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Leseprobe

 

 

 

 

CHARLES ERIC MAINE

 

 

KRISE IM JAHR 2000

- Galaxis Science Fiction, Band 13 -

 

 

 

Roman

 

 

 

 

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

 

KRISE IM JAHR 2000 

Erstes Kapitel 

Zweites Kapitel 

Drittes Kapitel 

Viertes Kapitel 

Fünftes Kapitel 

Sechstes Kapitel 

Siebtes Kapitel 

Achtes Kapitel 

Neuntes Kapitel 

Zehntes Kapitel 

Elftes Kapitel 

Zwölftes Kapitel 

Dreizehntes Kapitel 

Vierzehntes Kapitel 

Fünfzehntes Kapitel 

Sechzehntes Kapitel 

Siebzehntes Kapitel 

Achtzehntes Kapitel 

Neunzehntes Kapitel 

Zwanzigstes Kapitel 

 

Das Buch

Die US-Metropole New York wird zum Schauplatz der glanzvollen Weltausstellung des Jahres 2000 – und zum Schaplatz einer Sensation, mit der niemand auch nur im Traum gerechnet hat:

Ein Festredner, der hochtrabend alle Völker des Universums einlädt, an der Ausstellung teilzunehmen, wird beim Wort genommen.Unheimliche Besucher aus dem All landen auf dem Ausstellungsgelände, und die Fremden beginnen, sich auf der Erde häuslich einzurichten.

Die Regierung in Washington ist ratlos, und es kommt zur weltweiten Krise. Die Fremden pochen auf ihr Gastrecht. Und sie lassen sich durch nichts vertreiben – weder durch Bomben noch durch Kanonen...

 

Der Roman Krise im Jahr 2000 stammt aus der Feder des britischen Schriftstellers Charles Eric Maine (eigentlich David McIlwain; geboren am 21. Januar 1921 in Liverpool; gestorben am 30. November 1981 in London) und erschien erstmals im Jahr 1969. Besondere Bekannheit erreiche Maine durch seine verfilmten Romane Timeslip (1955) und The Mind Of Mr. Soames (1961). 

Krise im Jahr 2000 erscheint in der Reihe GALAXIS SCIENCE FICTION aus dem Apex-Verlag, in der SF-Pulp-Klassiker als durchgesehene Neuausgaben wiederveröffentlicht werden. 

  KRISE IM JAHR 2000

 

 

 

 

  Erstes Kapitel

 

 

Eine ganze Zeit schon verlor das kleine Düsenflugzeug an Höhe und senkte sich zu den gleitenden Wolkenbänken hinab, die New York den Blicken entzogen. Hier und da stießen die Spitzen der Wolkenkratzer von Manhattan wie Stalagmiten auf dem Boden einer ungeheuren, dachlosen Höhle durch den schweren Nebel. Der Pilot nahm sie kurz zur Kenntnis und stimmte seine Position mit dem berechneten Kurs der Radargeräte ab. Dann stellte er die Hebel und zündete sich mit geübtem Griff an seinem alten Feuerzeug eine Zigarette an.

Jetzt begannen sich die Wolkenzüge wie greifende weiße Finger zu schließen, so dass der Abendsonnenschein auf dem blanken Silberrumpf des Flugzeugs mit dem Adler-Abzeichen und der Registrierungsnummer der Luftwaffe verblasste. Als zunehmende Dämmerung durch die Beobachtungsfenster drang, glühten in der kleinen Passagierkabine automatisch die Lampen auf. Die drei Passagiere beugten sich gleichzeitig zu ihren Fenstern vor, um hinauszublicken, hinunter in den wogenden weißen Dampf, der das Flugzeug umgab, und bald begann das aufgetürmte Mauerwerk der Stadt, grau und verschwommen im Dunst, Gestalt anzunehmen.

Der massige Mann an der rechten Seite der Kabine war wie ein Paket in einen braunen Tweedanzug mit Gürtel eingezwängt. Seine schwammigen Wangen zitterten, sein Schädel, kahl wie eine Pampelmuse, glänzte von feinen Schweißperlen. Seine dunklen, grübelnden Augen beobachteten das schnell wachsende Panorama der Vororte der Stadt und suchten ruhelos nach dem ersten freien Ausblick auf die hohen glitzernden Türme des Ausstellungsgeländes. Das war Senator Drazin, der wie gewöhnlich über irgendetwas aufgeregt war.

Der große, breitschultrige, unbewegliche Mann zu seiner Linken trug eine olivfarbene Colonel-Uniform. Sein Haar war metallisch grau, und seine Augen bildeten Schlitze in einem streng geschnittenen Gesicht, das durch Wind und Regen verwittert war. Er rauchte eine Zigarette in einer langen Spitze und blickte mit der gleichmütigen Miene eines Mannes, der eine Landkarte betrachtet, aus dem Fenster. Wenige Minuten vorher hatte er sein Büro im Generalstab in Washington verlassen, um in einer dringenden Angelegenheit nach New York zu fliegen. Es war Colonel Kyle, Veteran dreier Kriege.

Der dritte Fluggast saß kühl und entspannt da, die Finger hinter dem Nacken verschränkt. Er trug einen leichten, bequemen Anzug, über den er eine graublaue Buschjacke gezogen hatte, die zu der rauchblauen Farbe seiner ernsten Augen passte. Im Sicherheitsamt kannte man ihn als Dex, aber sein voller Name war Jon Carey Dexter. Er war einer der besten Agenten des Amtes.

