Cover

Impressum

DER SEXGOTT AM FALSCHEN ORT

 

© Norma Banzi

 

Die Einzelteile des Coverbildes stammen von depositphotos

Western-Hintergrund: © GerakTV

Big Wave Surfer: © EpicStockMedia

 

Gestaltung des Covers:

Norma Banzi

 

Edition Banzini

Kurvenstraße 25

22043 Hamburg

www.banzini.de

 

Klappentext

 Der arbeitslose Jeff Stinson will sich etwas Taschengeld mit dem Schwarzbrennen von Schnaps verdienen und sucht sich als geheime Brennstelle ausgerechnet einen Platz im Wald des Sheriffs von Lake Beautown aus. Pech gehabt! Der Sheriff verdonnert ihn zur Strafe zum Holz hacken. So schrecklich findet Jeff die Zwangsarbeit für den Sheriff dann doch nicht, weil ihm der schönste Mann, den er jemals gesehen hat, einen Eistee bringt. Der Surfprofi Ken Watanabe wurde von seinem Vater in die Provinz zu seinem Stiefonkel verbannt und aus unerfindlichen Gründen beharrt dieser muskulöse Sportlergott darauf, sich mit dem extrem übergewichtigen Jeff anzufreunden. Will Ken nur die Zeit totschlagen oder ist es mehr? Durch dessen Einfluss verändert sich Jeff zu seinem Vorteil. Wenn nur Jeffs doofe Schwester Heather nicht wäre, die ständig versucht, sich Ken an den Hals zu werfen …

 

Eins

Scheiße, scheiße, scheiße! Jeff brannte das erste Mal alleine Moonshine, mit einem alten, kleinen Kessel seines Großvaters, und wurde prompt von Sheriff Grant erwischt. Jeff hatte nicht gewusst, dass der Wald, in dem er die alte Brennstelle gefunden hatte, den Grants gehörte, bis eben, bis der Sheriff ihn darüber informiert hatte. Jeff hatte noch versucht, wegzurennen, zu seinem altersschwachen Truck zu kommen, aber mit hundertfünfzig Kilo rannte es sich eben nicht so schnell.

„Was mache ich jetzt mit dir, Jeff?“, fragte der Sheriff und blickte ihn nachdenklich an.

„Wenn Sie mich gehen lassen, blase ich Ihnen einen“, bettelte Jeff. Der Schweiß rann ihm unter seinem T-Shirt den Rücken entlang und er spürte, wie sich ein Tropfen von seiner Stirn löste und auf seine Wimpern tropfte. Schnell wischte er ihn mit seinem Ärmel ab. Kaum hatte Jeff die Worte ausgesprochen, als er sie auch schon wieder bereute. So einer war der Sheriff nicht, er war geduldig, er war nett – meistens – aber er war nicht bestechlich. Und wer würde sich schon von einem übergewichtigen Klops einen blasen lassen wollen?

Das eben noch einigermaßen freundliche Gesicht des Sheriffs wirkte auf einmal düster wie eine Gewitterwolke. Seine Homosexualität war kein Geheimnis. Aber jeder wusste auch, dass er mit einem reichen Mann aus New York zusammen lebte, der hier die Sommermonate und den Winter verbrachte. Der Mann des Sheriffs sah toll aus. Wer so einen hatte, brauchte niemanden wie Jeff, der für ihn auf die Knie ging.

„Du denkst, Mr. Dunkin Donut, du könntest mich reizen?“, fragte der Sheriff gehässig. Seine Worte trieben fast das Wasser in Jeffs Augen. Er musste blinzeln, damit er nicht in Tränen ausbrach und sein Stolz ganz und gar den Bach herunterging, und für einen Moment hatte Jeff den Eindruck, als bereute der Sheriff seine Bemerkung. So etwas wie Mitleid zeigte sich in seinen Augen. Mitleid wollte Jeff erst recht nicht.

