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3. Kapitel




William wollte nach dieser Aktion noch was essen gehen. Er meinte, wenn sie einen kleinen Umweg machen würden könnten sie noch was ordentliches zu Beißen bekommen. Er kannte da einen guten Laden, da war das Essen auf jeden Fall besser, als das Zeug aus dem Wohnheim.
Sie kamen zu einem kleinen Imbiss und setzten sich drinnen an einen Tisch am Fenster. Der Laden war im Stil der 50er eingerichtet. War sehr gemütlich, es herrschte eine fröhliche Stimmung vor.
William bestellte sich einen Hamburger und eine Portion Pommes, dazu noch eine Cola. Als Lys bestellen sollte wollte sie nichts. Sie war nicht hungrig, sie spürte nur wieder diesen entsetzlichen Durst, deshalb bestellte sie sich auch eine Cola.
William sah sie ungläubig an, als sie ihm sagte sie wolle nichts essen. Drängte sie aber auch nicht dazu etwas zu bestellen. Vielleicht hatte sie ja wirklich keinen Hunger.

Es dauerte eine Weile, bis das Essen serviert wurde, solange schwiegen sich die beiden an.
William betrachtete Lys verstohlen. Die Sonne ließ ihr fast schwarzes Haar in einem satten Nussbraun leuchten. Sie hatte ein zierliches rundes Gesicht das man fast als püppchenhaft bezeichnen hätte können. Ihre rehbraunen Augen waren überschattet von dichten langen Wimpern.
Als sie seinem Blick begegnete begann sein Puls erneut zu rasen. Dieses Mädchen hatte eine sehr seltsame Wirkung auf ihn. Sie war nicht wie die Mädchen, die er kannte. Die meisten der Studentinnen aus seinem Freundeskreis plapperten wild drauf los, wenn sie ihn sahen . Oder sie flirteten offen mit ihm. Lys tat nichts davon, und das machte ihn unsicher.

Lys fühlte sich als hätte sie einen Kloß im Hals. Sie schaute in seine kristallblauen Augen und ihr war, als könne sie seinen Herzschlag hören, der sich unter ihrem Blick beschleunigte. Gleichzeitig konnte sie ihr eigenes Blut in den Ohren rauschen hören. Es schnürte ihr die Kehle zu. Sie fühlte sich schwindelig. „Ich muss mal eben kurz zur Toilette,“ sagte sie und erhob sich, aber nach nur zwei Schritten sackten ihr die Beine weg. Erstaunt fand Lys sich in Williams Armen wieder.
Er war ihr nun so nah. Sie atmete seinen Duft ein und war wie berauscht.
„Geht es dir nicht gut? Soll ich dich zu einem Arzt bringen?“ Fragte William besorgt. Lys versuchte sich wieder aufzurichten und entgegnete“ Nein, ist schon gut mir ist nur etwas schwindelig, und ich habe so schrecklichen Durst.“
Sie befreite sich aus Williams Armen und stakste auf wackeligen Beinen zur Toilette.
Dort angekommen spritzte sie sich kaltes Wasser ins Gesicht. Sie sah sich im Spiegel an. Ihre Haut war noch blasser, ihre Augen noch roter geworden. Sie konnte sich das alles nicht erklären. Was ist nur los mit mir?


Es überkam sie wieder dieses Gefühl von Schwindel und Übelkeit. Und ihr Blick schien zu verschwimmen. Als Lys erneut in den Spiegel blickte erschrak sie.
Es war zwar ihr Spiegelbild , was sie da sah, doch schien es ein Eigenleben zu führen. Die Lys im Spiegel grinste sie unverhohlen an und entblößte dabei ihre perfekten weißen Zähne.
Doch bei genauerem Hinschauen waren die Zähne nicht so perfekt, wie es den Anschein hatte: Die Eckzähne waren zu lang und unnatürlich spitz. Plötzlich hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf. Es schien ihre eigene zu sein und doch war sie anders.

Wir wollen ihn. Wir haben Durst. Er ist süß.



Lys' Kehle war so trocken. Sie Nahm einen Schluck von dem Leitungswasser direkt aus dem Wasserhahn, nur um es vor Ekel wieder aus zu spucken.
Ihr Spiegelbild verzog vor Ekel das Gesicht und sah sie empört an.

Du weißt was wir wollen. Wir brauchen es. Du kannst es nicht verleugnen.