Das ständige Donnern der Düsen wurde plötzlich durch einen erregten Aufschrei des Senators übertönt, der, an der falschen Seite des zur Landung ansetzenden Flugzeugs sitzend, sich von seinem Platz erhoben hatte und sich angestrengt bemühte, den Horizont zu überschauen, der offenbar seinem Gesichtskreis entglitten war. Dennoch musste er etwas gesehen haben.

»Da ist es!«, rief er. »Dort drüben!«

Jetzt senkte sich das Flugzeug, und der Boden hob sich ihnen entgegen, so dass der Himmel ihren Blicken fast entschwand. Die drei Männer blickten neugierig hinaus auf eine Miniatur-Metropole futuristischer Bauart, die auf sie zuzukriechen schien, während das Flugzeug einen weiten Bogen beschrieb. Die Stadt dehnte sich in Würfeln, Türmen und Spitzen über ein unermessliches Gebiet aus, und all ihre Flächen und Umrisse schillerten, als ob man sie durch ein Prisma betrachtete. Ein ungeheurer, durchscheinender Bogen bildete, hoch- emporstrebend, den Brennpunkt, überragt von riesenhaften Buchstaben aus noch nicht leuchtenden Neonröhren, die die Worte Willkommen zum Fest der Welt formten. Darunter stand in gleichartigen Buchstaben in der internationalen Erdsprache nochmals Bonveno al Festo del Mondo.

Dann flog die Maschine über den Platz mit den imposanten Gebäuden hinweg, die eine Fläche von mehr als neun Quadratkilometern bedeckten. Drazins Augen schossen hin und her. Hier war eine Fahne und dort wieder eine, träge über kaum vollendeten Bauten schwebend, von denen jeder einzelne ein Beitrag der vielen Hunderte von Nationen war, die sich an dieser ungeheuren Ausstellung der Zivilisation und des wissenschaftlichen Fortschritts an der Jahrtausendwende beteiligten. Die Augen des Senators blitzten vor Besitzerstolz. Hier war der Geist des eben geborenen einundzwanzigsten Jahrhunderts, kristallisiert in der Form der Architektur, Verkörperung der Geschichte und Gipfel des Jahrtausends menschlicher Leistung. Hier, auf amerikanischem Boden, würde die Welt bald die verschiedenen Kulturen der Erde ausgebreitet sehen und würde den leidenschaftlichen Aufschwung des materiellen Fortschritts erleben: Elektronenphysik, Kernphysik, Ballistik, Psychomatik, Astronautik... Hier würde die Wissenschaft ihren höchsten Triumph feiern.

Die Bauarbeiten waren noch nicht vollendet. Noch Umrissen Gerüste wie ungeheure surrealistische Skelette die Gestalt der Bauten, die zum festgesetzten Zeitpunkt noch fertig werden sollten. Das Fest würde in genau dreißig Tagen eröffnet werden. Der amerikanische Ausstellungssektor glitt schnell vorbei und hinterließ einen verschwommenen Eindruck von einem hochragenden, durchscheinenden Wolkenkratzer, der einen langen, blassen Schatten über ein weites Amphitheater warf, das, obwohl man dort noch bei den Aufräumungsarbeiten war, bereits den vertrauten Kratercharakter eines Raketenabschussgeländes anzunehmen begann. Winzige schwarze Gestalten von Arbeitern krochen wie eine Kolonie Ameisen überall umher. Dann kamen der britische Sektor und daneben eine ungeheure, vielfarbig leuchtende Kuppel der Halle der Wissenschaft des neuen Russlands. Die anderen Sektoren huschten wie eine verwirrende Folge von Regenbogen vorbei.

»Ich sehe das Stadion nicht«, bemerkte der Senator, ungeduldig seine dicken Lippen vorschiebend.

»Wir kommen nicht daran vorbei«, erwiderte Colonel Kyle. »Der Pilot hat Weisung, von Westen anzufliegen.«

Drazin schoss förmlich in die Höhe. Seine Augen wurden eisig. »Das verstehe ich nicht. Ein Blick aus der Vogelperspektive wäre äußerst aufschlussreich gewesen.«

»Der Pilot hat seine Befehle«, gab Kyle ruhig zurück. »Auf jeden Fall werden wir sehr bald mehr als genug sehen.«

Der Platz schien sich langsam um seine Achse zu drehen, und nach wenigen Sekunden hatte das Düsenflugzeug die Rollbahn erreicht. Es verharrte noch einige Augenblicke, dann senkte es sich langsam auf den Boden. Kaum war es niedergegangen, da fuhr ein großes, stromlinienförmiges Auto unhörbar über den Platz und hielt mit einem leisen Zischen der Vakuumbremsen wenige Meter vor dem Flugzeug an.

Mit unheilkündendem, unzufriedenen Brummen hob Senator Drazin seinen massigen Körper vom Sitz und drückte auf den Knopf, der die Kabinentür herunterklappte und in eine Trittleiter verwandelte. Er stieg schwerfällig die Stufen hinunter, während ihm Colonel

Kyle und Jon Dexter gemächlich folgten. Der uniformierte Chauffeur schlug die Tür zu, schwang sich auf den Fahrersitz und fuhr schnell auf ein zwanzigstöckiges Gebäude am Rande des Landungsplatzes zu.