„Wenn Sie mich festnehmen, erzähle ich jedem, dass Sie mich angetatscht haben.“ Das hatte Jeff eigentlich nicht sagen wollen. Er mochte den Sheriff, meistens, nur jetzt gerade nicht, und hatte eine Menge Respekt vor ihm.

„Du wirst jetzt den Kessel umkippen – auf der Stelle!“, befahl ihm Grant mit kalter Stimme.

„Aber Sir …“

„Wird`s bald!“

Nun ließen sich die Tränen nicht mehr aufhalten. Mit feuchten Wangen stemmte Jeff seinen Fuß gegen den Brennkessel und warf ihn in die entgegengesetzte Richtung. Die wertvolle Maische ergoss sich über den Waldboden. Scheiße, scheiße, scheiße! Jeff hatte für den Sack Mais und die Hefe sein letztes Taschengeld ausgegeben. Und das Schlimmste war, der Sheriff nahm eine Axt aus seinem Truck und hackte ein Loch in den alten Kessel, ein Familienerbstück, an dem Jeffs Vater sehr hing.

„Dad wird mich umbringen“, jaulte Jeff auf.

„Du wirst deinen Krempel aus meinem Wald schaffen. Ich lasse dir bis morgen Mittag Zeit. Ab übermorgen kommst du raus zu meinem Haus und hackst Holz.“

„Weshalb soll ich für Sie Holz hacken?“, fragte Jeff.

„Lass mich überlegen … Erst beleidigst du mich, indem du mich für bestechlich hältst und für einen Kerl, der seinen Mann für einen lausigen Blowjob betrügt, danach versuchst du, mich mit meiner sexuellen Orientierung zu erpressen. Ich nehme unser Gespräch übrigens auf. Das tue ich immer, wenn ich allein auf einen Straftäter treffe. Es vermeidet Missverständnisse und in unserem Fall war es offensichtlich angebracht. Du kannst es dir aussuchen, Jeff, Holz hacken oder Strafanzeige.“

„Holz hacken, Sir.“ Da musste Jeff wirklich nicht lange überlegen. Wollte der Sheriff wirklich Gnade vor Recht walten lassen? In Jeffs Kopf drehte sich alles. Ganz konnte er sein Glück noch nicht fassen. Er blickte auf seine Füße, weil er es nicht wagte, dem Sheriff in die Augen zu sehen.

„Na also! Und richte dich darauf ein, die nächsten Monate jeden Tag bei mir anzutanzen.“

„Wie lange werde ich Ihr Diener sein, Sir, Sheriff Grant?“, fragte Jeff ergeben. Nun schaute er den Sheriff doch an. Mr. Grant wirkte jetzt fast wieder so entspannt wie sonst, wenn sie sich zufällig bei McDonalds trafen. Der Sheriff kaufte sich dort niemals Burger, aber er mochte den Kaffee und die Muffins, hatte Jeffs Bruder Luke erzählt. Luke arbeitete dort und deshalb bekam Jeff sein Essen billiger oder einen von den Burgern umsonst, wenn er nicht im vorgeschriebenen Zeitfenster abverkauft worden war und im Müll hätte landen müssen.

„Bis ich dich von der Angel lasse, Kleiner.“ Die Stimme des Sheriffs klang amüsiert und er zog eine Braue noch oben, so, als wolle er Jeff davor warnen, die Höhe seiner Strafe nun auch noch diskutieren zu wollen. Aber das hatte Jeff gar nicht vor. Ihm war das hier alles unsäglich peinlich.

„Es tut mir sehr leid, Mr. Grant. Ich hätte niemals gesagt, dass Sie mich antatschen. Ich war nur so …“ Jeff brach die Stimme und die Tränen flossen erneut. Schnell drehte er sich um und der Sheriff ließ ihm die Zeit, sich wieder zu fangen. Nach einer Weile kam er näher und legte Jeff die Hand auf den Rücken. Jeff zuckte zusammen, weil das T-Shirt ganz feuchtgeschwitzt war. Aber der Sheriff nahm seine Hand nicht weg und wirkte auch nicht angeekelt.

