Cover

Der Rat



„Ihr da! Keinen Schritt weiter!“ Warnend hielt jemand von den fünf vor uns stehenden Personen die Hand hoch. Sie waren alle verhüllt, aber ich konnte sie riechen. Es waren fünf verschiedene Wesen. Wesen, an denen die Menschen nicht glauben, Oliver und ich aber wissen, dass es sie gibt. Genauso wie wir wissen, was sie von uns wollen.
Glücklicherweise sind unsere Gedanken noch miteinander verbunden, so dass ich mit ihm “sprechen“ kann.
Ich steige von Olivers Rücken, und stelle mich neben ihm. Unglaublich wie groß er ist. Am Strand sah er aus, wie ein gewöhnlicher Wolf, aber nun sehe ich, dass er viel größer ist.
Oliver knurrt leise.
„Wir sind der Rat der mystischen Wesen! Wir beschützen unsere Welt davor, entdeckt zu werden.“ Ein grauenhaftes Knurren kam von Oliver.
Er steht in Kampfbereitschaft.
Nein Oliver. Bitte versuche nicht zu kämpfen.


Leicht lege ich meine Hand auf ihn. Er ist ganz warm.
Der links ist ein Elf, dann kommt ein Vampir, ein Werwolf, eine Harpire und rechts das ist… ein Mensch?


Ja. Es riecht ziemlich stark nach Mensch. Der Vampir scheint das Sagen zu haben. Allerdings gehört keiner von uns Beiden zu den Vampiren also sollten wir entweder mit der Elfe oder dem Werwolf sprechen.


Ich weiß nicht... Lass uns abwarten, was sie wollen.


„Ihr verstoßt gegen das Gesetzt der Elfen!“
Wieder ein lautes Knurren von Oliver.
Bitte hör auf! Wir können nichts machen.


Sag ihnen, dass wir nur halbe von ihnen sind.


„Wir gehören beide nicht ganz zu euren Gattungen.“
Nun kommen ein lautes Fauchen vom Elf und ein Knurren vom Werwolf. Anscheinend mögen sie unsere Sichtweise nicht.
Um Oliver zu helfen, lese ich nun auch ihre Gedanken. Das wird das Beste sein, um herauszufinden, was sie vorhaben.
[Wir sollten sie beide leiden lassen- Ich werde sie beide zerfleischen! –Einfach so die Gesetzte missachten, und dann auch noch so unhöflich sein! –Der Kleine scheint kein bisschen Achtung vor uns zu haben… -Das könnte interessant werden.]


Wir verschlechtern ihre Laune nur, indem wir nichts tun.


Ich weiß, aber es sind zu viele um sie jetzt anzugreifen.


Was? Du willst einfach so kämpfen? Wir werden verlieren!


Mag sein, aber ich kann sie ablenken und du fliehen.


Fliehen? Nein! Es ist zu spät. Ich werde bei dir bleiben. Ich liebe dich.



„Wisst ihr, was die Strafe ist, der ihr nun entgegensehen müsst?“
[Die Strafe ist viel zu milde!]


„Ja, wir kennen die Strafe. Aber wieso ist es falsch, dass ich ihn liebe?“
[Wieso ist es falsch! –Hat sie das gerade wirklich gefragt? –Es ist so! –Der Junge sagt ja gar nichts! –Ah! Sie versuchen es also doch friedlich.]


„Es ist so. Ihr kennt die Strafe für euer Vergehen, also nehmt ihr sie an, oder müssen wir euch zwingen?“
Payton! Sie sollen die Frage beantworten!


„Es ist so, ist keine vernünftige Antwort. Wir möchten eine vernünftige Antwort, wenn wir schon sterben müssen, obwohl wir nichts Schlimmes getan haben.“
Die Worte kommen einfach so aus mir heraus, so als wäre es das Normalste der Welt.
Die fünf Gedanken von ihnen ignoriere ich jetzt. Sie sollen es sagen. Wenn ich sterbe, möchte ich wenigstens genau wissen, wieso es so falsch ist, sich zu verlieben.