In seinem Privatbüro im 20. Stock des Ausstellungshauptquartiers erwartete Edward G. Wayne die Ankunft der drei Männer. Waynes Büro, das koordinierende Nervenzentrum des Gebäudes, war fertig eingerichtet, mit Telefonen, Bildschirmen und allen möglichen anderen Apparaten, auf deren zuverlässige Arbeit er sich jetzt schon unbedingt verlassen konnte.

Das leise Sausen des Fahrstuhls unterbrach die Stille. Wayne richtete seinen durchdringenden Blick auf das Vorzimmer.

Nach wenigen Sekunden traten die drei Besucher ein. Als erster stürmte Drazin durch die Tür. Er ging gerade auf den Schreibtisch zu, hämmerte mit der Faust darauf und schrie: »Das passt mir nicht, Wayne!«

Wayne zog fast unmerklich die Brauen in die Höhe. Er war an die dramatischen Ausbrüche des Senators gewöhnt. »Haben Sie sie gesehen?«, fragte er ruhig.

»Keine Spur!«

»Sie sind im Stadion...«

Drazin sah ihn finster an. »Wir sind von Westen herangekommen, haben nichts gesehen!«

Wayne erhob sich zu seiner ganzen Größe und kam um den Schreibtisch herum. »Ich werde es Ihnen auf dem Bildschirm zeigen«, sagte er, »aber zuerst...« Er wendete sich an die anderen, die etwas im Hintergrund stehen geblieben und teilweise durch die massige Gestalt des Senators verdeckt waren, und streckte ihnen die Hand hin. »Ich bin Wayne, der technische Direktor. Sie sind Colonel Kyle, nehme ich an?«

»Sehr richtig«, erwiderte Kyle liebenswürdig, »und dies ist Jon Dexter vom Sicherheitsamt.«

»Guten Tag, Direktor«, sagte Dexter.

»Ich meine, wir sollten unverzüglich zur Sache kommen«, fuhr Kyle fort. »Washington scheint diese Angelegenheit für sehr dringend zu halten.«

»Durchaus möglich«, erwiderte Wayne rasch. »Nehmen Sie Platz, ich zeige Ihnen sofort die neuesten Aufnahmen.«

Er drückte auf einen Knopf am Schreibtisch, und sogleich glitt in der Wand gegenüber eine rechteckige Fläche zur Seite und gab einen großen Bildschirm frei. Die drei Besucher setzten sich auf strenge Stahlstühle und konzentrierten sich auf den Schirm. Im nächsten Augenblick wirbelten farbige Muster über seine Fläche und fügten sich schnell zu den vertrauten Umrissen der Ausstellungsgebäude zusammen. Wieder knipste ein Schalter, und das Bild verwandelte sich in eine Aufnahme von einem riesigen länglichen Sportstadion mit einer grünen Arena, die von fünfzigtausend in Rängen ansteigenden Sitzen umgeben war. Wayne änderte erneut die Einstellung; das Bild rückte ganz nahe heran, und man sah vom deutlich die Rasenfläche der Arena.

Am Nordrand der Arena lag für sich allein eine vereinzelte silberne Scheibe. Das war alles. Eine Anzahl kleiner, undeutlicher Geschöpfe von menschlicher Gestalt konnte man auf dem Boden umhergehen sehen, sie aber nicht genau erkennen. Die Scheibe schien oval mit einem schmalen Ring ringsherum. Der Durchmesser mochte sechs Meter betragen, war aber schwer abzuschätzen.

Senator Drazin blies verächtlich die Backen auf. »Tja«, rief er, »und deshalb dieser ganze Aufruhr?«

»Grund genug!«

»Aber gleich Washington anzurufen! Gar nicht zu reden von der Armee mit dem Sicherheitsamt!«

Colonel Kyle erhob sich ungeduldig. Seine Augen hefteten sich einen Moment auf Drazin, ihr Ausdruck war unfreundlich. »Geben Sie uns erst die wesentlichen Auskünfte«, sagte er. »Es hat keinen Sinn, um die Sache herumzureden und Ratschläge zu erteilen oder Kritik zu üben, bis wir nicht die ganze Geschichte kennen.«

»Gut«, sagte Wayne sachlich. »Schauen Sie sich diese silberne Scheibe genau an, meine Herren. Sie sehen hier das erste fremde Raumschiff, das auf der Erde gelandet ist.«

»Meiner Meinung nach«, unterbrach Drazin, ist das nichts anderes als ein billiger Reklametrick für die Ausstellung.«

»Warum lassen Sie Wayne nicht ausreden, Senator?«, sagte Dexter verärgert.

»Gut, gut... ich äußerte nur eine Mutmaßung.« Drazin machte eine hilflose Handbewegung.

Wayne sah ihn scharf an. »Wenn man von Reklametricks reden will, Senator«, sagte er, »war Ihr eigener auch nicht ohne!«

Drazin errötete vor Zorn. »Was meinen Sie damit?«

»Vor vierzehn Tagen haben Sie über das Welt-Regenbogennetz eine Rede gehalten, um für die Ausstellung Reklame zu machen, und Sie haben alle Nationen eingeladen, zu dem großen Fest der Welt nach New York zu kommen. Stimmt das?«

»Ja und? Was hat das mit den Vorgängen da draußen im Stadion zu tun?«

»Das werde ich Ihnen zeigen.« Wayne ging zu seinem Schreibtisch und drückte auf einen Knopf. »Clayton, lassen Sie uns bitte Abschnitt sechs der Drazin'schen Ausstellungsrede hören.«

»Jawohl Chef!« ertönte eine Stimme aus der Leitung.

