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Guido Hecker


„Jesus ist an einem Dienstag geboren worden“


Prolog

Falls es Ähnlichkeiten zu lebenden Personen in diesem Buch gibt, so sind diese nicht zufällig oder gar unbeabsichtigt. Ich habe mir aber die größte Mühe gegeben, Anonymität mit Würde zu verbinden, so dass selbst der mitunter bekloppteste Moment des tatsächlichen Lebens seinen spröden Charme in der unendlichen Vielfalt der Möglichkeiten behalten haben sollte.

Das Chaos ist nun mal das universale Ordnungsprinzip, die jeweiligen Ordnungen stellen sich eben jeweils wieder anders dar. Die Unendlichkeit aller Möglichkeiten und Leben der Universen, in welcher Manifestation auch immer, findet immer wieder neue Wege.

Du Es gibt in diesem Buch keine erfundenen Momente. Weil der Spruch, wonach das Leben die besten Geschichten schreibt, sowieso ein Universalgesetz ist. Es gibt aber erhebliche Unterschiede in der Betrachtungsweise aller Sekunden und Minuten des Lebens, in der urpersönlichen Wirkung eines jeden Momentes sowie seines Ortes auf den jeweiligen Betrachter. Jeder sieht eben alles anders, und wenn es nur ein klitzekleines Bisschen anders ist.


Dinge die Dir widerfahren – keine Krankheiten, Terroranschläge oder ähnliches – sondern Dinge des Alltags, die in der Summe der Erkenntnisse sofern vorhanden das Leben ausmachen.
Versuche also dein Leben zunächst als Komposition und anschließend als Symphonie zu begreifen. Die Sprache kann Musik sein, der Rhythmus des Lebens bestimmt dabei den Ton zwischen den Zeilen.
Vielleicht schärfen diese schrägen Momente Eure eigene Beobachtungsgabe im grauen Alltag, der dadurch unter Umständen eine nie gekannte Farbe bekommt. Oder auch nur heller wird. Wäre ja auch schon was.

Und vergiss niemals die durchaus heilende Wirkung anarchischer Aspekte in der Virtuosität der Göttlichkeit. Die können wirklich gut tun.
Ein bisschen bekloppt sein tut nämlich nicht weh.

Ich hoffe, dass die vorliegenden nicht erfundenen Stories durchaus auf den einen oder anderen interessierten Leser treffen.
Wandere zwischen den Welten. Kolportiere die Zwischentöne der überlieferten Zeiten in das Dir jetzt zur Verfügung stehende und erkannte Bewusstsein. Im Moment bleibt Dir jedenfalls üblicherweise nur das Eine.
findest hier also eine Sammlung der unterschiedlichsten Momente und ihrer subjektiven Wirkung auf mich, die im Laufe der letzten Jahre an mir vorüberzogen. Im asiatischen und britischen Sprachraum gibt für diese zufälligen Erkenntnisse einen Begriff: serendipity – Serendipität.

Guido Hecker


Zitat

„Um unsere subjektive Wahrnehmung der Welt zu durchbrechen, bedarf es eines veränderten Blickwinkels. Erst dann werden wir erkennen, dass es eine absolute und einzige Realität nicht gibt.
Im Gegenteil: Es gibt unendlich viele Wirklichkeitsebenen.
Derartige Momente der kontemplativen Reflexion treten ein, wenn die Welt stehen bleibt. Tritt dieser Augenblick ein, haben wir für einen kleinen Sekundenbruchteil die Möglichkeit in die Grauzone zwischen Beschreibung und Interpretation zu schlüpfen.
Wir erreichen dort eine Stelle, die bisher kaum jemand betreten hat.
Dort erkennen wir all das, was wir bisher übersehen hatten.
Man muss nur ein wenig mehr die Oberfläche des Altbekannten ankratzen, um in tiefere Realitätsschichten vorzudringen.“


Carlos Castaneda


„Jesus ist an einem
Dienstag geboren worden"


Ich habe meinen Zivildienst in einer Schule für Geistigbehinderte verbracht. Nicht nur das: weil mein Bruder ebenfalls schwerbehindert war, bin ich schon Jahre zuvor mit Behindertengruppen in den Sommerurlaub gefahren.

Die meisten Mongölchen - also die Menschen mit Down-Syndrom, Gen-Defekt Trisomie 21, sie haben in jeder Zelle des Körpers 47 statt 46 Chromosomen - haben eine unglaubliche Eigenschaft: Sie freuen sich wie irre über alles. Sie strahlen dich an, lachen sich schier weg. Ohne Anlass. Weil das Leben einfach so schön ist. Und verstehen die Welt nicht mehr wenn Du mit ihnen schimpfst. Das darf man eigentlich auch nicht. Weil ihr Humor göttlich ist. Und sie sind echt. Sie sind Wahrhaftig. Meistens.

Ich betreute eine Gruppe von 6 Jungs, 4 davon Mongölchen, die alle einen Heidenspaß am Leben hatten. Ich sah damals aus wie ein Hell´s Angel, lange Locken bis zu den Schultern und Vollbart. Was meine Jungs zum Anlass nahmen, mich "Heidi" zu nennen.

Um sich jedes Mal beim Lachen fast in die Hose machten. Du kriegst den Affen und machst mit.

Wir waren in einem Tiroler Dorf zur Sommerfreizeit. Mittags gingen wir ins Freibad. Das war sehr spaßig, weil ich mit den sechs alleine unterwegs war und logischerweise auch die Verantwortung trug. Was bei Behindertengruppen eine besonders kritische Masse war und ist. Und ich hatte die Freaks.

Auf dem Weg ins Bad ging’s schon los. Eine Bäuerin freute sich über unseren Anblick und die Tatsache, dass ich die Jungs "ausführte": "Nein wie süß, nett dass sie mit denen ausgehen." Unser Anführer wusste die passende Antwort: "Halt die Fresse Du blöde Sau". Sie war glücklicherweise taub: "Was hat er gesagt, der nette Junge?" Nix.

Ein zweiter Teil unseres Ensembles bereitete mir erheblich größere Probleme. Er war 1,45 Meter groß und trug eine dicke Brille. Kein Problem. Er hatte aber einen (geschätzt) 35 cm langen und dicken Schwanz. Den holte er immer raus. Problem 1 im Freibad.

Problem 2: Er konnte bis zu 4 Minuten unter Wasser bleiben und die Luft anhalten. Er klaute ständig die Taucherbrille, legte sich auf den Boden des Springerbeckens (vier Meter tief) und wartete bis ein Mädel sprang und dabei das Höschen fliegen ging.


Dann holte er sein Ding raus und fand es toll. Er hatte Ejakulationen wie ein Tyrannosaurus Rex. Wenn ich ihn aus dem Wasser zog sah es aus, als ob er Kaminholz unter Wasser in seine Badehose gestopft hatte. Triple X. Ein Gendefekt.

Die Bademeister waren in Panik. Ständig lag irgendein Schatten auf dem Boden des tiefen Beckens. Ich bin - nicht wirklich nachgezählt - aber sicherlich über die Tage bis zu 50 Mal runtergetaucht um den Typ wieder raufzuholen. Während ich gleichzeitig die anderen Jungs unter Kontrolle halten sollte.

Zwei der Jungs waren nicht mongoloide sondern autistisch. Sie sahen völlig normal aus, um nicht zu sagen durchaus attraktiv. Nur mit einem totalen Dachschaden. Ein Gruppe Schulmädchen hatten sich schon deutlich rangemacht. Sie hielten sie für Betreuer. Der eine war blond, der andere dunkel. Und ich versuchte angesichts meines ständig verschwundenen Tauchers irgendwie die Lage im Griff zu halten. Die Mädels kamen näher.

Auf einmal stieß mich der Blonde an. Er war ungefähr 25 Jahre alt. "Guck mal Guido, ein Bär".
"Was bitte?"
"Da ist ein Bär!"

"Wo ist ein Bär?"

"Da, in den Wolken! Guck mal, die Wolken!"

Die Mädels zuckten zusammen.

"Die Wolken, Guido, guck mal die Wolken!!"
Ich nahm mir einen Grashalm, kaute draufrum und guckte in den Sommerhimmel.

"Wo ist denn jetzt der Bär?"

""Da, guck doch, jetzt noch ein Hase!!"

Die Mädels sahen sich an und waren weg. War mir recht.
Der andere "Normalo" hatte unglaubliche Begriffsprobleme. Nach vier Stunden Freibad mit zweistündiger Tauchexpedition ins Springerbecken wollte ich die Jungs trockenkriegen und wieder ins Betreuungsheim zurück gehen. Umziehen ist eine komplizierte Angelegenheit.

Ich erklärte ihm wie das ging: "Nimm Deine Klamotten und geh da vorne in die Kabine. Dann ziehst Du die trockenen anderen Sachen an."

Was er tat: Er zog sich sofort splitterfasernackt auf der Wiese vor allen Leuten aus. Zog seine trockene Unterhose an. Nahm seine restlichen Sachen und ging in die Kabine um das Werk zu vollenden. Mit Handtuch weil niemand seine Unterhose sehen sollte. Er war eben ein Autist. Da tickt der Kosmos anders.

Nummer drei: Der Anführer hatte es verstanden mit der Umkleidekabine. Stand zwei Minuten danach vor mir und hielt mir seine leidlich beschissene Badehose vor die Nase, auf der Wiese. "Iiiiihhhh" sagte er. Ich organisierte eine Plastiktüte und bat ihn um Verstauung.

"Heute Abend machst Du die aber richtig sauber, ok?"

"Jaaaa, Chef, mach ich."

Nach 19 Uhr zurück im Wohnheim, Abendessen, zu Bett gehen. Mein Anführer war verschwunden. Ich ging auf die Suche. Nach 20 Minuten hatte ich ihn im Gemeinschaftsbad entdeckt.

"Ich bin gleich fertig!" sagte er stolz.

Er putzte gerade die Scheisse aus seiner Badehose mit seiner Zahnbürste raus.

"Womit willst Du Dir morgen die Zähne putzen?" fragte ich.

"Ooch, so..." Er holte aus dem Zahnbecher seines Mitbewohners dessen Zahnbürste um wiederum die Scheisse aus seiner Zahnbürste rauszukriegen.

Er war zu schnell um noch eingreifen zu können. Manche Situationen erlauben wiederum nur ein atemloses Staunen. Serendipity eben.

Der nächste Morgen. Aufstehen war für neun Uhr geplant. 7.00 Uhr. Ich stand auf und ging ins Gemeinschaftsbad. Mache die Türe auf. Stehen zwei Jungs nackt mit gewaltiger Morgenlatte und fechten. Sie spielten mit ihren Schwänzen Zorro. Morgens kurz nach Sieben.

"Was wird das?"

"Wir gucken wer gewinnt!" Und brachen in schallendes Gelächter aus. Zwei Mongos fechten morgens um sieben mit ihren Schwänzen um den Sieg. Ich habe einfach nur die Türe zu gemacht.

War gut jetzt.

Wochen später in der Behinderteneinrichtung.
Mein süsser Bruder, ebenfalls schwerbehindert aber ständig für jeden Spaß unterwegs, hatte eine spezielle Vorliebe. Damals konnte er noch laufen. Ich musste "meine" Schwerstbehinderten im Rollstuhl nachmittags immer an eine Rampe stellen, damit die Busse ranfahren und die Fahrer die Rollstühle besser einladen konnten. Sobald ich einen geparkt hatte um den Nächsten zu holen, kam er angerannt und klaute ihn. Er schob dann mit Volldampf, grinsend und lachend, die Rollstühle irgendwohin. Ich konnte meine Spastis ständig suchen. Er klaute mir sie täglich. Der eine stand in der Garage, der andere im Gewächshaus. Das nur nebenbei.


Ich hatte damals die Verantwortung für 14 schwerstbehinderte Erwachsene. Das Wort wähle ich, weil viele weit über 30 Jahre alt waren und rein körperlich nicht als Babies durchgingen. Im Kopf war dagegen sehr wenig. Sehr, Sehr wenig.
Wobei aber mindestens bemerkenswert war oder ist, dass der Sexualtrieb sich nicht auflöst.

Sie konnten nicht sprechen, nicht schreiben, sich nicht den Hintern saubermachen, aber sie konnten sich einen runterholen. Männlein wie Weiblein.

Eines Tages hatte ich die deutschen Nationalfarben: schwarz, rot, gold. Einer der sehr männlichen Jungs musste jeden Tag nach Mittagessen auf die Toilette, vulgo Nasszelle. Sie war verglast, damit der jeweilige Betreuer alles im Griff haben kann.

Nun hatte dieser Typ eine ausgesprochene Freude daran, sich bei seinem großen Geschäft immer einen runterzuholen. Er konnte nicht sprechen, nicht schreiben, nur gucken und wichsen. Ansonsten musste er angeschoben werden. 1,90 Meter groß.

Diesmal ging es ein bisschen schief. Er saß auf der Toilette, sein Glied stand steil nach oben. Dann war er beim Wichsen abgerutscht und hatte sich selbst die Nase blutig geschlagen.

Pasoloni und Fellini hätten es nicht besser inszenieren können. Er guckte mich völlig verstört an, das Gesicht mit Sperma und Blut verschmiert und stank zum Himmel wegen des dritten Aspektes. Wer das alles nun wegmachen musste, war mir leider blitzartig klar.

Eine andere Grusel-Nummer hatte ich ebenfalls täglich zu bewältigen. Ein 32jähriger, völlig gelähmter Spastiker wurde morgens im Liegen angefahren. Jeden Tag mit einem Koffer voller Klamotten. Er war außerdem blind und taub. Seine Mutter lehnte es kategorisch ab, ihm Pampers anzuziehen. Wenn er sich im Liegen bepisste, war er nass bis zum Hals. Er hatte dazu noch eine äußerst ästhetische Angewohnheit: Er schlug sich ununterbrochen mit seinem rechten Daumen in die Augen. Die im Übrigen nicht mehr zu sehen waren.

Er leistete sich auch was. Wenn ich ihm ein Joghurt fütterte, was er nicht mochte, kotzte er Blut.

Pragmatismus ist keine schlechte Angewohnheit. Ich organisierte wenigstens in kürzester Zeit eine Kilotonne Pampers und Ananas-Joghurt. Es linderte meinen
Umgang mit dem Menschsein ein bisschen. Oder mit dem bisschen Mensch?


Was war es oder er? Ein Blick in den Himmel blieb mir die Antwort schuldig. Bis eines Tages eine unverbrauchte Studentin anrauschte. Sie stellte sich neben den armen Kerl, der ununterbrochen einer imaginären nicht rhythmischen Schlagfolge nach seine Augen zertrümmerte.
Sie klatschte in die Hände und sah mich an. „Siehst Du? Er hat gezuckt“

Du hättest eine beschissene Kanone neben ihm abfeuern können. Entweder er hätte gezuckt oder nicht. Nur beim Joghurt kotzte er Blut. Sie klatschte wieder. Er zuckte nicht. „Und jetzt?“ fragte ich sie.

„Weiß auch nicht. Jedenfalls hört er mich.“ Sie stapfte wütend mit dem rechten Fuß auf. War sie jetzt Therapeutin oder der nächste Fall?
„Hast Du die anderen schon gesehen?“ fragte ich sie.

„Alles zu seiner Zeit. Ich habe das schließlich studiert:“ meinte sie zickig.

„Ok,“ meinte ich, “machst Du ihr dann bitte die Windeln?“ Ich zeigte mit dem Daumen auf eine knapp 40jährige Frau in der Ecke, die speziell mittags nach dem Essen eine sehr amüsante Angewohnheit hatte.

Sie stand immer pünktlich auf, steckte sich beide Daumen in die Ohren und stellte ich ans Fenster. Dann machte sie die wildesten Grimassen, streckte die Zunge raus und schielte.
„Mach Du ihr die Windeln,“ sagte ich.

Als ob es das Normalste der Welt gewesen wäre. Eigentlich.
Nur wird dir auch heute niemals die Überwindung, die Du dazu aufbringen musst von einem verfickten Studium der Welt beigebracht.
Es gibt auch noch heute noch keine Vorlesung an einer Universität, in der Dir der perfekte Umgang mit einem durchfallgetränkten „Schüler“ nahegebracht wird.

Aber als Zivi musst Du das alles machen.
Das Geschilderte hatte ich so alles auf einmal. So what. Du wirst Stoiker oder stirbst.

Eine Frau in der Gruppe, 1,75 Meter groß, stark autistisch, hatte eine andere Angewohnheit. Neben ihrer ausgeprägten Autoagression - sie biss sich beide Unterarme bis aufs Blut auf, war von Narben übersät und schlug sich ständig ins Gesicht - hatte sie noch einen Tick. Immer wenn sie ihre Tage bekam, zog sie sich ihre blutige Slipeinlage unter dem Rock hervor und schmiss sie gegen die Wand. Ich konnte mich gerade noch ducken. Sie blieb dann da erst mal kleben. An der Wand. Ihr Blut lief die Wand runter. Begreif es als Realität, denn es war so. Und ich mittendrin meistens alleine.

In diesem Fall hatte ich allerdings einen Deal mit den Putzfrauen der Einrichtung: Ihr macht das weg, sonst bin ich der Kollateralschaden.

In manchen Momenten hat sie mich aber dann - ohne sich dessen freilich bewusst zu sein - wiederum quasi entschädigt.

Ich nahm sie häufig an der Hand um vormittags Brötchen kaufen zu gehen. Eines Wintertages begann es heftig zu schneien. Sie begann zu weinen, vor Freude es erleben zu dürfen - und versuchte dann jede erdenkliche Schneeflocke mit dem Mund aufzufangen.

Du stehst auf der Straße und um Dich herum hüpft eine wildgewordene Autistin und isst fallende Schneeflocken. Ich war im Kino. Bin auch nicht weitergegangen sondern habe mich neben mich gestellt um mir die Szene in jedem Detail einzuprägen. Ich werde es in meinem Leben nicht mehr vergessen. Es war einfach eine Szene von ergreifender Schönheit und Unschuldigkeit. Eine 30jährige Frau weint vor Freude weil sie Schneeflocken mit ihrem Mund fängt und schluckt. Wo war sie?

Sie hielt sich auch ständig die Ohren zu. Viel später erst habe ich erfahren warum. Sobald sie jeden Tag nach Hause kam, zog ihre Muter ihr Kopfhörer an und legte klassische Musik auf. Stundenlang. Bis sie ins Bett ging.

Mama hat es uns sogar selbst erzählt: "Sie hört es so gerne". Autisten brauchen dringend Gehirnwäsche.
Aber wo Autisten wohnen weiß ja niemand wirklich.

Ein Teil meines Jobs: Jeden morgen ab 6.30 Uhr Schulbus fahren. Die "Kids" mussten ja abgeholt werden.

Ein anderer Fall von Autismus ist mir und auch den anderen Zivis - wir waren übrigens starke Typen alle mit einem großen Zusammenhalt - sehr nahe gegangen. Der Sohn eines noch jungen Ehepaares lebte in einer sehr dunklen Welt. Weit weg. Sie wünschten sich sehnlich ein zweites Kind. Ich holte den Jungen - kein Kind mehr, knapp 20 - jeden Morgen ab. Schließlich wurde seine Mutter schwanger und gebar ein völlig gesundes Mädchen.


Von dieser Minute an versuchte er das Baby zu töten. Jede Sekunde war kostbar. Er war in einer tiefschwarzen Welt gefangen. Auf mich hörte er - allein aufgrund meiner auch damals nicht unerheblichen physischen Präsenz. Er spürte einfach meine unabdingbare Bereitschaft, dass ich - kein Scheiss - jeden Angriff auf das Baby mit äußerster Aggressivität beendet hätte. Er war völlig unberechenbar. Löste seine Anschnallgurte im Bus, um sich wie ein Tier rauszuziehen, sobald ich den Wagen anhielt.

Ich habe es in den Griff gekriegt. Sobald er den Gurt gelöst hatte, gab ich Vollgas und machte anschließend eine Vollbremsung. Seine Eltern haben eigentlich ununterbrochen nur geweint. Sie mussten den Jungen später in ein geschlossenes Heim geben, weil die Sache außer Kontrolle geriet.

Ein anderes Mädchen der morgendlichen Busfahrt gehörte in ein eigenes Paralleluniversum. Ebenfalls autistisch veranlagt. Sie war unheimlich lieb und hatte den unendlichen Kalender im Kopf. Sie wusste für jedes Datum der zurückliegenden 2000 Jahre den entsprechenden Wochentag. Es stimmte immer. Wir hatten uns ein Buch besorgt, in dem auch die mathematische Korrelation zwischen dem alten und neuen gregorianischen Kalender und dessen Verhältnis zu Schaltjahren berücksichtigt war.
"Jesus ist an einem Dienstag geboren worden." Das war ihr Lieblingssatz.

Seitdem war das Tao des Chaos für mich Wirklichkeit, die Unendlichkeit hatte mich wieder. In ihrer ganzen karmischen Unbarmherzigkeit.

Ein weiterer junger Mann in meiner Gruppe war schwerst spastisch gelähmt. Seine Eltern - wohnhaft im ländlichen Raum - wuschen ihn nicht und stellten ihn meistens in seinem Rollstuhl einfach in die Ecke. Er hatte große dunkle Augen, war klapperdürr und ungepflegt. Wofür er nichts konnte. Wir verständigten uns über die Augen. Ich fragte ihn was. Ja und Nein konnte er mit Nicken hinkriegen, seine Hände waren sehr verkrüppelt und nur mühsam einzusetzen. Er konnte nicht sprechen. Ich musste ihn dreimal täglich füttern.

Seine Eltern schickten ihm morgens schon mal frische Sachen in einer Plastiktüte (!) mit. Ich wusch ihn, wechselte seine Windeln (er war 29 Jahre alt), rasierte ihn - halt alles was ihn wieder gepflegt aussehen ließ.

Er freute sich jeden Tag wie ein Schneekönig wenn er zu uns kam. Ich schenkte ihm einmal ein Fläschchen Herren-Eau de Toilette. Er weinte.

Mich beschlich eine furchtbare Ahnung. Furchtbar für mich aufgrund meiner persönlichen Definition der Gefangenheit in einer unumstößlichen kosmischen Wahrheit jenseits der absoluten Wahrnehmung unserer vier Dimensionen. Eigentlich nur eine Phase der Quantenmechanik. Die alle zusammengenommen blasphemisch betrachtet nicht anderes als Gott selbst war oder ist oder sein könnte.

Der amtliche Sonderpädagoge meiner Gruppe hatte eine halbe Stelle und war ab 12.30 Uhr weg. Ich hatte dann die 14 Leute an der Backe. Nach 13 Uhr schliefen die meisten. Dann schnappte ich mir meinen Spasti im Rollstuhl und wir gingen Kartenspielen. Ich brachte ihm MauMau bei, Skat, Poker und redete wie ein Wasserfall ständig auf ihn ein. Er verstand viel. Ich brachte ihm Schreiben bei. Mit der nötigen Geduld ging es. Seinen Namen langsam zu schreiben, seinen Wohnort. Wir brauchten Monate.

Er war nicht geistig behindert und wusste es. Er wusste um seine völlige Hilflosigkeit angesichts der Gefangenschaft in seinem Körper. Ich habe ihm diesen Satz gesagt. Woraufhin er unglaublich zu weinen begann. Ich im Übrigen auch. Und er konnte kein Wort sprechen. Wenn ich etwas besonders gut verstanden hatte, hüpfte er solange in seinem Racer auf und ab, bis er samt Rollstuhl hinten über knallte.

Tage darauf fand ein Mini-Pokerspiel mit leitenden Pädagogen des Hauses und uns statt. Er wurde sofort in eine andere Klasse versetzt, die seiner Intelligenz entsprach. Das hatte ich geschafft. Nur seine körperliche Pflege blieb mir überlassen, weil "meine" Räume die entsprechende Ausstattung der Nasszellen hatten. Wobei er sich immer unglaublich freute, wenn ich ihn abholte. Duschte. Kämmte. In gewisser Weise hatte ich sein Leben gerettet. Das sagte er mir mit seinen Augen.

Warum ausgerechnet mir wie selbstverständlich solche Aufgaben zufielen weiß nur die Unendlichkeit. Denn einen völlig gelähmten spastischen Erwachsenen zu pflegen, ist allein physisch eine nicht zu unterschätzende Sache. Er war völlig verkrüppelt, über 1,80 Meter groß. Ich trug prinzipiell eine Badehose drunter und hatte immer noch eine mit, weil Du selbst pitschnass wirst. Ich musste ihn ausziehen, in einen speziellen Duschstuhl heben und dann ging es ab unter die Brause. Und wieder zurück.

Föhnen war sein Ding. Wenn er wieder angezogen und gut riechend in seinem Rollstuhl saß. Er lachte sich schlapp wenn ich einen dicken Föhn nahm um seine Haare zu trocknen. Nahm ein bisschen Gel und kämmte ihn. Er strahlte mit der Sonne um die Wette.

