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1.
Es war eigentlich ein ganz normaler Freitagmorgen für Kathy Riddle. Es war alles wie immer gewesen. Sie hatte sich nach dem Aufstehen um 8 Uhr genauso schlecht gefühlt wie jeden Tag wenn sie zur Arbeit musste. Sie arbeitete in San Francisco. Genauer gesagt bei der Redaktion des „Daily Paragraph“, der bekanntesten Zeitung von ganz San Francisco.
Auch der Weg zur Arbeit war wie immer gewesen. Sie hatte mal wieder im morgendlichen Stau gestanden und sich tierisch über die roten Ampeln geärgert.
Das einzigste schöne bis dahin war, dass das Wetter sehr gut war, was nicht ungewöhnlich war, denn es war Mitte Mai. Der Himmel war fast wolkenlos, die Sonne war schon vor einiger Zeit aufgegangen. Im Mai war das Wetter in San Francisco fast immer gut.
Als sie in der Redaktion ankam, war sie eine Viertelstunde zu spät, doch niemand bemerkte es. In der Redaktion war es hektisch und voll wie immer, weshalb sie froh war, dass sie ein eigenes Büro hatte. Doch sie kam gar nicht dazu in ihr Büro zu gehen, denn ihr Chef, Mr. Brown, kam ihr schon zügig entgegen und rief ihr säuerlich über den Tumult zu: „Ah, da sind Sie ja! Sehr schön. Folgen Sie mir bitte in mein Büro.“
Kathy hatte ein ganz übles Gefühl in der Magengegend während sie ihrem Chef folgte. Gleich würden wahrscheinlich wieder Köpfe rollen. Kathys Kopf würde rollen. Sie wusste auch schon so worum es gleich gehen würde. Sie war in den letzten Tagen oft zu spät gekommen und auch ihre Zeitungsartikel sahen schon mal besser aus.
Nach einiger Zeit kamen sie am Büro des Chefs an.
Wortlos betraten sie den Raum. Mr. Brown setzte sich hinter seinen mit Ordnern und Mappen überfüllten Schreibtisch. „Setzen Sie sich!“, sagte er kurz zu Kathy und deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Kathy setzte sich hastig.
„Also Miss Riddle, ich muss mit Ihnen über Ihre Arbeit reden. Es geht nicht so weiter. Wenn sie weiterhin regelmäßig zu spät kommen und ihre Artikel nicht ordentlich schreiben, sind Sie für diese Redaktion nicht mehr tragbar. Wir sind eine sehr erfolgreiche Zeitung und da dürfen wir uns keine schlampigen Mitarbeiter leisten. Passen Sie auf was sie machen, denn wenn hier Leute entlassen werden, sind Sie eine der Personen die als erstes gehen dürfen. Verflucht noch mal! Sie sind doch mal eine so gute Mitarbeiterin gewesen. Ihre Artikel waren immer so gut bis vor kurzem…“
Kathy schluckte. Ihr Chef hatte Recht. Sie war wirklich absolut neben der Spur gewesen.
Sie wollte dass er ihr verzieh, denn beim Chef in Ungnade zu fallen, war nicht sehr förderlich für den Arbeitsplatz dort. Deshalb sagte sie:
„Das tut mir sehr leid. Ich stehe im Moment total neben mir, doch ich will mich wieder bessern. Wirklich, bitte geben Sie mir noch eine Chance…“
Mr. Brown war nicht der Typ der anderen eine 2. Chance gab, doch er sagte:
„Na gut! Ich gebe Ihnen noch eine letzte Chance. Und was für eine. Im Moment liegt ein Auslandsauftrag an. Eigentlich hätten Sie es nicht verdient, doch ich möchte dass Sie diesen Auslandsauftrag erledigen.“
Kathy hatte nun mit allem gerechnet. Mit einer fristlosen Kündigung, dass Mr. Brown anfing sie anzuschreien oder mit viel Glück mit einer normalen 2. Chance, doch sie hatte sich noch nicht einmal im Traum vorstellen können, dass er ihr so etwas entgegnen würde.
Sie antwortete total ungläubig: „Ich soll diesen Auftrag erledigen? Ich weiß gar nicht was ich sagen soll…“
„Am besten gar nichts, denn sonst überlege ich mir das noch einmal! Und nächste Woche erzähle ich ihnen genaueres.“
Kathy nickte ergeben, denn dieser Auftrag war eine vielleicht einmalige Chance. Sie verabschiedete sich höflich, dann verließ sie zügig Mr. Browns Büro.
In dieser Nacht schlief Kathy nicht gut, denn sie war unglaublich gespannt.
