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1. Kapitel

An einem sonnigen Morgen in Wien, Stephansplatz, im Wonnemonat Mai. Noch herrschte nicht die übliche Geschäftigkeit an diesem sonst so menschenüberfüllten Ort rund um den Stephansdom, einer Touristenattraktion schlechthin, verbunden mit den in Wien teuersten und nobelsten Geschäften. Da die zugehörige Fußgängerzone Werktags für Lieferanten immer bis 9.00 offen war. Kurvten einige Lieferwagen herum, die Zustellungen an die einzelnen Geschäfte erledigten.

Peter Steininger war ja auch schon unterwegs. Eine erbärmlich aussehende Gestalt, um die, die meisten Leute immer einen Bogen machten. Stadtstreicher gehören eben nicht zur Gesellschaft, die Otto Normalbürger dringend suchte.

Peter sah ja auch ziemlich zerknittert aus in seinem Outfit, dass er unlängst in der „Gruft“, dem allseits stadtbekannten Obdachlosenasyl der Caritas, zum Nulltarif ergatterte. Sein Blick war müde, der Gang schleppend. Dies wunderte ihn aber auch nicht, denn die unruhige vergangene Nacht verbrachte er in einer U-Bahnstation.

Er musste gleich dreimal umziehen, da Polizeistreifenbeamte seine Anwesenheit dort nicht duldeten. So war eben an eine geruhsame Nacht einfach nicht zu denken gewesen. Sein Magen knurrte und walkte unablässig: Seine letzte warme Mahlzeit lag ja schon einige Zeit zurück. Die Zunge klebte ihm vor Durst am Gaumen. Ein Griff in die Taschen des viel zu großen Anorak, förderten etwas Kleingeld hervor. Die „Volkszählung“ vor einem teuer anmutendem Geschäft, in dessen überdachten Portal er den Kassasturz erledigte, brachte gerade mal 5 Euro neunzig zu Tage.

Während er noch zielstrebig eine Seitengasse ansteuerte. Rechnete er sich schnell aus, dass er sich hier mit diesem Betrag gerade mal einen Kaffee leisten könnte. Eventuell ginge sich dazu auch noch eine Buttersemmel aus. Allerdings nur bei Eduscho, wo man immer hastig an Stehtischen konsumieren müsste.

In dieser Gasse befand sich auch ein Restaurant, das erst so gegen 10.00 Uhr den Betrieb aufnahm, davor die Reinemacherfrau Dienst tat. Er durfte dort auch immer die Toilette benützen.

Sie legte ihm immer Handtücher und Seife bereit, damit er sich wenigstens etwas waschen konnte. Ludmilla die Bedienerin, stammte aus Bratislava. War auch eine der wenigen, die sich nicht daran stieß, dass es eben auch Menschen gab, die nicht gerade auf der Butterseite des Lebens wandelten.

So gab sie ihm auch des Öfteren, aus ihrer mitgebrachten Thermosflasche, etwas Kaffee ab, dazu das eine oder andere Käse- oder Wurstbrot. Ein besonderes Highlight waren immer die Dienstage, da hatte nämlich das Restaurant Ruhetag. Wohl sehr zum Leidwesen der vielen Büroangestellten, die hier täglich ihren Mittagstisch einnahmen und sich an diesem Tag eben woanders verköstigen mussten.

Ludmilla nützte die Dienstage immer, da ja sonst niemand anderer im Lokal anwesend war, Peter in der Küche etwas Warmes herzurichten, während dessen er am WC seine Morgentoilette verrichtete. Spiegeleier mit Speck, oder Palatschinken waren da meistens drin.

Heute war ja einer dieser „glücklichen“ Tage, so rechnete sich Peter aus, wenn alles klappen würde wie bisher, das Geld sparen zu können. Sich lieber eine Packung Zigarettentabak, dazu Zigarettenpapier zu besorgen, um sich seine „selbstgedrehten“ anzufertigen. Vielleicht gäbe ihm der Trafikant seines Vertrauens auch noch ein paar Packerln mit Probezigaretten, die der natürlich von den Tabakfirmen immer kostenlos bekam. Diese Visionen brachten ihm schon eine etwas bessere Laune, auch etwas Licht ins trübe Dasein.

Das Glück war ihm ja auch heute wieder hold. Denn, als er um die Ecke kam, sah er Ludmillas Fahrrad am Hydraten angekettet, der Visavis des Eingangs des Restaurants prangte. Nachdem alles so wie sonst immer abgelaufen war, Peter sich restaurierte, Kaffee und Wurstbrot zu sich genommen hatte. Ludmilla ihm zum Abschied noch einen 5 Euroschein in die Hand drückte, marschierte er wieder gemütlich zurück zum Stephansplatz, um dort endlich eine Trafik aufzusuchen. Sich zumindest die Wochenration an Tabakwaren zu besorgen.

Als, er an der U-Bahnstation Stephansplatz vorbeikam, sah er ihn wie schon so oft an der Begrenzungsmauer des Abganges stehen, einen jungen Mann, so um die geschätzten 25, sehr schlank, schwarzhaarig und großgewachsen. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen und geschulterter Violine, mit der er gerade Wienerlieder zum Besten gab. Vor dem Jüngling lag ein aufgeklappter Violinkoffer, in dem sich ein paar Münzen verloren langweilten.

Einige Leute standen herum und hörten ihm zu, als „Fein, fein, schmeckt uns der Wein“ erklang und zwei Straßenkehrer der MA 48 (Magistratsabteilung, die für die Müllabfuhr zuständig ist) in ihren knallroten Monturen mit summten, sich wahrscheinlich viel lieber beim Heurigen sehen würden, als hier herumzustehen und danach wieder den großen Platz säubern zu müssen.

Peter gesellte sich gleich in die Runde der „Musikfreunde“, die ihm alle sofort großzügig Platz machten. Er lauschte den lieblichen Klängen und was er hörte, gefiel ihm. Der Junge zwinkerte ihm während des Spiels zu, Peter nickte zum Zeichen dass er verstand. Dann wechselte der Künstler kurzerhand das Genre und ließ plötzlich die „Lerche“, dem sehr bekannten Stück, das hauptsächlich von Zigeunern gespielt wird, gefühlvoll auf seinem Instrument erklingen.

Mit geschlossenen Augen, die Miene voller entrückter Verzückung, spielte er das für Violine geradezu prädestinierte Stück, voller Hingabe. So, dass Peter dabei geradezu eine Gänsehaut verspürte. Der frenetische Applaus nach dem Stück bewies, dass es den Umstehenden auch sehr gefallen und wohl genauso ergangen war. Einige Münzen flogen dann in den Violinkoffer. Der junge Mann verneigte sich tief zum Zeichen des Dankes. Anschließend gingen einige Leute wieder weiter, vermutlich um endlich ihre Arbeitsplätze aufzusuchen.

Peter kramte hastig ein paar Münzen hervor und beförderte sie in den Koffer. Dabei sah er am Ende des Platzes plötzlich zwei weiße Kappen. Die zielstrebig auf sie zusteuerten. Leise zischte er dem Jungen zu, „ Janos, mach sofort dicht, die Kieberer (Polizisten) sind schon wieder im Anmarsch!“

Im Nu war die Violine im Koffer und Peter gleich mitsamt dem Künstler, hastig unterwegs, die Treppen runter zur U-Bahn. Eine U-Bahngarnitur kam Sekunden später angerattert, beide sprangen flott hinein. Der Zug war schon wieder in Bewegung, als sie die verdutzten Gesichter der beiden Polizisten am Perron immer kleiner werdend verschwinden sahen.

Janos grinste Peter an und sagte,

»Uff, oh man, das war aber wieder ganz knapp. Zum Glück hast du sie ja noch rechtzeitig gesehen, danke dir!«

Sie hatten eine U-Bahngarnitur erwischt die Richtung Westbahnhof fuhr. Machten sich inzwischen auch aus, dort gleich auszusteigen. Sich einen guten Platz zu suchen, dort gemeinsam etwas zu trinken. Peter kannte Janos, er traf ihn ja öfters am Stephansplatz oder auf der Kärtnerstraße, wo Janos an Schönwetter Tagen immer aufspielte. Um sich das Geld, dass er ja fürs Jura Studium so dringend brauchte zu verdienen.

In der Bahnhofshalle herrschte geschäftiges Treiben, alle Arten Reisender waren eifrig unterwegs, die Züge rechtzeitig zu erreichen. Vor den Fahrkartenschaltern drängten sich schlangestehend die Menschen. Eine Lautsprecherdurchsage jagte die andere. Auf einer großen Anzeigetafel rotierten die Zahlen, um die Abfahrt oder Ankunft der Züge auch optisch zu vermitteln.

An einem der zahlreichen Kioske lehnte ein alter weißhaariger Mann, in der Hand eine Gösser Bierdose, er winkte ihnen gleich. Sie steuerten auf ihn zu.

»Servus, ihr zwei, habt ihr auch schon Durst? kommt’s trinkts was! Geht eh auf mich! Hab nämlich vorhin einen pfundigen Riss (gutes Geschäft) mit Japanern gemacht«, grinste dabei und bestellte dann auch gleich zwei weitere Bierdosen bei der Kioskbedienung.

Peter kannte diesen Mann, der sich damit verdingte, von Touristen öfters abgelichtet zu werden, dabei stets fotogen in die Linsen lächelte. So in der Art, wie es die Clochards in Paris immer gerne taten.

Sein bevorzugtes Revier dazu, war ja meist das Schloss Schönbrunn, weil es von Touristen dort nur so strotzte. Sein zweiter „Arbeitsplatz“ war eben auch der Westbahnhof. Den ja auch viele japanische Touristen frequentierten, denen der Finger immer sehr locker am Auslöseknopf ihrer Kameras saß und für einen lohnenswerten Schnappschuss auch immer etwas springen ließen.

»Janos, sag mal, was machst du denn um diese Zeit am Westbahnhof?«, wollte der Weißhaarige verschmitzt lächelnd wissen.

»Das war nämlich so«, antwortete der befragte. »Ich hatte meine Geige von einem Freund abgeholt. Einem gelernten Instrumentenbauer, der mir ein paar Kleinigkeiten daran reparierte. Da wollte ich das gute Stück natürlich auch gleich ausprobieren. Klappte anfangs auch alles, war perfekt repariert und gestimmt. Ich spielte eben so vor mich hin. Peter kam dann dazu, er hört ja die Lerche so gerne. Irgendwann tauchten dann plötzlich aus heiterem Himmel die Kieberer (Polizisten) auf, wir mussten uns dann leider ganz flott verabschieden.«

»Verstehe!«, brummte der Weißhaarige missmutig, »seitdem die MA 36 neuerdings diese dämlichen Platzkarten vergibt, ist es ja um die Straßenkunst in Wien wirklich ganz traurig bestellt.«

»Das kannst du wohl laut sagen«, sprach Janos, »wo sind denn die alten Zeiten geblieben, als die Fuzo beim Steffl noch eine richtige Attraktion war. Heutzutage ist ja dort eh nur mehr tote Hose.«

»Ja, Hauptsache es gibt keine großen Menschenansammlungen mehr. Es genügt anscheinend, dass die neureichen Russen tagsüber die teuren Läden stürmen, wie die Wilden einkaufen, sich danach in den Flieger setzen und gleich wieder abhauen.«

»Ja, anscheinend ist es so. Den Stadtvätern und dem Magistrat ist es doch vollkommen wurscht, dass viele „Künstler“ jetzt schauen müssen wo sie ab bleiben. Den Kieberer (Polizisten) macht es anscheinend auch viel Spaß, jene zu jagen, die sich mit den neuen Vorschriften nicht abfinden können«, meinte Janos verzagt dreinblickend.

Peter nahm einen kräftigen Schluck aus der Dose und mischte sich dann ein, »Was soll's wir können es ja eh nicht ändern. Die Geschäftsleute auch die paar Anrainer in der Fuzo, haben eben mit ihren Vetos einfach gewonnen.«

»Na ja, einerseits verstehe ich's ja schon, dass man hart durchgreifen musste. Seit neuerdings diese „Hütchenspieler“, die Leute ganz brutal abgezockt haben. Nicht zu vergessen die vielen Taschendiebstähle die es in letzter Zeit immer gab«, meinte der Weißhaarige dazu.

Ehe die Diskussion fortgesetzt werden konnte, hörte man plötzlich eine Frau hysterisch laut HILFEEE...!, haltet den Dieb !, schreien. Peter blickte sofort in die Richtung des Geschreis, sah wie ein langhaariger junger Typ, mit an den Körper gepresster Handtasche, lief als ginge es um sein Leben. Der Mann kam auf den Kiosk zu gestürmt und wollte in Richtung des Ausganges daran vorbeilaufen. Peter machte schnell einen Schritt zur Seite, stellte dabei dem hastenden ein Bein, so dass der gleich stolperte und eine Bauchlandung machte. Die Handtasche flog dabei in hohem Bogen davon.

Peter und Janos nahmen den Kerl dann gleich in den Schwitzkasten, der sich mit all seinen verfügbaren Kräften dagegen wehrte. Aber Janos hatte ihn fest im Griff. Peter packte den Kerl dann unsanft am Kragen, zischte ihm zu, »Mach keine Fisimatenten Junge! Sonst gibt’s was auf die Glocke«, seine Miene verriet, dass er es auch so meinte. Der Weißhaarige hatte zwischenzeitlich die Handtasche requiriert und stand abwartend da. Inzwischen war auch die Frau etwas außer Puste angekommen und schimpfte laut, »Ah, so eine Frechheit! Dieser Kerl hat mir die Tasche einfach brutal aus der Hand gerissen und ist einfach weggerannt. Aber zum Glück gibt es hier ja noch richtige Männer!«

Nun war auch schon ein Polizist eingetroffen, der den Jungen übernahm. Mit einer Hand hielt er den Mann am Ärmel fest und mit der anderen fischte er gerade sein Funkgerät aus der Brusttasche. Noch bevor der aber noch einen Ton rein sprechen konnte, gab ihm der Junge einen festen Tritt und wollte sich losreißen. Das war natürlich wieder das Signal für Janos und Peter sich der Sache neuerlich anzunehmen.

Ein kurzes Gerangel entstand unter den drei Beteiligten, mit dem Ergebnis, dass der Junge nun mit dem Gesicht zu den Bodenfliesen gewandt endgültig am Boden lag. Janos blutete aber aus der Nase und kniete mit Peter gemeinsam auf dessen Rücken, während der Polizist ihm hinterrücks Handschellen anlegte, dabei wetterte, »Jetzt ist aber Schluss mit lustig, verstanden?«

Der Polizist erhob sich wieder, sagte zu den inzwischen Umstehenden Gaffern, »Also, meine Herrschaften, bitte weiter gehen! Hier gibt es gleich nichts mehr zu sehen.« Peter hatte den Jungen inzwischen wieder auf die Beine gestellt und hielt ihn eisern fest, während die Frau und der Weißhaarige mit Papiertaschentüchern versuchten Janos ziemlich stark blutende Nase zu verarzten. Der Polizist hatte es inzwischen geschafft über Funk Verstärkung anzufordern und vorsorglich auch gleich eine Ambulanz der Wiener Rettung alarmiert.

Die herbeigerufene Funkstreifenbesatzung bugsierte dann den Übeltäter etwas unsanft zum Ausgang, um ihn zum Polizeirevier abzutransportieren. Ein Notfallsanitäter sprach dann den Verdacht aus, dass Janos wahrscheinlich einen Nasenbeinbruch davon getragen hatte und empfahl ihm dringend, ins Krankenhaus mitzufahren. Der als erster angekommene Polizist stand gleich im Stress die Personalien der Frau und der anderen Beteiligten zu notieren.

Besann sich aber dann gleich eines besseren und empfahl der Frau, zusammen mit dem Weißhaarigen, zum Polizeirevier zu fahren um dort die Zeugenprotokolle aufnehmen zu lassen.

Peter entschied sich mit Janos in der Ambulanz mitzufahren und nach der Behandlung sich mit ihm zusammen auf dem Revier zu melden. Womit der Polizist auch gleich einverstanden war.

Die Ambulanz steuerte dann das Lorenz Böhler Krankenhaus an, auch bekannt als Unfallspital. Wo man Janos gleich in der Notfallaufnahme abgab. Peter durfte gleich im Warteraum Platz nehmen und vertiefte sich inzwischen in eine der aufliegenden Gratiszeitungen, die dort immer bereit gehalten wurden.

In der Wartezone herrschte wie immer ziemlicher Andrang. Jede Menge wartender, mit allen möglichen Verbänden ausgestatteter Leute warteten ungeduldig darauf endlich aufgerufen zu werden. Zumal hier ja auch gleichzeitig die ambulante Nachsorge stattfand. Peter war, durch den ganzen Vorfall eigentlich gar nicht in der Lage, sich richtig auf die Schlagzeilen in der Zeitung konzentrieren zu können und legte die kurzerhand beiseite.

Dachte sich dabei, na ja heute ist wieder mal so ein beschissener Tag, wo man nicht einmal in Ruhe sein Bier trinken kann. Andererseits kam ihm erst jetzt so richtig zum Bewusstsein, dass er persönlich nun in einer ziemlich prekären Lage steckte. Denn er hatte dem Kerl einen ziemlich festen Kinnhaken verpasst, dass dessen Kiefer nur so knirschte, damit letztendlich ermöglichte, dass der Mann endgültig zu Boden ging. Wenn der das nun zu Protokoll gab und damit rechnete er ja fest, würde es auch bedeuten, dass er sich eine Körperverletzungsanzeige einheimsen würde.

Genau das war es, was er aber am allerwenigsten bräuchte. Bei seinem umfangreichen Vorstrafenregister, vor allem, bei der immer noch laufenden Bewährungszeit, würde wohl kein Richter der Welt ein Auge zudrücken. Also muss dir schon etwas Gutes einfallen, wie du den Kopf aus der Schlinge ziehst, dachte er sich und überlegte krampfhaft. Warum muss der blöde Kerl auch ausgerechnet jetzt seine Untaten begehen. Wo doch die angenehme Jahreszeit bevorsteht und man sie auch, sogar als Obdachloser, auskosten kann. Im Winter sähe die ganze Angelegenheit ja schon wesentlich anders aus. Ein paar Wochen Kost und warmes Quartier auf Staatskosten, wären ja dann auch gerade nicht zu verachten, sagte er sich.

Während in seinen grauen Zellen die Gedanken nur so flogen, kam Janos plötzlich auf ihn zu. Mit dick verpflasteter Nase und einem purpur schimmernden verschwollenen linken Auge.

»Na altes Haus, wie geht es dir?«, wollte Peter wissen und sah ihn dabei mitleidig an.

»Ich muss jetzt noch rüber zum Röntgen, der Arzt will ganz auf Nummer sicher gehen, aber das dauert bestimmt wieder«, meinte Janos.

»Also, mir macht es ja eh nix aus, ich habe alle Zeit der Welt«, grunzte Peter zurück.

»Weißt was, wir gehen jetzt einfach rüber in die Cafeteria und trinken was. Ich bezahle, den Aufruf hör ich dort auch über den Lautsprecher, ok?«, Janos überkam ein mildes Lächeln, außerdem bewachst du meine „Stradivari“, dabei grinste er schelmisch soweit ihm dies möglich schien.

Sie saßen dann dort, bei zwei „großen braunen“ mit Doppelzucker. Während Janos bedächtig den Kaffee schlürfte, sagte Peter,

»Ich glaube es ist gar keine so gute Idee, wenn ich zum Revier mitkomme«

»Hmm«, meinte Janos, »so was ähnliches dachte ich mir eigentlich auch schon. Schließlich musstest du ziemlich fest zuschlagen, oder? So wie ich diese Typen kenne, hängen die so was immer gleich an die große Glocke und dann gibt es womöglich ungeahnte Schwierigkeiten«, Janos nahm einen Schluck und sagte dann, »Ich werde denen einfach sagen, dass du nach meiner Einlieferung ins Spital abgehauen bist. Wer du bist, weiß ich nicht. Wir haben uns heute das erste Mal getroffen, den Weißkopfadler impfe ich auch noch, der hat ja ein Handy.«

»Das ist gut, erspart mir sicher so einiges an Ärger. Das hat man nun davon, wenn man helfen will. Jetzt kann ich ja auch gut verstehen, warum so viele Leute, bei solchen Anlässen immer einfach nichts tun und viel lieber wegschauen.«

2. Kapitel

Peter hatte das Lorenz Böhler Spital verlassen, nachdem Janos im Röntgentrakt verschwunden war. Ausgemacht war, dass sie sich demnächst einmal in der Innenstadt treffen würden. Denn Janos war ganz zuversichtlich irgendwann einmal doch noch eine Lizenz für die Kärtnerstraße zu bekommen. Um dort sozusagen mit amtlichen Sanctus ausgestattet unbehelligt seine musikalischen Darbietungen zum Besten geben zu dürfen.

