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Elli

Die Nacht zog genauso schnell an Elenas müden Augen vorbei, wie der BMW ihres Vaters an den wenigen langsameren Autos.

Sie blinzelte, versuchte die bleierne Müdigkeit zu vertreiben. Elli wollte das Radio einschalten, besann sich aber noch im rechten Moment –ihr Vater hasste es wenn das Radio lief während er am Steuer saß.
Von der Seite blickte Elli ihren Vater an. Rainer war sein Name. Rainer Färber, der Arzt der Armen; so war er bekannt. Ellis Vater reiste mehrmals im Jahr in arme Gegenden der Welt um den Menschen dort eine medizinische Versorgung zu ermöglichen.
Das alleine wäre kein Grund berühmt zu sein; es gab viele Helfer bei „Ärzte ohne Grenzen“, doch Ellis Vater war das Gesicht der Organisation. Er war ein attraktiver Anfang Vierziger, mit seiner modernen, randlosen Brille wirkte Rainer smart und sympathisch; sein Erbe –eine große Hotelkette die Rainers Vater gegründet hatte- tat das übrige zu seinem Erfolg.
Das alles hätte Elli nicht schlecht gefunden –wer fand es nicht gut wenn der Vater Gutes tat und nebenbei reich war?- hätte ihr Vater es für den guten Zweck getan; doch Rainer spielte den guten Samariter nur.
Rainers Lebensaufgabe war es vor den Medien eine gute Show hinzulegen und er hatte sie erfüllt. Rainer Färber war das Vorbild vieler junger Ärzte die Gutes tun wollten oder derer die es einmal werden wollten. Leider war sein öffentlicher Charakter der gegenteilige zu dem als Vater.
Elli entsprach nicht dem Idealbild ihres Vaters und so musste er sie loswerden. In einem Internat auf dem Land wollte Rainer seine Tochter absetzten.
Es war nicht so als hätte Elli etwas dagegen gehabt in ein Internat zu gehen; sie sah der Tatsache nicht mehr mit ihrem Vater unter einem Dach leben zu müssen und nicht mehr von den Angestellten überwacht zu werden sogar freudig entgegen.
Entgegen ihrer Vorlieben hatte ihr Vater sich aber ein auf Naturwissenschaften spezialisiertes Internat herausgesucht, da er noch immer die Hoffnung nicht aufgegeben hatte aus seiner Tochter könne doch noch Ärztin oder zumindest Wissenschaftlerin werden.
Elli hatte sich dagegen in den Kopf gesetzt Sozialarbeiterin zu werden, was für Rainer nicht in Frage kam. Elli hatte nie in die Fußstapfen ihres Vaters treten wollen; sie hatte –seit dem sie mehrere Freunde hatte die auf der Straße lebten- immer den Wunsch verspürt diesen Teenagern zu helfen, denn die meisten von ihnen hatten es nicht verdient auf der Straße zu leben.
Natürlich würde es auch gute Taten nach sich ziehen , würde Elli Medizin studieren, was wegen Ihrer ausgezeichneten Noten auch möglich wäre, doch Elli konnte kein Blut sehen, sie hatte Angst vor Spritzen und wenn sie nur an die vielen Krankheiten dachte bei denen sie sich würde anstecken können wurde ihr übel.
Neben dem würden sich ihr Kleidungsstil und ihre Vorliebe für Körperschmuck nicht mit Rainers Vorstellungen ihres Traumberufes vereinigen lassen.
Ihre Schulterlangen Haare hatte Elli stufig schneiden lassen und türkisene und dunkelblaue Strähnchen durchzogen dieses; gaben der italienischen Lockenpracht einen frechen und rebellischen Touch. Ihre Stupsnase hatte Elli mit einem Stecker piercen lassen, durch die linke Augenbraue waren zwei schwarze Ringe gestochen. Das rechte Ohr Ellis hatte drei Ohrlöcher, das linke fünf. Ellis bevorzugte Farben bei Kleidung waren schwarz und dunkelblau.
War es da ein Wunder das Rainer nicht mit ihrem rebellischen Aussehen und ihrem Verhalten zurechtkam?
