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Leseprobe

 

 

 

 

ERNO FISCHER

 

 

DIE TERRANAUTEN, Band 21:

Todeszone Oxyd

 

 

 

Science-Fiction-Roman

 

 

 

 

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

 

TODESZONE OXYD von Erno Fischer 

 

Das Buch

Man schreibt das Jahr 2500 irdischer Zeitrechnung.

Entscheidung auf dem Todesasteroiden... wird die Erde überleben?

Die Grauen Garden starten erneut einen Versuch, Oxyd von seiner Bahn zur Sonne abzubringen: Die Terra 1 und 5 weitere Raumschiffe sollen mit Crews aus Grauen Treibern und den Veränderten um Queen Quendolain auf dem herannahenden Oxyd landen und versuchen, diesen entweder zurück in W II zu versetzen oder ihn zu zerstören.

 

DIE TERRANAUTEN – konzipiert von Thomas R. P. Mielke und Rolf W. Liersch und verfasst von einem Team aus Spitzen-Autoren – erschien in den Jahren von 1979 bis 81 mit 99 Heften und von 1981 bis 87 mit 18 Taschenbüchern im Bastei Verlag. 

Der Apex-Verlag veröffentlicht die legendäre Science-Fiction-Serie erstmals und exklusiv als E-Books.

  TODESZONE OXYD von Erno Fischer

 

 

 

 

  »Noch zwanzig Stunden, Lordoberst!«

Valdecs Kopf flog herum. Er fixierte den Grauen Treiber, der in der Tür stand.

»Nachrichten von der Erde?«

»Jawohl, Lordoberst! Es sieht schlecht aus. Die Berechnungen der Wissenschaftler sind abgeschlossen. In genau zwanzig Stunden wird der durch das Sonnensystem rasende Asteroid Oxyd die kritische Entfernung zur Erde erreichen. Er wird mit den ungeheuren Energien, die ihn begleiten, den Planeten Erde aus der Umlaufbahn reißen und...« 

Valdec winkte ab.

»Ersparen Sie mir die Einzelheiten! Gibt es noch etwas?«

»In diesem Zusammenhang? Ja, Lordoberst: Die Wissenschaftler lassen anfragen, ob sie ihren Posten verlassen dürfen. Mit Verlaub gesagt: Sie scheinen den Bemühungen von Forschungschef Homan, die Katastrophe doch noch aufzuhalten, nicht recht zu trauen!«

»Geben Sie mit Ihren Telepathen zur Erde durch, sie sollen noch aushalten, bis ein entsprechender Befehl von mir erfolgt. Es wäre zu früh, die Verbindungen zur Erde abreißen zu lassen.«

»Da wäre noch ein weiterer Punkt, Lordoberst!«

Valdec runzelte die Stirn. Irgendwie wirkte der Graue Treiber plötzlich verlegen. Er schien nach den richtigen Worten zu suchen.

»Ein Kurier, Lordoberst. Er erreichte vor einer halben Stunde die Erde und meldete Unruhen auf verschiedenen Kolonialwelten!« 

Valdec überlegte blitzschnell.

»Sorgen Sie dafür, dass diese Tatsachen dem Konzil bekannt werden. Verbreiten Sie das Gerücht, dass ich unterwegs sei, um Gegenmaßnahmen zu treffen.« 

Ausgerechnet jetzt werden die Kolonialwelten aufsässig, dachte Max von Valdec. Eine Katastrophe kommt selten allein. Trotzdem: Es ist nichts so schlecht, als dass es nicht auch zu etwas Gutem nütze wäre!

Das war sein Wahlspruch!

Der Graue Treiber salutierte und wandte sich zum Gehen. Offenbar war er mit dem Befehl Valdecs höchst zufrieden. Denn Valdec schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass Valdec und seine engsten Vertrauten vor der beginnenden Katastrophe geflohen seien. Sie hätten die Erde im Stich gelassen.

Dieses Gerücht stimmte!

Und Valdecs Gegengerücht, das ab sofort in Umlauf ging, würde ihn rechtfertigen!

Bedauerlich für Valdec war nur, dass er sich zurzeit überhaupt nicht um die Nachricht von den Unruhen kümmern konnte. Er musste dies verschieben.

Der Fortbestand der Erde stand auf dem Spiel. Das war dringlicher.

Er lehnte sich zurück und dachte an den ehemaligen Summacum Homan. Ein genialer Wissenschaftler, der einen neuartigen Transmitter auf der Basis der Kaiserkraft ausprobiert und damit die Oxyd-Katastrophe verursacht hatte. 