Drazin schlug betroffen die Beine übereinander, aber seine Miene war noch selbstbewusst und angriffslustig. Jetzt erkannte er seine eigene Stimme, die aus dem Lautsprecher kam Sie sagte: »...ein Bildungsniveau, das kein anderes Zeitalter, keine andere Zivilisation in der Lebensgeschichte dieses Planeten je erreicht hat. Dies ist der wahre Zenit der Kultur. Amerika lädt die ganze Welt ein, herzukommen und sich an den Leistungen unserer Art zu erfreuen, herzukommen und den Triumph des Homo sapiens mitzuerleben. Es hat Messen und Weltausstellungen schon früher gegeben, aber noch nie ein Projekt, das in seinem Ausmaß und seiner Zielsetzung so ehrgeizig war. Dieses Fest der Welt wird ein angemessener Beitrag zum Beginn eines neuen Jahrhunderts, eines neuen Jahrtausends sein, denn nachdem die Menschheit die Kraft des Elektrons und die ungeheure Gewalt des Atomkerns gemeistert hat, kann sie vertrauensvoll einer hellen, erfolgreichen Zukunft entgegensehen, einer friedlichen Zukunft in dem kommenden Zeitalter der Wissenschaft.«

Peinlich berührt von dem Klang seiner eigenen hochtrabenden Sätze, rutschte der Senator unbehaglich hin und her.

Die Bandaufnahme ging weiter: »Im Namen des Organisationskomitees der Weltausstellung heiße ich Sie alle willkommen. Bit alle herbei, Ihr Millionen, aus jedem Winkel dieses Planeten... oder irgendeines andern Planeten. Wenn es irgendwo in diesem unserm Universum lebende Geschöpfe gibt, so mögen sie sich her begeben - wenn sie können! Ich lade das Universum ein, herzukommen und den Triumph der Menschheit mitzuerleben.«

Wayne drückte auf einen Knopf. »Wiederholen Sie die letzten fünf Sekunden«, sagte er in das Sprachrohr.

Das Tonband lief rückwärts und wiederholte: »Wenn es irgendwo in diesem unserm Universum lebende Geschöpfe gibt, so mögen sie sich her begeben - wenn sie können! Ich lade das Universum ein, herzukommen und den Triumph der Menschheit mitzuerleben!«

»Danke sehr«, sagte Wayne und stellte die Verbindung ab. Er wandte sich zu Drazin und betrachtete ihn so unpersönlich, als wären seine konkaven Brillengläser ein Doppel-Mikroskop. »Und sie sind also gekommen«, stellte er fest.

Der Senator wand sich betroffen. Er hasste Anspielungen. »Wie meinen Sie das?«, fragte er.

Wayne deutete auf den Bildschirm. »Sie haben das Universum eingeladen. Die erste Gruppe ist heute früh eingetroffen.«

»Es war nur eine Redensart«, sagte Drazin gereizt. »Ich rede immer so. Es macht sich besser. Denken Sie doch nicht, dass ich im Ernst Fremdlinge eingeladen habe...«

»Es waren Ihre eigenen Worte, Senator I Diese Rede ist über alle Wellenlängen verbreitet worden, und einge Sendungen sind in den Weltraum hinausgegangen. Man hat Ihre Einladung angenommen.«

Colonel Kyle und Dexter hatten während dieser Diskussion geschwiegen, aber ihre Blicke waren auf Drazins ausdrucksvolle Züge gerichtet. Dexters Miene war ernst, doch lag um seinen Mund der Anflug eines leisen Skeptizismus. Als er merkte, dass der Senator für den Augenblick keine Antwort bereit hatte, sagte er: »Hören Sie, Wayne, woher wissen Sie das alles?«

Wayne deutete auf die winzigen Gestalten, die noch immer auf dem Bildschirm sichtbar waren:

»Die haben es mir gesagt.«

»Aber... all das mit den andern Welten? Ich finde, sie sehen ganz menschlich aus. Kann es nicht ein Ulk sein?«

Drazin fand seine Beredsamkeit wieder, und seine Augen blitzten. »Das ist es,-ein Ulk! Irgendjemand hat die alte Geschichte von den Fliegenden Untertassen aufgewärmt. Sicherlich, diese Geschöpfe dort in der Arena sind genau solche Menschen wie ich.«

Wayne lächelte grimmig. »Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Senator«, sagte er rätselhaft. »Und deshalb vermute ich, dass sie durchaus keine Menschen sind.«

Er ging zum Schreibtisch zurück und drehte wieder an einem Kontrollknopf. »Ich werde Ihnen jetzt unsere sonderbaren Besucher in einer Nahaufnahme zeigen.«

Drei der Geschöpfe, die einen langen metallischen Gegenstand trugen, kamen in den Mittelpunkt der Sehscheibe. Einige wenige Sekunden waren sie klar und scharf Umrissen, dann löste sich das Bild teilweise auf und vibrierte, aber in dem kurzen Augenblick waren die menschenähnlichen Wesen in allen Einzelheiten deutlich zu sehen.