Rainer hatte sich immer ein Vorzeigetöchterchen gewünscht –am besten Jungfrau und in rosa gekleidet- und ihr auch immer gezeigt das er nicht mit ihrem Wesen einverstanden war; hatte sie nie unterstützt.
Rainer hatte Elli zu den besten Benimmtrainern geschickt die er finden konnte, doch sie hatte nur ein einziges Mal das Training abgeschlossen ohne etwas zu zerstören, da sie gelernt hatte das es einfacher war das Training abzuschließen ohne zu nörgeln, um dann endlich von ihrem Vater zu Frieden gelassen zu werden. Doch hatte Ellis Vater damals geglaubt das würde ihre Vernunftphase einleiten, so hatte er sich kräftig geschnitten, denn zu diesem Zeitpunkt hatte sie erst richtigen Trotz entwickelt.
Es war ein Bankett gewesen auf das ihr Vater sie –gut gekleidet und im Glauben Elli wäre zur Vernunft gekommen- mitgenommen hatte. Das Ganze war zwei Jahre her, heute war sie 17 und dennoch konnte sie sich noch genau an das Gesicht eines wichtigen Geschäftspartners ihres Vaters erinnern, als Elli sich ihm volltrunken auf die feinen Anzughosen übergeben hatte. Ihr Vater und auch der Rest der feinen Herrschaften hatten das Ganze nicht halb so witzig wie Elli gefunden, doch das war ihr in diesem Moment schnuppe gewesen.
Allerdings war sie am nächsten Tag in ihrem Zimmer aufgewacht und hatte keinen blassen Schimmer mehr gehabt was am Vorabend geschehen war. Am Frühstückstisch hatte Elli es schließlich durch die „Bild“-Zeitung erfahren, da ihr Vater nicht persönlich da gewesen war um ihr eine Standpauke zu halten. Rainer hatte damit zu tun gehabt die Wogen zu glätten.
Seit diesem Ereignis hatten Elli und ihr Vater kaum mehr normal miteinander reden können wenn sie unter sich gewesen waren.
Elli ging ihren Weg und Rainer den seinen. Dennoch brachte er sie nun ins Internat.
Nur weil sie laut irgendeinem Klatschblatt eine Affäre mit ihrem Mathelehrer gehabt hatte. Ihr Vater hatte die Story dank einer seiner Arschkriecher spitz gekriegt und nicht lange auf Erklärungen gewartet.
Es war traurig, das ihr Vater dem Klatschblatt mehr Glauben schenkte als ihr, sie nicht einmal anhörte, doch die Beziehung zu Rainer war schon jahrelang kaputt und Elli hatte schon lange zuvor die Hoffnung auf Besserung aufgegeben. Sie glaubte nicht an Wunder.
Langsam wurde es am Horizont hell; statt schwarz dunkelblau. Ellis Augen wurden immer schwerer, langsam glitt sie ins Traumreich, träumte davon, dass ihr Vater sie endlich akzeptieren, sie so lieben würde wie sie war und sie miteinander auskommen würden.
Zur gleichen Zeit wurde auch Rainer immer müder. Er war die ganze Nacht ohne Pause gefahren und zudem nagte es an seinen Nerven Elli ins Internat schicken zu müssen.
Schließlich fiel Rainer in einen Sekundenschlaf. Das Auto glitt auf die Gegenfahrbahn und krachte in einen grünen Audi.
Es war der 15. Mai 2013 als der Arzt der Armen nicht nur seine Tochter, sondern auch die zwei vierjährigen Kinder die im anderen Auto gesessen hatten, sowie die Mutter der Beiden, die ein weiteres Kind unter dem Herzen getragen hatte, tötete.
Er selbst überlebte, verkraftete es aber nie den Tod seiner einzigen, geliebten Tochter verschuldet zu haben und wurde kurz darauf Tod aufgefunden.

Imprint

Text: alle Redchte bei mir
Images: http://www.google.de/imgres?hl=de&biw=1365&bih=678&tbm=isch&tbnid=Aifq6BAblaVscM:&imgrefurl=http://de.123rf.com/photo_792271_grossen-mond-reflektiert-ber-glatte-wellen-auf-dem-wasser-auf-schwarzem-weltraum-nettes-web-hintergr.html&docid=lhFwk8PzCvQuh
Publication Date: 05-21-2013

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Dedication:
Für jeden der weiß wie schrecklich es auf der Welt zugehen kann.

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