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Dear of Liberty


- Kapitel 1 -

Er lächelt ihr zu,... !
Warum lächelt er ihr zu ?
Er sollte eigentlich mir zulächeln!
Jetzt legt er einen Arm um sie... !
Vor Wut koche ich fast über.
Nicko war MEIN,
und eigentlich dürfte er SIE keines Blickes würdigen.
Wie sie schon hieß, Viktoria.
Eigentlich ein schöner Name , aber nicht wenn er einer totalen Oberzicke gehört.
Ich stand hinter dem Cafeteria- Tresen und sollte eigentlich Alexa, aus meiner Parallelklasse Nudeln auf den Teller tun.
"Ähm, hallo...Celina!
Bekomme ich jetzt meine Tortelini? Oder was is jetzt ?!"
"Tortelini? " Hä? Wie jetzt? Ach ja!
"Oh, Sorry! ... Hier."
Ich reichte ihr den Teller über den Tresen.
Meine beste Freundin Miri sah mitfühlend zu mir drüber und reichte Alexa ihr Schnitzel, sie wusste wie schwer es mir manchmal viel kühlen Kopf zu bewahren.
Miri war eins der wenigen Mädchen an der Schule, die selbst in diesen weißen Elastikschürzen noch gut aussahen. Ich versuche so gut wie möglich mich nicht mit ihr zu vergleichen, aber es klappt nicht.
Sie ist eher groß mit heller Haut und dunklen Korkenzieherlöckchen.
Meine Haare sind glatt und lang und haben die Farbe von dunklem Holz, sagt Miri.
Ich finde sie eher Schlammfarben.
Ich bin auch klein und könnte bei irgendwelchen Medizinern als magersüchtig gelten. Ich finde das nicht, ich bin einfach klein.
Ich sah wieder zu Niko und Vicktoria hinüber, sie hatten sich gesetzt.
Oh oh, jetzt steht er auf und kommt zu mir rüber, ich glaube er hat meinen Blick bemerkt.
"Hey Mädchen, ich will zwei Teller Nudeln!"
raunst er mich an.
Puh, er hatte nichts bemerkt, er wollte nur was zu Essen.
"Hey,..träumst du etwa?" blaffte er.
"Äh nein,.. Äh,..hier bitte"
Oh man, das hatte ich ja gründlich versaut.
Ohne mich eines Blickes zu würdigen ging er weiter.
Miri stierte ihn böse an, doch er bemerkt es nicht.

Am Ende des Tages, als es schon dämmerte und wir auf unserem Weg nach Hause waren,sprudelte sie nur noch hervor:
"Mein Gott, was für ein Ekel!
Der hat sich ja nicht mal bedankt!
Was findest du bloß an dem Kerl,
ich an deiner Stelle hätte ihn mir schon längst aus dem Kopf geschlagen... !"
Sie verstummte als sie mein Gesicht sah.
"Oh mein Gott, du bist ja ganz bleich!
Geht es dir gut?"
Ich nickte.
Ich hatte Kopfschmerzen und mir war schwindelig, wollte Miri das aber nicht zeigen.
Dann kamen wir an einer Kreuzung an der wir uns trennen musste und verabschiedeten uns voneinander.

