Cover

Leseprobe

 

 

 

Dani Brown

 

 

 

 

 

 

Mars Spektakulum

 

 

 

 

 

 

Das Unheimliche ist längst unter uns

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.

 

Miguel de Unamuno y Yugo

 

 

 

Für meine tapfere Prinzessin Julia

 

 

 

 

Wer annimmt, der gesamte Roman enthält komplett nur Science Fiction, den muss ich bitter enttäuschen. Vieles ist wahr, entspricht den Tatsachen und letztlich der Realität. Nur leider wird manches negiert, ignoriert, verheimlicht oder einfach unter den Teppich gekehrt.

 

 

 

 

 

 

Review

 

Déjà-vu oder Verschleierungstaktik?

 

Die kleine Ortschaft Dulce liegt im Norden von New Mexico. Von seinen 2800 Einwohnern ist der größte Teil indianischer Abstammung. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass dieses Städtchen gleichzeitig Hauptort sowie Verwaltungssitz der Jicarilla-Apache-Reservation ist.

Es gibt eigentlich nicht allzu viel zu sagen über eine menschliche Ansiedlung, die ziemlich einsam und verlassen im Nirgendwo liegt. Denn letztlich sind im Süden und Südwesten zahlreiche ähnliche Landstriche zu finden.

Doch in der Nähe dieser Ortschaft befindet sich ein Farmhaus, das großräumig von einem meterhohen, stacheldrahtbewehrten und unter Starkstrom stehenden Schutzzaun umgeben ist, hinter dem schwer bewaffnete Soldaten, ohne jegliche Rangabzeichen, patrouillieren.

Allein das ist ein untrügliches Zeichen, dass das aus Holz gezimmerte und weiß gestrichene Gebäude nur als Tarnung gedacht ist. Gleich darunter erstreckt sich, auf mindestens 7 Stockwerken, eine mysteriöse Anlage in den felsigen Untergrund von New Mexico. Das Internet ist seit Jahrzehnten voll von diversen Vermutungen und Verschwörungstheorien, die diese Geheimbasis betreffen sollen. Doch nur weniges davon, sollte später tatsächlich der Wahrheit entsprechen. So ist hinlänglich bewiesen, dass der örtliche Sheriff häufig merkwürdige Lichter am Himmel und über den weitläufigen Weiden des Arriba Countys sichtete.

Am nächsten Morgen fanden entsetzte Farmer genau am Sichtungsort tote Kühe, die grausam verstümmelt waren. Doch leider blieb es nicht nur bei Rindern, Schweinen und Schafen. Schon bald vergriffen sich die unheimlichen Täter zielgerichtet an zahlreichen Menschen. Die ausgeweideten, blutleeren und zerstückelten Opfer ließ man irgendwo in der Landschaft liegen. Es schien den Mördern völlig egal zu sein, über die Leichenteile entdeckt werden oder nicht. Wie nennt man so ein Verhalten. Skrupellos? Unmenschlich? Erbarmungslos? Vermutlich irgendetwas dazwischen.

Jahre später gesellten sich zu den Merkwürdigkeiten geheimnisvolle Geräusche hinzu. Sie waren vor allem in der Nacht in der gesamten Umgebung des Städtchens zu hören und brachten zahlreiche Menschen um den verdienten Schlaf. Mal war es ein unheimliches Brummen, ein anderes Mal ein lautes Pfeifen und es ließ sich nie genau feststellen, aus welcher Richtung die Töne kamen.

Doch diese mysteriösen Aktivitäten und auch der Bau der hochgeheimen Dulce Basis hatten eine bemerkenswerte Vorgeschichte. Letztlich ging Beides auf ein Treffen zurück, das 1954 Jahr stattfand und fortan das Schicksal und die Zukunft der Menschheit bestimmen sollte. Wie sagte einer der damaligen Protagonisten selbstbewusst: „Ich opfere lieber zehntausende Menschen und rette dafür Milliarden. Allein das, ist die gesamte Sache wert!“

Nur was macht man, wenn sich die Gegenseite nicht an die Vereinbarungen hält? Man setzt sich irgendwann entschieden zur Wehr und erstmalig passierte das Ende der 1970er Jahre. …

*

Nach mehreren schweren Feuergefechten erreichten die Spezialkräfte endlich die 6. Ebene innerhalb der unterirdischen Installation der Geheimbasis. Mark Harper, der Anführer des vierköpfigen Teams, nahm seinen Finger von den Lippen, ehe er leise flüsterte: »Wir versuchen jetzt, die Fahrstuhltür geräuschlos öffnen. Habt ihr verstanden?«

Die Kameraden nickten, während er den Kopf auf die Türoberfläche legte und lauschte. Nach einigen Augenblicken drehte er sich verwundert um und murmelte: »Komisch, es ist nichts zu hören!«

»Ich habe aber eindeutig gehört, wie sich auf dieser Etage der Fahrstuhl öffnete und sich daraufhin Schritte entfernten. Außerdem wurde es ebenfalls auf dem Display am Eingang angezeigt.«

»Nun gut, das kann natürlich ein Ablenkungsmanöver gewesen sein, denn sie sind ziemlich schlau.«

»So klug nun auch wieder nicht, Boss. Außerdem gib es nur 7 Ebenen in diesem Bau, das heißt, ihre Fluchtmöglichkeiten sind arg begrenzt.«

»Das stimmt natürlich. Aber wer weiß, was sie hier unten tatsächlich angestellt haben, von dem wir keinerlei Kenntnis haben.«

Während sich die Männer leise unterhielten, hatten sie ein hydraulisches Spreizgerät in den Spalt zwischen den beiden Türhälften des Fahrstuhls gequetscht und drückten sie langsam auseinander. Was sie dann sahen, überraschte sie. Vor ihnen lag ein langgestreckter breiter Flur, der in ein sanftes bläuliches Licht getaucht war und von dem links und rechts zahlreiche Türen abgingen, die größtenteils offenstanden.

Einer der Männer legte die Spreize auf den Boden und verkeilte zwischen den Fahrstuhltüren ein großes Kantholz, damit sie sich nicht wieder schließen konnten.

Harper wandte sich mit leiser Stimme an sein Team: »Die ganze Sache gefällt mir nicht. Ich gehe davon aus, dass sie sich hier irgendwo verstecken. Passt also auf, dass ihr nicht in einen Hinterhalt geratet.« Dann legte er fest. »Joe und Carlos durchsuchen alle Räume auf der rechten Seite, während Daniel und ich uns um den linken Bereich kümmern.«

»Wäre es nicht besser, wenn wir auf die Verstärkung warten?«

Mark zögerte kurz, ehe er meinte: »Auf keinen Fall. Je eher wir dem Spuk ein Ende setzen, umso schneller sind wir sie los. Okay Jungs, auf geht’s.«

Akribisch durchsuchten sie die ersten Räume, die mit technischen Gerätschaften aller Art vollgestopft waren, deren Verwendung ihnen völlig rätselhaft blieb. Schließlich erreichten sie das Ende des Ganges, den ein hellgraues Tor absperrte.

»Viele Fluchtmöglichkeiten haben sie nicht mehr«, meinte Joe mit nachdenklicher Miene, als sie sich dem Hindernis vorsichtig näherten.

»Wer weiß, was uns für Überraschungen dahinter erwarten!«, erwiderte Daniel leise und umfasste nervös sein Sturmgewehr noch fester.

Kurz bevor sie die Tür erreichten, öffnete sie sich automatisch und gab den Blick in einen größeren Saal frei, in dem gerade einige Deckenlampen angingen und ein spärliches Licht verbreiteten.

Sich gegenseitig sichernd betraten die vier Soldaten den Raum und sahen sich neugierig um. Auf der gesamten Fläche standen überall voluminöse Metallbehälter herum. Von ihrer Position aus konnten sie deutlich erkennen, dass sie keinesfalls leer waren, sondern eine Flüssigkeit enthielten, die fast bis zum Rand der Behälter reichte.

Kurze Zeit später war der Saal gesichert, allerdings blieben ihre Gegner weiterhin unauffindbar. Langsam wurde es unheimlich, denn viele Möglichkeiten verblieben nun nicht mehr, sie endlich zu finden und festzusetzen. Etwas verunsichert sahen sich die kampferfahrenen Männer an. Schließlich ging Carlos gemächlich zu einem in der Nähe stehenden Behälter und schaute neugierig hinein. Plötzlich zuckte er zusammen und wich ein paar Schritte zurück. »Oh, mein Gott!«

»Junge, was ist los?« Harper sah ihn verwundert an.

»Ich habe etwas Schreckliches entdeckt?«

Mark lachte rau auf und als er den Kameraden ansah, dessen Gesicht kreidebleich war, meinte er spöttisch: »Du siehst aus, als hättest du den leibhaftigen Teufel gesehen!«

»Ich glaube, das habe ich auch!« Dann beugte er sich vor und übergab sich direkt auf den Boden.

Irritiert über seine Reaktion gingen die anderen Drei jetzt ebenfalls zum Behälter hinüber und blickten hinein. Er enthielt nicht nur eine klare Flüssigkeit, sondern in ihr schwammen zahlreiche graue Gebilde. Sie sahen mit etwas Phantasie, wie das Innere einer Walnuss oder wie ein dunkel gefärbter Blumenkohl aus. Aber die Größenverhältnisse stimmten nicht und es waren hunderte, vielleicht tausende Objekte, die dicht gedrängt in der unbekannten Flüssigkeit herumtrieben. Es dauerte einen Moment bis die Soldaten begriffen, was sie da entdeckt hatten und Daniel sprach es schließlich aus: »Das sind menschliche Gehirne. Diese feigen Monster, haben hier Menschen getötet!« Es wurde jetzt bittere Realität, was bereits längst vermutet worden war.

»Es hilft alles nichts, wir müssen uns die übrigen Behälter ebenfalls ansehen!«, murmelte Harper und ging zum Nächsten voran.

Wenig später liefen sie rasch zurück zur Eingangstür. Sie wollten nur noch hier raus. Was sie gesehen hatten, war ein Blick in die tiefsten Abgründe der Hölle. Jedes Behältnis enthielt jeweils einen anderen menschlichen Körperteil. Herzen, Gliedmaßen, Köpfe, Rümpfe, Geschlechtsorgane und Augen waren sorgsam herausgeschnitten und zerteilt in der klaren Flüssigkeit abgelegt worden. Es schien sich um die Überreste von tausenden Männern und Frauen zu handeln, die hier aufbewahrt wurden. Sie hatten bereits viel gesehen, doch das hier sprengte jegliche Vorstellungskraft.

»Verdammte Sch ...! Was ist das hier? Ein Schlachthaus?«, brüllte Carlos und schlug, wie von Sinnen, mit der Faust gegen die Wand.

Mark schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht. Vermutlich wurden hier Experimente durchgeführt.«

»Aber, wer in Gottes Namen, hat dem hier zugestimmt? Wir befinden uns in einer Militäranlage der Air Force. Hier kann doch nicht jeder machen, was er will!«

»Ab der 6. Ebene liegen sämtliche Bereiche nicht mehr in der Zuständigkeit der amerikanischen Regierung, sondern in der Verantwortlichkeit der Anderen. Ich werde jetzt versuchen, die übrigen Teams zu erreichen, und danach sehen wir weiter.« Der Teamleiter nahm sein Funkgerät und schaltete es ein. »Hier ist Omega, rufe Alpha!« Dann ging er auf Empfang. Doch nur ein leises Rauschen, das durch das Knacken von atmosphärischen Störungen unterbrochen war, kam aus dem Lautsprecher. Noch mehrmals versuchte Harper, vergeblich, eine Verbindung herzustellen. Schließlich gab er auf und schaltete das Gerät aus.

»Sitzen wir hier etwa in der Falle?« Joe blickte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen nervös an.

Als Mark gerade antworten wollte, schloss sich unvermittelt das Eingangstor. Einer der Männer versuchte es wieder mit Gewalt zu öffnen. Aber das war letztlich vergebliche Liebesmüh. Danach passierte eine Weile nichts mehr, bis plötzlich, wie von Geisterhand, sämtliche Wände verschwanden, die den Saal umgaben. Mit einem Schlag wurde ihnen klar, dass man sie einerseits geschickt in einen Hinterhalt gelockt hatte und andererseits wohin ihre Widersacher verschwunden waren, die sie jetzt in deutlicher Überzahl eingekreist hatten.

Seit diesem Zeitpunkt galten das Team, sowie zahlreiche weitere Soldaten, die ebenfalls an der Militäraktion teilnahmen, als verschollen.

 

Unheimliche Begegnungen

 

Cydonia Region auf dem Mars vor 2400 Jahren

 

Das Experiment lief mittlerweile völlig aus dem Ruder. Das mussten jetzt auch die letzten Gefährten einsehen, die den Wetterkapriolen, aus dem geschützten Innern einer der Pyramiden hilflos zusahen. Der Traum einer ganzen Zivilisation auf dem Planeten eine neue Heimat aufzubauen, hatte sich mehr oder weniger in Staub aufgelöst. Anstatt der künstlich erzeugte Wasserdampf und Sauerstoff komplett von der Atmosphäre aufgenommen wurde, entwichen die beiden überlebensnotwendigen Bestandteile rasch in den Weltraum. Schuld daran waren auch die zahllosen koronalen Massenauswürfe des Sterns, der mit hoher Geschwindigkeit Partikel quer durch das Planetensystem schleuderte, die letztlich auf ihrem Weg beträchtliche Teile der bestehenden Lufthülle mit sich rissen. Diese Verluste konnten die zuständigen Techniker und Ingenieure mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht mehr kompensieren. Außerdem trocknete der Planet rasend schnell aus, so dass die flachen Seen in den zahlreichen Ebenen längst komplett verschwunden waren und einer eintönigen Sand -und Geröllwüste Platz gemacht hatten. Das und die relativ weite Entfernung zur wärme -und lichtspendenden Sonne führte letztlich dazu, dass die Lufttemperatur, selbst in Äquatornähe, meistens im zweistelligen Minusbereich lag. Große Mengen des künstlich erzeugten Wassers, das nicht bereits in den Weltraum entwichen war, versickerten in den Untergrund und gefrorenen, knapp unterhalb der Oberfläche, zu meterdicken Eisschichten. Derzeit gab es keine Technologie, die den fortschreitenden Prozess rückgängig machen konnte.

Nachdenklich blickten die wenigen Raumfahrer, die, als Nachhut ihrer bereits weitergezogenen Zivilisation, zurückgeblieben waren, aus dem großen Panoramafenster und beobachteten schweigend den tobenden Orkan. Der Sturm wirbelte schon seit Wochen Unmengen von rötlichem Staub auf, der die baumlose Ebene zentimeterdick komplett bedeckte. Nur schwer war in den Dunstschleiern, das dunkle Massiv mit dem markanten Relief zu erahnen, das als Basis für die technologische Ausrüstung und einige Raumschiffe dienen sollte. Die Ressourcen konnten im Notfall von Sternenschiffe genutzt werden, die auf ihrem Weg von der alten Heimat zum nächsten Sternensystem, einen Zwischenstop einlegen mussten.

Unvermittelt bemerkten sie zwei dunkle Gestalten, die nur schemenhaft in der sandgeschwängerten Atmosphäre zu erkennen waren. Sie kamen aus Richtung der Basis und kämpften sich mühsam gegen den Wind voran. Beeinträchtigt durch die Böen, beugten sie ihren Körper dem Sturm entgegen und verharrten auf der Stelle. Plötzlich ließ der Orkan für einen Moment nach. Das nutzten sie sofort aus, um rasch einige Schritte weiterzukommen.

Über dieser Szenerie stand hoch im Zenit der hell strahlende Zwergstern, der ihnen anfangs so viel Hoffnung gab und sie letztlich doch enttäuschte. Auch er war derzeit inmitten der aufgewirbelten Staubwolken kaum zu erahnen und tauchte die lebensfeindliche Umgebung in ein diffuses rötliches Licht.