Überraschenderweise antwortet uns nicht der Vampir, so wie die restliche Zeit immer, sondern der Werwolf: „Werwolf!“
Knurren von Oliver. „Du hast dich in eine Elfe verliebt! Du wusstest von Anfang an, dass es Probleme geben wird, du hast ihre Warnung nicht beachtet! Und du willst ihr dein Siegel geben! Du bist eine Schande für jeden Werwolf!“
Jetzt knurrt nicht nur Oliver, sondern auch ich fauche ihn an. So etwas über Oliver zu sagen. Er wäre eine Schande! Ich muss mich zusammenreißen, um sie nicht anzugreifen. Meine Wut über diese Worte Oliver gegenüber, ist überraschend groß. Zum Glück ist eine Hand von mir auf Olivers Fell, sodass es mir schwer fällt ihn loszulassen, und zu wissen, dass ich ihn vielleicht nie wieder fühlen würde, täte ich es.

„Elfe!“ Diesmal spricht die Elfe mit mir. „Du hast dich in einen Werwolf verliebt! Genau wie dein ehrloser Vater! Wie konntest du dich nur darauf einlassen? In eine Flohschleuder, wie er es ist? Wieso bist du nicht doch noch weggegangen, als er sich verwandelt hat? Du bist eine noch größere Schande für unseres gleichen, als dein Vater es war.“
Meine Hand fängt an zu zittern, und ich beiße die Zähne zusammen, um sie nur anzufauchen, nicht anzugreifen, die Beherrschung nicht zu verlieren.
In diesem Moment fällt mir gar nicht auf, dass der Werwolf nichts dagegen gesagt hat, dass Seinesgleichen gerade als „Flohschleuder“ bezeichnet wurde.

Verurteilung oder Chance?



Payton! Wir sind keine ganzen. Wir haben Hoffung. Du hast Hoffnung. Ich werde dich hier raus bringen.


Nein, Oliver. Es ist egal, was passiert, wenn du danach nicht mehr bei mir bist…


Plötzlich viel mir eine Chance für uns Beide ein. Ich musste unbedingt wissen, ob es klappt. Schnell „sagte“ ich zu Oliver: Warte! Ich habe eine Idee!



„Es mag sein, dass wir die Regeln gebrochen haben, aber wir sind weder ein ganzer Werwolf, noch eine ganze Elfe, noch ganze Menschen. Auf welche Regeln sollen wir also hören? Das Gesetzt, dass Elfen sich nur in Elfen verlieben dürfen, stammt aus der Zeit, in der es keine Mischwesen gab. Es war eine Regel, die einfach einzuhalten war, da es undenkbar war, dass es sich jemals so entwickeln würde, wie es sich entwickelt hat. Außerdem stellen wir keine Gefahr da.“
„Ihr beachtet das Gesetzt nur nicht, sondern ihr macht euch auch darüber lustig? Wartet! Euch werden wir schlimmer bestraffen, als…“ „Moment, Vlad. Sie hat Recht. Sie ist weder ein ganzer Mensch, noch eine ganze Elfe, und er ist kein richtiger Werwolf. Ebenso liegt sie mit der Abstammung der Gesetzte richtig. Damals war es undenkbar, dass jemals jemand so dumm sein würde, sich nicht in Seinesgleichen zu verlieben.“ Er holt tief Luft, dann spricht er weiter: „Auch die Bedrohung, die von ihnen ausgeht, ist sehr gering. Wir sollten sie einfach auf die Probe stellen, um herauszufinden, wie stark ihre Bindung ist.“
Die anderen Vier starren ihn an. Sie sind verwundert, dass ausgerechnet der Mensch spricht.
Sie wollen uns auf die Probe stellen?


Was für eine Probe denn?


Egal welche Probe es ist, wir schaffen es und bleiben für den Rest unseres Lebens zusammen.


Und das dauert immerhin ewig. Ich werde dir mein Siegel geben. Vertrau mir.


Ich vertraue dir immer und für immer.


Schade, dass ich im Moment kein Mensch bin.