Next thing: Meine Eltern hatten aus Gründen der Menschlichkeit und einer beschissenen Bürokratie einen kleinen mongoloiden Jungen quasi adoptiert, damit er in der Einrichtung bleiben konnte. Er hatte ein Loch im Herzen. Ich holte ihn ab und brachte ihn oft nach Hause. Er verstand unheimlich viel. Eine Herzoperation war aufgrund des körperlichen Wachstums ausgeschlossen.

Das schlimmste Erlebnis im Bus war für mich: Er krabbelte eines Tages in den Wagen, schlang seine kleinen Ärmchen um meinen Hals und sagte: " Guidopapa, ich will nicht sterben. Es ist so schön hier."

Du sitzt morgens um 7.30 Uhr im Bus und ein kleiner blonder mongoloider Junge sagt Dir, er wolle nicht sterben weil alles so schön ist. Und Du weißt, dass er kurz davor ist.

No more words. Er ist wenige Wochen später gestorben.

Es gab und - gibt? - eine Merkwürdigkeit mit den Schwerst-Mehrfachbehinderten. In sehr vielen Fällen die ich kennengelernt hatte, verpissten sich die Väter, sobald die Situation problematisch wurde. Und ließen oft ausgesprochen besondere Frauen mit all den Problemen und furchtbar verkrüppelten Kindern verzweifelt alleine zurück.


Es gab also zu dieser Zeit viele Mütter die allein mit ihren "Kleinen" das Leben meistern mussten. Wir hatten nicht wenige Todesfälle unter diesen Frauen - und ihre Kinder lebten anschließend nur noch wenige Wochen. Sie wollten nicht mehr. Sie sind eingegangen. Trotz unserer Bemühungen, ihnen nach Kräften Liebe und Zuwendung zu geben. Sie sind eingegangen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Viele konnten übrigens nur ein Wort sprechen: "Mama".

Ich habe diese Erlebnisse später Mal den Leuten erzählt, die statt Zivildienst die Bundeswehr gewählt hatten. Sie wurden grün im Gesicht und sagten, dass ihnen jedes Maschinengewehr dieser Erde lieber wäre. Vielleicht hätte ich Funker werden sollen?

Jedenfalls habe ich auf das Studium der Sonderpädagogik anschließend konsequent verzichtet.


Plötzlich vier Pfoten

Juli 1989. Nach zehn Stunden Redaktionsarbeit am Freitag lechzte ich danach, mindestens zwei Zapfanlagen der Kneipen in der Kölner Südstadt leer zu trinken. Nach wenigen Gläsern war allerdings Ende. Nicht, dass ich besoffen gewesen wäre, aber die Müdigkeit gewann. Gegen 23 Uhr war Schlafen angesagt, wie immer im lockeren Jogging-Outfit, als Single erprobt.

23.45 Uhr. Es klingelte. Kein Mensch hatte je um diese Uhrzeit bei mir geklingelt, schon gar nicht ohne vorher anzurufen. Leicht eingedöst, schleppte ich mich hoch und zur Wohnungstüre. Der Blick durchs Guckloch war eindrucksvoll. Ich öffnete.
Vor mir stand meine Nachbarin, eine atemberaubend schöne Frau, brünett, in ihrem kleinen Schwarzen, Zigarette im Mund, und in ihrer Hand eine Hundeleine. Am anderen Ende der Leine saß ein Mops.

"Ich muss sofort ins Bett", sagte sie, schob mich zur Seite und klackte mit ihren High Heels durch meine Wohnung in mein Schlafzimmer. Zog ihr Kleid aus und legte sich sofort mit Body und Strumpfhose bekleidet in mein Bett.
Ich folgte ihr. Legte mich auf die andere Seite. Und hatte in nullkommanix einen dunkelbraunen Wuschelkopf auf meiner rechten Schulter liegen, ein schwarz bestrumpftes Bein quer über mir liegen und pelziges Etwas zwischen meinen Füßen. No Sex, wir schliefen sofort ein. Auch wenn ich diese Form des Spontanbesuches mindestens bemerkenswert fand.

Samstagmorgen. Ich öffnete die Augen und hob den Kopf. In exakt diesem Moment tat dies der kleine Mops zwischen meinen Füßen. Er sah mich mit großen Augen an und fragte mich telephatisch, ob ich ihn jetzt schlachten würde. Nein, dachte ich zurück, ich tu Dir nix. Woraufhin er sein Köpfchen wieder auf meine Füße legte und auch wieder einschlief. Ich auch. Er schnarchte wie Sau.

Gegen 12 Uhr mittags kehrte das Leben zurück. Meine Nachbarin vom Typ Schlaganfall stand einfach auf, sagte "Tschüss", gab mir einen Kuss und rief "Ruuudi". Das galt dem Mops.
Er schoss daraufhin aus meinem Bett, und folgte seinem Frauchen, die schon in der Türe stand.
Bleibt anzumerken, dass wir mittlerweile 20 Jahre zusammen sind, 16 davon richtig verheiratet.

Rudi, der Mops, blieb. Und sorgte für einschneidende Erlebnisse, an die wir uns mal mehr oder weniger gern erinnern. Rudi entpuppte sich - ich hatte mir dahin niemals Hunde in direkter Umgebung, auch wenn ich mich erinnere, dass ich einmal versucht habe einen Dackel zu hypnotisieren - Rudi war ein ziemlich ausgekochtes Tier. Angenehm war, das das Möpschen NIEMALS in der Wohnung oder auf dem Dachgarten seine Notdurft verrichtete - er hasste es wie die Pest.
Wenn er Not hatte, setzte er sich vor den Aufzug, der in der Wohnung meiner Nachbarin endete und heulte wie ein Wolf.


Dann bin ich mit ihm wie jeck runter gerast und alles war gut.

Eines Tages gingen wir wie immer mit ihm spazieren. Kaum im Park angekommen, überfiel ihn ein anderer Hund, wesentlich größer. Das unmittelbar furchtbare Ergebnis: Rudi verlor ein Auge.
Mein Schatz schrie wie am Spieß, ich rannte los, um unser Auto zu holen. Aber Rudi war taff. Kein Jaulen, kein Schluchzen.

Wir rasten zum Tierarzt. Der tat dann alles, das machbar war. Das Auge blieb drin, war zugenäht und schockte uns nicht unerheblich. Außerdem erhielt er eine Entwässerungsspritze, um die Schwellung zu mildern.

Ich stand dann manchmal vor meinem Spiegel und fragte mich, in welchem Film ich zurzeit mitspielte. Aber es wurde noch besser.

Der Mops weigerte sich nämlich weiterhin beharrlich, der Spritze zur Entwässerung Folge zu leisten. Nachdem ich mit ihm etwa hundertmal mit dem Aufzug
rauf und runter gefahren war - damit er sein Wasser lassen konnte - hatte ich die Schnauze voll.
Völlig hundeunerfahren, suchte ich nach einer Pipi-Strategie. Ohne ständig auf- und runterfahren zu müssen. Als er wieder einmal vor dem Aufzug saß, schnappte ich Rudi und ging mit ihm auf den Dachgarten. Und guckte mich leise um, ob mich auch

keiner sieht. Dann pinkelte ich in alle möglichen Ecken, an Bambustöpfe, Lavendeltöpfe, eben an alles, was so auf Dachgärten schon mal steht. In der wagen Hoffnung, dass der Mops das kapiert und hier macht...weit gefehlt. Mein Duft war wohl nichts für ihn. Es hat ihm - glaub ich - ziemlich gestunken. Er saß - ratzfatz - wieder vor dem Aufzug.
Jedenfalls hat das Kapitel "Auge" lange gedauert und war für uns fast schmerzhafter als für ihn.

Er hatte eine Vorliebe. Das Badezimmer meiner bezaubernden Nachbarin hatte Fußbodenheizung unter Marmorplatten. Rudi liebte es ohne Ende, sich stundenlang dorthin zu legen. Problem: Er haarte wie Sau.

Überall, wo er gelegen hatte, war alles voll mit Hundehaaren. Dann war wieder Putzen angesagt. Eines Tages - mein Schatz weilte im Ausland - wollte er es sich wieder im Bad bequem machen. Ich war in der Küche, wo ich auch sein Körbchen platziert hatte, damit er nicht wieder ins Bad ginge. Es begann ein beispielhaftes Szenario, filmreif allemal.

"Rudi, du bleibst hier!" Leise schlich er sich davon. Er war wohl mal im Geheimdienst gewesen. Er legte sich auf den Bauch und krabbelte gaaaanz langsam vorwärts. "Rudi du bleibst hier!" Er hatte natürlich nichts gehört. Und krabbelte gaaanz langsam weiter. Ich sah ihn ungläubig an. Was kapiert dieses Tier eigentlich alles? "Rudi du bleibst hieeeeer!"


Er zog sich ultralangsam auf dem Bauch weiter in Richtung Badezimmer. Ich schnappte ihn und setzte ihn in sein Körbchen. "Rudi du bleibst hieeeeer!" Er sah mich an, als ob ich wirklich das letzte bescheuerte Arschloch östlich von San Francisco wäre. Ich kochte weiter, weil ich noch Freunde erwartete. Rudi krabbelte wieder weg. Das gleiche Spiel begann von vorne. "Rudi du bleibst hieeeeer!"

Er kam sogar zurück. Und hob eine Pfote am Rand seines Körbchens. Er erstarrte mit erhobener Pfote. "Rein!" sagte ich. Millimeterweise schob er sein Pfötchen in das Kissen. "Los!" Er hob sein anderes Pfötchen und erstarrte. Ich sah ungläubig zu. Setzte mich auf den Boden, sah ihn an: "Machst Du jetzt dass Du hier reinkommst?"


Nix. Er blieb mit dem erhobenen Pfötchen erstarrt stehen. Dann kam wieder ein magischer Moment: Das Telefon klingelte.

Und Rudi, unser Mops, wusste in dieser Sekunde, dass ich an den Hörer musste. In der Millisekunde, als ich aufsprang, schoss Rudi wie irre aus der Küche und raste ins Badezimmer. Ich bekam ernsthaft einen Lachkrampf, konnte meinem Schatz am Telefon nur mühsam das Mops-Theater erklären und war beeindruckt von den theatralischen Fähigkeiten dieses kleinen Starrkopfes. Er tat im Übrigen immer alles, um seinen Willen unbedingt durchzusetzen.

Jahre später. Mit dem Lebenstraum meiner Frau - ein Haus mit Erde drumrum und Hunde - hatte ich mich mittlerweile arrangiert. Rudi war bei den Schwiegereltern untergekommen, die ihn partout nicht mehr herausgeben wollten. Also kaufte ich ein neues Möpschen. Mäxchen kroch dann eines Tages (acht Wochen alt) oben aus meinem Hemd heraus und verursachte Schreikämpfe.

Passenderweise geschah dies mitten in der völligen Entkernung unseres neuen Hauses und am Anfang zweijähriger Bauarbeiten.
Woraufhin sie sich Wochen später revanchierte und mir einen Labrador schenkte. Wir trafen auf ein mieses kriminelles Pack, die in einem unglaublichen Dreck hausten - und einen zauberhaften kleinen kranken Lab, den wir sofort mitnahmen. Sein ganzer Rücken war entzündet, aber er hatte einen traumhaften Charakter. Caruso war da.

Die Konstellation machte mir eines klar. Tiere sind Familienmitglieder. Wir hatten jetzt zwei Pelzkinder. Und mein Lernen ging weiter. Ich ging in die Hundeschule. Ich. Natürlich mit meinem Labrador. Aber ich lernte, dass sich Hunde schier schlapplachen können, wenn sie auf völlige Pfeifen treffen. Und ein Lab ist was anderes als ein Mops.

Caruso war ein ausgesprochen intelligenter Hund mit viel Humor. Übungen auf dem Hundeplatz: Sein wichtigstes Anliegen beim Gehen mit meiner Lieblingsfrau war, ihr die Hose auszuziehen. Von hinten. Ich hatte ihm beigebracht, neben mir zu gehen. Sobald sie mit ihm ging, grinste er wie ein Honigkuchenpferd und versuchte ihr von hinten die Hose runterzuziehen. Lecker. Er hatte meine Gedanken gelesen. Selbst die größten Leckerchen konnten dies nicht verhindern. Ich weiß nicht wie oft er sie in den Po gekniffen hat - was ich auch gerne tat - aber er konnte eindeutig Gedanken lesen.
Wir hatten viele Jahre lang eine Haushälterin. Unglaublich nett, unglaublich beleibt. Sie hatte meine Frau schon durch viele Wohnungen begleitet und war letztendlich auch bei uns im Haus gelandet. Sie hatte ein unglaubliches Herz für Tiere. Und Probleme mit der Kukident-Fraktion.

Eines Tages kam sie später, weil sie neue Zähne bekommen hatte. Das filmreife Problem war nur, das diese, sobald sie mich ansprach, rausfielen. Wir sprachen normalerweise am Vormittag die Sachen durch, die erledigt werden sollten.

In einem unglücklichen Moment fiel ihr an diesem Morgen eben das Gebiss noch mal raus. Und passenderweise schoss unser Labrador Caruso - wie schon erwähnt mit einer gehörigen Portion Humor ausgestattet - aus seiner Ecke.

Er schnappte sich das Gebiss und gab Gas. Sie rannte ihm hinterher:

"Cafufo." Ohne Gebiss ist das Sprechen eine schwierige Angelegenheit. "Cafufo. Fofort hierher". Caruso dachte nicht daran. Er ließ sie immer ein bisschen rankommen und rannte dann wieder weg. Und wartete einige Sekunden bis sie näher kam, dann war er wieder weg mit ihrem Gebiss. Unser guter Geist versuchte verzweifelt dranzubleiben.

In irgendeinem Moment hatte er keine Lust mehr und ließ das Gebiss fallen. Es fiel praktischerweise zwischen die Dielen auf der Terrasse. Unsere Angestellte raste wieder in die Küche und kramte zwei Fonduegabeln raus. Sekunden später lag sie (ca 150 Kilo) bäuchlings auf der Terrasse, spingste mit einem Auge in die Ritze und stocherte mit unseren Fonduegabeln nach ihrem Gebiss.

Rein zufällig hatte ich eine Videokamera in der Küche. Was man eben so normalerweise in der Küche hat. Und wurde dann Zeuge, wie unser Hund auch noch auf ihr einen Begattungsversuch von hinten unternahm. Sie lag halt so praktisch.

Ich bin fast gestorben. Aber eingeschritten und habe das vierbeinige Bodenpersonal umgehend in sein Körbchen befördert. Nach 30 Minuten hatte sie dann das Gebiss wieder ans Tageslicht geschafft. Ein Wasserstrahl reichte - und es war wieder da wo es zuvor rausgefallen war. Schmerzfrei muss man sein.

Unser Möpschen Max war stur und ziemlich schnell beleidigt. Er hatte leider sehr schnell begriffen, welchen Stress er bei uns auslöste, wenn er uns bestrafenderweiser ins Wohnzimmer machte. Macht ist eben alles. Wenn er frustriert war, urinierte er auch alles ausgiebig an, was an Vorhängen vorhanden war. Extra.

Er hätte auch rausgehen können, das Grundstück ist groß genug. Ich habe mich oft gefragt, wo ein so kleiner Hund so viel Flüssigkeit hat. Ich habe es aber nicht weiter recherchiert, sondern die Vorhänge in die Reinigung gebracht, ohne Kommentar natürlich, was denn damit geschehen war.

Das Tollste war ein Spaziergang mit ihm am Rande einer Baseball-Veranstaltung. Die Spieler hatten ihre Helme - etwa 20 - alle am Wegesrand abgelegt und Mäxchen ging ohne Leine zehn Meter vor mir.

Er pisste akkurat IN JEDEN HELM den er kriegen konnte. Hier ein bisschen, da ein bisschen, hier wieder ein bisschen, da noch ein bisschen. Mal linkes Bein hoch, dann das rechte und in jeden Helm ein bisschen. Er fand es klasse. Ich, dass es niemand gesehen hatte. Das Spiel habe ich mir jedenfalls nicht angeschaut. Hätte aber gerne die Gesichter gesehen, nachdem sie sich die Helme wieder aufgesetzt hatten...

Caruso brachte mich zu anderen Verhaltensänderungen. Ich fuhr damals einen 12-Zylinder-BMW. Er liebte es, jeden Tag im See schwimmen zu gehen. Nach zwei Monaten kaufte ich für einige hundert Mark einen alten Kadett Kombi. Der Geruch eines 40-kg-Labradors, der eines klatschnassen Labradors, hatte schon mehrfach Kollegen zur Flucht aus meinem Auto veranlasst. Der Kadett war somit sein Auto, unser Hund hatte sein eigenes Auto.

Im Übrigen entpuppte sich Caruso dadurch zum neu entdeckten Diebstahlschutz: Mehrfach fanden wir den Wagen morgens mit offenen Türen vor - er stank derart gotteserbärmlich nach nassem Hund, dass der oder die Diebe keine Sekunde länger darin bleiben wollten.

Er hatte als junger Hund Glück in mehrfacher Hinsicht: Wir haben einen Pool. Für ihn gab es nichts größeres, als permanent im Wasser zu sein. Er tobte nur so im Pool rum - ganz im Gegensatz zum Mops. Er hasste Wasser. Toll war auch immer, wenn der Lab pitschnass ins Wohnzimmer raste und sich erst mal heftig schüttelte. Große Hunde sind wie Mega-Tampons. Nett.

Caruso hatte zwei Kernerlebnisse, die er und uns dauerhaft prägten. Nummer eins: Er saß abends bei uns am Kaminfeuer, als eine winzige Maus aus der Ecke kam und durchs Zimmer lief. Caruso war damals drei Monate alt. Er machte einen Satz und hatte sie. Der Mäuseschwanz hing vorne aus seiner Schnauze heraus. Mein Schatz schrie nur auf..."aaaah". Daraufhin schluckte Caruso erschrocken die Maus herunter ohne zu kauen. Er sah mich wie besinnungslos an und fiel sofort um. Und blieb wie tot liegen. Völlig geschockt.

Nummer zwei: Wir hatten eine größere Party, dazu etwa 35 Frikadellen in der Friteuse fertig gemacht und im Keller in einen Kühlschrank geparkt. Nachmittags vermissten wir unseren kleinen größeren Hund. Ich ging in den Keller. Dort saß ein völlig verzweifelter kleiner Labrador mit einem Bauchumfang, der einer schwangeren Frau im neunten Monat gerecht worden wäre. Er kam wegen seiner Frikadellen-Schwangerschaft die Treppe nicht mehr hoch. Er hatte alle Frikadellen aus dem Kühlschrank gefressen und jetzt war ihm kotzschlecht. Ich nahm ihn auf den Arm, trug ihn nach oben und wusste wieder nicht in welchem Film ich jetzt wieder war.

Etwa zur gleichen Zeit hatten mein Schwager und seine Frau (die Schwester meiner Gattin) auch wieder einen neuen Hund. Passenderweise das Kleinste was sich auf vier Pfoten außer Tigern und Löwen so kaufen lässt: einen Landseer. Diese Urrasse der Neufundländer - er maß ausgewachsen ausgestreckt auf dem Boden rund drei Meter (!!) - liebte Wasser noch mehr als unser Labrador.

Ben, so tauften sie ihn, setzte sich als Welpe immer in eine Vogeltränke auf der Wiese unserer Verwandten und wollte um nichts in der Welt dort raus. Ich, mittlerweile leidlich hundekompatibel, machte mir tageweise einen Spaß daraus, dieses Riesenbaby in das Mini-Cabrio meiner neuen Lebensgefährtin zu setzen und mit ihm durch die Gegend zu fahren. Der Riese war absolut handzahm und liebte alle
Menschen. Was nicht immer auf Gegenseitigkeit beruhte, weil er einfach so riesig war.

Merkwürdigerweise hatte Ben panische Angst vor unserem Mopswelpen. Wir haben Videos, in denen das vergleichweise winzige Mäxchen den großen Ben durch den Garten jagt - er hatte Schiss ohne Ende. Das tollste Erlebnis mit dem Riesen-Sensibelchen hatten wir dann im Sommer. Er floh vor einem Schmetterling und versuchte sich hinter einer Birke zu verstecken.

Dann guckte er ganz ängstlich hinter dem Bäumchen hervor, damit der Schmetterling ihn möglichst nicht angreifen möge. Allein sein Kopf war mindestens so groß wie der einer Kuh...

Zusammengenommen wurde das ganz Hundepaket dann bei zahlreichen Reisen ins belgische Knokke. Erstaunlicherweise war zwischen allen drei Rüden Ruhe, was nicht zwingend erwartet werden konnte. Ich bin häufig morgens mit allen dreien, also Mäxchen, Caruso und Ben, am Strand entlang gejoggt. Alle fanden es klasse. Wobei Caruso und Ben ständig im Wasser waren, das Möpschen sich darum bemühte keinen Tropfen abzukommen, aber stolz neben mir herlief.

Der Geruch in unserem Appartement war nachher schlicht ergreifend. Weil ein nasser Landseer einfach nicht zu trocknen ist. So viele Handtücher hat kein Mensch dabei. Und unsere Wohnung hatte passenderweise einen Flokati im Wohnzimmer. Wir haben diesen dann in den Abstellraum gelegt. Was aber nicht viel nutzte, weil die Räume mit Teppichboden ausgelegt waren.

Besonders beeindruckend waren dann die Stunden, in denen mein Schwager nebst Gattin wieder nach Hause wollte. Da sie meistens mit einem SL oder einem Porsche ankamen, Ben sich dann auf den "Rücksitzen" einkuschelte, hatten sie generell alles sperrangelweit auf, was Fenster hieß. Ein patschnasser Neufundländer auf dem Rücksitz eines Sportwagens hat eben eine gewisse olfaktorische Ausstrahlung.

Caruso entwickelte - zurück zuhause - kurz darauf eine neue Form der Kommunikation. Erstens begann er jeden Morgen pünktlich um 10.30 Uhr zu motzen. Er sprach ganz eindeutig. Er bellte nicht, sondern quengelte in einer eigenen Sprache rum: "Ouhauhohuauh......" und gähnte dann ausgiebig. Übersetzt hieß das: "Beweg endlich deinen Hintern, ich will raus an den See." Sobald ich ihm sein Halsband angelegt hatte, schnappte er sich die Leine und raste raus. Das war sein Ding: Er trug die Leine, nicht ich. Er war stolz wie Oskar, wenn er seine Leine hatte. Weil er allergisch gegen Leder war, hatten wir eine blaue Kunststoffleine gekauft. Sie sah ziemlich verheerend aus und war völlig durchgekaut.

Wenn ich gelegentlich sonntags mit ihm joggen ging (zehn Kilometer) lief er mit erhobenem Kopf und seiner blauen Leine im Maul neben mir her. Andere Hunde interessierten ihn nicht.

Die zweite Form der Kommunikation betraf seinen Hunger. Pünktlich wie ein Wecker knallte er mir um 12 Uhr mittags sowie gegen 17.30 Uhr mit aller Gewalt seinen Napf um die Ohren. Jeden Tag. Ein Höllenkrach. Die Blechnäpfe knallten immer durch die Gegend. Besonders beeindruckend war es, wenn sie auf dem Kopf landeten. Dann prügelte er solange seinen Napf durch Küche und Wohnzimmer, bis die Öffnung wieder oben war. Dann schnappte er sich das Teil und stand wieder vor mir.

Er wusste auch immer ganz genau, wenn wir für Gäste einen Lammbraten machten. Exakt zum Ende des Diners schnappt er sich seinen Napf, stupste mich an und setzte sich auf die Terrasse. Dort war sein Platz zum Essen.

Er hatte immer seinen Napf in der Schnauze und erwartete jetzt - bitteschön sofort - sein Lammfleisch.


Viele Jahre legten wir großen Wert auf die Ernährung unseres tierischen Bodenpersonals. Ich habe - glaube ich - tonnenweise Hähnchenherzen und Nudeln gekocht. Mit Gemüse und so weiter. Es war eigentlich immer eine tierische Sauerei - Hähnchenherzen zu kochen - und gestunken hat es auch. Bis zu dem Tag, an dem wir noch mehr Hunde bekamen. Aufgrund eines "Unfalles" war zufällig das Haus eines uns bekannten schwulen Hochzeitspaares abgebrannt (wir waren die Trauzeugen). Sie hatten zwei Labrador-Hündinnen. Also wohin? Zu Uns. Damit lernten wir die Vorteile des Fertigfutters kennen. Und ich hatte auf einmal vier Hunde am Hals, neben unseren noch zwei schwarze Labrador-Hündinnen.

Eine von ihnen war ein wenig geistig behindert. Sie nahm stündlich einen Riesen-Anlauf und sprang in unseren Pool. Sie war aber auch so bekloppt, in Mallorca eines Tages einfach über eine Mauer zu springen und dann ging es 10 Meter abwärts. Glücklicherweise landete sie auf einem Bambusdach. Nix passiert.

Die Beiden schleppte ich jetzt also jeden Tag auch noch mit zum See. Drei Labs und ein Mops im Auto. Ich hatte nicht gedacht, dass sich ein intensiver tierischer Geruch noch potenzieren lässt, aber diesmal war es eindeutig so. Der Tagesplan der Hunde war nämlich so: Alle aus dem Auto, das Möpschen blieb bei mir - und die drei Labs mit Anlauf und Karacho in den See. Besonders putzig war, dass sich nämliche etwas dämliche Dame JEDEN TAG etwa nach 50 Metern ins Wasser stellte, ihre Pfoten übereinander schlug und mit nix mehr aus dem Wasser zu bewegen war.

