Cover

Impressum

DER TRUCKER

WENN SICH DAS HERZ NACH MEHR ALS EINEM MENSCHEN SEHNT

 

© Norma Banzi

 

Die Einzelteile des Coverbildes stammen von depositphotos

Western-Hintergrund: © GerakTV

Mann: © dashek

Truck: © dell640

 

Gestaltung des Covers:

Norma Banzi

 

Edition Banzini

Kurvenstraße 25

22043 Hamburg

www.banzini.de

 

Vorab

 Ich danke meiner Lektorin, die darauf bestanden hat, dass Fran ein besonderes visuelles Erlebnis bekommt.

 

Ich danke allen Lesern und Leserinnen, die dieses E-Book legal erwerben.

 

Denjenigen, die es sich kostenlos besorgen, danke ich nicht. Das ist mein Kater. Er ist alt, chronisch krank und braucht Medikamente. Die Einkünfte aus meinen Büchern helfen, dass er sie bekommt. Die helle Stelle an seinem Bein ist rasiert, ein Bluttest war notwendig.

 

 

 

Klappentext

 Fran, die Frau des Truckers James Stinson, weiß, dass ihr Mann sich den Appetit auf Männer während seiner Touren stillt, und sie toleriert seine Abenteuerlust, solange er sie nur außerhalb ihrer Heimatstadt Lake Beautown auslebt. Als James aber einen verletzten Mann namens Andrew mit nach Hause bringt, stehen die Zeichen auf Sturm.

 

Der Tagelöhner Andrew hat einen Unfall und sein Caravan, in dem er lebt, muss verschrottet werden. Obdachlos und mit einer schweren Gehirnerschütterung weiß er sich nicht anders zu helfen, als seinen Gelegenheitsliebhaber James um Hilfe zu bitten. Krank und hilflos ist Andrew der Gnade einer Frau ausgeliefert, die ihn eigentlich hassen müsste. Wird sie ihn wenigstens so lange in der ausgebauten Garage leben lassen, bis es ihm wieder besser geht?

 

James fängt heimlich an, von einem Leben mit beiden zu träumen, allerdings hat er das nicht zu entscheiden, denn Fran ist der Boss. Und eine brave Hausfrau aus Lake Beautown würde sich doch niemals auf eine Ménage einlassen – oder doch?

 

Tags: schwul, bisexuell, Ménage, Trucker, Liebesroman, Frauenpower, Hilfsbereitschaft

 

Eins

 ‚Brauh deen hilf! Andrew.’

Als James Stinson die SMS seines Lovers las, runzelte er die Stirn. Die Rechtschreibfehler waren es nicht, die James irritierten, die war er von Andrew gewöhnt, und irgendwie konnte er die Botschaft immer entziffern.

‚Brauche deine Hilfe!’, übersetzte James das Gekritzel.

