern ein neues Hobby zu. Es waren winzig kleine Tiere, die man nicht scheren musste und die über die blühende Heide herfielen und die Mädchen beschlossen, man solle sie Bienen nennen. Bienen und Heidschnucken fühlten sich in der Weite der baumlosen Heide sehr wohl.

Inzwischen hatte die Geschichte der Menschheit das 19. Jahrhundert erreicht und und leider auch eine Pechsträhne. Irgendwer von außerhalb hatte nämlich eine Wolle erfunden, die viel weicher und besser zu verarbeiten war als die Schnuckenwolle, außerdem bei 30 Grad waschbar und fortan wollten alle Mütter nur noch mit Merinowolle stricken. Pech für die Heidebauern. Sie gaben klaglos auf, verkauften ihr Land und zogen nach Wanne-Eickel oder Uppsala.

Wie gut, dass eine Familie aus dem Schwarzwald eine Abbiegung verwechselt und sich in die sich selbst überlassene Heide verirrt hatte! Sie kannten sich bestens mit Bäumen aus, forsteten das, wie sie meinten, abstoßend öde Land auf und als sie dann im Internet ein Schnäppchen für einen großen Posten Dünger ersteigerten, streuten sie ihn mit beiden Händen gleichzeitig aus. Olaf und Birte waren inzwischen wegen einer unüberwindbaren Abneigung gegen Baseball aus Amerika zurück gekehrt und brachten Kartoffeln mit. Kartoffeln plus Dünger plus Heidelandschaft waren ein absolutes Erfolgskonzept.

Plötzlich gab es einen echten Boom, alle wollten Kartoffeln, keiner interessierte sich mehr für Spätzle, Reis oder Döner. Also baute man viele, viele Kartoffeln an und die Heidelandschaft wurde deshalb wieder kleiner. Als eines schönen Sommermorgens die Mädchen weinten, weil sie nirgends mehr einen Platz für ihr Puppenpicknick fanden, war es salopp gesagt, kurz vor Zwölf. Wir haben ja fast keine Heide mehr! wunderten sich die Dorfältesten. Wo sollen denn die Touristen mit ihren Stöcken wandern gehen?

Rasch wurde die Not erkannt und man gründete einen Naturschutzverein. Zusammen mit dem Liederkranz und einem Bundespräsidenten, der dann hoch auf dem gelben Wagen von Oberhaverbeck nach Undeloh fuhr und fröhliche Liedlein schmetterte. Nun schien die Welt perfekt. Es gab von allem ein wenig, gerade im richtigen Gleichgewicht. Opa Schlummbohm dachte sich, gewissermaßen als Sahnehäubchen, eine mehrschichtige Buchweizentorte aus und die Schäfer führten in ihrer Freizeit die Schaulustigen durch farbenfrohe Heide und mystische Moore. Alles duftete gut und zu Essen gab es in Hülle und Fülle. Man war zufrieden.

Allein der Totengrund, ein steinernes Überbleibsel der Eiszeit, machte nichts her. Alles lag unordentlich herum und man lenkte die Pferdekutschen schamhaft darum herum. Das wäre wohl heute noch so, wenn nicht ein Hamburger Oberschullehrer bei der Suche nach dem perfekten Jogaplatz diese Steine entdeckt hätte. Mit den örtlichen Pfadfindern probierte er alte römische Hebeltechniken aus und sie bauten wie aus Bauklötzen eine kleine, steinerne Stadt mit sieben Häuschen als Schutz vor den in der Heide schnell anrollenden Gewitterfronten.

Gottlieb Hünen war übrigens der Name des Lehrers und als Anerkennung für den ehrgeizigen Anführer dieser kräftezehrenden Unternehmung nannte man das kleine Dörflein Hünen und alle, die Abwassergräben und Badeteiche buddelten, waren die Hünengräber. Dieser Begriff wurde später gründlich missinterpretiert – aber was macht das schon? Zwischen der Eiszeit und heute darf sich auch mal ein kleiner Irrtum einschleichen!

Kein Irrtum aber ist, dass diese Landschaft, an der so viele kreative Menschen beteiligt waren, rundum gelungen und wunderschön ist. Wer es wagt, zu widersprechen, dem wird beim nächsten Neumond ein Irrlicht geschickt, dann wird er schon sehen, was er von seinem nicht-an-Geschichten-glauben hat!

Schmunzler des Monats

Ich weiß nicht so recht, ob ich über den Herrn selbst oder die über ihn schreibenden Medien schmunzeln soll. Auf jeden Fall ist es jetzt schon wieder so weit, dass kaum eine Meldung ohne die Erwähnung der „mörderischen Hitzewelle“ vergeht.

Die Titelzeile „Trotz Hitze überfällt Mann Geschäft mit Skimaske“ lässt mich stutzen. Was ist so erstaunlich? Dass der Herr trotz der wärme Lust einen Überfall plant oder dass er trotz der Wärme eine Skimaske trägt?