Sie stand bis zu fünfzehn Minuten bewegungslos im See - ich bin fast durchgedreht. Weil Caruso sich schon für den Freischwimmer angemeldet hatte und fröhlich davonschwamm, die andere Hündin in diesem Moment dringend Enten jagen musste.

Nachdem ich sie alle eingefangen hatte - klatschnass - ging’s ins Auto. Zuhause angekommen stürzten sich mindestens acht Pfoten aufs Sofa. Natürlich klatschnass. Da kam Freude auf. Die beiden Labrador-Damen beanspruchten nämlich die Couch absolut für sich. Das waren sie so gewohnt. Glücklicherweise hatten ihre Besitzer dicke Decken mitgebracht, mit denen wir unser Sofa (eine Landschaft eigentlich) abdecken konnten. Der Geruch blieb.

Fast fünf Monate hatten wir das Vergnügen vier Doggies im Hause zu haben. Für mich als never-before Hundehalter schon ein bemerkenswerter Moment. Aber je mehr du kapierst, je mehr Du Verhalten analysierst und verstehst, desto logischer werden gewisse Dinge. In der Hundeschule hatte ich beispielsweise gelernt, dass bei gewissen Hunden die Lautstärke deiner Ansagen nicht unverstanden bleibt - bei Rottweilern, Dobermännern und ähnlichen Kalibern.


Mallorca, ein Jahr später. Freunde besaßen eine Finca mit einem Zoo. Hängebauchschweine, Hühner, Pfauen, Katzen, Gänse, und zwei völlig unerzogene große braune Dobermänner. Diese versuchten ständig mindestens eine Katze zu killen. Ich ging daraufhin in einem bestimmten Moment auf die Hunde los. Habe sie derart zusammengebrüllt, dass sie sich angstvoll in eine Ecke zurückzogen und ganz lieb wurden. Ich wusste nicht genau, wieso ich das konnte.

Habe dann vom Besitzer erfahren, dass sie noch niemals in diesem Ton angebrüllt worden seien. Mir gegenüber haben sie sich seitdem wie Lämmer verhalten. Anscheinend hatte ich in der Hundeschule etwas gelernt.

Ein völlig anderer Ereignishorizont ist der Besuch bei Tierärzten. Hier haben wir zwei Kategorien: die mit Terminen und die ohne. Die ohne Termine sind - wenn Du als völlig unbedarfter Hundehalter zum ersten Mal hingehst - ziemlich heavy. Das Gebrüll, Gebelle, Geknurre und Gestank der hundert Leute nebst Hunden, Katzen, Kaninchen, Ratten, Papageien und anderen Lebewesen im Wartezimmer ist nicht zu toppen.

Zwei halbblinde mindestens 90jährige saßen mir gegenüber, jede hatte einen uralten Mops auf dem Schoß. Ich hatte unser Mäxchen auf dem Schoß zwecks Impfung. "Hören sie mal, ist das ein Mops den sie da haben?" fragte mich die eine.

"Nein, es ist eine Antilope." Ich kann mich manchmal nicht beherrschen.

"Oooch. Ne, dat jit et doch nit."

"Ja, ich hab die Hörner abgesägt."
Manchmal scheinen Hunde gewisse Dinge zu verstehen. Mäxchen drehte leise den Kopf zu mir und flüsterte in mein Hirn: "Du blödes Arschloch."

"Unsere sind schon sechzehn Jahre alt!" Wenn sich ausgestopfte Tiere bewegen konnten, müsste ich David Lynch anrufen. Hitchcock war ja schon tot. "Sind die nicht süß???"„ Ja. ausgesprochen niedliche Tiere. Sie hatten im Laufe der letzten Jahre auch sicherlich nichts zu essen bekommen, sonst würde ihr Bauch nicht auf der Erde schleifen. "Nee, die sind ja so süüssss." meinte die eine und begann ihrem quasi-mumifizierten Mops einen runterzuholen. "Neee, der iss ja sooo lieb...“ Und massierte das winzige Teilchen ihres Hündchens ganz dringend weiter.

Nein, ich habe nicht gekotzt. Habe aber die Praxis verlassen und bin mit unserem Mops in die nächste Kneipe gegangen. Ein Pils reicht ja und unser Hündchen war ja nicht krank. Aber die Horror-Voodoo-Optik im Wartezimmer schon sehr krank. Die Impfung kann ja warten. In solchen Momenten hatte ich den dringenden Zwang, mir die Hände waschen zu müssen. Was ich auch tat.

Zwei Tage später fuhr ich zu einem anderen Tierarzt. Wartezimmer. Unser Möpschen wollte immer auf den Arm genommen werden, weil er Tierärzte megascheisse fand. Es war eine einzige Frau mit ihrem Hund dort. Die Dame hatte einen unglaublichen Überbiss und einen chinesischen Nackthund. Wer von beiden zum Tierarzt musste, war mir nicht ganz klar. Jedenfalls ein sehr hübsches Tier.

In Tierarztpraxen haben die Leute oft einen zwanghaften Drang andere anzusprechen, es ließ nur mitunter irgendwie zu wünschen übrig. Jetzt war ich wieder dran.

Das Problem mit einem Überbiss ist, das die Töne nicht so kommen.

"Pfinden fie, iff foll meine Kleine zur Fucht freigeben?"

Das Problem langjähriger Redaktionsarbeit ist ein nicht zu therapierender Zynismus. Ich musste die Überbiss-Lady unbedingt zum Sprechen bringen.

"Na ja."

"Pfinden pfie?"

"Was soll denn dabei rauskommen?"

"Alfo iff pfinde, pfie ist pfundervoll."

"VIelleicht versuchen Sie es mal mit einer englischen Bulldogge?"

Bulldoggen haben ebenfalls eine extreme Kieferstellung. Und was dabei rauskommen könnte...nackte englische

Bulldoggen mit Unterbiss und diesem Sträußchen Haar auf dem Kopf ...und dann mit diesem Gerät? Als "Gerät" hatten wir als Schüler (40 Jahre her) gouvernantenhafte Lehrerinnen bezeichnet. Diese Dame war so ein Gerät.

"Pfie ift heiff."


Das konnte ich natürlich nicht riechen. Unser Mops aber komischerweise auch nicht. Bei heiffen Hündinnen machte er sonst Handstände.

"Pfie heift Fiffie"

"Oh. Schöner Name." Wenigstens konnte sie den aussprechen.

"Pfinden pfie?"

"Ja. süsser Name. Warum sind sie hier? Was hat sie denn?" Ich heischte Mitleid um meinen drohenden Lachkrampf wegzukriegen.

"Pfie ift heiff. Iff brauche Tampons."

Was für eine unglaublich schöne Vorstellung.

"Pfie hat halt ihre Tage. Und da muff iff miff ja fon um pfie kümmern."

Ja. Klar.

"Pfie hat ein fönes Fell."

Fell? Rosarote Haut....

"Ef ift fo weiff"


Himmel. Wie komme ich aus der Nummer raus???

"Pfffff. Iff weiff nie, waff iff tun kann für Fiffie."

Ich saß in der Praxis alleine mit der Dame mit Überbiss und musste mich unglaublich zusammenreißen. Sie wollte nicht mehr aufhören zu reden.

"Pfie ifft gerne Rindfleiff. Iff ferfuche fiel Filet zu pfinden. Ihre Pfähne find fo empfindlich, wiffen pfie..."

Prinzipiell verbietet sich ja die Diskriminierung von Mitmenschen aufgrund physischer Gebrechen. Aber vielleicht fand ihr Ehemann ihren Überbiss ja ganz attraktiv, so dass sie nie medizinisch etwas dagegen unternommen hatte. Ich persönlich möchte zwar nicht von einem Pferd einen geblasen bekommen, aber die Welt steckt ja voller Überraschungen.


Caruso hatte eine ausgesprochene Vorliebe: Er jagte Pferde. Sobald er einen Reiter auf seinem 1-PS-Ding sah, stürzte er sich auf sie.
Der Nachteil: Meistens saßen auf unserer Wiese irgendwelche Rentner auf den Tieren, die sich dem therapeutischen Reiten verschrieben hatten. Sie konnten eigentlich überhaupt nicht reiten, sondern schaukelten stolz wie Oskar gaaanz langsam über die Reitwege. Bis Caruso kam. Ich habe etliche Schreikrämpfe älterer Herren und Damen erlebt, wenn ihr Gaul vor Angst durchgehen wollte. Galopp hatten sie ja nie gelernt. Und Caruso war schnell.

Ich habe mir dann angewöhnt, auf nämlicher Wiese immer in Joggingklamotten aufzulaufen, um im Falle eines neuerlichen Überfalls ganz zufällig schnell am Ort zu sein und mir meinen Hund zu schnappen. Es war natürlich nie mein Hund, sondern ich war der Held.

Aber irgendwann sind deine Nerven einfach am Ende.
In einem Fall hatte ihn an der Leine, als ich richtig böse Schreie hörte. Es war diesmal ein anderer Hund gewesen, der auf einen Reiter los gegangen war. Und das Pferd ging voll durch. Und ein wirklich großes Pferd in voller Panik auf dich zu zu rennen zu sehen, ist nicht mehr cool.

Ich konnte uns nur durch einen Sprung ins Gebüsch - Brombeeren, wie toll - retten. Das Pferd donnerte in gestrecktem Galopp Zentimeter an uns vorbei. Seitdem hatte Caruso auch die Schnauze voll.

Beide verließen uns im letzten Jahr. Caruso ist in meinen Armen gestorben, Mäxchen in den Armen meiner Frau. Es bricht dir das Herz. Auch wenn Du niemals Tiere gehabt hast. Aber wenn mir heute einer einreden will, dass Tiere keine Seele haben, kriegt er einen (verbalen) Tritt in den Arsch.

Jedes unserer Pelzkinder wusste immer genau, wen unserer Freunde sie besonders mochten und wen nicht. Sie machten da erhebliche Unterschiede - was nichts, aber auch überhaupt nichts mit den sogenannten Leckerchen zu tun hatte. Hunde sind nicht blöd. Ich schließe mich mittlerweile Shirley McLaine nahtlos an.

Anfangs habe ich heftige Proteste meiner neuen Verwandtschaft eingehandelt. Ich hatte gesagt, dass Hunde wie geistig behinderte Kinder sind.
Das war nicht böse gemeint. Sondern schlicht auf die Verantwortung gemünzt, die Du Deinem Tier gegenüber hast.

Pass auf den `Verkehr auf, lass ihn nicht auf die Straße laufen, pass auf die anderen Hunde auf, damit er nicht gebissen wird (alles schon erlebt), Impfungen, medizinische Versorgung, achte auf Vergiftungen, ihr Fell, die Zähne, Krankheiten, finde die richtigen guten Ärzte, pass einfach auf sein ganzes Leben verdammt noch mal gut auf. Er oder sie gibt es Dir zurück. Sprechen können sie ja nur bedingt.

Aber die Sache ging ja weiter.

Ein guter Freund hatte sich einen winzigen Welpen - total süß, eine Französische Bulldogge - gekauft. Ganz weiß mit Tupfen. Er musste verreisen und bat uns um vorübergehende Betreuung. Caruso lebte damals noch. Er passte auf den Kleinen total auf und erlaubte ihm sogar, aus seinem Wassernapf zu trinken. Bullies haben eine seltene Eigenart: Sie riechen nicht nach Hund, sie riechen überhaupt nicht.

Manolo war der erste Hund, der bei uns im Bett schlafen durfte - er war gerade mal acht Wochen alt. Und insgesamt acht Tage bei uns.

Folge: Bei uns landete unser Balou. Neun Wochen alt. Ich weiß bis heute nicht, was er ist. Bully oder Boston Terrier? Wir hatten ihn von einer kriminellen Alten gekauft, die immer wieder todkranke Tiere auf einem belgischen Tiermarkt kauft und sie als eigene Zucht verkauft. Nach vier Wochen hatten wir sein Leben gerettet - und den anschließenden Prozess verloren, weil Tiere ja nur eine Sache sind.

Wieder Tierarzt. Diesmal eine andere Praxis. Und der Kleine wusste genau, dass ihm dort geholfen wurde. Keine Wartezimmer. Nur Termine. Balou liebte diese Praxis. Das unglaublichste war für mich, dass er genau wusste, was er beim Röntgen machen musste. Er sprang auf den Tisch und legte sich ganz gestreckt so hin, wie es notwendig war.

Sie wollten ihn unbedingt behalten. Und haben ihm einen zweiten Namen gegeben: Flumi. Kommt von Vollgummiball. Weil er wie ein Wilder jeden begrüßte, der ihm in die Quere kam.
Nach all den Hunden dachte ich nun alles erlebt zu haben. Dachte ich. Nur nicht welche Zerstörungswut ein vergleichsweise kleiner Hund entwickeln kann. Da sind Labradore Lämmer gegen. In den letzten vier Monaten habe ich rund 450 Spax-Schrauben in alle uns umgebenden Zäune versenkt. Der Typ ist unglaublich. Er zerlegt die Terrasse, zerlegt die Zäune, jagt alles was jagbar ist und ist blitzschnell.

Im Hundebuch steht: "Lammfromm, kein Jagdinstinkt." Ich weiß nicht wer diesen völligen Schwachsinn verzapft hat, aber auf unseren treffen alle diese Dinge nicht zu.

Da der auch bei uns im Bett schläft - er steckt immer sein Köpfchen in meine Achsel - haben wir kapituliert.

Eines Morgens ging es nicht so gut. Sein Bauch machte Geräusche. Gegen acht Uhr ist er vom Bett und hat sich auf den Teppich gelegt. Ich schlief weiter. Bis mich die atemlosen Schreie meiner Frau weckten. Er hatte uns eine komplette Ratte vors Bett gekotzt. Mit Schwanz. Was für ein Erlebnis am frühen Morgen die Schaufel aus der Garage zu holen...

Balou hatte einmal ein Mädchen. Eine Freundin, die zeitweise bei uns wohnte, ist eine der bekanntesten deutschen Whipet-Züchterinnen und Fachbuch-Autorin. Sie hatte eine kleine Windhund-Dame namens "Diva", ein ultraliebes Tierchen. Pfeilschnell. Balou und sie jagten sich stundenlang durch den Garten, das Sofa, das Haus, den Tisch, die Sessel, unsere Couch, die Küche, die Stühle, die Biotope, die Treppen rauf und runter, durch die Sauna, die Waschküche, die Garage, über und unter den Autos, rund um den Pool, und dann das ganze wieder von vorne.

Seitdem lieben wir Hussen. Das sind die Sesselbezüge die sich waschen lassen. Ich habe die Waschmaschine gerade wieder angemacht.


„Sieben-Sieben-Zwo“
*
Ich hatte einen kurzfristig anberaumten Business-Termin, Das Unternehmen hatte wie viele andere Begrüßungsdesk, an dem man von einer Angestellten ein Namensschild und einen Besucherausweis erhält.

Ich betrat das Foyer, der Desk war nicht besetzt. Ich wartete, nach drei Minuten kam die Empfangsdame und begrüßte mich.

Sie setzte sich an ihren Tisch. Hier hatte sie zwei Tastaturen zu bedienen: Einmal eine Telefondatenbank, um die Durchwahl des Gesprächspartners zu erfragen,
eine zweite um den Namen des Besuchers einzugeben und auszudrucken.

Eine beinahe banale Situation also.

Sie fragte mich freundlich, wohin ich denn wolle.
Ich nannte ihr ebenso nett den Namen.

Sie drehte sich zu ihrer Tastatur um. Um den Vorgang abzukürzen und ihr zu helfen, sagte ich der Dame spontan die Durchwahlnummer meines avisierten Gesprächspartners:

"Sieben-Sieben-Zwo".

Sie stockte.

Ich sah sie an.

Sie sah angestrengt auf den Bildschirm vor sich, starr und hörte auf zu tippen.

Sie errötete leicht und sah mich weiterhin nicht an.

Ich wiederholte: "Sieben-Sieben-Zwo".


Sie war immer noch erstarrt, sah mich nicht an. Dann fragte sie mich nach etwa fünf Sekunden:

"Ist was ...mit meiner Frisur nicht in Ordnung?".

Ich sah sie einfach an.

Ich schwieg.

Sie weiter: "Meine Frisur, was ist damit?"

"Frisur?" fragte ich leise.

„Ja. Mit meiner Frisur...“

Schweigen.

Dann sah sie mich an. Sie fragte leise:

"Hatten Sie mich nicht gerade gefragt: Wohnen Sie im Zoo?"


Sieben-Sieben-Zwo.

"Nein"

Nein, ich hatte sie nicht gefragt: Wohnen Sie im Zoo?

Obwohl der Gedanke daran, als wildfremder Besucher eine gepflegte Empfangsdame mittags um 12 Uhr einfach zu fragen, ob sie im Zoo wohne, derart wahnwitzig war, daß ich mich nur mühsam beherrschen konnte.

"Hat Sie das schon einmal jemand gefragt, hier?" wollte ich besorgt wissen.

"Naja, es hätte ja sein können, daß mit meiner Frisur etwas nicht stimmt."

"Und dann hätte ich Sie einfach fragen dürfen, ob Sie im Zoo wohnen?"

Mir kamen ernsthaft die Tränen.

"Fänden Sie Frage denn in Ordnung?"

"Naja, eigentlich....eigentlich nicht...oder?"

Oder?

Sie stellte es auch noch in Frage.

Was würde denn jetzt noch kommen? Hilfe.

"Ich hatte Ihnen die Durchwahl gesagt, Sieben-Sieben-Zwo"
"Die Akustik ist hier so schlecht, wissen Sie...."

Wir waren alleine im Raum, besser: auf weitem Flur.

Woran hatte Sie bloß gedacht, als ich das Haus betreten hatte.

Wohnen Sie im Zoo?

Gut, dass sie nicht was anderes verstanden hatte.

Was hätte ich gemacht, wenn sie "Wohnen Sie auf dem Klo?" verstanden hätte...

Sie hätte mir sicherlich eine gescheuert.

Derart brutale Mißverständnisse haben schon Kriege ausgelöst.

Womit wir auch wieder im Zoo wären. Denn es waren irakische Zoohändler, die amerikanischen Tierfreunden unlängst "Gezähmte Menschenaffen" anboten – und die Amis verstanden "Massen -Vernichtungswaffen". Woraufhin man sich zu einem Blitzkrieg entschloß, der einfach nicht mehr aufhören will.

Andererseits könnte man durch eine clevere Kodierung alle notwendigen Gespräche drastisch abkürzen.
Also:
772= Wohnen Sie im Zoo?
13423= Und jetzt noch einen Brei?
774=Trinken Sie ein Bier?
Und sind nicht alle chinesischen Restaurants in Deutschland längst zu rein zahlencodierten Bestellwesen übergegangen?

Hühnerfleisch mit Sojasprossen ist mal die 41, mal die 655, mal die 17, mal die 2 oder mal im Menü.

Und die chinesischen Kellner lehnen es kategorisch ab, die gewünschten Gerichte notieren zu wollen: „Die Nummel bitte!“

Und ich bestelle unter der Sieben-Sieben-Zwo „Lindfleisch mit Zwiebeln“ und der Kellner versteht auch „Wohnen Sie im Zoo?“
Wegen der ungeheuren Diskriminierung säbelt er mir den Kopf ab, steckt mich in die Suppe und kocht meinen Hund mit.

Ganz zu schweigen von der 69, besser ausgesprochen als „Sixty-Nine“. Klare Konditionierung. Und wo ist der Kopf? Welcher jetzt?
Meine Nummel hatte in der Zwischenzeit jedenfalls auch bei der Empfangsdame heftige Bauch- und Weinkrämpfe ausgelöst. Jedenfalls sah sie sich für einige Minuten außerstande zu telefonieren.
Dabei hätte Sie nur drei Ziffern tippen müssen.

Unnötig zu erwähnen, dass unser engster Freundeskreis seither bei gewissen optischen Eindrücken unbekannter Menschen nur eine Ziffer flüstert und jeder weiß brutalerweise was gemeint ist.


Mallorca, Sister, ein Pool und wir

Vor einigen Jahren war ich sehr viel mit meiner Frau und ihrer Schwester gemeinsam unterwegs. In jenem Jahr (1990) hatte es uns in das damals noch leidlich malerische Dorf Andraitx in Mallorca verschlagen, wo wir für einige Monate ein sehr schönes Haus, Marke Schwalbennest, gemietet hatten. Oberhalb des Hafens. Nun wollten wir dem Vermittler des Hauses, einem Kanadier, verheiratet mit einer Spanierin, eine Freude machen und haben ihn und seine Familie zum Essen eingeladen. Es wurde ein denkwürdiger Abend.
Auffallend war zunächst, dass er einen 500-S-Klasse Mercedes mit Stander fuhr. Kein Mensch fährt mit Stander, es sei denn Du kommst aus Zentralafrika und bist Kaiser. Aber er ja nicht. Dafür hatte er einen Chihuahua dabei, den eines besonders prägte:

Er hatte einen Zahn, der ihm senkrecht nach vorne aus dem Mund ragte. Und sein Herrchen konnte er ums Verrecken nicht leiden, versuchte ihn ständig zu beißen. Er knurrte ununterbrochen.
Das passte aber zu der unglaublichen Sauerei, die wir veranstalten sollten. Meine Frau hatte sich mit den Gästen auf die Terrasse zurückgezogen, und Sister und ich kochten. Und wie. Der Plan: Wir braten Hähnchenkeulen. Dazu sollte es abgezogene frische Paprika sowie Basmatireis und Sauce geben. Soweit die Theorie.


Die Praxis war etwas anders. Zunächst mochte sein Sohn (etwa 10 Jahre alt) keine Hühnchen und wollte Nudeln haben. Sollte er haben.

Dann hatte der Backofen des Gasherds plötzlich nur noch Unterhitze. Wir wollten die Hühner eigentlich lecker im Backofen braten. Also haben wir sie mit Tabasco und Kräutern eingerieben, gesalzen und in den Ofen geschoben. Dann haben wir - planwirtschaftlich vorgehend - die Paprikaschoten auf eine Gabel gesteckt und in die oberen Gasflammen gehalten, damit die Haut verbrennt. Tolle Idee.

Dann haben wir uns tierisch die Finger verbrannt als wir versuchten die Haut abzuziehen. Nun versuchten wir die Paprika in kochendes Wasser zu legen, damit sie abgeht. Die Hähnchen hatten wir natürlich vergessen. Auch die Sache mit der Unterhitze. Und Reis wollte ja auch noch gekocht werden.

Die Nudeln - der Junge wollte ja Nudeln - wollten zudem noch Sauce. Tomatensauce.


Ich hatte dann noch mal nach den Hähnchen gesehen - waren ganz weiß, also war noch alles im Lot. Dachte ich Blödmann, weil ich die Unterhitze vergessen hatte. Aber ich musste ja jetzt an die Tomatensosse. Glücklicherweise hatten wir noch Peperoncino getrocknet da. Also kleingerieben und in die Sauce. Unglücklicherweise habe ich danach Zwiebeln geschnitten und mir die Augen gerieben. Prima. Du kannst unheimlich viel sehen, wenn Du erst Peperoncino mit den Fingern zerbröselst, dann Zwiebeln schneidest und Dir die Augen reibst.

Halb erblindet, hörte ich den Wunsch der Gäste nach Rotwein.

Wir hatten 25 Flaschen angebrochen auf dem Tresen stehen, mit Papierservietten verschlossen. Und ich hörte, wie meine beiden bezaubernden Begleiterinnen alle Flaschen auf den Tisch stellten: "Probiert doch mal". Einige Weine waren schon Essig, andere kurz davor. Der Hund knurrte wie verrückt. Sein Zahn ragte steil aus seinem winzigen Mündchen.
Ich musste mir dann zwangsweise die Augen ausspülen und bat Sister, noch mal nach den Hähnchen zu sehen. Sie sah sie genau wie ich. Weiß. Alles ok.
Also den Reis aufgesetzt. Leider dauerte die Degustation von 25 Flaschen Rotwein sowie der Häutung der gekochten Paprika etwas länger.


Die Hähnchen waren immer noch weiß. Dafür war der Reis angebrannt. Schwarz. Jetzt mussten die Nudeln ran. Also die Nudeln gekocht, während im Esszimmer die Verköstigung der Weine weiterging. Die Tomatensosse abgeschmeckt, ja war schon scharf. Aber wenigstens konnte ich wieder ein bisschen sehen.


Da fielen mir die Hähnchen wieder ein. Ofen aufgemacht. Gabel. Sie waren immer noch weiß. Nur bekam ich sie nicht mehr aus dem Backofen raus. Sie waren von unten völlig verkohlt und durchgebrannt.

Die Spaghetti habe ich mit Vollgas für den Jungen noch hinbekommen und ihm einen Teller serviert. Während Sister in der Küche mit einem Hammer die Hähnchenkeulen aus dem Ofen schlug.