Wieso?


Dann könnte ich dich umarmen, und küssen.


Dieser Satz ließ mein Herz vor Freude springen. Fast hätte ich alles um uns herum vergessen, leider nur fast.
„Nun gut. Ihr habt die Chance, in einer Prüfung zu beweisen, dass ihr wirklich zusammengehört. Wollt ihr diese Chance nutzen?“ Der Mensch sieht uns genau an. Er würde jeden noch so kleinen Funken Unsicherheit bemerken.
Oliver nickt, und ich stimme mit einem „Ja“ zu.

Die Spielregeln


Sie wollen was? Soll das ein Witz sein? Wollen die wirklich, dass ich sie angreife, oder wieso verlangen sie so etwas?


Oliver! Sie versuchen, uns zum zweifeln zu bringen.


Du hast immer noch die Chance zu gehen, und mich zu vergessen. Ein normales Leben zu leben. Ich weiß, dass es nicht ganz normal sein wird, aber vielleicht…


Oliver kommt gar nicht erst dazu, den Satz zu beenden, denn ich unterbreche ihn: Von wegen! Wir schaffen das!


Ich liebe dich, Payton. Nur wenn dir etwas zustößt… Das könnte ich mir nie verzeihen. Bist du dir sicher, dass du das tun möchtest? Es wird nicht einfach. Ich würde es wirklich verstehen, wenn du das nicht machst.


Ich bin mir sicher, denn ich liebe dich auch.


Ich trete einen Schritt vor. „Wir sind einverstanden. Er wird hier bleiben und ich werde mit euch kommen.“
„Er bleibt also hier? Ihr wisst, dass keiner von euch sich an irgendetwas aus seinem Leben erinnern wird. Ihr werdet nur einen einzigen Gegenstand vom Anderen haben, der euch den Weg weisen kann. Allerdings nicht muss…“ Der letzte Satz klingt leicht Schadenfroh, doch auch davon lassen wir uns nicht beeindrucken. „Keine weiteren Anhaltspunkte. Nur diesen Gegenstand. Wir könnten dich zum anderen Ende der Welt bringen.“
„Ja wir sind uns sicher.“
Warte ich möchte mich verwandeln.


Oliver dreht sich um und rennt schnell in den Wald. Nach zwei Sekunden kommt er wieder, stellt sich neben mich, und legt seinen Arm auf meine Schulter.
„Nun was wollt ihr dem Anderen geben?“
„Ich möchte ihr mein Siegel geben.“ Oliver klingt sehr entschlossen. Was ist das eigentlich für ein Siegel? Das Frage ich ihn später. Wenn wir es geschafft haben. „Du willst ihr dein Siegel geben?“ „Nein, ich werde

ihr mein Siegel geben.“
„Nun denn. Was möchtest du ihm geben?“ „Die Kette.“ Ich hänge ihm die Kette um den Hals. Er legt schützend seine Arme um mich. So wollte ich mich immer fühlen sicher und geborgen. Leider ist die restliche Situation ganz anders, als die, die ich mir dabei vorgestellt habe.
„Ihr dürft euch von nun an nichts mehr sagen. Elfe! Du hast drei Monate, um ihn wieder zu finden. Wenn du dich an ihn erinnerst.“ Sein Siegel wirst du um den Hals tragen, sobald du angekommen bist.

Die weiße Tulpe



Au! Mein Kopf tut so weh! Ich sehe mich im Zimmer um. Wo bin ich?
Ich liege auf einem weichen Bett in einem großen weißen Zimmer. Neben dem Bett steht ein kleiner Nachttisch, auf dem ein Strauß weißer Tulpen steht. Weiße Tulpen. Sie sind wunderschön. Weiße Tulpen stehen für unendliche, immerwährende Liebe. Wieso weiß ich so etwas? Was hat das mit mir zu tun?
In einer Ecke des Raumes steht ein Spiegel. Langsam gehe ich darauf zu.
Im Spiegel ist ein ca. 1,60m großes Mädchen, mit einem blassen Gesicht und langen blonden Haaren zu sehen. Ihr Kleid ist knielang, aus weichem Stoff und weiß. Ihre Augen sind grün. Sie ist hübsch.
Das Mädchen kommt mir bekannt vor, aber ich erinnere mich nicht daran, woher ich sie kenne. In einem Spiegel sieht man… Sich selbst! Also bin ich das? Nein, das wäre irgendwie… Um mich zu vergewissern, dass ich es nicht bin, gucke ich an mir hinunter. Ich trage das gleiche Kleid. Also bin doch ich das Mädchen im Spiegel? Ich gucke noch mal in den Spiegel. So sehe ich also aus.
Aber wieso sehe ich traurig aus? Irgendwie leer. Ich… bin