Mittlerweile war es schon später Nachmittag geworden und Peters Magen meldete sich mit untrüglichem Hungergefühl. Nun war guter Rat teuer. Sollte er den verbliebenen Restbetrag für eine Mahlzeit investieren?, oder doch lieber für Rauchwaren ausgeben?. Sein Magen signalisierte nur Einverständnis mit dem ersten Gedanken. Anderseits war er aber schon derart Nikotinsüchtig, dass er manches mal sogar Kippen verarbeitete, um die Abhängigkeit überhaupt in den Griff zu bekommen.

Dazu kam natürlich auch noch die Frage, wo er heute überhaupt schlafen könnte. Zur Auswahl stand ja nicht sehr viel. Es war zwar tagsüber schon ziemlich angenehm warm, doch die Nächte konnten schon noch ziemlich bissig sein. Im vergangen strengen Winter hatte er sehr oft in der Gruft übernachten müssen. Allerdings hasste er es immer dorthin zu gehen, aber bei Minusgraden blieb ihm oft auch gar keine andere Wahl, wollte er im Freien nicht erfrieren.

In der erträglichen Jahreszeit schlief er meistens irgendwo in Parkanlagen oder in den Donau Auen, ausgerüstet mit einem Schlafsack, so wie ihn die Alpinisten verwenden. Im Sommer meistens auf der sogenannten „Donauinsel“, dem Wiener Freizeit Paradies schlechthin, wo es sogar öffentliche WC Anlagen gibt. Außerdem durch die U-Bahn leicht zu erreichen, da er auch im Besitze einer Jahreskarte für öffentliche Verkehrsmittel ist, die vom Fürsorgeamt für Bedürftige kostenlos ausgeben wird. Dort fühlte er sich eigentlich immer am wohlsten, viel Freiraum, gute Bademöglichkeiten. Von den dort tätigen Anglern war oft die eine oder andere Zigarette, manchmal sogar Verpflegung zu ergattern. Fachsimpeleien über den Angelsport ließen ihn auch öfters sogar seine Misere vergessen.

Da es dort auch einen FKK Bereich gab, brauchte er sich um die neueste Bademode auch nicht zu kümmern. Oft erfreute ihn auch der Anblick textilfreier holder Weiblichkeit, die sich hier Scharenweise tummelte. Da die meisten Amazonen hier mit dem Fahrrad eintrudelten und deren Drahtesel sich oft in einem sehr desolaten technischen Zustand befand. Peter aber sehr geschickt in technischen Dingen war, konnte er ja oft helfen. So mancher Amazone, den fahrbaren Untersatz wieder in Ordnung bringen, was ihm wiederum so manches Lob, mit gleichzeitiger Einladung zu einem Essen in einem der hier zahllosen Strandgastwirtschaften einbrachte.

Auch waren so manche im FKK Bereich allein auftretende Frauen gar nicht abgeneigt, sich mit ihm zu unterhalten. Denn viele FKK Anhängerinnen, nützte den freien Tag, als Kellnerin oder ähnlichen Berufen, wo es mitten unter der Woche einen freien Tag gibt, sich bei Schönwetter nahtlos bräunen zu lassen. Ohne dafür ein Schweinegeld für meist ungesunde Bräune aus dem faden Sonnenstudio ausgeben zu müssen.

Nun ist es einmal so, dass nackte Menschen optisch alle gleich aussehen. Man eben nicht sofort auf den ersten Blick erkennen kann, welcher sozialen Schicht die angehören. Den eingefleischten FKK Anhängern ist dies meistens sowieso vollkommen egal. Zudem diese Form seines Erachtens ohnehin zu der unerotischen zählt, da es ja keinen Spielraum für Fantasie gibt. Weil sowieso alles ungeschönt sichtbar ist. Es stört meist auch in keiner Weise, ob nun jemand die Model Figur hat oder eher durch Alter, den Lebensumständen schon etwas deformiert ist. Peter punktete immer durch seine schlanke, sportliche Figur, der nahtlosen Bräunung, die er trotz seines Alters von 48 Jahren aufrechterhalten konnte. Dazu mit dem ihm eigenen Wortwitz und freundlichen Umgang mit anderen. Da er eigentlich niemanden außer sich selbst für sein Schicksal verantwortlich sah.

Sein Magen holte ihn wieder aus den Gedanken und walkte ungeduldig. Den beruhigte er kurzerhand mit einem knusprigen Salzstangerl aus einer Bäckerei an der er vorbeiging. Mehr konnte er im Moment nicht für ihn tun, sonst ginge sich das Projekt mit dem Tabak nicht mehr aus. So betrat er erwartungsvoll eine Trafik (Tabakgeschäft) musste sich aber hinten anstellen, da einige Leute schon warteten. Der Trafikant hatte gerade alle Hände voll zu tun und bediente den Lotto terminal, der anscheinend ziemlich überlastet schien, da der Mann schon leise vor sich hin fluchte.

Auf einer kleinen Tafel sah er, dass ein fünffach Jackpot darauf wartete endlich geknackt zu werden. In dicken schwarzen Zahlen stand die zu erwartete Summe angeschrieben, sage und schreibe waren 12 Millionen Euro oder mehr angekündigt. Jetzt verstand Peter auch den Andrang hier im Laden. Denn viele Leute spielen eigentlich nur dann, wenn es höhere Summen zu gewinnen gibt. Bedient wurde gerade, eine reifere, sehr aufgetakelte Dame, die einen vollen Schein als sogenannten Quicktipp orderte. Der weile der Trafikant an dem Terminal herum tippte, suchte sich Madame noch einige Hochglanz Modezeitschriften aus und hüpfte schon nervös von einem Bein aufs andere, da es ihr anscheinend schon viel zu langsam ging.

Sie stünde mit ihrem Cabrio in der Kurzparkzone und die Zeit wäre schon länger abgelaufen, jammerte sie den Trafikanten an. -Jo, Gnä Frau, es geht eben heid ned so schnö,- konterte der, -hams hoit no a bissl geduid- (Ja Gnädige Frau, es geht eben heute nicht so schnell, haben Sie halt noch ein bisschen Geduld)

Pikiert zischte sie zurück, »Wegen des Kasterl da, werde ich mir wohl noch ein Strafmandat einfangen, unerhört!«

Endlich piepste der Terminal und spukte den Lottoschein aus, der Trafikant legte ihn der Dame vor, die raffte ihre Modezeitungen zusammen, kramte in ihrer Handtasche nach dem Portemonnaie, der Mann tippte an der Registrierkasse, sie zahlte und stolzierte dann hoch erhobenen Hauptes von dannen. Endlich war Peter dran, nahm seinen Tabak und das Zigarettenpapier in Empfang und zahlte genau passend, denn er kannte ja die Preise auswendig.

Der Trafikant sah plötzlich den von der Dame vergessenen Lottoschein auf dem Pult. Sah Peter bittend an und sagte, »De Oide hot den Schein vagessn, so a Funzn*, mi do unta Druck setzen und daun a glei davo ziagn! Herns, kenntens ihr ned noch gehn? I kau jo ned ausse, seins bittschee so guad« (Die Alte hat den Schein vergessen, so eine *unangenehme dumme Frau, mich da unter Druck setzen und dann gleich davon gehen. Hören Sie, könnten sie ihr nicht nachgehen? Ich kann ja nicht weg, seien Sie bitteschön so gut)

Peter nahm den Schein an sich und flitzte hinaus, ungefähr 100 Meter weiter vorne sah er Madame in ihrem feuerroten Luxus Cabriolet. Sie wollte gerade ohne zu blinken aus der Parklücke heraus fahren, ein Taxi musste deswegen abrupt abbremsen, der Taxler hupte wie ein verrückter. Wahrscheinlich fluchte der jetzt auch wie ein Bierkutscher, wie sich Peter so dachte.

Peter beschleunigte das Tempo um Madame noch rechtzeitig zu erreichen, begann dabei schon zu schwitzen, gleichzeitig ärgerte es ihn der exaltierten Zicke jetzt nachlaufen zu müssen.

3. Kapitel

Peter kam dann seines Weges etwas später an einer Autobushaltestelle vorbei. Erblickte dort einen kleinen lieben Hund. Der war an der Wartebank im Häuschen der Station angeleint. Der Hund wirkte ziemlich aufgeregt und zog nervös an der Leine, beschnupperte jeden der vorbeikam. Das semmelblonde Tier machte auf ihn einen ziemlich konfusen Eindruck. Die ganze Situation kam Peter gleich sehr verdächtig vor. Dachte sich, wer bindet denn schon einen Hund an einer Haltestelle an? Meistens sieht man das ja immer vor Lebensmittelgeschäften, wo die Vierbeiner immer treuherzig warten, dass Herrl oder Frauchen wieder erscheinen, doch das nun, dazu noch um diese Zeit?

Kurzerhand setzte er sich auf die Bank. Der Hund beschnupperte ihn und zog wieder an der Leine. Er trug zwar ein Halsband, aber nirgendwo eine Hundemarke, wie Peter sah.

Wahrscheinlich ist er auch nicht einmal gechipt, so wie es neuerdings Vorschrift ist, dachte er sich.

Peter sah sich um, weit und breit kein Mensch zu sehen, wo man annehmen könnte, dass ihm der Hund gehöre.

Ein Bus fuhr auf die Station zu, der Hund wurde plötzlich ganz hysterisch und bellte ganz aufgeregt. Leute stiegen aus und verliefen sich in alle Richtungen. Kein Mensch nahm von dem Tier Notiz. Peter ahnte fürchterliches. Ihn beschlich ein schlimmer Verdacht.

Wäre ja nicht das erste Mal, dass ein „Tierfreund“ kurz vor der heran nahenden Urlaubsperiode auf so eine miese Idee käme, dachte er sich. Peter zündete sich eine Zigarette an und beobachtete das Tier weiterhin. Der Hund so eine Art Mischlingsspaniel, geschätzt vielleicht gerade mal zwei oder vielleicht höchstens drei Jahre Alt. Kam schwanzwedelnd zu ihm und legte sich zu seinen Füßen, er jappste und fächelte sich mit der Zunge etwas innere Abkühlung zu.

Peter streichelte ihn zärtlich, das Tier dankte es mit einem treuherzigen Hundeblick und schmiegte sich an seine Füße. Gut eineinhalb Stunden waren inzwischen vergangen, ohne dass es irgendwelche Anzeichen gab oder wahrscheinlich geben würde, dass irgendwer den Hund abholen werde. Peter ging dann über die Straße, dort war ein Gasthaus mit einem Schanigarten, einige Leute saßen darin herum. Erfahrungsgemäß gibt es auch immer Näpfe mit Wasser für die vierbeinigen Gäste.

Genauso war es auch hier. Der Kellner ein pfiffig aussehender Junge, erlaubte ihm den Napf über die Straße zu tragen, vertraute ihm dass er ihn auch wieder zurückbrächte. Das Tier schlabberte durstig fast den ganzen Napf leer. Währenddessen bemerkte Peter, dass ein Plastiksackerl am Abfallkübel hing. An und für sich ja keine Seltenheit, viele Leute entsorgen auf diese Art ihren Mist, wenn sie schnell zur Arbeit müssen und die Müllcontainer zu Hause geschlossen oder randvoll sind.

Peter sah sich den Sack jetzt genauer an. Darin fand er einen Beißkorb, eine Fellbürste gespickt mit Haaren in derselben Farbe des Hundes. Einen Blechnapf sowie eine Hundefutterdose. Nun war die Situation vollkommen klar und sein Anfangsverdacht vollkommen bestätigt.

Während er den Wassernapf wieder zum Kellner rüber bringen wollte, auf dem Weg dorthin überlegte er sich, was machst du denn jetzt? Es wäre ja nun ein leichtes das Tierheim anzurufen, die Geschichte zu melden, die würden sich dann schon darum kümmern. Nein, also das tue ich dem kleinen Kerl sicher nicht an. Ich könnte mich nie mehr im Spiegel anschauen. Jetzt, bist du plötzlich Tierhalter geworden. Bei mir hat er es bestimmt besser, als so einfach im Tierheim zu landen und satt kriegen werde ich ihn bestimmt auch immer. Bei der Nachkontrolle, des Inhalts vom Plastikbeutel, entdeckte er auf dem Napf einen Namen. „Pablo“ war darauf eingraviert. So rief er den Namen, der Hund wedelte mit dem Schwanz und war ganz Ohr dabei. Also, das ist jetzt auch geklärt, dachte sich Peter, so brauchst du keinen neuen mehr erfinden.

Pablo sprang auf die Bank, legte sich neben ihn. Peter kraulte ihn am Ohr und merkte wie der Hund immer ruhiger wurde. Dabei sprach er mit ihm in ruhigem Tonfall, „ Tja kleiner, schade dass wir uns erst jetzt treffen. Vor drei Jahren wäre es für uns beide schon viel besser gewesen. Du wärst in eine schöne Villa mit großem Garten am Waldrand in Hietzing gekommen. Hättest immer alles bekommen was du brauchst. Sicher auch die Liebe meiner damaligen Frau, samt den zwei Töchtern, die sowieso immer ganz Hunde närrisch waren. Unsere Bedienerin die Frau Gruber hätte sicher auch alles für dich getan.

Aber, leider kam ja plötzlich alles ganz anders als geplant. Mein damaliger bester Freund und gleichzeitiger Firmenteilhaber hatte es ja meisterhaft verstanden, sich im Laufe der Zeit, alles unter den Nagel zu reißen, die Firma, das Haus, die Frau, eben alles. Hinterging mich auch finanziell wo es nur ging. Als, ich ihn damals mit meiner Frau im eigenen Schlafzimmer in Flagranti erwischte, dabei vollkommen ausgerastet bin, dem Kerl eine kräftige Abreibung verpasste. Die den als er die Treppe hinunter gefallen war ins Spital brachte, mich dann auch für 6 Monate „unbedingt“ in den Knast.

Danach ging es mit mir nur noch steil Bergab. Alles war verloren. Obendrein vorbestraft, dadurch nirgendwo mehr ein sauberes Leumundszeugnis vorlegen zu können. Für eine Anstellung einfach auch schon zu alt, kein Geld, keine Rücklagen, keine Perspektive ... , einfach nichts! Ein soziales Netz für selbstständige? Der reinste Hohn.

Alle daraufhin angestrengten Versuche wieder als selbstständiger Unternehmensberater irgendwie neuerlich Fuß zu fassen, alles ein Schuss in den Ofen. Tagelöhner Jobs vor dem Arbeitsamt abgeschlossen, hielten auch nicht lange an. Das erste Jahr auf der Straße war ein Fiasko sondergleichen. Obdachlosenasyle, Männerheime, Suppenküchen, Armenauspeisungen, alles keine Fremdwörter mehr.

Irgendwann einmal im tiefsten Winter, war ich schon einmal soweit einfach aufgeben und erfrieren zu wollen. Soll ja ein barmherziger Tod sein, du schläfst auf einer Parkbank in der Kälte mehr oder minder sanft ein und wachst nie mehr auf.

Denkste, als ich wieder erwachte, war ich im Spital der barmherzigen Brüder, das im Souterrain eine klitzekleine Station für nichtzahlende Patienten unterhält. Wo sie mich nach der Lungenentzündung wieder hochgepäppelt haben.

Ja und jetzt Pablo? Hat dir das Schicksal leider wieder keinen guten Dienst erwiesen. Aber eines verspreche ich dir, ich bin sicher allemal besser als jedes Tierheim. Wo viele deiner Artgenossen bei Überfüllung „irgendwie“ entsorgt werden müssen.

Ich kann dir ja im Moment nicht viel bieten, aber wir können versuchen gemeinsam das Beste daraus zu machen. Das ist ein Versprechen! Pablos Blicke, auch sein Gehabe signalisierten ihm keine Abneigung, sondern eher lebhaftes Interesse, wie er zu sehen glaubte.

Peter öffnete dann die Hundefutterdose kippte den Inhalt in den Napf und sah zu, wie Pablo voller Appetit die Mahlzeit in sich hineinschlang.

Wenigstens einer der im Moment satt wird, dachte er sich und legte den Beißkorb bereit. Damit er sich dann mit Pablo auf den Weg machen könne, auch der Hundebeißkorbtragepflicht im öffentlichen Raum Genüge getan würde.

4. Kapitel

Peter hatte sich auch schon einen genauen Plan zurechtgelegt. Er wollte als erstes mit dem Bus zum Westbahnhof fahren. Falls er Glück hätte könnte er den Weißkopfadler dort treffen. Mit dem verbliebenen Geld sich am Kiosk eine heiße Burenwurst spendieren. Vielleicht auch erfahren wie die Geschichte mit dem „Tascherlzieher“ (Handtaschenräuber) ausging.

Später dann mit der U-Bahn zur Donauinsel fahren, wo er einige gute ruhige Plätze kannte. Nachdem kein Regen zu erwarten wäre, könnte eine Nacht im Schlafsack möglich sein. Den die Frau am Kiosk immer für ihn aufbewahrte, damit er ihn nicht andauernd mit sich herum schleppen musste. Wie die ganze Geschichte nun mit Pablo zu bewerkstelligen sein wird, würde er schon beizeiten heraus finden.

Rechnete aber nicht mit großen Schwierigkeiten, denn Pablo zeigte sich als gutmütiges und folgsames Wesen, das anscheinend sehr wohl verstanden hatte, dass Peter es nur gut mit ihm meinte. Am nächsten Tag würde er wieder zu Ludmilla gehen, die bestimmt etwas für Pablo zu fressen hätte.

Nicht zu vergessen dass er sich nun auch an den Ständen „Sackerl fürs Gackerl“ entsprechend mit den Gratis Plastiktüten eindecken müsste, die zahlreich herumstehen.

Denn die Gemeinde Wien hatte allgemein den Hundebesitzern den Kampf angesagt und verlangt neuerdings 30 Euro Strafe, wenn man „Flockis“ Würstel nicht damit entsorgt und dabei erwischt wird. Wofür Peter seinerseits zwar volles Verständnis hatte, den in seinen guten Zeiten hatte er sich schon oft seine teuren handgenähten Designerschuhe mit Hundekot verunreinigt, wenn er aus seinem Luxus BMW ausgestiegen war.

Als, er mit Pablo an der Leine in die Bahnhofshalle kam, winkte ihm, die Kiosk Bedienung schon von aller Weite zu. Dort angekommen sagte sie ihm freudestrahlend, »Servas Peter, Überraschung für dich!« Er sah sie verdutzt an. Sie reichte ihm ein Kuvert, »hier schau mal rein«

Peter riss neugierig den Umschlag auf und staunte dann nicht schlecht, eine hundert Euro Banknote lachte ihn an. »Hat mir der Weißkopfadler für dich gegeben. Das Opfer hat nämlich drei hunderter als Finderlohn am Polizeirevier ausgespuckt. Jetzt kannst du dir auch vorstellen wie viel die Frau bei sich hatte«

»Das hätte ich mir nie gedacht, danke dir«, schluckte Peter vor Rührung, »den Schmates (Geld) kann ich wirklich gut gebrauchen, jetzt wo ich auch einen Kostgänger habe«, er deutete auf Pablo.

»Mei, ist der süß«, sagte sie, »dachte du führst ihn nur Gassi, machen ja neuerdings viele«

»So gesehen schon richtig, aber bei mir wird es wohl eine Dauerfreundschaft, hoffe ich zumindest.«

Peter gab die Geschichte ihrer beiderseitigen Zusammenkunft zum besten. Agnes wie die Frau hieß war ganz gerührt, als sie das alles gehört hatte.

»Hätte mir nie gedacht dass du so Tierlieb bist und dir in deiner Situation so was antust. Außerdem was sind denn das für rohe Menschen, die einen Hund so mir nichts, dir nichts einfach aussetzen. Pfui Deibel! Also wenn's mal ganz hart ist, bei mir kriegst du immer etwas für ihn, denk daran.«

»Lieb von dir Agnes. Vielleicht nehme ich es mal in Anspruch.«“

»Magst ein Gösser oder lieber ein Schwechater? Spendier ich dir als Tierfreund«, sagte Agnes.

»Ich nehme was du hast, danke dir.«

Sie stellte ihm ein Schwechater hin, dazu ein Gösser Bier, »hier nimm das auch als Schlummertrunk für unterwegs. Willst du was Essen? Geht heute alles aufs Haus«

»Also, eine “Heiße“ (Burenwurst) mit Salzgurke und ein Semmerl, würde ich gerne nehmen, ich zahl's auch, will dich ja nicht ausnehmen. Ich bin ja Solvent wie du weißt.«

»Ach was mein Boss merkt nix, der hat eh genug Zaster. Hier lass es dir schmecken.« Sie schob ihm das gewünschte zu. Peter lief das Wasser im Mund zusammen als er die Burenwurst sah, er musste den Speichel schnell schlucken der sich schon beim Anblick sammelte.

