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URLAUBSERINNERUNGEN AUS KORSIKA ALS ICH NOCH URLAUBERIN AUF KORSIKA WAR...

URLAUBSERINNERUNGEN AUS KORSIKA

ALS ICH NOCH URLAUBERIN AUF KORSIKA WAR...

Teil 2

Das korsische Bauernfrühstück

Teil 2 Das korsische Bauernfrühstück

Nach einer langen Wanderung quer durch die Höhen der Castagniccia, kehrten mein Vater und ich in der sogenannten Dorfbar in einem Bergdörfchen ein.

Ein duzend Männeraugenpaare stierten uns an, als mein Vater «Grüss Gott" rief und sich dann einen Cap Corse und mir eine Orangina servieren liess.

Dann fragten wir, (das heisst, besser ich, denn mein Vater sprach kein Wort französisch, aber die Leute verstanden ihn meist gut, dank seiner Handfusszeichenkommunikation), ob es eine Art "Auberge" in diesem Ort gäbe, in der wir uns bei einem deftigen Mahl stärken könnten.

Leider verneinte der Dorfbarwirt, aber er gab uns eine Tip, dort oben beim alten Joseph könnte man gut speisen und er und seine Frau liebten es Vorbeikommende einzuladen und reichlich zu bewirten...

Die anderen Bartresensteher grienten sich untereinander an, doch mein Vater dankte freundlich, schluckte seinen Cap Corse runter, und dann stiegen wir die hohen Treppen hinauf zum Haus von Joseph.

Toc toc toc ist da jemand?

Fast ausser Atem in den höheren Gefilden des Dorfes angekommen, schob mich mein Vater wie immer vor; ich fasste mir Mut, stiess das eiserne Tor von der Terrasse auf, und wir traten vorsichtig ein. (vorsichtig wegen der Gefahr, von einem Wachhund angegriffen zu werden), doch es blieb still, wir liefen unter der grünen Weinpergola bis hin zur Tür des alten Steinhauses und klopften an...»

"Herein", rief es in korsisch und mir wurde mulmig, ich mochte es einfach nicht, so bei den Leuten einzukehren; ich schob die Tür beiseite und wir traten in den kühlen Hauptraum des Hauses ein; am grossen Esstisch neben dem Kamin sass ein älterer Mann, und schälte gerade Kartoffeln.

«Verzeihung dass wir sie stören, der Wirt der Bar hat uns ihre Auberge empfohlen, er sagte uns sie servieren leckeres Hausmannsessen...und da wir gerade auf der Suche nach einer Auberge sind...also, « -

« immer reinspaziert, junges Fräulein, und der Herr...setzt Euch, nehmt Platz, ich serviere euch gleich einen Aperitif! Angele, komm wir haben Besucher, leg noch zwei Teller auf!» -

Wir setzten uns dankend, und begrüssten seine Frau, die mit Geschirr beladen auf uns zu kam, sie begrüsste uns herzlichst und deckte dann den Tisch. Joseph holte aus dem Küchenschrank eine Flasche klaren Obstschnaps und goss uns Beiden ein. Ich wusste, dass ich nicht ablehnen durfte, es würde wie eine Beleidigung gelten...also hob auch ich zum Trunk an. Auf Euer wohl, liebe Besucher! Salute» -"Auf ihr ihres ebenso!» - "Salute!"- antwortete mein Vater, ich auch und wir schütteten den beissenden Aquavita herunter, ich musste mich beherrschen nicht loszuhusten;

der alte Mann brachte seiner Frau die Kartoffeln, und machte sich nun selbst in der Küche zu schaffen; inzwischen kam sie zu uns und setzte sich mit einem Glas Wasser an den Tisch uns gegenüber und stellte uns haufenweise Fragen; ich dolmetschte zwischen den Beiden hin und her, die über alles und jenes redeteten...

einfach urig lecker! wie bei Muttern...