Als ich nach einer Weile durch eine dunkle Gasse musste, taumelte ich plötzlich und musste mich an einer groben Hauswand festhalten.
Plötzlich hörte ich mehrere Schritte hinter mir, ich drehte mich um.
Eine betrunkene Stimme, vermutlich die eines Mannes, grölte: "Oh Mann Alter, det war ja cool,...
... jet sowosvon supicool.. !“
Es waren drei, und.., und ich glaubs nicht, der eine, anscheinend der Anführer, war Nicko. Die anderen beiden kannte ich nicht, aber alle drei waren stark betrunken.
Ich versuchte mich aufzuraffen, für den Fall das ich mich wehren oder weglaufen musste, denn man konnte ja nie wissen, doch meine Beine fühlten sich an wie Wackelpudding.
"Ey Alta," lallte plötzlich der Freund von Nicko der bis jetzt noch nichts gesagt hatte, und stieß seinen Anführer an, "is det da net de Kaffeeteriatussi?"
Nicko sah mich an und nickte: "Jip, dat is se.
Kommt wir fragn´se wat se hia will!"
Bei den Worten schauderte es mir, und ich fragte mich wie ich in so ein Ekelpaket je verliebt hätte sein können.
Mein Magen drehte sich um, und ich fragte mich ob ich krank wurde. Ich wollte mich an der Mauer abstützen um nicht hinzufallen, doch meine Beine wollten mir nicht gehorchen und ich sackte auf dem Boden zusammen.
Die Typen kamen bedrohlich näher, ich versuchte wegzurobben aber meine Jacke hatte sich in etwas verhakt und ich konnte sie nicht lösen. Plötzlich fegte ein schneidend-kalter Wind durch die Gasse und ich musste meine Augen schließen.
Als ich sie wieder öffnete stand plötzlich ein weiterer Mann in der in der Gasse.
Er stand zwar mit dem Rücken zu mir (der übrigens ziemlich sexy war), doch ich warf ihm einen dankenden Blick zu. Auch wenn er nur die Nicko- Truppe verscheuchte und mit mir dann noch schlimmeres anstellen wurde als mich nur nach meinem Aufenthaltsgrund zu
„fragen“.
Plötzlich fingen alle drei Jungs an zu schreien und sich wie unter Schmerzen auf dem Boden zu winden, obwohl der Fremde sie nicht einmal berührt hatte.
Nach einer Weile verstummten sie, nur eine große Blutlache breitete sich schnell um die drei leblosen Körper aus.
Ich hatte die ganze Zeit keinen Mucks von mir gegeben, und auch der Fremde stand ganz ruhig da, doch als ich das viele Blut sah wurde mir plötzlich schwarz Voraugen.
Das letzte was ich spürte, waren zwei starke Arme die meinen Oberkörper auffingen.




- Kapitel 2 -

Als ich erwachte, ließ ich meine Augen geschlossen.
Ich fühlte das ich auf einer irgendwie
gewellten Oberfläche saß.
Auch bemerkte ich, dass ich gefesselt war, vor allem meine Hände.
Ziemlich fest gefesselte Hände.
Nachdem ich meine Ohren angestrengt, und nichts gehört hatte, öffnete ich vorsichtig meine Augen.
Ich saß in einem ungefähr 1 ½ Quadratmeter
großen und 1m hohem Bambuskäfig.
Meine Hände waren links und rechts an den Gitterstäben mit so etwas, dass an etwas wie Handschellen erinnerte, befestigt. Und meine Füße waren an den Knöcheln zusammengebunden.
Im Grunde war ich also ziemlich wehrlos.
Der Käfig mit mir als Inhalt befand sich in einem Raum mit Kronleuchter.
In einem Raum mit Kronleuchter das wie ein Schlafzimmer eingerichtet war.
Ein Schlafzimmer das die Größe eines Ballsaales hatte.
Es war prunkvoll eingerichtet und zeugte von Reichtum und Wohlstand.
Das Bett, indessen Nähe mein Käfig stand, sah aus als ob man hindurch fallen würde wenn man darauf säße.
Die Bettdecke war himmelblau und die Kissen waren golden und weiß.
Das Bett selber bestand aus dunklem Holz mit endlos vielen Verzierungen und einem weißem Vorhang, der schillerte wie Libellenflügel im Sonnenschein.
Außerdem war das Bett rund und einfach nur riesig, es war so groß das fünf, wenn nicht gar zehn Menschen darin Platz fänden.
Ich dachte an das letzte an das ich mich erinnern konnte zurück, an Nicko, den ich nun aus tiefstem Herzen verabscheute, und seine Freunde, bewegungslos in dem vielen Blut,..
Aber hauptsächlich dachte ich an meinen geheimnisvollen Retter, der mich jetzt anscheinend selber entführt, und mit einem Bett das irgendwie nur nach Vergewaltigung schrie eingesperrt hatte.
Und dann auch noch in einen Mini- Käfig aus Bambus.
Auch dachte ich an meine Mutter und ihren neuen Mann, an meinen kleinen Bruder Alex, und an Miri die sich wahrscheinlich fürchterlich sorgten.
Naja, eher nur meine Mutter und Miri, denn Mama´s neuer Freund Renee konnte mich nicht leiden, und Alex der kleine Engel war erst zwei Jahre alt.
Mein richtiger Vater starb bei einem Zugunglück, und meine Mutter hatte schon Hochzeitspläne mit Renee, als mein Vater noch nicht einmal unter der Erde lag.
Sie schien ihn gar nicht zu vermissen, auch wenn sie gegenteiliges tausendmal beteuerte.
Ich vermisste meinen Vater sehr.
Ja, und dann kam Alex.
Ein kleiner lustiger Blondschopf der unserem Vater ziemlich ähnlich sah.
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als ich laute Schritte und viel Gekicher in Richtung einer großen, goldenen Flügeltür hörte.
Ich spannte mich an als sich die Klinke jener Tür langsam hinunter drückte und eine Horde Mädchen, etwa in meinem Alter, kichernd durch die Türe stürmten.
Sie schienen mich gar nicht zu Bemerken, als sie die langen hellen Umhänge auszogen, die sie trugen und in Spitzenunterwäsche in das Monster von Bett schlüpften.
Sie kicherten und sprachen leise miteinander. Ich verstand nur wenige Worte, doch was ich verstand waren die Wörter: "Prinz", "Victor", "Spaß" und "nicht Bereuen".
Woraus ich irgendwie schloss, dass dieser Victor ein Prinz ist und irgendeinen Spaß mit den Mädchen in Unterwäsche in seinem Bett machen würde, den sie nicht Bereuen würden.
Ich ahnte schon worauf das hinauslaufen würde, und ich musste anscheinend zusehen. Bäh!!
Plötzlich ertönte eine Sirene, laut, durchdringend und sich ständig wiederholend.
Obwohl ich nie gut im Musikunterricht gewesen war, war ich irgendwie der Meinung, dass es nach einer Art Horn klang.
Naja, das war mir jetzt eigentlich ja auch egal, denn der Klang erzeugte bei den Mädchen einen erschrockenen und beunruhigten Gesichtsausdruck.
Was wiederum mich beunruhigte.
Vor allem, weil ich nicht wusste was dieses Getöse bedeutete.