Minuten später, die beiden ankommenden Astronauten hatten ihre Raumanzüge abgelegt und sich zu den Gefährten gesellt, meinte schließlich ihr Anführer: »Ich gehe ungern von hier fort, doch leider liegt hier alles längst im Sterben und nichts wird diese Entwicklung mehr aufhalten!« Dann drehte er sich zum leitenden Ingenieur um und fragte ihn skeptisch: »Die neue Basis auf dem blauen Planeten ist tatsächlich fertig geworden?«

Der Angesprochene nickte. »Ja, du kannst dich auf mich verlassen, Loa. Mein Bautrupp hat soeben die letzten Tunnelsysteme fertiggestellt und die erforderliche Ausrüstung zum reibungslosen Betrieb eingebaut!«

»Gut, du weißt, das Funktionieren der Technik, unter den klimatischen Bedingungen vor Ort, ist äußerst wichtig, auch wenn wir uns auf der kleinen Insel nicht für ewig aufhalten werden!«

»Ich verstehe trotzdem die Weisen nicht, warum wir diesen lebensfreundlichen Planeten nicht besiedeln wollen. Die Primaten, die derzeit dort leben, haben erst eine primitive Entwicklungsstufe erreicht, die wir auf der alten Heimatwelt bereits vor Millionen Jahren überwunden haben. Mit denen können wir uns garantiert leicht friedlich arrangieren.«

Der Anführer stöhnte leise auf, ehe er erwiderte: »Wir haben das Thema schon mehrfach erörtert. Der Beschluss des Rates der Weisen, keinen bewohnten Planeten zu besiedeln, ist bereits zehntausende Jahre alt und hat sich in der Praxis immer wieder bewährt. Warum sollten wir diese Vorgehensweise verändern? Auch primitivere Lebewesen haben eine Existenzberechtigung, nicht nur wir!«

Sala, die Ärztin meldete sich nun zu Wort und meinte leise: »Jetzt liegen die Dinge allerdings ein wenig anders, findest du nicht?«

»Wieso?« Loa blickte sie verwundert an.

»Nun, ich erinnere dich nur daran, dass unser Volk seit vielen Jahren an einer unheilbaren Erbkrankheit leidet, der bereits Millionen Gefährten zum Opfer gefallen sind. Vielleicht ist bei dieser primitiven Rasse, genau das im Erbgut enthalten, was wir schon ewig lange händeringend suchen?«

»Verstehe ich dich richtig, du möchtest am Liebsten Tests und Experimente an den Bewohnern durchführen, um die schreckliche Krankheit endlich besiegen und heilen zu können?«

»Selbstverständlich ist das mein sehnlichster Wunsch. Ich bin nicht aus Langeweile Ärztin geworden.«

»So etwas sieht der Beschluss keinesfalls vor. Er verbietet ausdrücklich, andere Lebewesen für Forschungszwecke zu quälen und zu töten. Aber das weißt du ja selbst. Ich bin trotzdem irritiert, dass du das Thema wieder aufwärmst.«

Sala machte den Eindruck, als hörte sie überhaupt nicht zu. Schließlich erwiderte sie erregt: »Nun ja, uralte Beschlüssen sollten vielleicht auch einmal geändert werden, wenn das Wohl eines ganzen Volkes auf dem Spiel steht. Wir sind bereits so lange auf der Suche nach einer neuen Welt und nun liegt der blaue Planet direkt vor uns, mit seinen Bewohnern, die uns vermutlich helfen können, die rätselhafte Krankheit zu heilen. Und was machen wir? Wir verschwinden wieder.«

Meru, der alte Astrophysiker, mischte sich in die hitzige Diskussion ein. »Woher weißt du, dass die Gene dieser Primaten eine Hilfe sein könnten?«, fragte er die Ärztin neugierig.

»Das ist nur eine Vermutung von mir«, verteidigte sie sich umgehend.

»Das kam bei mir aber ganz anders an. Für mich klang das so, als weißt du wesentlich mehr, als du uns sagen willst. Also, heraus mit der Sprache!«

Sala kämpfte mit sich, das sahen ihr die Gefährten deutlich an.

»Wir warten auf eine ehrliche Antwort!« Loa blickte sie finster an. »Du verschweigst doch etwas und das dulde ich absolut nicht!«

Die Anwesenden rückten neugierig näher an die beiden Streithähne heran, die direkt am Panoramafenster standen, an das von außen unentwegt Schauer von rötlichen Kieseln prasselten.

Nach einer halben Ewigkeit sagte die zierliche Frau schließlich: »Wir haben vor einiger Zeit einen der Vorfahren der Primaten eingefangen und untersucht!«

»Wer ist wir?«

»Das verrate ich nicht. Da kannst du dich auf den Kopf stellen!«, erwiderte sie zickig.

»Du hast also gegen einen Beschluss der Weisen absichtlich verstoßen!«, stellte Loa empört fest.

»Ja und, wo ist das Problem? Einer muss doch mal den Anfang machen. Lieber töte ich ein wildes Tier, ehe ich unser Volk elend zugrunde gehen lasse. Das hat für mich, als Ärztin, oberste Priorität. Übrigens, es gibt noch viel mehr Leute, die genauso darüber denken, wie ich!«

Meru blickte sie mit weit aufgerissenen Augen an, während die anderen Gefährten aufgeregt miteinander sprachen. Schließlich meinte der Gelehrte: »Du hast das Geschöpf also getötet?«

»Natürlich im Namen der Wissenschaft!«

»Wo und wie wurde das Tier überhaupt entdeckt?«

»Während eines Kontrollfluges über ein großes feuchtwarmes Waldgebiet, das in der Nähe des Äquators liegt. Das Wesen besitzt ein schwarzes Fellkleid, lebt in familiären Gemeinschaften zusammen und das größtenteils auf dem Waldboden. Zum Schlafen baut es aber Nester aus abgebrochenen Zweigen, Blättern und Gräsern und übernachtet direkt in den Bäumen.«

»Und weiter?« Loa blickte seine Gefährtin kopfschüttelnd an.

»Aufgrund des Körperbaus, der Körperhaltung und des gesamten Verhaltens war nicht zu übersehen, dass das höchstentwickelte Lebewesen auf dem blauen Planeten mit großer Wahrscheinlichkeit von diesem Geschöpf abstammt. Deshalb haben wir beschlossen, eines der Tiere heimlich einzufangen und akribisch zu untersuchen.«

»Mit welchem Ergebnis?«

»Innerhalb der DNS und in den Blutbestandteilen entdeckten wir einige Auffälligkeiten, die ein wenig Hoffnung geben.«

»Mehr nicht? Also gibt es keinen wissenschaftlichen Durchbruch, der ein Töten eines fremden Wesens entschuldigen könnte?« Der Anführer sah die Ärztin tadelnd an.

»Wenn du es so siehst, nein!«, erklärte sie mit resoluter Stimme. »Trotzdem wäre es hilfreich, die Untersuchungen ebenfalls auf die Primaten auszudehnen.«

Loa glaubte, sich verhört zu haben. Es dauerte einen Moment, ehe er leise meinte: »Ich verstehe. Dein Ziel scheint es wohl zu sein, sämtliche Bewohner des Planeten einzufangen und, falls es erforderlich sein sollte, auch zu Forschungszwecken zu töten!«

Sie schüttelte sofort den Kopf. »Das siehst du völlig falsch. Nur eine bestimmte kleine Spezies benötigen wir für ausgiebige Tests und Untersuchungen. Ich vermute, dass die Lösung unseres medizinischen Problems genau dort zu finden ist.«

»Du hast eindeutig gegen einen Beschluss verstoßen und das wird in jedem Fall Konsequenzen für dich haben!«, stellte der Anführer nüchtern fest.

»Auch du wirst die Wahrheit nicht aufhalten können. Da kannst du mich bestrafen, wie du willst«, rief die Ärztin wütend.

Loa winkte ab und erwiderte kühl: »Ich beende jetzt die Diskussion, die sowieso nichts bringt. Wir werden uns auf jeden Fall in der neuen Basis darüber unterhalten und danach wird entschieden, welche Maßnahmen das Leitungsgremium wegen der Überschreitung deiner Kompetenzen ergreifen wird.« Er sah die Ärztin kurz scharf an, ehe er sich an die übrigen Anwesenden wandte und laut sagte: »Wir machen uns jetzt fertig für den endgültigen Abflug zum blauen Planeten. Jeder legt umgehend seinen Raumanzug an und danach treffen wir uns an der Ausgangsschleuse, um gemeinsam zum Raumschiff zu gehen!«

Leise miteinander diskutierend löste sich die kleine Gruppe auf und alle begaben sich rasch zu ihren persönlichen Bekleidungsschränken, um die lebensnotwendigen Anzüge zu holen und anzulegen.

30 Minuten später verließen sie einzeln, den geschützten Bereich der Pyramide und kämpften sich gegen den, von der Seite kommenden, Wind in Richtung des Schiffes voran. Das befand sich in circa 400 m Entfernung und war inmitten des Sandsturms kaum zu erkennen.

Als Letzter verließ schließlich Loa die Außenschleuse und trat ins Freie. In der Hand hielt er einen kleinen Sender, in den er mehrere Buchstaben und Zahlen eingab und dann direkt zur Notfallbasis richtete. Ein kurzer gelber Blitz, der über dem künstlichen Massiv mit dem markanten Gesicht, zu sehen war, zeigte ihm, dass das schützende Kraftfeld aktiviert war. Dieselbe Prozedur machte er bei der Pyramide. Das Panoramafenster wurde umgehend durch eine eintönige Steinstruktur ersetzt. Auch hier erfolgte danach ein Aufblitzen, womit der Schutz aktiv war. Nachdem das erledigt war, steckte er den Sender in eine kleine Beintasche, ehe er sich umdrehte und den Gefährten folgte, die bereits eine beträchtliche Wegstrecke bis zum Raumschiff zurückgelegt hatten.

 

1486 n. Chr. Zentralmexiko

 

In diesem Jahr bestieg Ahuizotl den Thron und wurde der Kaiser der Azteken. Der Mann hatte ein großes Ziel, dem er alles andere unterordnete. Er wollte den Haupttempel Huçy Teôcalli in der Hauptstadt Tenochtitlan endlich beenden. Mit dem Bau hatten sein Bruder und dessen Vorgänger Tizocic begonnen, aber noch längst nicht fertiggestellt.

Während der opulenten Einweihungszeremonie sollten so viele Menschen, wie niemals zuvor, den Göttern geopfert werden. Deshalb zog er mit einem gewaltigen Heer gegen drei Nachbarvölker in einen gnadenlosen Krieg. Es ging ihm dabei nicht darum, mehr Land zu erobern, sondern um tausende Kriegsgefangene ins Aztekenreich zu verschleppen, um sie dann auf der höher gelegenen Tempelplattform zu opfern.

Vier Tage im Frühsommer des Jahres 1487 sollte als die Blutigsten in die Geschichte der Azteken eingehen. Der Haupttempel war endlich fertiggestellt worden und zur Einweihung standen in einer langen Schlange tausende Kriegsgefangener an, um auf der Tempelplattform den Göttern Huitzilopochtli und Tlaloc geopfert zu werden. Der letzte Tag der Einweihungszeremonie war schon viele Stunden alt und die Sonne hatte bereits ihren Zenit überschritten. Doch das grausame Werk auf der hochgelegenen Plattform, von der breite Treppenstufen wieder hinabführten, ging unaufhaltsam weiter. Brutal zerrten gerade vier Priester einen jungen Mann zum Opferstein. Dann warfen sie ihn mit dem Rücken direkt auf die Oberfläche des Vulkangesteins, während sie gleichzeitig gewaltsam die Gliedmaßen vom Körper wegrissen und festhielten. Was nun folgte, musste der bedauernswerte Delinquent bereits mehrfach persönlich mit ansehen. Plötzlich erschien an seiner Seite ein fünfter Priester, der verächtlich auf das schockierte und verängstigte Opfer hinabsah. Der hasserfüllte Blick verhieß nichts Gutes, denn ohne Vorwarnung hielt der Opferpriester ein Steinmesser hoch und durchtrennte mit einem Schnitt die komplette Haut auf der linken unteren Körperseite. Mit der rechten Hand griff er unterhalb der Rippen in den Brustkorb hinein, bis er das pulsierende Herz umfasste. Anschließend riss er es mit einem einzigen Ruck heraus, trennte die Blutadern durch, ehe er das warme und immer noch zuckende Organ triumphierend in die Höhe hielt. Während das Opfer mit schreckensweiten Augen das Bewusstsein verlor und kurz darauf starb, erreichte von unten her Jubel die grausame Szenerie. Tausende Schaulustiger nahmen an der schaurigen Zeremonie teil und bekundeten so, ihre Hochachtung gegenüber ihren Priestern. Inzwischen richtete der Opferpriester einige Beschwörungsformeln direkt an die Götter, ehe er das Herz schließlich in eine große Adlerschale legte. Unterdessen rissen seine Helfershelfer den bluttriefenden Leichnam vom Opferstein herunter und warfen ihn anschließend mit Schwung die Treppenstufen hinunter. Aber der Körper rollte nicht weit, denn die breite Tempeltreppe bedeckten bereits tausende andere sterbliche Überreste von geopferten Menschen. Es waren so viele, dass sich das Blut in großen Pfützen sammelte, ehe es die Treppen als Rinnsal herunterlief.

Gerade als die Priester, den nächsten Kriegsgefangenen an den Opferstein führen wollten, der wie seine Leidensgenossen nur mit einem Lendentuchschurz bekleidet, sowie mit roten und weißen Längsstreifen bemalt war, schob sich ein schwarzer Schatten vor die Sonne. Plötzlich lag die gesamte Tempelplattform im Halbdunkel. War das endlich eine Reaktion der Götter auf die Opferzeremonie, dass sie die vielen Menschenherzen gnädig gestimmt haben? Die Priester ließen von ihrem Opfer ab, knieten sich nieder und huldigten mit lauten Gesängen den Gottheiten. Unterdessen sank der merkwürdige Schatten, der weiterhin die Sonne vollständig verdeckte, immer tiefer und wurde gleichzeitig größer. Schließlich schwebte ein gewaltiges silberglänzendes Objekt, das die Form von einem Diskus besaß, über der Spitze des Haupttempels. Aber vorerst gab es keinerlei weitere Zeichen für die unterwürfig knienden Priester. Völlig lautlos drehte sich die Scheibe langsam um ihre eigene Achse.

Ohne jeden Übergang erfassten plötzlich rötliche Lichtkegel, die von der Unterseite des Flugobjektes ausgestrahlt wurden, sämtliche Aztekenpriester. Verwundert blickten sie nach oben, ehe sie hinter einem grellen Lichtblitz verschwanden. Nachdem sich der Blitz wieder aufgelöst hatte, waren sie von der Tempelplattform spurlos verschwunden. Kurz darauf raste die silberglänzende Scheibe in Richtung Zenit und löste sich im Himmelsblau schließlich endgültig auf.

Doch es gab ein mysteriöses Nachspiel. Eine Woche später fand man in der Morgendämmerung die sterblichen Überreste des Opferpriesters wieder. Fein säuberlich geordnet nach Armen, Beinen, Augen, Kopf und inneren Organen lagen die Leichenteile auf dem Opferstein des Tempels und verströmten einen unbekannten Geruch. Das Herz und die anderen vier Priester blieben für immer verschwunden. War das tatsächlich ein Werk der Götter?

 

13. Oktober 1917, Cova da Iria nahe Fátima in Portugal

 

100000 Menschen hatten sich versammelt, um selbst Zeuge zu sein, dass die Jungfrau Maria ihr Versprechen wahr macht, was sie drei Schäferkindern Monate zuvor gegeben hatte. Sie wollte ihre Identität den Kindern und jedem anderen Augenzeugen gegenüber offenbaren und ein Wunder bewirken, damit alle wieder zum Glauben fanden.