Dann endlich war das Essen fertig, Joseph servierte Tomatensalat, aus frischen Gartentomaten mit Gartenkräutern, selbst angebaut, mit Olivenölzitronendressing aus der eigenen Herstellung, Aufschnittplatte mit Lonzu, Salciccia und Prisuttu, von den eigenen Hausschweinen, dazu selbstgebackenes Bauernbrot als Vorspeisen;

wir liessen es uns schmecken, es war ausgezeichnet und echt lecker...dann als Hauptspeise servierte Joseph eine Art Bauernfrühstück: Bratkartoffeln und Zwiebeln in ausgelassener Panzetta knusprig gebraten, also mit Speck, und darunter frische Eier aus dem eigenen Hühnerstall gemischt und das alles mit gehackter Petersilie verziert!

Mein Vater bemerkte, «Na das schmeckt ja wie bei Muttern, bei uns wurde das immer als Bauernfrühstück serviert, meine Urgrossmutter baute auch alles selber an, und ich schwöre, seit meiner Kindheit habe ich nicht mehr so ein autentisches Gericht genossen...ist schon unglaublich, wie weltweit sich die Rezepte ähneln, immerhin zwischen Rochlitz und diesem Dorf liegen fast 1200 km!

Frag ihn doch mal, ob das ein traditionelles korsisches Rezept ist?!» -

Ich fragte ihn und er antwortete uns im akzentreichen, aber doch gut verständlichen deutsch: «Nein, das ist kein traditionelles Gericht von hier, das habe ich zubereiten gelernt, als ich Krieggefangener in Deutschland war, ich arbeitete auf einem Bauernhof, mit einer Auberge als KOCH!

Aber hier bei uns nennt sich das «Korsisches Bauernfrühstück..." -

Na, da waren wir aber überrascht....und alle lachten wir freudig zusammen...

Dann als Nachspeise wurden wir mit leckeren Ziegenkäse auch aus eigener Herstellung bewirtet, dazu reichte man uns Walnüsse aus dem Garten, wenn auch vom letzten Jahr, ein reiner Genuss, so wie die hausgemachte Feigenmarmelade zum Käse, rote und weisse Muskat Weintrauben von der Pergola draussen, und roten Landwein, kaum zu glauben, aber auch aus der Bioproduktion von Joseph...

Wir schafften fast nicht den Teller leer zu essen, und er tat uns noch weiter auf, aber aus Höflichkeit verschlungen wir alles, und es war auch einfach zu gut, um es stehen zulassen...

Dann gab es noch einen Klaren AquaVita als Magenbitter, den wir dringend notwenig hatten, heissen Caffé mit von Angele selbsgebackenen Fritelle (süsse Krapfen).

Zu gesättigt, hatte ich Lust eine Siesta zu machen...doch während Joseph und mein Vater diskutierten, (wie auch immer, sie verstanden sich irgendwie) und er ihm eine Dicke (selbstgerollte?) Zigarre anbot, zeigte mir Angele das Haus, den Garten, die Tiere, während eines kleinen Verdauungsspazierganges...

Schliesslich wollte mein Vater nach der Rechnung fragen, aber Joseph winkte ab, er würde liebe Freunde wie uns nicht unter Bezahlung bewirten, bei ihm sei jeder herzlich willkommen...und er würde sich freuen, wenn wir bei unserer nächsten Reise wieder vorbei kämen...

Wir bedankten uns herzlichst und versprachen ihm, beim nächsten Mal wieder vorbei zu schauen...Zufrieden gesättigt und angeduselt vom reichen Wein und Aquavita "rollten" wir runter zum Auto.

Nachwort...

Leider haben wir Joseph und Angele nicht wieder gesehen;

bei unserer nächsten Reise im Winter, wohnten sie in der Stadt, und im Frühling erfuhren wir mit grossem Bedauern, dass einer nach dem anderen vor kurzem verstorben sei...

welch ein Unglück...

Einer ihrer Söhne bewohnte nun das Haus, der aber ganz und gar nicht gastfreundlich sei...

"Damals" hätte ich mir nicht nur im gerinsten denken können, dass unsere lieben Gastleute, die Eltern meines Zukünftigen waren...den ich dann einige Jahre später dort im Dorf kennenlernte...

und ich dort mit ihm ins Haus einzog, wo wir so gastfreundlich und reichlich bewirtet worden waren...

 

c Miluna Tuani 

Imprint

Text: Text & Gestaltungc Miluna Tuani
Publication Date: 01-30-2011

All Rights Reserved

Dedication:
...allen Korsikafans und denen, die es noch werden möchten...

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