„Ich weiß, du warst wütend und verletzt. Ich habe etwas sehr Gemeines zu dir gesagt. Du wolltest dir mit dem Moonshine etwas Taschengeld verdienen, oder?“

Jeff nickte.

„Arbeitslos?“

Jeff nickte wieder.

„Und der Job im Supermarkt?“

Jeff schüttelte den Kopf.

„Warst du nicht pünktlich oder unhöflich?“

„Ich bin nie zu spät gekommen und war beliebt bei den Kunden, aber dem Chef war ich nicht schnell genug beim Einräumen der Regale und ich musste mich oft ausruhen.“

„Es ist die Ausdauer?“

„Ja!“ Jeff lief peinlich berührt rot an.

Sheriff Grants Handy klingelte. Er trat einige Schritte von Jeff weg und ging ran. Nach dem kurzen Gespräch sagte er: „Ich muss los. Du weißt, was du zu tun hast, Junge!“

„Jawohl, Sir!“

 

xxx

 

Jeffs Vater, James Stinson war höllisch sauer, dass den Kessel nun ein Loch zierte.

„Bist du wahnsinnig, im Wald der Grants brennen zu wollen? Wie kann man nur so dumm sein?“

„Ich, ich … Da war diese alte Brennstelle und ich dachte, die hat Jahre keiner mehr benutzt, also wird auch niemand schauen.“

„Das war die Brennstelle vom alten Grant, Idiot. Die ist heilig. Da darf niemand brennen, nicht einmal Colin. Der Sheriff geht regelmäßig nachsehen, ob jemand so verrückt ist, sie zu entweihen. Vielleicht brennt er da auch selbst oder seine Schwester, keine Ahnung. Niemand, der Grips im Kopf hat, macht sich auf den Weg, das herausfinden zu wollen.“

„Ich zahle dir die Kosten für den Kessel irgendwann zurück, Dad. Ganz bestimmt!“

„Idiot! So ein Erbstück ist unersetzlich.“

„Dad!“ Jeff ließ die Schultern hängen. Er war froh, als sein Vater ihm plötzlich durch die kurzen, blonden Haare schubbelte.

„Das Loch ist tief unten im Kessel, aber ich denke, es lässt sich flicken. Mason hat bei anderen schon viel größere Löcher gehackt. Er hatte wohl Respekt vor unserem Erbstück.“

„Gott sein dank!“

„Geh und hilf deiner Mutter in der Küche!“

James Stinson war kein einfacher Mann. Er war leicht zu reizen und seine drei Kinder mussten damit zurechtkommen, wenn er sie Idiot, Spinner oder dumme Ziege nannte. Seine Frau nannte er wahlweise Hexe oder Trampel. Dennoch hatte er Jeff noch nie wegen seines Übergewichts beleidigt oder ihn wegen seiner Homosexualität angegangen. Nicht, dass sie jemals über Jeffs sexuelle Orientierung gesprochen hätten. Aber James war kein Dummkopf und wenn er mit seinem LKW unterwegs war, brachte er Jeff die unanständigen Magazine für Schwule mit, während er Luke den Playboy spendierte. Jeff hatte ja den Verdacht, dass sein Vater sich die Gaymagazine selbst ansah. Wahrscheinlich war James Stinson bi und fickte auf seinen Fahrten mit Männern oder ließ sich in den Klappen anonym den Schwanz blasen. Mom steckte ihm jedenfalls immer einen Haufen Kondome in die Reisetasche. Wenn Dad hier war, war er der treueste Mann der Welt und Jeffs Eltern hatten Sex ohne Ende. Es war schon peinlich, sie Nachts zu hören. Dabei hatten die beiden zwei erwachsene Söhne und eine halbwüchsige Tochter.