Nach den ersten Bissen, wollte er dann wissen, »Wann war denn der Weißkopfadler hier?«

»So gegen elf Uhr, aber nur kurz. Er hat mir das Kuvert für dich gegeben und ist dann wieder weg. Er sagte, dass er sich nicht so gut fühle. Er wirkte auch ziemlich krank.«

Peter hatte sein Mahl beendet, wollte noch die Wurst bezahlen, was Agnes aber strikt ablehnte und ihm noch eine Knackwurst für Pablo einpackte, damit der was zum Frühstück hätte. Sie gab Peter dann den kleinen Beutel mit dem Schlafsack mit den Worten, »verstehe ja, dass du bei schönem Wetter im Freien übernachten willst. Aber denke daran, dass mein Angebot immer noch steht, bei Regenwetter in unserem Wohnwagen im Garten zu nächtigen. Der ist zwar nicht groß aber immerhin trocken.«

»Agnes ich weiß das zu schätzen, aber ich will dir keine Umstände machen. Du tust ohnehin schon so viel für mich. Vielleicht kann ich mich ja einmal dafür revanchieren.« Peter packte alles zusammen, löste Pablos Leine vom Haken, flüsterte ihm zu, komm wir gehen. Zu Agnes gewandt sagte er noch, »also, danke für alles, wir machen uns jetzt auf die Socken, servus.«“

»Pfiat euch ihr zwei und immer schön brav bleiben, gell?«, erwiderte Agnes sanft lächelnd und bediente andere Gäste die gerade hinzu gekommen waren.

5. Kapitel

Peter war nun schon über eine Woche mit Pablo zusammen. Der kleine Kerl war ihm richtig ans Herz gewachsen. Nicht nur, dass ihre Verbindung völlig komplikationslos lief. Denn Pablo hatte ihn sozusagen als neues Leittier vollkommen akzeptiert und führte alle Anweisungen brav und ohne Widerstand aus. Durch ihn sah Peter plötzlich auch wieder einen tieferen Sinn in seinem Leben. Es galt einfach wieder Verantwortung zu tragen, selbst wenn es eben auch nur für ein wehrloses Tier war. Lediglich bei der Zusammenkunft mit anderen Hunden musste er aufpassen, da Pablo ziemlich raufsüchtig schien. Vielleicht war es aber auch ein Beschützerinstinkt, Peter konnte es mangels Erfahrung noch nicht so genau zuordnen.

Jedenfalls war er froh, dass er ihn jetzt hatte, es war immer ein schönes Gefühl wenn Pablo sich an den Schlafsack kuschelte. Dem Hund schien es auch gut zu gefallen ständig auf Achse zu sein, er schien dieses freie ungebundene Leben irgendwie sogar zu genießen. An Futter mangelte es ihm auch nicht, da sein neues Herrl stets bedacht war dass es ihm gut ging.

Eines Tages war Peter unterwegs am Lerchenfelder Gürtel Richtung Zentrum. Pablo ging brav an der Leine neben ihm. Als Ziel hatte er ein Motorradgeschäft, in einer kleineren Seitengasse, sozusagen eines seiner Arbeitsplätze. Mit dem Besitzer gab es ein Abkommen. Motorräder werden ja in stabilen Seefesten Holzkisten angeliefert, die ziemlich groß und sperrig sind, daher auch viel Platz brauchen. Jeden Monat bekam das Geschäft meistens eine Lieferung so an die 15 bis 20 Kisten, dazu auch Ersatzteilekisten.

Peters Aufgabe bestand nun darin, diese Gebinde in ihre Einzelteile zu zerlegen. Dann in handliche Stücke zu zersägen und platzsparend zu stapeln. Das ganze fand angrenzend an die Motorradwerkstatt in einem Hinterhof statt. Da der Laden in der warmen Jahreszeit wie geschmiert lief und keiner von den Angestellten Zeit dazu hatte. War es eben Peters Job dies zu erledigen.

Als Pauschale pro Kiste waren 9 Euro vereinbart, immerhin ein guter Lohn, den um eine Kiste vollständig zu zerkleinern, brauchte Peter ungefähr 1 ½ Stunden. Wenn, er ordentlich ran ging, schaffte er es meist sogar in 55 Minuten. Es mussten ja jede Menge großer Nägel herausgezogen werden.

Peter erfand dann auch noch ein gutes Zusatzgeschäft. Die Holzstücke wurden nämlich in 20 cm lange Stücke geschnitten und dann rund förmig mit einem Draht gebündelt. Das ganze sah dann im Endeffekt wie ein Autorad aus. Diese „Räder“ wurden dann platzsparend übereinander gestapelt. Mit einer Plane zugedeckt und in der kalten Jahreszeit waren viele Wohnungsbesitzer froh hier Ofen Holz zu einem günstigen Preis kaufen zu können. Es gab ja hier im Bezirk noch sehr viele Altbauten, wo die Leute mit Holz oder Kohle heizten.

Das Motorradgeschäft war somit nicht nur die teure Entsorgung der Verpackung los und verdiente sogar noch daran. Peter brachte diese Idee immerhin einen Euro pro Gebinde zusätzlich ein, wobei allerdings immer im Nachhinein verrechnet wurde. Da man ja nicht abschätzen konnte wie viele Bündel überhaupt verkauft werden würden.

Gerade als er in die Seitengasse einbog, wo sich das Geschäft befand. Erblickte er zwei Polizisten die auf ihn zukamen. Den Kappen nach handelte es sich um Polizeischüler aus einem Nahen Schulrevier. Da war immer Vorsicht geboten, denn die Jungs waren immer sehr genau und pedantisch.

Pablo erleichterte gerade seine Blase an einem Autoreifen eines parkenden Wagens. Peter versuchte ihn weg zu zerren und zog an der Leine. Doch Pablo reagierte nicht und ließ es einfach laufen. Missbilligend dreinschauend gingen die Beamten an ihnen vorbei, zum Glück hatte Peter dem Pablo ein Halstuch verpasst das sein Halsband verdeckte, somit die Beamten gar nicht sehen konnten dass er eigentlich gar keine Hundemarke trug.

Uff... dachte sich Peter, das hätte ja ins Auge gehen können. Ich bin wieder einmal an etlichen Unannehmlichkeiten vorbeigeschrammt. Anzeige wegen nicht entrichteter Hundesteuer, nicht Vorlage der Chip Bestätigung durch den Tierarzt. Bestimmt hätten die auch noch einen Ausweis sehen wollen. Gut Führerschein habe ich ja, allerdings stimmt darin die Adresse auch nicht mehr, was wiederum Probleme beim Melderegister gebracht hätte.Ordentlichen Wohnsitz mit Meldezettel gibt es ja nicht. Zum Glück war ich heute für die kein Übungsobjekt für eine Perlustrierung, wohl eher ein nicht lohnenswertes Subjekt.

Froh dem von den Beamten sicherlich initiierten behördlichen Inferno entgangen zu sein, meldete er sich dann beim „Bikerchef“ zur Arbeit. Der nun ganz happy war, endlich wieder Platz im Hinterhof zu bekommen, da sich ja dort schon wieder die Kisten behindernd stapelten.

Mit Manfred dem Besitzer des Ladens verstand er sich sehr gut. Der war ausgebildeter Mechaniker und war früher einmal sogar Motorradrennen gefahren. Dann machte er sich vor einiger Zeit selbstständig und verdiente durch den Verkauf und Reparatur japanischer Marken eigentlich ganz gut. Manfred war vom Aussehen her der „Biker“ schlechthin, stämmig gebaut, glatzköpfig über und über tätowiert.

Trug natürlich immer eine abgetragene Lederkluft verziert mit zahlreichen Nieten und Totenköpfen. Manfred schwärmte immer von den Harleys, als wären die, die einzigen wahren Bikes auf der Welt. Würde auch so gerne damit handeln, doch fehlte es ihm an Kapitals-kraft um überhaupt ins Geschäft einsteigen zu können. So musste er sich eben nur mit den „japanischen Eierbechern“ begnügen, wie er immer verkündete.

Gegen 16.00 Uhr war Peter mit der Arbeit fertig. Kassierte Stolz neunundneunzig Euro und bekam von Manfred nicht nur Lob, auch Bier spendiert, der ihm dazu ankündigte beim nächsten Mal die Summe der Bündel vom letzten Winter mit ihm abzurechnen. Dazu müsse er aber noch die Unterlagen zu Rate ziehen. Peter war es recht so, denn Manfred hatte ihn dabei noch nie übers Ohr gehauen.

Der Tag war ziemlich heiß und ausgesprochen sonnig, Peter hatte bei der Arbeit in der prallen Sonne ziemlich geschwitzt, während Pablo es sich an einem schattigen Plätzchen gemütlich gemachte hatte. Die zwei trollten sich dann, unterwegs ging Peter noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Zur Feier des Tages wollte er an einem der Zahlreichen öffentlichen Grillplätze auf der Donauinsel für sich und Pablo ein ordentliches Stück Fleisch grillen. Besorgte gleich alles notwendige, stopfte alles in einen Rucksack.

Er kam noch an einer Trafik vorbei und kaufte sich eine Stange Zigaretten, denn er war es müde sich die immer selbst anfertigen zu müssen. Im Laden sprang ihm eine Tafel mit der Aufschrift

„Fünffach Jackpot endlich geknackt!“ ins Auge. Er plauderte gerade noch mit der Trafikantin und

nahm daher von der Meldung keine weitere Notiz.

Vielmehr war es ihm ein dringendes Bedürfnis, einen nahegelegen Münzwaschsalon aufzusuchen, um endlich seine Unterwäsche zu versorgen. Der große Vorteil lag eben darin, dass man die getrocknet gleich wieder mitnehmen konnte. Es war ihm auch ganz egal, dass er die getragene im Salon gegen eine mitgebrachte saubere Garnitur wechseln musste. Was dort meistens im Beisein anderer Kunden geschah. Da die Prozedur eines Waschgangs ungefähr fünfundvierzig Minuten dauert, wollte er inzwischen in Ruhe die Zeitung lesen und gemütlich ein Bier trinken.

Den außerordentlichen Luxus sich gleich eine Stange fertiger Zigaretten zu kaufen, leistete er sich deshalb, weil er am nächsten Tag ein andere „Arbeitsstelle“ zu erledigen hatte. Nämlich den Gastgarten eines Heurigenlokals in Sievering gründlich auf Vordermann zu bringen. Dort müsste er um sechs Uhr früh beginnen, damit er bis neun Uhr, wenn der Wirt erschien mit der Arbeit fertig sein würde, der ihn dann für die drei Stunden auszahlen könnte. Da der Wirt aber nie pünktlich war könnte es auch länger dauern, was zusätzlich noch etwas einbrachte. Ausgemacht waren nämlich zehn Euro pro Stunde, zweimal die Woche.

Einen weiteren Vorteil gab es bei dieser Tätigkeit auch noch. Das Küchenpersonal begann immer pünktlich um neun für den Tag die Speisen fürs Büffet herzurichten. Manchmal blieb vom Vortag eine Menge guter Dinge übrig. Die über Nacht in den Kühlraum eingelagert wurden, Peter durfte sich dann immer von den Resten etwas aussuchen. So bekam er oft kalte Wienerschnitzel mit Erdäpfelsalat oder Krautsalat, oder Blunzn (Blutwurst), Schweinsbraten mit Knödel oder andere

Schmankerln. Verpackt wurde immer in praktischen kunststofffrischhalte Dosen. Aus denen er das

auch gleich, mit dem eigenen Besteck essen konnte. Geschirr Reinigungsmöglichkeit bot sich danach meist an Tankstellen an, manchmal übernahm dies auch die Büffetkraft für ihn. Wenn, jemand Dienst machte den er kannte.

Nachdem im Waschsalon alles erledigt war, hatten sie die U-Bahn zur Donauinsel genommen.

Beide spazierten dann gemütlich in Richtung der Nordbrücke. Pablo konnte öfters ohne Leine laufen, das ihm sichtlich gut gefiel, auch beim Apportieren eines Stockes war er in seinem Element.

Hohe Gewittertürme hatten sich inzwischen gebildet und die Luft lag schwül auf der Lunge. Es sah ganz danach aus, dass es wohl bald zu einem erstklassigen Gewitter kommen könnte. Daher beschloss Peter sich mehr in Nähe der Brücken aufzuhalten, die immerhin durch die Größe Schutz vor dem Trommelregen boten, der meistens damit einhergeht.

Also, mit unserem Grillen wird’s wohl nix mehr werden, dachte sich Peter, denn inzwischen frischte der Wind auf und der Himmel war mit dunklen regen schwangeren Wolken ziemlich verhangen, das untrügliche Zeichen eines baldigen heftigen Gewitters. In einiger Entfernung stand in der Nähe des Ufers eine betonierte Bank mit ebenso betoniertem Tisch. Wo die Radfahrer meistens ihre Pausen abhalten. Kein Mensch war in der Nähe, vermutlich waren schon alle in sichere Gefilde geflüchtet, selbst Angler waren keine mehr zu sehen.

Peter nahm also die Bank in Besitz, zückte sein Taschenmesser und zerschnitt die Koteletts in kleine Stücke. Die er in Pablos Napf gab, der sie dann gierig voller sichtlichem Genuss verschlang. Während Peter sich mit den Semmeln und einer Jagdwurstdose beschäftigte, zwischendurch ein paar Schlucke Bier aus der Dose konsumierte. Sich dabei überlegte, wie er die sicher feuchte Nacht dennoch trocken verbringen könnte.

Pablo knabberte gerade an den Knochen der Koteletts, die ihm auch sehr zu munden schienen.

Während Peter an seiner Jagdwurst Semmel kaute. Blickte dabei in die Richtung der neu gebauten Stahlbrücke, die man extra nur für Fußgänger und Radfahrer erbaute. Auf dieser sah er eine Frau mit Fahrrad in Richtung der Donau Insel fahren. Ungewöhnlich, dachte er sich, alle verschwinden in die anderen Richtungen. Schon komisch die macht’s aber genau umgekehrt?

Als, die Frau genau über dem Entlastungsgerinne war, hielt sie plötzlich an, stieg vom Rad. Lehnte es ans Geländer. Das Fahrrad quasi als Leiter benützend bestieg die Frau das Geländer und stand nun ganz aufrecht auf diesem. Peter kniff die Augen zusammen um sie besser beobachten zu können, die ganze Geschichte kam ihm ziemlich ungewöhnlich vor.

Die Frau verharrte in aufrechter Haltung, mit dem Blick zum Wasser. Sie schwankte zwar etwas, doch plötzlich kippte sie, als ob sie jemand von hinten angetippt hätte, gerade wie Brett nach vorne. Es sah aus, wie wenn ein Besenstiel umfällt. Sekundenbruchteile später schlug sie mit einem lauten klatschendem Knall auf dem Wasser auf.

Peter erhob sich ließ die Semmel fallen, schaute zur Aufschlagstelle, wo nur mehr Kreise die sich ausbreiteten zu sehen waren. Von der Frau war aber keine Spur mehr. Normalerweise würde zumindest der Kopf wieder auftauchen. Dem war aber nicht so. Also, nach Schwimmen sah ja die ganze Situation ja nicht gerade aus.

Peter rannte zum Ufer, wobei er noch während des Laufens den Anorak auszog, ihn fallen ließ.

Während er rannte, sah er, einen dieser luftgefüllten Gummipontons, an denen meisten eine Zille angehängt war. Die bei Badeunfällen dienen soll. Sich während des Laufens die Aufschlagstelle optisch immer noch einprägend, lief er den Steg hinauf zum Ponton, streifte dort noch schnell die Schuhe ab und hechtete vom Ponton wie Olympiaschwimmer ins Wasser.

Kraulte mit affenartiger Geschwindigkeit die geschätzten gut 20 Meter, zu der Stelle, wo die Frau aufgeschlagen war. Dort angelangt tauchte er ab, konnte aber durch die Trübheit des Wassers nichts Genaues erkennen. Nach einigen kräftigen Stößen gelangte er zum Grund und tastete ihn ab. Konnte aber nichts ertasten und sehen schon gar nichts. Er kam in Atemnot musste wieder an die Oberfläche, holte dort tief Luft, dabei sah er Pablo am Ufer, der wie ein wilder kläffte. Neben Pablo sah er die Umrisse einer Gestalt.

Peter tauchte wieder nach unten, tastete weiter. Plötzlich fühlte er Widerstand, weichen. Er packte eisern zu. Endlich war er wieder an der Oberfläche, zusammen mit der Frau. Zum Glück hatte er in jungen Jahren einmal an einem Rettungsschwimmer Kurs teilgenommen und wusste somit was zu tun ist.

Nun lag die Frau endlich auf dem Ponton, ein junger Mann hatte ihm von dort aus geholfen, sie darauf zu hieven. Pablo stand bis zum Bauch am Uferwasser und kläffte immer noch hysterisch.

Während Peter sich selbst aufs Ponton hievte, fragte er den Mann ob er ein Handy dabei hätte.

»Mochens ihna kane Soargn«, sagte der, »i hob inzwischen eh scho an Notruaf los gschickt« (Machen sie sich keine Sorgen, ich habe inzwischen schon einen Notruf getätigt)

Peter überprüfte inzwischen, Puls und Atmung und begann sofort mit der künstlichen Beatmung.

»Schoffens des allane?«, wollte der junge Mann wissen, »i foahr glei zuar Brucken und weis de Rettungsleit ei, guat?«( Schaffen Sie das alleine? Ich fahre gleich zur Brücke und weise die Rettungsleute ein) Peter nickte nur zustimmend und fuhr in seinem Vorgehen fort. Während der Junge mit einem Rennrad weg fuhr. Wie lange die Prozedur schon dauerte, wusste er nicht mehr, er verlor jegliches Zeitgefühl und arbeitete wie ein Automat immer weiter.

Kurz darauf hörte Peter ein knatterndes Geräusch und heftige Windboen wirbelten um ihn herum. Sand und kleine Steine prasselten ihm ins Gesicht. Der Gelbe Engel schien gelandet zu sein, wie

er am auslaufen des Turbinengeräusches zu hören glaubte. Minuten später erblickte er mit tränennassen Augen, der Sand reizte darin ungemein, zwei Gestalten in roten Overalls, die sich zu ihm gesellten.

»Lossn sas guad sei, wia übanema jetzat,« ( Lassen Sie es gut sein, wir übernehmen jetzt) sprach die Notärztin, während der Notfallsanitäter das Beatmungsgerät anschloss. Peter atmete erleichtert auf und erhob sich schwankend. »Ihnare Augn schau i ma don glei nocher an, ok?« (Ihre Augen schau ich mir dann gleich nachher an, ok?) meinte die Notärztin und begann mit der Untersuchung am Körper der Frau.

Inzwischen war auch der Pilot des Hubschraubers mit einer Decke eingetroffen, die er Peter umhängte. Ihm eine Zigarette anbot, die er dankend annahm. Nun stand er rauchend mit der Decke umhüllt, neben ihm der Pilot, am Rande des Pontons und zitterte leicht vor sich hin. Völlig durchnässt mit leichter Gänsehaut durch den kühlen Wind, der auch immer stärker wurde.

»Hoffentle kriagen de zwa des ordentli schnö hi«, meinte der Pilot, »sunst kumma in de Bredouille mitn wetta. I fliag nua ungern bei Blitz und Dunna« ( Hoffentlich bekommen die zwei das ordentlich schnell hin. Sonst kommen wir ordentlich in die Bredouille mit dem Wetter. Ich fliege nur ungern bei Blitz und Donner)

Auf der gegenüber liegenden Seite, zu beginn der Brücke hielt plötzlich eine Funkstreife an, die mit Blaulicht heran geprescht war. Das Blaulicht erlosch, die Funkstreifenbesatzung stieg aus und lief die Brücke entlang genau auf den Ponton zu.

Peter dachte sich, jetzt wird es wieder so einige knifflige Fragen geben, warum musste auch ausgerechnet das alles hier und gerade jetzt passieren?

6. Kapitel

Peter und Pablo verbrachten die Nacht im Polizeirevier. Noch während Vortags am Ort des Geschehens alles im Gange war, brach das Gewitter mit Urgewalt herein. Es Donnerte und krachte fürchterlich. Eigenartigerweise kam aber der Regen doch etwas Später. Gerade noch rechtzeitig konnte man die Frau stabilisieren, in den Hubschrauber verladen, der danach gleich knatternd abhob.

Die Polizisten hatten anscheinend keine Lust pitschnass zu werden, notierten sich die Personalien des Zeugen mit dem Rennrad. Verluden Pablo mit Beißkorb versteht sich, samt Peter in den Streifenwagen und ab ging die Fahrt ins Polizeirevier. Sie hatten gleich noch vor Ort festgestellt, dass Peter keinen festen Wohnsitz besaß. Boten ihm gleich an, alles im Revier erledigen zu können.

Bei der Gelegenheit könnte er ja auch in einer Zelle übernachten, was ihm bei dem miesen Wetter eigentlich nur recht war. Gegen 7.00 Uhr wurde er geweckt, Pablo bekam von einem Beamten eine Dose Futter, die man freundlicherweise besorgt hatte. Peter wurde zum Frühstück eingeladen und erfreute sich an frischen Buttersemmeln und starkem Kaffee. Der Journalbeamte schilderte ihm dabei was er alles über den Fall noch in der Nacht in Erfahrung bringen konnte.