Ich machte eine kleine Küchenpause. Der kleine Sohn freute sich schon auf seine Nudeln. Er schnappte sich seine Gabel und mampfte drauflos. Etwa 20 Sekunden. Dann riss er die Augen auf, den Mund weit offen. "Papa?“ "Yves?“ "HEIFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFF"

Es war so scharf, er konnte nur noch mit offenem Mund dasitzen um sich abzukühlen. Er war richtig geschockt. Irgendwas hatte ich falsch dosiert. Der Hund knurrte.
Sister drosch in der Küche immer noch auf das Backblech ein.

Meine Frau goss unseren Gästen fröhlich einen Wein nach dem anderen ein, immer in dasselbe Glas. 25 Flaschen verschiedener Rotweine. Ich versuchte derweil die Kohle von den Hühnern zu kriegen.

Dann konnten wir den Hauptgang servieren. Ich hatte den Rest vom Reis noch mit ein wenig Butter retten können, die Hühner hatten wir zerlegt um nicht das ganze Desaster offensichtlich zu machen. Und dazu gab es dieselbe scharfe Sauce wie zu den Nudeln. Wir haben uns alle die Zungen verbrannt. Peperoncini sind manchmal unglaublich.

Das Tollste an diesem Abend kam aber noch. Während der winzige Hund ununterbrochen Wolf oder Rottweiler spielte, wir das Essen beendeten und unsere Gäste doch den einen oder anderen Wodka gerne tranken (vermutlich zur Betäubung), fragte uns die Ehefrau wirklich - keine Erfindung, es ist so geschehen:
" Könnt Ihr mir bitte das Rezept geben? Es war so lecker!!"

Konnten wir nicht. Wir drei haben uns unter dem Tisch derart nach Kräften getreten, dass wir es sogar geschafft haben, die unmittelbar bevorstehenden Schreikrämpfe zu verschieben. Bis sie weg waren. Der Besuch. Nicht die Schreikrämpfe.

Einen Tag später. Wir wollten die Eröffnung eines neuen Restaurants einer Freundin in Palma feiern. Sie hatte einen bemerkenswerten Geschäftspartner. Er war knapp 1,50 Meter groß und ein Waffen-Fanatiker. Zudem hielt er zwei scharfe Schäferhunde auf seiner Finca.

Die hatten nur die Angewohnheit, sich gegenseitig bei jeder Gelegenheit anzufallen. Eines Tages verbissen sie sich derart ineinander, dass sie nicht mehr loskamen. Der Kleine holte seine Knarre und erschoss beide Tiere.

Zwei Tage später kam die restliche Verwandt-und Bekanntschaft zu uns.
Erstens: Den örtlichen Supermarkt leeren, vor allem hinsichtlich Gin und Tonic Water. Es war Pfingsten. Nachdem man und frau also nach dem diesmal leidlich gelungenen Abendessen (Spaghetti Bolognese, was für eine Leistung) sich ausgiebig diesen Komponenten hingegeben hatten, schliefen alle friedlich ein.

Am nächsten Vormittag - man kann es nicht Morgen nennen - war kein Wasser mehr da. Das Haus hatte eine Zisterne. Und die war plötzlich leer.

Dann standen Pfingstsonntag zehn Erwachsene mit Zahnbürsten, Zahnpasta, Haarshampoo, Duschgel, Deo und vielem mehr auf der Treppe zum Pool. Der war natürlich gechlort und noch kalt. Eiskalt.

Ich kann Dir gar nicht sagen, wie wir gerochen haben. Um den Chlorgeruch wegzukriegen, hatten wir uns völlig mit Parfüm überschüttet. Der Geruch in den einzig vorhandenen zwei Autos war unbeschreiblich. Wir mussten uns ja irgendwo hin retten, weil wir mit gechlortem Poolwasser wirklich keine Nudeln kochen konnten. Oder Kaffee. Oder Tee. Damals gab es auch noch keine Eiswürfel an den Tankstellen. Und Pfingsten dauert lange. Nicht nur einen Tag.

Wir konnten ja schlecht aus dem Poolwasser mit Shampoo, Duschgel, Zahnpasta und mehr Eiswürfel machen und in GinTonic trinken. Oder gar in Wein. Eine Mega-Sauerei. Die Lösung 1 war: Blanc Pescador, ein leichter Frizzante-Weißwein. Nummer zwei: Gin-Tonic. Was dann auch ausgiebig genutzt wurde um eine dezente Urlaubsbetäubung hinzukriegen.

Es dauerte vier Tage. Zehn Erwachsene duschen, waschen sich jeden Morgen im Pool.


Glücklicherweise hatten wir genug Gin eingekauft, Anfang der neunziger Jahre war es absolut hip, schon zum Frühstück Gin-
Tonic zu verköstigen. Und jeden Morgen Rührei mit Speck.

Die Toiletten wurden ebenfalls mit Eimern aus dem Pool versorgt. Wir hatten glücklicherweise vier Stück. Für jedes Badezimmer einen Eimer.

Ein kleines anderes Problem war unser Gefährt. Ich war nämlich Tage zuvor mit einem alten Ford Granada von Köln nach Palma gefahren. Knapp 1000 Kilometer. Meine Schwiegereltern hatten damals den Kofferraum gefüllt, weil sie uns auch besuchten - und uns Arbeit abnehmen wollten.

6 Uhr morgen in Köln los, 16 Uhr am Fährhafen in Barcelona. Abfahrt der Fähre 24 Uhr. Na toll. Ich machte den Kofferraum auf. Er war mit zwei Tonnen Hundefutter gefüllt. Für unseren Mops Rudi. Er hätte alleine davon 30 Jahre leben können.


Du stehst in Barcelona am Hafen und hast ein Auto mit Hundefutter für ganz Mallorca dabei. Dafür war die Fähre dann auch mit 1000 Kindern aus ganz Spanien besetzt, die alles nur nicht leise waren und ich die ganze Nacht kein Auge zumachen konnte.


Das In-Ding schlechthin war damals das ABACO in der Altstadt von Palma. Du glaubst nicht, wie praktisch ein Ford Granada in der Altstadt von Palma ist. Du kommt natürlich überall durch (nicht), findest Parkplätze (keine), musst überhaupt nicht rangieren (neiiiiin), verbrauchst ganz wenig Benzin (nix fast), hast aber Platz für fast 6 Personen. Ein Lasttaxi hätte es auch getan. Das war in diesem Falle aber ich.

Nach vier Tagen kam dann der Lastwagen mit dem Wasser und füllte das Reservoir auf. Einen Tag vorher waren die meisten wieder abgereist. Alle in einen ganz speziellen Geruch. Wir hatten dafür wieder frisches Wasser und freuten uns auf die Dusche.

Am nächsten Tag kamen die die Schwiegereltern nebst Tanten. Wieder alles vorbereitet. Meine Schwiegermutter stand den ganzen Tag mit ihren zwei Schwestern wie auf einer Leiter auf der Pooltreppe aufgereiht. Vom Pool konnte man super in die Hafenbucht von Andraitx gucken. Sie guckten und tranken und guckten und tranken und guckten und tranken Wein. Sie schwammen keinen Meter, weil sie es nicht konnten und sofort untergegangen wären. Ich besorgte ihnen Flügelchen, aber die wollten sie ums Verrecken nicht anziehen.

Ich war für das Catering zuständig. Rose? Gin? Weißwein? Salzstangen? Tapas? Kroketten?

Bei "Fisch" kam immer ein unüberhörbares "NEIN". Und "Gambas al ajillo" gingen auch nicht. Es könnte ja eine Hummerkrabbe mit Knoblauch in den Pool fallen, in dem sich Tage zuvor eine Fußballmannschaft die Zähne geputzt hatte, Haare gewaschen und was weiß ich noch.


Wiederum am nächsten Tag der nächste Gast. Ein alter Spezial-Freund, der mit seiner neuen Freundin nach unserer Abreise drei Wochen bleiben wollte. Meine Frau nebst Eltern und Tanten waren zurückgeflogen. Wir saßen nun in einer englischen Kneipe am Hafen. Er beschwerte sich: "Engländer stehen immer wieder auf. Du kannst zuschlagen wie du willst. Die Typen stehen immer wieder auf."

Ich sah mich leise um. Tätowierungen ohne Ende, Rocker-Kutten. Bier und nochmal Bier und Whiskey. Diese Mischung, die deine Birne völlig vermatscht. "Die stehen immer wieder auf. Ich habe schon viele verkloppt, aber es ist verdammt schwer. Die stehen immer wieder auf. Ich weiß auch nicht warum."

Da mein Sinn nach Massenschlägereien in einer nur mit männlichen halbnackten Engländern besetzten spanischen Kneipe unterentwickelt war und auch heute noch ist, schlug ich Spaghetti-Kochen vor. Peace please. Es blieb friedlich. Spaghetti alio oglio sei dank.
Jahre später. Wir hatten uns eine bescheidene Unterkunft im Norden der Stadt Palma besorgt. Passenderweise fiel der 75. Geburtstag meiner Schwiegermutter in das kosmische Zeitfenster. Ich hatte nunmehr die Aufgabe innerhalb von sechs Wochen einen großen Pool zu bauen (12 x 5 Meter x 70-230) in dunkelblauen Mosaik. Ich habs mit Hilfe unserer unglaublichen guten Freunde auf der Insel geschafft.
Und es war wie vorher. Meine Schwiegermutter stand den ganzen Tag mit ihren zwei Schwestern wie auf einer Leiter im Pool aufgereiht, bei 70 cm Wassertiefe durchaus bequem. Sie guckten und tranken und guckten und tranken und guckten und tranken Wein. Sie schwammen keinen Meter, weil sie es nicht konnten und sofort untergegangen wären. Ich besorgte ihnen wieder Flügelchen, aber die wollten sie ums Verrecken nicht anziehen.

Dann kam der Feststag. Ihr 75. Geburtstag. Jede Menge Freunde kamen eingeflogen. Wir hatten (ich hatte ein Küchenboykott angekündigt) ein Catering-Unternehmen aus Puerto Portals Tage zuvor schon mit der Beköstigung beauftragt. Essen und Trinken eben. Kurz vor der Ankunft der Gäste hatten wir draußen im Atrium megamäßig dekoriert. Und pünktlich vor der Ankunft begann es tierisch zu schütten. Ein subtropischer Ultra-Regen. Die Kanäle kamen hoch.

Alle Gäste waren auf dem ca 30 Meter langen Weg vom Taxi zum Haus völlig durchnässt und mussten sich erst mal umziehen. Was aber auch nicht viel brachte, weil in diesem Moment in Palma die komplette Stromversorgung zusammenbrach. Ende. Dunkelheit. Ab 18 Uhr ist ja Ende August die Sonne weg. Aber das schlimmste: Wir hatten keine Eiswürfel mehr. Die Kühlschränke liefen nicht mehr. Die Handys funktionierten nicht mehr. Ich konnte das Restaurant, welches das Essen bringen wollte, nicht mehr erreichen.
Mein Vater war pragmatisch: "Mutter, hol mir `nen Whiskey". Den konnte er ja warm trinken. Alle anderen waren angesichts warmer Wein-Bestände nicht so happy. Es regnete und regnete und regnete. Alle standen im Dunkeln im Haus herum. Irgendwann brach dann die Bespannung der Pergola und überschüttete unsere Dekoration. Nach vier Stunden kam dann das Essen. Was aber auch nicht wirklich viel brachte.

Jedenfalls verbrachten unsere Freunde und Eltern anschließend noch 14 schöne Tage bei und ohne uns. Bevor der nächste Irrsinn losging.

Das Haus hatte Freunde: Fledermäuse. Jeden Abend in der Dämmerung kreisten sie eine Stunde lang im Innenhof. Süß. Fand ich.
Dann erlaubten wir einem Bekannten, Typ Zuhälter, zwei Meter groß, mit seiner frisch Angetrauten auch zwei Wochen bei uns wohnen zu dürfen. Ohne uns. Das Haus hatte aber auch noch eine Angewohnheit: Rohrbrüche.

Zwei Tage nachdem er angekommen war, rief der Riese völlig hysterisch uns in Köln an: "Geister, hier sind Geister!!!"

Oh Herr, schmeiß Hirn vom Himmel. Er behauptete steif und fest, dass jede Nacht ein Geist im Wohnzimmer Pipi machen würde. Auf den Boden. Danach wäre er wieder weg. Und das müsste er jeden Morgen wieder wegmachen.

Und dann noch die Fledermäuse...HILFE !!! Er schlotterte vor Angst. Zwei Meter, Kampfgewicht ca 130 kg. Fledermäuse und ein Geist macht Pipi. Ich wusste zwar, dass unser Gast sich mehr oder weniger mit einem weißen Pulver erfrischte, aber das?
Ich rief ihn an. "Wie sieht denn der Pipi aus? Gelb?" "Nein" "Schleim?" " Nein...wie Wasser." "Hast Du mal die Heizungsleitung gecheckt?" " Nein".

Die biologisch-physikalischen Grundlagen von Geister-Pipi waren und sind mir immer noch unbekannt. Ich habe auch keinen Priester angerufen. Ich habe es den Fledermäusen überlassen, das ihnen angeborene diplomatische Geschick auf importierte und zugekiffte Gäste anderer Kulturräume anzuwenden.

Wochen danach. Freunde von uns hatten ein großes Segelschiff auf Mallorca, einen Schoner. 34 Meter oder Fuß. Was für ein Unterschied.
Altes Mahagoni.

Sie hatten ein Ritual: Es gab "Anlegebierchen" und "Ablegebierchen" damit man keinesfalls aus der Übung kommt. Und an schönen Tagen schipperten wir schon mal rum. Riesenkühlschrank an Bord.

Eines Tages war es mal wieder soweit. In Andraitx an Bord und gemütlich mit Motorkraft in eine dahinter gelegene Bucht mit einem guten Restaurant getuckert. Heckanker gesetzt, Buganker gesetzt, Fender raus, ab zum Essen und Trinken in einer nahezu tropischen Luft in dem sehr romantisch gelegenen "Club Mola".

Nach mehreren Stunden wieder an Bord. Die Anker ließen sich nicht liften. Der Besitzer ließ in diesem Moment die Ankerketten laufen, weil er dachte, dies sei das Problem.

An Bord versuchte ich die Anker (je 60 kg) hochzuziehen. Nach 30 Minuten lag ich mit hochrotem Gesicht immer noch auf dem Boden des Schoners und zog wie irre an der Ankerkette. Denn passiert war das: Das Schiff hatte sich während unseres Menüs um 360 Grad um die Ankerketten gedreht.
Ich zog wie ein Bekloppter. Die Crew lachte sich halbtot. Weil normalerweise der 14jährige Sohn unserer Freunde das Ding aus dem Wasser kriegte. Alle standen um mich rum und lachten sich schlapp. Bis dann was aus dem Wasser kam. Das war nicht schlecht.
Ich hatte beide Anker, die sich ineinander verkeilt hatten, inklusive der Ankerketten aus dem Meeresboden gezogen und nach oben gewuchtet. Das Doofe war nur, dass ich alles wieder loslassen und runter tauchen musste. Damit ich die Anker wieder trennen konnte. Dafür durfte ich dann den Schoner zu einer nahegelegenen Insel fahren. Am Steuer.

Kaum angekommen Anker geworfen. Und in einem völlig übermütigem Anfall vorgeschlagen, in der Kajüte einen Tomatensalat mit Rucola zu machen. Da ich notorisch seekrank bin, dauerte es etwa 45 Sekunden, bis ich über Bord gesprungen bin. Habe mir es dann mit einem „Ablegebierchen“ mittschiffs auf dem Deck bequem gemacht.

Abends war dann wieder logischerweise Essen angesagt. Segelschiff angelegt. "Anlegebierchen". Das Schiff vertäut. Ins Restaurant. Auf einmal ein Schrei.

Das kleine Segelschiffchen (34 Meter oder Fuß, zwei Masten) hatte sich selbst befreit und trieb irgendwohin. Nur leider deutlich auf ein anderes Schiff zu. Unser Freund war völlig verzweifelt. Weil ihm schon einmal in einem anderen Hafen eine Yacht abgebrannt war - nur nicht so ganz alleine.
Alles anderes daneben wurde mit abgefackelt. Was anregende Gespräche mit diversen Versicherungen zur Folge hatten.
Wir sprangen in den Tender (ein Schlauchboot mit Außenborder), starteten den Motor und gaben Vollgas, jagten auf das wegschwimmende Schiff zu. Ich fühlte mich wie ein Pirat, hochgeklettert, die Maschine angemacht. Dann haben wir das Ding vorsichtig wieder an seinen gemieteten Platz verfrachtet. Um erleichtert ein nachgeordnetes „Anlegebierchen“ zu trinken.
Die nächsten Tage verbrachten unsere Freunde auf See. Wir nicht. Sie hatten auf dem Heck des Schoners ein kleines Motorrad für Landausflüge, eine Honda DAX.

Eines Tages - nach sehr windigen Stunden - erreichte uns ein Anruf. "Die DAX iss fott." Unnötig zu erklären dass es sich um Kölner handelte.

Sie hatten die DAX immer am Heck montiert, weil man in den Häfen der Insel normalerweise mit dem Heck zuvor in die Liegeplätze einfährt. Und da war sie vorher nun mal einfach runtergefallen. Finde mal irgendwo im Mittelmeer zwischen Ibiza und Mallorca ein Motorrad im Meer. Aber jetzt war sie ja "fott". Das ist Kölsch für "weg". Suchen war also überflüssig.

Tage später. Sie hatten sich mal was ausgesucht. Sie wollten mit dem Segelschiff mal auf eine unbewohnte Insel vor Mallorca und dort eine romantische Nacht verbringen. Schiff wurde festgemacht, Zelt aufgebaut, Lagerfeuer gemacht, Wein aufgemacht, Anlegebierchen vom Schiff geholt, es sollte richtig kuschelig werden.


Gegen 24 Uhr waren sie von hunderten Ratten am Lagerfeuer umzingelt. Sie kriegte einen nicht mehr nachahmbaren Schreikrampf, er war so schnell mit all ihrem Romantik-Krempel auf ihrem Schiff wie er konnte. Seitdem waren sie nie mehr auf dieser Insel. Es war übrigens das dasselbe Plätzchen an dem ich zuvor von Bord gesprungen war.

Zwei Jahre später. Wir hatten diesmal eine Wohnung am Meer. Und ich durfte das unbeschreibliche Freudengefühl erleben, dass Du kriegst, wenn Dir um 16 Uhr von einem leckeren Essen kommst und Dir in der Sommerhitze plötzlich Hunderte Kakerlaken aus dem nächsten Kanal entgegenkommen. Das Leben ist schön.


Der Herr Meyer


Besuch in Marrakesch. Rundreise per Kamelkutsche. Die sagenhafte Palmeria. Das ist nichts anders als eine staubige Strasse mit Tausenden von Dattelpalmen, die mal umfallen, mal so dreckig vom lehmfarbenen Staub sind, dass Du sie nur erahnst. Hier wohnte Yves Saint-Laurent mal. Am Kamel-Top gab’s nur Tee. Ein Königreich für ein Bier. Nur nicht hier.
Also zurück in die Souks. Denn natürlich musste flau in Marrakesch Möbel kaufen. Deren Wiedersehen mir wiederum Wochen später am Zoll oblag.

Zwei Ebenholz-Tische mit Verzierungen, sauschwer. Groß hatte ich sie nicht in Erinnerung. Was allerdings nicht dem entsprach, was mir im Zoll "ausgehändigt" wurde. Der Gabelstapler fuhr mehrmals, um die Kisten ranzuschleppen.

Der Zöllner, grüne Uniform, herrschte mich an: "Auspacken!!"

"Entschuldigung? Ich soll hier zwei Couchtische abholen.“

"Egal, auspacken."

"Aber da steht doch alles möglich drauf. Hier sind die kompletten Papiere."

"Han ich mich jetzt klar ùsjedrückt oder nicht, verdammt?" Der Zöllner sah mich grimmig an. Er war bewaffnet. 7,65 Walther PPK. Die trugen die immer. Ich wusste nur noch nicht, dass der Kölner Zoll mal schnell nach Phnom Penh oder Washington verlegt worden war. Ich plante jedenfalls keinen größeren Sprengstoffanschlag mit zwei Tischchen aus Marrakesch.

"Und womit, verdammt, soll ich das Ding auspacken??" Die erste Kiste war fast 1,20 x 1,20 massiv Holz vernagelt.
"Hier, waat...nimm dat!“ Der Zöllner duzte mich und schmiss - nicht warf - schmiss mir ein dreckiges Brecheisen zu.

"Womit soll ich dat Zeug denn abtransportieren?" fragte ich ihn. Langsam ohne Respekt übrigens.

"Mir doch egal."

"Geht dat damit?" Ich zeigte auf meinen leicht beengten, aber noblen Sportwagen vor der Türe. Er lachte sich schlapp. "Dat kannste wohl knicken!!"

"Ok, bin gleich wieder da.." Ich raste wieder nach Hause, holte meinen geliebten Zweitwagen, einen alten Kadett-Kombi mit Auspuffschaden, kam nach rund einer Stunde zurück wie Speedy Gonzalez und stand wieder vor dem Typ.


"Wat iss denn nun, aufmachen oder aufmachen? Sonst bliev dat Ding hee..."

"Iss ja juut," ich schnappte mir das Brecheisen und hackte drauflos.

"Mach weiter, bis ich wat sehen kann," meinte mein bewaffneter Resozialisierungsfall in Grün. " Bin direkt wieder da."

Ich holzte mühsam weiter, bedacht nicht zu zerstören, was sich im Inneren der Panzerkiste befand. Jedenfalls hatte unser Packer Hassan in Marrakesch ganze Arbeit geleistet.

Eine markerschütternde Hupe ertönte. "Weg da, loos, geh weg," brüllte der Zollmann mich an. Er schoss mit seinem Gabelstapler um die Ecke, vor sich einen großen glänzenden Mahagoni-Sarg, direkt auch mich zu: "Du blockierst die Waage, Scheiße..!"

Er bremste hart. Der Sarg rutschte vom Stapler und knallte mir vor die Füße.

"Blödmann, sach mir dat doch vorher!" Ich war jetzt atmosphärisch integriert und sprang zur Seite.

"Pack mal mit an," schnauzte er und zeigte auf das Fußende des Sarges. "Loos!"

Was war das jetzt wieder? Wo war ich? Ich sah in meine speckigen Arbeitshandschuhe, die ich immer im Wagen hatte, weil mein Labrador Kämpfe mit Handschuhen über alles liebte. Jetzt wuchtete ich damit einen Mahagoni-Sarg auf den Gabelstapler des Zollamtes.

"Soll ich den jetzt auch aufmachen?" Scheiße, dass ich nicht mehr rauchte. Ne Kippe im Mund wäre jetzt cool gewesen.

"Blödmann. Außerdem geh weg.."

Er fuhr noch fünf Meter und rammte den Sarg auf eine überdimensionale Stahlplatte - die Waage.

"Was soll dat Ganze?" fragte ich.


"Mal Gucken , ob der sauber iss..." meinte er grinsend.

"Wer?"

"Der Herr Meyer."

"Wer iss Herr Meyer?"

"Der da drin," lachte John Zoll-Wayne, legte seine rechte Hand auf seine Knarre, "Hahaha...ha.ha.." er zeigte auf den Sarg..“ ha..ha...dat iss Herr Meyer. Kommt frisch aus Antalya."

"Schüttel`n doch noch wat, vielleicht kommt gleich rausgekrabbelt.." meinte ich lakonisch.

"Haha, sehr lustig", Zoll-Man griente, "aber jetzt tu mir mal n Gefallen. Wieviel hat er?"

Er zeigte mit seinem speckigen dicken Zeigefinger auf die digitale Anzeige der Waage. "Kann ich nich lesen.."

Ich hatte wohl grade einen neuen Job gewonnen. Okok, dachte ich. "141 Kilo." "Komma, dreißig".
Ich guckte meinen neuen "Chef" an. Trug dabei Arbeitshandschuhe, hatte ein dreckiges Brecheisen in der Hand, und wog grade einen Sarg im Zollamt.
Man hat auch sonst nix zu tun, außer man geht mal marrokanische Couchtischchen abholen. "Hat er im Flieger zuviel gegessen oder was?"

"Ne, die Türken peppen die Leichen ständig auf. Mit weißem Pulver, meistens Heroin. Aber hier wird alles genau gewogen."

Er wühlte einen Stapel Papiere auf..."Herr Meyer hatte in der Türkei einen Herzinfarkt“, sagte er und trat mit seinem Stiefel gegen den Sarg. "Armer Herr Meyer..." Er blätterte weiter "mal gucken ...also...wie viel war dat nochmal...? 141 und wat?"


Er hatte keinerlei diabolische Brillanz. Die ging ihm völlig ab. Seine missratene Figur, der Tritt nach einem Sarg, keine Bühne, kein Publikum außer mir, seine armselige Knarre und er neben seinem Gabelstapler, ein einsames, leichtverdrecktes Mahagoni-Leichenbehältnis unter den üblichen riesigen kalten Quecksilberdampflampen der Industriehalle des Zoll-Lagers.