Doch was dann passierte, wirft bis zum heutigen Tag mehr Fragen, als Antworten auf. Eine riesige strahlend helle Lichterscheinung, umgeben von einem farbenprächtigen Lichtkranz, der ständig zwischen Rot, Gelb und Purpur wechselte, durchbrach die lockere Wolkenschicht. Daraufhin entstand genau an dieser Stelle eine kreisförmige wolkenfreie Öffnung, so dass der blaue Himmel zu erkennen war. Gleichzeitig sank das Licht allmählich immer tiefer, wobei viele der Anwesenden eine unangenehme Hitze verspürten, je näher es der Erdoberfläche kam. Doch ehe es zu ernsthaften Verbrennungen kam, schoss die mysteriöse Erscheinung mit großer Geschwindigkeit plötzlich in Richtung Zenit, bis sie nur noch mit Mühe zu erkennen war. Dann änderte sie wieder ihren Kurs und raste zur Oberfläche zurück, ehe sie in 100 m Höhe abrupt zum Stillstand kam und gemächlich von links nach rechts auspendelte. Schließlich verfiel das Licht in eine Art Ruhezustand, ehe es kurz darauf nochmals deutlich tiefer sank, während es gleichzeitig mehrere transparente Lichtkegel ausstrahlte. Diese erfassten umgehend einige Menschen, die mitten in der Menge standen. Wie in Trance, umgeben von einem nun rötlichen Lichtschein, knieten sie nieder, um zu beten. Das war allerdings das Letzte, was die späteren Augenzeugen, die sich in der Nähe aufhielten, von ihren Mitbürgern sahen. Ohne Vorwarnung zuckten in den einzelnen Lichtkegeln strahlendweiße Blitze auf. Nachdem sie sich wieder aufgelöst hatten, war überraschenderweise der Platz mit den betenden Menschen leer. Kurz darauf verschwanden ebenfalls die merkwürdigen Lichtkegel und das Phänomen begann sich erst langsam und dann immer schneller, wie ein Feuerrad, zu drehen, wobei es unablässig die Farbe wechselte. Übergangslos flog es anschließend mit hoher Geschwindigkeit direkt durch das kreisförmige Loch in den Wolken hindurch in den azurblauen Himmel, wurde rasch kleiner und löste sich schließlich auf. Für einen winzigen Augenblick herrschte auf dem Platz, wo die Menschenmenge ausharrte, absolute Dunkelheit. Plötzlich schien die Sonne, als wurde sie in diesem Moment wieder eingeschaltet, durch die dünne Wolkenschicht hindurch. Sie befand sich allerdings an einer völlig anderen Position, als das beobachtete Phänomen.

Von den zehn vermissten Menschen konnten letztlich nur zwei entstellte Körper gefunden werden. Der getöteten Frau waren sämtliche Organe und die Augäpfel entnommen worden, dem Mann fehlten die inneren und äußeren Geschlechtsorgane und der größte Teil der Gesichts -und Kopfhaut. Alle anderen entführten Personen sind bis zum heutigen Tag verschwunden.

 

31. Oktober 1950, 16.00 Uhr, vatikanische Gärten

 

Der Himmel war nur leicht bewölkt und wie üblich machte Papst Pius XII. um diese Zeit seinen täglichen Spaziergang. In sich gekehrt und tief in Gedanken versunken ging der Stellvertreter Gottes auf Erden durch das Kleinod des Vatikans und genoss die milden Temperaturen, die in Rom und Umgebung herrschten. Als er kurz nach oben blickte, bemerkte er die Sonne, die durch eine Wolkenlücke hindurchschien. Plötzlich, ohne jeden Übergang, begann sie sich zu drehen und gleichzeitig am Horizont rasend schnell hin -und herzufliegen. Pius fiel es sichtlich schwer, den Weg der Sonnenscheibe jederzeit folgen zu können. Für den Heiligen Vater war dieses merkwürdige Verhalten des Zentralgestirns die eindeutige Bestätigung, dass seine Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Marias in den Himmel am nächsten Tag der Wahrheit entsprach. Von der Beobachtung erzählte der Papst nur wenigen Vertrauten und Würdenträgern. Gleichzeitig gab er zu, dass er am darauffolgenden Nachmittag das gleiche Phänomen gesehen hatte.

Erst ein Jahr später, am 13. Oktober 1951, dem 34. Gedenktag des großen Sonnenwunders in Fatima, erzählte der Kardinal Federico Tedeschini von dieser mysteriösen Beobachtung. Vor zahlreichen Pilgern am berühmten portugiesischen Wallfahrtsort verkündete er mit stolzer Stimme: » ...Die Vision der tanzenden Sonne hat sich vor den Augen des Heiligen Vaters voriges Jahr in den Vatikanischen Gärten wiederholt. ...«

Was er jedoch nicht erwähnte, war die Tatsache, dass das Phänomen am 14. Oktober 1950 noch ein wenig weiterging. Diese Fortsetzung der Geschehnisse lagert nach wie vor in den Geheimarchiven der katholischen Kirche und keiner der Nachfolger von Papst Pius VII machte bisher Anstalten die weiteren Beobachtungen zu veröffentlichen.

Nachdem sich die Sonne mehrmals, um sich selbst kreisend, am Horizont hin und her bewegt hatte, blieb sie abrupt stehen. Übergangslos veränderte sich am äußeren Rand der Farbton von einem zarten Gelb in ein tiefes Rot. Kurz darauf setzte sich die strahlende Scheibe allmählich nach vorne in Bewegung. Während des Anfluges schob sie die lockere Wolkenschicht vor sich her und letztlich zur Seite. Daraufhin bildete sich eine große kreisrunde Öffnung, durch das der blaue Himmel zu sehen war. Das sich mittlerweile, wie ein Feuerrad, drehende Objekt flog hindurch und näherte sich nun rasch den vatikanischen Gärten.

Schließlich schwebte die Scheibe, als gewaltiges Monstrum, direkt über dem Papst. Dabei strahlte sie eine enorme Hitze aus, so dass Pflanzen, die sich in der Nähe in verschiedenen Beeten befanden, sekundenschnell verdorrten und das Wasser aus mehreren Wasserpfützen ebenfalls rasend schnell verdunstete. Merkwürdigerweise machte die große Wärme den Heiligen Vater überhaupt nichts aus. Überwältigt von der Erscheinung kniete er nun rasch nieder und sprach für das Sonnenwunder ein lautes Gebet. Inzwischen veränderte die Scheibe nochmals ihre Färbung und glühte nun in Purpur. Eine Stimme, die direkt aus der Sonnenscheibe zu kommen schien, bat den Pontifex gleichzeitig, sich wieder zu erheben und weiter zuzuschauen. Kurz darauf sandte das strahlende Phänomen zwei Lichtkegel zur Erdoberfläche, die sich sofort um die Gartenarbeiter, Lorenzo Gatti und Fredirico Fabri, legten. Die Männer befanden sich circa 30 m vom Papst entfernt und beschnitten gerade die Zweigspitzen einiger Sträucher. Der Lichtstrahl, der sie vollständig umhüllte, leuchtete in einem zarten Rot und war ansonsten vollkommen transparent. Während er die Szenerie sichtlich bewegt beobachtete, stellte der Heilige Vater verwundert fest, dass die Gärtner völlig regungslos im Lichtschein verharrten und apathisch wirkten. Wie aus dem Nichts erschien nun direkt vor dem angestrahlten Bereich ein greller Blitz, so dass der Papst instinktiv die Augen schließen musste, um nicht geblendet zu werden. Als er sie wieder öffnete, waren die beiden Männer spurlos verschwunden. Gleichzeitig zog sich die Scheibe, die mittlerweile rotglühende Funken im Randbereich versprühte, rasend schnell zurück und durchflog erneut die kreisrunde Öffnung, die sich hinter dem wegfliegenden Objekt sofort mit Wolken füllte. Wenig später hatte es wiederum seine ursprüngliche Farbe und Form angenommen, ehe die rätselhafte Lichterscheinung plötzlich, wie eine Straßenlaterne ausging und es übergangslos völlig dunkel wurde. Glücklicherweise hielt dieser Zustand nicht lange an, denn kurz darauf leuchtete die Sonne wieder auf, allerdings an einer ganz anderen Position am Himmel.

Die beiden Gärtner blieben vorerst verschwunden. Erst Tage später wurden einige Leichenteile in 230 km Entfernung gefunden. Ein Bauer entdeckte den kompletten Rumpf und den Kopf von Lorenzo Gatti am Rande eines Olivenhains. Der Leiche fehlten alle inneren Organe, sämtliches Blut und auf der eine Gesichtshälfte waren die Hautpartie, die Muskeln und der Augapfel mit chirurgischer Präzision entfernt worden. Sein Kollege ist bis zum heutigen Tag verschwunden.

 

12.- 29. Juli 1952

 

Der Weltkrieg war erst wenige Jahre vorbei und die Vereinigten Staaten gingen als eindeutiger Sieger aus dem sinnlosen Gemetzel in Europa, Nordafrika und Asien hervor. Ihren Aufstieg zur Supermacht manifestierten sie mit dem Abwurf von zwei Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, die entsetzliches Leid für die bedauernswerten Einwohner brachten.

Die amerikanische Administration und auch große Teile der Wirtschaft strotzten nur so voller Stolz und waren von der angeblichen Unbesiegbarkeit Amerikas überzeugt. Doch dann wurden sie ausgerechnet in Washington, im Epizentrum der politischen Macht, eines Besseren belehrt und auf eine gewisse Weise lächerlich gemacht.

Der Luftraum über dem Capitol, dem Weißen Haus, dem Pentagon und einem Großteil des Stadtgebietes der Bundeshauptstadt ist bis in eine Höhe von 18.000 Fuß für Flugzeuge jeglicher Art gesperrt. Dieses eindeutige Verbot wurde im Juli mehrfach missachtet. In den Nächten beobachteten zahlreiche Amerikaner, wie unbekannte Flugobjekte in den Sperrbezirk hineinflogen. Ein Radar erfasste daraufhin mehrere hell erleuchtete kreisförmige Objekte und verfolgte, wie sie gemächlich mit 160 km/h in Richtung des Capitols flogen und es wenig später in geschlossener Formation überflogen.

Was sich dort unheimliches am Himmel über Washington abspielte, beunruhigte den amtierenden US-Präsidenten Harry S. Truman dermaßen, dass er, wegen der Sichtungswelle, eine Sondersitzung seines Kabinetts einberief und anschließend eine viel beachtete Pressekonferenz gab. Auf dieser erwähnte das unübersehbar nervöse Staatsoberhaupt, dass er die US Air Force angewiesen habe, die 'Ufos abzuschießen, wenn sie die Landung verweigern!'

Doch das Vorhaben erwies sich als kaum durchführbar. Sobald Kampfflugzeuge zur Jagd auf die geheimnisvollen Objekte aufstiegen, verschwanden diese unvermittelt vom Radar. Sie tauchten erst dann wieder auf, als die Kampfjets längst auf ihrer Basis gelandet waren. Das Katz- und Mausspiel ging tagelang so weiter, bis die UFOs endgültig nicht mehr auftauchten. Bis zum heutigen Tag gibt es für die Sichtungswelle nicht eine plausible Erklärung.

In einer nationalen Pressekonferenz, die Ende Juli 1952 stattfand, erklärte General John A. Sanford, Direktor des Geheimdienstes der Luftwaffe: »Die Objekte sind keine amerikanischen Geheimwaffen und es ist die Pflicht der Air Force, dieses Phänomen zu untersuchen.«

 

Anflug zum Treffpunkt in New Mexico, 11.02.1954, 10.45 Uhr

 

Die Air Force One eine Lockheed VC-121E “Columbine III” war seit Stunden bereits in der Luft. Doch nun näherte sie sich endlich ihrem Ziel.

Präsident Dwight D. Eisenhower hatte es sich in seinem bequemen Sessel gemütlich gemacht und nippte an einem Glas Bourbon, in dem zwischen einigen Eiswürfeln der goldfarbene Whiskey zu erkennen war. Dann setzte er das Kristallglas auf einen kleinen Tisch ab, der am Boden fest verankert war. Nach einem kurzen Blick aus dem Kabinenfenster lehnte er sich wieder zurück und murmelte: »Außer einem geschlossenen Wolkenmeer ist leider nichts zu sehen!«

»Was haben sie gesagt, Sir?«

»Ach, lassen wir das. Kommen wir mal lieber zum eigentlichen Thema unserer Unterredung, denn ich muss schließlich auf das Treffen gut vorbereitet sein.«

»Gerne. Sie fragen und wir antworten!«

»Klingt gut.« Eisenhower, der altgediente und berühmte General aus dem 2. Weltkrieg, lachte laut auf und sah die beiden Männer, die ihm direkt gegenüber saßen flüchtig nacheinander an, ehe er leise meinte: »Beginnen wir einfach mal damit, auf welche Weise der Kontakt zu uns aufgenommen wurde?«

Walter Bedell Smith, der ehemalige CIA Direktor und jetzige stellvertretende Außenminister, hob kurz die Hand, um zu signalisieren, dass er sprechen wollte. »Wir wurden über Funk kontaktiert, Sir!«

»Oh, das überrascht mich. Ich hatte eher mit Telepathie oder Ähnlichem gerechnet.«

»Wir ebenfalls, Mister Präsident, aber manchmal kommt es anders, als man denkt. Vermutlich ist die Gegenseite zur Auffassung gelangt, dass uns die Gedankenübertragung mental und psychisch überfordern könnte, und griff deshalb zu einer simpleren Methode.«

»Hm, ist für mich nachvollziehbar. Wer hat die Nachricht aufgefangen? Ich nehme an das Pentagon.«

»Entschuldigen Sie, Sir, dass ich Ihnen widersprechen muss«, mischte sich Donald Howard Menzel, der Präsident der Astronomischen Gesellschaft, in das Gespräch ein, »aber das Signal wurde direkt an die betreffende Einrichtung gesendet!«

»Also konkret zur Holloman Air Force Base, zu der wir derzeit unterwegs sind.«

»Das ist korrekt, Sir!«

»Sehr schön und konnten Sie wenigstens, die genaue Position des Absenders ermitteln?« Eisenhower griff nach seinem Glas und trank erneut einen kleinen Schluck.

»Nicht präzise, Sir. Aber die Nachricht scheint von außerhalb der Erde gekommen zu sein.«

»Was beinhaltete Sie konkret?«

»Das der Führer der Welt um 11.00 Uhr auf dem Stützpunkt landen und das Flugzeug auf der Landebahn stehenbleiben soll, um weitere Instruktionen per Funk abzuwarten.«

Eisenhower kratzte sich mit nachdenklicher Miene am Kinn, ehe er flüsternd meinte: »Aber was sie konkret wollen, wurde uns nicht mitgeteilt?«

Smith schüttelte bedauernd den Kopf. »Nein!«

»Seltsam, finden Sie nicht auch, meine Herren?«

»Ich habe da so eine Vermutung, Mister Präsident.«

»Ich bin ganz Ohr, Donald!«

»Vielleicht wollen sie nur ihr Raumschiff und die Leichen der Besatzung wiederhaben.«

»Sie meinem vom Roswell Absturz 1947?«

»Das ist korrekt, Mister Präsident!«

»Da könnte tatsächlich etwas dran sein«, murmelte der ehemalige Vier-Sterne-General. »Wo befinden sich derzeit die Überreste?«

»In der Wright-Patterson Air Force Base in einem speziell abgesperrten Bereich.«

»Wie lange wird es dauern, bis Sie alles nach Holloman transportieren können?«

Menzel und Smith schienen irritiert zu sein und sahen sich kurz an. Schließlich meinte der Astronom: »Ein paar Stunden werden mindestens benötigt, den ganzen Kram und die sterblichen Überreste in Transportmaschinen zu verstauen und hierher zu fliegen. Darf ich fragen, was Sie vorhaben, Sir?«

»Überhaupt nichts, aber ich möchte schon auf sämtliche Eventualitäten vorbereitet sein.«

»Zurzeit wissen wir ja nicht einmal, ob es sich um die gleichen Spezies handelt, die nahe Roswell abgestürzt ist.«

»Oh, was wollen Sie mir damit sagen? Vielleicht, dass noch eine zweite Rasse ihr Unwesen bei uns treibt?«

Der ehemalige CIA Direktor trank einen Schluck Kaffee und während er die Tasse auf den Tisch zurückstellte, war ihm bewusst, dass er jetzt ein klein wenig, Schadensbegrenzung betreiben musste, damit Eisenhower nicht Verdacht schöpfte. Natürlich gab es Anzeichen dafür, dass weitere außerirdische Zivilisationen sich auf der Erde oder im Sonnensystem aufhielten. Doch das war gegenwärtig nur den Mitgliedern von Majestic 12 bekannt und sollte laut einstimmigen Beschluss des Gremiums, auf keinen Fall dem Präsidenten mitgeteilt werden. Deshalb meinte er lächelnd: »Da kann ich Sie beruhigen, Sir. Uns liegen derzeit keinerlei Informationen und Berichte vor, die das bestätigen.«

»Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Sie mir nicht die ganze Wahrheit sagen, Walter!«

»Sie können mir vertrauen, Mister Präsident.«

»Okay, damit treibt man auch keine Späße. Aber zurück zum eigentlichen Thema. Falls die Aliens, die Herausgabe ihres Eigentums verlangen, dann möchte ich natürlich ebenfalls Forderungen stellen. Dafür gibt es einen guten Spruch.«

Menzel schmunzelte. »Ich ahne, worauf Sie hinauswollen. Quid pro quo!«

»Ich bin begeistert, Donald. Ich sehe, wir verstehen uns. Mir schwebt konkret vor, dass wir im Austausch einen detaillierten Einblick in ihre Technologie haben wollen. Wer uns von weither besuchen kommt, wird uns technisch und gesellschaftlich gesehen haushoch überlegen sein.«

»Sir, ich gebe ehrlich zu, Sie haben von ihrem taktischen Geschick, das Sie im 2. Weltkrieg so berühmt gemacht hat, absolut nichts verlernt!« Smith machte einen begeisternden Eindruck und hob einen Daumen hoch.