Sie trafen sich nun seit zehn Jahren, immer dann, wenn James mit seinem Laster auf Tour war, in den Diners an der Straße oder auch auf einem Rastplatz. In dieser Zeit hatte Andrew ihn noch nie um Hilfe gebeten. Was sie verband, war Sex, nichts weiter. Andrew war ein Wanderarbeiter. Er lebte in einem Wohnmobil, mit dem er der Arbeit hinterher fuhr. Meistens erledigte er Klempnerarbeiten, aber er konnte auch Dächer decken und mit Holz arbeiten. Eigentlich tat er alles, um an Geld zu kommen – außer, sich zu prostituieren. Er war keiner von den Strichern, die für Geld mit den Truckern schliefen. Er machte nur die Beine breit oder ging in die Knie, wenn ihm jemand gefiel. Und James gefiel ihm eben. Ob er sich neben James noch mit anderen Truckern traf? Wer wusste das schon … James fragte ihn jedenfalls nicht danach. In einer anderen Welt, in der James nicht verheiratet war und Vater von drei Kindern, hätte er sich vorstellen können, mit Andrew zusammen zu leben. Aber sich von Fran scheiden zu lassen, kam für ihn nicht in Frage. James liebte sein Dickerchen nämlich. Mit vierzehn waren sie zusammen gekommen, beide ziemlich frühreif und neugierig auf Sex. Leider waren sie auch ziemlich schnell Eltern geworden, nämlich mit Sechzehn, und James hatte seine Träume begraben, ein berühmter Country-Star zu werden. Nicht, dass James es bereute, Luke zu haben. Sein Ältester hatte einen Job bei McDonalds, war nicht sehr ehrgeizig, aber immer gut gelaunt und lebenslustig. Sein Mittlerer, Jeff, jobbte halbtags für den Sheriff und bekam nun endlich seinen fetten Arsch hoch, seit er diesen Asiaten Ken kennengelernt hatte, der für einige Zeit beim Sheriff wohnte und wohl irgendwie mit zu dessen Familie gehörte. Jeff nahm ab, ganz ernsthaft und nicht wieder so halbherzig wie sonst. Dabei machte er nicht einmal eine Diät, wenn James das richtig interpretierte. Er hatte seine Ernährung umgestellt und bewegte sich wohl mehr, berichtete Fran ihrem Mann jedenfalls bei ihren täglichen Telefonaten. Was James weniger gut fand war, Fran nahm auch ab. Er liebte sie so, wie sie war, mochte ihre Weichheit, ihre großen Titten. Seine Männer bevorzugte James muskulös, seine Frau mollig. Und jetzt knabberte sie Abends Gemüse statt Chips und süßte den Eistee mit Süßstoff statt mit Zucker. Sie buk Vollkornbrot, weil es gesünder als Weißbrot war. Gute Güte! Nachher nahm Fran noch an den falschen Stellen ab, an ihrem äußerst griffigen Hintern oder den Brüsten. Lieber eine Ehefrau mit Bauchfett und Oberschenkeln wie Baumstämmen als ein Schneewittchen ohne Arsch und Tittchen. Nachher hatte James beim Sex von hinten nichts mehr zum Anfassen, und wenn er es ihr von vorne besorgte, wollte er auch nicht auf ihre wippenden Möpse verzichten. Wenigstens schmeckte das Brot wirklich sehr gut. Jeff hatte die Idee dazu mit nach Hause gebracht, jetzt aßen es alle in der Familie.

Fran wusste, dass ihr Mann bisexuell war. Er hatte es ihr kleinlaut und mit einem wahnsinnig schlechten Gewissen vor der Hochzeit gestanden. Warum auch immer, er konnte nicht ohne Sex mit Männern. Wenn er ihn nicht bekam, wurde er ganz kribbelig. Begeistert war Franny nicht gerade gewesen, ausgeflippt war sie auch nicht. Als Mutter eines Zweijährigen und wieder schwanger, überlegte man es sich doppelt, ob man sich von dem Mann trennte, der das Geld nach Hause trug. Damals hatte James auf dem Bau gearbeitet.

Fran hatte sein Geständnis mit einer saftigen Ohrfeige quittiert und James war schon froh gewesen, dass sie ihm nicht in die Eier getreten hatte. „Warum fickst du mit mir, wenn es dir keinen Spaß mit einer Frau macht?“

„Es macht mir ja Spaß mit dir, sehr sogar …“

„Aber?“

„Ich mag eben auch Männer.“

Fran hatte ihn lange gemustert und er war unter ihrem strengen Blick fast zusammengebrochen. Sie sah so schön aus in ihrem Hochzeitskleid, und er verdarb ihr den schönsten Tag in ihrem Leben mit einem schwachsinnigen Geständnis, weil er zu doof war, die Klappe zu halten, und weil er seine Ehe nicht mit einer Lüge beginnen wollte. Franny war nicht nur die Mutter seines Kindes, sondern auch seine beste Freundin. Vor ihr konnte er einfach nicht auf Dauer verbergen, wer er war. Mit hängenden Schultern wartete er auf ihr Urteil.

Sie haute ihm eine zweite Ohrfeige und nun war auch seine andere Wange rot.