Sie hatte noch keine Ahnung… wenn sie wüsste…


1.Kapitel Über den Wolken
Kathy freute sich schon den ganzen Tag darauf, endlich etwas über ihren Auslandsauftrag zu erfahren. Sie saß Gedankenversunken in ihrem Büro in San Francisco und malte sich aus wo ihr Chef sie wohl hinschicken würde. Auf einmal riss eine Stimme sie aus ihren Tagträumen.
„Kathy!“
Vor Schreck fuhr sie zusammen, fing sich aber wieder schnell.
„Ach Betty, du bist es. Du hast mich erschreckt! Was ist los?“
„Mr. Brown will dich sprechen. Du sollst in sein Büro kommen.
Tut mir übrigens leid dass ich dich erschreckt habe.“
Betty war eine Arbeitskollegin und Freundin von Kathy. Sie schien noch nichts von dem Auslandsauftrag erfahren zu haben. Das wunderte Kathy, denn eigentlich dachte sie, dass sich das schon Redaktion rumgesprochen hätte. Warum sie ihr nichts von dem Auftrag erzählt hatte wusste sie selber nicht. Es war so ein Instinkt gewesen.
„Alles klar, Betty. Ich hoffe nur, dass der Chef halbwegs gute Laune hat, denn ich habe nicht das Bedürfnis mich wieder zur Sau machen zu lassen… na dann, wünsch mir Glück!“
Betty grinste und sagte: „Viel Glück, Kathy. Du wirst es schon überleben!“
Betty drehte sich immer noch grinsend um und machte sich auf den Weg zurück in den Redaktions-Tumult und Kathy machte sich aufgeregt auf den Weg zum Büro ihres Chefs.
Sie klopfte.
Von innen hörte sie wie jemand „Herein!“ rief.
Sie trat ein. Ihr Chef saß ihr gegenüber an seinem Schreibtisch. „Setzen Sie sich, bitte!“ Sie setzte sich. Nun wo sie keine Angst vor Beschimpfungen hatte, konnte sie sich das Büro von ihm viel mehr auf sich wirken lassen. Das Büro ihres Chefs war groß. Viel größer als das ihre. Allerdings lagen auf ihrem Schreibtisch viel mehr Papiere und Ordner. Das sie einen viel älteren Computer als er hatte verstand sich also von ganz alleine.
„Nun, Miss Riddle, “ begann er, „ was ihren Auslandsauftrag angeht sind sie sicherlich ziemlich gespannt!“
Er sah sie an, worauf sie nickte.
„Also, “fuhr er fort, „Ich weiß nicht ob Sie schon mal was von „Blackcastle“ gehört haben. Haben Sie?“
„Nein, noch nie!“, sagte sie wahrheitsgemäß.
„Nun, dann haben Sie es ja jetzt. Ich will dass Sie nach Blackcastle reisen und dort etwas über die seltsamen Todesfälle herausfinden.“
„Über seltsame Todesfälle? Was meinen Sie mit „seltsam“?“
„Nun, diese Todesfälle waren sehr ungewöhnlich. Die Todesursache schien immer die gleiche zu sein. Doch was es ist weiß niemand so genau. Etwas Genaueres kann ich Ihnen nicht sagen. Aber genau aus diesem Grund schicke ich Sie dorthin. Wissen Sie das zu schätzen, denn einen Auslandsauftrag bekommt man nicht jeden Tag.“
„Aber wo liegt Blackcastle eigentlich?“
„Im Norden von Irland. Ungefähr 10 Kilometer von der Küste entfernt. Ich habe gehört, dass es dort selbst im Sommer früh dunkel wird.“
„Wann muss ich losfahren?“
„Nächste Woche Freitag. Aber den Rest erkläre ich ihnen nächste Woche. Und denken Sie dran, ich erwarte einen guten und ausführlichen Bericht. Guten Tag, Miss Riddle.“
„Gleichfalls!“
Sie verließ das Büro. Nun war Kathy ziemlich bedrückt, denn ein Ort, der nur durch seine mysteriösen Todesfälle, bekannt geworden ist, ist ja nun wirklich kein Traumziel. Nun, wenn „bekannt“ überhaupt das richtige Wort war. Vor ihrem Gespräch mit dem Chef hatte sie noch nie von diesem Ort gehört. Aber es führte kein Weg daran vorbei, denn sie war Reporterin und sie brauchte den Job. Sie konnte sich nicht gegen den Auftrag wehren. Also würde sie nächste Woche nach Blackcastle fliegen.