»Gute Idee, Sir, aber bitte unbedingt mit Gebrauchsanweisung«, pflichtete ihm Menzel bei. »Unsere Experten haben derzeit enorme Schwierigkeiten ihre Technologie, auch nur ansatzweise, zu verstehen.«

»Sonst noch irgendwelche Wünsche?«

»Nein, das ist vorerst alles, Sir. Das Weitere ergibt sich vermutlich erst bei der direkten Begegnung!«

Während sich die Männer angeregt unterhielten, war die Chefstewardess an sie herangetreten.

Eisenhower blickte kurz hoch. »Was gibt es, Olivia?«

»Wir landen in wenigen Minuten, Mister Präsident. Bitte schnallen Sie sich an. Das gilt selbstverständlich auch für die übrigen Herren!«

*

Punkt 11.00 Uhr landete die Air Force One auf der, vom Regen, abgetrockneten Start -und Landebahn der Militärbasis. Doch anstatt sie, wie sonst allgemein üblich, zu den Hangars oder zum Abfertigungsgebäude weiterrollte, blieb sie am äußeren Rand des betonierten Rollfeldes stehen.

Vorab hatte der Pilot den Tower informiert, dass sich niemand dem Flugzeug zu nähern hatte. Gleichzeitig sollten sich bewaffnete Militäreinheiten im Hintergrund zur Verfügung halten, falls es wider Erwarten zu einer Eskalation kommt. Das Wetter war für einen Wintertag im Süden der USA sehr durchwachsen. Das Außenthermometer der “Columbine III” zeigte nur 10 °C an. Dazu war es locker bewölkt und manchmal schien sogar die Sonne durch die zahlreichen Wolkenlücken hindurch.

Es herrschte eine angespannte Ruhe. Nirgendwo auf dem gesamten Gelände der Holloman Air Force Base war eine Menschenseele zu sehen. Alles wartete gespannt auf das vermutlich größte Ereignis in der Menschheitsgeschichte, die Begegnung mit einer außerirdischen Zivilisation. Doch vorerst passierte überhaupt nichts. Unaufhörlich kreiste das Radar auf dem Dach des Towers. Abes es gab bisher null Flugbewegungen, die nicht mit dem Stützpunkt abgesprochen waren.

Die Minuten vergingen unerträglich langsam und allmählich wurde der Präsident nervös. Mit einem Glas Whiskey in der Hand gesellte er sich zur Crew in der Pilotenkanzel. Keiner von den Anwesenden sprach ein Wort, alle beobachteten den Funker, der in diesem Moment die Kopfhörer abnahm und die Anlage auf laut stellte.

»Und?«

»Es ist nichts zu hören, Sir, außer den typischen Hintergrundgeräuschen und Interferenzen, die häufig mit atmosphärischen Störungen zusammenhängen.«

»Also heißt es, Ruhe bewahren und weiter warten!«

»Tut mir leid, Sir!«

»Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, mein Junge!«

In diesem Moment ließ ein ohrenbetäubender Brummton, der aus dem Lautsprecher der Funkanlage kam, die vier Männer förmlich zusammenzucken.

Der Funker drehte sofort die Lautstärke herunter und setzte seine Kopfhörer wieder auf. Eine laute und deutliche Stimme war plötzlich zu hören und sie klang künstlich: »Ist der Führer des Landes auf dem Stützpunkt gelandet?«

Der Funkoffizier sah Eisenhower kurz an und als der leicht mit dem Kopf nickte, antwortete er umgehend: »Ja, der Präsident ist gerade angekommen. Sein Flugzeug steht am Rande der Start -und Landebahn in Warteposition!«

Ein Knattern und Rauschen war zu hören und es dauerte einige Augenblicke, bis die Stimme wieder deutlich zu vernehmen war: »Gut. Eines unserer Raumschiffe wird in Kürze neben eurem Flugapparat aufsetzen.«

»Ich habe verstanden.«

Eine Antwort erfolgte nicht. Stattdessen meldete sich der Tower auf einer anderen Funkfrequenz: »Hier ist die Flugkontrolle. Zwei Objekte nähern sich mit hoher Geschwindigkeit Ihrer Position!«

»Das wird unser erwarteter Besuch sein!«

»Ja, sieht ganz so aus. Sie fliegen mit Mach 10 und werden in circa 2 Minuten eintreffen.«

»Das ist verdammt schnell und soweit ich informiert bin, haben wir so einen Kampfjet nicht im Bestand und die Russen garantiert ebenfalls nicht. Aus welcher Richtung kommen sie?«

»Südwest. Wir haben sie das erste Mal über dem Pazifik erfasst, nachdem sie ziemlich zügig auf 1200 m herabsanken. Es sah so aus, als wären sie zuvor in der Stratosphäre oder noch weiter höher unterwegs gewesen.«

»Ich vermute, wir haben bald eine ungewöhnliche Begegnung!«

»Ja und da sind sie auch schon. Ich gehe mal lieber aus der Leitung. Wünsche gutes Gelingen!«

»Danke, das werden wir sicherlich brauchen.«

Ein Knacken verriet, dass der Tower offline gegangen war. Stattdessen erschienen direkt vor dem Cockpitfenster zwei diskusförmige Flugobjekte mit silberglänzender Oberfläche, allerdings ohne jegliche Hoheitszeichen. Während das eine UFO in circa 100 m Höhe auf seiner Position verharrte, sank das andere Raumschiff langsam tiefer und setzte schließlich auf der linken Seite der Air Force One, mitten auf der Start -und Landebahn, auf. Dabei wirbelten heiße ausströmende Gase den feinen Staub von der Landefläche auf und wehten ihn fort. Wenig später fuhr eine kleine Treppe, ähnlich einer Gangway heraus, während sich eine ovale Lucke öffnete und den Blick in das Innere des Raumschiffes freigab. Allerdings war nicht allzu viel zu sehen, da es innerhalb des Objektes völlig dunkel war.

In diesem Moment knackte es wieder im Lautsprecher und die gleiche künstliche Stimme von vorhin war zu hören: »Der Führer des Landes möge aussteigen und sich zu uns begeben.«

Eisenhower sagte leise zum Funker: »Fragen Sie ihn, ob ich einen weiteren Vertreter der Menschheit mitbringen darf?«

»Hallo, der Präsident äußert den Wunsch, nicht alleine zu kommen. Seid ihr damit einverstanden?«

Eine Antwort blieb vorerst aus und nur das Hintergrundrauschen war im Cockpit weiter laut zu vernehmen.

Eisenhower wurde unruhig. »Machen die jetzt etwa eine Kabinettssitzung, um zu einem Ergebnis zu kommen? Wenn ja, wird das wohl noch Stunden dauern, bis eine Entscheidung gefällt wird. Ich habe da so meine eigenen negativen Erfahrungen gesammelt!«

Lautes Gelächter erfüllte die kleine Flugzeugkanzel, das jedoch sofort verstummte, weil die Antwort doch schneller, als erwartet, kam. »Der Führer des Landes darf einen Vertreter eurer Spezies mitbringen. Wir werden aber nur einen Wissenschaftler akzeptieren!«

Der Funkoffizier drehte sich fragend zum Präsidenten um, der mit einem leichten Kopfnicken sein okay gab.

»Er ist damit einverstanden und wird das Flugzeug in Kürze verlassen!«

»Wir werden ihn erwarten!« Dann knackte es wieder in der Leitung und die Männer hörten nur noch das typische Hintergrundrauschen.

Eisenhower erhob sich von seinem Sitz und murmelte: »Groß ist die Auswahl an Wissenschaftlern an Bord ja nicht, eigentlich gibt es nur einen Einzigen.«

»Mister Menzel?« Der Pilot sah ihn fragend an.

»Sie sagen es, junger Mann. Dann werde ich mal Donald über die gemeinsame Mission informieren.« Er nickte der Crew rasch zu und verließ das enge Cockpit.

*

Nach einem kurzen Disput mit dem Tower wurde eine Gangway an das Flugzeug herangefahren. Daraufhin öffnete eine Stewardess die vordere Kabinentür und machte Platz, so dass der Weg für Eisenhower und Menzel frei war. Als sie auf die oberste Plattform hinaustraten, wurden die Männer sofort von der gleißenden Sonne geblendet, so dass sie instinktiv ihre Augen schlossen. Glücklicherweise schob sich in diesem Moment eine dunkle Wolke vor die strahlende Scheibe und das gesamte Areal lag wieder im Schatten. Langsam gingen sie nun die Treppenstufen hinunter und stellten sich direkt neben die Gangway.

»Wie wollen wir uns weiter verhalten, Mister Präsident?«

»Abwarten!«

„Ehrlich?“ Der Astronom blickte den Politiker verwundert von der Seite an. »Sollten wir nicht lieber zum Raumschiff hinübergehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man uns bereits erwartet!«

»Wer sagt das, Donald?«

»Es ist nur ein Vorschlag, Sir!«

Der Präsident zog fröstelnd die Schultern hoch, weil der von der Seite kommende böige Wind sehr kühl war. Schließlich blickte er kurz zu seinem Nebenmann und flüsterte: »Wissen Sie, ich traue diesen Leuten vorerst nicht über den Weg.«

»Und warum nicht, wenn ich fragen darf?«

»Nun, das ist einfach erklärt. Wir haben bisher keinerlei Informationen darüber erhalten, was sie im Schilde führen und welche technischen Möglichkeiten sie tatsächlich besitzen.«

»Nun ja, falls die Außerirdischen von außerhalb des Sonnensystems herkommen, dann sind sie uns technologisch haushoch überlegen. Deshalb betrachte ich dieses Treffen eher als ein Friedensangebot.«

»So? Sie sind sehr optimistisch!«

»Ja, weil ich davon ausgehe, dass sie sich alles, was sie benötigen, auch ohne unsere Zustimmung nehmen könnten. Doch das ist offenbar bisher nicht passiert.«

»Wir werden sehen, Donald. Ich bleibe vorerst skeptisch und warte ab.«

»Ich glaube, es geht los!«, unterbrach ihn Menzel aufgeregt und wies mit der rechten Hand direkt zum fremden Raumschiff.

Die Männer beobachteten ein ihnen völlig unbekanntes Lebewesen, das in diesem Moment in der Türöffnung des UFOs erschien, sofort ins Freie trat und schließlich leichtfüßig die Rampe herunterkam. Unter angekommen ging es schnurstracks auf die Wartenden zu, ehe es plötzlich stoppte und mitten auf dem Rollfeld stehen blieb.

Das Wesen hatte zwar ein humanoides Aussehen, sah aber trotzdem völlig anders, wie die Menschen, aus. Der Außerirdische war höchstens 1,20 m groß, besaß einen überdimensionierten Kopf mit großflächigen mandelförmigen schwarzen Augen. Statt einer Nase gab es nur ein paar kleine Atemlöcher und auch Ohren suchten die beiden Abgesandten vergeblich. An ihrer Stelle gab es ebenfalls nur zwei Öffnungen. Das Wesen, das höchstens 15 m entfernt stand, besaß darüber hinaus dünne lange Gliedmaßen mit 4 Fingern am Ende eines verdickten Handballens. Erst jetzt erkannten die Männer, dass der Außerirdische vermutlich nackt war. Deshalb konnten sie seine lederartige graue und ebenmäßige Haut betrachten, die allerdings keine Geschlechtsmerkmale und Behaarung aufwies. Direkt vor der Mitte des Oberkörpers entdeckten sie schließlich einen silberglänzenden Kasten, den sich der Unbekannte umgehängt hatte und der jetzt in einem zarten Gelbton aufleuchtete. Plötzlich, wie aus dem Nichts, war wieder die Stimme laut und deutlich zu vernehmen, mit der sie bereits per Funk gesprochen hatten: »Wir grüßen den Führer des Landes und den Wissenschaftler. Wir laden die Menschen ein, unsere Gäste zu sein.«

Menzel und Eisenhower sahen sich kurz mit nachdenklicher Miene an, ehe der Präsident erwiderte: »Was ist der konkrete Grund der Einladung?«

Scheinbar handelte es sich bei dem Kasten, dass das Wesen am Körper trug, um einen Übersetzer. Denn genau aus dieser Richtung war wieder die metallische Stimme zu vernehmen: »Keine Sorge, Mensch. Wir kommen in friedlicher Absicht. Du hast etwas, was uns gehört und außerdem haben wir ein wichtiges Anliegen an dich!«

»Wie ich schon vermutet habe, es geht tatsächlich um den Roswell Absturz. Wir werden knallhart verhandeln, denn ohne Gegenleistung bekommen sie ihr Raumschiff und die Leichen ihrer Gefährten natürlich nicht. Sind Sie dazu bereit, Donald?« Er sah den Astronomen skeptisch an.

»Selbstverständlich, Sir!«

»Sehr gut«, flüsterte der Politiker. Dann wandte er sich wieder direkt an den Außerirdischen, der noch immer völlig regungslos vor ihnen stand und sie mit seinen großen mandelförmigen Augen ansah. »Okay, und was für ein konkretes Anliegen hast du an uns?«

»Führer des Landes, wir wissen, dass du eine Kompensation forderst, damit du unsere Wünsche erfüllst.«

»Das ist richtig. Woher weißt du das?« Eisenhower war perplex.

»Du kennst Telepathie?«

»Natürlich!«

»Sehr einfach ausgedrückt, wir kommunizieren auf diese Weise miteinander.«

»Das heißt, ihr könnt Gedanken lesen?«

»Ja.«

»Das ist nicht fair!«

»Warum?«

»Dann kennt ihr ja bereits meine Verhandlungstaktik.«

»Es wird nicht schwer sein, deine Wünsche zu erfüllen!«

»Aber was wollt ihr konkret von uns?«

»Du wirst es erfahren, wenn du Gast in unserem Raumschiff bist!«

Der Außerirdische wies einladend in Richtung der Rampe, die hoch zum Eingang des UFOs führte.

»Was meinen Sie, sollen wir das Risiko eingehen?« Der Präsident sah Menzel mit nachdenklicher Miene an.

Der Astronom zögerte mit einer Antwort und blickte hinüber zum Außerirdischen, der gerade erhebliche Mühe hatte, dass sein schmächtiger Körper nicht durch die zunehmenden Windböen umgeweht wurde. Schließlich meinte er lächelnd: »Ich befürchte, um auf dem Rollfeld erfolgreich zu verhandeln, ist es derzeit zu kalt und zu windig. Wir sollten die Einladung annehmen, Sir!«

»Gut, dann lassen Sie uns hineingehen!«

Als der Außerirdische sah, dass die Männer sich in seine Richtung in Bewegung setzten, ertönte wieder die Stimme aus dem kleinen Kasten: »Folgt mir bitte in das Raumschiff!« Anschließend drehte sich der Fremde um und ging mit langsamen Schritten voran.