Als ich weiterlese, wird mein Grinsen noch breiter. Der Maskenträger stieg auf sein Fahrrad und fuhr in eine nahegelegene Hofeinfahrt. Ein Kunde folgt ihm und sah verblüfft zu, wie der Räuber erst die Skimaske abnahm, dann die Schuhe und die Hose auszog und schließlich, leichter bekleidet und wohl zufriedener, das Weite suchte und fand.

Bild des Monats: Hier wachsen Heideschnullis

Gedicht des Monats: Haide Hattmannsdorfer

 

 

Es erstaunt mich.....

 

 

Es erstaunt mich immer wieder,

wie ein morbides Gemäuer,

meine Stimmung erhellen kann.

 

Es erstaunt mich noch immer,

wie ein kleines Blümchen,

mir so viel Freude bereiten kann.

 

Es erstaunt mich nicht mehr,

wie ein kleiner Sonnenstrahl,

meine Seele erhellen kann.

Geschichte des Monats: Mein neues Hobby

Von Renate Brunner


Gerade habe ich versucht, ein Schaf zu zeichnen. Der erste Versuch ist komplett danebengegangen. Das Schaf guckt irgendwie wie meine Schwester. Blödes Schaf! Zack. Durchgestrichen. Aber ich werde es nicht vernichten, weil es mich an meine große Schwester erinnert. Der Blick zumindest. Schadenfroh wie früher: „Ist wohl nix geworden meine Liebe“.

Na ja, dann male ich eben einen Hasen. Der ist schnell fertig und, wie ich finde, sehr gelungen. Mein Hase schaut mich frech und lustig von dem Blatt Papier aus an. Bunt ausgemalt habe ich ihn auch. Schön! Sehr schön!

Aber ich werde doch wohl ein Schaf malen können. Versuch Nummer zwei gestartet. Und was ich jetzt zu Papier gebracht habe, bringt mich so zum Lachen, dass ich nur noch nach Luft japse. Mein Lieblingsschaf, mein Lachschaf, mein Gute-Laune-Schaf. Ich schicke es umgehend einer Freundin die gerade nicht so gut drauf ist. Damit kann ich sie wieder zum Lachen bringen und sie meint, dass dieses Schaf komische Füße hat:

„Kann es damit beißen?“

Das bringt mich noch mehr zum Lachen und ich schreibe zurück: „Das sind Hufe“

Nun da mein Schaf auch noch ein Retter-in-der-Not-Schaf ist, ich schicke ihr noch eine Nachricht: „Immer wenn du denkst es geht nicht mehr ……“

Die Antwort kommt prompt: „.... kommt Renates Schaf daher“

Damit bekomme ich erneut einen Lachanfall und beschließe, dass mein liebes Schaf nun noch ein paar mehr Menschen erfreuen darf. Vor mich hin lachend versende ich das Bildchen. Und ein paar Wochen später verirrt sich dann mein Schaf im „Schnittlauchwald“ und wird zum Piratenschaf. Richtig gefährlich, piratenmäßig eben, schaut es zwischen den Bäumen hindurch, bedrohlich mit seinen Zubeiße Füßen. Dem möchte ja wohl Keiner zu Nahe kommen.

Aber zurück zum Malversuch. Ich werde doch wohl ein ordentliches Schaf zeichnen können. Wäre doch gelacht, wenn das nicht klappen würde. Morgen, das probiere ich dann morgen nochmal. Plötzlich fühle ich mich zurückversetzt (ganz weit zurück) in die Zeichen- und Malstunde in der Schule, wie schön das immer war und sehe mich vor dem großen Zeichenblock sitzen, sehe meinen Malkasten und den farbverschmierten Wasserbecher vor mir und sehe mir beim Farbmischen zu.

Jetzt will ich aber auch wissen wie ich damals benotet wurde und wühle meine Zeugnisse heraus. Da haben wir es! Ha! Im Zeugnis des „6.Schülerjahrganges hatte ich ein „sehr gut“. Ahnte ich es doch: Fast ein Genie! Doch Hochmut kommt vor dem Fall! Später fiel die Note allerdings ab auf eine Zwei. Na ja. Wieder ein Jahr später dann eine drei. Okay, wahrscheinlich wurde der nachgezeichnete „Dürer-Hase“ nicht so schön. Die Lehrerin hat eben mein Genie verkannt. Hahaha…

Egal, dieser neuen Herausforderung werde ich mich stellen und sei es nur, um etwas zum Lachen zu haben. Dazu brauche ich jedoch noch Arbeitsmittel, was da wären: Buntstifte. Mit den vorhandenen Stiften, 12 Farben, komme ich nicht weit. Vorerst reicht allerdings eine Packung mit 36 Stiften, 60 Farben wären natürlich noch besser, aber in guter Qualität etwas teuer. So habe ich jetzt Farbnuancen von rosa bis dunkelrot und von hellblau bis azur, gold und silber und viele grüns, ausreichend für mein neues Hobby.