Max von Valdec erwog ernsthaft, die Forschung in Richtung Kaiserkrafttransmitter aufzugeben! Eine entsprechende Verlautbarung hatte er bereits zur Erde gesandt. Ihm blieben die Kaiserkraftraumschiffe.

Zunächst jedoch musste dies hier alles überstanden sein.

Valdec richtete sich auf und fragte in der Raumschiffzentrale nach. Es gab im Moment keine Störungen. Sie waren hier draußen, jenseits der Plutobahn, vor den gefährlichen Energien des entarteten Asteroiden völlig sicher. So behaupteten jedenfalls die Wissenschaftler.

Doch die vergangenen Ereignisse hatten deutlich genug gezeigt, dass diese Sicherheit mitunter trügerisch war.

Oxyd folgte seiner tödlichen Bahn – unaufhaltsam, wie es schien. Ein flammendes Feuermal, wie eine Miniatursonne. Ein Ding, das weder in diese noch in eine andere Welt passte. Energien aus Weltraum II, die unbegreiflich blieben und alles vernichten würden. In zwanzig Stunden!

Queen Quendolain erwachte schlagartig. Sie riss die Augen auf. Ihre Umgebung erschien merkwürdig vertraut. Das irritierte sie.

Die Queen hatte Mühe, sich zu erinnern. Etwas behinderte ihr Denken.

Wo bin ich?

Eine Frage, die sie nicht laut geäußert hatte. Trotzdem tauchte sofort über ihr ein Gesicht auf. Ein Mann. Kantige, fast brutale Züge. Der stahlgraue Blick hielt die Queen gefangen.

»An Bord der Terra I!«, sagte der Mann hart. 

Terra I? Mein Raumschiff! Queen Quendolain fuhr hoch. 

Das hätte sie besser nicht getan. Es war, als würde ihr jemand einen glühenden Draht durch die Wirbelsäule ziehen. »Was – was ist geschehen?«

Erst jetzt bemerkte sie die graue Uniform des Mannes. Auf der Brust war das Triadische Monochord eingestickt.

Ein Grauer Treiber – einer jener PSI-Begabten, die in der Polizeiarmee der Erde, den Grauen Garden, Dienst versahen!

Und mein Wächter! fügte Queen Quendolain in Gedanken hinzu. Jetzt konnte sie sich wieder erinnern. Noch einmal zogen die Ereignisse der letzten Tage – oder waren es nur Stunden? – an ihrem geistigen Auge vorbei wie ein Film: das Experiment! Summacum Homan war der Leiter des Forschungsprojektes. Er war der Experte, was Kaiserkrafttransmitter betraf. Ein Pulk von Raumschiffen erzeugte das Tor zum anderen Weltraum – auf der Bahn des Asteroiden Oxyd. Der grün schimmernde Gesteinsbrocken erreichte das Feld. Die Katastrophe! Ungeheure Energien wurden frei. Das Experiment entglitt der Kontrolle, Oxyd machte sich selbständig.

Oxyd verschwand in Weltraum II, aber nicht allein! Er nahm ein Raumschiff der Grauen Garden mit: die Terra I, unter dem Kommando von Queen Quendolain. Die Besatzung veränderte sich. Die Loge aus Grauen Treibern war plötzlich von Bord verschwunden. Die Besatzung entwickelte selber eine Art Treiberkraft. Die Konditionierung, die jedem Grauen zuteil wurde, wenn er in die Dienste der Garden trat, wirkte nicht mehr. Vereint in einer Art Loge setzten die ehemaligen Grauen ihre PSI-Kräfte ein und schafften die Rückkehr in den normalen Weltraum. 

Inzwischen war auch Oxyd zurückgekehrt – doch als eine tödliche Bedrohung. Jenseits des Sonnensystems materialisierte er. Nicht mehr schillernd grün, sondern als ein rotes Feuermal, auf ein Vielfaches seiner ehemaligen Größe angewachsen.

Denn Weltraum II hatte nicht nur die Besatzung der Terra I verändert! 

Die Besatzung der Terra wurde nicht gerade freudig empfangen. Sie galten jetzt als Entartete und Bedrohung der Garde. Summacum Homan schickte sie abermals in den Weltraum II – wohl, weil er annahm, dass sie dadurch wieder normal werden würden. Er irrte! Zwar war die. Grau-Treiber-Loge wieder an Bord, als das Raumschiff erneut auftauchte. Aber alle Grauen Treiber waren dem Wahnsinn verfallen, und die übrige Besatzung brachte man in die geheimen Labors auf den Mond. 

Ihre abermalige Flucht blieb erfolglos. Queen Quendolain und ihre Leute wurden wieder eingefangen.