Und wir hatten das Jahr 2007, lebten in einer beschaulichen deutschen Mittelstadt (Sorry Kölle, natürlich Metropole…hihi)…und was jetzt?

Milieuschäden waren üblicherweise für Tarantino reserviert. Hätte eher so geklungen:

"Er zog seine Knarre und feuerte vier Schüsse in den splitternden Sarg. "Fahr zur Hölle, Meyer," lachte er und nahm vom Boden des Gabelstaplers eine Pulle Whiskey. Er nahm einen tiefen Schluck, warf sie in hohem Bogen in die Halle. Im Drehen hob er den Revolver (keine Automatik) und feuerte über den Hahn dreimal auf die Flasche. Sie explodierte in tausend Scherben, ein zarter Whiskeynebel legte sich in den Raum. "


Und der hier war jetzt mir? Sekunden vor Deinem Tod, so kolportiert es der Volksmund, geht Dir alles durch den Kopf nur nicht das was soll. Stirb jetzt nicht.
Sieh Dir alles an und vergiss es nicht. Was längst geschehen war.

"Dreißig..." sagte ich langsam, denn ich war ja eigentlich noch im Film, "dreißig Gramm, Mann. Herr Meyer wiegt noch dreißig Gramm mehr..." Keinem Menschen konnte ich das hier erzählen.

"Dann ist er ja brav gewesen," meinte der Sheriff und lachte wieder schallend. "Dat steht hier nämlich auch." Er steckte seinen Schmierfinger wieder in die Papiere, die zum Sarg gehörten.

"Und was, wenn er schwerer gewesen wäre?"

"Dann wär Herr Meyer erst mal im Kühlschrank gelandet. Und dann kommt die Armee, also Kripo und dat ganze Volk. Wird ein ziemliches Theater," meinte er. "Vielleicht müsste er dann wieder zurückfliegen. Nur irgendwann stinkt er ziemlich. Ha ha ha. Also wenn er drei Kilo Heroin im Bauch hat, wollen die ihn Türken ihn wiederhaben."

"Und jetzt?"

"Kommt gleich zum Melaten." Einer der größten alten Friedhöfe der Stadt.

"Soll ich ihn mitnehmen?" ich grinste. Ich hätte zwar nicht gewusst wohn mit dem scheiß Sarg, aber mal gucken was er sagte. "Bis Melaten ist halbe Strecke.."

"Blödmann. Pack deinen Kram jetzt und hau ab."
Der Konversationsführer für Zollbeamte muss wohl neu geschrieben werden. Ich blieb deshalb beim gewohnten Slang: " Ich lass Dir das Holz aber hier. Dat können wir ja vorne in den Container packen.."

"Wir? Mach et selbst.." Er lachte wieder laut. "Ich mach die Türe auf, dann kannste alles wegpacken."

Er machte mir die Türe auf, ich packte also den ganzen Holzkram meiner Tische aus Marrakesch in den Müll. Und ließ meinen Zollmann mit dem verpackten Herrn Meyer alleine zurück. Nicht, ohne beiden ein schönes Wochenende gewünscht zu haben. Er war schließlich mittlerweile Freitagnachmittag nach 18 Uhr.

Normalerweise hatte auch ein Milieuschaden jetzt frei.


Die Fliege


Der Tag begann wie jeder andere, der frühes Aufstehen - 6 Uhr - und eine schier endlose Bahnfahrt versprach. Nachdem ich am Abend zuvor das Business-Nomaden-Survival-Paket (Laptop 1, Laptop 2, Pressemappen, PDA, Handy 1, Handy 2, Handy 3, Mobiles Fax, Mobiler Drucker, Kulturtasche (es gibt noch kein neues Wort dafür, aber ich erfinde gleich eins), Anzug, Trenchcoat, Müdigkeit und eine gewisse Aufregung ob der vor einem liegenden Aufgabe) und meine Nerven eingepackt hatte, weil die Tour durch die Republik mindestens neun Stunden dauern würde. Der Transport ging per Zug, erster Klasse.

Es gibt in der ersten Klasse übrigens ein ungeschriebenes Gesetz. Wenn der Zug leer in den Bahnhof einfährt und die Fahrgäste einsteigen, gilt immer und wirklich immer erst mal: Wenn erst nur die Fensterplätze besetzt sind, betritt man die geschlossenen Abteile vorerst nicht mehr. Als ob Pest und Schwefel in Ihnen seien, man setzt sich um Verrecken nicht hinein.
Bis es nicht mehr anders geht.

Also durch im Gang, mit Gepäck - der gesamten Unterhaltungselektronik, der Büroelektronik, schwitzend, weil der Zug im Gegensatz zum Bahnhof völlig überheizt war.

Am Ende des Ganges sah ich, daß im letzten Abteil zumindest der gegen die Fahrtrichtung gelegene Fensterplatz frei war. Die anderen aufgrund der eben erwähnten Psychodynamik zwar ebenso, aber ich bin nun mal wie Viele ein Fensterreisender.
Nur auf dem Platz zum Gang hin mit dem Rücken zu mir saß ein älterer Japaner. Sonst niemand im Abteil.

Ich fragte höflich, ob ein Platz frei wäre. Natürlich waren sie frei, dass habe ich ja bereits erklärt. Aber vielleicht mochte ein rucksackreisender Japaner jenseits der 60 (Schätzung) ja seine Ruhe haben? Ich nämlich auch - also....freundliche Begrüßung. Gepäck verstauen. Setzen.

Der Zug fuhr an.

Wie ich auch schien mein Reisenachbar seine Ruhe haben zu wollen. Er schloß sofort die Abteiltüre hinter mir (mir sehr recht), rückte seine beiden Rucksäcke zurecht, und startete sofort einen Schlafversuch.

Ich machte es mir bequem, sofern man es sich in Nadelstreifen bequem machen kann, und nahm mein derzeit aktuelles Buch heraus. Existenzphilosophie liest man nicht mit der Geschwindigkeit einer ultraschrägen "Titanic", weil die Texte nicht zum Totlachen geschrieben wurden - jedenfalls nicht im Ansatz der Autoren und Herausgeber. Also Konzentration.

Bis diese Scheiß-Fliege auftauchte. Zunächst landete sie auf meinen Buchseiten. Dann auf den Händen, auf dem Fenster des Abteils. Jedenfalls wurde sie lästig.

Patsch - eine Ohrfeige und sie war trollte sich zunächst. Nur nicht lange. Sie begann nach einer Stunde ernsthaft zu nerven. Denn ein Vier-Quadratmeter- ICE-Abteil, wenn geschlossen, läßt nicht einmal eine Fliege mehr raus. Sogar die Luft wird mittlerweile abgesaugt – früher durfte man Fenster öffnen.

Das wurde übrigens abgeschafft, weil Dutzende Deppen ihre Birnen immer soweit aus den Fenstern hielten, bis der nächste Mast sie mitnahm. Weil man die Sauerei satt hatte, wurden die Züge klimatisiert.

Ich checkte meinen schlafenden Reisenachbarn. Sehr gepflegt, durchaus modisch gekleidet, weiche Rauhlederslipper von Nike, modische Windjacke, braungebrannt, grauhaarig, ca 150 cm Höhe zwischen Schuhsohlen und Haarspitzen (oben).

Er hatte kurz vor dem Einschlafen eine interessante, weil in unserem Kulturkreis relativ unbekannte Selbstgesprächspartitur zelebriert.
Immer wenn der Zugführer den nächste Haltepunkt per Lautsprecher angekündigt und die dazugehörigen Haltepunkte durchkonjugiert hatte, ging es los.

Jeden Ortsnamen schlug er mit unnachgiebiger Vehemenz und abwechselnd der linken und rechten Hand quasi in den Wind. Dabei murmelte er fremde Worte, deren Betonung allerdings nur einen Sinn haben konnten: "Jetzt leck mich doch am Arsch, da will ich doch nun wirklich nicht hin!!!“

Ich lächelte ihn dabei einmal an.

Er sprang daraufhin auf, strahlte mich an, verbeugte und setzte sich wieder. Dann schlief er überraschend schnell ein, beziehungsweise schloß seine Augen.

Nur die Fliege tat das nicht. Sie nervte mich nunmehr derart, dass ich einmal mit einem ausgewachsenen Exemplar der Süddeutschen Zeitung ausholend auf Jagd ging.

Der erfolglose Versuch weckte meinen Reisegenossen. Er sah mich durchdringend an - und zog blitzschnell die Abteiltüre auf.


Ich war perplex. Denn innerhalb von Sekundenbruchteilen hatte mein japanischer Begleiter die Situation erkannt: Wenn man die Fliege nicht platt machen kann, muss sie eben raus. Dazu die Türe zu öffnen war ein intelligenter Ansatz.

Er starrte auf die Fliege, die sich träge ich Raume bewegte. Ich fächelte noch einmal mit der SZ, sie in Richtung der geöffneten Abteiltüre zu bewegen, aber nicht wirklich erfolgreich.


Dann ereignete sich innerhalb eines Sekundenbruchteiles ein absoluter "Magic Moment". Die Fliege setzte sich behäbig auf den inneren Rand des Türrahmens, in Augenhöhe des Japaners.
Der hatte sie einen Moment aus den Augen verloren.

Ich macht sehr leise "zzzzt".....und blickte erst ihn, dann die Fliege an.

Und die nächste Sekunde war sehr beeindruckend. Blitzartig trat er den Türgriff mit seinem rechten Fuß so fest er irgend konnte...und knallte die Türe gewaltig zu.

Und so begann das, was diesen Tag im nachhinein sehr denkwürdig machte; einen Tag im Zug , bei dem im Folgenden fast nur ein einziges Wort gesprochen wurde zwischen zwei fremden Menschen, auch weil es nichts anderes gab, was wir beide hätten ums Verrecken verstehen können.

Er stieß einen Schrei aus und sprang auf, verbeugte sich vor mir. Ich verbeugte mich ebenfalls angesichts der schnellen Reaktion, er lachte schallend, verbeugte sich noch zwei, dreimal vor mir und setzte sich wieder.

Er strahlte mich über sein ganzes Gesicht begeistert an.

Ich schloß einmal die Buchdeckel meiner Betrachtungen über Anti-Gravitation angesichts der vermeintlichen Dematerialisation eines Insekts und fragte ihn zunächst auf Deutsch, wohin er denn reise.

Er sprang wieder auf, verbeugte sich und freute sich und setzte sich wieder. Ob er Englisch spreche, wollte ich wissen,

„Jaja“, er sprang wieder auf, verbeugte sich,. "jaja". und setzte sich wieder.

Wohin er reise, ob alles ok sei, wollte ich wissen, schließlich hätte er aufgrund seiner ausgeprägten sprachlichen Ausdrucksprobleme auch im Nirgendwo hätte landen können.

Aber seine Antwort war verblüffend klar und laut.

Er sprang auf, verbeugte sich vor mir und sagte unmißverständlich: „Regensburg". Er freute sich und setzte sich wieder.

Klare Aussage.

Ich weiß auch nicht warum ich völlig bescheuerten Gewohnheit deutscher Erstlingsreisender fragte:

"Oh you are going to Regensburg?" Teenie-Konversation.
Es lag auf der Strecke und der Zug hielt da an und Reisende durften aussteigen.

Hippies oder Freaks machten sowas früher immer. Jedesmal wenn man auf einen fremdsprachigen Menschen stieß, hielt man ihn für das neunte Weltwunder und fragte und fragte und fragte: "No, are you going thereandthere? Noooh... I couldn`t believe it!!!" Aber dann zeigte sich, daß meine Nachfrage doch nicht so doof war.

Ich habe nie erfahren wie mein Gegenüber hieß, er war gepflegt, älter und hatte lediglich ein deutliches Kommunikationsproblem. Aber seine Antwort überraschte mich gerade wegen meiner Gedanken doch wieder.

Er sprang wieder auf, verbeugte sich und sagte:

"NoNoNo, REGENSBURG".

Oh okay.....

„Regensburg?" fragte ich freundlich.

„NoNoNo, Regensburg".

Ich kannte aus der Werbung nur ein einziges Wort Japanisch, welches mir in diesem Moment rein existenzphilosophisch perfekt in den Sinn gepaßt hätte...
„Mushmushii ?.....heißt soviel wie: Wer ist denn da? ja bitte?

„mushmushiiimushmushii“ doppelt heißt dann soviel wie
"Wer verdammte Scheiße ist denn da?????"

Aber das konnte ich nicht wirklich bringen. Er war ja nicht am Telefon, sondern saß ca. 1,10 Meter vor mir entfernt und strahlte mich an. Ich strahlte zurück.

Das lernt man im Laufe der Zeit. Sei immer freundlich und nie eingebildet. Es ist eine Ausdrucksform der Hyperkommunikation. Es kann sehr wenig schief gehen dabei. Was sich im Laufe der nächsten 40 Minuten auch bestätigen sollte.

Ich zog mich zurück, nahm meine Studien über die „Modulationsvarianten stehender Vakuumkompressionswellen im Raum“ wieder auf, holte den CD-Player raus, verstöpselte mich.

Als mein Reisenachbar den CD-Player sah, sprang er wieder auf, verbeugte sich und strahlte mich an. Ich strahlte ihn an.
Und verbeugte mich. Hatte er erkannt dass es sich um ein japanisches Gerät handelte? Wir strahlten wie zwei Plutoniumhaufen um die Wette.

Die Fahrt ging weiter. Ich zog mich ins Buch zurück. Es dauerte nur 20 Minuten, ehe der Nervenkrieg wieder begann.

Eine Fliege – die Fliege – landete auf meiner Seite.
Sie nervte. Vor allem weil es dieselbe Fliege wie zuvor war.

Ich schlug nach ihr, traf sie und sie flog in Richtung des Reisebegleiters.
„OOH" stieß er aus, und schlug nach der Fliege...sie schoß wieder in meine Richtung....ich schlug nach ihr ...sie flog zu ihm ....er zu mir ...er lachte schallend und sprang auf...

Und wir beide... er im edlen Travellerdress... ich im Nadelstreifenanzug.....spielten atemlos 20 Sekunden Pingpong mit einer Fliege, bei Tempo 150 in einem Erster Klasse-Abteil der Deutschen Bundesbahn.

Ein reisender 60plus-Japaner und ein deutscher Business-Typ in Nadelstreifen spielten Fliegen-Pingpong. Wir schubsten sie hin und her und konnten uns nicht einmal unterhalten. Wir lachten uns schlapp ohne ein Wort zu wechseln.

Schließlich hatte die Fliege die Schnauze gestrichen voll und war weg.

Wir verbeugten uns voreinander, strahlten uns wortlos an und setzten uns und die Reise fort.

Der nächste magische Moment kam dann nach der Ansage „Der nächste Halt ist Regensburg“. Wir näherten uns der Stadt und der Hinweis des Schaffners kam klar und laut. Wieder schlug er die Worte mit hartem Punsch in den Wind.

Das verwunderte mich. Ich sah ihn an, er blieb sitzen, der Zug lief in Regensburg ein, Ich sah ihn fragend an und sagte „Regensburg?“

Passenderweise war das Abteil direkt neben dem Schild mit dem Namen der Stadt stehengeblieben. Ich zeigte darauf.

„Regensburg“

Seine Antwort hatte ich nicht erwartet:

„NoNoNo Regensburg...".....er sprang auf, verbeugte sich und strahlte mich an und setzte sich wieder.
Vielleicht ist es in Japan üblich, auf die Fragen nach dem Reiseziel mit dem Ort zu antworten, wo man nicht hinwill?

„NoNoNo Regensburg..."..... „NoNoNo Regensburg...".....

Er holte den Reisebegleiter heraus und zeigte auf die nächste Haltestelle.

„Plattling?" fragte ich ihn.

„Jajajaja“, er sprang auf, verbeugte sich und strahlte mich an, „jajajajaaa!!“ Er setzte sich wieder.

Mit schwante was.

Er konnte das Wort ums Verrecken nicht aussprechen.

Für nix in der Welt.

Statt dessen schlug er wieder nach unserer Fliege, die nunmehr seit sechs Stunden mit einem Japaner und einem Deutschen das Abteil teilte und tapfer überlebt hatte.

„Ahhh" murrte er ärgerlich... ich fragte wieder "Plattling????"

Es ging einfach nicht.

„A-t-t-i-n-c-k...jajajaja, hahaha, Phh Phhfff Plala.tin.pLTINCK““,

„Okok“ .

Ich verbeugte mich und strahlte ihn an.

Er sprang auf, verbeugte sich und strahlte mich an.

Wir nickten, er schlug sich erleichtert auf die Schenkel und machte

„Aahhh ja.“

Dann zeigte er in Fahrtrichtung. „Daa !“

Es war Zeit, sich anzupassen.

„Aaahhhhhh...“ sagte ich verständnisvoll, „Aaahhh - da.“

„Jajaja..da..da“.

„Aaahhh...“

Wir nickten uns mehrfach an. „Jaja..Jaja“

Der Zug fuhr an.

Wir erreichten Plattling in der erwarteten Zeit. Ich deutete Hilfestellung bei seinen Rucksäcken an, was er brüsk ablehnte.

Dann standen wir beide auf, verbeugten uns mehrfach und strahlten uns an.

Er zerrte er sein dickes Gepäck durch die Türe und entschwand mühsam, mich weiter anstrahlend. Ich strahlte zurück.

Die Fliege ging übrigens mit ihm.

Vielleicht gehörten die beiden ja zusammen.


Nie mehr Trauzeugen


Wir haben ein gesellschaftliches Prinzip unterbrochen. Für immer. Wenn jemand meine Frau und mich als Trauzeugen haben möchte, gibt es nur eine Antwort: "Sorry, not available.“ Es hat konkrete Gründe. Wir bringen kein Glück.

Die erste Trauzeugen-Nummer ging so ab: Ein Bekannter wollte eine alte Freundin heiraten. Und ihr einen möglichst romantischen Heiratsantrag machen. Sie war eine langjährige Freundin meiner Frau, weshalb wir dem Theater zustimmten.
Er bestand nämlich darauf, seinen Heiratsantrag in unserem Haus oberhalb von Palma machen zu dürfen. Er brauchte dazu 60 rote Rosenköpfe, Keine ganzen Blumen, nur die Blüten.

Damit wollte er dann ein magisches Herz aufs Bett zaubern,

Der Blumenhändler sah mich an als ob ich völlig gestört wäre. 60 Rosen mit abgeschnittenen Köpfen? Wenn es dann sein musste....

Der Ehemann in spe kam angeflogen und machte mit uns sein Herz für den Heiratsantrag auf dem Bett. Mit Rosenblättern und allem was dazugehört. Sie kam einen Tag später mit ihren beiden Kindern aus einer früheren Ehe an.

Wir wurden dann als Trauzeugen benannt. Nicht, dass wir bei einem Zeugungsakt zugegen sein sollten - der im Übrigen nonstop auf allen Ebenen unseres Hauses so oder so oder so oder so oder so durchgezogen wurde (wir haben uns manchmal versteckt und so getan als ob wir das nicht merkten...). Nein, wir waren ganz diskret. Obwohl ich Geschlechtsakte auf Marmorboden (so richtig heftig) nicht nachvollziehen konnte...aber seitdem den geflügelten Begriff "sich das Gehirn raus-bumsen" umso besser nachvollziehen kann.

Die Hochzeit war ein halbes Jahr später. Drei Tage Feier in Österreich auf einer bekannten Alm, nachdem wir die Trauzeugen bei der Hochzeit waren.

Sechs Monate später kam ein Anruf von unserer Freundin. Sie war leicht konsterniert. Da wir uns gut verstanden und auch humortechnisch ziemlich gleich lagen, erzählte sie mir folgende Geschichte: Am Vormittag hatte sie eine ihr unbekannte Frau angerufen und bitterlich geweint. Weil der neue Mann unserer Freundin ihr gerade ein Kind gemacht hatte, und sie gerade wieder den Anruf einer wiederum anderen Dame erhalten hatte, die ebenfalls in den Wehen lag. Auch von ihm. Jetzt wollten sich die Schwangeren bei seiner Ehefrau beschweren.

Es ging nicht um Rücknahme der gezeugten Babies. Aber um eine Art Prinzip ging es schon. Aber dann ging’s los.

Normalerweise und auch in diesem Fall gehen die Unterlagen an die jeweiligen Scheidungsanwälte.

Die Unterlagen des bumbsfreudigen Ehemannes gingen ein. Version eins: Unsere langjährige Freundin sei unfruchtbar. Ziemlicher Quatsch angesichts ihrer beiden traumhaften Kinder.

Dann kam Version 2. Jungfernzeugung. Ziemlich intelligent - falls man nicht gerade in ein UFO gebeamt wurde.

Nun Version 3. Er habe in einer Klinik ein Gutachten über seine Zeugungsfähigkeit erstellen lassen. Nun seien die dafür notwendigen handwerklichen Fertigkeiten leidlich kompliziert gewesen. Dabei sei es eben zu einem Arbeitsunfall gekommen. Eine Krankenschwester sei nun mal bei der Prüfung seiner Potenz zufällig schwanger geworden. Aha.

Das Gericht hat sich im Verfahren schlapp gelacht.


Fehler Trauzeugung Nummer zwei.


Diesmal ging es um Trauung eines Homo-Paares. Der Hintergrund war weniger lustig. Einer der beiden war zuvor beinahe Opfer eines Mordanschlages geworden. Durch den langen Krankenhaus-Aufenthalt entstand schlicht die Notwendigkeit einer Eheschließung. Wir sollten wieder Treuzeugen werden. OK, wir waren - ganz kleiner Kreis - bei der Eheschließung dabei.

Zehn Tage nach der Eheschließung erhielten wir einen Anruf. Ihr Haus nebst Restaurant sei abgebrannt. Mal eben. Ursache war indes ein Molotow-Cocktail, das eines Nachts zufällig durchs Fenster flog. Wenigstens nicht alltäglich. Da der Eine der Beiden noch im Rollstuhl saß und eine mehrjährige heftige Therapie vor sich hatte, entschlossen wir uns sie aufzunehmen. Mit den beiden besagten zwei Labrador-Damen (siehe Plötzlich vier Pfoten).

Wir bauten unser Haus ein wenig um - von zwei auf vier Personen und von zwei auf vier Hunde bedarf es eines gewissen Regulativs. Dann erlaubten wir uns einen Mini-Urlaub in Gran Canaria in Erwägung zu ziehen. Alles organisiert und ab. Das Haus und die Hunde waren ja versorgt.

Zu jener Zeit war ein Urlaub für uns wie ein Sprung aus dem fahrenden Zug. Ich bekam sofort eine heftige Bronchitis, mein Schatz eine Gürtelrose am Kopf. Ich blieb vier Tage im Bett, und fuhr anschließend mit ihr jeden Tag zum Arzt. Glücklicherweise trafen wir auf trinkfeste Freunde aus Köln, mit denen wir den Rest des Urlaubes aufs heftigste lachend verbrachten. Sie waren völlig schräg drauf. Unsere beiden Frauen sowieso.

Da Sie das ganze Publikum in Hotel ziemlich abtönten, taten sie alles, um dutzende ältere Herrschaften heftig zu verstören. Nach dem Mittagessen, früher Nachmittag, gingen unsere beiden Ladies in den großen Whirlpool in der Wellness-Anlage. Unsere Freundin sagte ganz laut zu meiner Frau: "Du, Dein Mann hat aber einen Riesen-Schwanz. Das hätte ich ja nicht gedacht, letzte Nacht." Sie hatte mich noch niemals angefasst oder nackt gesehen. Schon gar nicht mit Bronchitis. Er und ich waren derweil im Zigarrenladen.

Jedenfalls ließen sich die Ladies ein Weinchen nach dem anderen kommen, redeten in dem Stil lauthals weiter und hatten den wirklich großen Whirlpool in kürzester Zeit für sich alleine. Als wir ankamen fanden wir zwei Damen in einem ununterbrochenen Lachkrampf im Wasser. Weinchen bestellt und mal zuhause angerufen. Fehler.

Einer der beiden Niederländer, deren Trauung wir bezeugt hatten, war verhaftet worden. Prima. Du sitzt auf Gran Canaria und kannst unheimlich viel tun. Der Andere saß nun bei uns im Rollstuhl zuhause mit vier Hunden und konnte sich natürlich unglaublich gut bewegen.

Zwei Tage später war der Andere aus der U-Haft raus und wieder bei uns im Haus in Köln. Wir hatten auf den Kanaren wieder einen Lachkrampf-Tag der oben geschilderten Sorte. ES wurde immer besser. Nachdem sie aus dem Wasser waren, setzten wir uns an einen Tisch im Park. Wo schon ein Ehepaar saß. Es stellte sich heraus dass es Holländer waren und ein Restaurant besaßen. Und mein Schatz verfasste den absolut genialsten Satz den ich je gehört habe: "Ich kenne auch Holländer. Warten Sie, ich gebe Sie Ihnen mal." Ich war nicht schnell genug am Telefon um den kompletten Irrsinn zu verhindern.