Ich lief gerade durch die Korridore in Richtung meines Zimmers, als das Notsignal ertönte. Ich wendete sofort und lief im Laufschritt in die Richtung der Treppe, die auf die Mauer führte.
Eigentlich hatte ich heute vorgehabt mich mit meinen Mädchen zu vergnügen und mich um das Menschenmädchen zu kümmern.
Nun ja, ehrlich gesagt wusste ich überhaupt nicht wer sie war, doch irgendwie hatte sie mich in ihren Bann gezogen.
Normalerweise war ich ja nicht so der Typ, der sich für irgendwelche Menschen interessierte.
Doch als meine Männer mir meldeten, dass sie ein Mädchen gefunden hätten, das über eine stärkere Aura wie ich verfügte, wurde ich sofort hellhörig.
Ich ahnte natürlich nicht im geringsten, dass dieses Mädchen, nachdem ich schon solange gesucht hatte, ein Mensch war.
Es war noch nie vorgekommen, dass ein Mensch eine besondere Aura besaß.
Vor allem nicht eine so starke.
Meine allein war schon die stärkste im ganzen Reich, aber was würde ich mit diesem Mädchen an meiner Seite alles tun können.
Sie hatte mich neugierig gemacht.
Heute hatte ich mir dann ansehen wollen, was sie als Gefährtin so taugte ...
Rundherum, ich hatte mir heute einen schönen Tag machen wollen, doch meine Hoffnungen darauf schwanden zusehends.
Auf der Mauer herrschte reger Betrieb, Bogen wurden gespannt, Pfeile bereitgelegt und siedendes Öl und Pech sowie große Steine die Treppen herauf getragen.
Der Ausblick von hier oben faszinierte mich nach all den Jahren noch immer.
Auf der einen Seite Wald, Felder und Hügel.
Und auf der anderen Seite meine Stadt, Ninva.
Geschützt durch diese Mauer, sicher und geborgen.
Ich sprach Kommandant Sebastié an.
Er stand in einem geschützten Bereich auf der Mauer, die unsere Hauptstadt umspannte und erteilte Befehle an seine höchsten Offiziere.
Als er mich sah, verneigte er sich.
" Sebastié," sprach ich, " was soll der Alarm? Was ist geschehen?"
" Prinz, unsere Spione haben soeben gemeldet, dass die Waldläufer einen Überraschungsangriff starten wollen, wir rüsten uns für eine Schlacht."
Ich war sichtlich überrascht, mit einem Angriff in der Zeit der Heiligen Angielóna Dicapo, der Schutzgöttin der Frau, der Tiere und des Lebens, hatte ich doch nun wirklich nicht gerechnet.
" Gut gehandelt, begeben wir uns nach drinnen, wir müssen uns besprechen."