Ihr war nicht sonderlich geheuer bei diesem Gedanken. Obwohl sie nicht überängstlich oder abergläubisch war, hatte sie ein ganz ungutes Gefühl, welches sie nicht so recht einordnen konnte. Sie hoffte wenn sie eine Nacht drüber schlafen würde, würde dieses Gefühl nachlassen.
Selbst am Abend ließ diese ungute Vorahnung nicht nach, deshalb ging sie schon früh ins Bett, allerdings konnte sie kaum einschlafen.
Irgendwann gegen 11 Uhr schlief sie dann doch noch ein.
Sie träumte viel wirres Zeug, wovon das meiste über Blackcastle war.
Selbst am nächsten Morgen, ließ sie dieses Gefühl nicht los und sie fühlte sich auch nicht besonders, weshalb sie bis 10 Uhr im Bett blieb. Zum Glück war heute Samstag.

Auch am Sonntag fühlte sie sich nicht gut. „Das musste Zufall sein, “ dachte sie, “ denn von einer Nachricht, dass man in einen äußerst seltsamen Ort reisen muss, kann man ja schlecht krank werden.“ Sie war noch nie in Europa, geschweige denn in Irland gewesen. Geflogen war sie zwar schon des Öfteren, doch noch nie so lange und vor allem so weit.
Die letzte Woche vor der Abreise schien schneller zu vergehen als eine normale Woche. Ihr Chef erklärte ihr die letzten Reiseinformationen und ehe sie sich versah, war es schon Donnerstagabend. Morgen würde es losgehen.
Sie schlief in dieser Nacht kaum, weshalb sie am nächsten Morgen ziemlich müde war, was sie kaum bemerkte, da sie zu sehr damit beschäftigt war, sich von Freunden und Familie zu verabschieden.
Sie würde für 5 Monate in Blackcastle bleiben. Eine ziemlich lange Zeit. Es war unüblich, dass Auslandaufträge so lange dauerten, doch Kathy dachte, dass ihr Chef froh war sie für ein paar Monate los zu sein.
Die Abfahrt zum Flughafen verlief ungewöhnlich ruhig. Sie stand in keinem einzigen Stau. Und auch am Flughafen lief es für San Francisco Verhältnisse recht gut, denn der Flieger kam nur eine halbe Stunde verspätet.
Dann ging es los und sie flogen los. Die blecherne Stimme des Piloten, die aus den Lautsprechern kam sagte, dass die Reise ungefähr 10 Stunden dauern würde. Kathy bemitleidete sich still selbst, denn allzu langes Dauerhocken war nichts für sie. Allerdings ging es ihr noch besser als dem Passagier neben ihr, denn der war im Gesicht schon grün geworden als das Flugzeug zum Starten beschleunigte.
Die ersten Stunden im Flugzeug verliefen nicht weiter spannend. Nur Kathys Sitznachbar musste allein in der ersten Stunde 3 Mal auf die Toilette rennen, weil ihm schlecht wurde. Am Anfang fanden die anderen Passagiere und Kathy das befremdlich, doch nach dem zweiten Mal gewöhnten sie sich daran und grinsten heimlich darüber.
Aber langsam verging allen Passagieren das Grinsen, denn nun saßen sie schon 5 Stunden im Flieger und der Flug schien kein Ende nehmen zu wollen. Vor einer halben Stunde hatten sie das Amerikanische Festland verlassen und nun waren sie über dem Atlantischen Ozean. Es würde immer noch 5 Stunden dauern bis sie endlich in Irland ankamen. Es verging noch eine weitere Stunde.
Auf einmal flog das Flugzeug in eine riesige Wolke. Da Kathy schon öfter geflogen war, erkannte sie, dass dies eine riesige Gewitterwolke war. Ihr Verdacht wurde ein paar Minuten später bestätigt, denn aus der riesigen, schwarzen Wolke zuckte ein greller Blitz heraus. Das Flugzeug flog mitten in das Gewitter! Kathys Sitznachbar saß vor Angst wie versteinert auf seinem Platz und hatte seine Hände verzweifelt in seinen Gurt gekrallt. Kathy selbst war mulmig, denn das Flugzeug begann bedrohlich zu schwanken und die Blitze die am Flugzeug vorbeizuckten machten die Situation nicht viel einladender. Das Flugzeug schwankte immer mehr und auf einmal schwenke es stark nach links aus, sodass es fast eine 90° Grad Drehung hingelegt hätte. Die Koffer fielen einer nach dem andern von der Gepäckablage über ihnen und die Passagiere fingen an zu schreien. Der Lautsprecher knackte und die blecherne Stimme bat darum nicht in Panik zu verfallen, doch das nutzte eher wenig, denn alle waren so sehr mit sich selbst beschäftigt als das sie Anweisungen befolgen konnten. Die Stewardessen rannten im Flugzeug auf und ab. Sie versuchten die Leute zu beruhigen und sobald das Flugzeug nicht mehr so stark schwankte halfen sie wo sie konnten die Koffer wieder an ihre Plätze zu bringen.