Da unsere Privatnummer natürlich in allen Handys programmiert war, rief sie blitzartig in Köln an. "Hey, ich hab hier Holländer getroffen. Ich gebe Sie Dir mal.“ Unfassbar. Unsere Freunde schrien sich weg. Sie gab den Hörer der Holländerin. Ein magischer Moment. In dieser Sekunde stellte sich heraus, dass sich unsere und die hiesigen Holländer untereinander nicht nur kannten, sondern sich hassten wie die Pest. Sie beschimpften sich wie die Kesselflicker, wir verstanden kein Wort. In der nächsten Minute sprangen beide auf, rannten weg und sprachen keine Silbe mehr mit uns. Holland ist ja nicht so groß.

Es ging täglich so weiter. Vormittag. Wir gingen gemeinsam zum Strand, spazieren. Es laufen unglaublich viele Kranke da rum. Uns kam ein ca 60jähriger Mann entgegen, der einen Netz-Stringtanga trug und vor seinem Teil Brieftasche und Schlüssel und Zigaretten und Feuerzeug vor sich her trug. Im Tanga. Unsere Ladies machten daraufhin einer Boule-Abteilung in den Dünen ihre Aufwartung. Die älteren Damen und Herren waren nackt bis auf Schuhe und Hut. Alles hing. Die Schwerkraft kann schon gemein sein. Wir waren angezogen. Unsere Damen beschlossen teuflisch grinsend "mal was gucken zu gehen" und sich wieder ganz laut zu unterhalten. Hexen. "Wir gehen mal in die Dünen"

Wir haben es nicht exakt gehört, was sie sagten. Aber die deutliche Verstörung in einer 12köpfigen nackten FKK-Boule-Seniorengruppe war nicht zu übersehen. Unsere hatten einen Heidenspaß und waren fast nicht mehr wegzubekommen. Zuerst wollten sie von einem splitterfasernackten 75jährigen wissen, ob man mit den Boule-Bällchen Fußball spielen könnte. Meine Frau versuchte immer wieder ein Bällchen im Sand wegzutreten. Völlige Anarchie. Ich stand mit unserem Freund meterweit weg und überlegte ganz angestrengt, wie wir aus der Nummer rauskommen sollten. Die nackten Alten standen fassungslos und begriffen den Angriff nicht.

Dann redeten unsere Damen laut weiter. Ich meinte verstanden zu haben, dass sie ausdiskutierten wessen Eier schon am Knie hingen, alternativ die biologisch mögliche Länge grauen weiblichen Schamhaares nach lebenslanger Nicht-Rasur. "Guck mal, das sieht aber auch sehr schön aus!!!“ Hing aber auch bis zum Knie. Echt. Uaaah.

Wir hatten Mühe genug sie dort weg zu bekommen, es bereitete Ihnen jedenfalls ein ausgesprochenes Vergnügen laut über die offensichtlichen körperlichen Deformationen der Jahresringe zu diskutieren. Aber man muss ja auch mit 100 nicht nackt durch die Gegend rennen. Oder?

Die Spur des schwulen Paares mit den Hunden verlor sich in Jahresfrist. Details kann ich mir ersparen, sie waren derart unerfreulich, dass wir unseren Zeugenstand längst verlassen haben. Und auch nicht wieder betreten werden. Jedenfalls sofern es sich um eine Trauzeugung handelt. Und Gran Canaria braucht auch erst mal eine Pause...


Ten Days in Portugal

"Du... fahren wir nach PortugaGesagt, getan. Toll sagten die anderen, Toll sagte meine Frau. Mensch Du, Algarve. Das fanden wir toll. Dann fuhren wir. Nein, wir flogen, danach fuhren wir, nur langsamer. Den Panda konnten wir nach oben zweimal aufklappen. Das war prima fanden wir, wegen des Wetters.


So fuhren wir. Guck mal. sagte meine Frau. Guck doch mal guck doch. Geht nich , sage ich Ich fuhr ja grade. Überall lagen große Töpfe neben der Strasse. Wie bei mir im Garten, sagte meine Frau. Hmm, machte ich, wie bei Dir im Garten. Dann kam ein Haus. Nix besonderes. Klein, weiß, verstaubt. Doch halt: Neben dem Haus lag eine uralte Flugmaschine im Gras. Guck mal, sagte ich, eine Super Constellation. Doch schade. Das Heck lag neben dem Flugzeug und eine Schulklasse hatte "CAFE" auf das Dach über den Pilotensitzen geschrieben.

Jetzt waren es schon einige Tage. Meine Frau hatte ein Wort wiedergefunden. Immer, wenn wir aus unserem Ghetto mit den Sternen ausbrachen, ich wieder sagte: "Guck mal", sagte sie: "Scheiße". Eines Tages fuhren wir durch eine Stadt namens Armacao de Pera. Guck mal, sagte ich, wie weit die hier sind. Die Antwort war klar.

Abends gingen wir essen. Es waren schön viele Engländer da. Gegenüber saß ein Paar. Er tropfte etwas Fett vor sich, sie hatte sich wohl fein gemacht. Sie hatte das schönste Kleid an was es überhaupt gibt. Ihre zarte weiße Haut war pavianarsch-rot. Er trank Bier und putzte seine fettigen Hände ständig an ihren Schultern ab. Guck mal, sagte ich zu meiner Frau. Jetzt sagte sie nix. Wir saßen in einer riesigen Rauchwolke, der Grill war nämlich eine Feuerstelle.

Am nächsten Tag. Hinter mir saßen auch wieder Engländer und manchmal auch Deutsche. Das fand ich nicht so prima. Schließlich waren wir im Ausland. Willst Du ein Kotelett fragte ich meine Gattin. Au fein, sagte Sie. Aber es gab keines. So mussten wir Hummer essen. Gottseidank schien die Sonne und neben uns waren viele, viele ganz alte, reiche, faltige, Greise und Greisinnen im Bikini. Manchmal hatten sie auch nur ein Höschen an. Guck mal, sagte ich zu meiner Frau angesichts eines 95jährigen Mannes mit String-Tanga. Scheiße, sagte sie.

Schwimmen gingen wir nicht so oft. Das Wasser war salzig und etwa 18 Grad heiß. Dann fuhren wir spazieren. Wir wollten mal einen neuen Strand finden, weil wir an der Küste waren. Aber meine Frau sagte wieder "Scheiße" und das kam so:

Wir hatten ein Stück Küste gefunden, was direkt neben unserer Küste war. Da waren viele Nischen in den Felsen am Meer. Guck mal, sagte ich wieder. Ihre Antwort kennst Du ja schon. Wir wollten weiter gehen, fielen aber beide über tausende Coladosen, Milchtüten, Mülltüten, Plastiktüten und dicke rote Engländerinnen.

Guck mal, sagte ich. Guck mal wie dick der ist. Titten sagte meine Frau, der hat ja Titten. So dick war der. Er sah so aus wie seine neben ihm sitzende Frau. Sie hätte ihm auch ihren Bikini leihen können, meinte ich. Er aß gerade so was wie einen BigMäc. Die Sauce tropfte auf seinen Bauch. Meine Frau sagte immer wieder dasselbe. Und plötzlich kamen noch ganz viel mehr von dieser Sorte.

Weil es so appetitlich war, beschlossen wir Essen zu gehen. Da lockte uns ein kleines Plastikcafe an der Küste, wie gesagt wir waren ja am Meer. Hunger, sagte meine Frau. Okay, sagte ich. Wir suchten uns den gemütlichsten Platz aus, den es gab. Dann standen wir wieder auf, weil es tierisch nach Müll roch. Das kam nicht vom Teller.

Dann wollte meine Frau doch noch Sardinen probieren. Der Ober hatte dicke gelbe Fingernägel und Altöl mit Dreck unter den Nägeln, ein silbernes Kreuz von der Größe eines Flaschenöffners auf der Brust und war weißrot. Dann kamen die Sardinen. Scheiße, sagte meine Frau. Ich hatte Shrimps mit Knoblauch. Mehr Knoblauch als Shrimps, prima. Meine Frau riss einem Fisch den Kopf ab, sah hinein, machte den Fisch auf und konnte plötzlicherweise nix mehr essen. Dann sagte sie es wieder. Der Wein war sehr harzig. Und uns auf einmal ein bisschen schlecht.

Eines Tages machten wir einen Ausflug. Dafür flogen wir nicht, sondern machten den Panda auf. Dann sagte meine Frau wieder ihr Lieblingswort, es zieht. Dann machte ich den Wagen wieder zu. Los ging’s. Wir fuhren erst die Straße rauf, die wir sonst immer runter fuhren. Oben angekommen, ging es wieder runter. Das ging noch 15 Kilometer so. Dann waren wir da, wo wir hinwollten. Meine Frau sagte nur ein Wort. Ich sagte, dass ich das alles sehr interessant fände. Überall waren Stierkämpfe. Aber erst später wenn wir schon wieder weg waren. Jetzt hingen nur die Plakate. Dann waren wir da. Pirmao? Pirmuo? Pomo? Prmno?

Auf jeden Fall sind wir eine Brücke hinüber gefahren und direkt in das Zentrum. Ich bin einer Einbahnstrasse hinterher gefahren, und dann wieder einer, anderen und wieder einer. Dann kam wieder die Brücke aus der anderen Richtung und wir fuhren wieder rauf wo wir eben runter gefahren waren. Scheiße, sagte meine Frau. Statt des Meeres sahen wir Dreck unter der Brücke, tote Schiffe rosteten vor sich hin. Und viele Möwens. Möwens, dass ich sie nicht zählen konnte. Guck mal, sagte ich, Möwens. Ja, sagte sie, Mensch sind das Möwens.

Meine Frau zog sich 20mal am Tag um. Wegen der Nieren. Weil es vom Meer her immer unglaublich und kalt blies, waren sämtliche Gäste eigentlich mehr in den Umkleidekabinen als in der Sonne. Urlaub kann so schön sein.

Dann lernten wir einen echten Fischer in seiner kleinen Hafenkneipe kennen. Das Essen war zuviel. Pulpo wollte ich und dachte sie wären gebraten. Sie aß einen Salat, er war riesig. Als meine Tintenfische kamen, war’s für mich erledigt. Die Eingeborenen hatten die Tinte dringelassen, als Sauce. Dann war mir schlecht. Ich habe dann ein bisschen vom ihrem Salat genippelt. Dann kam der Kellner und ich hab bezahlt und ihm soviel Trinkgeld gegeben wie woanders ein Wasser kostet. Dafür hat er uns sein Leben erzählt. Toll war das. Soviel Leben auf einmal. Für nur 2000 Escudos. Ich fühlte mich wie bei Hemingway in Kuba.
Toll, sagte meine Frau. Sie grinste aber irgendwie komisch.

Wir hatten ein sehr kleines Appartament. Vom 1. Bad bis zur Küche brauchte man eine Viertelstunde, vom 2. Bad auch. Auf Balkon und Terrasse hatte man den Pool vergessen. Aber der kommt dann wohl noch. Immer wenn wir aufgestanden sind, wollten hundert Frauen die zwei Betten machen. Das Telefon war plötzlich kaputt. Bis zum zweiten Telefon im Wohnzimmer brauchten wir zehn Minuten. Das war lustig.

Sprechen tun die Eingeborenen wenig. Vielleicht verstehen sie uns ja nicht. Jedenfalls war die Kommunikation für Frühstück immer eine Katastrophe. Ich bestellte zwei Speckpfannekuchen, vier Kaffee, vier Brötchen, KEIN Graubrot, vier Marmelade, zwei Milch. Wir bekamen vier Speckpfannekuchen, vier Spiegeleier, acht Kaffee, acht Brötchen, zwei Graubrot, zwei Croissants, zwei Milchbrötchen, zwei Marmelade, acht Milch. Mensch war ich satt. Meine Frau hatte mit einem Speckpfannekuchen nämlich schon genug und sagte wieder ihr Lieblingswort. Ich konnte nicht gut schwimmen später.

Viele Portugiesen bauen gerne. Sie wissen einfach nicht wo Schluss ist. Guck mal, sagte ich wieder, guck mal wie die bauen. Meine Frau sagte diesmal was Neues: "Weiße Scheiße bauen die". Es sah aus, als ob Du ganz Glasgow gekalkt hättest. Wohnen tut da drin keiner. Sie wollen die Dinger der ganzen Welt als attraktives Ferieninvestment verkaufen. Portugal ist ein einziges Reihenhaus. Ein Haus neben dem anderen mit nur einer Wand dazwischen. So passen an eine Wand zwei Häuser. Praktisch, sagte ich. Ihre Antwort war ja klar.

Mittags hatten wir einen Stammplatz am Pool. Wir zogen uns schön an. Es gab richtige Tischdecken (Textil), Servietten (Textil), Silberbesteck und mittags und abends immer dieselbe Karte. Hummer, Salate, Fisch, Fleisch, Gemüse (Avocados) Nachtisch oder Büfett. Sie hatten nur nie Avocados. Ich wollte aber eine. Jeden Tag dasselbe. Der Kellner kam, ich bestellte als Vorspeise Avocado. Jeden Tag prustete meine Frau daraufhin ihren Wein in den Pool, weil sie keine Luft mehr bekam. Ich kriegte natürlich keine Avocado. Aber irgendwie kommt man ja durch. Sie aß immer Büfett, aber nie das ganze.

Die Straßen waren noch ganz frisch, so neu waren die. Mit dem Panda musste ich immer in die Regenrinne, wegen den überholenden Lastwagen. Auf 100 Metern fuhr ich 30 mal ins Gras neben der Strasse um zu überleben. Ich brauchte nicht zu bremsen und es staubte wie in den früheren Daktari-Filmen. Manchmal konnten wir dabei weit gucken. Wir sahen Häuser, Häuser und noch mal weiße Häuser. Aber immerhin hörten die Häuser am Meer auf.

Irgendwann begann mein Schatz die Tage zu zählen: "Juchu, nur noch drei Mal schlafen!!!" rief sie. Scheiße, sagte diesmal ich. Am nächsten Tag : "Juchu nur noch zweimal schlafen!!" Als ob wir im Konzentrationslager wären. Am letzten Tag sagte sie nix mehr. Und praktischerweise regnete es auf einmal derart heftig, als ob in Südeuropa ein Monsun eingesetzt hätte. Im Regen ist die Algarve noch mal so schön. Am Flughafen versuchte ich meinen Schatz dann in den Kofferkuli zu setzen. Sie schlug auf mich ein.

Minuten später. Fröhlich schaukelte unser Flugzeug durch die Gegend. Da hing auf einmal eine Stewardess an der Decke. Ich wollte nix mehr essen.

In Düsseldorf war dann wieder Megastau ebenfalls im Regen. Wollen wir nicht zurückfliegen, fragte ich. Daraufhin sagte sie nur ein Wort.


Deutsche Kleinigkeiten

Im Jahre 1988 erhielt ich mit anderen Journalisten eine Einladung in die "moderne" Chemieregion Bitterfeld in der DDR. In Begleitung einiger Bundestagsabgeordneter. Wir wohnten im "vornehmen" Gästehaus der Leunawerke bei Bitterfeld. Die Luft war schierer Schwefel, aus den Wasserleitungen drang nur schwarzer Schleim.

Nach zwei Tagen waren meine Augen entzündet, meine Lippen aufgeplatzt. Der Schwefel aus den nahegelegenen Braunkohlekraftwerken war derart intensiv, dass ich es nur mit einer dicken Sonnenbrille aushielt. Auch wenn die Sonne ohnehin nicht durch den Dreck durchkam.

Das Örtchen Bitterfeld war das Größte. Sie hatten aus dem nahegelegenen Kraftwerk einen derartigen Fallout von Kaliumsulfat, dass der Ort aussah wie St. Moritz. Alles weiß. Dick auf den Dächern, dick auf dem Gemüse in den Gärten.

Eines Tages stand wieder eine amtliche Besichtigungstour in ein weiteres Werk an.

Wir passierten Bitterfeld. Als der Fahrer plötzlich rechts ranfuhr. Wir waren irritiert.

Dann hörten wir einen ohrenbetäubenden Lärm. Ummittelbar vor uns - es waren ca 80 Meter - schossen von links zwei parallel fliegende russische MIG 21 direkt über der Straße von der Startbahn des dort liegenden russischen Militärflughafens heraus.

Und zündeten in diesem Augenblick die Nachbrenner. Fünf Trabbies wurden durch den Druck von der Straße in die umliegenden Büsche geblasen - ein Wunder, dass keiner verbrannte. Die Flugzeuge schossen senkrecht nach oben. Ohrenbetäubender Lärm und dicke Flammen aus den Zwillingstriebwerken am Heck.

Unser Fahrer: "Das machen die immer dann wenn viel Verkehr ist." Er blieb stehen. "Es kommen noch zwei." Sekunden später dieselbe Prozedur. Zwei weitere MIG 21 schossen in etwa zehn Metern Höhe über die Strasse und zündeten die Nachbrenner. Um senkrecht in die Luft zu steigen.

Was war das für eine kranke Scheiße? Abgesehen von dem völlig kaputten Staat, in dem wir uns bewegten - was ging denn hier ab? "Die Piloten schließen vorher Wetten ab, wer die meisten Autos von der Straße bläst."

Sie hätten ja auch Übungsschießen auf die Trabbis veranstalten können, dachte ich. Aber mit panzerknackender Munition auf Trabbis zu schießen, war wohl irgendwie Perlen vor die Säue geworfen. Wenn schon Dein Abgasstrahl reicht, um die Dinger durch die Gegend zu werfen.


Die Büsche waren verbrannt, der Nachbrenner einer MIG 21 in 12 Metern Höhe hat durchaus durchschlagende Wirkung.

Wie überhaupt der Besuch der Deutsch-Demokratischen Republik zuvor im Jahre 1977. Ich habe noch nie so viele Arschlöcher auf einem Haufen gesehen. Abgesehen davon dass ich bei vorherigen Besuchen des Arbeiter- und Bauern-Staates ausgesprochen angenehme Grenzkontrollen hatte. Oder wie findest Du es wenn ein stinkender Volkspolizist sich Gummihandschuhe anzieht und in Deinem Anus nach Dollarnoten sucht? Ich nehme mir ab jetzt eine gewisse Emotionalität einfach heraus.

Meine Rache war subtil. Er wollte neben meinen Körperöffnungen zusätzlich die komplette Kleidung auseinandernehmen. Ich war damals erst 19 Jahre alt und stand auf Lederstiefel und Wollsocken. Aber so eine dienstbeflissene SED-Drecksau musste ja überall rein. Also zog er mir auch die Socken aus, die ich schon eine gute Woche trug. Ich hatte damals Schweißfüsse und zwar heftig. Ich habe die Prozedur der Schuhe mit einigem Genuss verfolgt, weil ich zunehmend den Ekel in seiner ungewaschenen SED-Fresse bemerkte. Arschloch.

Er verabschiedete mich mit dem für mich unvergessenen Satz: "Wir werden Euren Scheiß-Staat sowieso bald annektieren.“ Hahahahahaha. Dumm gelaufen, Stasi-Schwein. Hoffentlich bist Du verreckt - mit einem Baseballschläger im Arsch.

Entschuldigung, aber manchmal muss man die Sprache laufen zu lassen wie sie kommt. Was ich hiermit ja tue.

Checkpoint Charlie war in den Siebzigern auch ein sehr angenehmer Ort. Kalter Krieg. Mehr Hass konntest Du Dir außerhalb einer kriegerischen Auseinandersetzung innerhalb einer "entmilitarisierten Zone" kaum an einem Ort spüren und besichtigen. Nur an der Glienicker Brücke, einer uralten Brücke zwischen Berlin und Potsdam, dort war es subtiler. Der berühmte Übergabepunkt der Agenten zwischen Ost und West.

Einer meiner späteren engen Kollegen wurde dort eines Nachts gegen Agenten des SED-Regimes ausgetauscht. Er war zuvor verraten worden und wurde in Bautzen inhaftiert. Niemand Geringerer als Hans-Joachim Tiedge, Direktor des bundesrepublikanischen Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte ihn und andere verraten. Einige davon wurden hingerichtet, er wurde davon verschont. Tiedge floh 1985 zunächst in die DDR, dann nach Moskau.

Am 30.06.93 wurde Rainer Rupp, Deckname "TOPAS", der Top-Spion der HVA in der NATO, bei Trier verhaftet. Er wurde zu 12 Jahren wegen schweren Landesverrats verurteilt. Nach 5 Jahren kam er schon in den offenen Vollzug und wurde von der PDS, als Nachfolgerin der SED angestellt; im Juli 2000 kam er vorzeitig frei. Rupp arbeitete seit 1977 bei der NATO und hatte Zugang zur höchsten Geheimhaltungsstufe Cosmic Top Secret und kopierte tausende Dokumente für die HVA und den KGB; er hatte die kompletten NATO-Kenntnisse über den Ausrüstungsstand des Warschauer Paktes verraten. Nach fünf Jahren frei. Wozu hat dieses Land eigentlich noch eine Verfassung? Um Leute fertigzumachen, die bei Rot über eine Ampel fahren.

Ich war einige Jahre als Gerichtsreporter für eine Tageszeitung tätig. Habe Prozesse erlebt, in denen Typen, die einem Anderen ein Messer ins Herz gestoßen haben, mit zwei Jahren auf Bewährung wieder rausgehen konnten.

Tiedge schrieb ironischerweise nach seiner Flucht nach Moskau seine Memoiren und veröffentlichte sie. Das Buch durfte in Deutschland nicht auf den Markt. Ich habe dann meinen alten Kollegen angerufen und gefragt, was er davon wisse. Die Antwort war interessant: Der deutsche Geheimdienst hatte ihm einige Seiten angeboten, in denen allerdings aus Gründen der Geheimhaltung etliche Zeilen geschwärzt waren.

Dies ließ meinen journalistischen Sportsgeist natürlich voll kommen. Ich fand das komplette Manuskript (ungeschwärzt) über das Internet auf einem Server in Indonesien, brannte es auf CD und gab es meinem früheren Kollegen. Der mir im Übrigen ebenfalls früher sehr geholfen hatte und nun durchaus dankbar war.
Wobei die vormals geschwärzten Stellen völlig belanglos waren.

Eine andere Form der tiefen Abneigung gegen die "Täterä" (Kölnische Mundart für DDR) konnte ich Jahre zuvor abreagieren. Da war ich Teil einer Annektion: Die amerikanische Direktion eines großen Softdrink-Getränke-Konzerns beauftragte mich mit der fotografischen Dokumentation der Inbesitznahme. Der komplette Vorstand aus Atlanta kam in einer privaten Boeing, um alle Abfüllanlagen der früheren DDR in Besitz zu nehmen. Ich war der Hoffotograf. Selten hatte ich bis dahin derart armselige Knickse von sächselnden Menschen erlebt. Sie erhielten aus den Händen der Amis großzügig Anstecknadeln. "Coca-Cola" stand drauf. Sie waren stolz wie Sau.

Endlich wieder einen Orden. Und strammgestanden, Genossinnen und Genossen.


Das Frühstück


Krankenhäuser haben einen äußerst eigenen Ereignishorizont. Grenzen verschwinden. Es wird ständig ohne Rücksicht auf die Situation und vor allem der kognitiven Reflexion geredet und agiert, aktioniert und so getan als ob keine morphogenetischen Felder gebe.

Beispielsweise so:

Mein Nachbar wurde um 6 Uhr morgens geweckt. Thrombose-Spritze in den Bauch. Ich drehte mich um, döste weiter ob der unvollkommenen Einsicht, nix mitgekriegt haben zu wollen aber alles kapiert zu haben. Mittlerweile war es acht Uhr morgens. Die Tür ging auf. Eine Schwester kommt rein und fragt den Nachbarn: "Wollen Sie den Einlauf jetzt gleich?"

Um 8 Uhr gab es normalerweise Frühstück. Ich stand also pflichtgemäß auf, Blitzwäsche, Anziehen. In diesem Moment ging schon die Türe auf und mein Frühstück
schwebte herein. Dahinter kam eine korpulente Dame mit den kompletten Utensilien für eine Darmspiegelung.

Vorsichtig schüttete ich mir einen Kaffee ein ob der Dinge die da jetzt kommen konnten. Und sie kamen leider.

Mein Zimmernachbar folgte der Dame ins Bad. Ein leises Rauschen schwoll an.
Dann flitzte er auf einmal wie vor der Tarantel gestochen aus dem Bad ins Zimmer. Irgendeine "Dame" hatte ihm hinten die Unterhose zerschnitten um praktischerweise mit irgendwas irgendwo reinzukommen.

Ich saß in meinem Bett, das Frühstück vor mir auf einem Tablett. Und versuchte etwas zu fühlen wie Hunger oder Appetit. Ich saß nur regungslos und vermochte eigentlich nix zu tun, schon gar nichts in Sinne ernährungsphysiologischer Tätigkeiten.


Nach fünf Minuten raste der Nachbar wieder ins Bad. Nach 10 Minuten war er wieder draußen. Er ging dabei nicht, sondern raste wie irre aus dem Bad. Und verlor dabei ständig was aus seiner aufgeschlitzten Unterhose. Die im Übrigen ständig wechselte, die Schwestern machten wohl gerade eine Anprobe für die nächste Stations-Fashion-Show.