- Kapitel 3 -

Die Eroberung Ninvas!
Das würde ich schaffen.
Aber der Mistkerl von Ratsmann wollte doch allen ernstes auch noch, dass ich den Prinzen gefangen nehme.
Lebend!
Erst dann dürfte ich mich rechtmäßig einen König nennen.
Das ist eine fast unmögliche Aufgabe.
Ich sage *fast*!
Denn zum Glück verfüge ich über eine Art Geheimwaffe.
Einen Reviv.
Ein Reviv ist wie ein Mensch, doch bloß so groß wie ein Zaunkönig.
Er besitzt meist ein Reittier, eine Libelle oder einen Vogel zum Beispiel, um schnell voranzukommen.
Bewaffnet durch giftige Dornen, die einem in schwacher Dosis nur das Bewusstsein rauben und höllische Schmerzen verursachen und sich bei hoher Dosis als tödlich erweisen, können sie sich geschickt verteidigen und sind wahrlich ernst zunehmende Gegner und gute, oft eingesetzte Spione.
So ein Reviv entschwand gerade auf dem Rücken eines blauen Falken, mit einem Auftrag größter Wichtigkeit durch ein Fenster hoch oben in den Bäumen aus dem Geheimversteck der Waldläufer.

"Shit!" ich sprang zur Seite.
Ich spürte den Luftzug des Pfeils, der nur knapp an meinem Ohr vorbei flog.
Schnell trat ich in den geschützten Bereich zurück. Das war knapp!
„Prinz, seid ihr verletzt?“ sorgte sich Sebastié.
Ich schüttelte nur den Kopf, für mehr war ich zu geschockt.
Wäre ich getroffen worden, würden meine Männer sich alle ausnahmslos sofort ergeben.
Das wusste ich, denn leider waren meine Leute sehr abergläubisch und dachten ohne die Magie des Königshauses würden alle von ihnen sterben.
Aber diese Mauer war noch nie, weder zu Lebzeiten meines Vaters, noch zu denen meines Groß-, oder Urgroßvaters erobert worden.
Und ich würde nicht den Namen meiner Familie damit beschmutzen, dass es mir nicht gelingt es ihnen gleichzutun.
Aber uns gingen langsam die Pfeile aus, und das will etwas heißen, denn das war noch nie, wirklich noch nie passiert.
Plötzlich kam ein Ruf von Sebastié :
"Prinz, unsere Feinde haben wohl gemerkt, dass wir kaum noch Pfeile schießen.
Und mit dem Pech kommen wir auch nicht weiter, denn sie tragen eine sonderbare Panzerung, da läuft alles ab wie Regen auf öligem Glas.
Auch die Pfeile haben ihnen kaum einen Kratzer verpasst.
Es ist, als ob man versuchen würde einen Fisch zu ertränken!"
Ich fluchte.
"Versucht sie mit langen Stangen von den Leitern zu stoßen, oder werft gleich die Leitern um.
Sie dürfen auf keinen Fall in die Stadt gelangen!"
„Es tut mir Leid mein Prinz, aber das mit den Stangen haben wir schon am Anfang der Schlacht versucht.
Es hat nichts gebracht.
Die Leitern sind zu gut gebaut und außerdem haben sie sich mit Magie an den Leitern befestigen lassen, sodass sie nicht herunterfallen.
Verbrennen können wir sie auch nicht, denn sie verfügen anscheinend über einen Brandschutzzauber.
Die einzige Chance, die wir haben, ist dass wir sie im offenen Kampf übertrumpfen.
Leider sind die Waldläufer im Kampf sehr schnell und geschickt ...
vielleicht, ... sollten wir, um die Schäden in Grenzen zu halten, die weiße Fahne ... als Zeichen unserer Unterwerfung hissen ...“
„Stopp! Stopp!“, schrie ich in äußerster Wut, „Ich, Prinz Victor, werde mich nie, nie im Leben irgendjemandem ergeben!
Sie sollen nur kommen!
Wir schlagen sie zurück oder wir sterben!“
Damit war ich mir ganz sicher.