Nach ein paar Minuten war alles wieder aufgeräumt und das Flugzeug stabilisierte sich wieder. Kathy hatte zwar nicht angefangen zu schreien doch sie saß starr vor Schreck auf ihrem Platz.
Die Gewitterwolke war schon nach kurzer Zeit außerhalb des Sichtfeldes und alle Passagiere atmeten erleichtert auf. Nun meldete sich der Pilot wieder und sagte: „Wir haben die Flugturbulenzen alle mehr oder weniger gut überstanden und innerhalb der nächsten 3 ½ Stunden werden wir den Flughafen von Belfast erreichen.“
Kathy atmete innerlich auf. Sie waren fast da. Die letzten 3 Stunden schlief Kathy denn es geschah rein gar nichts Spannendes mehr. Noch mehr Action hätte Kathy auch nicht ausgehalten. Die Flugturbulenzen waren Action genug gewesen.
Kathy erwachte jäh als ihr Sitznachbar sie wachrüttelte. Er schien irgendwie glücklich zu sein, weshalb Kathy davon ausging das sie gleich landen würden. Sie hatte recht gehabt, denn 10 Minuten später setzten sie auf der Landebahn in Belfast auf.

2. Kapitel Mit dem BMW durch Irland
Das Verlassen des Flugzeuges war ein wenig chaotisch weil nun jeder als erster das stickige Flugzeug verlassen wollte. Die Koffer kamen jedoch recht zügig und Kathy kam auch locker durch den Zoll und die Passkontrolle.
Ihr Chef hatte ihr für den Weg von Belfast nach Blackcastle ein Auto gemietet. Einen schwarzen BMW. Als Kathy den Flughafen verließ musste sie das Auto erst einmal suchen. Ein Typ sollte beim Auto auf sie warten und ihr die Autoschlüssel übergeben. Nach kurzem Fußmarsch sah das Auto.
Davor stand ein Typ der genauso aussah, wie man sich einen Iren vorstellt. Er hatte feuerrote, kurze Haare, eine ziemlich helle Haut und unzählig viele Sommersprossen im Gesicht. Er sah so aus als hätte er noch nie in seinem Leben was von einem Land wie Spanien gehört. Kathy ging langsam auf ihn zu. Sie wusste nicht so recht was sie sagen sollte, deshalb war sie froh, dass er das Wort ergriff:
„Hallo! Willkommen in Irland. Ich bin hier um ihnen den Wagen zu übergeben.“
Er sprach eigentlich ein ganz normales Englisch wie Kathy auch, doch Kathy konnte einen leichten irischen Akzent heraushören. Kathy antwortete:
„Danke für die nette Begrüßung. Also, ich hätte dann gerne die Autoschlüssel…“
Sie wusste nicht so recht was sie auf seine Begrüßung hätte anderes sagen können, doch der Typ war locker drauf und reichte ihr den Schlüssel. Kathy nahm ihn dankend an, verabschiedete sich und setzte sich in den BMW. Kaum hatte sie sich reingesetzt war der Typ auch schon weg. „Eigentlich schade.“, dachte Kathy, „Ich habe noch nicht einmal seinen Namen erfahren. Tja, andere Länder, andere Sitten.“
Sie ließ den Motor an und fuhr los. Belfast war eigentlich eine ganz nette Stadt, zwar nicht so warm wie San Francisco, doch zweifellos nett.
Nach einiger Zeit erreichte sie die Autobahn. Sie fuhr einige Kilometer in Richtung Westen. Die Landschaft um sie herum war fast genauso wie sie sich Irland vorgestellt hatte. Es gab kaum einen Quadratmeter des Landes, der nichts mit einer Kuhweide zu tun hatte. Überall waren Felder und dunkelgrüne Wiesen.
Irgendwann nach einiger Zeit kam eine Ausfahrt. Was nach der Ausfahrt kam, war nicht überraschend. Vorher einige Autos auf der Autobahn, und nun eine Pampa, eine absolute Einöde. Die Straße auf der Kathy nun entlangfuhr war wie leergefegt und bis zum Horizont konnte man kein Haus oder ein anderes Auto sehen.