Wenige Augenblicke später erreichte die Gruppe bereits den Eingang des UFOs. Kurz bevor sie ins Innere traten, sah sich der Astronom nochmals rasch zum Flugzeug um. Er konnte schemenhaft Gesichter hinter den Flugzeugfenstern erkennen, die vermutlich gerade beobachteten, wie der Präsident und er in einem Flugkörper verschwanden, der offenbar nicht von der Erde stammte. Er war sich in diesem Moment völlig sicher, dass sämtliche Dokumente, die über das einzigartige Ereignis Zeugnis ablegten, für einen langen Zeitraum in den Geheimarchiven der Geheimdienste und Regierungsbehörden mit allerhöchster Geheimhaltungsstufe verschwinden werden. Mit einem leisen Seufzen drehte er sich wieder um und folgte dem Präsidenten, der bereits leicht gebückt durch die Tür, die nur 1,50 m hoch war, das Innere des Raumschiffes betreten hatte.

 

10 Minuten später

 

Die beiden Männer bekamen rasch mit, dass dieses UFO nicht für ihre Körpermaße konstruiert worden war. Alles, egal ob die Sessel für die Besatzung oder die direkt vor ihnen eingebauten Terminals, war einige Nummern kleiner, als sie es von der Ausstattung in der Air Force One her kannten. Auf den Bildschirmen leuchteten ständig mysteriöse Zeichen in einer völlig unbekannten Schrift auf, deren Bedeutung sie nicht verstanden. Allerdings machte sich auch keiner der Anwesenden die Mühe, etwas über die Funktionsweise zu erzählen. Alles in diesem Raum wirkte fremdartig und äußerst steril, wovon ebenfalls die weißen Wände zeugten.

Insgesamt hielten sich 6 Greys in der Kommandozentrale auf, die von einem 360 Grad Panoramafenster umgeben war. Somit gab es einen ungehinderten Rundblick auf die menschenleere Militärbasis. Jetzt erst fiel Eisenhower auf, dass von außerhalb des Flugkörpers, dieses Fenster nicht zu erkennen war. Es war vermutlich getarnt, um Neugierigen den Blick ins Innere zu verwehren.

Die Fremden hatten sich einzeln mit Namen beim Präsidenten und seinem Begleiter vorgestellt. Doch die Männer waren so aufgeregt, dass sie das nicht so richtig mitbekamen. Außerdem sahen für sie sämtliche Aliens, wie eineiige Sechslinge aus, so dass eine Identifizierung sowieso aussichtslos erschien.

Wenig später wurden sie aufgefordert, sich in einen der kleinen Sessel zu zwängen, während einer der Greys, dessen Sitzplatz sich in der Mitte des Raumes befand, sich ebenfalls setzte und den Stuhl sofort in ihre Richtung drehte. Seine überdimensionierten schwarzen Augen blickten Eisenhower regungslos an und es dauerte einen kurzen Moment, bis die metallische Stimme wieder zu hören war. Sie kam direkt aus einem Kasten, der vor den Menschen auf dem dunkelgrauen Fußboden abgestellt war.

»Du bist also der Führer des Landes?«

»Ja, ich bin Dwight D. Eisenhower, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.«

»Und wen hast du mitgebracht?« Der Grey, vermutlich der Kommandant, sah ihn weiter direkt an.

»Ich bin Donald Menzel und Astronom. Ich beschäftige mich mit dem Weltall und alles, was zu diesem Wissenschaftsgebiet dazu gehört!«

»Ich bin darüber informiert, was du machst!«

»Warum hast du um ein Treffen gebeten?« Der Präsident versuchte, das Gespräch am Laufen zu halten.

Die Antwort kam sofort. »1947 ist bedauerlicherweise etwas über deinem Land abgestürzt, das uns gehört!«

»Das meinst den Roswell Absturz?«

»Ja, so nennt ihr dieses Ereignis. Menschen haben das zerstörte Raumschiff und die getötete Besatzung geborgen und zu einer Militärbasis gebracht. Wir wollen sofort unser Eigentum wiederhaben.«

Eisenhower schmunzelte leicht, ehe er freundlich erwiderte: »Das dürfte kein Problem sein, allerdings möchte ich im Gegenzug auch etwas von dir haben!«

Überraschenderweise dauerte es einige Augenblicke, bis die künstliche Stimme wieder zu vernehmen war. Emotionslos meinte sie: »Was sind deine Forderungen?«

»Ich habe mir überlegt, dass eure technische Ausrüstung, natürlich mit ausführlicher Bedienungsanleitung und Einweisung, ein fairer und akzeptabler Austausch für das abgestürzte Raumschiff und die tote Besatzung sind.«

»Was sind deine konkreten Vorstellungen?«

Der Präsident blickte kurz zu Menzel hinüber und nickte ihm flüchtig zu. Der Astronom zog verwundert die Augenbrauen hoch. Doch dann hatte er Eisenhower endlich verstanden und er beantwortete die Frage. »Es geht uns um die Antriebstechnologie des Raumschiffes und die gesamte Ausrüstung. Dazu benötigen wir die aktuellsten Erkenntnisse deiner Zivilisation in Bezug auf die Wissenschaftszweige Mathematik, Chemie, Physik, Biologie und Astronomie.«

»Hast du noch weitere Wünsche, Mensch?«

»Ja, mich persönlich würde interessieren, von welchem Sternsystem ihr überhaupt kommt?«

Erneut kehrte eine merkwürdige Stille ein und die beiden Männer konnten aus den emotionslosen Gesichtern der anwesenden Greys nicht ablesen, was sie von der Wunschliste tatsächlich hielten. Nach einer Weile war abermals die hinlänglich bekannte Stimme zu hören: »Ich zeige dir meine Heimatwelt!« Der Kommandant drehte sich zum Terminal um und gab vermutlich ein paar Daten ein.

Unmittelbar vor Eisenhower und Menzel erschien ein dreidimensionales Bild, das einen Start von der Erde zeigte. Der Flug führte schnell an einigen äußeren Planeten des Sonnensystems vorbei, ehe er direkt in das sternenreiche Band der Milchstraße hineinflog. Zahlreiche Sterne in unterschiedlichen Abmessungen und Farbtönen, oftmals umgeben von einem umfangreichen Planetensystem, huschten vorüber. Schließlich endete die rasende Fahrt vor einem Roten Riesen, der von insgesamt 4 Planeten umkreist wurde. Der Flug ging nun direkt zum zweiten Himmelskörper, der deutlich größer, als die Erde, war. Er hatte eine graublaue Färbung und die Männer konnten auf der Oberfläche zwei Landflächen erkennen, die von einem Meer umgeben waren. Abrupt wurde an dieser Stelle die Vorführung beendet und das dreidimensionale Bild verschwand.

»Das ist unsere Heimat, die wir vor langer Zeit verlassen mussten.« Der Kommandant sah sie direkt an.

Menzel schien nicht zufrieden zu sein, denn er meinte irritiert: »Alles schön gut und wo konkret befindet sich der Planet?«

Schweigen.

»Nach meiner Meinung scheint deine Heimatwelt ziemlich weit weg von der Erde zu liegen. Ist das richtig?«

»Du hast Recht!«

»Mit welcher Geschwindigkeit fliegt überhaupt euer Raumschiff, um diese gigantischen Entfernungen in einer akzeptablen Zeit zurückzulegen?«

Schweigen

Doch der erfahrene Astronom gab nicht auf, denn er war viel zu neugierig. »Der berühmteste Wissenschaftler der Erde ist der Meinung, dass ein Raumschiff niemals schneller, als das Licht fliegen kann!«

»Du meinst Albert Einstein?«

»Ja!«

»Ich kenne die wissenschaftlichen Abhandlungen dieses Menschen. Leider entsprechen sie nicht den tatsächlichen Gesetzmäßigkeiten in Bezug auf Raum und Zeit. Deine Zivilisation muss noch viel lernen.«

»Das heißt, der Mann liegt mit seiner Relativitätstheorie völlig falsch?« Menzel glaubte, sich verhört zu haben.

»Ja!«

»Möchtest du das nicht näher erläutern?«

»Wenn du das Raumschiff wieder verlässt, dann wirst du sehen, was ich meine!«

Der Kommandant sprach in Rätseln und Menzel war völlig desillusioniert. Das bemerkte auch der Präsident, der mit Blick auf die eigene Armbanduhr festgestellt hatte, dass bereits über eine halbe Stunde vergangen war. Allzulange wollte er die Unterhaltung nicht mehr ausdehnen und bisher hatte sie keinerlei Ergebnisse gebracht. »Hast du uns nur wegen des abgestürzten Raumschiffes zu diesem Treffen eingeladen?«

Die Antwort kam sofort. »Nein, ich benötige deine Hilfe zu einem Problem, das unsere gesamte Zivilisation betrifft?«

»Um was geht es konkret?«

»Mein Volk ist seit vielen Jahrtausenden an einem Gendefekt erkrankt, der bisher nicht geheilt werden konnte.«

»Das ist zwar bedauerlich, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass wir helfen können.«

Wieder ließ sich sein Gegenüber Zeit mit einer Antwort und es dauerte eine Weile, bis die bekannte Stimme zu ihm meinte: »Für weitere Forschungen sind zahlreiche Untersuchungsobjekte für die Wissenschaftler und Ärzte nötig und dafür benötigen wir dein Einverständnis.«

In diesem Moment zuckte Eisenhower innerlich förmlich zusammen, denn er ahnte instinktiv, was der Fremde damit andeuten wollte. Falls es das war, was er gerade vermutete, konnte er dem niemals zustimmen. »Du willst an Menschen Experimente durchführen?«

»Ja und an Tieren.«

»Wie sollen diese Versuche ablaufen?«

»Die betreffenden Objekte bringen wir mit Raumschiffen zu einer Basis, die derzeit, mit Unterstützung der Menschen, auf dem Gebiet deines Landes gebaut wird. Der größte Teil der Anlage wird unterirdisch angelegt. In den untersten Stockwerken werden wir detaillierte Untersuchungen an den bereitgestellten Versuchsobjekten durchführen. Im Gegenzug erhaltet ihr einen gewissen Zugang zu unserer Technologie und deine Wissenschaftler können zu Forschungszwecken die oberen Etagen der Basis nutzen.«

Eisenhower wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Der Plan war so bizarr, dass ihm davor grauste, weitere Fragen zu stellen. Trotzdem riss er sich zusammen. »Ist das der Deal?«

»Ja.«

»Was passiert mit den sogenannten Versuchsobjekten?«

»Ich verstehe deine Frage nicht!«

»Ist deren Überleben nach den Untersuchungen vorgesehen?«

»Nein!«

»Was passiert, wenn ich das Vorhaben aus humanitären Gründen ablehne?«

»Das wir dich in die Pläne detailliert einweihen, schulden wir einer Direktive der Vorfahren, die diese Herangehensweise erforderlich macht. Falls du nicht zustimmst, werden wir die Experimente trotzdem durchführen. Allerdings erhält dann deine Zivilisation keinen Zugang zu unserer Technologie.«

»Du hast vorhin erwähnt, dass ihr derzeit gemeinsam mit Menschen eine unterirdische Basis errichtet.«

»Ja!«

»Wer hat die Erlaubnis dazu erteilt?«

»Das ist uninteressant.« Der Gastgeber wich einer Antwort aus. Stattdessen wechselte er das Thema und fragte emotionslos: »Stimmst du meinem Vorschlag zu?«

»Der Deal gefällt mir nicht!«

»Ich kann dich gut verstehen, doch es steht das Wohl einer ganzen Zivilisation auf dem Spiel und da können wir leider keinerlei Rücksicht auf deine Befindlichkeiten nehmen.«

»Das will ich nicht alleine entscheiden«, murmelte der Präsident und kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf.

»Ich schlage vor, dass ich dir ein paar Tage Bedenkzeit einräume. Ich werde mich zu gegebener Zeit wieder über die üblichen Kanäle melden. Bist du damit einverstanden?«

Eisenhower nickte leicht mit dem Kopf. »Ja, das ist ein vernünftiger Vorschlag!«

»Dann dürft ihr jetzt das Raumschiff verlassen. Mein Kamerad begleitet euch hinaus.« Der Kommandant machte dabei keinerlei Anstalten, seine Gäste zu verabschieden.

Deshalb nickten ihm die beiden Männer nur flüchtig zu und gingen direkt zum Grey hinüber der, am Ausgang des halbkreisförmigen Raumes, auf sie wartete.

Als sie kurz darauf das Raumschiff endgültig über die künstliche Rampe verließen, mussten sie erschrocken feststellen, dass bereits völlige Dunkelheit herrschte. Nur aus zahlreichen Fenstern der Air Force One drang ein wenig Licht nach draußen. Der Präsident blickte irritiert auf das leuchtende Ziffernblatt seiner Armbanduhr und stellte verwundert fest: »Das Treffen dauerte gerade einmal 45 Minuten. Aber es scheint deutlich später zu sein.«

»Nun ist auch klar, was der Kommandant vorhin damit meinte, dass die Gesetzmäßigkeiten in Bezug auf Raum und Zeit etwas anders ablaufen, als von Einstein vorausgesagt.«

»Ja, wir haben noch eine Menge zu lernen!«, erwiderte Eisenhower leise und ging langsam die Stufen der Gangway hoch. Als er sich auf dem oberen Podest nochmals zum UFO umdrehte, war es bereits verschwunden, genauso wie das Andere, das die gesamte Zeit über dem Ort der Begegnung der beiden Zivilisationen geschwebt hatte. Mit einem Seufzen betrat er schließlich das eigene Flugzeug. Er hatte intensiv nachzudenken und eine Entscheidung zu treffen. Er befürchtete schon jetzt, dass sie sowieso falsch war. Egal, wohin sich die Waage letztlich auch senken würde.

 

1970, südlich vom Wendekreis des Steinbocks

 

Die zehn Männer hatten schon seit Wochen kein Land mehr gesehen. Das letzte Mal war es zwei Tage vor Vollmond gewesen. Da brachen sie zu einer weiteren Teiletappe ihrer Weltumseglung auf. Ihr Ziel war es mit ihrem hochseetüchtigen Doppelrumpfboot von Polynesien aus, an der Osterinsel vorbei, um Kap Horn herum, bis nach Buenos Aires zu segeln. Aber der Wettergott meinte es nicht sonderlich freundlich mit der Crew, denn seit Tagen herrschte Windstille, was die Stimmung auf den Nullpunkt sinken ließ.

Jetzt stand der Mond, als schmale Sichel in der Nähe des westlichen Horizonts und die ersten Sterne leuchteten bereits über dem Katamaran auf. Ein weiterer ergebnisloser Tag neigte sich dem Ende entgegen und bald würde sich die Nacht mit einem unbeschreiblichen Sternenhimmel auf die Mannschaft und ihr Schiff herabsenken.

Prüfend schaute Sam, der erfahrene Kapitän, zum Segel hinauf, dass komplett aus widerstandsfähigen Leinenstoff bestand. Ein Lächeln umspielte die Lippen des Engländers, denn er sah etwas Erfreuliches.

Nun endlich spürte er die sanfte Luftströmung auch im Gesicht, die fast unmerklich aus westlicher Richtung aufgekommen war und den Segelstoff ein wenig aufblähte.

»Der Wind kommt allmählich wieder in die Gänge«, meinte sein bester Freund Wladimir, der neben ihm stand und gerade prüfend den Zeigefinger nach oben gehalten hatte.

Der Kapitän sah ihn flüchtig an und erwiderte: »Das wurde auch allerhöchste Zeit. Durch die Windstille haben wir bereits einige Tage verloren und unsere Vorräte gehen allmählich zu Neige.«

Der Kamerad nickte rasch, ehe er eine Seekarte hervorholte und sie vorsichtig auseinanderfaltete. Im letzten Licht der untergehenden Sonne beugten sich die erfahrenen Seebären über die Karte. Darauf waren detailreich der südliche Pazifik und die Küsten Südamerikas abgebildet.