„Au!“ langsam tat mir alles weh.
Mein Hintern tat mir weh, da meine Sitzfläche nicht eben war.
Da mir die Fesseln ins Fleisch schnitten, musste ich meine Arme heben, was mir nach einer Weile einen Muskelkrampf bescherte und meine Ohren dröhnten immer noch von dem Getöne dieser Hörner, sodass ich befürchtete, ich würde einen Tinitus bekommen.
Trotz der Tatsache, dass die Sirene schon seit 2 ¼ Stunden nicht mehr tönte, was ich dank meiner Armbanduhr mit Datum- und Tageszeiten- Anzeige sofort erkennen konnte.
Auch errechnen konnte ich mir, dass ich ungefähr 17 Stunden bewusstlos gewesen war.
Ich fragte mich wo verdammt nochmal auf der Erde ich mich befand, in 17 Stunden konnte ich mich eigentlich fast überall befinden.
In Tokio, in Australien, in Peru, am Nordpol oder einfach nur drei Straßen weiter.
Es war echt zum Ausrassten.
Nicht einmal die Mädchen hätte ich fragen können, die waren nämlich trotz meiner Rufe, sie mögen mich endlich losbinden, oder mich wenigstens über die Sirene aufklären, aus dem Raum gerannt.
Sie schienen mich irgendwie weder hören noch sehen zu können.
Also konnte ich nichts tun außer zu warten, und nochmals zu warten, und nochmals zu warten bis sich Irgendjemand mir und meinem Hintern erbarmte.
Falls mich Derjenige überhaupt bemerken würde.
Kurzum, meine Chancen standen ungefähr, mehr oder weniger, 1: 1.000.000.
Große Schei**!!!

Schreie, Verzweiflung, Panik!
Wir verloren!
Überall wo ich hinsah starben gute Männer, Männer die ich persönlich kannte.
Männer mit denen ich befreundet war.
Meine Männer, meine Verteidiger, meine Toten!
Doch niemand floh.
Alle kämpften tapfer weiter, für mich, für meine Stadt, für mein Königreich.
Ich hatte diese Leute in den Kampf geschickt.
Ich war Schuld an ihrem Tod, ich hatte sie weiter kämpfen lassen als schon alles verloren war, hatte nicht die weiße Flagge hissen lassen.
Ich Idiot!
Und plötzlich war der Kampf vorbei.
Wir hatten verloren!
Ich hatte versagt!
„Mein Prinz!“ tönte es plötzlich hinter mir „Mein Prinz, ihr müsst hier verschwinden!“
Es war Sebastié.
„Ihr müsst gehen! Sofort!“, wiederholte er.
„Du hast recht, aber ich werde nicht aufgeben.
Wenn meine Gefährtin ihre vollkommenen Kräfte entfaltet, werden wir zusammen stark genug sein, um Ninva wieder zu erobern.“
Ich stürmte sofort die Treppe hinunter und lief in Richtung meines Zimmers, wo meine Princessa auf mich wartete.




-Kapitel 4 -

Plötzlich hörte ich schnelle Schritte vor der Tür, die sich auf einmal öffnete.
Ein Mann trat herein.
Er war groß, gutaussehend und muskulös.
Sein dunkelblondes Haar hing ihm wirr in die Stirn und obwohl seine Kleidung sehr ungewöhnlich war, stand sie ihm sehr gut.
Er trug ein recht weites Hemd, das so aussah, als ob es direkt aus Narnia stammte und eine dazu passende bestickte Hose.
Obwohl ich damit rechnete, dass er, wie die Mädchen von vorhin, mich übersehen würde, ging er auf mich zu.
Ich bekam einen riesigen Schreck, als er mich plötzlich direkt ansah und ich erkannte, dass er mich wirklich sehen konnte.
Als mir klar wurde was das für mich bedeutete, nämlich dass er wahrscheinlich mein Entführer war, rutschte ich vor Angst soweit wie möglich in eine Ecke des kleinen Käfigs.
Doch meine Lage war aussichtslos!
Ich konnte nichts weiter tun als mich voller Angst an die Gitterstäbe zu drücken.
Und dann stand er vor mir.

Sie sah so jung aus, so klein.
Mit aufgerissen Augen und vor Angst am ganzen Leib zitternd.
Und doch verfügte sie unwissentlich über eine Kraft.
Eine Kraft, die so groß war, dass ich mit ihr an meiner Seite unbesiegbar wäre.
Wenn wir nur entkamen.
Langsam ging ich auf sie zu.
Meine Gefährtin versuchte vor mir weg zu rutschen, doch die Bambusstäbe
hinderten sie daran.
Mit einem kleinen Zauber öffnete ich den Käfig.
Ihre Augen wurden noch größer als sie sowieso schon waren und sie versuchte noch hektischer von mir weg zu kommen.
Ich lachte leise und hoffte, dass sie genauso viel Eifer in die Rückeroberung von Ninva stecken würde.