Die Straße hatte nichts mehr von einer Autobahn. Es war eine normale Landstraße. Kathy fuhr einige Kilometer Richtung Norden. Sie schaute zwischendurch ab und an mal auf die Landkarte die sie neben sich liegen hatte, denn ihr Navi kannte eine Stadt namens Blackcastle nicht. Doch eigentlich musste Kathy gar nicht auf die Karte gucken, denn die Landschaft wurde immer verlassener. Das hier war wirklich der Arsch der Welt. Da Blackcastle anscheinend kaum bekannt war, war es keine Überraschung, dass es so dermaßen abseits liegen würde.
Nach einigen weiteren Kilometern zog dichter Nebel auf. Nun war die Landschaft anders. Die idyllischen Wiesen wurden immer mehr zu kleinen Waldabschnitten. Insgesamt wurde die Landschaft wilder. Die Felder vor einigen Kilometern waren gut gepflegt und bewirtschaftet gewesen, doch hier schien die Zivilisation abzubrechen. Die Straße führte immer weiter in die Einöde hinein. Die Qualität der Straße ließ auch zu wünschen übrig. Die Straße war von Schlaglöchern übersäht. Der Nebel wurde immer dichter und dichter. Und auch die späte Dämmerung war angebrochen. Die Sonne war hier eigentlich ziemlich spät untergegangen, doch nun wurde es im Sekundentakt dunkler. In was für ein Kaff hatte ihr Chef sie nur geschickt?
Doch sie hatte gar keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn auf einmal begann ihr Auto seltsam und unheilvoll zu scheppern. Nach ungefähr einem halben Kilometer knallte es plötzlich vorne und der Wagen blieb stehen.
„So ein verfluchter Mist!“, fluchte Kathy und stieg aus. Mittlerweile war es so dunkel wie um Mitternacht.
Sie ging nach vorne und öffnete die Motorhaube. Aus dem Motor quoll dunkler Qualm heraus. Kathy hatte absolut keine Ahnung von Autos und wusste auch nicht was genau kaputt war. Sie kramte aus ihrer Handtasche ihr Handy, doch sie hatte kein Netz und der Nebel wurde immer dichter. Kathy ließ ihre Wut am linken Vorderreifen ihres Autos aus und trat wütend dagegen. Das brachte aber nicht viel. Der einzigste Unterschied zu vorher war nur, dass Kathy der Fuß ziemlich wehtat. Nun konnte sie nur noch darauf hoffen, dass jemand hier vorbeikam. Leider schien es sehr unwahrscheinlich dass sich ein Mensch von einem halbwegs klaren Verstand in diese zivilisationslose Einöde begab. Erschöpft setzte sie sich in ihren Wagen und schloss die Tür, denn der Nebel war eiskalt.
Sie war vollkommen am Ende. Sie war nun schon fast den ganzen Tag pausenlos unterwegs. Sie hatte sogar schon den Atlantik überquert und nun saß sie mitten auf einer Landstraße in Richtung Nirgendwo fest. Von bitteren Gedanken umhüllt schlief sie ein.
Nach einiger Zeit, Kathy konnte nicht sagen wie lang genau, erschien ein helles Licht hinter ihrem Wagen. Kathy stieg aus dem Auto. Das helle Licht waren ein paar Autoscheinwerfer. Kathy fiel ein Stein von Herzen. Ein Mensch! Das war was Außergewöhnliches hier.
Aus dem Auto stieg ein Mann aus. Da er die Scheinwerfer noch anhatte, konnte Kathy zuerst nur seinen Umriss erkennen. Der Mann kam auf sie zu und nun konnte Kathy ihn genauer sehen. Er war Mitte 20 und rothaarig. Auf den ersten Blick hätte es der Typ sein können, der ihr das Auto übergeben hatte. Doch er war es nicht. Der Mann rief Kathy zu: „Was machen Sie denn hier? Es ist doch jetzt echt kein Wetter zum campen… in einem Auto…“
Kathy war über diese Ansage so verblüfft, dass sie kaum was Vernünftiges antworten konnte: „Also, ich campe nicht… mein Auto ist… ich hatte eine Panne.“
Der Mann sah sie verständnisvoll an und sagte: „Ah ja! Hab mir schon gedacht dass sie hier nicht campen. Und sie wissen wahrscheinlich nicht wie sie ihr Auto reparieren und sie haben kein Netz. Habe ich recht oder liege ich richtig?“
„Nun, ja… Sie haben Recht. Könnten sie vielleicht mal gucken ob sie das reparieren können bitte?“
„Klar tue ich das wenn man mich so höflich bittet. Dann schaue ich mir das Problem mal an.“
Der Typ ging zurück zu seinem Auto und holte eine Taschenlampe heraus. Dann machte er sich auf den Weg zu Kathys Auto. Er öffnete die Motorhaube und als er in den Motorraum hineinschaute verfinsterte sich seine Miene und meinte dann: „Tja, da kann ich nichts mehr ausrichten und ich muss es ja wissen, denn ich bin Kfz-Mechaniker. Das ist ein ziemlich großer Motorschaden. Das wird teuer.“
Kathy musste sich ob sie wollte oder nicht das blöde Gesicht ihres Chefs vorstellen, als er erfährt, dass der Mietwagen eine wirklich miserable Qualität hatte.