Es konnten Drillinge sein, völlig gleichartige Drillinge, mit massigen Körpern, roten, schwammigen Gesichtern und blanken, kahlen Schädeln, und sie trugen graue Anzüge von herkömmlichem Schnitt. Es waren unleugbar Menschen, aber ein unerklärlicher Umstand warf eine bedeutsame Frage auf, und alle in diesem Zimmer Versammelten waren sich dessen bewusst, außer Drazin.

Wayne beschränkte sich darauf, die Reaktionen seiner drei Besucher zu beobachten. Kyle und Dexter waren unverkennbar ungläubig. Drazin runzelte die Stirn und schob die Lippen vor. Offenbar war er noch immer überzeugt, dass die ganze Sache ein Ulk wäre, aber doch wurde ihm unklar bewusst, dass bei diesen Figuren auf dem Bildschirm irgendetwas nicht stimmte, dass irgendetwas nicht zu erklären und vielleicht gar nicht von dieser Welt war.

»Nun?«, fragte Wayne.

»Ich glaube es nicht«, sagte Kyle.

Dexter strich sich nachdenklich das Kinn. »Persönlich möchte ich sagen, dass es unmöglich ist. Was ist das für ein Trick Wayne?«

Wayne antwortete nicht, sondern sah Drazin, dessen Verblüffung immer deutlicher wurde, erwartungsvoll an.

»Abgesehen davon, dass sie alle gleich aussehen...«, begann Drazin, dann brach er ab. »Wissen Sie was, Wayne«, fuhr er nach einer peinlichen Pause fort, »ich möchte schwören, ich hätte diese Gesichter schon irgendwo gesehen.«

Zu Drazins Überraschung lachte Kyle - ein unangenehmes spöttisches Lachen, und dann plötzlich hatte er begriffen. Er hatte sich selbst auf dem Bildschirm gesehen, sich selbst dreimal. Jeder der fremden Besucher war ein Senator Drazin, eine genaue Kopie von ihm. Drazin als Duplikat, nein, als Triplikat.

In diesem Augenblick bewegten sich wieder zwei von den Fremden über den Bildschirm. Mit weit geöffneten Augen bemerkte Drazin die gleichen runden, dicklichen Leiber, die schwammigen Gesichter, die glatten, haarlosen Schädel...

Drazin in vierfacher Ausfertigung. In fünffacher. Senator Drazin, Präsident des Ausstellungskomitees, eine wohlbekannte Figur in der Politik und in Regierungsangelegenheiten, wurde hier gleichsam maschinell produziert.

»Mein Stabschef in Washington«, sagte Kyle, »ist der Meinung, dass ein Teil des Ausstellungsgeländes von einer Gruppe unbekannter Fremder besetzt worden ist. Er sprach von militärischer Aggression. Wollen Sie behaupten, dass diese komischen Typen der Feind sind?« Er blickte kalt auf den Bildschirm, dann betrachtete er den Senator mit der gleichen Feindseligkeit, als wolle er ihn für die ganze Sache verantwortlich machen.

»Unterschätzen Sie die Drops nicht«, sagte Wayne.

»Drops?«, wiederholte Kyle.

»So nennen die Arbeiter sie. Weil sie sich gleichen wie ein Tropfen dem andern.«

»Wir wollen lieber mit dem Anfang beginnen«, schlug Kyle vor.

»Und nichts auslassen«, fügte Drazin hinzu.

Wayne saß lässig auf der Kante seines Schreibtisches und zündete sich eine Zigarette an. »Gut«, sagte er ruhig. »Da ist nicht viel zu berichten, und Sie werden wahrscheinlich ohnehin kein Wort davon glauben. Aber ich habe Zeugen, und mein wissenschaftlicher Mitarbeiter hat das Problem analytisch untersucht. Sie können, wenn Sie es wünschen, das ganze Beweismaterial später bekommen.«

»Gut«, murmelte Kyle, noch immer ärgerlich.

Wayne begann seine Erläuterungen. Genau um 7 Uhr 44 an diesem Morgen hatten die Arbeiter und Techniker der Nachtschicht, als sie das Gelände verlassen wollten, ein seltsam kreischendes Geräusch gehört, als wenn weit entfernt Dynamos am Himmel dröhnten. Es war nichts zu sehen gewesen, denn die Wolkendecke war niedrig und dicht. Aber während das Geräusch lauter und eindringlicher wurde, sahen Arbeiter in der Nähe des Stadions einen dunklen Körper durch das graue Gewölk abwärts sinken und zu einer deutlich erkennbaren Scheibe werden, die das matte, verschwommene Licht hier und da an ihrem Rande auffing.

Während diese Scheibe immer tiefer sank, bemerkten sie, dass sie oval und oben und unten abgeplattet war. Ein schmaler Ring am äußeren Rande leuchtete blassblau und schien sich zu drehen.

Sie blieb vielleicht eine halbe Minute sichtbar und verschwand endlich hinter der äußeren Mauer der Arena. Wenige Sekunden später hörte das Kreischen, das jetzt eine lähmende Intensität erreicht hatte, plötzlich auf. Der Körper war offenbar gelandet.