Lys sah sich selbst in die Augen. Ihr Spiegelbild schien sie zu hypnotisieren.
„NEIN!“




4. Kapitel



William machte sich bereits Sorgen um Lys und war ihr bis zum Flur gefolgt, der zu den Toiletten führte. Ein lautes Klirren riss ihn aus seinen Gedanken und er Folge diesem Geräusch, bis zur Damentoilette.
Er hämmerte gegen die Tür „Lys?! Alles in Ordnung?!“
Ohne nach zu denken öffnete er die Tür und erschrak: Lys hatte mit der Faust den Spiegel zerschlagen und nun waren überall Glassplitter.
Sie kniete auf dem Boden und hielt sich wimmernd den Kopf. William setzte sich zu ihr und nahm sie in den Arm. „Was ist denn passiert?“ fragte er.
„Ich....,“ schluchzte sie. Ich kann ihm unmöglich erklären, was gerade passiert ist! Ich glaub es ja selber nicht! Ich glaube ich werde verrückt !?


„Zeig mal her,“ meinte er und nahm sich ihre Hand um sie sich genauer anzusehen. Es steckten noch ein paar kleine Splitter darin, sie musste ordentlich zugeschlagen zu haben.

Sie lehnte ihren Kopf an seine Brust und atmete tief ein. Im Moment fühlte sie sich sicher.
Sie konnte seinen Herzschlag hören und schloss erschöpft die Augen.
William versuchte sein Gewicht zu verlagern ,und ich neben sie zu setzen, dabei stützte er sich mit der linken Hand auf.
„Autsch!“
Lys öffnete blitzartig die Augen. William hatte sich an einer Spiegelscherbe geschnitten.
„Jetzt haben wir beide eine verletzte Hand,“ scherzte er und hielt ihr seine hin.
Sie beobachtete wie langsam das dunkle, fast schwarze Blut aus dem Schnitt quoll. Sie konnte es riechen. Es roch nach Eisen.
Sie streckte ihre unverletzte Hand nach seiner aus und spürte eine seltsame Wärme in sich aufsteigen. Sie nahm seine blutende Hand in ihre „ Es tut mir leid,“ flüsterte sie.
„Ist ja nicht so schlimm. Ich hoffe nur, dass es nicht genäht werden muss. Ich hasse Nadeln musst du wissen,“ lachte er.
Sie hörte nicht, was er sagte. Ihre Aufmerksamkeit war einzig auf seine Hand gerichtet, und sie zog sie immer näher zu sich heran.
Sie wurde aus ihrer Trance gerissen,als er sie mit sich auf die Füße zog. „Ich glaube,wir gehen jetzt erst mal zu einem Arzt, der uns wieder zusammenflickt.“
Sie konnte an nichts anderes denken, als an sein Blut, welches nun an ihrer Hand klebte, mit welcher sie seine hielt.
William entzog ihr sacht seine verletzte Hand und nahm sie an die andere Hand. Dann führte er sie aus der Toilette zurück in den Imbiss.
Sie hörte nur wie aus weiter ferne seine Stimme, wie er mit dem Besitzer des Ladens sprach und sich für den Spiegel entschuldigte, es wäre ein Unfall gewesen.

Als sie dann auf die Straße gingen ließ er ihre Hand los um mit seinem Handy zu telefonieren. Er drehte ihr dabei den Rücken zu.
Sie kaute nervös an ihren Nägeln. Dabei schmeckte sie Williams Blut, welches noch an ihrer Hand klebte und gerade trocknete. Lys fühlte wieder diesen Schmerz in ihrem Kiefer, ihre Zähne taten weh und als sie mit ihren Fingern danach tastete, erschrak sie. Ihre Eckzähne waren länger und spitzer als gewöhnlich, wie bei ihrem Spiegelbild vor wenigen Minuten. Lys hielt sich die Hand vor den Mund und wusste nicht was sie tun sollte, was war nur mit ihr los? Sie fühlte ein seltsames Verlangen in sich wachsen. Aufmerksam beobachtete sie William, wie seine Haut im Sonnenlicht leuchtete, wie sein Kehlkopf sich beim sprechen bewegte. Alles um sie herum war unwichtig. Das einzige, was sie jetzt noch hörte war sein Herzschlag, während sie langsam auf ihn zuging.

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Publication Date: 09-23-2011

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