„Ach dagegen ist mein Chef versichert. Trotzdem danke, dass Sie sich das angeguckt haben. Doch wie komme ich jetzt nach Blackcastle?“
„Ach, sie müssen nach Blackcastle? Ich zwar nicht, aber ich komme dran vorbei. Ich kann sie mitnehmen und um das Auto können sie sich morgen auch noch kümmern.“
„Oh, vielen Dank! Wenn Sie nicht gekommen wären, wäre ich aufgeschmissen gewesen.“
Kathy schloss ihr Auto ab, verfrachtete ihre Koffer in sein Auto und stieg ins Auto von dem Typen.
Auf dem Weg zu Blackcastle redeten sie die ganze Zeit. Der Typ hieß Collin. Er wollte in Coleraine Verwandte besuchen. Sie fuhren noch eine ganze Weile und irgendwann fragte Collin plötzlich mit einer überraschenden schärfe: „Sag mal Kathy, was hast du eigentlich in Blackcastle vor? Versteh mich nicht falsch und nicht das es mich was angehen würde, aber die meisten Leute die im Umkreis von 100 km um Blackcastle wohnen versuchen diese Gegend so gut wie es geht zu meiden. Ich kann es denen nicht verübeln. Ich bin nicht abergläubisch oder so, aber da ist nicht alles ganz normal. Und seit dort diese blutleeren Leichen gefunden wurden… nein, seitdem meide selbst ich diese Gegend…“
Kathy war die ganze Zeit in Collins Auto ziemlich müde und entspannt gewesen, doch als er was von blutleeren Leichen erwähnte, war sie schlagartig wach.
„Was meinst du mit blutleeren Leichen? Davon hat mein Chef gar nicht erwähnt?“
„Jetzt mal ganz langsam. Erstmal, warum willst du nach Blackcastle?“
„Ich bin Reporterin und muss über die Todesfälle da schreiben… aber was ist jetzt mit den Leichen?“
„Nun gut. Die hatten alle kein Blut mehr im Körper… zumindest erzählt man es sich so. Das ist das doofe an Irland. Die Leute verbreiten mit großer Vorliebe Schauergeschichten. Man weiß nie so recht was wahr und was erfunden ist.“
Da Kathy nicht wusste was sie darauf antworten sollte, sagte sie einfach gar nichts mehr, während ihre Gedanken sich regelrecht überschlugen. Wusste ihr Chef davon? Ist das alles wahr? Sie wusste nicht ob sie überhaupt noch den Mut dazu aufbringen konnte diese Stadt zu betreten. Collin und Kathy fuhren immer noch die Straße entlang und langsam lichtete sich der dichte Nebel. Kurz darauf kam eine Abzweigung. Sie bogen rechts ab. Nach einigen Minuten konnte man die ersten Lichter der Häuser erkennen. Sie waren fast da. Kathy rutschte unruhig auf ihrem Sitz hin und her. Die Stadt schien ihr von den Erzählungen von Collin schon gruselig genug und der große dunkle Wald, der im Osten an die Stadt grenzte machte es nicht viel besser. Wenigstens war es nicht ein so kleines Dorf wie sie befürchtete hatte. Doch wirklich groß war dieses Kaff auch nicht.


3.Kapitel Der Anfang vom Ende
Collin schaute ein wenig beunruhigt als sie in der Stadt ankamen. Er setzte Kathy vor ihrem Hotel ab. Er half ihr noch ihre Koffer aus dem Kofferraum zu hieven. Kathy bedankte sich noch einmal für die Mitfahrgelegenheit und sie verabschiedeten sich. Kaum war das ´Machs gut´ verklungen und Collin stieg zügig wieder in seinen Wagen und raste als wäre der Teufel hinter ihm her die Straße entlang. Ein paar Sekunden später war er dann auch schon verschwunden. Nun war Kathy allein.