Um diese Zeit hatte Wayne in seiner Wohnung in der Stadt gefrühstückt. Die erste Mitteilung, dass sich auf dem Ausstellungsgelände etwas Ungewöhnliches ereignete, erhielt er um 7 Uhr 51, sieben Minuten, nachdem man den sonderbaren Flugkörper gesichtet hatte. Ein Wächter hatte telefoniert. Seine Meldung war jedoch derart unzusammenhängend gewesen, dass Wayne sofort sein Frühstück im Stich gelassen hatte, und, so schnell er konnte, mit seinem Auto zum Festplatz gerast war.

Er hatte sich sofort zur Arena begeben und dort eine beträchtliche Menge von Angestellten, Technikern und anderen Leuten in dichten Gruppen etwa zwei bis drei Meter vom Haupteingang zum Stadion stehen sehen. Als er aus dem Auto stieg und sich den Zuschauern näherte, kam ein Mann auf ihn zu. Er erkannte seinen Stellvertreter Robert Clayton, noch unrasiert und ungekämmt. Er war offenbar in noch größerer Eile von zu Hause fortgestürzt als Wayne.

Clayton schien ungeheuer aufgeregt zu sein, aber Wayne konnte nicht verstehen, warum. Er sagte etwas von einer unsichtbaren Sperrwand, und dass zwei der Arbeiter sich erheblich verbrannt hätten und auf der Unfallstation wären und dass der wissenschaftliche Mitarbeiter auf der anderen Seite des Stadions mit besonderen Instrumenten Strahlungsversuche machte. Ziemlich verwirrt und gereizt hatte sich Wayne zum Stadion durchgedrängt, und Clayton war hinter ihm hergegangen, immer noch in seinem raschen Rundfunkkommentator-Stil redend, und dann hatte Wayne ganz plötzlich das gesehen, wovon Clayton gesprochen hatte. Ein Zuschauer hatte soeben einen großen Stein gegen den Haupteingang zum Stadion geworfen. Der Stein flog wie ein dunkler Ball aus seiner Hand, dann verglühte er etwa zwei Meter entfernt in einer weißleuchtenden Sonne. Es gab keinen Knall, nur ein deutliches Knacken, ein sengendes Aufflammen von unglaublicher Helligkeit und endlich, als der blendendem Schein verschwunden war, einen mattleuchtenden Dunstschleier, der sich in der Luft verteilte.

Wayne war mit einem Ruck stehengeblieben, und Clayton trat an seine Seite. »Gerade dies habe ich versucht, Ihnen zu berichten, Chef. Diese Wand zieht sich um das ganze Stadion herum, und nichts kann sie durchdringen, ohne völlig verbrannt zu werden.«

»Eine Wand?«, sagte Wayne verständnislos, da er nichts sah. »Es ist eine unsichtbare Wand. Wenn sie sehr genau hinsehen, können Sie ein leises Vibrieren bemerken.«

Wayne ging vorsichtig vorwärts, bis Clayton ihn am Arm fasste.

»Nicht weiter Chef, können Sie etwas sehen?«

»Nein«, sagte Wayne. Doch einen Augenblick später fügte er hinzu: »Ich glaube, jetzt sehe ich etwas. Dort... auf dem dunklen Hintergrund... Millionen von winzigen Lichtpunkten...«

»Wir nehmen an, dass es Staubkörner sind, die auf diese Sperre zu schweben«, erklärte Clayton. »Sie werden weißglühend und verbrennen im Bruchteil einer Sekunde. Aber sie zeigen uns die Gestalt der Wand.«

Wayne sah sich um und blickte dann nach oben. Das fast unwahrnehmbare Geglitzer der glühenden Staubteilchen formte sich zu einer Art glänzender Seifenblase, die das Stadion in eine dünne Halbkugel von Hitze einhüllte. Er trat einen Schritt zurück, und die Seifenblase entschwand seinem Blick. Aber die Wand war noch da, drohend, unpersönlich, unsichtbar...

»Was bedeutet das?«, fragte Wayne verblüfft.

Clayton zuckte die Schultern.

»Das Ding da im Stadion, - wissen Sie, was das ist?«, fragte Wayne

»Eine Art Flugzeug vermute ich«, erwiderte Clayton. »Eine fliegende Untertasse, wenn Sie wissen, was ich meine. Es kann auch ein Raumschiff sein, aber ich glaube es nicht.«

»Warum nicht?«

»Die Mannschaft sieht aus, wie gewöhnliche Menschen, - nein, nicht wie ganz gewöhnliche. Ich habe sie nur auf dem Bildschirm im Kontrollraum gesehen, und das Bild war nicht besonders gut, aber ich hatte den sonderbaren Eindruck, dass sie alle genauso aussehen wie jemand, den wir beide kennen.«

»Wie wer?«

»Wenn wir in den Kontrollraum hinaufgehen, können Sie es selbst auf dem Bildschirm sehen«, gab Clayton zurück. Er wandte sich von der Arena ab und schob sich durch die Menge zu dem Platz, wo die Autos parkten. Wayne folgte ihm.

 

 

 

 

  Zweites Kapitel

 

 

Bisher hatte Wayne aufmerksame Zuhörer gehabt. Sogar der Senator, der in dem Ruf stand, niemals einem Menschen zuzuhören, außer sich selbst, saß in verbissenem Schweigen da.