Die Frau eine 38-Jährige Wienerin, war im SMZ-Ost (Sozialmedizinisches Zentrum-Ost) keine Unbekannte, man hatte sie gleich Minuten später in der Notaufnahme eingeliefert. Sie wäre dort schon seit Jahren Dialysepatientin, da ihre Nieren nicht mehr arbeiteten. Stünde schon seit mindestens sieben Jahren auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Es hatte bei ihr jetzt einfach einmal Klick gemacht. Sie wollte dem ganzen Elend einfach ein Ende bereiten. Damit war auch ganz klar, dass es ein Suizidversuch war, der aber durch Peters Eingreifen durchkreuzt wurde.

Peters Befürchtungen auf dem Revier irgendwie schlecht behandelt zu werden erwiesen sich als vollkommen falsch. Die Beamten waren freundlich, sogar irgendwie respektvoll. Es schien ihnen sogar zu imponieren was er in selbstloser Art tat, denn so etwas käme ja nicht alle Tage vor, wie einer auch sagte. Als Peter wieder vom Revier weg gehen konnte, bat ihn der Postenkommandant noch schnell in sein Büro, überreichte ihm ein Kuvert, sagte dazu alle Beamten des Reviers hätten für ihn zusammengelegt.

Inzwischen war das Wetter wie gewandelt. Es war eines jener Wärmegewitter gewesen, die plötzlich mit Urgewalt losbrechen sich entladen und sich danach im Wohlgefallen auflösen, ohne dass es tagelange Rückstandwirkung gibt. Die Sonne schien wieder, allerdings nicht im Inneren von Peter, der mit sich überhaupt nicht im reinen war, darüber ob sein Einschreiten nun gut oder schlecht gewesen war.

Andererseits sagte er sich dann doch selbst beruhigend, es war doch ganz einfach deine Pflicht zu helfen, du hast einfach nicht darüber zu urteilen. Einerseits konnte er die Frau ja schon auch verstehen. Andererseits sagte er sich, hast du damit wahrscheinlich jetzt ihren Leidensweg verlängert. Vermutlich wird sie dich bitterlich verfluchen. Peter war noch keine zwanzig Meter vom Revier weg. Er konnte die Gedanken gar nicht weiter führen, als sich ihm plötzlich ein stämmiger Mann in den Weg stellte.

Der zeigte ihm so eine kleine Plastikkarte, die Peter in der Geschwindigkeit sowieso nicht lesen konnte, das einzige großgeschriebene darauf war in großen Lettern Presse.

»Sagen Sie können's was zu dem gestrigen Vorfall auf der Donauinsel sagen? Sie waren doch dabei, wie ich weiß«, sprach der Kerl und blickte ihn fragend an, stieß dann auch gleich nach.«Ich lasse mir die Information auch was kosten.«

»Woher wollen Sie denn etwas davon wissen?«, antwortete Peter völlig erstaunt.

»Na ja, wir haben da eben schon so unsere technischen Möglichkeiten, wenn's wissen was ich meine«, sprach der Kerl süffisant lächelnd.

»Ahso, alles klar«, meinte Peter und war voll im Bilde, nun einem der Äther spionierenden Sensationsreporter irgendeines Revolverblattes gegenüber zu stehen.

Peters Gedanken flogen blitzschnell, Soll ich jetzt oder soll ich nicht? In Sekundenbruchteile fasste er den Entschluss und sprachHören Sie, ich glaube es ist besser, Sie holen sich den offiziellen Polizeibericht, ziehen daraus ihre Schlüsse und schreiben etwas Gescheites. Von mir erfahren Sie auf jeden Fall nichts, Ok?«

»Jetzt seien Sie doch nicht so, es scheint, dass Sie Geld gut gebrauchen könnten. Also drei bis vier hunderter wären da schon locker drin. Mit einigen Fotos sicher auch mehr. Geben Sie ihrem Herzen einen Stoß.«

»Es ist alles gesagt meinerseits. Jetzt entschuldigen Sie mich, ich hab noch etwas anderes zu tun, hab i die Ehre.« Peter zog Pablos Leine fester, der an den Hosenbeinen von dem Kerl schon verdächtig schnupperte. In der Art, als ob er gleich drauf pinkeln würde.

»Also gut, ich erhöhe mein Angebot auf 500. Wenn, wir zur Brücke fahren und dort Bilder schießen, gibt’s locker drei hunderter mehr, was sagen Sie jetzt?«, bohrte der Kerl nach und fixierte ihn mit großen kalten Augen. »Sagen Sie, haben Sie etwas an den Ohren? Los Pablo komm wir gehen!«, kam als Antwort und beide setzten sich gleich in Bewegung. Hinter ihm erklang,

Tzz … Tzz.., so ein blöder Penner, zischte der Kerl hörbar durch die Zähne und schien nun endgültig zu resignieren.

Ja, ja, dachte sich Peter beim weg gehen, wer ist nun von uns beiden der Penner? Ach was vergiss es einfach!

In der U-Bahnstation am Kagranerplatz, sichtete Peter dann das Kuvert und fand darin hundertzwanzig Euro, in zwanziger-scheine, dazu ein paar Gutscheine, die man in einer großen Lebensmittelkette in Zahlung geben kann. Damit war eigentlich der entgangene Verdienst leicht wieder wettgemacht, den er beim Heurigen ja nun verpasst hatte. Dachte sich dabei, ist eigentlich doch etwas Wahres dran am Spruch: die Polizei dein Freund und Helfer. Um den Job nicht zu verlieren, rief er von einem öffentlichen Telefon in der Station an und machte sich mit dem Heurigenwirt gleich einen neuen Termin aus.

Nachdem es nun am Vortag nichts mit dem Grillen geworden war, beschloss Peter dies eben jetzt nachzuholen. Es gelüstete ihm nach einem herzhaften Steak, dazu einem frischen Salat. Natürlich könnte er mit dem Geld auch irgendwo einkehren und sich Solches vergönnen. Aber in seiner desolaten Aufmachung, dazu vielleicht auch noch mindestens fünfundzwanzig Euro ans Bein binden zu müssen, das fand er das gar nicht erstrebenswert.

So besorgte er sich bei einem Fleischhauer gegenüber der U-Bahnstation ein ordentliches Stück Brustspitz, dazu auch einige Knochen für Pablo. Ein paar Häuser weiter in einem Lebensmittelsupermarkt das restliche, samt einem kleinen Sack Holzkohle samt Grillanzünder. Somit stand einer bruzzelei auf der Donauinsel eigentlich nichts mehr im Wege.

Nachdem alles eingekauft war, fuhr er die paar Stationen Richtung Donau und stieg dann dort aus.

Ging einige hundert Meter in Richtung der Nordbrücke. Um einen der öffentlichen Grillplätze aufzusuchen, die von der Stadt Wien errichtet wurden, um die wilden Grillplätze nun unter Kontrolle zu haben. Nachdem es ein normaler Wochentag ist, wäre eigentlich nicht zu befürchten dass dort reger Andrang herrschen würde.

Denn er wusste auch, dass es um diese Plätze stets ein Gerangel und manches mal sogar handfesten Streit gab. Viele Donauinselbesucher waren sehr darauf erpicht, ihre Mahlzeiten an einem dieser Plätze zubereiten zu können. Besonders beliebt waren solche Grillpartys bei den ausländischen Gästen, die meistens zum Wochenende mit Kind und Kegel auftauchten und diese Grillplätze mehr oder minder den ganzen Tag über besetzt hielten.

Peter hatte Glück und fand einen verwaisten Platz. Begann dort seine Sachen auszubreiten und die Holzkohle anzuzünden. Er rechnete damit, dass ungefähr nach zwanzig Minuten die Kohle zur Weißglut kommen würde und er mit dem Grillen des Fleisches beginnen könnte. Inzwischen könnte er sich den Salat zubereiten. Alles erforderliche dazu war eingekauft somit vorhanden, mit einer Flasche Mineralwasser könnte er den Salat waschen.

Während er so hantierte und die Vorbereitungen traf, fast wie früher in alten Zeiten, bei denen im Garten seiner Villa immer die pompösen Grillfeste stattfanden und Heerscharen von Gästen das Gelände bevölkerten. Bei denen auch immer viel gegessen und getrunken, danach im Partyzelt bis spät in die Nacht getanzt wurde. War dies hier natürlich nicht mehr vergleichbar. Allerdings freute er sich trotzdem wieder einmal selbst gegrilltes unter den Zahn zu bekommen.

Pablo war angeleint und sah ihm interessiert zu, wahrscheinlich eingedenk der Vorahnung, dass er nun auch etwas davon abbekommen würde. Womit sich Pablo sicher nicht täuschte. Wobei Peter sich aber mit den Gewürzen für Pablos Mahlzeit sehr zurückhielt. Die Kohle war nun betriebsbereit weißglühend und Peter legte die Fleischstücke auf, die er zuvor noch in eine Beize gelegt hatte. Er war gerade dabei sich eine Bierdose zu öffnen, als plötzlich drei Gestalten auftauchten, die nicht gerade sehr vertrauenerweckend aussahen.

Pablo war aufgesprungen und starrte in die Richtung der Ankömmlinge und knurrte verhalten vor sich hin. Ruhig Pablo, Sitz! Zischte Peter dem Tier zu. Doch Pablo reagierte nicht wie angeordnet, stattdessen stellten sich ihm die Nackenhaare auf, wie Peter sah.

»Hee! Kollega! Du nix hier machen!« Sprach plötzlich der eine Typ und fuchtelte mit einem Blatt Papier vor Peters Nase herum. Blinzelte ihn ziemlich wütend an dabei. Die anderen zwei Kerle standen neben ihm und musterten ihn ziemlich finster.

»Was heisst das? Gibt’s irgendwie ein Problem?« Wollte Peter jetzt wissen und zog Pablo mit der Leine fester zu sich. »Hier du schauen, das unsere Platz! Du Problema mache!« Keifte der Typ ziemlich unfreundlich. »Wir chaben Platz bekomme! Schauen da!« Der Kerl deutete auf den zerknitterten Bogen Papier. »OK,ok, Leute ich mache mein Essen fertig, dann könnt ihr den Platz sofort haben!« Sagte Peter. Die drei Typen diskutierten plötzlich lautstark untereinander in einer Sprache die Peter nicht kannte, daher auch nicht verstand.

Aus der Tonlage und Gestik der Typen konnte er aber leicht erkennen, dass sie damit nicht einverstanden waren. Es flogen noch ein paar Sätze untereinander hin und her, die Tonart wurde immer lauter und schärfer. Als plötzlich der eine Typ, Peters Bierdose ergriff und den Inhalt auf die Holzkohle leerte. Zischender Dampf stob aus der Grillmulde, dann kippte der Kerl den Rost die Steaks fielen in die Glut.

„Herst bist deppert wurden?«, schrie Peter vollkommen entrüstet und gab dem Kerl einen Schubser und zwar so kräftig, dass dieser über den Grillsockel stolperte und eine harte Bauchlandung machte.

7. Kapitel

In Peters Kopf brummte es wie in einem Transformator, er fühlte sich kraftlos und leer, als er die Augen aufschlug. Sein Blicke erhaschten eine schummrige Umgebung, über sich eine gräuliche Zimmerdecke, an der eine Neonröhre hing, die rötliches dumpfes Licht von sich gab. Wo bin ich denn hier? War sein erster Gedanke. Krampfhaft versuchte er sich zu erinnern. Es gelang ihm aber nicht. Plötzlich sah er einen Kopf über seinem Gesicht, mit grüner Kappe und grünem Mundtuch.

Ein kraftloses »Wo bin ich?« entfuhr ihm. Er spürte eine Berührung an seiner Schulter aus dem Mundtuch ertönte, »Bleibens ganz ruhig, es wird wieder alles gut! Sie sind auf der Intensivstation.2

»Aber ….., wo ist denn Pablo?«, Peter versuchte sich mühsam aufzurichten.

Er wurde sanft wieder heruntergedrückt und hörte; »nicht aufregen, sonst platzen die Nähte. Schlafen sie halt einfach noch ein bisschen. Später hängen wir sie ab. Dann erfahren sie eh alles, gut? Ich gebe ihnen jetzt noch etwas zur Beruhigung.«

Sekunden später fühlte er ein kribbeln in den Fingern, es war nicht einmal so unangenehm, es breitete sich mit Windeseile im ganzen Körper aus. Bleierne Müdigkeit umfing ihn, gegen die er nicht mehr ankämpfen wollte, gleichzeitig auch konnte.

Wie lange er geschlafen hatte, wusste er nicht. Er konnte sich an die letzte Zeit ohnehin nicht mehr genau erinnern. Er merkte nur, dass er jetzt in einem hellen Raum lag in einem bequemen Bett. Neben sich ein Nachtkästchen, daneben gleich ein Chromständer an dem eine Infusionsflasche mit einer klaren Flüssigkeit hing. Ein dünner Schlauch hing davon herab und landete irgendwo unter seiner Decke.

Durch diese optischen Eindrücke war ihm jetzt klar, wo er war. Nur die Ortsverhältnisse waren ihm völlig unklar. Dass es aber nicht das AKH sein konnte wurde ihm bewusst, als er zum Fenster hinaus sah. Sträucher und Büsche waren deutlich erkennbar, also musste er im Parterre, höchstens im ersten Stock liegen. Das allgemeine Krankenhaus ist ja riesengroßer hoher Bau, somit konnte es das ja gar nicht sein. Während er noch in Gedanken versunken da lag, erschien plötzlich an seinem Bett eine junge agil wirkende Krankenschwester mit einem Tablett in der Hand.

An Ihrer hellblauen, mit dunkelblauen Kragen versehenen Jacke, sah er ein Schildchen darauf die Inschrift Schwester Angelika, darunter war SMZ-Ost auf dem Kittel eingestickt. Angelika lächelte ihn freundlich an. Während sie die Bettdecke aufschüttelte, wollte sie wissen, »Haben sie Durst? Ich habe nämlich frisches Mineralwasser da. Sie sollten bisschen was trinken, sonst dehydrieren sie mir noch.« Ohne eine Antwort abzuwarten, steckte sie ihm einen Trinkhalm in den Mund, hielt ihm zart den Kopf höher und sagte mit einem entzückenden Lächeln, »<Aber bitte nicht verschlucken, wenn's geht.«

Peter trank artig ein paar Schlucke. Danach gab ihm Angelika noch etwas aus einem kleinen Becher. Während sie noch irgendetwas an seinem Bett richtete, schlief er kurzerhand wieder ein.

Wie oft sich so was wiederholte daran konnte er sich nicht erinnern, es musste aber schon einige Tage gewesen sein. Da immer wieder ein neuer gefüllter Beutel an dem Gestell hing. Komisch dachte er sich, dass du nie aufs WC musst. Bis er dann herausfand, dass er einen Katheter hatte, dessen Ende in einem Plastikbeutel am Fußende des Bettes mündete.

Irgendwann erschien Angelika ganz flott und aufgekratzt und zirpte, »Herr Steinlechner, gute Nachrichten für sie, morgen kommt der Katheter raus, samt der Magensonde. Dann gibt es endlich wieder was festes zu beißen. Es gibt nämlich Fridatensuppe, Rindfleisch mit Erdäpfelpüree, danach Schoko-Vanillepudding, wird ihnen sicher schmecken.«

»Hmm... knurrte Peter, schön und gut, nur weiß ich gar nicht wie ich das hier alles bezahlen soll?«

Angelika lachte wie ein Glöckchen, »Darüber machen sie sich bitte keine Sorgen, ist alles unter Kontrolle. Morgen behandelt sie sogar der Chef persönlich.«

»Ich hätte da noch eine Frage, Schwester, wissen sie vielleicht etwas über meinen Hund?« Peter sah sie bittend gleichzeitig sehr fragend an. »Ich werde mich schlau machen, möglicherweise finde ich etwas darüber im Bericht der Sanitäter. Wenn ich etwas weiß, sage ich es ihnen gleich, Okay?«

Tags darauf lief alles so ab wie Angelika bereits angekündigt hatte. Er war den Katheter los, samt Magensonde. Nur den Drain wollte man noch lassen, vielleicht ein bis zwei Tage, dann würde der ebenfalls entfernt. Inzwischen hatte er auch einmal etwas wackelig duschen können und dabei an sich die lange Narbe entdeckt, die sich vom Brustbein bis kurz vor den Nabel erstreckte. Seine Rekonvaleszenz schien Fortschritte zu machen, man hatte ihm sogar erlaubt, im allgemeinen Aufenthaltsbereich das Essen einzunehmen.

Peter saß gerade dort und löffelte mit Genuss die Suppe, freute sich schon auf das Rindfleisch, wo er ja viel lieber Semmelkren dazu gehabt hätte, anstatt dem faden Erdäpfelpüree. Dachte sich, na ja, man kann eben nicht alles haben. Als plötzlich Oberrevierinspektor Hofbauer neben ihm stand. Hofbauer war der Postenkommandant, der ihm damals das Kuvert übergeben hatte. »Mahlzeit, Servus Herr Steinlechner, na schmeckts ihnen? Freut mich, dass sie schon wieder auf den Beinen sind.«

Peter war einigermaßen erstaunt darüber ihn hier zu sehen, er legte seinen Löffel beiseite und grinste. »Tja, Unkraut vergeht eben nicht, was verschafft mir den die Ehre ihres Besuches Herr Oberinspektor schließlich bin ich ja nicht so wichtig.«

Hofbauer räusperte sich und erklärte, »Und ob sie wichtig sind. Ich verspreche mir von ihrer Aussage nämlich schon so einiges. Schließlich sind sie der einzige Zeuge, der den Täter ganz eindeutig wahrgenommen hat. Mit ihren Angaben erwischen wir diesen Kerl vielleicht doch noch.«

»Na ja, bis zum Zeitpunkt als meine Steaks verschütt gegangen sind kann ich mich noch erinnern, aber danach? Fehlanzeige. Ich rätsle nämlich selbst immer noch herum was da alles so passiert ist, wissen sie?«

Hofbauer setzte sich ihm gegenüber, nahm seine Aktentasche hoch und legte ein paar dicke Bündel Akten auf den Tisch. »So jetzt essen sie erst Mal dann reden wir weiter.«

»Wollen sie vielleicht einen Pudding?«, fragte Peter und schob ihm den zu.

»Hmm … Schoko-Vanille da sage ich nicht nein, aber ich will ihnen nichts wegessen.«

»Nehmen sie ruhig ich schaffe den eh nicht mehr.«

»Na gut, danke. Machen wir es einfach so, ich lese ihnen mal vor, was wir alles wissen. Ab dem Zeitpunkt wo wir auf den Plan traten. Alles davor müssten sie uns sagen, damit die Akte komplett wird, ok? Jedes kleinste Detail ist wichtig, versuchen sie sich zu erinnern, auch wenn es dauert ich habe Zeit«, erklärte Hofbauer gütig und schielte auf den Pudding.

Während Peter am Rindfleisch schnippelte, blätterte Hofbauer in den Papieren und begann zu zitieren. »Um 14.23 erreichte uns der Notruf, von einem Angler, der angab auf der Donauinsel einen schwerverletzten, fast nicht ansprechbaren, Mann gefunden zu haben. Eine Funkstreife, die gerade auf der Brünnerstrasse unterwegs war, übernahm sofort.« Hofbauer nahm einen Löffel Pudding, schluckte runter und sprach weiter, »<Als unsere Leute eintrafen, war schon ein Notarztwagen vor Ort. Der Notarzt war schwer beschäftigt, sie zu stabilisieren. Man konstatierte mehrere Stichwunden im Bauchbereich. Durch die Gabe von Plasma gelang es das schlimmste abzuwenden. Der Notarzt forderte dann sofort den Rettungshubschrauber an, der sie dann hierher brachte.

Unsere Leute forderten dann auch noch die Tierrettung an, weil ihr Hund mit Schnittverletzungen im Gebüsch gefunden wurde, der ziemlich geschwächt war. Soweit es hier steht, wurde er in die veterinärmedizinische Universitätsklinik in Floridsdorf eingeliefert. Aber machen sie sich keine Sorgen, Pablo geht es gut. Man konnte die Sehne an der Vorderpfote wieder zusammennähen. Es geht ihm schon viel besser. Kollege Kopplinger, ein ausgebildeter Polizeihundeführer, hat ihn jetzt in Pflege genommen, der weiß ja bestens wie man das macht. Sie können ihn dann dort wieder abholen, wenn sie wieder voll auf dem Damm sind.

Ja, nun brauchen wir eine genaue Personenbeschreibung des Täters, morgen schicke ich ihnen einen Beamten her, der mit ihnen die Phantomzeichnungen machen wird. Damit wir die Bilder für die Fahndung bekommen. Das geht schnell, alles über PC, dann rollt die Lawine.

