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Praktikum beim Pfandleihhaus Koskas in Dörnigheim

Der erste Tag im Pfandleihhaus war wahnsinnig spannend.

 

Ich war etwas aufgeregt, als ich heute morgen um 7 Uhr dort ankam.

Das Gatter war noch unten und so klingelte ich bei Koskas.

Ein etwas rundlicher, untersetzter Mann öffnete mir die Tür.

Seine Haare waren schwarz und standen kreuz und quer, als sei er gerade  aufgestanden.

" Du bist also der Neue?!" lautete seine Begrüßung . Ich nickte. "Ich bin Jascha, guten Morgen. "

"Na dann komm mal rein in die gute Stube. Ich denke wir können uns duzen. Ich bin Yannis.".

Nachdem er die Tür wieder verschlossen hat humpelte er vor mir durch einen langen, dunklen Flur.

" Ich bin noch nicht so weit, muss meinem Onkel noch das Frühstück runter bringen.

Der ist pflegebedürftig.

Vielleicht kannst du mir gerade helfen. Der Tee müsste noch in die Isolierkanne geschüttet werden und das 

helle Brot aufgeschnitten werden."

Ich kümmerte mich direkt um alles und folgte ihm mit Tee und Brot in den Keller.

In einem Rollstuhl saß ein alter Mann mit Nickelbrille. Seine paar Haare standen hoch.

Vielleicht liegt das Haarproblem in der Familie?

 

"Das ist der Neue, Jascha. Das ist Friedhelm. Er hört nicht gut. Wenn du mit ihm redest, stellst du dich am 

besten vor ihn, damit er von deinen Lippen lesen kann." "Ist gut".

 

Nachdem wir Friedhelm versorgt hatten ging Yannis schnell duschen.

Ich sollte unterdessen das Geschäft öffnen.

Das Gatter quitschte laut, als ich das Schloß abnahm und es hoch schob.

 

Es stand sogar schon Jemand vor der Tür. Nachdem ich aufgeschlossen habe kam eine etwa 14 jährige herein.

"Hallo, ich brauche dringend Geld für eine Bravo und eine Cola", was bekomme ich für die CD´s?"

Sie drückte mir 4 Bravohits in die Hand. Neu sahen die nicht aus, eher abgenutzt. Ob die noch liefen?

 Ich erklärte ihr, dass dies mein erster Tag sei und wir auf Herrn Koskas warten müssten.

Sie schaute sich um und lief zu einer Vitrine. "Cool, ist die echt?" sie zeigte auf eine Niketasche.

Ich zuckte mit den Schultern "Kann ich dir leider nicht sagen".

Yannis kam schwer atmend in den Raum. "Hallo Nele, brauchst du wieder Geld für die Bravo?"

Nele nickte, dass ihr blonden Zöpfe durch die Gegend wirbelten.

"Was hast du mir den dieses Mal mitgebracht?" Er nahm die CD`s von mir entgegen und begutachtete sie. 

"3 €" er schaute sie fragend an. Nele nickte. "

Nächste Woche bring ich dir die 3,50 €, wenn meine Oma da war."

Yannis lachte "Ist gut Mädchen, bis dann."

"Nele ist eine meiner Stammkundinnen. Alle 2 Wochen kommt sie rein.

Sie hat Sonderkonditionen. Hat es nicht leicht in der Schule.

Durch die Bravo hat sie einen besseren Status bei den Kindern" Ich nickte.

Nachdem noch 2 Kunden da waren fand er endlich Zeit mich in sein System einzuweisen.

Es gibt Kunden (die kommen das erste Mal),

Sonderkunden (Kinder und Rentner, die mindestens alle 2 Wochen vorstellig werden),

Lieblingskunden (sie zahlen keine Gebühr, versorgen Yannis aber mit selbergebackenem

und anderen Leckereien) sowie Ätzkunden (doppelte Gebühr).

Sein PC dampft aus den letzten Löchern. Nachdem er festgestellt hat,

dass ich recht versiert mit dem PC bin, hat er mir einen Laptop gebracht,

der nicht ausgelöst wurde. Meine erste Aufgabe war es nun, alle Daten des alten PC´s

auf den Laptop zu katapultieren. Da ich damit recht schnell fertig war legte ich in Excel diverse Listen an. 

Yannis staunte nicht schlecht, wie sämtliche Bücher von ihm in den PC gelistet wurden.

Nach 2 Stunden intensivem Training konnte er selbständig neue Datenblätter anlegen

und hatte sehr viel Spaß dabei.

"Heute ist ein ruhiger Tag" sagte Yannis gegen 15 Uhr " gleich gehen wir die Abläufer

vom Monat Juni durch. Ca. 15 Briefe müssen wir da schreiben.

So haben die Leute genug Zeit das Geld aufzutreiben. 

Nadja Orfels fand ich übrigends in der Liste der Einmalkunden. Daher die hohe Gebühr.

Leider standen nicht mehr Informationen dabei.

Ich wollte an diesem ersten Tag auch nicht zu neugierig in Bezug auf diesen speziellen Fall wirken.

Ich stellte dafür zu anderen Fällen jede Menge fragen, so dass Yannis übermorgen

oder sonstwann keinen Verdacht schöpfen würde, wenn ich ihn zu Nadja Orfels befragen werde.

Eigentlich hätte ich um halb vier Feierabend gehabt. da wir uns aber so nett unterhalten haben,

blieb ich zum Kaffee.

Diesen nahmen wir unten bei Onkel Friedhelm ein.

Wir berichteten ihm von den heutigen Fällen.

Friedhelm hat das Geschäft gegründet und kennt jeden Kunden.

In der Wand ist ein großer Bildschirm eingelassen.

Hier kann er alles sehen, was im Geschäftsraum von statten geht.

Friedhelm berichtete von den Anfangszeiten, wie die Leute verkleidet herein kamen ,

weil sie angst hatten erkannt zu werden. damals war es verpönt, seine Sachen zu versetzen.

Heute schert es wohl nicht mehr jeden, was die Leute denken. Es ist gang und gebe hier ein und aus zu gehen.

Manche kommen einfach der Gesellschaft wegen.

Bei Bedarf bekommt man sogar Tee und Pfefferminzplätzchen in der "Teestube".

Das ist eine kleine Ecke hinten im Raum mit Möbeln die auch nie abgeholt wurden.

2 rote Sessel und ein vergoldeter Tisch. 

 

Als ich nach Hause ging lies ich mir die Sonne auf das Gesicht scheinen.

In den Räumlichkeiten hatte man das tolle Wetter gar nicht wahr genommen.

Vielleicht sollte ich morgen die Fenster putzen?

 

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Publication Date: 04-22-2015

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Für Tutti

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