Ich suchte die Mediation in der Marmelade, dem kaltwerdenden Kaffee und den Brötchen. Wobei sich der Umgang mit den Lebensmitteln aufs schiere Gucken verlegt hatte. Essen war nicht.

Er kam wieder aus dem Bad geschossen und putzte wie verrückt ständig den Boden hinter sich. Der Tippfehler passte schon: er kam eigentlich aus dem Bad geschissen. Armer Kerl.
Die Schwestern waren schon toll drauf. Erst zerschnippeln sie ihn, dann jagten sie ihn durch die Gegend und lassen ihn sein Malheur selbst wegputzen.


Dann kam wieder die Dame mit der LKW-Fettpumpe zum Einsatz. So sah das niedliche Gerät für die "Rektosignaldoskopie" aus: eine handbetriebene Pumpe mit der man üblicherweise Maschinenfett in die Radlager von 28-Tonnen-Sattelschleppern hineinpresst. Es klang auch so. Nur darf das Ziel diesmal kein Radlager sondern der hintere Ausgang meines kleinwüchsigen Zimmernachbarn war.
Und ich durfte daneben frühstücken.

"Wollen Sie noch ein gekochtes Ei?" fragte mich die andere Schwester.

Mir lag so ein Satz auf der Zunge. Den habe ich aber nicht gesagt sondern im Gegensatz zum Frühstück geschluckt: "Stecken Sie sich ein weißes Ei in den Arsch und ich wünsche Ihnen guten Appetit mit dem anschließend braunen Ei." Soll es ja geben bei Hühnern.

Die Erde ist gewissen esoterischen Betrachtungen zufolge das eigentliche Himmelreich. Du sollst also Kaffee und Eier und Marmelade und Wurst genießen während drei Meter neben Dir ein Mann mittleren Alters und ebenso mittlerer Größe einen Einlauf mit Auslauf und Ansicht mit einer LKW-Pumpe kriegt.

"Wollen Sie nichts essen?“ fragte mich die eine weiße Dame leicht genervt.

"Guck Sie doch dabei zu und schmieren sich Brötchen“, meine Worte.

Worauf hin die Dicke daneben einen absoluten Autoritätsanfall bekam:

"WIR SIND HIER NICHT IM HOTEL !!!"

Unbestätigten Berichten zufolge gibt es Momente im Leben, in denen sich Wut potenziert.


Stell Dir vor, der dicke Zimmer-Service im Waldorf-Astoria am Central Park in Manhattan bringt Dir Dein Frühstück in Deine Suite mit einem Sklaven dabei. Sie verpasst ihm dabei einen Einlauf mit Auslauf und Aussicht mit LKW-Radlager-Fettpumpe und will dann von Dir Trinkgeld nachdem Du genüsslich Dein Abenteuer-Frühstück verzehrt hast. Und zwar ohne einen Johnny-Walker-Black-Label oder einen alten Bourbon, vorzugsweise Jack-Daniels. Lecker.

Aber hier durfte man ja nix trinken. Die Schreierei der fetten Schwester hallte noch im Zimmer, in der rechten Hand hielt sie ihre Darmpumpe.

Sekundär-Hass potenziert sich ebenfalls prägnant. Sie hatte einen feinen schwarzen Damenoberlippenbart. Wie sie wohl nackt aussah? Ich schätzte, ziemlich zum Kotzen: schwarze Zähne, bestimmt kleine dünne spitze Titten mit nem ausgewaschenen Alt-Tattoo links hängend und langgezogen, ne fette Wampe, überquellende Achselhaare, Schamhaare bis zu den Knien, ne Kaiserschnittnarbe neben der Blinddarmnarbe neben einer alten Narbe einer frühen Herzoperation bis zum Kehlkopf, ein ästhetischer Kollateralschaden sondergleichen.

Aber sie durfte armen Typen ne LKW-Fettpumpe in den Arsch schieben. Und wurde noch sauer, wenn man dabei nicht begeistert Kaffee trank und applaudierte.

Ich sollte ihr wohl Punkte geben. Ich hatte nur keine Punkte-Karten zum Hochhalten. Fettarsch.

Ich hatte in diesem Moment meinen Fluchtpunkt noch vor mir liegen. Eine ganze Tranxilium. Eine kleine fette mittelgraue ovale Tablette mit einem X in der Mitte. Nach zehn Minuten warst Du weg, universal und vital jedenfalls. Ich wurde erst abends wieder wach nachdem ich im Klinikflur einem Unsichtbaren beim Kotzen zugesehen hatte und auch das restliche Theater weitestgehend vorüber war. Dachte ich.


Ich schlug die Augen auf und sah meinen Nachbarn im Bett sitzen. Er verputzte gerade mit Begeisterung sein Abendessen. Da sah ich mir doch lieber die Wand an. Ich träumte weiter. Von einem großen Coca-Cola-Kenworth-Truck, der mit einem Lagerschaden liegengeblieben war. Frohe Weihnachten.


Samstag Baguette-Tag

Die Last-Minute-Fahrt fährt aufgrund gewisser Kauf-Vorlieben der Massen bei mir des samstags mittags meistens in eine Bäckerei. Weil bei allen anderen Geschäften, die man für indisch/französisch/chinesisch/maledivisch/deutsche Küche braucht, die Baguetten ausverkauft sind. Und obwohl ich weiß, dass Baquettes eigentlich jeden Samstag spätestens um 11 Uhr ausverkauft sind, schiebe ich den Kauf immer wieder auf und vertraue darauf, irgendwie noch eines oder zwei zu bekommen.
Warum tue ich das?

Weil Baquettes einfach scheiße zu schleppen sind.
Erstens brechen sie tierisch schnell durch.
Zweitens kannst Du sie nicht tragen. Vier Tüten – je zwei links und rechts – und du klemmst Dir das Baguette unter den Arm? Vergiss es. Es fällt Dir raus.
Warum?


Weil die Tüten für Baquettes immer nur halb so lang sind wie das Baguette selbst.
Ich weiß nicht wer Baquette-Umverpackungen erfunden hat, aber der Idiot hat es geschafft, daraus eine Norm zu machen. Das kann nur der EU gelungen sein. Die normieren ja auch Kondome.
Drittens sind sie – die Baquettes - immer zu weich. Und auch darin noch steigerungsfähig. Neulich besuchte ich eine Bäckerei. Baquettes waren weg. Stattdessen bot mir die Verkäuferin „Rohware zum Selberbacken“ an. Ich legte sie auf den Beifahrersitz.
Als ich zuhause ankam, hatte beide einen 90-Grad-Winkel bekommen und sahen aus wie Bumerangs als schlechte Witze. Selbst nach dem Backen wären Sie beim Wurf niemals zu mir zurückgekehrt.
Und wer schmeißt schon Baquettes durch die Gegend?
Also bog ich sie später gerade und konnte anschließend exklusive Dromedar-Weißbrote zum Käse reichen.

Nein. Das samstägliche Brotkaufen hat schon was.

Es war wieder so ein Samstag voller Tätigkeiten, unendlich vieler Dinge. Und das abendliche Kochen für insgesamt acht Personen zumindest durchgeplant.
13.55 Uhr.

Last exit to bakery.

Ich raste in den noch geöffneten Laden.

Relativ viele Kunden, die alle noch Brot brauchten. Warum kaufen immer alle das Brot zum Schluss????
Ich spähte durch die Menschenmenge ins Regal und konnte drei Baguetten entdecken.
Ich hatte schon vier Läden hinter mir und die Nase gestrichen voll.
Die Verkäuferin mittleren Alters schwitzte schon. Es waren noch drei Baquettes da.
"Drei Baquettes bitte...
Sie sah mich an.
"Drei Baquettes, die drei Baquettes da hätte ich gerne..."

Sie sah mich eigentlich nicht richtig an, sondern eher durch mich durch.
Dann schrie sie mich aus Leibeskräften an:

"SCHNEIIIIIIIIIIIIIIIIIIDEN ????"

Ich trat instinktiv einen Schritt zurück. Was passierte gerade?

"SCHNEIIIIIIIIDEN?"

Ich hatte Baquettes verlangt. Wer zum Teufel verlangt geschnittene Baquettes? Die kannst Du noch nicht mal in den Backofen legen, weil es in nullkommanix alles vertrocknet ist. "Nein, bitte nicht geschnitten."

"SCHNEIIIIIIIIDEN?"

Sie hatte eine Brot-Psychose. "Geben Sie mir bitte einfach die drei Baquettes da drüben."

"WOLLEN SIE DAS BROT GESCHNITTEN??????"

Sie brüllte mich an. Ich sah mich um, die versteckte Kamera zu finden. Hallo?

Eine Frau neben mir steckte ihren Kopf in ihre Achsel, um ihren Lachkrampf zu verbergen. Sie kannte das Theater wohl schon.

"WAS NUN? SCHNEIIIIIIIDEN?"

"Nein" sagte ich leise. "Nein, nicht geschnitten, bitte.“ Wo war ich?

"VIELE KUNDEN WOLLEN DAS BROT GESCHNITTEN!!!“

"Geben Sie mir einfach die drei Baquettes da drüben."

"NICHT SCHNEIDEN??????"


Es ging nicht mehr. "NEEEEEEIIIIN" Himmelarsch.

Die Verkäuferin zuckte zusammen. "WARUM BRÜLLEN SIE MICH SO AN????" wollte sie mit etwa 95 dbA wissen.

Die Frau neben mir zog ihren Kopf wieder aus ihrer Achsel und verließ mit ihrem Mann fluchtartig die Bäckerei. Sie hatte Tränen in den Augen.

"Geben Sie mir doch einfach die drei Baquettes. Einfach so. Was macht das?"

"DA MUSS ICH ERST MAL FRAGEN!!!“ Tob, schrei, brüll. Ich war paralysiert.

"DAS MACHT DREIIII EURO!!"""„ okok. Ich gab ihr das Geld und sie mir die Baquettes. Eingewickelt in die üblichen halbhohen Papiertaschen. Ich verließ die Bäckerei im Geiste schleichend wie in einem Mafiafilm, die Baquettes wie Maschinengewehre unter dem Arm. Und hörte hinter mir einen markerschüttertenden Schrei.

"SCHNEIIIIIIDEN??????"


Ein Tag am Meer


Ziel: Insel Juist. Die Nordsee-Inseln Deutschland sind mit Tausenden Pickeln übersät: Strandkörbe. Man zahlt eine Tagesgebühr und dreht "seinen" Strandkorb entweder in oder aus der Sonne.

Sommer. Sonne. Wir buchten einen Strandkorb. Kein Hund dabei. Das Wasser war zu kalt zum schwimmen. Ich hatte glücklicherweise meinen Walkman mit. Warum es ein Glück war, kommt jetzt.

Circa 30 Minuten nach unserer Ankunft am Strand hatte sich eine vierköpfige Familie für den nächstgelegenen Strandkorb entschieden. Nur drehten sie ihn um 180 Grad. Wir guckten aus zehn Metern Entfernung frontal in ihren Strandkorb. Was uns schon mindestens verwirrte. Normalerweise sucht man in den Dingern eine gewisse Privatsphäre. Nicht jetzt.


Sie hatten zwei dicke Sporttaschen dabei. Und Bälle, Federbälle, Bumerangs. Sie starteten das Auspack-Programm. Erst kamen die Taucherbrillen. Er war wohl Lehrer. Hängte jede Brille minutiös an die obere Reling des Strandkorbes. Dann kamen die Schnorchel. Dann die Flossen. Alles mit Kleiderbügeln.

Nun holte er mehr davon raus und befestigte sie im oberen Rohrgeflecht. Sechs Stück. Dann kamen die Bademäntel auf zwei Bügel. Die anderen vier wurden mit Handtüchern bewaffnet. Seine Frau saß schon im Strandkorb und war fast nicht mehr zu sehen. Die beiden Kinder, die unbedingt schwimmen gehen wollten, zogen sich aus. Er holte die nächsten Kleiderbügel raus. Und hängte die Klamotten auf. Es wurde langsam eng. Seine Frau war im Strandkorb verschwunden.

Er hatte Pech mit den Bügeln. Beim Aufhängen stieß er gegen den jeweils Nächsten und der fiel in den Sand. Also den Bügel aufgehoben, das Handtuch abgenommen und penibel ausgeklopft. Dazu holte er einen kleinen Badminton-Schläger aus der unendlich großen Sporttasche.

Hängte das sandige Handtuch vor den "Eingang" des Strandkorbes und schlug drauf.

Woraufhin seine Frau schreiend aus der minimalistischen Behausung sprang um sich den Sand aus den Augen zu wischen. Wobei sie alle Bügel abriss und das ganze hängende Theater im Sand landete.

Wir entschieden uns daraufhin spontan für Sonnenbrillen, weil wir fast weinten. Ich drehte den Walkman an und lauter um mich abzulenken.

Er klopfte also daraufhin den Sand aus einem Handtuch um seiner Frau das Gesicht sauber zu wischen. Nur hatte er dabei ein Stück Teer im Sand erwischt - an Nordseestränden nicht ungewöhnlich. Sie hatte einen dicken fetten schwarzen Strich im Gesicht. "Oh" sagte er.

Und begann wie bekloppt in ihrem Gesicht rum zu rubbeln. "Aua." Hörten wir. Und konnten fast nicht mehr hinsehen.

Dann kamen die Kinder wieder zurück. "Das Wasser ist so kalt!" Nur waren sie drin gewesen und bedurften der Trocknung. Die Handtücher lagen aber alle im Sand. Er hob eines auf und schlug es heftig aus. Wobei er wieder seine Frau versandete, die nun auf dem Teer in ihrem Gesicht einen feinen Sandbelag hatte.

"Papa, wir wollen ein Eis!" Die Eisbude war direkt um die Ecke. Das passte ihnen insofern, als dass sie die Kinder erst mal wieder los waren, um die Handtücher und Bademäntel nach Kräften zu reinigen. Er holte seine Brieftasche aus seiner Hose und wollte ihnen Kleingeld geben. Wobei er die falsche Seite öffnete und der gesamte Inhalt - Scheine und Münzen - im Sand landeten.

Er kniete sich in den Sand um das Geld auf zu sammeln. Fertig. Gab das Geld den zwei Kindern. Rappelte sich wieder auf. Schlug wieder die Handtücher und Bademäntel aus und hängte alles auf. Seine Frau war wieder unsichtbar im Strandkorb. Er hatte es noch nicht geschafft, sich auszuziehen. Aber jetzt überkamen ihn wohl Urlaubsgefühle. Er holte aus der anderen Tasche eine Videokamera. Er ging drei Meter in unsere Richtung und begann den Strandkorb zu filmen: "Komm mal raus und wink mal!"

"Was?" hörten wir aus der Tiefe des Korbes.

"Komm raus und wink mal!"

Und während der nächsten zehn Sekunden erschien ihr verteertes Gesicht und versuchte aus dem zugehängten Strandkorb rauszukommen. Wobei alle Bügel wieder in den Sand und auf sie drauf flogen. Zu allem Überfluss hatte sie in der Zwischenzeit eine Lesebrille aufgesetzt um in der Finsternis des Korbes wohl etwas lesen zu wollen.


Die saß jetzt schief auf ihrem Gesicht, ein Handtuch lag auf ihrem Kopf. Er hatte aber schon die Kamera laufen. "Mist, alles noch mal..."

"Was?"

"Los, hilf mir...“ Er begann alles aufzusammeln und wieder hin zu hängen. Stück für Stück.

"Papa, guck mal", einer der beiden Jungs, vielleicht vier, stand aus dem Nichts kommend stolz neben dem Strandkorb und hob ein fettes Eishörnchen hoch, mit dicken Kugeln drauf. "Willst Du auch mal?“ Falsche Frage. Papa wollte sich das Eis schnappen, stellte sich aber nicht so hundertprozentig eismannmäßig an.

Er war über ein Handtuch gestolpert und mit der Nase im Eis gelandet. Jetzt lagen die Eiskugeln im Sand.

"Uuaah, ich will ein Neues...!“ schrie der Junge. "Jaja, " er griff in die Hosentasche, "aber Geld müsstet ihr noch haben?" Er wühlte in seiner Hose rum. Und trat dabei aus Versehen in das Eis im Sand. Es sah nach Waldmeister und Pistazien aus.

"Aaah, verdammt!" Er hatte nämlich - ohne dass wir es sonderlich bemerkt hatten - in der Zwischenzeit völlig normal die Schuhe ausgezogen und war barfuss. War. Zwischen seinen weißen Zehen quoll das Eis hervor.

"Was ist?" tönte es von innen. "Nichts," erwiderte er, womit er auch nicht Unrecht hatte. "Muss mir mal gerade die Füße waschen...“ Er humpelte in Richtung Meer. Die Jungs liefen wieder zum Eismann.

„Warte“, rief sie von innen.

Sie kam aus dem Strandkorb, die Lesebrille schief auf ihrem Gesicht und trat nun ebenfalls in das Eis.
„Iiiih, was ist das denn…!“ rief sie und humpelte auf einem Bein aus ihrer Umgebung. Wobei sie sich kurzfristig mit einer Hand am Strandkorb festhalten wollte. Sie riss dabei alle Bügel und alles Aufgehängte ratzfatz ab. Das ganze Theater lag wieder im Sand.


„Mama!“ Eine Jungenstimme näherte sich.

Mama stand auf einem Bein vorm Strandkorb, ein bisschen Teer mit Sand im Gesicht, die rote Lesebrille schief auf der Nase und trug auf bleichend weißer Haut mit Krampfaderneigung einen roten Badeanzug.

„Was ist denn?“

„Ich habe Erdbeereis!“ Der kleinere ihrer Söhne – unterstellt sie waren es – kam angelaufen und hielt sein neues Eis hoch.
„Iiiiih, was ist das?“ Er stand nun seinerseits im vorher verlorenen Pistazieneis im Sand und hob angewidert seinen Fuß hoch.

„Pass auf,“ rief Mama, „dein Eis, vorsicht…“

Beide standen jetzt auf jeweils einem Bein im Sand. Der Junge haderte mit seinem Gleichgewicht, wobei sein neues Eis ebenfalls Probleme mit der Schwerkraft bekam.

„Mammaaaaa!“ schrie der Junge.

Mama stand auf einem Bein und versuchte mit ihrer rechten Hand das drohende Malheur aufzufangen. Es gelang.

Jetzt hatte sie Pistazien-Eis zwischen den Zehen und in der Hand ein Erdbeereis-Bällchen beziehungsweise dessen frisch gefangene Reste.

Papa kam vom Meere zurück „Was macht ihr denn da?“

Nichts. Natürlich nichts. Jedes andere Wort hätte sich auch verboten. Von TUN konnte ja nicht die Rede sein.

Die Frau stand immer noch auf einem Bein mit einem unfassbar dämlichen Gesichtsausdruck, ganz abgesehen vom Teer im Gesicht, ihrer ohnehin leicht derangierten Physiognomie und der schiefen Lesebrille.

Wir konnten einfach nicht mehr hinsehen. Und unseren schweren Lachkrampf sowieso nicht mehr verbergen


Blues n Gips

Es gibt eine ungemein erfolgreiche Art der kontinentalen Fortbewegung. Du stehst 50 km südlich von Kopenhagen an der Autobahn. Samstagnachmittags, die Sonne scheint, blauer Himmel. .
Du hast den rechten Arm komplett in Gips. Gips ist normalerweise weiß. Mein Arm war es nicht mehr. Bemalt von oben bis unten , dreckig war untertrieben. Meine Haare - zum Zopf gebunden - und ein sehr guter Vollbart, ein US-Parka plus Cowboystiefel.
So stehst Du an der Autobahn und trampst von Kopenhagen nach Köln. Nichts einfacher als das. Alle haben Gas gegeben wenn sie mich nur sahen.

Nach sechs Wochen sieht ein Gipsarm ziemlich scheisse aus, wenn Du damit gelebt und nicht nur im Bett gelegen hast. Vor allem wenn Du damit durch halb Europa trampst.

Das kam so: Ich hatte einen Job bei einem Freund, Bauunternehmer. Ich sollte ein komplettes dreistöckiges Fachwerkhaus in Bayreuth zerlegen, um es später bei Köln wieder aufzubauen. Wir also mit dem Truck runter.

Es war ein sehr großes, gut erhaltenes Fachwerk aus Eiche.
Habe alle Wände (Lehm und Stroh) rausgeschlagen. Dann die Zapfen der Querbalken. Dann die tragenden Balken nach und nach.
Und dann brachen die Stiele unserer handlichen Vorschlaghämmer ab und irgendein Hirni kam auf die Idee, Eisenrohre an die Hammerköpfe zu schweißen. Dann schlug ich weiter: Firstbalken, die Stockwerke, Zwischendecken, Seiten- und Stützbalken, kurz: das ganze Haus kurz und klein, alles in Kreide brav durchnumeriert.
Dann verluden wir (wir waren nur zu dritt) das ganze Teil auf einen riesigen Holztransporter.

Eine Woche später war mein rechter Arm völlig gelähmt. Alle Sehnen waren entzündet, vom Handgelenk bis zur Schulter. Ausgerechnet rechts. Was bedeutete, Du kannst nix tun. Nicht schreiben, nicht fotografieren, nix. Also tu auch nix. Der Frühsommer kam. Wie praktisch.

In diesem Fall ließ ich mich von Freunden auf ihren Weg nach Schweden bis ins süd-dänische Prestò mitnehmen.

Dort lebte ein befreundeter Maler - Lebenskünstler sondergleichen.
Mit meinem rechten Arm in Gips konnte ich immerhin Kontrabass spielen. Und Ente fahren ging wegen der Pistolenschaltung auch - ziehen, drücken, ziehen, drücken.
Wir fuhren in seine Zweit-Wohnung nach Kopenhagen. Trafen ganze Künstler-Kolonien, holten Jazz-Jams nach, kifften und soffen. Fuhren bei schönen Tagen aufs Kattegat raus, um Dorsche zu fangen. Wobei ich immer mal wieder den unmittelbaren
Zusammenhang einer völligen Flaute und heftigster Seekrankheit zu spüren bekam. Glücklicherweise war unsere freakige Anglertruppe bis unters Deck versorgt mit eiskaltem Starkbier, was das Bewusstsein dann wieder positiv beeinflusste.

Damals funktionierte der Freistaat Christiania im Herzen Kopenhagens noch, Freaks und Künstler aus allen Nationen hatten dort Platz. Und wir halt mittendrin, mit Musik, Dope, Bier, Kunst und dem Diskussionsbedarf jener Jahre, in denen Zappa, Robert Crumb und Charles Bukowski längst ihren guten Ruf schon soweit verspielt hatten, dass sie berühmt wurden. So sah denn auch mein künstlerisch verzierter Gipsarm aus.

Nach fünf Wochen wagte ich einen Blick hinter die dunkelgraue Masse. Was ich sah, bewog mich umgehend die Heimreise anzutreten. Die Art und Weise siehe oben.

Ich stand nunmehr viereinhalb Stunden an der Zufahrt zur Autobahn nach Ròdby. Als ein alter britischer Vauxhall langsam auf mich zurollte und anhielt.


Ein älteres Ehepaar, sie schlohweiße Haare, eine alte amerikanische Flügelbrille in hellblau auf der Nase, sie beugte sich über ihren Gatten (Rechtslenker) und fragte mich:

"You`re waiting quite a while, ain`t it?"

Ich war fassungslos.

"Yeah, ma`am. quite a lot of whiles actually."

"Where you need to go? Ròdby?"

"Yes."

"Well, we too. So have a seat." Er öffnete die hintere Türe und bat mich einzusteigen.

"Probably you can tell us some stories about this strange country?"

"Hope so. So what do you think is strange up here?"

"We had been in sweden. All the ferries are drunk as hell." Ich erklärte ihnen, das Schweden nun mal eine Art Indianerreservat war - Alkohol verboten. Deshalb fuhren jedes Wochenende oder wann es immer es passte, alles was zwei Beine hatte nach Dänemark um sich schon an Bord sowie den folgenden drei Tagen völlig ins Koma zu saufen. Komasaufen ist also keinesfalls ein Relikt der beginnenden 2000er Jahre, sondern eher Tausende Jahre alt - vor allem was den Norden angeht.

Es wurde ausgesprochen lustig. Da ich ohnehin Anhänger des britischen Humors sowie der Sprache war und bin, und mich meine "Retter" wohl nur aufgrund ihres ausgesprochen schwarzen Humors mitgenommen hatten ( sie ließen sich sogar auf dem Schiff mit mir ablichten...), war die Fähre also um ein ziemlich schräges Trio reicher.

" Is it possible to drink and drive in germany?," wollte er wissen.

"No whiskey and not too much beer!"

"And what about me?" sie darauf.
“Oh you can drink what ever you want..."

Sie lachte schallend und bestellte sich einen Scotch ohne Eis. Ob ich schon mal in England gewesen sei? Klar, sagte ich, klar. Wo? "Bradford, Yorkshire...!"

"Tell us about it. Tell me your story from Yorkshire. Cause whoever comes to yorkshire will have a damn story to tell..."
Sie - hieß übrigens Sally - lachte wieder schallend.