Am besten sie sagen mir jetzt alles, woran sie sich erinnern können, ich schreibe mit, wenn wir die Bilder dann haben, können wir richtig loslegen.«

Peter hatte plötzlich keinen Appetit mehr und schob den Teller von sich. Andererseits war er erleichtert, dass Pablo nicht mehr passiert war. In seinem Kopf waren schon sehr düstere Bilder entstanden, er hatte schon das Schlimmste befürchtet. Danach schilderte er Hofbauer soweit es ihm eben einfiel, alles was sich bis zum Zeitpunkt als die Steaks in der Glut lagen ereignet hatte.

Hofbauer notierte, dass es nun drei Verdächtige gab, klappte danach sein Notizbuch zu, mit den Worten, »Die Kerle können sich auf etwas gefasst machen, das verspreche ich ihnen. Mordversuch wird ja wohl nicht durchgehen, aber zu mindestens schwere Körperverletzung und da fasst man ja auch schon so einiges aus.«

»Ja, immer voraus gesetzt man erwischt die miesen Kerle überhaupt«, meinte Peter etwas resigniert.

Hofbauer konterte, »Das lassen sie ruhig mal unsere Sorgen sein, wir haben da schon so unsere Mittel und einige Verbindungen, glauben sie mir. Gut also, ich wünsche ihnen baldige Genesung, schauen sie zu, wieder auf den Damm zu kommen und besuchen sie uns einmal auf dem Revier. Machen sie`s gut, Servus Herr Steinlechner.«

Mit einem kräftigen Händedruck verabschiedete sich Hofbauer und ging dann mit quietschenden Sohlen den Gang entlang Richtung Tiefgarage.

Also, dachte Peter, gab es doch eine Rauferei, die ziemlich turbulent ausgefallen sein musste, daher wohl auch seine auf geschundenen Handknöchel samt blauen Flecken, die, dann erst durch mehrere Messerstiche ihr Ende fand. Dass, Pablo irgendwie eingreifen wollte habe ich gar nicht mehr mitbekommen. Der arme Kerl hatte auch noch was abbekommen, wahrscheinlich wollten die Kerle den Hund auch noch abstechen. Gnade ihnen Gott, wenn ich je einen von denen erwische. Ehe er noch weiterdenken konnte, stand plötzlich Angelika bei ihm, sie wolle das Geschirr abräumen lassen und ihm etwas sagen meinte sie, und grinste sehr geheimnisvoll dabei.

8. Kapitel

»Herr Steinlechner, sie bekommen Besuch von einer Dame, soll ich sie jetzt zu ihnen bitten?«, sprach Angelika freundlich lächelnd.

»Ich und Damenbesuch? Ist ja wohl ein Scherz?«, er versuchte gleich angestrengt zu erraten um wen es sich dabei handeln könnte. Zupfte seinen Krankenhausbademantel etwas zurecht und sagte,

»Ok. Dann wollen wir einmal sehen, wer sich zu mir verlaufen hat.«

Angelika deutete einer Frau, die am Ende des Ganges stand, die sich auch gleich in Bewegung setzte. Als sie so auf ihn zukam, glaubte er sie zu erkennen. Von der Statur her und der Haarfarbe könnte es durchaus hinkommen, dachte er sich. Wäre da nicht der verdammte Krankenhausmantel, den sie ebenfalls trug.

Als, sie dann vor ihm stand, gab es auch keinen Zweifel mehr. Sie war es ja wirklich.

»Grüß Gott Herr Steinlechner, ich bin die Hannah. Sie hatten ja schon einmal das Vergnügen. Obwohl es ja sicher nicht als solches bezeichnet werden kann, denke ich. Als, sie mich damals aus dem Entlastungsgerinne herausholten.« Sie reichte ihm die Hand. Die er etwas schüchtern ergriff.

Peter war erstaunt und perplex zugleich, Hannah sah aus der Nähe betrachtet doch ganz anders aus, als damals. Schien im Gesicht voller, wesentlich entspannter, ja geradezu hübsch, wie er fand.

»Verzeihen sie, dass ich jetzt nicht aufstehe, ich bin im Moment etwas lädiert. Aber bitte setzen sie sich doch.« Hannah rückte sich einen Stuhl zurecht und setzte sich ihm gegenüber.

Peter versuchte aus ihren Augen ihre Gedanken zu lesen, es waren schöne dunkelbraune Augen, mit einem glasklaren Blick. Völlig unschlüssig ob er jetzt vielleicht ihrerseits Vorhaltungen einstecken müsste, weil er ihre Intention durchkreuzt hatte. Worüber er ja kurz danach schon einmal nachgedacht hatte. Wartete er auf ihre Gesprächseröffnung.

Plötzlich öffneten sich ihre Lippen und er hörte, »Ich möchte mich für meinen zweiten Geburtstag bei ihnen bedanken. Mittlerweile habe ich ja eingesehen, dass ich einen großen Fehler begangen habe.« Der Mimik zufolge schien es ihr Ernst was sie sagte, empfand er.

»Schauen sie Hannah, es war doch selbstverständlich für mich. Sie brauchen sich nicht zu bedanken.«

»Als sie seinerzeit hier mit dem Helikopter eingeliefert wurden, war ich zufällig unten in der Ambulanz, ich habe sie auch gleich wiedererkannt. Konnte mir damals noch bevor ich mit dem Heli abtransportiert wurde, ihr Gesicht einprägen. Zugegebenermaßen war ich ja seinerzeit nicht gerade begeistert von ihnen. Allerdings sehe ich das heute ganz anders. Dabei hilft mir die Therapie die ich momentan hier auch noch absolviere.«

»Es freut mich sehr, dass sie das nunmehr so sehen und hoffe stark, dass sich das nie ändern möge.«

»Mittlerweile haben sich nämlich in meinem Leben Dinge ereignet, die alles in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Ein durchaus positives Licht«, sprach sie, mit einem flüchtigen Lächeln auf den Lippen.

»Klingt jetzt vielleicht etwas banal und simpel, vielleicht ist an dem Spruch doch etwas dran. Der da lautet: Wenn du glaubst es geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.«

»In meinem Fall stimmt er ja sogar«, sagte sie und ergänzte noch, »so ich habe Sie jetzt lange genug aufgehalten. Wenn sie mögen könnten wir uns vielleicht hier ja öfters treffen, auch mal in den Park gehen und ein bisschen tratschen. Nach den Behandlungen gibt es bestimmt immer genügend Zeit dazu.«

»Gute Idee Hannah, wenn ich erst Mal die verdammten Nähte am Bauch los bin, kann’s mit den Spaziergängen wieder los gehen. Ich freue mich, wenn wir wieder etwas plaudern könnten.«

Hannah erhob sich, reichte ihm die Hand, »Also abgemacht, bis bald und danke nochmals.«

Peter erwiderte ihren Händedruck, »Ja ist schon ok, ich freue mich sie wieder zu sehen, also bis dann.«

Peter war innerlich sehr erleichtert, du scheinst ja damals doch eine gute Tat vollbracht zu haben. Zumindest hörte es sich jetzt so an, dachte er und sah Hannah dabei nach, wie sie den Gang zu ihrer Station entlang ging, zur internen Abteilung des Hauses.

Tags darauf wurden ihm Drainage und Nähte entfernt, der Oberarzt war sehr zufrieden mit dem Heilungsverlauf, erklärte ihm noch einige Details, was alles gemacht wurde. Allerdings verstand Peter die vielen lateinischen und griechischen Ausdrücke ohnehin nicht und ließ es einfach über sich ergehen. Dachte nur, warum müssen die Mediziner sich immer hinter den Fachbegriffen verstecken, die man meistens nicht auf die Reihe kriegt. Aber ist eh wurscht, sagte er sich, hörst halt einfach auf deinen Körper, der gibt ja ohnehin die beste Auskunft überhaupt.

Andererseits war er doch sehr froh darüber, von den Spezialisten wieder zusammengeflickt worden zu sein, denn ohne die, hätte er wohl gar keine Chance gehabt zu überleben. Sorgen bereite ihm lediglich der Gedanke, wer nun für die Kosten der sicherlich hier nicht ganz billigen Geschichte aufkommen würde. Es schien ja so, dass man nicht vorhatte ihn schnell wieder raus zu schicken.

So nahm er sich fest vor, demnächst einmal in der Kanzlei nachzufragen und sich darüber schlau zu machen.

9. Kapitel

Einige Tage waren inzwischen vergangen, der Krankenhaus Alltag hatte ihn voll eingenommen. Der war ja eintönig und wenig abwechslungsreich genug. Peter war jetzt sehr darauf bedacht seine alte Fitness wieder zu erlangen. Streifte oft durchs ganze Haus, ging auch schon öfters ins Freie ein paar Runden spazieren. Trotzdem war er oft froh, danach wieder in sein warmes bequemes Bett zu kommen. Die ganze Geschichte war doch nicht so Spurlos an ihm vorüber gegangen, wie er Anfangs so dachte.

Abwechslung boten ihm immer Schachpartien mit einem Patienten. Einem Bauarbeiter, dem bei einem Arbeitsunfall der Unterschenkel abgetrennt wurde, man hatte ihm den zwar wieder Re-implantiert. Allerdings war aber anscheinend zu viel Zeit vergangen, der Körper stieß den Körperteil wieder ab, der dann doch amputiert werden musste.

Nun war der Mann im Rollstuhl wartete auf Abheilung des Stumpfes und gleichzeitig darauf seine Beinprothese zu bekommen. Einerseits war Peter sehr froh hier gut versorgt zu sein, andererseits war in ihm latent der Drang, die unendliche Freiheit wie vorher wieder zu erlangen, stets vorhanden. Die Informationen aus der Kanzlei, brachten nicht viel, außer dass man ihm sagte, er solle sich jetzt keine Sorgen machen. Es wäre finanziell für alles gesorgt, wodurch und wie, sagte man aber nicht.

Eines konnte er sich aber schon denken, dass es in seiner prekären Lage bestimmt nicht durch die Krankenkasse gedeckt wäre oder irgendeinem anderen Sozialversicherungsträger oder Fond. So blieb ihm die ganze Geschichte eigentlich ein großes Rätsel, mit dem bitteren Nachgeschmack auf der Zunge, dass ihm irgendwann damit doch noch Probleme erwachsen könnten.

Mit Hannah traf er sich meistens erst gegen späten Nachmittag, was ihn ja nicht wunderte, da sie Vormittag meistens in der Dialyse verbrachte. Sie wusste aber nicht, dass er das ohnehin schon wusste. Sie sprachen ganz einfach nicht darüber. An anderen Tagen war sie in der Therapie, die ihr anscheinend inzwischen sehr gut tat.

Denn es gab von ihr keine Anzeichen mehr sich darüber zu ärgern, dass ihr Suizid Versuch gescheitert war. Im Gegenteil, sie strömte schon so eine Art Zuversicht aus, nach Abschluss der Therapie wieder ein normales Leben führen zu können. Andeutungen über ihre persönlichen Lebensverhältnisse, kamen hie und da zwar schon zaghaft durch. Doch genaueres konnte sich Peter dadurch nicht zusammen reimen. Wollte er eigentlich auch nicht, denn so dachte er sich, wenn sie es für wichtig und richtig befände, würde sie es ihm schon von sich aus preisgeben.

Er spürte nur, dass sie sich über seine Gesellschaft immer sehr freute, ja dabei direkt aufblühte. Sogar den Friseur u. Kosmetiker kommen ließ, um sich Stylen zu lassen. Es schien ihm, dass sie zwar eine eitle aber sehr introvertierte Person sei.

Peter versuchte sie öfters mit Geschichten aus seinem „großbürgerlichen Vorleben“ zu erheitern und erzählte ihr lustige Anekdoten aus seinem damaligen Berufsalltag als Unternehmensberater. Der mit so allerhand bunten und außergewöhnlichen Umständen konfrontiert wurde, die es einfach zu lösen galt. Wie er dabei so manch verzwickten Fall aus der Welt schaffen konnte.

Hannah hörte ihm immer gerne und aufmerksam zu, er spürte wie sie allmählich begann sich langsam irgendwie innerlich zu öffnen, anscheinend stufenweise irgendwelche Barrieren abbaute. Natürlich interessierte es ihn brennend warum sie damals, die Verzweiflungstat überhaupt unternehmen wollte. Fragte sich, was muss in ihr vorgegangen sein, so etwas als letzten Ausweg aus irgendwelchen Umständen zu suchen und zu akzeptieren. Jedoch direkt sprach er diese Thematik nie an vertrauend darauf, dass sie es vielleicht einmal von sich aus täte.

Ihm ging es ja damals auch schon einmal so mies, dass er sein Leben, wie einen alten Fetzen wegwerfen wollte. So konnte er sich in die Situation gewissermaßen schon ein bisschen einfühlen. Allerdings war ihm ja damals kein Therapeut zur Seite gestanden. Sein Todeswunsch war ja als solcher auch nicht erkennbar gewesen. Man dachte einfach, er wäre aus Entkräftung auf der Parkbank eingeschlafen. Dass, er eigentlich damals gar nicht mehr aufwachen wollte wusste ja niemand.

Später dann bei den barmherzigen Brüdern, während der Ausheilung der Lungenentzündung, kam er von ganz alleine wieder zur Besinnung. Fasste dabei auch so manche Entschlüsse, wie sich sein weiteres Dasein entwickeln sollte.

Mittlerweile war es ja schon Hochsommer geworden, Tage mit brütender Hitze gab es zuhauf. Nicht einmal in der Nacht erfolgte eine heißersehnte Abkühlung. Peter war es ja überhaupt nicht gewöhnt in vier Wänden eingesperrt zu sein, so suchte er immer zu jeder freien Minute möglichst den Aufenthalt im Freien.

Zum Glück gab es am Spital, einen dazugehörenden großzügig angelegten Park, wo er oft ein schattiges Plätzchen fand und bei Sonnenuntergang etwas spazieren gehen konnte.

An einem dieser heißen Tage saß er, nachdem die Sonne schon untergegangen war, dort auf einer Bank.

Dachte wehmütig an Pablo, den er inzwischen schon sehr vermisste, immer hoffend, dass es dem auch an nichts fehlte und es ihm am Pflegeplatz gut ging. Plötzlich stand Hannah vor ihm.

Sie setzte sich lächelnd neben ihn und schien innerlich auch ganz aufgekratzt zu sein. Wusste aber anscheinend nicht wie sie ihm das Artikulieren sollte. Peter beschloss sofort keine Fragen zu stellen, eingedenk der Tatsache, dass jener der fragt auch führt. Führen wollte er in diesem Augenblick überhaupt nicht. Hannah ergriff plötzlich seinen Arm und lehnte sich zärtlich an seine Schulter. Peter umfing sofort ein wohliges Gefühl, das er schon so lange nicht mehr kannte, aber immer sehnsüchtig vermisste.

»Peter, ich muss dir da etwas sagen«, sprach sie sanft, ihre Augen lachte ihn an dabei. Mittlerweile duzten sie sich ja, da es ihre Gespräche vertrauter werden ließ, als sie hier öfters gemeinsam im Park spazierten. Er streichelte sanft ihren Arm und meinte lächelnd, »So wie du jetzt strahlst muss es ja etwas Angenehmes sein?«

»Ist es auch. Stell dir vor, man hat mir gesagt Eurotransplat hat gemeldet, es gibt eine passende Spenderniere für mich, ist das nicht toll?«

»Wirklich? Das ist ja eine gute Nachricht, manchmal werden Träume doch wahr.«

»Stimmt, weißt du wie oft ich schon davon geträumt habe?«

»Nun ja, als nicht Betroffener denkt man darüber nicht nach, aber ich kann es mir schon sehr lebhaft vorstellen.«

»Was glaubst du wie oft ich Menschen beneidet habe, die ein normales Leben führen können, ohne ständig an irgendwelche Maschinen angeschlossen werden zu müssen. Ich hätte alles dafür gegeben. Was nützte mir all der Reichtum, das große Haus, die tollen Sportwagen, im Prinzip gar nichts. Mein toller Göttergatte hatte sich auch rasch woanders getröstet. Als ich seinen Ansprüchen dann nicht mehr gerecht wurde.«

Peter spürte instinktiv, dass nun der Moment gekommen war, wo sie sich alles von der Seele reden wollte. Aufmunterndem Blickes streichelte er ihr übers Haar.

»Wenn alles klappt und nichts dazwischen kommt, werde ich auch wieder ein halbwegs gesunder Mensch sein, dem wieder viel offensteht, was bisher einfach nicht möglich war. Das verdanke ich ja eigentlich nur dir.«

Hmm … dachte er, ist aber sicher nur teilweise richtig. Vermied aber sofort irgendetwas darauf zu entgegnen. Das war auch gut so, denn Hannah sprach gleich weiter,

»Weißt du Peter, ich habe öfters über dich nachgedacht? Zeit hatte ich ja immer genug während der Dialyse. Ich möchte eigentlich nicht, dass du so weiter leben musst wie bisher. Daher mache ich dir einen Vorschlag und ich hoffe stark du akzeptierst ihn?«, ihre Blicke waren treuherzig, zugleich irgendwie sehr fragend.

Nach einem kurzen Räuspern sprach sie gleich weiter, »Ich finde du bist einfach ein viel zu wertvoller Mensch, als dass du so dahin vegetieren musst. Es ist eine Schande, dass man dir nirgendwo wieder eine zweite Chance gegeben hat. Das möchte ich ändern. Ich weiß mittlerweile, dass du viel Potential in dir hast. Was hältst du denn davon in meine Dienste zu treten?«

Peter sah sie wahrscheinlich etwas entgeistert an, wie er befürchtete. Mit so einer Frage rechnete er natürlich nicht. Hannah musste seine Verwunderung bemerken und fügte gleich hinzu, »Jetzt erkläre ich dir, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Vorige Woche bekam ich endlich das Scheidungsurteil zugeschickt. Es war harte Arbeit, die sich lange hinzog, aber mein Anwalt ließ einfach nicht locker und hat es nun geschafft. Damit, ich endlich auch ganz offiziell den Blutsauger los bin.«

Hannas Blicke bekamen plötzlich einen ganz euphorischen Ausdruck. Peter vermied es zu kommentieren und sah sie ermunternd an. Hannah sprach auch gleich weiter, »Ist vielleicht eine längere Geschichte, aber ich finde du solltest die Hintergründe einfach wissen. Es ist nämlich so, dass Johann mein „Ex“, ein ziemliches Miststück war. Ich aber in meiner anfänglichen Verliebtheit über vieles hinweg sah, was mich schon immer hätte stutzig machen müssen. Nun wie es auch sei, ist das ja nun alles Geschichte geworden. Tatsache ist, dass ich nun einen Betrieb am Halse habe, den ich wohl nie imstande bin zu führen. Mir genügte ja bisher immer die Rolle der Repräsentation, auch der biederen braven Millionärsgattin. Die sich ausschließlich um die rein privaten Agenden kümmern musste. Wenn du verstehst was ich meine?«

»Ja, kann ich mir gut vorstellen, Hannah. Du hast zwar jetzt ein Problem weniger, allerdings tut sich dadurch wieder eine Neues auf, oder?«

»Genau richtig. Du könntest dieses Problem ohne Zweifel für mich aus der Welt schaffen. Indem du meinen Vorschlag einfach akzeptierst. Ich denke, dass es für dich gar kein Problem darstellt das Unternehmen zu leiten. So müsste ich es ja auch nicht veräußern. Wo ich damals meinem Vater am Sterbebett schwören musste, dass ich das auch nie tun werde. Er wollte immer, dass es im Familienbesitz bliebe. Da kam ihm seinerzeit wohl Johann scheinbar gerade recht. Denn Johann verstand es meisterhaft sich geschäftlich gesehen bei ihm ins rechte Licht zu rücken. Zu diesem Zeitpunkt war mir aber Johanns geschäftliche Seite nicht das wichtigste. Vater, er zwang mich dann auch mehr oder weniger ihn zu heiraten. Wollte ich nicht enterbt werden.«

»Verstehe, um welche Branche handelt es sich eigentlich?«

»Schau, es geht um große Waldflächen, mit einem dazu gehörenden modernen Sägewerk. Dazu kommt auch noch eine Kartonagenfabrik und Anteile an einer Papierfabrik. Das alles braucht eine starke Hand, damit alles im Lot bleibt.«

»Du meinst, dass ich dazu der Richtige bin?«

»Ja, ganz sicher. Davon bin ich felsenfest überzeugt, ich hatte ja inzwischen viel Gelegenheit so einiges über dich zu erfahren, als du mir von deiner beruflichen Laufbahn erzähltest. Das brachte mich ja erst auf die Idee.« Sie führte auch noch so einige Details aus, die sie sich schon überlegt hatte. Wie er wieder zu einem festen Wohnsitz käme, auch zu Geld in Form eines Vorschusses, um den Start in die neue Funktion zu schaffen. Peter war einerseits erstaunt von alledem, auf der anderen Seite schon etwas überfahren. Mit so etwas hatte er nie im Leben niemals mehr gerechnet.