Wie hatte er das gemacht?!
Er hatte die Tür doch noch nicht einmal berührt,..
War es das gleiche wie mit Nicko und seiner Bande?
War er das auch?
Was will er von mir?
Will er mich auch töten?
Mein Gott, was habe ich nur für abstruse Gedankengänge?
Aber er hat mich doch entführt!
Warum nur?
Weder mein Stiefvater, noch meine Mutter haben sehr viel Geld.
Wir sind zwar nicht arm, aber sind wir reich?
Nein, nicht wirklich.
Auch irgendwelche wohlhabende Verwandte sind mir nicht bekannt.
Was gibt es sonst noch für Gründe ein junges Mädchen zu entführen?
Ziemlich viele, vor allem nach diesen Freudenmädchen von vorhin.
Aber sucht man sich da nicht irgendwie ein hübscheres Mädchen als mich aus?
Eines wie zum Beispiel Miri oder Viktoria.
Nicht das ich es einer von beiden wünschen würde, aber es wäre doch viel wahrscheinlicher.
Ich war ja nicht wirklich attraktiv oder so etwas.
Also, warum zum Teufel musste genau ich entführt werden, und womit hatte ich dies hier verdient?!
Ich hatte weder gestohlen, noch jemanden verprügelt oder auch nur ein Buch zu spät in die Bibliothek zurückgebracht.
Diese Gedanken huschten mir in Sekundenschnelle durch den Kopf.
Und meine Angst wuchs ins Unendliche während dieses,.. dieses,.. Arrrg... plötzlich anfing leise zu lachen.
Plötzlich wurde ich ziemlich wütend und ich fauchte: „Wenn du endlich fertig mit Lachen bist, könntest du mir bitte verraten wer du bist, wo ich bin, und warum du mich verschleppt hast!“
Recht so Celina, Angriff ist immer besser als Verteidigung.
Ich hasste es, wenn sich jemand in meinen, angemerkt seltenen, schwachen Momenten über mich lustig machte.
Er schien überrascht.
Mit einem solchen Ausbruch hatte er wahrscheinlich nicht gerechnet.
Und ich legte noch eins oben drauf: „Wenn du mit Starren fertig bist, könntest du mir dann meine Fragen beantworten?“
Und um das Ganze abzurunden fügte ich noch hinzu:
„Und außerdem: mach den Mund zu du Fisch. Es zieht!“
Das hatte gesessen, der Kerl war baff!
Doch schnell fing er sich wieder, und seine Miene wurde undurchdringlich.
Fast undurchdringlich zumindest, denn ich bemerkte ein leises Zucken an den Mundwinkeln des Mannes, bevor dieser plötzlich ein kleines Etwas zog und auf mich zielte.
Er hob es sich an den Mund, holte tief Luft und blies.
Etwas Kleines bohrte sich schmerzhaft in meinen Hals und ich versank in bodenloser Schwärze.




-Kapitel 5 -

„Wo ist er? Findet ihn! Er darf uns nicht entwischen!“
Mit einer geschwinden Bewegung drehte ich mich um.
Vor mir auf dem Steinboden kauerte, mühsam von meinen Leuten überwältigt und gefesselt, ein recht großer Mann.
Seine muskelbepackten Arme waren grob nach hinten gezerrt und aus seiner Nase floss Blut.
Er trug die Uniform eines Kommandanten und an der Anzahl seiner Abzeichen erkennbar, auch schon eine ganze Weile.
„Wo ist er?“ wiederholte ich sauer.
„Kannst mich mal!“ bekam ich störrisch die Antwort.
Von der Wucht meines Hiebes getroffen, wurde er nach hinten geschleudert.
„WO IST ER?“
Der Mann vor mir richtete sich auf und gab trotzdem keinen Ton von sich.
Mut hatte er, das musste man ihm lassen.
„Sperrt ihn ein und gebt ihm nichts zu essen! Wenn er Hunger bekommt, wird er schon zwitschern wohin sein feiger Herr, Prinz Victor, entflogen ist.
Und selbst wenn das nichts nützt, ich habe ja vorgesorgt!
MUHAHAA!!!!!! (ähm ... ne, das Letzte lass ich glaube ich lieber weg, SO böse ist der gar nicht!!)