»Hier ist Samoa!« Der gebürtige Russe tippte mit dem Finger auf einen winzigen schwarzen Punkt.

»Richtig«, erwiderte Sam. Vorsichtig fuhr sein Zeigefinger auf einer dünnen Linie entlang. Dabei murmelte er: »Exakt diesen Weg müssen wir nehmen und so gelangen wir auch an unser Ziel!« Er pochte aufgeregt auf eine Stelle, die sich am oberen Ende des Blattes befand. Dort war eine dreieckige Insel inmitten des Ozeans zu erkennen. »Hm, genau da befindet sich die Osterinsel.«

Sein Gegenüber nickte. »Ziemlich einsam gelegen, aber das einzige Land weit und breit. Wir sollten unbedingt da hinsegeln, um den Proviant aufzufüllen, denn in Feuerland gibt es kaum eine Möglichkeit dazu. Was meinst du, wie lange wird der Törn bis dorthin dauern, wenn uns der Wind nicht im Stich lässt?«

Der Freund überlegte einen Moment. »Schwer zu sagen. Ich schätze mindestens 24 Stunden.«

Wladimir sah ihn kurz von der Seite an und nickte schließlich. »Sehe ich genauso, Sam. Dann sollten wir aber jetzt den Kurs ändern.«

Erneut schwiegen die Männer und genossen die friedliche Abendstimmung. Man hörte nur den Mast leise knarren, da sich das Segel immer mehr aufblähte.

Nachdem Sam mit Hilfe des Steuerrades den Schiffskurs geändert hatte, gesellte sich Matthew, der rothaarige Schotte, zu ihnen. Er schien überrascht zu sein. »Wohin soll denn jetzt die Reise gehen?«, fragte er mit verwundertem Gesichtsausdruck.

»Zur Osterinsel, um Proviant zu ordern!«

»Keine schlechte Idee. Ich wollte schon längst mal die Insel besuchen, weil dort zahlreiche ungewöhnliche Standbilder in der Gegend herumstehen.« Er hielt kurz ihnen und überlegte. Schließlich meinte er, die Gefährten anblickend: »Wie war noch einmal der Name dieser speziellen Statuen? Es ist mir gerade entfallen.«

»Moais!«

»Stimmt und merkwürdig ist, dass die Erbauer von heute auf morgen die Arbeiten eingestellt haben und verschwunden sind!«

»Was du nicht so alles weißt«, murmelte Sam, während er einen kurzen Blick auf den Kompass warf.

»Ja und noch rätselhafter ist, dass sie mit dem Gesicht in Richtung Inselmitte schauen und kein Wissenschaftler bisher das Warum erklären kann.«

»Du auch nicht?«, spottete Wladimir lachend.

»Na ja, eine Theorie habe ich?«

»Okay, da bin ich jetzt aber gespannt!«

»Vielleicht stand in der Mitte eine Skulptur von einem der Hauptgötter dieser polynesischen Kultur und dem dreht man natürlich nicht den Rücken zu.«

»Doch gefunden hat man von ihm nichts mehr oder?«

»Das ist richtig. Wahrscheinlich bestand er gar nicht aus dem vorhandenen Vulkangestein, sondern aus Holz beziehungsweise einem anderen Material, das in der feuchten und salzigen Seeluft schnell verrottete.«

Sam gefiel die Antwort überhaupt nicht, er zog die Stirn kraus und widersprach: »Das ist unlogisch. Gerade die angebetete Gottheit muss doch wohl aus widerstandsfähigerem Material hergestellt werden, um die Klimaverhältnisse über einen langen Zeitraum, wenigstens halbwegs, zu überstehen.«

»Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Insel der Sitz der Götter sein soll und für die Polynesier heilig ist! Von dort aus kehrt angeblich der Geist ihrer Toten in den Himmel zurück. Deshalb wurden manchmal geheimnisvolle Lichtphänomene beobachtet, während gleichzeitig Einwohner oder Tiere verschwanden und nicht mehr auftauchten!«

Sam lachte laut los und es dauerte einige Augenblicke, bis er sich wieder beruhigt hatte. »Ich habe den Eindruck, du siehst zu viele Horrorfilme.«

»Ich muss dir jetzt leider widersprechen, Käpt’n«, meinte Wladimir mit leiser Stimme.

»Okay und warum?«

»Es wurden tatsächlich Überreste wiedergefunden, aber immer nur einzelne Leichenteile. Es gibt Aufnahmen von einem menschlichen Körper, dem sämtliche Gliedmaßen fehlten. Doch es wird noch seltsamer. Auf der einen Gesichtshälfte waren die Haut, das Auge und alle Muskeln komplett verschwunden. Deshalb lagen die gesamte obere und untere Zahnpartie und die Knochen des Unterkiefers völlig frei und boten einen schrecklichen Anblick.«

»Vielleicht wurde das bedauernswerte Opfer von einem Raubtier angegriffen und teilweise gefressen.«

»Auf der Insel gibt es so etwas nicht. Eher sah es so aus, als ob die Leiche mit medizinischer Präzision so verunstaltet wurde. Außerdem fehlte sämtliches Blut.«

»Aha und weiter!«

»Entweder der Fundort war nicht der Tatort oder die gesamte Körperflüssigkeit wurde mit Hilfe eines unbekannten Verfahrens komplett entnommen.«

»Ohne dass ein Tropfen Blut verloren ging? So eine medizinische Technik gibt es doch gar nicht!« Sam blieb skeptisch. Für ihn klang des eher, wie eine weit hergeholte Verschwörungstheorie, der jegliche Substanz fehlt. Trotzdem war er neugierig und fragte nach: »War das der einzige Fall dort oder gab es noch mehr Tote?«

Der Russe nickte sofort. »Es gab ein zweites weibliches Opfer, von dem man wenigstens einige Körperteile wiederfand. Darunter befand sich auch der Rumpf, der völlig ausgeweidet war. Sämtliche inneren Organe fehlten und man fand an und in der Leiche wiederum keinen einzigen Blutstropfen.«

»Woher weißt du das?« Matthew blickte den Gefährten verwundert an.

»Ach«, winkte Wladimir bescheiden ab, »ich habe einen guten Draht zu einigen Wissenschaftlern.«

»Du hast vorhin auch Tiere erwähnt.«

»Ja.«

»Was ist mit denen passiert?«

»Insgesamt sind wohl ein Dutzend Kühe und mehrere Schafe verschwunden. Man fand letztlich nur die Überreste von zwei Rindern wieder. Auch ihnen fehlten auf der einen Kopfseite sämtliche Haut -und Muskelpartien. Darüber hinaus war der gesamte Bauchraum mit einem einzigen Schnitt geöffnet und die inneren Organe entnommen worden. Bevor ihr fragt, es war kein Blut mehr vorhanden, weder direkt im Körper des Tieres, noch in der näheren Umgebung.«

»Stand das irgendwo mal in der Presse?«

Der Russe schüttelte den Kopf und raunte seinen Freunden zu: »Das ist alles Top-Secret und unterliegt der höchsten Geheimhaltung.«

Keiner der Männer erwiderte etwa. Sie schauten sich nur nachdenklich an.

Nur das Plätschern des Ozeans, dessen Wellen an den Schiffskörper schlugen, unterbrach die Stille.

Nachdem er einige Augenblicke nachgedacht hatte, meinte Sam schließlich: »Das klingt alles ganz schön gruselig. Trotz alledem müssen wir zur Osterinsel segeln, sonst reichen unsere Vorräte nicht.«

»Du bist der Kapitän, es ist deine Aufgabe einen Entschluss zu treffen!«, ergänzte Matthew mit ernster Miene. »Ich gebe zu, auch ich habe ein mulmiges Gefühl. Vielleicht hat ja alles trotzdem eine natürliche Erklärung.«

»Das glaubst du doch selbst nicht oder?«, erwiderte der Russe wütend.

»Erst musst du mir das Gegenteil beweisen, dass es die grünen Männchen vom Mars sind, die hier Menschen und Tiere terrorisieren. Aber das kannst du garantiert nicht.« Er blickte den Gefährten provozierend an.

»Wie sollte ich das, wenn alles längst in irgendwelchen Geheimarchiven verschwunden ist. Sei doch froh, dass ich trotzdem aus dem Nähkästchen plaudern konnte!« Wladimir sah ihn entrüstet an.

Bevor die Situation eskalierte, mischte sich Sam ein. »Nun aber Schluss, ihr streitet euch ja wie alte Waschweiber. Wir segeln jetzt auf direktem Weg zur Osterinsel, vervollständigen den Proviant und verschwinden wieder!« Dann beugte er sich vor und flüsterte mit energischer Stimme: »Die Horrorgeschichten bleiben unter uns, damit das klar ist. Wehe, ich bekomme mit, dass ihr darüber mit den Anderen plaudert. Wer das macht, den lasse ich Kiel holen. Ist das bei euch angekommen?«

»Aye, aye Käpt'n!«, erwiderte beide Streithähne fast gleichzeitig und Matthew salutierte obendrein.

»Gut, und jetzt weckt mal unsere Mitstreiter. Es ist gleich Abendbrotzeit!«

*

Einige Zeit später brach die Nacht endgültig herein. Direkt über dem Mast leuchtete das Kreuz des Südens und wies ihnen den Weg zur geheimnisvollen Insel.

Sam hatte sich in die kleine Kabine des Schiffes zurückgezogen und dämmerte im Halbschlaf vor sich hin: Er dachte wehmütig zurück an den Abschied im Hafen von Apia, der Hauptstadt des Inselstaates. Obwohl es bereits Wochen her war, erinnerte er sich noch gut an die letzten Worte seiner Frau Angela, die ihm zurief, während sich das Schiff langsam von der Kaikante entfernte: »Tofa soifua! Ou te alofa ia te oe!«

Als er sie verwundert anschaute und fragte: »Was heißt das übersetzt? Vielleicht, komm bitte nicht so schnell wieder?«

Die Einheimischen, die in großer Zahl zum Abschied die Kaikante bevölkerten, lachten laut los, ohne dass ihm irgendeiner die Frage beantwortete.

»Du wirst es schon herausbekommen. Hast ja genug Zeit!« Sie blieb ihm ebenfalls die Antwort schuldig und warf ihm stattdessen eine Kusshand zu.

Mittlerweile hatte er es mit Hilfe eines Wörterbuches herausgefunden, dass ein Mitstreiter mitgenommen hatte. »Ich liebe dich auch!«, flüsterte er und lächelte.

Jäh wurde er aus den Gedanken gerissen.

Wladimir kam polternd die Stufen herunter und erregt gestikulierend rief er: »Sam, du musst sofort kommen. Direkt vor uns passiert etwas Seltsames!«

Mit einem Satz sprang der Angesprochene auf und folgte neugierig dem Gefährten. Draußen empfing ihn die laue Luft, die seinen Körper sanft umschmeichelte.

„Was ist los?“, fragte er die Kameraden, die dichtgedrängt am Bug des Schiffes standen.

Aber keiner antwortete ihm.

Der Kapitän hatte erhebliche Mühe, sich bis in die vorderste Reihe zu kämpfen. »Was ist los?«, wiederholte er verärgert die Frage.

»Siehst du, da vorne passiert etwas!«, Mario, das jüngste Mitglied der Crew, deutete aufgeregt in Richtung der Fahrtroute.

Jetzt sah er es auch und zuckte zusammen.

Der Horizont war blutrot erleuchtet.

»Vermutlich ist es nur ein Vulkanausbruch« David, der Bordarzt, versuchte, die Männer zu beruhigen.

Die restliche Crew schaute ihn skeptisch an, aber keiner der Gefährten erwiderte etwas.

Schließlich meinte Wladimir mit nervösem Augenzwinkern: »Das ist nie und nimmer eine Vulkaneruption! Direkt vor uns liegt die Osterinsel und sie ist für die Polynesier die Insel der Götter!«

»Machst du Witze?«

»Vielleicht haben wir sie erzürnt!«, erwiderte der Russe mit nüchterner Stimme.

»Du glaubst doch nicht wirklich an so einen Hokuspokus oder?«

»Es gibt sehr viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die niemand erklären kann!«

»Quatsch, das vor uns ist ein ganz normales natürliches Ereignis. Da gehe ich jede Wette ein. Ich vermute weiterhin, dass es sich um einen Vulkanausbruch handelt. Wir sind ja bald vor Ort und dann wirst du mit eigenen Augen sehen, dass ich Recht habe!«

Wladimir blickte Elijah, der ihm heftig widersprochen hatte, kurz an. Er entschied, nichts darauf zu antworten, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.

Inzwischen steigerte sich das dumpfe Grollen dermaßen, dass es sämtliche Gespräche an Bord überlagerte. Auch das merkwürdige Leuchten verstärkte sich sekündlich und wechselte langsam von strahlend weiß in einen rötlichen Farbton, der sich fast über den gesamten Horizont ausbreitete.

Plötzlich stiegen 8-punktförmige gelbe Lichter auf, die sich rasch in zahlreiche weitere leuchtende Punkte teilten, die imposante glänzende Ringe am Nachthimmel bildeten und auf der Stelle schwebten.

Innerhalb weniger Augenblicke verebbte das ohrenbetäubende Grollen, bis es endgültig verstummte. Auch der merkwürdige rötliche Lichtschein am fernen Horizont verblasste, bis dort endlich wieder nur die Sterne strahlten. Übrig blieben die leuchtenden Ringe, deren tatsächliche Dimension aus der Position des Schiffes schwer einzuschätzen war.

»Was ist das?«, flüsterte eine Stimme im Hintergrund.

»Das hast du doch vorhin von Elijah gehört. Es handelt sich nur um einen simplen Vulkanausbruch«, erwiderte Wladimir spöttisch.

»Ne, das glaube ich nicht. Ich vermute etwas ganz anderes.«

»Okay und was?«

»Zum Beispiel eine militärische Übung, bei der neue Waffensysteme getestet werden.«

»Ja, das könnte tatsächlich der Fall sein. Doch es kann sich auch um UFOs handeln.«

Der Russe erhielt zunächst keine Antwort, denn sämtliche Crewmitglieder beobachteten gerade, wie 7 Ringe langsam immer höher stiegen und übergangslos beträchtlich beschleunigten, bis sie Sekundenbruchteilen später nacheinander im Sternengewimmel verschwanden.

»Wow, wie schnell war das denn?« Die Stimme von Matthew klang überrascht.

»Keine Ahnung, aber da müssen enorme g-Kräfte gewirkt haben, die kaum ein Mensch überlebt hätte«, stellte Sam nüchtern fest.

Unterdessen hatte sich der Farbton des letzten Ringes in ein tiefes Rot verändert und auch er setzt sich allmählich in Bewegung, jedoch ein wenig anders, als alle an Bord vermuteten.

»Sch ...! Er kommt auf uns zu!«, rief eine Stimme aufgeregt. Sie schien Leon, dem Smutje, zu gehören.

Der Spanier hatte Recht, der Ring kam auf sie zu und es sah so aus, als beschleunigte er langsam. Je näher er kam, umso deutlicher wurden seine Dimensionen. Kurz darauf schwebte er in höchstens 500 m Höhe unmittelbar über dem Segelschiff, das im direkten Größenvergleich, wie ein kleines Modellschiff wirkte.

Jetzt konnten die Seeleute erstmalig erkennen, dass es sich keinesfalls um einen Ring handelte, sondern dass es nur die äußere Begrenzung von einem kreisrunden Objekt war, dessen Silhouette sich deutlich vom nachtdunklen Hintergrund abhob.

Fasziniert und gleichzeitig geschockt blickten die Männer auf das unheimliche Flugobjekt, von dem ein kaum vernehmbares Summen ausging. Niemand konnte oder wollte irgendetwas sagen.