Hannah schien sein Erstaunen, auch die gewisse Skepsis sehr wohl zu bemerken, wollte ihm vermutlich eine gewisse Bedenkzeit einräumen, als sie dann sagte, »Machen wir es einfach so, du überlegst dir alles einmal in aller Ruhe, ich muss inzwischen mit dem Primar auch noch die Transplantationsgeschichte besprechen. Das ergibt sicher etwas zeitlichen Spielraum. Danach reden wir wieder darüber, einverstanden?«

 

10. Kapitel

Peter war gesundheitlich inzwischen wieder völlig hergestellt. Wurde vom Spital entlassen, bekam auch wieder seine wenigen Habseligkeiten ausgehändigt. Er hatte nichts Eiligeres zu tun, als nach Stockerau zu fahren, um Pablo endlich wieder in die Arme schließen zu können.

Die Adresse bekam er am Telefon vom Oberrevierinspektor, dem Leiter des Polizeireviers, der ihn dort auch gleich angemeldet hatte. In freudiger Erwartung seinen treuen Vierbeiner wieder zu bekommen, fuhr er mit der Schnellbahn dorthin.

Noch in der Schnellbahn erinnerte er sich, an die letzten ereignisreichen Tage im SMZ-Ost zurück. Hannah war kurzfristig in die chirurgische Abteilung verlegt worden, zwecks Vorbereitung zur Transplantation der Spenderniere. Daher war ein neuerliches längeres Gespräch mit ihr über die geplante Zukunft gar nicht mehr möglich gewesen. Einerseits war es ihm sogar auch recht. Denn vor dem immerhin schweren Eingriff, wäre das was er ihr hätte sagen wollen, sicher nicht dazu geeignet gewesen sie in eine positive Stimmung zu versetzen.

Er hatte sich nämlich nach reiflichen Überlegungen dazu entschlossen, ihr Angebot nicht anzunehmen. Einerseits fühlte er sich innerlich schon sehr geschmeichelt, dass sie ihn für fähig hielt so einen Posten zu bekleiden. Würde er ihn annehmen, wäre er sicherlich auf einen Schlag alle derzeitigen Probleme los.

Andererseits aber, so dachte er sich, kämst du ja dadurch wieder genau ins alte Fahrwasser zurück. Dass, du bereits seit einiger Zeit schon verlassen hattest. Wobei die Voraussetzungen damals fast besser waren. Immerhin warst du ja seinerzeit selbstständiger Unternehmer gewesen. Hast das volle unternehmerische Risiko ganz alleine getragen, du hast ungeteilt natürlich auch die Früchte bei Erfolg geerntet. Wärst du seinerzeit nicht so vermessen gewesen, Expansionsgelüste befriedigen zu wollen, auch einen Kompagnon aufzunehmen. Wäre wohl damals alles vollkommen anders gelaufen.

Es gab ja in deinem Wirkungskreis genug Aufträge, die du nur mit einer Bürokraft ganz alleine bewältigen konntest. Der Verdienst reichte allemal, um nicht von der Hand in den Mund leben zu müssen. Im Gegenteil, du hast dabei sogar ansehnliche Gewinne gemacht. Die Familie war dadurch bestens versorgt. Das Unternehmen in der eigenen Villa beheimatet, verfügte dort über Büroräume die keine Miete kosteten. Die technische Infrastruktur war vollständig vorhanden und bereits bezahlt.

Dazu gab auch es genug Unternehmen auf der Warteliste, die deine Dienste als Unternehmensberater in Anspruch nehmen wollten. Konntest dir sogar selbst aussuchen für welche du tätig werden wolltest. Ein überaus guter Ruf innerhalb der Branche ging dir voraus und an lukrativen Kontakten mangelte es überhaupt nicht.

Wäre da seinerzeit nicht deine Frau auf die glorreiche Idee gekommen, dass es an der Zeit wäre, das florierende Geschäft zu vergrößern. Indem sie dir einen ihrer ehemaligen Studienkollegen empfahl, der dringend Arbeit brauchte. An die daraus folgenden unguten Ereignisse, die fast vierundzwanzig Monate anhielten, konntest du dich immer noch lebhaft erinnern. Genau das wollte er nicht mehr erleben müssen, sagte er sich.

Nichts lag ihm nun ferner, als eventuell neuerlich in solche Situationen zu schlittern, dies obendrein jetzt auch noch als weisungsgebundener Angestellter. Da zerlege ich doch wesentlich lieber dem Manfred seine Motorradkisten, ist zwar eine Aufgabe mit geringer Entlohnung. Aber unterscheidet sich eigentlich nicht wesentlich davon, wie eine verzwickte Aufgabe in einem Unternehmen zu lösen und dafür ein saftiges Honorar zu kassieren. Allerdings brauchte man dabei eben „Hirnschmalz“ und nicht wie bei den Kisten überwiegend nur Muskelkraft einzusetzen. Wie er ja nun auch empirisch wusste.

Die entbehrungsreiche Zeit, die er nun als Obdachloser inzwischen zurück gelegt hatte, gab ihm ja viel Gelegenheit über sich persönlich nachzudenken. Vorher hatte er im Luxus geschwelgt, war ständig dem Geld hinterher gelaufen, um Dinge anzuschaffen, die er sich rückblickend hätte absolut sparen können. Obendrein einer Fata Morgana aufgesessen zu sein, zu glauben, es gäbe so etwas wie Treue in der Ehe. Auch fest daran zu glauben, es gäbe loyale Kompagnons, die nur das Wohl des Unternehmens im Auge hätten, in diesem Fall, nur herbe Enttäuschungen, die er sicher nie mehr bräuchte. Auf solche Umstände und Zustände hatte er einfach überhaupt keinen Bock mehr.

Da war ihm das nun gelebte Dasein einfach viel lieber, trotz der vorhandenen Schattenseiten, sich andauernd den Kopf darüber zerbrechen zu müssen, sich das eine oder andere überhaupt leisten zu können. Eben nichts, so wie früher, als selbstverständlich ansehen zu können, nun auch ganz genau zu wissen, dass alles im Leben eben seinen Preis hat.

Aber wiederum auch einige positive Aspekte. Eben ohne Leistungsdruck, über jede Menge Zeit zu verfügen. Auch zu erkennen, dass Freundschaft und Hilfsbereitschaft unter den Gesichtspunkten, keine bestimmten Ziele, Zwecke oder Nutzen zu erwarten beziehungsweise zu verfolgen, auch nicht den Punkt Überlegenheit auszuspielen, eigentlich das einzig Wahre ist.

Genau dies konnte er in seinem Obdachlosen Dasein beim Umgang mit anderen Leidensgenossen oft am eigenen Leib wahrnehmen. Diesen Überlegungen wollte er jetzt auch in Zukunft treu bleiben. So gesehen hatte er mit seinem „Vorleben“ bereits abgeschlossen, eine Neuauflage in der alten Form kam daher für ihn überhaupt nicht mehr in Frage.

Dann kam der lang ersehnte Moment, wo er Pablo wieder sah. Der spielte gerade im Garten mit den Kindern seines Pflegers. Als er am Gartentor stand, war Pablo einfach nicht mehr zu halten, rannte auf ihn zu und versuchte sogar winselnd vor Freude über den Zaun zu springen.

Peter hatte es bisher nie für möglich gehalten, dass ein Hund sich so freuen, es auch so offensichtlich zeigen könnte.

Kurz darauf war er mit Pablo an der Leine am Westbahnhof. Agnes kam aus dem Staunen nicht heraus als sie beide sah, lachte die zwei freudig an,

»Na du alter Schwerenöter, wie war denn dein Urlaub?« fragte sie gleich.

»Gottvoll, kann ich nur sagen«, sprach Peter listig grinsend, »weiße Sandstrände, Palmen, azurblaues Meer, angenehmes Klima. Beste Verpflegung und ein tolles Ambiente im Luxushotel.«

Agnes grinste breit, so, dass ihre Ohren Besuch bekamen.

»Nö, Spaß beiseite, wenn du mir eine Burenwurst und ein Bier gibst, erzähle ich dir weshalb ich längere Zeit nicht mehr hier war, beziehungsweise denn sein konnte«, sagte er mit fröhlicher Stimme, da er sich seinerseits auch freute sie wieder zu sehen.

»Kommt sofort, und das gibst du jetzt Pablo«, sie reichte ihm eine kalte Knackwurst.

Während Pablo sich gleich darüber her machte und Peter seine Wurst aß, erzählte er Agnes dabei was sich in letzter Zeit so abgespielt hatte. Das neuerliche zusammentreffen mit Hannah streifte er aber nur sehr flüchtig, ohne dabei in Details zu gehen.

Sie war ganz Ohr und hörte ihm ohne zu unterbrechen aufmerksam zu.

»Wird aber für dich schwer werden, wieder so wie vorher zu leben, wo du doch inzwischen ein festes Dach über dem Kopf hattest, oder?«, meinte Agnes am Schluss und blickte ihn dabei sehr forschend an.

»Na ja, da ist schon was dran«, meinte Peter nachdenklichen Blickes, »weißt du trotz aller Schmerzen und sonstiger Unbill, war es doch schon immer sehr beruhigend ein Bett zur Verfügung zu haben. Geregelte Mahlzeiten und so, aber nun kommt es eben wieder ganz anders für mich. Werde mich halt weiterhin wieder so durchschlagen müssen.«

Agnes langte unter die Tischfläche und zog ihre Handtasche hervor, kramte darin und holte einen Schlüsselbund hervor. Den reichte sie Peter mit den Worten; »Hier sind die Schlüssel vom Wohnwagen, wo der steht, weißt du ja eh. Es ist Schlechtwetter angesagt, ich will nicht, dass ihr zwei bei solchem Sauwetter unter der Brücke schlafen müsst. Das ist keine Bitte, sondern ein Befehl!«, ihre Worte klangen sehr resolut, obwohl ein mildes Lächeln auf ihrem Gesicht lag.

Peter lag eingehüllt in seinem Schlafsack und Pablo am Fußende eingerollt, im Bett des relativ geräumigen Wohnwagens. Der Regen trommelte unaufhörlich und laut aufs Dach und verhinderte somit das Einschlafen. Er dachte sich, war doch gut Agnes Angebot angenommen zu haben. Denn es sah ja nicht danach aus, dass die Schlechtwetterfront rasch abziehen würde. Im Freien zu schlafen wäre bei so einem Wetter auch nicht gerade das angenehmste, dagegen ist es ja hier der reinste Luxus.

Im Prinzip gibt es alles, was man zu einem menschenwürdigen Dasein braucht. Man kann Essen aufwärmen, Heizen, Fernsehen, sogar eine Sanitärzelle ist vorhanden. Okay, ist zwar nicht mehr ganz neu das Gefährt, aber sehr gut gepflegt und voll funktionsfähig, dachte sich Peter.

Während er diesen Gedanken nachging, baute sich in seiner Vorstellungswelt ein Szenario auf, das ihm ausnehmend gut gefiel. Genau dieses war, ihm früher schon einmal unter ganz anderen Voraussetzungen in guten Zeiten eingefallen. Konnte aber leider durch die Umstände und Verpflichtungen damals gar nicht weiter verfolgt werden.

Er dachte das ganze noch einmal gründlich durch, kam aber dabei zu dem Schluss, dass es wohl wieder ins Land der Träume einzuordnen wäre, zumindest in seiner derzeitigen Situation. Irgendwann fielen ihm doch die Augen zu, er schlief dann mit einem immerhin zufriedenen Lächeln auf den Lippen ein.

 

11. Kapitel

Sechs Monate später, saß Peter am Volant, neben sich Pablo der aufmerksam interessiert die vorüber ziehende Landschaft durch die Seitenscheibe betrachtete.

Aus der Stereoanlage erklang gerade der Part von der Geschichte des Prinzen Kalender, aus der Scheherazade, denn Peter liebte immer schon Korsakoffs Werke, ebenso jene von Tschaikowsky und Smetana. Der 147 PS starke Motor des Niesman-Bischoff Arto grummelte leise vor sich hin. Peter hatte das geräumige chice luxuriöse Fabrikneue Wohnmobil gerade vor einer Woche vorher geliefert bekommen und befand sich sozusagen auf der Jungfernfahrt, die ihn nun nach Italien führen sollte. Somit war sein damaliger Traum von einem eigenen Wohnmobil jetzt doch noch zur wunderbaren Realität geworden.

Er war gerade unterwegs auf der Brenner Autobahn und hielt eine Reisegeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde für vollkommen ausreichend um entspannt dahin gleiten zu können. Was für den Wagen überhaupt kein Problem darstellte, denn der könnte ja wesentlich mehr leisten.

Während Peter so entspannt mit dem Tempomat des „Arto Liner“ dahinglitt, erinnerte er sich wie in den letzten Monaten alles so gekommen war. Noch während er damals in Agnes Wohnwagen logierte, ging er einmal mit Pablo gezwungenermaßen „Gassi“ und wollte sich dabei auch gleichzeitig etwas zum Rauchen besorgen. In der Trafik sprang ihm dann beim Bezahlen, plötzlich der Lottoschein in die Augen, den er inzwischen unbekümmert immer noch in der Geldbörse mit sich herum getragen hatte. Weil ihm ja damals „Madame“ genau vor der Nase weg gefahren war, als er sie nach Atem ringend beinahe erreicht hätte. Seine Rufe ignorierte sie einfach und brauste einfach davon. So ging er dann, durch den ungewohnten spurt, immer noch ziemlich schnaufend zurück zum Trafikanten, um den Schein wieder abzugeben.

Der grinste ihn nur milde an und sagte ihm, er sollen den Schein doch einfach behalten, die Frau sei ja keine Stammkundin von ihm. Er hätte sie bisher noch nie gesehen, wer so dumm sei etwas zu vergessen, dem geschähe es eben recht.

Kurz nach dem Wiederfinden des längst vergessenen Lottoscheins, ging er dann einmal in ein Internet Café, nachdem er wieder einmal einige Motorrad Kisten zerlegt hatte. Klickte die Seite der Lottogesellschaft an und gab im Feld Gewinnermittlung, die Nummer des Lottoscheins ein.

Dachte sich auch nichts weiter dabei, er wollte eigentlich nur sicher gehen nichts verpasst zu haben, um dann den Schein einfach zu vernichten. Er brauchte nach der Abfrage gleich einen doppelten Cognac um wieder Farbe in seinen blassen Teint zu bekommen, nachdem er das Ergebnis am Bildschirm abgelesen hatte. In einem Gemütszustand im dem er nicht mehr wusste, ob er nun Lachen oder Weinen sollte, verließ er das Café.

Die darauf folgende Nacht wälzte er sich schlaflos Nerven vibrierend unruhig im Wohnwagen in seinem Schlafsack herum. Die Gedanken tobten infernalisch in seinem Kopf, er schwankte zwischen Recht und Unrecht. Sein Gerechtigkeitsgefühl schien einfach zu ausgeprägt. Bis ihm eine innere Stimme sagte: Quäle dich doch nicht, eine Fügung des Schicksals hat dir einfach diesen Schein in die Hände gespielt. Es ist müßig, darüber zu sinnieren, was in dieser Causa alles hätte passieren sollen, damit eben alles seine Ordnung hat. Fakt ist einfach, dass derjenige in dessen Händen sich der Schein befindet, diesen eben auch besitzt, jetzt mal ganz unabhängig davon wer ihn bezahlt hat und nur der Überbringer dieses Scheins hat Anrecht auf den Solo Gewinn im ersten Rang in Höhe von 12 Millionen Euro. Somit hatte der besagte Automaten-Lottoschein ganz einfach den damaligen fünffach „Jackpot“ geknackt.

Eine Zeitlang quälte er sich noch mit verschiedenen Szenarien herum, so quasi was wäre denn, wenn gewesen?. Bis er dann letztendlich in Versuchung war, der inneren Stimme doch irgendwie Recht zu geben, es allemal besser zu finden, sich darüber nicht mehr den Kopf zu zermartern. Trotzdem intuitiv so einfach, mir nichts, dir nichts, konnte er diese verzwickte Angelegenheit innerlich ja doch nicht so ohne weiteres verkraften und einfach wegstecken. Gedanken wie,

Warum hast du dir das Kennzeichen des Wagens der Lady nicht gemerkt? Brächte es denn jetzt etwas, die „Dame“ wieder ausfindig zu machen? Obwohl die ja nicht gerade so aussah, als ob sie eine eifrige Lottospielerin sei. Denn solche vergessen ihren Schein bestimmt nicht. Dachte er sich unter vielen anderen offenen Fragen, auf die er einfach keine schlüssigen Antworten fand, so viel er auch darüber sinnierte.

Irgendwann in dieser für ihn turbulenten inneren Gefühlsphase, kam er aber zum definitiven Entschluss, alle Skrupel und Zweifel in sich einfach zu unterdrücken und sich nun bei der Lottogesellschaft als Gewinner zu deklarieren.

Dort schien beim Telefonat gleich ein befreiendes Aufatmen durch die Reihen zu gehen. Jetzt nach den vielen Wochen, rührte sich der Glückspilz endlich. Üblicherweise melden sich die meisten Gewinner ja schon eine Woche danach, wenn der erste „Schock“ verdaut ist, wie man ihm sagte.

Wie es so üblich ist, bot man ihm auch gleich den Kontakt mit dem Großgewinner Berater der Gesellschaft an. Der nun alle erforderlichen Schritte einleiten würde, um ihm in den Genuss der Gewinnsumme zu bringen. Natürlich auch völlig anonym versteht sich, wie man gleich ausdrücklich beteuerte.

Prima, dachte sich Peter, genau das, was ich möchte. Denn er konnte sich ja auch illustriert vorstellen, was es bedeuten würde, womöglich als Lotto-Millionär öffentlich „geoutet“ zu werden.

Pfiffig vereinbarte er mit dem Berater, mit dem er anschließend gleich verbunden worden war, ein Treffen in einem nichtssagenden Beisl, gleich ums Eck, bei Wolfgangs Biker-laden. Wo sie sich zwanglos treffen wollten, um alle Details abzuklären.

Peter erschien dann dort in seinem gewöhnlichen Outfit, die der Berater gleich irgendwie als Tarnung seinerseits einstufte und sich sogar drüber amüsierte. Ihm gefalle einfach dieses „Understatement“, wo sicher niemand Vermuten würde, dass sich dahinter ein Millionenschwerer Mann verbergen würde.

Danach ging es gleich ins Eingemachte. Der Berater musste nämlich Peters Identität abklären. Dazu reichte vorerst einmal sein Reisepass, der zwar schon abgelaufen war, aber im Inland trotzdem noch vier Jahre lang gelte, trotz offiziellem Ablaufdatum.

Peter musste ihm dann gegen Bestätigung den Lottoschein überlassen, damit der in der Gesellschaft geprüft werden konnte. Der Berater erklärte ihm dann die weitere Vorgangsweise der Gesellschaft und welche Unterlagen zur weiteren Abwicklung noch vonnöten sein würden. Als der Begriff Meldebestätigung fiel, zuckte Peter innerlich unmerklich zusammen, den einen solchen besaß er natürlich nicht. Alle anderen Unterlagen würden aber kein Problem darstellen, wie er dann aufatmend für sich feststellte.

Abschließend bat ihn der Berater, später auch noch die Bankdaten bekannt zu geben, damit dann der Geldtransfer vonstattengehen könnte. Somit waren bei der ersten persönliche Kontaktaufnahme eben alle Schritte in die Wege geleitet. Sie verabschiedeten sich dann voneinander, natürlich nicht, ohne vorher noch eine neuerliche Zusammenkunft vereinbart zu haben. Dessen Treffpunkt Peter vorher noch telefonisch bekannt geben sollte.

Am nächsten Tag hatte sich Peter chic gemacht, zog seine besten Sachen an und sah damit eigentlich ganz passabel aus, wie er fand. Er hatte vor ins SMZ-Ost zu fahren und nach Hannah zu sehen. Denn nach seinen damaligen Informationen, müsste sie bereits die neue Niere transplantiert bekommen haben.

Neugierig und gespannt, wie es ihr nun damit erginge, machte er sich auf den Weg.

Pablo durfte inzwischen bei einem Nachbarn verbleiben, denn Dauercamper helfen sich ja immer gerne. Sein Kapital reichte gerade mal für einen bescheidenen Blumenstrauß, den er im Blumengeschäft in der Halle des Krankenhauses kaufte.

Dazu auch noch ein paar Frauenzeitschriften, er wollte ja schließlich nicht mit leeren Händen bei ihr antreten.

Etwas später betrat er Hannahs Zimmer. Musste aber vorher noch einen Kittel, eine Haube und einen Mundschutz anlegen, wegen möglicher Keimübertragung. Er kam sich in der Aufmachung ziemlich unattraktiv vor, aber das war ja jetzt eigentlich Nebensache. Viel wichtiger war ihm ja Hannah endlich wieder zu sehen.