Und jetzt war Queen Quendolain erwacht und wunderte sich, dass sie sich an Bord ihres eigenen Raumschiffs befinden sollte.

»Was hat das zu bedeuten?«

Der Graue Treiber grinste flüchtig. Dann wurde er wieder ernst – todernst.

»Sie werden es sehen, ehrwürdige Queen!«

»Reden Sie mich nicht mit ehrwürdiger Queen an!«, fauchte Quendolain. »Sie wissen genau, dass ich das nicht mehr bin. Ich bin Ihre Gefangene und wünsche Aufklärung.«

Der Graue hob die linke Augenbraue. Aber die harten Worte der ehemaligen Queen hatten ihn eingeschüchtert. Zugegeben, sie war seine Gefangene, doch der alte Respekt war noch da.

»Ich höre und gehorche, Queen Quendolain! Ich werde es Ihnen erklären: Sie fliegen heim!«

»Heim?«

»Unser Ziel ist Oxyd!«

»Oxyd?« Quendolain vergaß den – Schmerz, der durch ihre Glieder raste, als sie sich erhob. Wie mit Säure brannte sich dieses eine Wort in ihr Denken: »Oxyd!« Ja, das war tatsächlich eher ihre Heimat als die Erde, auf der sie das Licht der Welt erblickt hatte. Denn seit ihrem Aufenthalt in Weltraum II war alles anders geworden.

Queen Quendolain wusste, dass sie und ihre Leute zu einem Teil von Weltraum II geworden waren! 

Ihre Körper existierten hier, doch ihre Seelen gehörten nach drüben. Ihre Körper waren nicht mehr als nur Medien, die ihnen eine Art Doppelexistenz ermöglichten.

»Und Sie werden die Reise bis zum Ende mitmachen?«

Der Graue nickte.

»So ist es beschlossen. Homan hat es angeordnet, und er handelt im Sinne von Lordoberst Max von Valdec, dem Oberkommandierenden der Garde und Vorsitzenden des Konzils.«

Den langen Titel hättest du für dich behalten sollen, dachte die Queen. Es ärgert mich nur noch mehr.

Sie überlegte. Ganz so schlecht war diese Reise nicht.

»Gewissermaßen der Griff nach den letzten Strohhalmen vor der endgültigen Katastrophe für die Erde, wie?«

Der Graue überhörte diese Bemerkung einfach.

»Summacum Homan hat festgestellt, dass nur Treiber eine Möglichkeit haben, auf Oxyd zu landen – wenn überhaupt.«

»Und was sollen wir dort?«

Der Graue zuckte die Achseln.

»Wir sollen versuchen den Asteroiden mit unseren Treiberkräften nach Weltraum II zurückbefördern oder zu sprengen. Genaues weiß nur unsere kommandierende Queen.«

»Fünf Raumer auf dem Flug in den sicheren Tod!«

Der Graue verzog das Gesicht.

»Das klingt sehr pessimistisch, Queen! Sie waren doch schon auf Oxyd und haben es überlebt. Sie sind sogar aus Weltraum II zurückgekehrt.«

Queen Quendolain lachte auf. »Es ist nur die Wahrheit, mein Lieber – nur die Wahrheit. Doch betrifft sie mich erst in zweiter Linie. Ich brauche diesen Tod nicht zu fürchten, denn er ist für mich ein Wiederbeginn!«

Darauf bekam sie keine Entgegnung.

Sie lehnte sich vorsichtig zurück und schloss die Augen. Ihr Körper fühlte sich zerschlagen an. Auch ihr Geist war

beeinträchtigt. Man hatte sie wahrscheinlich mit Drogen vollgepumpt, damit sie ihre neu gewonnenen PSI-Fähigkeiten nicht einsetzen konnte.

Trotzdem wollte sie einen Versuch wagen.

Sie konzentrierte sich auf das Gesicht des grauen Bewachers. Man hatte für diese Aufgabe einen grauen Treiber eingesetzt. Das hatte zweierlei Gründe: Erstens machten sowieso nur Treiber diese Reise mit. Zweitens mussten die Gefangenen überwacht werden, damit sie nicht ihre PSI-Begabung einsetzen konnten.

Quendolains Geist griff nach dem Gehirn ihres Bewachers. Es war, als wären ihre psionischen Fühler abgeschnitten. Sie fühlte sich von einer schwarzen Mauer umgeben.

Doch die Queen konnte ihren Geist vom Körper lösen, bis nur noch eine dünne Verbindung blieb – wie eine Nabelschnur. Und je mehr sie sich löste, desto weniger wirkten die Drogen in ihrem Körper auf ihren Geist.

