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Ein eiskalter Wind weht über die Hafenstadt Sareko. Regen lässt den Erdboden aufweichen und die Flut füllt das Hafenbecken mit Wasser. Die Sarekoaner sind in dicke Mäntel eingemummt, da Mitte November die Temperaturen an der Küste niedrig sind. Im Zentrum der Stadt steht eine Kirche, welche die Menschen wie Kot die Fliegen anzieht. Und dann ertönt ein Schrei vom Hafen. Sean, das Stadtoberhaupt dreht sich in die Richtung aus der der Schrei kam, und sieht etwas was ihm nicht gefällt: Ein Wikingerschiff versucht anzulegen und ein Mann stürzt am Hafen blutend zu Boden. „Rettet euch in die Kirche! Männer! Bewaffnet euch mit allem was ihr habt!“, brüllt Sean.
Die Menschen rennen hin und her und viele von ihnen rennen in die Kirche. Das Tor fliegt mit einem Krachen zu. In der Zwischenzeit hat das Schiff bereits angelegt und zehn Wikinger stehen auf dem Steg. Alle sind gut bewaffnet und zwei von ihnen haben Fackeln bei sich.
„Holt alle Schätze, die ihr findet, heraus und legt die Stadt in Flammen!“, befiehlt der Eroberer Dulec. Die Männer mit den Fackeln rennen zum Ende der Stadtgrenze während die anderen auf die Kirche zulaufen. Sean und seine Männer treffen auf sie kurz vor der Kirche. Seine Krieger haben sich mit Brettern, in welche Nägel geschlagen sind, und Keulen bewaffnet.
„Verlasst unsere Stadt, Fremde!“, befiehlt Sean ruhig. Doch die Wikinger verstehen diese Sprache nicht und ziehen ihre Schwerter. Sie stürzen sich auf die Sarekoaner und bringen viele zu Fall. Das Blut fließt auf beiden Seiten, doch trotz der großen Anzahl von Kriegern bekommen die Sarekoaner immer mehr Verluste. Doch auch zwei Wikinger finden den Tod durch die Sarekoaner. Und dann fällt das Stadtoberhaupt mit schweren Wunden in den Schlamm. Alle seine Krieger liegen in den Pfützen und deren Blut färbt den Weg rot. Ein Junge liegt neben Sean mit offenen Augen. Seans Augen sind ebenfalls offen, doch sein Herz schlägt noch. Sein Gesicht ist blutverschmiert und seine linke Hand fehlt. Aus den vielen Wunden läuft das Blut in Strömen.
„Ihr … Bestien!“, keucht Sean. Dann werden seine Augen glasig als Dulec sein Schwert in Seans Brust sticht. Ein letztes Keuchen verlässt die Kehle des Sterbenden und dann ist er ruhig. Für immer!
„Stürmt das große Gebäude im Zentrum!“, befiehlt Dulec seinen noch lebenden Kriegern. Sie stürmen auf das gewaltige Portal der Kirche zu und versuchen es zu öffnen, doch es ist verschlossen. Alle werfen sich gegen das Portal und beim dritten Mal bricht ein Flügel aus den Angeln. Der Weg war frei! Die Gläubigen schreien auf und rennen in alle Richtungen davon. Viele von ihnen stürmen auf den zerbrochenen Portalflügel zu, werden jedoch von den Schwertern der grausamen Eroberer aufgehalten. Angstschreie und Kampfgetöse verpesten die sonst immer friedliche Atmosphäre der Stadt. Blut beschmiert den Fußboden und die Bänke, und auch die Gesangbücher sind teilweise rot. Am Altar steht der einzige Priester der Stadt: Celot. Seine Augen und sein Mund sind vor Entsetzen weit geöffnet.
„Ihr Bestien! Ihr schreckt nicht einmal vor dem Kreuz zurück! Ich verfluche euch in Gottes Namen! Drei Tode auf eurem Schiff und dann werdet ihr alle einen grausamen Tod finden!“, brüllt Celot. Eine Axt fliegt auf ihn zu. Bei den Worten „dem Vater, dem Sohn und dem heiligen Geist. Beschütze mich, oh Herr im Himmel!“, fährt ein Blitz aus dem goldenen Christenkreuz und trifft einen Wikinger. Dieser stürzt zuckend und brüllend zu Boden. Und die Axt trifft Celots Kopf und spaltet ihn. Das Blut spritzt an die Wand und beschmutzt den Altar. Sein lebloser Körper sinkt zu Boden. Er ist zu Gott gegangen.