Er staunte dann nicht schlecht, als er bei ihrem Bett stand. Sie schien in bester Verfassung, sah zufrieden und gelöst aus. Eben ganz anders, als er sie damals noch in Erinnerung hatte, wo sie oft eher blass und farblos wirkte.

Als ihn Hannah dann an der Stimme erkannte, strahlte sie gleich übers ganze Gesicht, freute sich auch riesig über die Mitbringsel. Bedauerte ihn nicht umarmen zu dürfen, wegen der strengen Hygienevorschriften. Drückte ihm aber trotzdem herzlich beide Hände.

Peter nahm dann an ihrem Bett Platz und erkundigte sich gleich nach ihrem Befinden. Hannah erklärte ihm euphorisch wirkend, dass mit der OP alles gut verlaufen sei. Keine größeren Abwehrreaktionen gegen das neue Organ bisher stattgefunden hatten, so wie es aussehe, könnte sie wahrscheinlich nach der erfolgten medikamentösen Einstellung, um Abwehrreaktionen hintanzustellen, in zwei Wochen das Krankenhaus verlassen.

Sie fühle sich so peu a peu wieder als vollwertiger Mensch, dem nunmehr viele Probleme und Entsagungen in Zukunft erspart bleiben. Es wäre auch allemal besser nur mehr Medikamente einzunehmen, als andauernd an irgendwelche Maschinen angeschlossen werden zu müssen.

Nach diesen Ausführungen, die Peter mit Freude aufnahm, konnte es sich Hannah anscheinend einfach nicht verbeissen, ihn gleich nach seinen Überlegungen in puncto ihres damaligen Angebotes zu befragen.

Peter war eigentlich darauf gefasst und hatte sich auch schon einen Plan zurechtgelegt. Denn er wusste, dass diese Thematik sicher kommen würde, so sicher wie das Amen in der Kirche. Inzwischen kannte er ja schon ihre Zielstrebigkeit in dieser Causa, die ihr verständlicherweise ganz sicher heftig unter den Nägeln brannte. Schließlich ging es ja dabei um ihre wirtschaftliche Existenz und Erhaltung des Familienunternehmens.

Nachdem ihr geschiedener, nun nicht mehr die Leitung der Unternehmungen innehatte und mit einer großen Abfindungssumme bereits ausgeschieden war. Musste also auf dem schnellsten Wege gehandelt werden, wie Peter wusste.

Nun schlug die Stunde der Wahrheit für Peter. Ohne langem herumgerede erklärte er ihr seinen damaligen Entschluss das Angebot, das ihm zwar schmeichelte, dennoch nicht anzunehmen. Erläuterte seine Beweggründe, die er sich zurechtgelegt hatte, in einem einfühlsamen Ton, aber schon so, dass einfach keine Widerrede erfolgen konnte.

Hannahs Gesichtszüge waren plötzlich sehr ernst, sie schien sichtlich einen Kampf auszufechten. Ihre Blicke wechselten von Verständnislosigkeit bis hin zu Verwunderung. Anscheinend brach in ihr innerlich ein hoffnungsvolles Gebäude zusammen, wie ein Kartenhaus.

 

12. Kapitel

Am Brenner Grenzübergang, parkte Peter den Wagen am Rasthausparkplatz, schloss ihn sorgfältig ab. Schnappte sich Pablo, leinte ihn an und zog ein paar Runden, damit der für sein körperliches Wohlbefinden sorgen konnte. Immerhin hatte er ja bis hierher brav durchgehalten. Danach wollte er noch im Rasthaus eine Kleinigkeit Essen und einen starken Kaffee zu sich nehmen.

Er saß gerade im Restaurant und wartete auf seine Speisen, als sein Handy vibrierte. Das Display zeigte, Hannah ruft an. Nachdem er sich gemeldet hatte, plapperte sie gleich euphorisch wirkend los,

»Peter, gute Nachrichten hab ich für dich. Also, der Janos ist eine Wucht sage ich dir. Dein Plan scheint ja bestens zu funktionieren. Der Junge Hat’s wirklich drauf. Stell dir vor, er brauchte nur eine Woche, um sich einen Überblick über die Gesamtlage in den Unternehmungen zu verschaffen. Nächste Woche bekomme ich von ihm die „Business Pläne“ wie er dann weiter vorgehen will.«

»Klingt ja gut, Hannah. Freut mich sehr, dass du wieder die Sonne siehst!«

»Ja, das kannst du laut sagen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass alles klappt. Trotzdem möchte ich dich bitten, dass du mal in die Unterlagen guckst. Janos weiß Bescheid, er lässt dich auch schön Grüßen. Mir dann sagst was du davon hältst. Ich schicke dir dann alles per E-Mail, Okay?«

»Kein Problem, Hannah, mein mobiles Büro habe ich ja immer bei mir, wie du weißt.«

»Gut, morgen gehe ich mit Janos zum Notar, damit die Angelegenheit mit seiner Prokura auf die Reihe kommt. Wenn dann alle anderen Dinge gelaufen sind und ich in Wien nicht mehr gebraucht werde, nehme ich den Flieger nach Mailand. Wann genau, darüber telefonieren wir uns dann eh wieder zusammen. Holst du mich dann ab? Ich freue mich ja schon so!«

»Klar, Hannah, mit dem größten Vergnügen.«

»Prima, kann es kaum erwarten. Also, ich mache jetzt Schluss, fahr vorsichtig, bis Morgen dann, Baba Servus!«

»Wenn du Janos siehst, grüße ihn von mir und sage ihm, er soll die Ohren steif halten, er weiß ja eh wie ich es meine, okay? Also dann, Servus!«

Peter schmunzelte in sich hinein und dachte, das wird eine Show, wenn ich mit der Karre am Flughafen Hannah abhole. Sie glaubt sicher, dass ich mit irgendeiner Luxuskarosse unterwegs bin, sie damit abhole. Also, auf ihr Gesicht bin ich schon sehr gespannt. Mittlerweile wusste sie, dass er nicht unvermögend ist, doch Details darüber wurden eigentlich nie besprochen. Peter hatte sich vorgenommen in dieser Hinsicht nur auf ihrerseits gestellte Fragen präzise zu antworten. Eben alles seinen Lauf zu lassen.

Während er sein Abendessen zu sich nahm und Pablo bestens versorgt wusste, dachte er über einen anderen Plan nach, der ihn stark beschäftigte. Mittlerweile hatte er durch einen vorher gut bekannten Banker so einige Informationen bekommen. Die normalerweise nur unter sehr guten Freunden kursieren. Der Bankmensch gehörte dazu. Jetzt wo die alten Kontakte wieder geknüpft waren, Peter zu einem sozusagen Großkunden avanciert war, vertieften sich die alten Beziehungen zu seiner ehemaligen Hausbank.

So erfuhr er vom Bankmenschen, der mittlerweile zum Filialleiter aufgestiegen war, dass seine Ex in großen Schwierigkeiten steckte, was ihr Privatvermögen samt Firmenkapital betraf. Aber aus alter Freundschaft deckte der Banker seine Ex und gewährte weiterhin Kredite. Allerdings mit dem Hinweis, dass ihm wohl bald die interne Aufsicht aufs Dach steigen würde, wenn er dies weiterhin so betreibe.

Dem Anschein nach, liefen die Geschäfte nicht mehr so wie früher. Große Lücken waren entstanden, die er sich nur durch die großzügigen Privatentnahmen erklären konnte, die seine Ex laufend tätigte. Dahinter steckte wohl sein ehemaliger Kompagnon, der sich einen luxuriösen Lebensstil gönnte, ohne jedoch für einen vernünftigen finanziellen Hintergrund sorgen zu können.

Der Bankmensch erklärte ihm, dass die Leitung der Bank schon daran denke, die Villa Zwangsversteigern zu lassen, um wenigstens einen großen Teil der Kredite tilgen zu können. Man hatte auch schon angedacht ein Konkursverfahren einzuleiten und das Konsultingbüro zu liquidieren. Normalerweise gehen solche Aktionen meistens von den Sozialversicherungsträgern aus. Aber in dem Fall, wo keine Angestellten betroffen wären, würde dies wohl nicht so sein.

Peter witterte seine Chance nun an der Vergangenheitsschraube zu drehen. Einerseits dem ehemaligen Kompagnon einen ordentlichen Denkzettel zu verpassen, andererseits seiner Ex in irgendeiner Form Hilfe angedeihen zu lassen. Denn sie musste ja für die gemeinsamen Töchter sorgen und die waren ja an dem ganzen entstandenem Dilemma vollkommen schuldlos.

Wie kommen denn die jungen dazu, für die Dummheiten der „Alten“ zu bezahlen. Du hast immer noch die Pflicht den Mädels eine vernünftige gesicherte Zukunft zu ermöglichen, sagte er sich.

Wie er mit Kathrin, seiner Ex umgehen sollte, war ihm im Moment noch ein Rätsel. Eines war aber sicher, eine neuerliche Beziehung käme gar nicht in Frage, dazu hatte er sich mittlerweile in ruhigen Stunden, die es ja in der Vergangenheit im Überfluss gab, durchgerungen.

Daran würde sich auch unter jetzigen Bedingungen nichts mehr ändern, sagte er sich. Passé ist eben Passé. Du wartest eben noch einer gewissen Zeit die neueste Entwicklung in diesem Fall ab und entscheidest dann eben kurzfristig. Wobei der Banker versprochen hatte ihn sozusagen als unbeteiligten Beteiligten in der Sache auf dem Laufenden zu halten. Wahrscheinlich im guten Glauben, dass Peter die ganze Angelegenheit doch nicht so am Arsch vorbeiging, wie er bei einigen Diskussionen darüber immer vorgab. Insgeheim bewunderte Peter die gute Menschenkenntnis des Bankers.

Peter beendete sein Abendessen, ging mit Pablo zur Restaurantkasse, schob dort dem freundlichen Mädchen die „Golden Card“ hin, die erledigte alles mit einem Lächeln auf den Lippen in Bruchteilen von Sekunden. Peter zeichnete die Kartenabrechnung ab, vergaß nicht aufs Trinkgeld, danach zogen beide von dannen.

Im Wohnmobil war es Dank der Klimaanlage wohl temperiert, leise Musik tönte aus der Stereoanlage. Pablo verkroch sich gleich in seine Box, da er anscheinend wusste, dass es nun weiter gehen würde. Peter startete den Motor, schaltete das Navigationsgerät ein, dann fuhr er wieder los.

 

13. Kapitel

Peter und Pablo waren nach einer Woche wieder in Wien. Peter saß am Kamin seiner neu erworbenen Penthouse-Wohnung im ersten Bezirk, durch die großzügige Glasfront gab es einen schönen Ausblick auf den Stefansplatz, bis hin zum Ring. Er war gerade dabei einen Kaffee zu genießen, anschließend wollte er im Arbeitszimmer noch einige Unterlagen durcharbeiten, als das Telefon läutete.

Als er sich meldete war Hannah dran,

»Servus Peter«, tönte sie vergnügt klingend, »störe ich dich? Bin gut zuhause angekommen und ich wollte mich nochmals für die wunderschöne Zeit bedanken. Du weißt gar nicht, wie viel mir das alles gegeben hat. Jetzt überlege ich, wie ich mich revanchieren kann.«

»Hannah, es freut mich sehr, dass es dir gefallen hat, über Revanche brauchst du gar nicht nachzudenken. Mir wäre viel lieber, wenn wir das oft wiederholen könnten, sofern es deine Gesundheit erlaubt?«

»Du bist schon ein verrückter Kerl, aber ein lieber. Auf so eine Idee kommen muss man ja erst kommen. Keine Hotels, kein Zwang was Klamotten angeht und überhaupt, einfach sagenhaft! Morgen muss ich noch zu einer Nachuntersuchung, wenn alle Werte stimmen, bin ich zu jeder Schandtat bereit.«

»Das heißt es gibt eine Wiederholung?«

»Ja Peter, an so ein luxuriöses Vagabunden-Leben könnte ich mich direkt gewöhnen, so etwas kannte ich in der Form ja bisher nicht.«

„Ok, gibst du Laut, nach der Untersuchung? Damit ich mich nicht sorgen muss?“

»Klar, ich melde mich und sage dir Bescheid. Also, nochmals Danke für alles. Ich mache jetzt Schluss, Schlaf gut, bis morgen, okay?«

»Dir auch eine gute Nacht, Hannah, bis morgen dann!«

Peter legte den Hörer auf, ein schmunzeln kam in seine Züge, als er sich daran erinnerte, welch erstauntes Gesicht sie damals machte, als sie dann letztendlich in Mailand vor dem Wohnmobil stand. Er hatte in der Ankunftshalle auf sie gewartet, nach der Begrüßung gingen sie in ein Café auf einen Cappuccino, erzählten sich die letzten Ereignisse. Danach wollte sie den genauen Plan erfahren, welche Hotels und Orte geplant seien, und so weiter.

Peter erläuterte ihr die Reiseroute und Orte, sprach über die Besichtigungen, nannte die Restaurants. Nur bei den Bezeichnungen der Nachtlager stutzte sie gleich, denn die klangen alles andere als Hotelnamen. Es waren nämlich alles Campingplätze. Er hatte sich vom Touringclub eine Tour zusammenstellen lassen und alle Buchungen von dort im Vorhinein durchführen lassen.

Als sie dann am Flughafenparkplatz vor dem soignierten Niessman Bischoff standen, fiel es Hannah wie Schuppen von den Augen und als sie eingestiegen war, wurde ihr klar, dass es keine normale Urlaubsreise werden würde. Auf der Fahrt nach Genua, von dort weiter nach Lerici, unweit von Pisa, wo dann auf einem Campingplatz am Meer genächtigt wurde. War es um sie schon geschehen.

Sie begann die ungezwungene Atmosphäre richtiggehend zu genießen. Peter kümmerte sich um alles, Frühstück, Mittagessen in einer urigen Fischerhütte direkt am Strand. Inzwischen hatte Hannah mit Pablo Freundschaft geschlossen, der ihr nicht mehr von der Seite wich. Am Abend fuhren sie mit einem Taxi in den pittoresken Ort, nahmen in einem sehr guten Restaurant das Abendessen ein, während Pablo den Niessman bewachte.

Schlenderten durch die engen Gassen der Altstadt, beschlossen den Abend in einer Bar um dann spät Nachts zum Wohnmobil zurückzukehren, die Sandalen in der Hand.

Während Hannah noch duschte, saß Peter vor dem Wagen in einem bequemen Liegestuhl, baumelte mit der Seele und dachte an die Zeit auf der Donauinsel zurück, wo es zwar viel Gegend aber keinerlei Luxus gab. Hier jedoch war alles vorhanden, von eiskalten Getränken bis hin zu bequemen Liegestätten.

Hannah machte es sich dann im Wagen bequem, in einem Schlafzimmer im Kleinstformat mit allem drum und dran. Peter nahm nach seiner Dusche das Bett über dem Fahrerhaus und machte es sich dort bequem. Pablo begnügte sich mit seinem Korb zwischen den Vordersitzen.

Drei Tage später wunderte sich Pablo, dass Peter ebenso im Kleinstformatschlafzimmer nächtigte und er das geräumige Bett über der Fahrerkabine benützen durfte.

Hannah blühte richtiggehend auf, worüber Peter sehr froh war, denn er hatte sie ja schon ganz anders erlebt, völlig verzweifelt, durch die Krankheit aufs schwerste gezeichnet, hoffnungslos bis zum geht nicht mehr, durch die Umstände mit ihrer gescheiterten Beziehung. Dazu noch Existenzängste und wirtschaftliche Probleme mit ihren Betrieben.

Nun war plötzlich alles fast wie weg gewischt, gesundheitlich schien sie ganz gut auf der Höhe zu sein, ebenso mental. Am zweiten Tag begann ein kleines Pflänzchen zu gedeihen das man wohl Liebe nennt. Einen rasch wachsenden Ableger davon bemerkte Peter auch in sich. In der dritten Nacht gestanden sie sich ihre Liebe und ließen ihren Gefühlen freien Lauf. Wenn es nach Ihnen gegangen wäre, würden sie noch gerne eine Woche dranhängen um die neuentdeckten Gemeinsamkeiten weiter zu festigen und auszukosten. Aber diese Rechnung ging nicht auf, da bei einer Rückfrage beim Touringclub, keine Möglichkeit bestand die Buchungen zu erweitern. Zudem standen auch schon feste Termine in Wien an, die es wahrzunehmen galt. So musste zähneknirschend die Rückreise in einer Nachtfahrt angetreten werden. Peter setzte Hannah dann am Westbahnhof ab, von wo sie ein Taxi zu sich nachhause genommen hatte.

Am nächsten Morgen, Peter saß gerade beim Frühstück, wollte anschließend ein Runde drehen, denn Hunde brauchen nun mal ihren Gassi-Rundgang. Worüber Peter sehr froh war, so kann man nicht einfach in Bewegungslosigkeit vor sich hin gammeln und faul werden. Da läutete plötzlich sein Telefon, der Banker war dran. Der erklärte ihm, dass die Zeitbombe nun hochgegangen wäre. Eine Routinekontrolle der internen Revision hatte die Machenschaften aufgedeckt, natürlich sofort einen Bericht an die Geschäftsleitung verfasst und den Verantwortlichen, nämlich ihn gleich angeschwärzt.

Es kam auch zu einer ernsten Unterredung mit der Geschäftsleitung, der Banker konnte nur mit ach und Krach seinen Kopf aus der Schlinge ziehen, allerdings war jetzt ordentlich Feuer am Dach. Ihm wurde nahegelegt sofort den Geldhahn zuzudrehen und Maßnahmen zu ergreifen den Minussaldo bei den Giro-Konten abdecken zu lassen. Entsprechendes Schreiben wäre auch schon an seine Ex abgegangen.

Peter knabberte gerade an seinem Croissant nahm süffisant lächelnd einen Schluck Kaffee und ließ diese Neuigkeiten erst einmal sacken, während der Banker aufgeregt weiter sprach.

Wenn also, binnen der nächsten Tage die Konten nicht glattgemacht würden. Bliebe nichts anderes übrig als harte Bandagen anzulegen. Was seine Ex samt ihren Lover natürlich in Teufels Küche brächte. Der Banker sagte dann zu, Peter über den weiteren Verlauf in dieser Angelegenheit zu informieren, auch über die Reaktionen zu berichten.

Die Peter aber schon innerlich voraus sah, denn er hielt es für sehr unwahrscheinlich, dass die Betroffenen über so viel Kapital verfügten, oder kurzfristig herbeischaffen konnten, dass keine weiteren Schritte eingeleitet werden müssten.

Während des Spaziergangs mit Pablo rund um den Stephansdom überlegte sich Peter so einiges und einige Ideen aus seinem Repertoire kamen ihm in den Sinn. Schließlich hatte er ja ausreichende Erfahrungen aus Fällen die ähnlich gelagert waren, die er seinerzeit erfolgreich als Coach bei seinen Kunden über die Bühne brachte.

Im Fokus stand natürlich sein ehemaliger Kompagnon, der wohl in Kürze feststellen müsste, dass es ohne Geld keine Musik gibt. Dann ist es eben aus, mit seidenen Krawatten und sündteuren Maßanzügen, edlen handgenähten Latschen. Porsche fahren ist dann auch genauso entbehrlich, wie Schlittschuhlaufen in der Sahara. Am meisten freute ihn, wenn er an die kommenden Dispute dachte, die nun zwischen den beiden ablaufen würden, so sicher wie Erde rund ist. Das Kathrin dem Kerl dabei nichts schenken würde, war ebenso sicher anzunehmen wie die Tatsache, dass es jedes Jahr einen neuen Sommer gibt.

Über den Kompagnon dachte er weiter gar nicht mehr nach, der würde die volle Härte der Situation ja ohnehin am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Allerdings im Falle Kathrin hatte er kein so Gutes Gefühl. Scheinbar kann man eine ehemals glückliche Beziehung nicht so einfach aus dem Gedächtnis löschen, wie die Festplatte auf einem Rechner, dachte er sich. Okay, Kathrin hatte ihm zwar die Gurke gegeben und war den Versuchungen, auch dem Charme, seines Kontrahenten erlegen. Aber so völlig unschuldig fühlte er sich dabei nicht. Es bringt aber nichts die alten Geschichten wieder aufzuwärmen, über beiderseitige Fehler zu grübeln, sagte er sich, ist ohnehin alles Geschichte. Nur die Zukunft zählt.

 

14. Kapitel

Kurze Zeit später. Wie Peter schon geahnt hatte, war von Schulden tilgen durch die Beiden gar keine Rede gewesen. Der Bank riss aber nun endgültig der Geduldsfaden. Man stellte alle Kredite sofort fällig, sperrte alle Konten. Zum Glück wusste Kathrin nichts vom Geldregen, der Peter zwischenzeitlich überkam. Sie hätte wohl alles daran gesetzt ihn ausfindig zu machen. Hätte wahrscheinlich mit allen nur erdenklichen Mitteln alles versucht, mit seiner Hilfe, ihren Kopf vermutlich auch den ihres Lover, zu retten.