Das konnte ihr Bewacher nicht ahnen! Denn noch immer wurden sie eingeschätzt wie normale Treiber.

Und genau das waren sie nicht!

 

*

 

Sie versuchte es. Kaum war ihr Geist vom Körper getrennt, als sie sich befreit fühlte – befreit vom Nebel der Drogen, von den Schmerzen, die diese Drogen in ihrem Körper hervorriefen.

Sie konnte wieder klar denken.

Misstrauisch betrachtete der Graue Treiber den leblosen Körper der Queen. Er hatte etwas gespürt. Ein flüchtiger Hauch nur, mehr nicht. Wollte die Queen ihre Fähigkeiten einsetzen?

Auf einmal bezweifelte er, dass die Drogen ein wirksames Mittel waren, die Queen in ihrer Handlungsfreiheit einzuschränken.

Er kratzte sich am Hinterkopf.

»Queen Quendolain!«, fragte er vorsichtig. Mit seinen eigenen PSI-Sinnen bekam er keinen Kontakt zu der veränderten Grauen.

Die Queen hätte ihm antworten können. Sie »stand« direkt neben ihm, körperlos. Doch sie tat nichts in dieser Richtung. Langsam zog sie sich zurück.

»Queen Quendolain!«, wiederholte der Graue Treiber, schon weniger leise, erfüllt mit Sorge.

Die Queen wartete ab, ob sich die Situation so entwickelte, wie sie es hoffte. Wenn nicht, konnte sie sofort in ihren Körper zurückkehren. Ehe sie auslotete, ob es noch eine Fluchtmöglichkeit für sie gab, musste zunächst die Ahnungslosigkeit ihres direkten Bewachers gesichert sein. Gewiss stand der Graue Treiber ständig in Verbindung mit einer Loge, die notfalls eingreifen konnte, falls die Gefangenen einen Ausbruchsversuch wagten.

Der Graue Treiber beugte sich über die Reglose, fasste sie an den Schultern, rüttelte sie.

Kein Lebenszeichen.

»Queen!«, rief er eindringlich. Erwog er, ob er seine Loge verständigen sollte?

Er tastete nach ihrem Puls.

Der Graue Treiber atmete auf. Queen Quendolain lebte!

»Die Droge!«, murmelte er vor sich hin. »Offenbar hat sie versucht, sich dagegen aufzulehnen. Na, das wird ihr eine Lehre sein. Die Wirkung wird erst abklingen, kurz bevor wir unser Ziel erreicht haben. Denn dann müssen Gefangene und Bewacher zusammen handeln. Es gilt, zu überleben...« 

Queen Quendolain hatte genug gehört. Beruhigt schwebte ihr Bewusstsein zur Tür.

Das molekularverdichtete Material bildete keinen Widerstand. Sie schwebte hindurch.

Ein Hauptgang. Die Queen kannte sich auf ihrem eigenen Schiff gut aus. Sie wusste, wo es zur Zentrale ging. Doch diesen Weg schlug sie zunächst nicht ein. Sie wollte erst nach ihren Leuten sehen.

Befanden sich alle hier an Bord? Insgesamt hatten nur neun die Experimente in den geheimen Kaiser-Labors auf dem Mond überlebt. Nur ungern erinnerte sich die Queen daran, was sie dort mitgemacht hatten.

Vorsichtig näherte sie sich der nächsten Tür. Sie befand sich in dem Teil des Schiffes, in dem sich die Kabinen befanden.

Queen Quendolain passierte auf die gleiche ungewöhnliche Weise die Tür. Ein hell erleuchteter Raum. Vier Insassen – nein fünf! Zwei davon Graue Treiber als Bewacher, und drei aus der Besatzung der Terra I! 

Die Gefangenen schienen zu schlafen. Die Queen schwebte hinüber. Sehr vorsichtig musste sie sein. Die Bewacher waren auf der Hut.

Der Geist der Queen suchte den Kontakt zu den drei Gefangenen. Sofort wurde ihr Ruf erwidert! Queen? 

Ja, verhaltet euch ruhig! Haben die noch nicht bemerkt, dass ihr bei vollem Bewusstsein seid?

Nein, wir haben es für besser gehalten, die Schlafenden zu spielen!

Ausgezeichnet! Wartet auf meine Befehle!

Sie teilte ihnen mit, was sie inzwischen hatte in Erfahrung bringen können, und schloss: Die sollen nicht wissen, dass wir die Möglichkeit haben, uns von unserem Körper zu trennen! Sie wollen den Ausbruch wagen? Ich weiß es noch nicht! Bis später! Ohne eine Antwort abzuwarten, schwebte die Queen wieder hinaus. 