Blasrohre!
Sehr nützlich in manchen Situationen.
Ein Treffer und die betroffene Person verliert innerhalb von Sekunden das Bewusstsein.
Nach ein paar Stunden wacht man zwar wieder auf, ist aber noch so benebelt, dass man eine Weile kaum Stehen, geschweige denn Laufen kann.
Was im Nachhinein recht unüberlegt ist, da wir ja eigentlich auf der Flucht sind.
Eine gute Stunde lief ich jetzt schon mit dem Mädchen auf dem Arm durch die unterirdischen Gänge.
Ich hatte sie vorsichtig, um sie nicht zu verletzen aus dem Käfig gehoben und auf mein Bett gelegt.
Danach betätigte ich den versteckten Schalter in der Wand und berührte in einer kompliziert aussehenden Reihenfolge versteckte Blütenblätter an den Bettpfosten.
Sofort öffnete sich geräuschlos eine Falltür im Boden, doch anstatt darin zu verschwinden betätigte ich abermals den versteckten Schalter in der Wand und ein schmales Stück Wand versank im Boden.
Geschwind, um nicht entdeckt zu werden, nahm ich das bewusstlose Mädchen wieder auf und stieg in die Tiefe hinab, während die Wand sowie die Falltür sich hinter uns schlossen.
Leider bemerkte ich nicht, wie ein blauer Falke mit einem winzigen Männchen auf dem Rücken, das alles mitbekommen hatte, eine winzige KK (Kommunikationskugel) einsteckte und mit einem Lächeln auf den Lippen, direkt hinter mir durch den kleinen Spalt in den Geheimgang huschte.

Das der *Fast-* König der Waldläufer mich für einen Auftrag in sein Baumhaus laden würde hätte ich mir nie im Leben erträumen lassen.
Ich war doch nur einer der tausend jungen Reviv, die es geschafft hatten ihre Ausbildung mit Erfolg abzuschließen.
OK, ich hatte in den Fächern: Kampf, Strategie, Geschichte, Spionage, Tierpflege und Kochen am besten abgeschnitten und ich war auch der erste seit 50 Jahren, der es geschafft hatte sich einen Falken zu zähmen und der erste seit 150 Jahren der es geschafft hatte sich einen BLAUEN Falken zum Reittier zu machen.
Aber, ich meine das sind doch noch alles lange keine Gründe warum ich einen Auftrag vom F.- König persönlich erhalten sollte, vor allem so kurz nach meinem Abschluss.
Ich hatte doch weder Erfahrung noch sonst etwas.
Ehrlich gesagt, erreichte mich der Bote, als ich gerade auf meinem Abschlussball mit einer hübschen Reviv tanzte.
Ich durfte mich noch nicht einmal mehr richtig von ihr verabschieden, was sie mir später ziemlich übel nahm.
Der König war noch sehr jung gewesen als sein Vater starb, deshalb übernahm der „Rat der Drei„ die Vormundschaft des Jungen und somit auch die Regierung.
Doch bald war er 17 Jahre, alt genug um den Thron zu besteigen meinte man.
Er sollte über den Wald, seine Bewohner und die Waldläufer herrschen.
Eigentlich auch über die Stadt Ninva, doch über sie herrschte schon ein Anderer.
Prinz Victor, bekannt als einer, der sich gern mit hübschen Mädchen abgibt und ihnen nach einer Weile das Herz bricht.
Auch als arrogant und egoistisch wird er gelegentlich beschrieben, aber niemand hatte je irgendwelche Beweise oder Argumente in diese Richtung, die überzeugend wirken, vorlegen können.
Sicher ist nur, dass seine Familie, die schon lange über die Stadt herrscht, nach Augenzeugenberichten sehr, wirklich sehr, sehr gut aussieht.
Mein Auftrag bestand darin, den Prinzen zu belauschen und meinem F- König zu berichten, wo die Verteidigungsanlagen und Taktiken von Ninva Hintertürchen hatten.
Durch meine Verdienste konnten sogar mehrere Spione bei uns im Wald dingfest gemacht werden, die sonst wahrscheinlich noch eine Weile unentdeckt geblieben worden wären.