Durch die verabsäumung, Nichterfüllung der gestellten Fristen, entstanden sofort einklagbare Forderungen. Bei solchen hohen Summen verstehen die Banken samt Gerichte aber gar keinen Spaß und gehen mit voller Härte vor. In dem Fall sogar erstaunlicherweise mit affenartiger Geschwindigkeit. Die Gerichtsvollzieher hatten nun alle Hände voll zu tun.

Durch einen Wink des Bankers, flitzte Peter zum zuständigen Gericht, nahm Einsicht in die Versteigerungsedikte, wurde auch gleich fündig. Tatsächlich war sein ehemaliges Domizil, die Villa samt Liegenschaft, zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben. Ebenso sein geliebter BMW und Kathrins City-Mobil, ein mickriger unbequemer Kleinwagen, den er sowieso nie leiden konnte. Er notierte sich die Daten, der durchführenden Organisation die, die Versteigerungen leiten würden. Ließ sich mit einem Sensal verbinden, erklärte dem, bei der Versteigerung, die schon in vier Wochen über die Bühne gehen sollte, mitbieten zu wollen. Nannte auch gleich sein Einstiegsangebot in Höhe von sechs hunderttausend Euro.

Der Sensal bestätigte auch gleich hochoffiziel und beteuerte die Wahrung seiner Anonymität. Es wurde auch vereinbart, dass Peter anonym und telefonisch an der Versteigerung, durch den Sensal vertreten, teilnehmen werde.

Bei der ganzen Geschichte überkam ihn das ungute Gefühl, dass im Falle der Hut brennt, viele Dinge die vorher einen Haufen Geld gekostet hatten, plötzlich zu einem Spottpreis angeboten wurden. Der Ausruf-preis der Liegenschaft samt Immobilie betrug nämlich nicht einmal ein Drittel des tatsächlichen Wertes.

Für die gesamte Büroausstattung des Unternehmens, Büromöbel, Computer etc. lag das Einstiegsangebot bei nur zehn Prozent des seinerzeit geleisteten Aufwandes. Am meisten ärgerte sich Peter über den Ausruf-preis eines Luxuskopierers, für den ein normalsterblicher als Listenpreis mindestens zwei bis drei Monatsgehälter ausspucken müsste.

Nun verstand er auch, wieso so einige, mit solchen Agenden befasste Menschen, schöne Häuser, tolle Autos und sonst noch wertvolle Dinge ihr Eigen nennen konnten und das zu sehr moderaten Preisen. Von denen mancher „Normalo“ in schlaflosen Nächten nicht einmal zu träumen wagte.

Zudem kam ihm amüsiert, wieder in den Sinn, welche Klassifizierung im Unternehmertum seinerzeit in launiger Gesellschaft immer vom Stapel gelassen wurde. Die da hieß: Hast du hunderttausend Schulden, bist du ein armer Schlucker! Bei einer Million bist du Geschäftsmann! Bei zehn Millionen industrieller! Bei 100 Millionen Schulden wirst du in Österreich Kommerzialrat!

So gesehen befand sich Kathrin, samt ihrem Liebhaber auf dem besten Wege, in die Liga der Industrieellen aufgenommen zu werden. Denn der momentane Schuldenstand betrug ja fast schon die Hälfte dessen, was zur Titelerringung nötig war, die Tendenz durch den Zinsendienst auch noch stark steigend. Denn auch an Schulden verdienen manche noch recht gut, bis hin zu ausgezeichnet.

Peters Absicht bestand nun, seine Immobilie wieder in die Finger zu bekommen. Nicht zur Nutzung, denn die unguten Erinnerungen damit verbunden, brauchte und wollte er nicht mehr. Sollte es ihm gelingen derer wieder habhaft zu werden, würde er sie über einen Makler an einen Betuchten vermieten. Es gibt ja genug Diplomaten oder Menschen in ähnlichen Positionen, die eben nur eine gewisse Zeit im Lande verweilen, auch bereit sind, für ein gepflegtes Heim monatlich ein hübsche Sümmchen hinzulegen. Wohnen in Wien, in einem Nobelviertel hatte immer schon seinen Preis und das wird sich in Zukunft sicher auch nicht ändern, sagte er sich.

Zudem ist dieser Schritt als Zukunftssicherung für seine Töchter gedacht, die wenn sie volljährig wären, die Immobilie bekämen und darüber frei Verfügen könnten. Durch die Mieteinnahmen ließe sich das Anwesen ja leicht erhalten. Die notariellen Angelegenheiten dazu, würde er bei erfolgreicher Auktion in die Wege leiten.

Für Kathrin hatte er sich auch schon etwas ausgedacht, wovon er überzeugt war, sich jeden Tag beim Rasieren in die Augen sehen zu können, ohne ständig von Brechreiz geplagt zu werden. Was er in Falle seines Kontrahenten so nicht anstrebte, es ihm einfach nicht so wichtig erschien.

Andererseits war inzwischen schon so viel Zeit vergangen, dass er die Dinge jetzt schon in einem anderen Licht sah, als damals, wo er sich emotional hatte gehen lassen, die Fäuste mehr sprechen ließ, als den klaren Verstand. Obwohl der Kerl, ihm alles Lebenswerte genommen, seinen Abgang in die Gosse sozusagen beschleunigt hatte. Wollte er ihm einen Denkzettel verpassen an den er sich ständig wird erinnern müssen.

 

15. Kapitel

Peter saß im Café Landgraf, bei einem großen Mokka und einem Butterkipferl. Das hielt er fast jeden Tag so. Pablo lag zu seinen Füßen und schlabberte genüsslich in einem Wassertopf, den die Kellner immer bereithielten. Schließlich musste es eine Belohnung geben für die ausgedehnten Spaziergänge. Sein Blick fiel auf den Zeitungsständer, mit den daran aufgehängten altmodischen Bambus Gestellen, in die, die Tageszeitungen immer eingespannt werden. Die, man damit ohne umzuknicken bequem an den kleinen Tischen lesen konnte.

Auf einem dieser Gestelle, war das Wiener Amtsblatt eingespannt. In fetten großen Lettern wurde tituliert: Arrivierte Wiener Betriebsberatung! - in Konkurs!

Peter bat den Piccolo, ihm diese Zeitung zu bringen. Tatsächlich es war seine ehemalige Firma und somit traurige Wahrheit. Kurz überflog er den Artikel im Juristendeutsch. Musste erkennen, dass sich die Schadenssumme auf 1,8 Mio. beläuft. Na toll, dachte er sich, die müssen es sich ja ganz toll gegeben haben. Nix hackln (Nichts arbeiten) aber großartige Schiffsreisen im Mittelmeer, mit Besuche der Pyramiden und so weiter. Shopping in New York und London. Du warst schon froh, damals für eine Woche Urlaub im Burgenland. Typisch Bernhard, sagte er sich, der wusste schon immer, was Frauen sich tagsüber wünschen. In der Nacht ebenso.

Der nächste Gang führte ihn, ein paar Straßen weiter, in ein Anwaltsbüro. Das einem Freund von Janos gehörte, der sich mittlerweile Selbständig machte, nachdem er das Praktikum absolviert hatte. Janos hatte ihm den Mann einmal empfohlen, sie hatten ja auch gemeinsam studiert. Dessen Schwerpunkt lag nämlich auf dem Wirtschaftssektor, also genau richtig sagte sich Peter. Nach einer Stunde verließ er das Büro und lächelte zufrieden in sich hinein.

Peter hatte noch einen Termin an diesem Tag. Allerdings erst am Nachmittag, so beabsichtigte er die Zeit zu nützen und am Westbahnhof vorbei zu schauen. Wollte unbedingt wissen, wie es Agnes inzwischen in ihrer Würstchenbude ergangen war. Rätselte noch, ob er sich ein Taxi rufen lassen sollte, doch dann besann er sich und nahm die Bim (Straßenbahn). Ist doch billiger und schneller sagte er sich. Allemal besser, als von einem türkischen oder nigerianischen Fahrer, im Stau voll gequatscht zu werden.

Agnes staunte nicht schlecht, als sie ihn endlich erkannte. Sie musste wohl oft hinge geschaut haben. Peter trug ein Wildleder Sakko, mit schwarzer Jean, einen beigen Rolli und sah damit eigentlich ganz gut aus. Vor allem hatte auch alles die richtige Größe, was ja vorher nie so der Fall gewesen war.

»Du lebst noch?«, entfuhr ihr lächelnd, »monatelang nix gesehen und gehört von dir, dachte schon sie haben dich eingesperrt?«

»Nein Agnes, das ist Geschichte und soll es auch bleiben«, gab er lächelnd zurück, »aber wie geht es dir?«

»Na ja, so lala. Ab nächster Woche kann ich mit meinem Göttlichen dem Garten und dem Wohnwagen widmen«, sagte sie mit traurigem Blick.

»Was heißt das? Gehst du etwa in Pension?«, Peters blick war fragend.

»Schön wär’s ja. Aber mir fehlen noch Beitragsjahre. Nach richtigem kann ich erst mit 72 in Pension gehen. Solange muss ich mich noch hier um die Besoffenen kümmern.«

Peter wusste, dass Agnes also noch zehn Jahre arbeiten musste.

»Agnes, mach bitte folgendes. Erkundige dich bei der PVA (Pensionsversicherungsanstalt)

wie viel es kostet, wenn du fehlende Beitragsjahre nachkaufst, ok? Hier hast du meine Nummer, sage mir den Betrag, den hast du nächsten Tag am Konto, das verspreche ich dir. Dann gehst du in Pension. Du renovierst mit Otto zusammen den Wohnwagen, was das kostet zahle ich, ist quasi die Miete für die vielen Nächte, wo ich drin war und mir nicht den Hintern abfrieren musste.“

»Aber …« , stöhnte sie jetzt völlig perplex auf.

»Nix aber, Agnes, das ist ein Befehl und keine Widerrede, wenn ich bitten darf!«, er wunderte sich über seinen scharfen Tonfall, dann fügte er sanfter hinzu, »weißt als es mir so richtig beschissen ging, warst du immer für mich da, das vergesse ich nicht. Jetzt bin ich mal an der Reihe dir zu helfen. Also, mach es so wie ich sagte. Punkt.«

Eine Stunde darauf, war Peter in Manfreds Biker Shop am Lerchenfelder Gürtel, nur einen Katzensprung vom Westbahnhof entfernt. Manfred war gleich sehr erfreut ihn wieder zu sehen. Ahnte aber, dass er wohl nicht zum Kistenbearbeiten herkam. Nach einer freundschaftlichen Begrüßung mit großem Schulterklopfen, wollte Peter wissen,

»Was läuft denn so, Manfred?«

»Ach Scheiße sage ich dir, verpasse bestimmt eine tolle Gelegenheit. Du weißt ja, die Harleys meine große Liebe!«

»Ich weiß eh, was ist mit der Liebe, hast du etwa Liebeskummer?«

»Kann man so sagen«, meinte Manfred und sah ihn irgendwie verzweifelt an. »Der alte Fuchs mit der Harley Generalvertretung, hat sich mit dem Karl total verkracht, ihm die Sub-Vertretung gestrichen. Ich könnte jetzt dafür einsteigen, brauche aber Kapital . Meine Hausbank hat aber gleich abgewunken, nix Kredit, die sind zugeknöpft wie eine Nonnenkutte. Scheiße!«

»Hmm … wie viel Marie brauchst du denn?«

»Zweihundert vierzigtausend wollte ich aufnehmen, brauche ich für neue Werkzeuge und ein paar Maschinen aufs Lager legen. Das hat sie aber nur ein müdes Lächeln gekostet. Dann wollten sie Sicherheiten. Sicherheit gibt’s nicht, zumindest nicht bei mir.«

»Verstehe …. Hmm … kann ich jetzt mal dein Telefon benützen?«

Manfred drehte den Arm, auf dem der Apparat stand zu ihm rüber, »Klar, hier bitte ...«

Peter wählte die Nummer des Bankers und sagte, »Servus Bernhard, hast du morgen einen Termin frei? Ich schicke dir Herrn Manfred Grublehner, der braucht für eine Geschäftserweiterung Betriebskapital zum günstigen Zinssatz, da bist du genau der Richtige. Über die Bonität brauchst dir keine Sorgen zu machen, wenn du verstehst was ich meine, ok? Ja gut, also 10.30, Moment ich frag ihn gleich, bin nämlich gerade bei ihm.«

Manfred hatte ja alles mitgehört und nickte völlig verdattert, er schien es gar nicht glauben zu können.

»Ja okay, er kommt dann um halb elf zu dir. Danke dir Bernhard und Vermittlungs-Provision musst du mir jetzt keine anweisen. Freundschaft kann man eben nicht bezahlen. Servus und viele Grüße nachhause an die Peggy.«

 

16. Kapitel

Ein Jahr später. In der alten ehrwürdig anmutenden Notariatskanzlei. Ausgestattet mit massiven dunklen Möbeln und schweren Perserteppichen. In Wien, Tuchlauben. Peter, neben ihm saß Janos, sie blickten von den alten knarrenden ungemütlichen Sesseln über den Eichenschreibtisch hinüber zum Notar, einem alten graumelierten, aber soignierten Mann, mit einem Menju Bärtchen. Der sie mit flinken Äuglein durch einen Kneifer betrachtete. Hinter ihnen saß in der zweiten Reihe, ein Mann um die fünfzig, in einem tadellosen Maßanzug.

»Also, meine Herren, jetzt nach Feststellung ihrer Personalien, kommen wir zur Testamentseröffnung«, schnaufte der Notar und rückte seinen Kneifer zurecht. Er fügte gleich hinzu, »Dieses Dokument entspricht den gesetzlichen Bestimmungen und ist die endgültige Letztfassung, die ich persönlich aufnehmen durfte. Ich zitiere:


Mein letzter Wille,

ich Hannah Elfriede Körner, geborene von Slatten, geboren in Wien am 14.6.1963, gebe im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte hier im SMZ-Ost, in meiner letzten Stunde, dem Herrn Notar Dr. Walter Braun, nachstehendes als letztwillige Verfügung bekannt und bitte ihn die Formalitäten nach meinem Tode zu administrieren.

Ich vermache, die Ländereien, das dazugehörende Sägewerk, meine Villa, mit allen beweglichen und unbeweglichen Gütern. Sowie alle Aktien und Wertpapiere, sämtliches Bargeld, auch die Guthaben von meinen Privatkonten:

Herrn Peter Steinlechner

der sich mit der Annahme verpflichtet, sämtliches Zurzeit in meinen Diensten stehendes Personal im Hause und im Sägewerk weiterhin zu beschäftigen und niemanden vorzeitig zu entlassen.

Sämtliche Hauptgeschäftsanteile an der Papierfabrik, deren Mehrheit sich in meinem Besitz befinden gehen an Herrn Prokuristen:

Janos Molnar

über, der sich damit in weiterer Folge, als Mehrheits-Inhaber, verpflichtet weiterhin in der Geschäftsleitung des Unternehmens mitzuwirken

Meinem geschiedenen Ehegatten, vermache ich einen Betrag in Höhe von einhunderttausend Euro, den er vollständig als Spende, der Obdachloseneinrichtung der Caritas, auch bekannt unter der Bezeichnung „Gruft“, zwingend überweisen soll. Damit ihm dabei in den Sinn kommt, dass es auch wertvolle Menschen unter den von der Gesellschaft vorschnell verurteilten Außenseitern der Gesellschaft gibt, die Hilfe benötigen.

 

Wien, im Oktober 2011

Gezeichnet: Hannah E. von Slatten

Im Beisein des Herrn Dr. Walter Braun, öffentlicher Notar.«

 

Der Notar hatte gerade die letzten Worte gesprochen, als der Herr aus der zweiten Reihe schnaubend vor Wut aufsprang, hysterisch in den Raum brüllte, »So eine Gemeinheit, das wird jetzt noch ein Nachspiel haben ...«

Ehe man sich es versah, krachte die Tür des Büros hinter ihm mit lautem Knall ins Schloss. Der Notar rückte seinen Kneifer wieder zurecht, lächelte vielsagend und sagte dann,

»So meine Herren. Ich darf doch annehmen, dass Sie beide den letzten Willen der verstorbenen akzeptieren? Könnten wir dann Termine vereinbaren, zu denen die genauen Details abgehandelt werden können?«

Peter und Janos nickten, noch etwas verzagt dreinschauend. Peter meinte dann, »Tss … !Also, ein Benehmen ist das … es gibt halt immer wieder schlechte Verlierer.«

Der Notar begleitete ohne weitere Reaktion beide in den Vorraum, zu seiner Assistentin, damit dort die Termine abgeklärt werden konnten, dann verabschiedete er sich formvollendet von den Beiden und ging in sein Büro zurück.

Beide Herren stimmten mit der Assistentin die Termine ab, verabschiedeten sich und verließen das Büro. In dem alten, wie ein Affenkäfig anmutender Lift, aus der Jahrhundertwende, die es hier noch häufig gab. Beschlossen sie, noch ein Restaurant aufzusuchen und gemeinsam etwas zu trinken.

 

Nachwort

Peter saß mit Pablo auf der Donau-Insel, genau auf der Beton Steinbank, gegenüber der Fußgänger Pontonbrücke. Wo er Hannah zum ersten Mal sah. Es war Herbst und rauer Wind blies ihm den Kragen des Kamelhaarmantels hoch. Pablo zitterte wie Espenlaub, er war ja vorher noch im Wasser gewesen, wollte unbedingt ein Stück Holz apportieren. Auch er schien sich zu erinnern und saß nun neben ihm.

»Ja, Pablo, wir bleiben eh nicht mehr lange, mir ist ja auch kalt. Aber ich musste einfach hier her. Wir sind ja dann gleich im warmen Auto«“, er kraulte den Hund zärtlich hinter den Ohren, der ihn mit treuem Blick ansah, als würde er jedes Wort verstehen.

»Weißt, damals konnte ich ja noch verhindern, dass Hannah uns verlassen wollte, haben dem Sensenmann ein Schnippchen geschlagen. Aber nun hat er letztendlich doch noch gewonnen und sie sich geholt. Dem ist ja alles recht, sogar ein totales Nierenversagen, obwohl Anfangs alles bestens schien, bis zum Rückfall wo alles zusammenbrach. Sie wollte nicht gehen, hat bis zur letzten Minute gekämpft. Na ja ….

Trotzdem, wir hatten noch eine schöne Zeit mit ihr, gell? Darüber bin ich sehr froh, konnte noch viele Dinge wieder zurechtrücken. Ihr die letzte Zeit so schön wie möglich machen. Du hast sie doch auch sehr gemocht? Gell? Sie fehlt dir doch auch, so wie mir.

Es war doch richtig, dass wir das Geld durch die Tussi, in Dinge investiert haben, bei Leuten die uns immer geholfen haben, oder?

Auch, dass meine EX die Wohnung bekommen hat, wo wir immer auf den Steffl geschaut haben. Die Mädels und sie sehen ihn jetzt immer.

Der blöde Kerl, der uns alles eingebrockt hat, kann jetzt arbeiten, dass ihm die Schwarte kracht, in meiner Firma die ich wieder zurückgekauft habe. Der Janos wird ihm schon die Wadln (Waden) richten, wenn er nicht spurt. Der Hat’s eh drauf und kümmert sich um alles Geschäftliche. Ich hab vorerst mal keine Lust dazu.

Unser Haus in Hietzing haben wir auch wieder ergattert, gehört auch wieder uns. Ich sehe es aber lieber von außen, zu viele miese Erinnerungen. Soll die Franzosen Diplomatenfamilie sich darin wohlfühlen, die wissen ja von nichts und können es genießen.

Komm Pablo wir gehen jetzt zum Auto, dort ist es gemütlich warm und komfortabel, du schläfst wieder oben über dem Fahrerhaus, okay?

Wir ziehen einfach mal herum, bleiben wo es uns gefällt oder gefallen hat, als wir noch mit Hannah so herum zigeunert sind. Ihr hat es ja immer gefallen, so bleiben uns wenigstens die Erinnerungen lebendig. Los komm ...«

Peter erhob sich richtete seinen Mantel, leinte Pablo an und ging schnellen Schrittes hinüber zum Parkplatz, wo das Niessman Bischoff Wohnmobil mit brummendem Klimagebläse auf die Fahrt wartete. Vollgepackt mit allem, was man für eine längere Reise so bräuchte.

 

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Die in diesem Roman verwendeten Namen, von Produkten, Personen, Zeichen oder sonstige Daten sind frei erfunden

Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen, Firmen, Produkten oder Ereignissen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt, soweit nichts anderes angegeben ist.

Markenrecht: Alle in diesem Roman verwendeten Markennamen und auch Warenzeichen sind im Eigentum der jeweiligen Inhaber.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Imprint

Text: Markus B. Hedstroehm
Images: Cover: Pixabay.de, bearbeitet durch M.B.H.
Editing/Proofreading: ohne
Publication Date: 07-23-2013

All Rights Reserved

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