Wayne hielt inne, um ein Schubfach seines Schreibtisches aufzuziehen und eine Pfeife herauszunehmen, die er mit wissenschaftlicher Sorgfalt stopfte und anzündete.

Kyle wurde unruhig. »Sie kamen also in das Hauptquartier zu

rüde«, sagte er, »und sahen diese Kreaturen - diese Drazins. Und was dann?«

Wayne zog an seiner Pfeife, bis sich ein länglicher Rauchpilz gemächlich zur Decke hinaufringelte. »Zuerst dachte ich, es wäre irgendein Unsinn, irgendetwas, was der Senator sich als Reklame ausgedacht hätte...«

»Ich protestiere, Wayne«, unterbrach Drazin.

Wayne machte eine beruhigende Handbewegung. »Es ist nicht persönlich gemeint, Senator. Es war die naheliegende Schlussfolgerung. Ich dachte, es wäre eine Handvoll Schauspieler, denen man Ihr Äußeres gegeben hätte...«

»Ich kann Ihnen versichern, Wayne, dass die ganze Ausstellungspropaganda das Ergebnis sorgfältiger Planung seitens des Propaganda-Komitees ist, in dem ich als Berater tätig bin, und wir arbeiten nicht mit Tricks...«

»Lassen wir das, Senator«, warf Kyle gereizt ein, »wir sprechen nicht über Propaganda, wir hören uns Waynes Bericht an.«

Drazin fügte sich, schwelend vor Empörung, und Wayne legte die Pfeife auf den Schreibtisch.

»Tja«, sagte er in seinem nüchternen Erzählerton, »meine erste Eingebung war, telefonisch bei dem Senator anzufragen, ob ihm irgendetwas über diese Sache bekannt sei...«

»Warum sollte mir etwas darüber bekannt sein?«, fragte Drazin empört.

Wayne ließ die Frage unbeachtet. »Ich war also im Begriff, den Hörer abzuheben, als etwas geschah...«

Das Geschehen hatte darin bestanden, dass eine unerwartete Bewegung auf dem Bildschirm seine Blicke angezogen hatte, und als Wayne rasch auf das Bild des Stadions blickte, hatte er zwei der Drazin-Doubles gesehen, die aus dem Haupttor herauskamen und einen Metallkasten zwischen sich trugen.

Clayton hatte schnell alles erfasst. Obwohl er nicht ahnen konnte, was der Kasten enthielt, hatte er das Gefühl, dass irgendetwas Bedeutsames geschähe... ganz öffentlich, vor den Augen der Zuschauer diesseits der Sperrwand. Er hatte Wayne in aller Eile mit dem Fahrstuhl hinunter und dann in sein Auto gebracht, und kaum anderthalb Minuten später hatten sie mit kreischenden Bremsen neben den zusammengedrängten Zuschauern angehalten.

Die beiden Doubles befanden sich dicht neben der Feuerwand, vielleicht zwei bis drei Meter davon entfernt, und der Kasten stand auf dem Boden. So aus der Nähe hatten die Doubles etwas Übertünchtes und Angestrichenes. Wayne hatte das unerklärliche Gefühl, dass irgendwo tief in dem rosigen, massigen Äußeren der sonderbaren Besucher irgendetwas Fremdes und Unbegreifliches wäre. Sie waren von menschlicher Gestalt, aber - waren sie auch menschlichen Ursprungs oder menschlicher Gesinnung?

Der Kasten war, soweit Wayne sehen konnte, aus Metall und oben mit einer Anzahl von Knöpfen versehen. Einer der Doubles bückte sich und drehte mit den Fingern an diesen Knöpfen. Sekunden vergingen unter Stillschweigen, während die Fremden regungslos dastanden und ausdruckslos auf die neugierige Menge starrten.

Dann ertönte plötzlich eine Stimme jenseits der Sperrwand, eine menschliche Stimme, die sich der internationalen Erdsprache bediente. Eine synthetisch zusammengesetzte Stimme ohne Charakter oder Persönlichkeit.

Die Stimme sagte: »Unsere Grüße, Völker der Erde! Wir, die weit durch den Weltraum gekommen sind, danken euch für eure freundliche Einladung, euren Planeten zu besuchen und bei eurem großen Fest zu erscheinen. Obwohl unsere bescheidenen Leistungen nur ein schwaches Licht gegenüber der blendenden Glorie der irdischen Wissenschaft sind, haben auch wir einen Beitrag zu eurer Ausstellung zu leisten. Wir zeigen euch einige technische Apparate und Maschinen.«

Die Stimme schwieg für einige Sekunden, und Wayne und Clayton sahen sich fragend an. Dann fuhr die Stimme fort: »Es wird unglücklicherweise nötig sein, dass wir einen gewissen Teil eures Territoriums besetzen, um unsere Apparate aufzustellen, und es ist von höchster Wichtigkeit, dass wir nicht gestört werden. Wir haben deshalb eine unsichtbare Feuerwand errichtet, die völlig undurchdringlich ist. Versucht bitte nicht, diese Schranken zu durchbrechen.«

Wieder eine kurze Pause. Dann: »Wir werden uns bald wieder mit euch in Verbindung setzen.«

Die Stimme verklang, die Doubles hoben den Kasten auf und trugen ihn in das Stadion zurück. Einen Augenblick legte sich ein banges Schweigen über die Menge, dann machte sich die Aufregung in allerlei Bemerkungen Luft. Wayne und Clayton kehrten im Auto zum Gebäude des Hauptquartiers zurück.