Und was für ein Schafe-Fest das am nächsten Tag wurde! Sieben Schafe und Lachen ohne Ende. Das Lustigste davon wurde das Lama-Schaf. Eigentlich schaut es mehr wie ein Alpaka aus, mit seinem langen Hals, dem Haarschopf und seinem treudoofen Blick. Dann gibt es noch ein Wollschaf mit seinem Lämmchen, ein Krimischaf und ein Sportschaf. Ein Leseschaf und ein Schafschaf. Später kam noch das „Kopfhörerschaf“ für die vom Baustellenlärm geschädigte Hanna dazu.

Nachdem meine Schafe auch einen Ort brauchen, wo sie sich wohl fühlen können, ein Zu Hause eben, male ich fröhlich und bunt eine Schafewelt. Ich überlege mir eine Geschichte dazu und weil das ein Buch werden soll, verrate ich jetzt nichts weiter. Hoffe nur, dass ich damit bis zum Geburtstag meines geliebten Enkels fertig werde.

Mein Sohn fragt, wie ich auf die Idee gekommen bin, Schafe zu malen, aber so richtig kann ich es nicht erklären. Wie ich überhaupt darauf komme zu zeichnen? Da fällt mein Blick auf das Blatt Papier mit den ersten Versuchen und da weiß ich es, warum. Links oben ist er, der Verursacher des Malwahnes. Es ist der Panzerknacker! Den habe ich für meine Trickbetrüger Geschichte gemalt. Und der Panzerknacker ist richtig gut geworden. Meiner Meinung nach, wenigstens. Da wollte ich noch weiter malen, weil es richtig Spaß gemacht hat. Und weil ein Schaf ja wohl das einfachste ist, was man malen kann, habe ich eben ein Schaf gemalt.

Määäähhhhh!

Buntes Glück


Handschriftliches

Handschriftliches

SpielkartenGlück

Zur UnterwegsSonderausgabe passt natürlich dieser unbeschwert pfeifende Wanderer besonders gut. Sehen Sie, mit welch leichtem Gepäck er unterwegs ist? Und sehen sie auch, dass er nicht allein ist? Er wird von einem Piepmatz begleitet, der ebenso frei und heiter ist - wie schön muss das sein!

PostkartenGlück

Buntes Glück

Redewendungen

Ich behaupte mal frech, dass ich als Journalistin täglich mehr Neues lerne als zuvor in meinem Leben. Mein Beruf, gepaart mit dem Internet (und inzwischen anders unvorstellbar) das ist eine tolle Konstellation. Gestern fiel mir das wieder besonders auf.

Ich durfte über ein besonderes Radrennen berichten und im Lauf des Tages erfuhr ich, dass die Radler ebenso wie die Kegler oder Angler einen „Spruch“ haben: Kette rechts!

So weit so gut – nur: Was bedeutet das? Dank Internet weiß ich es jetzt: Man fährt vorn auf dem rechten, großen Kettenblatt und hinten auf dem rechten, kleinsten Ritzel – also dem größtmöglichen Gang und super schnell!

Aberglaube und Brauchtum

„Oh schaurig ist´s übers Moor zu gehen,“ wusste Annette von Droste-Hülshoff und schrieb es in einer Ballade nieder. Was da aber auch an Gefahren lauern. Unter den dicken Grasbüscheln wohnen die Unterirdischen und wehe dem, der aus Unachtsamkeit auf solch einen Grashügel tritt!

Vor allem aber treiben Irrlichter ihr Unwesen im sumpfigen Moor, vor denen muss man sich sehr hüten. Diese Irrwische oder Spuklichter werden auch Dödenlicht oder Tückebold, ja sogar fürige Kerls oder gläunige Hex genannt.

Sie flackern und brennen, hüpfen und schweben und manchmal stehen sie stille und warten auf ein Opfer, das sie in die Irre führen können. Ein anderes Mal aber wandern sie umher und suchen dich!

Wandernde Seelen sind das, die keine Ruhe finden. Mörder und Einbrecher enden als Irrlicht und auch ungetaufte Kinder. Natürlich müssen so auch Nonnen, die sich nicht an die Ordensregeln gehalten haben, durch die Nacht wandern.

Deshalb bleiben wir des Nachts der Heide und dem Moor fern. Nur so können uns „Lüchten und Lämmken“ nichts anhaben.

Oder gehen wir ganz ohne Sorge durch die Nacht, weil wir wissen, dass es nur eine oberflächliche Verbrennung von Sumpf- und Faulgasen ist, die sich selbst entzündet haben?

Auf jeden Fall sollte man auf donnerndes Rummsen achten – vielleicht kommen die Riesen wieder zurück? Wenn sie hungrig werden, halten sie die Windmühlenflügel an, und zwingen den Müller sein Mehl herzugeben. Manchmal legen sie sich auch in den Bach und trinken ihn leer oder sie besuchen die Bäcker in ihren Backstuben und pusten so lange das Mehl aus den Fenstern,

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 06-30-2019
ISBN: 978-3-7487-0879-7

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