Sie sah sich um. Die Straße in der sie sich befand wirkte bedrohlich, obwohl ab und an mal ein paar große Bäume in den schmalen Vorgarten wuchsen. Die Vorgärten bestanden eigentlich überall nur aus einem Grasstreifen, wenn der Vorgarten überhaupt vorhanden war. Alles wirte trotzdem ein wenig wie die düstere „Elm Street“ aus den Freddy Krueger Filmen, die Kathy schon immer in ihren Albträumen verfolgt hatten. Kathy hoffte, dass das bei Tag die Straße nicht so war. Erst dachte Kathy sie hätte falsch hingesehen, doch das hatte sie nicht. Einige Häuser in der Straße bestanden aus alten, schwarzen Steinen. „Wie komisch“,, dachte Kathy, „Die Stadt heißt Blackcastle und dort stehen schwarze Häuser. Das dürfte einiges erklären. Sie atmete noch einmal tief durch, dann ging sie auf das Hotel zu.
Es hieß „Zum schwarzen Hengst“. Es sah gar nicht aus wie ein Hotel, denn es war riesig und aus dem Dach ragte ein Turm. Es war wahrscheinlich mal ein kleiner Adelssitz gewesen. Das Hotel sah wirklich verwunderlich aus, denn welches normale Haus hatte Charakterzüge von einer Burg im Kleinformat? Schon verwunderlich bei einer so kleinen Stadt. Der Vorgarten war ziemlich groß und war bestimmt einmal ein wunderschön gepflegter Garten gewesen mit englischem Rasen und allem drum und dran. Doch davon war nicht mehr wirklich viel zu sehen. Der Rasen war von Unkraut durchzogen und die ehemals ordentlich geschnittenen Sträucher und Büsche waren vollkommen verkrüppelt. Wenigstens war der Kiesweg zur Tür oder besser gesagt Tor, gut gepflegt. Kathy bezweifelte dass die Besitzer noch wach waren, trotzdem klingelte sie. Sie wartete eine Weile. Als sie gerade aufgeben wollte und sich Sorgen über ihren heutigen Schlafplatz machen wollte, öffnete sich die Tür einen Spalt breit. Als derjenige der die Tür geöffnet hatte Kathy erkannte, öffnete er sie ganz.
„Bitte, kommen Sie herein!“, sagte eine raue, düstere Stimme.
Kathy zögerte kurz, trat dann aber ein und ihr fiel auf, dass kein Licht an war, was seltsam war, denn es war mittlerweile schon fast halb 12. Noch komischer war der Typ mit der rauen Stimme, der damit er was sehen konnte, einen uralten Kronleuchter mit drei Kerzen in der Hand hielt.
„Danke!“ , sagte sie, „Ich hätte gar nicht damit gerechnet, dass jemand um diese Uhrzeit noch wach ist.“
„Da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Ich gehe niemals vor 12 Uhr nachts zu Bett. Folgen Sie mir bitte. Ich zeige Ihnen Ihr Zimmer.“
Kathy folgte dem Typ in das Haus. Es war uralt. Die Korridore waren schmal, die Läufer, die auf dem teuren Parkettboden lagen waren dunkelrot und es hingen Gemälde an den düsteren Wänden. Dann kamen sie an eine Treppe. Kathy hatte noch nie eine solche Prachtvolle Treppe gesehen. Genauso hatte sie sich die Treppen während der Renaissance immer vorgestellt. Doch von der eigentlichen Pracht war nicht mehr viel von zu sehen. Der elegante Handlauf war schwarz geworden und die Treppe konnte insgesamt mal einen Eimer Farbe vertragen. Das gab der Treppe eine sehr eigenwillige Note. Insgesamt machte das Haus einen Eindruck, als käme es direkt aus einem Gruselfilm. Alles war mal sehr prunkvoll und edel gewesen wie schon der Vorgarten, doch es ist nicht gepflegt worden und so verging die Pracht.
Noch seltsamer war der Typ dem sie folgte. Von der Stimme her hätte Kathy ihn auf locker 50 Jahre geschätzt. Doch nun, wo alle 30 Meter ein vierarmiger Kronleuchter an der Wand hang, konnte sie ihn mehr oder weniger gut erkennen. Sie schätzte ihn auf ungefähr 30 Jahre. Ihn umgab irgendwie eine sehr unheimliche Aura. Nicht nur das Haus schien aus einem Gruselfilm zu stammen, sondern auch sein Besitzer. Das Einzigste was einem sagte, dass er nicht aus einem Gruselfilm kam war, dass er eine schwarze Jeans und ein modernes schwarzes Hemd trug.