Da der alte Weg entlang eines Magmastroms verlief, der gleichzeitig für warme Thermen und Fußböden sorgte, bekam ich genug Licht um nicht in den Abgrund zu stürzen, doch viel sah ich sonst nicht.
Doch langsam übermannte mich Sorge und Erschöpfung und ich musste eine Pause machen.
Ich hörte auf zu Laufen und blieb stehen.
Hundert Meter vor mir erkannte ich eine Schneise in der Wand, in der es hoffentlich etwas kühler war.
Sie lag im Schatten, deshalb erkannte ich erst später, dass sie eigentlich ein Spalt im Fels war, der in eine kleine Höhle führte.
Vorsichtig ließ ich das Mädchen zu Boden sinken und nahm meine lederne Schutzweste ab, ich trug sie seit dem Kampf auf der Mauer, und stopfte sie meiner Angebeteten (Engelsgesang!!) unter den Kopf.
Auf meiner Flucht, NEIN, auf meinen strategischen Rückzug, in Richtung meines Zimmers, war ich durch ein Esszimmer gekommen und hatte dort alles Mögliche an Vorräten einesteckt was zu finden war.
In meinem Zimmer angekommen, hatte ich dann alles dazugepackt, was uns von Nutzen sein konnte, darunter einige Feuerbongs (wärmen dich von Kopf bis Fuß!!),
Unsichtbarkeits- und Lautloszauber sowie einen Bogen mit Pfeilen (mein Schwert hatte ich ja sowieso in Erwartung auf die Schlacht umgeschnallt), genügend Gold für einige Zeit und noch vieles mehr.

Jetzt nahm ich einen großen Schluck Wein aus der Flasche und fühlte
mich sogleich besser.
Ein großes Stück Wildbraten erledige den Rest und ich erlag bald meiner Erschöpfung und schlief auf dem nackten Boden ein.
Natürlich vergaß ich nicht vorher dem Mädchen die Füße zusammen zu binden und den dazugehörigen Strick, wie eine Leine um meine Hand zu legen.
Ich wollte ja nicht später Aufwachen und merken, dass meine einzige Chance auf Königreich und Weltherrschaft einfach davongelaufen war.
Auch dieses Mal bemerkte ich den blauen Vogel nicht, der sich leise, halb unsichtbar, im Schatten der Höhle auf einem Felsvorsprung niederließ.





- Kapitel 6 -

Es war dunkel als ich aufwachte, nur ein schwacher Lichtschein schien von irgendwo her.
Ich setzte mich auf.
Ein plötzlicher Schmerz explodierte in meinem Kopf und ich sackte wieder auf dem Boden zusammen.
Nach einigen Sekunden, war der Schmerz erträglich und ich versuchte es noch einmal.
Aber dieses Mal langsam und vorsichtig.
Kein Schmerz, nur ein dumpfes Pochen in meinen Schläfen.
Ich schob meinen Oberkörper in die senkrechte und stützte mich mit einem Arm am Boden ab.
Mit meiner freien Hand fuhr ich mir über meine Haare.
Oh Gott, ein einziges Krähennest.
Wie soll ich die nur wieder in Form bringen?
Typisch Celina, liegt gefesselt auf dem Boden und sorgt sich um ihre Frisur.
Stopp!
Gefesselt?
Ja gefesselt.
Warum zum Teufel war ich gefesselt?
Meine Füße waren zusammengebunden.
Ich rüttelte und zog an den Seilen, doch nichts rührte sich.
Dann viel mir siedend heiß alles wieder ein.
Nico, der Bambuskäfig, Victor, die Sirene, der Schuss und meine Ohnmacht.
Plötzlich wurde mir bewusst, dass er ja irgendwo hier stehen könnte und sich meine hilflosen Befreiungsversuche amüsiert ansehen könnte.
Wie in einem Film würde er dann aus dem Schatten treten, wie ein Gott dastehen und irgendeinen coolen, witzigen Spruch machen und ich würde dasitzen und glotzen.
Wie ein Fisch.
Oder ein,.. ein,.. ach... ach keine Ahnung was.
Wie ein dummes Tier halt.
Blöde Gedankengänge!
Vorsichtig sah ich mich um.
Ich konnte nicht sehr weit sehen, doch ich erkannte um mich herum nur Felswände, einen Felsboden und eine Decke aus Fels.
Also alles in allem sehr felsig!


Imprint

Text: Alle Rechte bei mir.
Images: Cover: google.de
Publication Date: 01-21-2011

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Dedication:
Ich widme dieses Buch meiner Mutter als Geburtstagsgeschenk, da sie mich immer und ohne Vorbehalt unterstützt!

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