„Wenn du dich durch die Männerwelt fickst, dann nicht in unserer Stadt. Versprich mir das!“

„Okay!“

„Schwör`s!“

„Ich schwöre es!“ Er wäre auch vor ihr auf die Knie gefallen und hätte ihr die Hände geküsst, aber sie hielt ihn an seiner Krawatte fest und starrte ihm in die Augen.

„Und jetzt wird geheiratet! Du machst aus mir gefälligst eine anständige Frau.“

„Ja, Ma`am!“

Als James` Onkel ihn einige Jahre später gefragt hatte, ob er den Laster übernehmen wollte, hatte James dies als Wink verstanden und zugestimmt. Seitdem war er regelmäßig auf Tour, stillte seinen Appetit auf Männer unterwegs, und Fran stopfte ihm kommentarlos Kondome in die Reisetasche. Sie war gerne Hausfrau und Mutter und er lieferte brav sein schwer verdientes Geld zu Hause ab. Fran konnte zur Furie werden, wenn sie das Gefühl hatte, dass er eine andere Frau attraktiv fand. Seine Männergeschichten ignorierte sie stoisch. Wahrscheinlich wäre sie nicht so entspannt, wenn sie wüsste, dass er einen bestimmten Lover hatte, den er schon seit so langer Zeit traf – Andrew. Dessen Nachricht gab James zu denken und er zögerte, sie zu beantworten. Er war feige, gab er sich selbst gegenüber zu, wollte nicht, dass sich etwas an ihrem unkomplizierten Verhältnis veränderte. Und wenn Andrew um Hilfe bat, war das wahrscheinlich alles andere als unkompliziert. Seufzend drückte James die Kurzwahltaste für Andrews Nummer auf seinem Handy. Es stand auf frei sprechen.

„Hi James!“ Andrews Stimme klang dumpf, so anders als sonst.

„Habe deine SMS gelesen. Was gibt es denn?“

„Bin in unserem üblichen Diner. Mein Wohnmobil ist hin, Totalschaden. Ich weiß nicht, wohin mit meinem Krempel. Kannst ich mein Werkzeug in deinem Truck deponieren, bis ich alles geregelt habe?“

„Ja!“, sagte James. Er verstand gut, was Andrew bewegte. Das Werkzeug war sein Geschäftskapital und er war so wahnsinnig stolz darauf. Auch wenn Andrew arm war, hatte er nicht bei seinem Werkzeug gespart. Natürlich würde es James für ihn verwahren.

„Bin in etwa drei Stunden da.“

„Okay … Danke!“

Gott, so deprimiert hatte James seinen Lover noch nie erlebt.

 

xxx

 

Andrew schlief, als James das Diner betrat. Die Kellnerin Beth lächelte ihm zu. „Andrew hat sich drei Rippen gebrochen. Die Schmerztabletten machen wohl müde. Das übliche, Jimmy?“

„Du bist ein Schatz, Beth!“

James setzte sich Andrew gegenüber und musterte ihn. Selbst im Schlaf zeichneten sich Andrews Sorgen auf seinem Gesicht ab. Wahrscheinlich hatte er kein Geld, sich ein neues Wohnmobil zu kaufen oder auch nur einen Gebrauchtwagen. Jetzt musste er Bus fahren oder sogar per Anhalter, um zu seinen verschiedenen Arbeitsstellen zu kommen. Und ohne Werkzeug konnte er keine Handwerkertätigkeiten ausführen. Als Beth mit einem Burger und einer Cola ankam, erwachte Andrew.

„Hi James.“

Sein Lächeln jagte einen Schauer über James Rückrad. Das war peinlich! Andrew war verletzt und James Schwanz war das scheißegal, er wollte diesen schönen Körper erobern.

„Hi Unglückrabe. Hast du etwas gegessen? Möchtest du einen Burger?“

„Beth hat mir schon einen spendiert.“

„Knapp bei Kasse?“

„Abgebrannt! Krankenhauskosten, Abschleppen des Wohnmobils zum Schrottplatz – das kostet.“

„Wo ist dein Zeug?“

„Das durfte ich einige Tage im Schuppen des hiesigen Sheriffs unterstellen, aber lange kann es da nicht mehr bleiben.“

„Weißt du schon, wie es mit dir weitergeht? Ich kann dir etwas Geld leihen, vielleicht tausend Dollar. Franny wird nicht glücklich darüber sein, aber mir fällt schon etwas ein, es ihr zu erklären.“

Andrew blickte James unsicher an und was James in dessen Augen sah, gefiel ihm nicht, ganz und gar nicht.