Einige Minuten behielt es stoisch über dem Schiff seine Position, dass inzwischen weiter in Richtung Osterinsel segelte. Plötzlich erfasste ein strahlend helles Licht, das direkt vom Objekt zu kommen schien, das gesamte Boot. Es war so stark, dass die komplette Crew, völlig geblendet, ihre Gesichter wegdrehte oder sogar die Augen schließen musste. Doch sehr schnell erlosch der unangenehme Lichtschein wieder. Stattdessen standen unversehens Sam und Wladimir mitten in zwei transparenten rötlichen Lichtkegeln. Überrascht wichen die Gefährten zurück. Sie beobachteten, dass ihre Freunde wohl zu keiner Bewegung fähig waren, denn ansonsten hätte sie bestimmt alles versucht, um aus dem Lichtkegel herauszukommen.

Wie aus heiterem Himmel blitzte es direkt vor den beiden, apathisch wirkenden, Männern auf. Die übrigen Crewmitglieder wurden gleichzeitig vom strahlendweißen Lichtschein zum wiederholten Mal geblendet, so dass sie ihre Hände vor die Augen schlugen. Aber rasch ging auch dieses unheimliche Phänomen vorüber. Plötzlich lag das komplette Schiffsdeck wieder im Dunklen. Irritiert blickten sie sich an und dann dorthin, wo vor kurzem ihre beide Freunde im Lichtkegel standen. Die Stellen waren menschenleer. Total konsterniert schauten sie nun nach oben. Doch da war nur noch der unbeschreibliche Sternenhimmel zu sehen, der sich über das einsame Segelschiff ausbreitete. Das unheimliche Flugobjekt war längst verschwunden.

»Verdammt, wo sind Sam und Wladimir?«, rief Matthew entgeistert und blickte sich suchend um.

Schließlich redeten alle durcheinander und aufeinander ein. Ein Crewmitglied verschwand schnell in der Bordkabine, aber wenig später tauchte er wieder auf und meinte entschuldigend: »Da unten sind sie leider auch nicht!«

Nur langsam beruhigten sich die Männer. Ihnen fehlten plötzlich zwei Seeleute, darunter der Kapitän und das war kaum zu kompensieren.

»Seid doch mal still. Da stimmt etwas nicht!«, schrie Manuel, der zweite Steuermann, erregt und blickte angestrengt nach vorne.

Sofort verstummten die hitzigen Dispute.

„Ich höre es auch!“, riefen Einige fast gleichzeitig.

Zuerst war das Rauschen kaum zu vernehmen. Aber schnell kam das bedrohliche Geräusch näher.

Geschockt blickten sie zum Bug des Schiffes. Dort war eine Wasserwand, mit einer gewaltigen weißen Schaumkrone, zu sehen, die rasch auf sie zukam.

Doch sie hatten Glück.

Obwohl sich das Meer über zehn Meter hinter ihnen aufbaute, gelang es dem Katamaran, gleich einem eleganten Schwan, die Welle abzureiten. Zwar wurde das Deck von Wassermassen förmlich überspült, alle sahen anschließend wie begossene Pudel aus, aber es gab glücklicherweise keine Schäden.

So schnell, wie die Flut gekommen war, so rasch raste sie in südlicher Richtung davon. Die hell schäumende Linie wurde immer kleiner, bis sie endgültig, am dunklen Horizont verschwand.

Die Männer atmeten auf und viele mussten sich erschöpft erst einmal auf die Decksplanken hinhocken. Wenig später entschieden sie, ihren Törn rund um die Welt abzubrechen. Dann brachte die restliche Crew das Schiff wieder auf den richtigen Kurs und steuerte direkt auf die einsame gelegene Insel zu.

 

Mars Mysterium

 

31. Juli 1976

 

Am 20. August 1975 hob die Sonde Viking 1 an Bord einer Titan 3E/Centaur vom Launch Complex 41 auf Cape Canaveral in Richtung Roter Planet ab. Nach einem erfolgreichen und störungsfreien Flug schwenkte sie am 19. Juni 1976 in eine Umlaufbahn um den Mars ein. Nachdem noch mehrere Bahnkorrekturen erfolgten, begann der Satellit, in einer Höhe von 2200 Kilometer, die Marsoberfläche zu fotografieren. Jede Aufnahme wurde in einzelne Pixel zerlegt und danach als Datenpakete zur Erde gesendet.

Das National Space Science Data Center in Greenbelt im Bundesstaat Maryland hatte nun die Aufgabe, die Bildpunkte auf Magnetbänder zu speichern und anschließend in einem aufwendigen Verfahren zu einem ganzen Bild zusammenzusetzen. Das war äußerst kostspielig. Deshalb gab es von Anfang an Probleme bei der Finanzierung, weil die NASA darüber hinaus bei vielen geplanten Projekten und Missionen erhebliche Einsparungen vornehmen musste. Die Schuld an dieser Misere lag in den enormen Ausgaben für das Apollo-Programm, das als vorrangiges Prestigeprojekt galt. Zwar brachte man in einem dramatischen Wettlauf mit der Sowjetunion amerikanische Astronauten, als erste Menschen, auf den Mond, aber die Kostenexplosion hatte erhebliche Auswirkungen auf das zukünftige Raumfahrtprogramm. Die ständige Geldknappheit führte schließlich dazu, dass die letzten beiden geplanten Mondflüge ersatzlos gestrichen und andere Vorhaben für lange Zeit auf Eis gelegt wurden.

Die amerikanische Raumfahrtbehörde schlitterte damals immer tiefer in eine existenzielle Krise, so dass zeitweilig die Zerschlagung der NASA erwogen wurde.

 

1 Jahr später

 

Auch die erfolgreich angelaufene Marsmission litt, aus den genannten Gründen, unter dem permanenten Geldmangel der Weltraumbehörde.

Deshalb blieb der Agentur im Hochsommer 1980 nichts weiter übrig, als während einer Pressekonferenz Details zu der aktuellen Mission bekannt zu geben, die zu Recht auf Kritik stießen.

Die anwesenden Spitzenmanager gaben öffentlich zu, dass von den 300000 Aufnahmen, die Viking 1 zur Erde gefunkt hatte, erst 60000 komplett entwickelt waren. So hieß es zumindest in der offiziellen Version des Managements.

Aber selbst auf den Fluren der Raumfahrtbehörde machten schnell Gerüchte die Runde, dass die Zahl der Fotos in Wirklichkeit wesentlich höher lag. Die Kritiker fragten sich zu Recht, warum ein Teil der Bilder zurückgehalten wurde. Eine Antwort auf diesbezügliche Anfragen bekamen sie natürlich nie und dafür gab es handfeste Gründe.

*

Glücklicherweise passierte wenig später etwas, womit keiner bei der NASA gerechnet hatte.

Vincent DiPietro, ein engagierter Computerspezialist, erhielt von einer anonymen Quelle, einige komplett entwickelte Aufnahmen der Marsoberfläche. Rasch stellte er fest, dass die Bildauflösung und der Kontrast der Fotos für die damalige Zeit qualitativ außergewöhnlich hoch waren. Eine Überraschung war das für den erfahrenen Experten natürlich nicht, denn er ging davon aus, dass die Sonde eine Kamera an Bord hatte, die auf dem neuesten Stand der Aufnahmetechnik war. Durch diese hohe Kameraqualität war es möglich, dass Einzelheiten bis zu einer minimalen Größe von 50 Metern deutlich auf den Fotografien zu erkennen waren.

Bei weiteren Recherchen stieß DiPietro wenig später auf ein unscheinbares Foto, das schon bald die gesamte Marsforschung revolutionieren sollte. Es handelte sich um ein schwarz/weiß Bild mit der Nummer 35A72. Es trug die lapidare Bezeichnung »Kopf«. Verwundert sah sich der Forscher die Aufnahme näher an und war überaus überrascht, was er auf dem aufgenommenen Ausschnitt der Oberfläche schließlich entdeckte.

Als er sich wenig später mit einigen Journalisten über seine Entdeckung unterhielt, sagte er den berühmten und immer wieder zitierten Satz: »Ich sah das erhabene Abbild eines menschenähnlichen Antlitzes gegen den Hintergrund der Marslandschaft.«

Der steinerne Kopf, er sollte unter dem Namen Pagenkopf weltberühmt werden, hatte eine Größe von 1,5 km x 3,0 km. Wenig später kam heraus, dass die Sonde Viking 1 das Artefakt in der Cydonia Region des Roten Planeten nur zufällig aufgenommen hatte.

*

Als der Computerspezialist Gregory Molenaar das berühmte Bild mit der Nummer 35A72 in einer wissenschaftlichen Publikation entdeckte, war er so begeistert, dass er DiPietro spontan seine Mithilfe anbot.

Gemeinsam entwickelten die beiden Männer das Analyseverfahren Starbust pixel interleaving techniqe - kurz »SPIT« genannt. Mit der neuen Methode wurden die Bildauflösung und Qualität der Aufnahmen erheblich verbessert, so dass wesentlich mehr Einzelheiten auf dem Foto zu erkennen waren.

Als das überarbeitete Bild schließlich erneut veröffentlicht wurde, meldeten sich sofort zahlreiche Kritiker vehement zu Wort. Sie sprachen der Formation jeglichen künstlichen Ursprung ab und erklärten, dass es sich nur um eine optische Täuschung handelte, die durch Sonnenlicht -und Schattenzonen auf der Felsformation hervorgerufen wurde.

Doch so einfach ließ sich die These nicht entkräften, dass sich höchstwahrscheinlich ein außerirdisches Artefakt auf der Marsoberfläche befand. Dafür sprach unter anderem, dass die Augenhöhle, die Nasenlöcher, der Mund und weitere markante Punkte der Formation vor allem dann deutlich zu erkennen waren, wenn die Aufnahme mehrfach vergrößert wurde. Ein zufälliges Licht- und Schattenspiel, als Ursache, fiel somit aus.

Um die Kritiker endgültig von der Richtigkeit ihres Standpunktes zu überzeugen, suchten die beiden engagierten Forscher nach weiteren Fotos, die diese Formation zeigten. Überraschenderweise brauchten sie nicht allzu lange im Archiv zu suchen. Sie fanden die Aufnahme 70A13, die 35 Tage später von der Marssonde aufgenommen worden war. Bei der neuen Fotografie hatten sich die Aufnahmebedingungen grundlegend geändert. Zum einen war die Umlaufbahn von Viking 1 mittlerweile bedeutend niedriger und der Kamerawinkel, sowie der Sonnenstand waren ebenfalls völlig anders.

Wer jetzt von den Skeptikern hoffte, dass sich das Marsgesicht, wie von ihnen vorausgesagt, in eine natürliche Steinformation verwandelte, wurde bitter enttäuscht.

Stattdessen zeigte die Aufnahme deutlich mehr Einzelheiten des Gesichtes. So wurde eine zweite Augenhöhle sichtbar und der Haaransatz, der wenig später als sogenannte »Pagenfrisur« zu einiger Berühmtheit kommen sollte, umrahmte diesmal auch die im Schatten liegende Gesichtshälfte. Sogar ein Kinn war schwach zu erkennen.

Doch es gab noch eine weitere Überraschung. Da die neue Aufnahme ein größeres Areal rund um das Marsgesicht zeigte, wurden mehrere pyramidenähnliche Formationen entdeckt, die 15 km vom Artefakt entfernt, am Rande der sturmumtosten Hochfläche, standen.

DiPietro und Molenaar erkannten sofort, dass die Außenkanten und Ecken der Bauwerke, die ihren Pendants in Ägypten frappierend ähnelten, vollkommen symmetrisch waren.

Alles nur Zufall und eine Laune der Natur? Wer sich die Bilder genau anschaute, mochte das Letztere kaum glauben.

Trotzdem blieben die Kritiker bei ihrem Standpunkt, dass es sich nur um weitverbreitete Bergformationen handelte.

Um den Skeptikern endgültig den Wind aus den Segeln zu nehmen und den ultimativen Beweis zu finden, wurden die Aufnahmen schließlich per Falschfarbencodierung analysiert. Das Resultat war bereits auf dem ersten Blick hin eine absolute Sensation. Das Gesicht war nicht nur auf beiden Bildern identisch, sondern die Augenhöhlen zeigten zusätzlich Augäpfel inklusive Pupillen und auch der Haaransatz, sowie der Mund kamen noch wesentlich besser zu Geltung. Obendrein entdeckten die Wissenschaftler eine Träne aus Stein auf der, vom Sonnenlicht, beleuchteten Wange.

In einem Interview kommentierten DiPietro und Molenaar ihre Entdeckung ein wenig ironisch in Richtung ihrer Kritiker: »Wenn die vielen frappierenden Einzelheiten dieses steinernen Kopfes sich natürlich formiert haben, dann muss die Natur selbst ein hochgradig intelligentes Wesen sein.«

Trotz der neuen Entdeckungen blieb die Theorie, dass es sich um künstliche Bauwerke handelt, heftig umstritten. In wissenschaftlichen Gremien und ausführlichen Abhandlungen in diversen Zeitschriften wurden die Ansichten der mutigen Forscher kontinuierlich zerrissen und lächerlich gemacht. Die Meinung der meisten Wissenschaftler stand von vornherein und unwiderruflich fest – das Gesicht und die sogenannten Pyramiden auf dem Mars sind natürliche Geländeerhebungen und sehen nur zufällig künstlichen Gebilden ähnlich.

 

12. September 1997

 

Nach einem 750 Millionen Kilometer Flug traf die Sonde »Mars-Global-Surveyor« kurz MGS genannt, endlich an ihrem angesteuerten Ziel ein. Auch ihre Reise war ohne besondere Vorkommnisse verlaufen, so dass sie schließlich problemlos in den Orbit um den Roten Planeten einschwenkte. Es waren mehrere Kurskorrekturen erforderlich, dann hatte sie planmäßig ihre programmierte ellipsenförmige Umlaufbahn erreicht. Der höchste Punkt der Marssonde befand sich jetzt in 378 km Höhe, während die minimalste Annäherung bei 56 km lag. Somit konnten erfreulicherweise auch kleinste Details auf der Oberfläche aufgenommen werden. Letztlich dauerte eine Umrundung gerade einmal 118 Minuten.
Kurz darauf begann MGS mit seinen hochauflösenden Kameras den Mars komplett zu kartographieren. Aber es sollten noch Monate vergehen, bevor der richtungsweisende Überflug der Sonde in Angriff genommen wurde. Später wurde von der NASA immer wieder betont, dass die Cydonia Region und damit die entdeckten Formationen nicht im Fokus der Forschung standen. Ein Standpunkt der, nach all der jahrzehntelangen Aufregung um die Artefakte, nicht nachvollziehbar war und wohl auch nicht ganz der Wahrheit entsprach.

 

Frühjahr 1998

 

Der 5. April des Jahres war ein kühler Morgen auf dem Mars. Dieser Tag sollte endgültig über das Schicksal des Marsgesichtes entscheiden. Das erhofften sich jedenfalls die Techniker, Wissenschaftler und Ingenieure im Missionskontrollzentrum der NASA, dem Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena, Kalifornien. Eine Frage galt es explizit zu beantworten. Handelte es sich bei den Artefakten um künstliche oder natürliche Formationen?

MGS wandelte endlich auf den Spuren der beiden Viking Sonden und überflog direkt die Cydonia Region.

Die Aufnahmen, die zur Erde geschickt wurden, waren sehr detailreich und kontrastreich.

Nach der Begutachtung der gesendeten Bilder durch erfahrene Experten und Wissenschaftler, passierte genau das, was die Kritiker der Marskopf-Theorie schon immer gepredigt und die Befürworter befürchtet hatten.

Die veröffentlichen Fotografien zeigten eine einzelne Bergformation, die sich mit ihren sandigen Flanken deutlich von der umgebenden Hochebene abhob. Weit und breit war kein »Pagenkopf« zu entdecken. Mit Bedauern nahmen das die Verfechter der »Kopf-These« zur Kenntnis. Allerdings unterstellten sie der NASA, dass die Weltraumorganisation die Aufnahmen vor der Veröffentlichung bearbeitet hatte. Doch, wie sollte das funktionieren, wenn die Bilder direkt live in alle Welt verbreitet wurden und ein Millionenpublikum am Fernseher, als Zeuge fungierte?