Sie fand nacheinander alle Überlebenden ihrer Besatzung und instruierte sie in der gleichen Weise.

Und dann näherte sie sich endlich der Zentrale. Schätzungsweise zwanzig Graue Treiber befanden sich an Bord.

Ein Todeskommando! dachte sie zerknirscht. Seit es die Kaiserkraft gibt, braucht man die Treiber nicht mehr! Auch die Grauen Treiber wurden entbehrlich. Jetzt sollen sie verheizt werden.

In der Zentrale herrschte rege Aktivität. Selbst der weibliche Kommandant war eine Treiberin. Man hatte sie in aller Eile in den Rang einer Queen erhoben. Vielleicht glaubte man, dass dadurch ihre Befehle mehr Gewicht hatten?

Ja, merkt ihr denn nicht, was hier mit euch geschieht?, dachte die Queen bestürzt. Aber nein, ihre Kameraden waren ja auf absoluten Gehorsam konditioniert. Zwar waren die Grauen Treiber nicht mittels einer Gehirnoperation konditioniert wie ihre Kollegen ohne PSI-Kräfte, aber es handelte sich um ausgesuchte Leute, die ihrem Oberkommando noch die Stange hielten, wenn es in den Tod ging. 

Der perfekte Mechanismus von Befehl und Gehorsam erschütterte sie und sie vergaß, dass sie selbst noch bis vor kurzer Zeit eine Queen der Grauen Garden gewesen war, die der gleichen Konditionierung folgen musste.

Das hatte sich erst durch den Aufenthalt in Weltraum II grundlegend geändert.

Queen Quendolain schwebte neben den Sitz der Kommandeuse. Gerade entstand eine Funkverbindung zum Schiff Homans. Der Summacum erschien persönlich auf dem Bildschirm. Sein hageres Gesicht war starr wie eine Maske. Die Augen allein schienen zu leben.

Quendolain betrachtete Homan und wusste nicht, ob sie Hass oder Bewunderung empfinden sollte. Summacum Homan war der Mann, der in der Kaiserkraftforschung für maßgebliche Erkenntnisse gesorgt hatte. Anfangs beschäftige man sich ausschließlich mit dem Bau von wirksamen Transmittern. Nach einer Reihe von Fehlschlägen kam man überein, sich mehr auf Raumschiffantriebe zu spezialisieren. Damit hatte man mehr Erfolg. Aber Homan setzte seine Transmitterversuche mit Valdecs Billigung unbeirrt fort.

Queen Quendolain wusste, dass Homan für die Oxyd-Katastrophe verantwortlich war, doch verspürte sie keinen Hass gegen diesen Mann. Homan war von seiner Wissenschaft besessen. Er würde

für seine Arbeit sterben, wenn das seinen Nachfolgern wichtige Erkenntnisse bringen konnte. Valdecs letzter Befehl an Homan lautete, alles zu versuchen, was in seiner Macht stand, um die Katastrophe aufzuhalten. Homan und seine Leute hatten nicht die Möglichkeit, rechtzeitig aus dem Sonnensystem zu verschwinden. Sie würden mit all den Millionen von Menschen untergehen, falls sie Oxyd nicht aufhalten konnten.

Queen Quendolain erwachte aus ihren Gedankengängen. Sie konzentrierte sich auf das Gespräch. Dabei sah und hörte sie besser, als wäre sie auf ihren Körper angewiesen. Natürlich hütete sie sich, die Gedanken der verhandelnden Queen anzuzapfen. Das würde zu gefährlich sein. Die Queen war eine Treiberin. Sie würde den Lauscher bemerken.

»Entfernung?«, schnarrte Homan.

Die Antwort der Queen blieb ungenau. Ohnedies wurden die Computerdaten automatisch an den Forschungsleiter übermittelt. Er wollte nicht damit gelangweilt werden.

»In einer halben Stunde erreichen wir den kritischen Bereich!«, antwortete sie.

Homan nickte ernst.

»In Ordnung. Schon Messergebnisse?«

»Nein! Es scheint die Anwesenheit von Oxyd gar nicht zu

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: Erno Fischer/Apex-Verlag. Published by arrangement with Thomas R. P. Mielke and Rolf W. Liersch.
Images: Christian Dörge/Apex-Graphixx. DIE TERRANAUTEN-Logo by Arndt Drechsler.
Cover: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Editing/Proofreading: Peter Sladek.
Layout: Apex-Verlag.
Publication Date: 01-25-2019
ISBN: 978-3-7438-9449-5

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