„Mach das nicht, Andi!“

„Was soll ich nicht machen?“

„Für Geld mit den Truckern schlafen. Das ist unterstes Niveau und viel verdienst du dabei auch nicht.“

„Ich bin ganz unten angekommen. Tausend Dollar kann ich dir wahrscheinlich nie zurück zahlen, behalte sie.“

„Tausend Dollar sind ein Anfang, du kannst davon einen Wagen kaufen …“

„Nur eine Schrottkarre, die mir mehr Ärger machen wird als sie mir einbringt.“

„Du bist ein guter Automechaniker.“

„Ersatzteile kosten.“

„Scheiße!“ James schlug mit der Faust auf den Tisch.

Nervös sah Andrew sich um. „Reg dich nicht so auf, sonst schmeißt mich der Chef hier raus und ich hoffe, dass ich die Nacht hier verbringen kann.“

„Du kannst in meinem Truck schlafen.“

„Ich bin gerade zu verletzt, um Sex machen zu können.“

„Fuck! Geht ja auch einmal ohne Sex“, fauchte James.

„Okay!“

Grummelig aß James seinen Burger, während Andrew an seinem Kaffee nippte, den Beth ihm eingegossen hatte. Danach legte sich Andrew in das Bett von James Truck und schlief fast augenblicklich ein. Da James auf dem Rückweg nach Hause war und keinen Anhänger dabei hatte, musst er ihn auch nicht abkoppeln, um über die Landstraße zum Schuppen des Sheriffs zu kommen. Über Funk erkundigte er sich, wo der Schuppen war.

„James Stinson, Andis Spezialfreund“, witzelte der Sheriff. Er war ein bisschen homophob, aber insgesamt kein schlechter Kerl. James schluckte seine giftige Erwiderung herunter und ließ sich den Weg zum Schuppen beschreiben. Dort angekommen, holte er den Schlüssel unter einem Stein hervor und lud Andrews Werkzeug, sein Zelt, seinen Schlafsack, seine Reisetasche, einen Korb mit Töpfen, Geschirr und ein paar Hörbüchern und einen anderen mit Handtüchern und Bettwäsche in seinen Gepäckraum. Der Fernseher war wohl beim Unfall kaputt gegangen oder Andrew hatte ihn für etwas eingetauscht. Die ganze Zeit wachte Andrew nicht auf, was zeigte, wie schlecht es ihm ging. James schloss den Schuppen wieder ab und legte den Schlüssel zurück. Als er zurück auf dem Highway war, rief er Fran an. Er ließ seine Stimme forsch klingen, obwohl ihm das Herz fast in die Hose rutschte. Aber er wusste nicht, was er sonst hätte tun können. Andrew einfach aus dem Laster zu schmeißen, kam für James überhaupt nicht in Frage.

„Ich bringe morgen jemanden mit, einen Freund von mir. Es geht ihm sehr schlecht und deshalb möchte ich ihm für ein paar Tage die Garage anbieten.“

„Du machst … was?“ Frans Stimme klang schrill.

„Ich helfe einem Freund.“

„Freund!“ Jetzt wurde Frans Stimme ironisch.

„Ja, stell dir vor, so etwas habe ich, Hexe!“

„Wie heißt dieser Freund, Casanova?“

„Andrew, du Trampel!“

„Okay, lüsterner Troll!“ Fran beendete das Gespräch, bevor James noch etwas sagen konnte. Das war erstaunlich einfach gewesen. Fran hatte keinen hysterischen Anfall bekommen, war nicht ausgeflippt, hatte ihn nicht beschimpft. Hoffentlich ging sie nicht mit Fäusten auf Andrew los, sobald er aus dem Truck ausgestiegen

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 05-11-2015
ISBN: 978-3-7368-9430-3

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