Ganz einfach, die Fotos strahlte die Weltraumbehörde erst mit knapp einstündiger Verzögerung aus, nachdem sie von der Sonde zum Missionskontrollzentrum gesendet worden waren. Genügend Zeit also für eine spezielle Bildretusche. Doch Letzteres war nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten bekannt und wurde aus Gründen der Nationalen Sicherheit nicht öffentlich publiziert.

 

23. August 1998, Rapa Nui

 

Die Insel, besser bekannt als Osterinsel, liegt ziemlich einsam verlassen am südlichen Wendekreis der Sonne, mitten im Pazifischen Ozean. Doch auch hier fernab der hektischen Ballungsgebiete der Zivilisation hatte sich Leben angesiedelt, aber nach Meinung von Archäologen nicht ganz freiwillig.

Das sah Álvaro Lopez persönlich ein wenig anders, denn ihn hatte es wegen der großen Liebe Ende der 1960er hierher verschlagen und er war schließlich geblieben. Seit dieser Zeit wohnte er gemeinsam mit seiner Frau Alicia und Sohn Diego in der Nähe der Hauptstadt Hanga Roa und baute Bananen und Zuckerrohr für den Eigenbedarf der knapp 5200 Inselbewohner an.

Die Geschäfte liefen ganz passabel, obwohl er mit den Verkäufen natürlich nicht reich wurde. Darüber hinaus betätigte er sich als Ranger im Nationalpark Rapa Nui, das seit 1995 Teil des UNESCO-Welterbes geworden war.

Das Wetter war in den letzten Tagen sehr wechselhaft gewesen. Es wehte ein böiger Wind und immer wieder waren heftige Regenschauer über der Insel niedergegangen und hatte einige Hektar der Plantage unter Wasser gesetzt. Doch das trat in den Monaten Juli und August häufig auf und bedeutete keine Gefahr für die anstehende Ernte. Aber zurzeit beunruhigte etwas ganz anderes die Einwohner und Touristen, die derzeit das berühmte Eiland bevölkerten. Zwei Mitreisende, ein Engländer und eine Kanadierin, wurden seit mehreren Tagen vermisst. Zuletzt hatten Zeugen sie in den Abendstunden am Sandstrand in der Anakena-Bucht an der Nordküste gesehen. Seitdem verlor sich ihre Spur. Ein rasch zusammengestellter Suchtrupp, der umgehend die gesamte Insel absuchte, blieb ebenfalls erfolglos.

Schließlich fuhren zwei Fischerbooten den kompletten Bereich unterhalb der steilen Gebirgsabbrüche der Halbinsel Poike ergebnislos ab. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste Lopez bereits, was mit den beiden Touristen passiert war.

Heute wurde sein Sohn Diego volljährig und somit Zeit, den jungen Mann in das Geheimnis der Familie einzuweihen. So holperte das ungleiche Paar in einem, in die Jahre gekommenen, Land Rover über schlammige Sandpisten in Richtung des Vulkankraters Maunga Terevaka, der mit 507 m der höchste Berg der Insel war.

Als sie bereits eine Weile unterwegs waren, unterbrach schließlich der Junge das minutenlange Schweigen und fragte ungeduldig: »Wie lange dauert es denn noch, bis wir endlich da sind?«

Der Vater blickte ihn kurz von der Seite an, ehe er sich wieder auf das Fahren konzentrierte. »Wir sind gleich da!«

»Hoffentlich! Ich möchte dich nur daran erinnern, dass heute mein Geburtstag ist und ich keinen Bock habe, die ganze Zeit im Gelände herumzufahren.«

»Hast du den noch etwas vor?«

»Natürlich im Club Party mit Freunden machen.«

»Dann musst du bestimmt einen ausgeben.«

»Na klar, das ist als Geburtstagskind doch üblich oder war es bei dir anders?«

»Nein.«

Nachdem Álvaro zwei Moais, kolossale mysteriöse Steinstatuen, die in Richtung ihres Zieles blickten, elegant umfahren hatte, griff er mit der linken Hand in seine Brusttasche und holte mehrere Geldscheine hervor, die er zu Diego herüberreichte. »Ich denke, das reicht für die Party im Club aus.«

»Wow, das sind ja 100000 Pesos. Vielen Dank!«

»Das bleibt aber unter uns. Davon braucht Mutter nichts zu wissen. Verstanden?«

»Keine Sorge, das Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben.«

»Das hoffe ich. Kannst du dir vielleicht denken, warum ich mit dir heute einen kleinen Ausflug mache?«

»Ich vermute, es geht um das Familiengeheimnis, in das jeder eingeweiht wird, wenn er volljährig wird.«

Sein Vater nickte. »Genau. Der Erste, der darüber berichtet hat, war dein Ururgroßvater mütterlicherseits.«

Der Junge machte den Eindruck, als interessierte er sich genauso dafür, als ob in China ein Sack Reis umgefallen war. »Ganz schön lange her.«

»Was glaubst du denn, was er gesehen hat?«

Diego zuckte kurz mit den Schultern, ehe er murmelte: »Geht es vielleicht um die schwebenden Lichter, die immer wieder über der Bucht von Anakena beobachtet werden?«

»Ja, das ist aber nur ein Teil von einem Mysterium, das seit langer Zeit das Leben auf der Insel beeinflusst.«

»Mich tangiert das jedoch überhaupt nicht, Vater!«, widersprach er sofort.

»Du bist noch jung.«

»Okay, hast du denn schon persönlich eine Begegnung mit den Lichterscheinungen gehabt?«

»Mehr als einmal.«

»Warum habt ihr die Beobachtungen nicht den Behörden gemeldet? Sollen die sich doch darum kümmern.«

Álvaro winkte ab, während das Gras, welches üppig neben dem Sandweg wuchs, die Sicht aus den Seitenfenstern des Jeeps immer mehr beeinträchtigte. »Das wurde mehrfach versucht, mit dem Ergebnis, dass man uns ausgelacht und für verrückt erklärt hat.«

»Seitdem behaltet ihr das Geheimnis also für euch.«

»Ja!«

»Sind alle Einwohner der Insel eingeweiht?«

»Ja.«

»Und wer volljährig wird, gehört dann mit zu den Geheimnisträgern?«

»Wenn er möchte.«

»Du hast mich gar nicht gefragt, ob ich das überhaupt will?«

»Ich weiß, es ist aber etwas vorgefallen und da benötige ich deinen Rat.«

»Vater, du redest in Rätseln. Was sind das für Lichterscheinungen?«

Álvaro zögerte kurz mit der Antwort. Es lag jedoch nicht daran, dass er den Land Rover auf eine Fläche neben dem Weg lenkte, wo das Gras noch nicht so hochgewachsen war. Nachdem er den Motor abgestellt hatte, meinte er schließlich mit leiser Stimme: »Ich vermute, sie sind nicht von dieser Welt.«

Ehe Diego antworten konnte, hatte er bereits die Fahrertür geöffnet und war ausgestiegen.

Wenige Augenblicke später, erreichte er endlich seinen Vater, der mit schnellen Schritten vorwärts eilte. »Wohin gehen wir eigentlich?«

»Kennst du die Ana Maae Puhi?«

»Die Hibiskus Höhle? Natürlich, ich wohne doch hier. Aber in dieser Zeit blüht er nicht, sondern erst wieder im März?«

»Das weiß ich. In der Nähe gibt es eine zweite namenlose Grotte, die nur die Einheimischen kennen, weil sie inmitten der Büsche versteckt liegt.«

»Oh, das wusste ich ja gar nicht.«

Wenig später verließ Álvaro den ausgetretenen Pfad und zwängte sich durch einen verdorrten Hibiskus Strauch hindurch, bis er nach einigen Schritten das Buschwerk hinter sich ließ und einen kaum erkennbaren Trampelpfad folgte. Schließlich blieb er vor einem imposanten, mehrere Meter hohen Busch stehen und drehte sich zu seinem Sohn um, der ihm im kurzen Abstand gefolgt war. »Wir sind da!«

»So? Hier ist doch nichts, außer Wildnis!«

»Du liegst völlig falsch, hier hinter befindet sich eine Höhle, die es in sich hat.«

»Na, da bin ich aber gespannt, ob du jetzt nicht übertreibst.« Diego blieb skeptisch. Mittlerweile war ihm jegliche Lust vergangen, weiter in dieser Einöde herumzulaufen. Viel lieber würde er im Club mit den Freunden abhängen und ein kühles Bier trinken. Doch er schwieg und folgte seinem Vater, der auf allen vieren in das Gebüsch kroch. Die Erde fühlte sich feucht und glitschig an. Kein Wunder, es hatte die letzten Tage immer wieder geregnet.

Kurze Zeit später erreichten sie schließlich den flachen Höhleneingang, der maximal 1,50 m hoch war. Auf beiden Seiten zog sich eine mächtige Schicht aus Vulkanablagerungen hin, auf dem mehrere dichte Eukalyptushaine standen.

»Sind wir nun endlich da?«

»Sei nicht so ungeduldig. Es sind höchstens noch 50 m bis zu unserem Ziel. Außerdem ist es keine Höhle im eigentlichen Sinne, sondern eine alte Lavaröhre.«

»Das ist mir völlig egal. Hauptsache, wir sind bald da«, brummte das Geburtstagskind mürrisch.

Der Pfad, dem sie nun tiefgebückt folgen mussten, war äußerst beschwerlich, weil zahlreiche scharfkantige Gesteinsbrocken von der Decke abgebrochen waren. Schließlich erreichten sie einen Bereich, bei dem die gesamte Gesteinsdecke auf mehrere Meter zusammengebrochen war und sich auf dem sonnenbeschienenen Platz ein Eukalyptushain ausgebreitet hatte.

Auf der gegenüberliegenden Seite setzte sich der Lavatunnel fort. Plötzlich nahm Diego, der mittlerweile ziemlich schwitzte und außer Atem war, einen süßlichen Geruch wahr, der zunahm, je weiter sie in dem Tunnel vorankamen.

»Was stinkt denn hier so?«, rief er laut seinem Vater zu, der direkt vor ihm ging.

Der hielt kurz inne und drehte sich rasch um. »Du wirst die Antwort gleich erhalten und sie wird dir nicht gefallen. Versprochen!«

Wenig später endete der Lavatunnel endgültig. Er weitete sich zu einem geräumigen Platz, der komplett von einer mehrere Meter dicken Gesteinsschicht umgeben war, auf der wiederum ein hoher Eukalyptushain stand. In der Mitte der Fläche befand sich ein größerer Hibiskus Strauch, um den gerade Álvaro herumging. Der Gestank wurde immer unerträglicher, je näher sie sich der anderen Seite des Busches näherten. Plötzlich blieb der Vater stehen und meinte mit ernster Miene: »Das ist unser Geheimnis!«

Rasch schloss Diego zu ihm auf und was er dann sah, ließ ihn förmlich erschaudern. Direkt vor ihm lagen zahllose Knochenteile von einzelnen Gliedmaßen, verschiedene Wirbel der Wirbelsäule, dazu Hand, -Fuß -und Hüftknochen, Rippen, sowie zahlreiche unterschiedlich große menschliche Schädel. Manche Skelette waren komplett erhalten und trugen sogar noch ihre, größtenteils verrottete, Kleidung. Doch das war nicht das Schlimmste. Es gab eine Vielzahl von frischen Leichenteilen, die scheinbar wahllos auf der Fläche verteilt, herumlagen und teilweise gerade erst begannen zu verwesen. Das erklärte auch den unangenehmen süßlichen Gestank, den sie ausströmten.

Diego benötigte einige Minuten, um sich wieder zu fangen. »Was ist das hier? Ein Friedhof?«

Sein Vater schüttelte traurig den Kopf. »Das ist eher ein Müllabladeplatz!«

»Wie meinst du das?«

»Die Leichenteile hat hier irgendeiner wahllos gelagert.«

»Das ergibt überhaupt keinen Sinn«, flüsterte der junge Mann mehr zu sich. »Wer soll sich denn die Mühe machen, in dieser Einöde Körperteile zu verstecken. Da ist es doch risikoloser, die Leichen im Ozean zu entsorgen. Den Rest erledigen dann die hungrigen Haie.«

Während Diego sprach, ging sein Vater umher und fotografierten den gesamten Bereich. Schließlich stand er vor einem einzelnen menschlichen Rumpf, der immer noch ein völlig blutverschmiertes helles T-Shirt mit der blauen Aufschrift »University of Toronto« trug. Er hockte sich neben der Leiche hin und besah sich die glatten Schnittstellen, wo die Gliedmaßen und der Hals nebst Kopf vom restlichen Torso abgetrennt worden waren. »Es ist überall dasselbe Phänomen?«

»Was meinst du denn?«

»Sämtliche Körperteile scheinen nicht einen Tropfen Blut mehr zu haben.«

»Das heißt, die Zerteilung der Körper fand an einem anderen Ort statt.«

»Auf dem Boden sehe ich ebenfalls keinerlei Anzeichen und Spuren, dass hier irgendeine Flüssigkeit versickert ist.« Álvaro erhob sich langsam und setzte seinen Rundgang fort.

»Seit wann kennst du diese Stelle, Vater?«

»Genau an meinem 18. Geburtstag hat mich dein Großvater hierhergebracht und ich war genauso geschockt, wie du jetzt gerade.«

»Das ist hier auch der schrecklichste Anblick, den ich bisher gesehen habe. Du hast dir eben ein Leichenteil näher angeschaut. Kannst du das Opfer etwa identifizieren?«

»Vermutlich gehört der Torso zu einer Kanadierin, die seit kurzem vermisst wird. In der Personenbeschreibung stand jedenfalls, dass sie ein T-Shirt mit einem auffälligen Aufdruck von einer Universität getragen hat. In dieser Hinsicht würde es schon einmal passen.«

»Ich frage mich immer noch, wie die Leichenteile hierhergekommen sind? Vielleicht gibt auf der Insel eine verborgene satanische Sekte, die brutale Opferrituale durchführt und die Überreste dann hier entsorgt.«

»Nein, das glaube ich nicht.«

»Sondern?« Diego sah seinen Vater überrascht an, während er sich, wegen des Gestanks, angeekelt die Nase zuhielt.

»Du hast doch auch schon die merkwürdigen Lichter beobachtet, die oft in der Nacht über dem Maunga Terevaka aufsteigen und schließlich rasch in Richtung Meer fliegen.«

»Natürlich, die sind nicht zu übersehen. Ich habe sie übrigens häufig am Strand von Anakena gesehen, als ich dort mit meinen Kumpels abhing und Party machte. Doch da schwebten die Lichter in geringer Höhe langsam ins Inselinnere, ehe sie hinter einem Vulkanhang verschwanden. Es dauerte danach immer einige Zeit, ehe sie plötzlich wiederum auftauchten und kurz darauf übergangslos in Richtung Zenit rasten, bis wir sie nicht mehr sehen konnten. Ich weiß zwar nicht, was das für Objekte sind, aber es sind keinesfalls typische Flugzeuge oder Hubschrauber. Ich vermute, dass da garantiert ein geheimes Projekt dahintersteckt.«

Sein Vater schwieg vorerst, sondern lief weiter zwischen den Leichenteilen hin und her, während er pausenlos fotografierte.

Diego schaute sich das eine Weile regungslos an, bis er schließlich meinte: »Ob die Lichter etwas damit zu tun haben?«

Álvaro Perez blickte mit nachdenklicher Miene zu ihm herüber, erwiderte jedoch nichts. Wenig später steckte er den Fotoapparat in die Schutzhülle zurück. Dann ging er zu seinem Sohn und flüsterte ihm zu: »Dein Großvater hat mehrmals beobachtet, wie hell strahlende Lichter direkt über dieser Stelle schwebten und kurz danach fand er immer neue frische Leichenteile, die hier deponiert worden sind.«

Das Gesicht des jungen Mannes hellte sich auf und lachend erwiderte er: »Dann ist ja alles geklärt. Hier steckt eindeutig das Militär dahinter. Vermutlich führen sie wieder irgendwelche Versuche an Menschen durch.«

»So witzig ist das

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 06-01-2018
ISBN: 978-3-7438-7106-9

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Dedication:
Für meine tapfere Prinzessin Julia

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