Sie war so darin vertieft sich über den Typ und das Horrorhaus zu wundern, dass sie nicht merke dass sie schon an ihrem Zimmer angekommen waren und lief von hinten in den seltsamen Typ rein. Der guckte sie streng an als hätte sie etwas Schlimmes getan und sagte dann, als hätte er es nicht gespürt:
„Also, hier ist ihr Zimmer. Ihre Koffer bringe ich ihnen gleich hoch. Das hier ist ihr Zimmerschlüssel.“ Er drückte ihr einen alten, reichlich verzierten Eisenschlüssel in die Hand.
Mit diesen Worten ließ es sie stehen und lief den Korridor zurück. Kathy schaute ihm nach bis er im Schatten verschwand.
Sie hatte die Zimmernummer 13. Das war kein gutes Zeichen.
Die Zimmertür bestand aus schwerem, schwarzem Eichenholz. Kathy konnte tun was sie wollte, doch je mehr sie von Blackcastle sah, desto merkwürdiger wurde es.
Dann steckte sie den antiken Schlüssel in das ebenfalls antik aussehende Schloss und drehte den Schlüssel um. Es klickte und die Tür ging lautlos auf. Das was Kathy jetzt sah, überraschte sie nicht. Das Zimmer sah alt aus. Das alte Himmelbett war aus massivem, aber sehr filigran gearbeitetem Eichenholz, auf dem Holzfußboden lag ein dunkelroter Läufer, und der Kleiderschrank war, wie schon wie schon das Bett filigran gearbeitet.
Kurz gesagt, es wäre der Traum eines Antiquitätenhändlers. Was hatte sich ihr Chef sich nur dabei gedacht, sie in einem solchen Hotel für 5 Monate unterzubringen?
Kaum hatte sich Kathy sich an das doch wirklich unnormale Zimmer gewöhnt, kam der komische Typ mit ihren Koffern wieder. Er stellte die in ihrem Zimmer ab und wollte wieder gehen, doch Kathy rief:
„Warten Sie! Ich muss Sie noch was fragen!“
„Was wollen Sie?“
„Wie ist Ihr Name?“
„Steve Raven. Ich bin der Besitzer des Hotels. Und wie ist Ihr Name?“
Kathy guckte verwundert und sagte dann:
„Sie wissen meinen Namen nicht? Aber sie haben mich doch hereingelassen!“
Sie merkte, dass Steve es nicht mochte mit ihr zu reden. Aber sie war ja keine unhöfliche Person. Was sollte das dann also? Aber auch Kathy wollte nichts mit Steve zu tun haben. Er war ihr unheimlich.
„Nun, ich wusste dass sie der Gast sein mussten, denn normalerweise verirrt sich kein Mensch der noch alle 7 Sinne beisammen hat in diese Gegend.“, antwortete er, „ Also, wie ist ihr Name?“
„Mein Name ist Kathy Riddle.“
„Sehr erfreut!“
Kathy wusste nicht so recht, was sie darauf antworten sollte, denn sehr erfreut, wie er sagte, hört sich anders an. Es machte ihr Angst, denn Steve war schon so gruselig.
„Gut!“, erwiderte Steve.
Sie wusste nicht weshalb er „gut“ gesagt hatte, aber sie wollte es auch lieber nicht wissen.
Dann erklärte er ihr, wo sie Morgen frühstücken solle und einige weitere organisatorische Sachen. Irgendwann sagte er: „Nun, das war alles, vielleicht aber auch nichts…“
Er schaute auf die Uhr in Kathys Zimmer und sagte dann:
„Es wird spät, Kathy. Ich empfehle Ihnen nun schlafen zu gehen. Gute Nacht…“
Das „Gute Nacht“ hatte er so schaurig gesagt, dass Kathy es kalt den Rücken runterlief. Sie hatte einen Kloß im Hals und bekam kein Wort mehr heraus.
Auf einmal hatte Steve es sehr eilig, doch warum wusste Kathy nicht. Sie hatte auch keinen Bedarf danach noch weiter Steve zu denken, denn sie war todmüde und hatte nicht vor, wegen Steve Albträume zu bekommen. Sie zog sich noch nicht einmal um. Sie löschte nur noch die Kerzen auf dem Kronleuchter in ihrem Zimmer und ließ sich dann so wie sie war in ihr uraltes Himmelbett fallen. Es dauerte keine 10 Sekunden und sie war eingeschlafen.


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Publication Date: 12-27-2011

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