Weshalb konnte Jeff nicht Dads drahtige Figur haben, wie Luke? Jeff kam mehr nach seiner Mutter, die fast hundert Kilo wog. Heather, die kleine Schlampe, lag gewichtsmäßig irgendwo zwischen Dad und Mom, nicht schlank, aber auch nicht zu beleibt. In der Schule gehörte Jeffs Schwester zu der coolen Clique und sie hatte Freunde ohne Ende. Mom sorgte sich, dass sie mit sechzehn schwanger wurde und vermittelte ihrer Tochter eines dieser Programme, in denen Heather sich eine Woche um eine Babypuppe kümmern sollte. Diese technisch hochgerüstete Puppe simulierte das Verhalten eines echten Babys, sie schrie oft und musste regelmäßig gewindelt werden und überhaupt war es schwierig, herauszufinden, was nun gerade wieder Sache war. Die ganze Familie war genervt gewesen, wenn mal wieder das Schreiprogramm angesprungen war – alle, außer Heather. Die hatte sich ganz cool um das Ding gekümmert, war Nachts, wenn nötig, mehrmals aufgestanden und hatte sich auch tagsüber nie aus der Ruhe bringen lassen. Heather würde irgendwann eine gute Mutter werden, wenn es nach Mom ging, noch nicht so schnell, aber es waren wohl eher die Kondome, die im Bad in einem großen Glas lagen, die bei Heather eine Schwangerschaft verhinderten. In diesem Haushalt waren die Gummidinger nicht abgezählt. Mom bestellte sie haufenweise im Internet. Sie im Supermarkt zu kaufen, war ihr wohl zu peinlich. Luke bediente sich an dem Glas und Heather sicher auch, Jeff nicht. Wer niemanden hatte, brauchte auch keine Kondome. Das war traurig, aber wahr.

Mit hängendem Kopf ging Jeff zu Mom. Es machte ihm Spaß, ihr beim Kochen zu helfen, und wenn er nicht so viel wiegen würde, hätte er gerne als Koch gearbeitet. Aber wer stellte schon einen Hundertfünzigkilo-Jugendlichen als Hilfskoch ein? Sogar McDonalds hatte ihn abgelehnt.

 

xxx

 

Das Leben hier in Lake Beautown war öde, öde, öde. Ken Watanabe lenkte sich mit dem Zeichnen von Comics oder mit Sport davon ab. Er war eigentlich Surfer und wollte fit bleiben. Wellen gab es hier nicht, aber immerhin konnte er im See schwimmen. Das Wasser war sein Element und wenn es den See nicht geben würde, wäre er verrückt geworden, so ansprechend er seine Unterbringung bei seinem Stiefonkel Mason Grant sonst auch fand. Das Haus am See hatte Klasse. Kens „Auszeit“ war also recht komfortabel, wenn man davon absah, dass er nicht freiwillig hier war. Sein Vater auf Hawaii hatte ihm die Wahl gelassen, ihn anzuzeigen oder für ein Jahr nach Lake Beautown zu gehen, wo der Sohn der amerikanischen Ehefrau von Großvater wohnte, Onkel Mason, der Kleinstadtsheriff. Die Stadt war vielleicht klein, aber Mason war ein effektiver Knastaufseher. Immerhin war es ein schöner Knast mit guter Bewirtung und mit einem freundlichen Hund, den Ken jeden Tag zum Joggen mitnahm.

Ein regelmäßig wiederkehrendes Geräusch irritierte ihn schon seit geraumer Zeit, nur war er zu konzentriert auf seine Zeichnung gewesen, um nachzusehen, was da Sache war. Gerade brachte ihm Steve, Onkel Masons Lebensgefährte, ein Glas Eistee.

„Was ist das für ein Geräusch da draußen?“, fragte Ken, nachdem er sich höflich für den Eistee bedankt hatte.

„Ein junger Mann hackt Holz. Jeff, heißt er, glaube ich. Mason hat ihn bei etwas Illegalem erwischt und so bestraft er ihn. Ich werde dem armen, schwitzenden Kerl da draußen auch ein Glas Eistee ausbringen.“

Steves Handy klingelte und er verschwand in seinem Arbeitszimmer, um das Gespräch anzunehmen. Da er nicht wieder

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 01-16-2015
ISBN: 978-3-7368-7188-5

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