„Nehmt alles Wertvolle mit!“, befiehlt Dulec, als die Kirche menschenleer ist. Voll bepackt verlassen sie die Kirche, doch da entdeckt Dulec einen Gargoyl am Portal. Er gleicht einer Fledermaus mit Hörnern. Jedes Detail ist perfekt gearbeitet und die Krallen sind sogar vergoldet. Am Sockel ist der Name des Künstlers eingraviert: Celot.
„Nimm diese Statue auch noch mit!“, befiehlt Dulec. Ein Wikinger löst mit gezielten Axthieben den Wasserspeier von dem Sockel und fängt ihn auf.
„Sie soll uns auf unseren Raubzügen begleiten!“ Dulecs Mund ist zu einem Grinsen verzogen. In seinem fast grauen Bart sind Blutflecken zu sehen und die Hälfte seiner Zähne fehlt. Er sieht teuflisch aus. Die noch lebenden Wikinger steigen ins Schiff als die Feuerglocken schrillen und dann sind auch die letzten zwei eingestiegen. Sie rudern ins offene Meer hinaus und lassen sich dann vom Wind treiben. Der Gargoyl hat einen passenden Platz im Boot gefunden und nun macht der Rum die Runde.
„Lasst uns auf Wodan [Gott des Krieges und der Weisheit] und den Raubzug trinken!“, brüllt Dulec. Lautes Jubelgetöse, doch dann unterbricht ein Schrei die Feier. Am Boden liegt ein Wikinger. „Leif, was ist los?“, fragt Dulec den sich am Boden krümmenden Wikinger.
„Ich habe starke Schmerzen! Ich glaube ich muss kotzen!“, röchelt Leif. Dann würgt er und speit Blut aus seinem Mund. Er verschluckt sich und stirbt qualvoll. Seine blauen Augen werden glasig.
„Er ist ….tot!“, keucht Erickson. Dulec blickt weg. Tage vergehen und langsam werden die Nächte kälter.
Dulec, Larof ist krank. Er bellt wie ein Hund.“, berichtet Erikson.
„Das geht wieder von dannen!“, erwidert der Angesprochene. Seine Wangen sind rosig und sein Blick ist aufs Festland gerichtet. Er erkennt jedoch nicht viel, da es Nacht ist und die Sterne bedeckt sind. Ein weiterer Wikinger kommt hinzu und überbringt eine schlechte Nachricht: „Larof ist zu Wodan gegangen. Er atmet nicht mehr!“ Ein Poltern lässt die Stille zerbrechen. Dulec und Erickson drehen sich um. Der Wasserspeier ist auf einen schlafenden Wikinger gefallen und hat ihn in den Tod gerissen.
„Der Fluch wird sich erfüllen!“, brüllt Erikson verzweifelt. Doch zwei weitere Tage vergehen und nichts passiert. Dann kurz vor Sonnenuntergang rammt ein Felsen den Kiel. Das Schiff berstet und Wasser dringt durch das Leck ein.
„Dulec, der Kiel ist gebrochen! Wir werden ertrinken!“. Der Angesprochene blickt in Erikssons entsetztes Gesicht. Das Schiff bricht weiter und die Wikinger fallen in die kalten Fluten. Vier ertrinken auf der Stelle. Nur Dulec erreicht mit Mühe und Not das rettende Ufer. Doch dort erwarten ihn unfreundliche Gestalten.
„Tötet ihn!“, befiehlt einer. Ein Dolch blitzt auf und dringt in Dulu`s Brust ein. Er liegt blutend im Sand und hört das zerbrechen von Balken. Der Gargoyl hat sich von den Überresten gelöst und sinkt mit Dulecs Bewusstsein immer tiefer. Er erinnert sich an seinen ganzen Raubzügen. Dann sieht er ein Bild aus seinen Erinnerungen, als er noch ein Kind war.
„Wäre ich bloß nie Wikinger geworden, dann säße ich jetzt bei meiner lieben Frau und könnte eine schöne warme Suppe schlürfen. Ich habe mich immer nach der See gesehnt, doch dass das so ausgeht hätte ich nie gedacht.“, murmelt er in sich hinein. Dulec hört den Sand von dem Gargoyl aufwühlen und dann hört sein Wikingerherz auf zuschlagen. Ein Bild von seiner Frau taucht vor seinem geistigen Auge auf und dann sinkt er für immer ins schwarze Niemandsland.

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Publication Date: 03-30-2010

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