leer.
Aber wieso? Die Leere in mir breitet sich aus. Das die Leere so viel Platz in mir findet, hätte ich nicht gedacht. Bin ich krank? Wieso bin ich so leer?
Langsam schlendere ich zurück auf das weiße Bett, und lege mich, mit dem Kopf im Kissen versunken, hin. Was mache ich eigentlich hier? Ich fange an zu weinen. Dieses Zimmer hier, wieso erinnere ich mich nicht daran, oder daran wie ich aussehe? Wie heiße ich? Die Leere wird immer größer, aber ich kann nichts dagegen machen. Sie breitet sich immer weiter aus, mein Herz fühlt sich schwer an. Es wird von der Leere zerdrückt!
Krampfhaft versuche ich mich an irgendetwas zu erinnern, und dafür die Leere in mir zu vergessen. Meinen Namen, der Ort, mein Geburtsdatum, meine Lieblingsfarbe, was ich mag oder auch nicht… Mir fällt nichts ein.
Wütend springe ich auf und schmeiße ein Kissen gegen die Wand. Bevor es platt auf den Boden fällt, reißt es noch die Tulpen mit sich. Das Einzige, was ich mag. Moment! Ich erinnere mich doch daran, dass ich Tulpen mag! Ruckartig durchzuckt mich das Gefühl von Sicherheit, doch verschwindet dann genauso schnell wieder.
Traurig sinke ich zu Boden, meine Tränen kennen kein Ende. Immer weiter und weiter weine ich, ohne auf die zerbrochene Blumenvase zu achten. Ich achte auf nichts. Wieso kann jetzt niemand neben mir stehen, mich in den Arm nehmen und sagen, dass alles in Ordnung ist? Oder mich aufwecken, aus diesem Albtraum. Aufwachen, dass wäre jetzt wirklich toll. Herauszufinden, dass das ganze hier nur ein Albtraum ist, aufwachen und sich an alles erinnern können.
Leider weiß ich, dass das hier kein Albtraum ist, dennoch erinnere ich mich nicht einmal an den Grund meiner Gewissheit! Ich höre auf zu weinen, denn ich kann

nicht mehr weinen. Es kommt mir vor, als wäre alle Flüssigkeit durch die Tränen aus meinem Körper gezogen worden. Dief durchatmen, das hilft!

Der Gedanke! Woher kam er? Habe ich

den gedacht? Natürlich. Wer sonst? Könnte ich noch weinen, würde ich es tun, aber leider bleibt mir im Moment nur eins: machen was mein Gefühl mir gesagt hat.
Also setzte ich mich gerade hin, und hole einmal tief Luft. Es tut wirklich gut. Ein geradezu berauschendes Gefühl, frische Luft einzuatmen.

Nun wandert mein Blick zur umgeschmissenen Vase. Schnell hebe ich die Scherben auf, schmeiße sie in einen Mülleimer, und lege die Tulpen auf den Nachttisch.
Weiße Tulpen. Unendliche, immerwährende Liebe. Meine einzige Erinnerung. Sonst bin ich leer. Tief durchatmen.
Eine

Erinnerung ist besser als keine

Erinnerung, außerdem habe ich Glück, denn weiße Tulpen sind doch eine schöne Erinnerung, oder?

Imprint

Publication Date: 12-29-2009

All Rights Reserved

Next Page
Page 1 /