Drazin hatte Waynes Erzählungen mit wachsender Unruhe zugehört. »Und Sie beschlossen, daraufhin Washington zu verständigen! Voreilig, Wayne, sehr voreilig!«

»Lassen Sie mich es Ihnen erklären, Senator. Ich habe mich mit Washington in Verbindung gesetzt, weil schon zu jenem Zeitpunkt die Ankunft dieser Geschöpfe aus dem Weltraum etwas Bedrohliches hatte...«

»Sie hätten mich unverzüglich benachrichtigen müssen«, grollte Drazin. »Diese Sache geht das Komitee an. Es handelt sich hier um eine politische Frage, und Sie als technischer Direktor sind nicht befugt, über politische Angelegenheiten zu entscheiden.«

»Senator Drazin«, unterbrach Kyle schroff, »lassen Sie bitte Wayne seinen Bericht beenden. Die politische Seite der Situation geht uns nichts an.«

»Dieser Meinung bin ich nicht«, warf Drazin ein.

»Sie können sich später darüber äußern, wenn Sie es wünschen«, fuhr Kyle fort. »Nach meiner Auffassung spielt das gar keine Rolle. Mich interessiert nur die militärische und zivile Seite des Geschehenen.«

»Mich auch«, sagte Dexter.

Drazin starrte sie zornig an, sagte aber nichts, und Wayne, der nachdenklich seine Pfeife paffte, fuhr fort: »Etwa zwei Stunden lang geschah nichts, aber Clayton und ich beobachteten auf dem Bildschirm das Stadion. Dann sahen wir wieder zwei von den Doubles, die die Sprechmaschine herausbrachten. Wir begaben uns wieder hinunter und kamen gerade rechtzeitig, um die Mitteilung zu hören.«

Sie besagte: »Wir, die wir weit durch den Weltraum gereist sind, bitten in aller Bescheidenheit, dass ihr, die triumphalen Bewohner der Erde, euch spätestens drei Stunden nach dem Höchststand der Sonne im Umkreis von einem Kilometer von hier zurückzieht, da wir die Feuerwand so weit auszudehnen beabsichtigen. Menschen, die von der Wand eingeschlossen werden, können ihr nicht lebend entrinnen.«

Wayne hielt einen Augenblick inne und warf einen schnellen Blick auf die drei gespannten und etwas ungläubigen Gesichter. »Das war alles. Die Doubles kehrten in das Stadion zurück, und ich begab mich wieder in mein Büro.«

Nach einem Augenblick skeptischen Schweigens sagte Kyle: »Sie scheinen dies alles sehr ernst genommen zu haben, Wayne.«

»Ich hatte den Eindruck«, sagte Wayne, »dass diese zweite Ankündigung der Doubles eine offenbare Drohung war. Sie hatten ihre Absicht geäußert, gewaltsam ein Stück des Ausstellungsgeländes und damit des amerikanischen Bodens zu besetzen.«

»Allerdings.«

»Als mir das klar wurde, schickte ich ein dringliches Kabel nach Washington und rief den Senator an. Da die Zeit drängte, musste ich aus eigener Initiative handeln. Jetzt...« Wayne warf einen Blick auf seine Armbanduhr »...ist es genau ein Viertel vor fünfzehn Uhr.«

Kyle prüfte seine Militär-Taschenuhr. »Wir haben noch vierzehn Minuten Zeit«, bestätigte er.

»Also dann...«

»Haben Sie irgendwelche Vorkehrungen getroffen?«, fragte Kyle.

Wayne nickte. »Ich habe bereits die völlige Räumung eines kilometerbreiten Streifens um das Stadion herum angeordnet, natürlich vorbehaltlich der Entscheidung, die Sie treffen. Ich konnte es mir nicht leisten, die Sicherheit meiner Mitarbeiter zu gefährden.«

»Gut«, bemerkte Kyle.

»Nim noch etwas anderes. Ich habe den wissenschaftlichen Mitarbeiter gebeten, gewisse Untersuchungen über die Feuerwand, wie die Doubles die Sperrwand nennen, anzustellen. Möchten Sie die Ergebnisse hören?«

»Haben wir Zeit dazu?«, fragte Kyle

»Ich denke je Wir können ohnehin wenig anderes tim.« Wayne trat wieder an seinen Schreibtisch und drückte auf einen Knopf.

»Hallo, Clayton, schicken Sie bitte Dr. Farrow für einige Minuten in mein Büro.«

»Wird erledigt, Chef«, sagte Gaytons Stimme, und die Verbindung war beendet.

Dreißig Sekunden später öffnete sich die Tür, und eine schlanke junge Dame in weißem Kittel betrat das Zimmer.

Die junge Dame sagte: »Guten Tag, meine Herren.

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: Charles Eric Maine/Eric Maine/Successor of Charles Eric Maine.
Images: N.N./Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Cover: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Editing/Proofreading: Peter Sladek.
Translation: Else von Hollander-Lossow und Christian Dörge (OT: Crisis 2000).
Layout: Apex-Verlag.
Publication Date: 11-12-2018
ISBN: 978-3-7438-8621-6

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