Womit sie natürlich wieder mal Recht hatte. Jeder, der einen sehr engen freundschaftlichen Draht zur Bevölkerung der Yorkshire Dales hat, kommt um Dinge einfach nicht rum. Und wenn sie sich erst mal nicht dort ereignen.

Einer meiner besten alten Freunde war Bluesman aus Bradford. Er tourte jedes Jahr mit seinem alten Bedford-Bus, voll mit Gitarren und Verstärkern, durch halb Europa und spielte in Hunderten Kneipen und auf Festivals. Eines Tages stand er mal wieder vor meiner Türe, "he arrived at my flat in Germany...."

Das Auto war ein Rechtslenker. Deshalb sah ich die Bescherung erst, als ich an der anderen Seite einsteigen sollte. Der Bus war sozusagen auf voller Höhe und Länge vollgekotzt. Acht Meter vollgekotzt. Alles festgeklebt.

"Hey, what the fuck is this?" fragte ich ihn.."Oh, that was Ian. Had too much Beer two days ago."

"What about washing the damn car?" Warum verdammt noch mal spritzte er das Ding nicht einfach an der nächsten Tanke sauber?

"It keeps the thiefs away..." meinte er, das hielt Autodiebe ab.

Sally lachte schallend und wollte direkt wieder einen Scotch. Den nächsten, als ich ihr glaubhaft versicherte, meinen Blueskumpel vier Wochen später mit seinem Bluesbus wiedergesehen hatte...und zwar mit einer konsequent vollgekotzten linken Karrosserieseite..

Ich hätte ihm dann vorgeschlagen, die Kotze zu lackieren. "I think, "meinte er lakonisch, "my wife would kill me..."
Nahe liegend.
Die Flügelbrille wollte jetzt wissen, was mir denn nun in Nordengland passiert sei. "His wedding", also seine Hochzeit war mir in bleibender Erinnerung geblieben.

Es mußte ja was Besonderes sein. Ein Freund hatte eine alte Autowerkstatt am Rande der Stadt - und den einzigen Rolls-Royce Phantom-Beerdigungswagen Englands. Sie kamen in diesem schwarzen Beerdigungswagen - ein monströses Fahrzeug, wahrscheinlich einmal für royale Bestattungen entworfen - bunt und munter zur Hochzeitsfeier.

Zur bunt gemischten Truppe gehörten einige in die Jahre gekommende Hells Angels aus Mittelengland. Passenderweise wohnte ich bei einem von ihnen. Er hatte längst mit seiner Frau ein bürgerliches Leben eingeschlagen. Was nicht hieß, ihn in
irgendeiner Art und Weise als "ungefährlich" einzustufen.

In jedem Pub, den wir betraten - es waren mindestens die Hälfte aller Pubs in Bradford - stellte er sich direkt mit dem Rücken an die Wand. Was das sollte?

Nun, er klärte mich detailliert auf. Er habe eine Spezialausbildung einer besonders geheimen Truppe innerhalb des MI5, des britischen Geheimdienstes hinter sich. Nur soviel sei gesagt: Er arbeitete damals als Vorarbeiter in einem Stahlwerk in Yorkshire. Eines Tages suchte ein garstiger Kollege ihm von hinten mit einem Stahlträger Kopf und Schultern zu zertrümmern.
Er benötigte anschließend nur zwei Finger (Daumen und Zeigefinger, er hat mir den Griff gezeigt) um den Mann für Wochen auf die Intensivstation des nächsten Krankenhauses zu befördern.

Der Richter hatte im folgenden Prozeß wenig Spaß. Der Vorsitzende machte ihm klar, dass alle seine Ausbildungen aktenkundig seien. Sollte er jemals wieder diese Fähigkeiten einsetzen, hätte er mit lebenslanger Sicherungsverwahrung zu rechnen.
Alles klar? Ok. Mir war alles klar. Sollte er ruhig mit dem Rücken an der Wand stehenbleben.

Sally fand das alles superinteressant.

Sie bestellte uns direkt noch ein Sixpack auf der Fähre. In Hamburg verabschiedeten wir uns dann. Die Bundesbahn entließ mich nach Köln. Montags kam der Gips ab und ein völlig schlohweißer dünner Arm zum Vorschein.

Hätte ich doch bloß den Gips aufgehoben. Ich glaube heute noch und könnte fast schwören, es war ein echter Keith Haring drauf.


ich erlaube mir eine kleine Zusammenstellung von Beiträgen, die ein kleines Verständnis unseres Lebens durchaus treffend erfassen.


Aus

DER FALL RAUTAVAARA

„Die Kirche der Überwacher hat den Kongreß dazu gebracht, das Gesetz zu verabschieden. Eigentlich wollten Sie , also diese Kirchenleute, ein jüngeres Alter. Sie behaupteten, die Seele würde im Alter von drei Jahren in den Körper eintreten. Aber es wurde eine Kompromißvorlage durchgesetzt.
Der Kongreß hatte einen Text eingeführt, ein ungefähres Alter zu bestimmen, bei dem die Seele in den Körper eintritt.“

Philipp K. Dick, 1987


Aus

THE SECRET DOCTRINE

„Das platonische große Jahr umfasst 25.920 unserer Jahre. Alle Himmelskörper sind auf das Kosmische Uhrwerk abgestimmt, welches das kreisende Universum reguliert. Wir sind buchstäblich lebende Zellen im Organismus eines großen Wesens.“

H.P. Blavatsky, 1890


Aus

THEOSOPHISCHES WÖRTERBUCH

„Ein Tag Brahmas entspricht 4.320 Millionen an Jahren, Brahmas gesamtes Leben (unseres Universums) umfasst NOCH 155 Billionen, 520 Milliarden unserer Jahre“

Gottfried von Purucker, 1935


Aus

TOTAL DIGITAL

„Beim Fernsehen ließen sich ein einstündiges Video in wenigen Sekunden übermitteln. Anstatt 1.000 dieser Programme für jedermann zu übertragen, könnte man ein Programm pro Person in Eintausendstel der Echtzeit übermitteln. Dies würde unser bisheriges Bild des Mediums Fernsehen grundlegend verändern, denn das Versenden wäre völlig losgelöst von der Geschwindigkeit mit der wir als Empfänger diese Bits konsumieren.“

Nicolas Negroponte, 1995


Aus

KRISEN DES KAPITALISMUS


“Zwischen den persönlichen und den öffentlichen Interessen von Politikern gab es immer schon eine gewisse Spannung, doch in jüngster Zeit wird sie durch die weitverbreitete Neigung verschärft, finanziellen Erfolg über wesentliche Grundwerte wie Ehrlichkeit zu stellen. Das Eigeninteresse hat die Politik korrumpiert.“

George Soros, 1998


Aus

POEMS WRITTEN BEFORE JUMPING OUT OF AN 8th STORY WINDOW


“Seit Neuestem kriege ich Briefe von einem jungen Dichter, in denen er mir ständig versichert, dass ich eines Tages ganz bestimmt als einer der großen Dichter der Weltliteratur gehalten werde.
DICHTER. Was für ein hochtrabendes Wort.
Heute ging ich durch die Hitze und die staubigen Straßen dieser Stadt. Sah nichts, lernte nichts, war nichts.
Und obwohl ich diese Briefe des jungen Dichters aufgehoben habe, glaube ich ihnen nicht.
Nur manchmal sehe ich mir sie an, wie die krebskranken Palmen und das Sterben der Sonne.“


Charles Bukowski, 1977


Aus

„Ufos und die Beschaffenheit von Wirklichkeit“


„Wenn ihr in Anbetracht von zehn Milliarden Sonnen in der Milchstrasse meint, dass dieser mitleiderregende Staubfleck , dieser Smaragd mit der gelben Sonne im äußersten Winkel des Geistes Gottes, der einzige Planet ist, der Leben beherbergt, dann bedürft ihr einer Vision.“


Judi Pope Koteen, 1994


Rock-Lyrik


„I am just sittin here, and wasting time,
drinking, smoking, thinking,
try to free my mind:”

Kid Rock


Legende


Gott als Topos des Science Fiction wird meist polemisch behandelt. Ich ziehe es vor, ihn als etwas Anregendes zu betrachten. Was wäre, wenn er durch psychedelische Drogen , religiöse Erfahrungen im Leben von Intellektuellen alltäglich würde.?
Der alte Atheismus müsste von heute an das Feld räumen.
Science Fiction sollte sich ganz unvoreingenommen damit befassen. Mit einer zukünftigen neomystizitischen Gesellschaft, in der Theologie eine Macht hat wie zuvor im Mittelalter.


Philipp K. Dick 1987


Im Westen

1986 verschlug es mich in eine leicht abenteuerliche Gegend. Ich hatte die Chance, für ein bekanntes deutsches Nachrichtenmagazin eine Reportage über die legendäre Four-Corners-Area im Süden der USA zu machen. Utah, Arizona, Colorado und New Mexico.

Und hatte das unglaubliche Glück, bei einer sehr warmherzigen Familie im Indianerreservat der Zuni in New Mexico unterzukommen. Nicht einfach unterkommen. Wir sind bis heute - auch wenn wir uns nicht sehen - enge Freunde und hören regelmäßig nach, wie es uns so geht.

Ich war damals de facto im Wilden Westen gelandet. Gewöhnungsbedürftig war die Bewaffnung der Bevölkerung. In jedem Pickup hingen hinten mindestens zwei Gewehre drin. An der rückwärtigen Scheibe. Zuni liegt südlich von Gallup/NM. Die Stadt war damals noch eine ziemlich harte Kiste. Sie ist die Schnittstelle von fünf Indianer Reservaten: der Navajo, Zuni, der Hopi, der Apachen und Teilen der Sioux.

Die Reservate waren und sind alkoholfreie Gebiete. Den Einwohnern fehlt wie bei einigen Asiaten das entscheidende Gen zum Verdauen des Stoffs. Mir nicht. So fuhr ich jeden Tag 60 Meilen zur nächsten örtlichen Ausgabe, um mir mein Sixpack zu holen und wieder zurück. Du lernst in New Mexico cruisen. Jeden Tag 120 Kilometern um Dir Bier zu holen. Ein altes AM-Radio krächzt irgend ein KT-Programm, der Achtzylinder blubbert dich durch die Gegend. Hatte was.

Meine Gastgeber waren faszinierende Menschen. Er ist Franzose und beim Trampen irgendwann um Woodstock in den Siebzigern hier hängen geblieben. Sie hatten sich damals kennen- und liebengelernt. Sie ist ein waschechtes Westernmädchen mit einer faszinierendes Geschichte.

Emmy gehört zu dem ganz alten Western-Clan der Vander Wagens. Ihr Ur-Großvater kannte Billy the Kid. Kein Scheiß. Billy the Kid hieß im richtigen Leben John Miller. Geboren wurde er der familiären Überlieferung nach 1859. Seine Frau hieß Isadora. Die beiden adoptierten damals eine Navajo-Waisen und tauften ihn auf Max Miller. EInen Indianer. Jedenfalls war John Miller ein klassischer Outlaw im Wilden Westen. Und da hing ich jetzt drin.

Eines Tages war ich mit dem Chevrolet El Camino meiner Gastgeber - eine unglaubliche laute Kiste - wieder in Gallup unterwegs. Damals gab es noch keine Handys in New Mexico. Ich hatte mit meiner Gastgeberin verabredet, sie bei ihrem 75jährigen Vater abzuholen. Klappte nicht so ganz. Er hatte vorher einen Indianer mit seiner Pumpgun erschossen. Die Leiche war schon weg als ich ankam.

Der alte Mann war völlig fertig. Der Indianer war sturzbetrunken bei ihm eingebrochen und wollte dann mit einem Hirschfänger auf ihn los, ein Messer 30 Zentimeter lang. Er hat dann nur noch abgedrückt. Eine Pumpgun hat eine gewisse Nachhaltigkeit. Sie hinterlässt unübersehbare Spuren.
"POLICE LINE.DONT CROSS". Es ist wie im Film. Du stehst davor und weißt, hier geht nix mehr. Das war nur kein Film. Nein. Die Leiche war weg aber echt, die Pumpgun ebenso wie das Blutbad im Haus. Und glücklicherweise auch das Mitgefühl der Cops mit unserem alten Herren. Sie ließen ihn laufen. Gallup, New Mexico 1986. Hier gehen gewisse Uhren anders.

Beeindruckend war auch die für meine Freunde völlig normale wöchentliche Fahrt nach Albuquerque, rund 400 Kilometer vom Reservat entfernt. Ich musste da mal eben was abholen. Und bin gegen 21 Uhr im Dunkeln zurückgefahren. Die Einsamkeit ist sprichwörtlich. Vor allem wenn im Scheinwerferlicht Wildpferde auf der Interstate auftauchen. Dann bist Du alleine in Deinem PickUp der einsamste Mensch der Welt. Die Pferde bleiben nämlich schlagartig stehen sobald der Scheinwerfer sie erfasst. Vor mir stand - ich hatte das Fernlicht an - ein riesiger weißer Hengst. Auf der Fahrbahn. Und sah mich an.


Glücklicherweise hatte ich mein Sixpack schon in Albuquerque gekauft. Und weil man in allen amerikanischen Filmen sieht, wie Leute in alten Pickups Bier trinken, passte das in diesem Moment. Die Hupe des Wagens hatte etwa 120 dbA. Der Hengst wollte dann auch nicht mehr gucken und trollte sich. Einige Meilen weiter hatte ich dann echtes Glück. Ein pechschwarzes Wildpferd versuchte mich zu überholen.

Man kann ja nur 50 Meilen fahren. Und im Rückspiegel in völliger Dunkelheit ein schwarzes Pferd ohne Reiter heranrasen zu sehen, hat auch was. Aber sie wollten wahrscheinlich nur spielen.

Für einen Deutschen ist das Langsamfahren in den USA absolut nervend. Bei uns gibst Du Gas und siehst zu, schnellstmöglich nach Haus zu gelangen. Das ist drüben ein Problem. Weil selbst in den entlegensten Winkeln von New Mexico nachts Streifenwagen hinterm Gebüsch stehen und darauf lauern, Dich zu fangen. Selbst in der Nähe von White Sands oder Alamogordo nicht weit von der mexikanischen Grenze. Und selbst in der Nacht tragen die Sheriffs Sonnenbrillen.
Aber bei einer Geschwindigkeit von 50 Meilen in der Stunde tuckerst Du sowieso nur so rum. Und 400 Meilen in der "Geschwindigkeit" hinzulegen, ist schon mindestens bemerkenswert. Für einen Europäer. Übrigens gibt es kaum eine schwärzere Nacht als die Hochebene von New Mexico. Glücklicherweise sind die Autos so drauf immer laufen zu wollen. Ich hätte ein Dutzende Sixpacks verdrücken können bevor ich endlich im völlig schwarzen Loch Zuni ankam.

Ein anderes Ding: Die alten Indianer wollen nicht fotografiert werden. Ich hatte zwar ein lockeres Arrangement mit einem Altenheim, in dem wirklich alte Häuptlinge und Schamanen der verschiedenen Stämme lebten. Aber sie wollten es dann doch nicht. Die Kamera stiehlt ihre Seele. Das war ihre felsenfeste Überzeugung. Und das Wort der Alten hatte ein unglaubliches Gewicht in allen Stämmen. Auch beim örtlichen Pow Wow, den traditionellen Tänzen und Beschwörungen, war jede Kamera streng untersagt. Sie hatten Aufpasser. Diese Tänze fanden ohnehin - zu meiner Zeit dort - niemals zur Belustigung irgendwelcher Touristen statt, sondern ausschließlich zu magischen Zwecken und Beschwörungen innerhalb des Stammes.

Aber sie erzählten mir unglaubliche Geschichten: Im Hopi-Reservat gäbe es Schamanen, die sich in einem Fluß auflösen konnten und einen Kilometer weiter wieder als Körper aus dem Wasser stiegen. Einen durfte ich mal treffen. Er lachte sich ständig kaputt, als ob er schlicht und einfach jeglichen Faktor der Unendlichkeit und des Kosmos sowieso im Griff hätte. Er lachte und lachte und lachte.

Er hat mich nicht aufgefordert es nachzumachen. Sondern mir sehr simpel klargemacht, daß ich im Falle eines Versuches sofort tot gewesen wäre. Ich ließ es. No explanation. Auch weil ich nie im Leben derart viele Peyote- und andere Pilze geschluckt hätte. Er und seine schamanischen Freunde taten es auch häufiger im Rio Grande. Ein heftiger Fluß, blutrot, völlig versandet und riesig groß. Ich habe niemals versucht, diese Erlebnisse jemand zu erzählen, weil mich jeder ohnehin für völlig bescheuert gehalten hätte. Aber Wasser-Schamamen sind wohl Realität.


Und das ist auch unsere Welt. No doubt. Wir sind dagegen in Europa und der westlichen Welt nahezu degeneriert gegenüber den wahnwitzigen Mächten der Natur. Aber die hatten dafür andere Ecken ab. Unser Schamane stieg nach seinen Geschichten einfach in seinen Schrotthaufen von Auto, lachte laut, gab Vollgas und überfuhr eine große helle Katze, die mitten und unübersehbar auf der Strasse friedlich stand. Einfach so. Sie schrie vor Schmerzen. Niemand kümmerte sich. Der Mann lachte nur schreiend laut. Was für ein Arschloch.

Was ich bis heute nicht klären konnte ist, ob es sich dabei nicht zufällig um Außerirdische gehandelt haben könnte. Weil er soviel gelacht hatte, dass eine Verständigung ohnehin nicht machbar gewesen wäre. Und Roswell war ja nicht wirklich Lichtjahre entfernt. New Mexico nennt sich ja nicht umsonst "The Land of Enchantment". Bis Roswell waren es etwa 200 Kilometer.


Und dort gab es Forscher.

Budd Hopkins hatte ein ungewöhnliches Hobby. Ich traf ihn in Frankfurt. Der New Yorker Bildhauer fotografierte und interviewte Menschen. Nur mit einem bestimmten Hintergrund . Das Motiv: Ihre Narben. Aber nicht irgendwelche. Ihnen wurden sämtlich von Außerirdischen Gewebeproben entnommen. 260 Opfer hatte Hopkins bis zum Oktober 1989 rund um den Globus aufgespürt.


Dass die zahllosen EiInschnitte, Amputationen und Kratzer von Aliens entnommen wurden, daran hatte Hopkins, ein seriös ergrauter Mittfünfziger, keine Zweifel.

Ich traf ihn auf einem internationalen UFO-KOngreß im Oktober 1989. "Die Leute", so Hopkins voller Überzeugung, "die Leute haben heute noch Angst wenn sie daran zurückdenken!". Die Pröbchen seien in der Regel in Raumschiffen entnommen worden, praktischerweise.


In Hypnose, wusste Budd Hopkins aus New York, dass hätten ihm alle Betroffenen dies bestätigt.

Die weitaus häufigste Spezies von Außerirdischen, die mal hier und da auftauchten, war oder ist heute noch maximal 1,50 Meter groß, hatte oder hat einen riesigen Schädel und war oder ist eher schlank, ebenso wie die neugierigen Hobby-Chirurgen.

Es gab eine Disput beim Großen Welt-UFO-Kongreß in Frankfurt. Stanton T. Friedman, seines Zeichens ein Nuklearphysiker aus dem kanadischen New Brunswick, hatte damals schon 31 Jahre UFO-Forschung hinter sich, hielt die "Doktoren" für Humanoiden, für Roboter. Johannes von Butlar dagegen, das Pendant für Erich von Däniken in Deutschland sagte mir dagegen: "Ich halte sie für Originale!"

Doch egal. Einig war man sich übereinstimmend daran, dass es zahllose Varianten Außerirdischer gibt. Groß, Klein, Dick, mit Kopf, ohne Kopf. Manche, so sprach ein sowjetischer Augenzeuge, hätten nur gar fünf Zentimeter Durchmesser.
Das Strichmännchen sei in der früheren Sowjetunion aufgetaucht, wo drei Gebiete für die Aliens besonders attraktiv seien: Leningrad, Kiew und Tibilissi in Georgien.

Dort liefen mit Vorliebe bis zu drei Meter große Spezies rum, die ständig nach intergalaktischen Passagieren Ausschau halten: "Wollen Sie mitfliegen?" Alle waren natürlich immer nackig und hatten eine silberne Haut. Anziehen tut man sich ja nicht im Kosmos. Und natürlich wollte jeder mitfliegen...

Jedenfalls standen sich damals auf dem großen UFO-Kongreß zwei Welten gegenüber. Zum einen die altgedienten UFO-Rechercheure, Astro-Physiker und Meister der Esoterik gegenüber prominenten US-Wissenschaftlern. Diese Fraktion sagte angesichts der angeschleppten Berge von Bergkristall immer nur : "Garbage, Garbage"...was "Müll" heißt.

Diesen wiederum verbal zu produzieren wiesen Stanton T. Friedman und seine Kollegen weit von sich. Er, Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Verbänden der USA, legte ein besonderes Augenmerk auf ein weit zurückliegendes Ereignis.

Am 2. Juli 1947 war in Roswell, New Mexico im Süden der USA ein UFO abgestürzt. Die Überreste wurden natürlich von der US Air Force geborgen. Seitdem ist dem "Roswell-Case" in den Archiven des Pentagons verschwunden und die Gegend drumherum als "AREA 51" zum mystischen Symbol der wiederum von Menschen gekidnappten Aliens geworden.

Friedman und andere, darunter auch der Autor des "Bermuda-Dreiecks" Charles Berlitz, befragten in den achtziger Jahren rund 92 Personen, die an der Bergung des UFO-Wracks beteiligt waren. Alle Aussagen wiesen damals auf eine fliegende Untertasse hin. Die Besatzung kam bei dem Absturz ums Leben. Makaber genug: Die Fotos der verkohlten Aliens waren die Sensation schlechthin.

Was die versammelten UFO-Forscher in Scharen zum Kongreß trieb, war die außergewöhnliche Häufung von Sichtungen unbekannter Flugobjekte seit 1987. Was zudem damals die sowjetische Nachrichtenagentur TASS schriftlich bestätigte. Die aktuelle Sensation zur Veranstaltung sollte sich am 7. Mai 1989 ereignet haben.

Über Südafrika sei ein UFO von zwei Kampfflugzeugen abgeschossen worden sein und seither in militärischer Verwahrung. Seitdem haben sich die UFO-Sichtungen bis heute (2008) nicht gerade nachgelassen, sind aber in ihrer Intensität durch eine anderes Phänomen abgelöst worden, welches ihrer Interpretation nach unglaubliche weitere Dimensionen zulassen. Und kein Schwein weiß was los ist mit den Kornkreisen.


Der Wintergarten


Ein Haus gibt seinen Besuchern in der Regel einen gewissen Betrachtungsspielraum, mal von der klassischen Geschmackssache abgesehen. Relativ einfach in unseren Breiten zumeist der Eckwinkel, 90 Grad in der Regel. Die Eckwinkel werden mit Mauern oder Fenstern verbunden und fertig ist das Haus.
Eines Tages fiel meiner süssen Frau auf, dass unser Wohnzimmer theoretisch einer rechteckigen Vergrößerungsoperation anheim fallen solle: ein Wintergarten wäre doch mal nicht schlecht. Da ich intensive Kontakte innerhalb einer großen deutschen Baufirma habe, war das Nachhören beschlossen.
Der Kollege empfahl mir einen Test. Man wolle ohnehin mal neue Lieferanten prüfen - und ich erhielt Tage darauf einen Anruf aus Süddeutschland. Der gab mir wiederum eine zweite Nummer in der Region („vor Ort“), der würde sich dann melden. Tage später . Der Anrufer bat um einen Termin. Gesagt – getan.

Es klingelte.

Klingeln hat bei uns immer den sofortigen Effekt, dass alle anwesenden Hunde (zwischen zwei und vier) sofort losbrüllen wie Sau und volle Kanne zur Türe stürzen und einen absolut tierischen Krach machen. Wenn dann doch nicht die Tante mit den Leckerchen kommt, verziehen sie sich grollend in die Ecken und Sofas.

„Schmitz, Guten Tag.“

„Guten Tag. Sie sind der Wintergarten-Mann?“ Ich bin manchmal so läppsch.

„Ja. Guten Tag“

„Kommen Sie rein.“

„Ja danke“

„So, gehen wir doch mal rein. Ich zeig`Ihnen dann, wo er hinsoll.“

„Jaja“

Er war korpulent, Mantel, Schal. Er folgte mir auffällig langsam. Ich gehöre beim Sprechen oder mitunter auch beim Denken zu den Speedfreaks – was schon mal zu Kollisionen führt.

„Sehen Sie, es ist ganz simpel. Zwei Meter hinaus und vier Meter quer, also rechteckig. Als Dach ein leichter Giebel, Pressspan mit Rigips-Innenverkleidung.“

Er blickte ein wenig ratlos.

„Viereckig. Hier lang, da lang, und – fertig.“

„Hmmm.“

„Ist das problematisch?“

„Naja, es ist schon kompliziert.“
Was zum Teufel ist an einer viereckigen Glaskiste mit Holzdach kompliziert?

„Haben Sie vielleicht Prospekte dabei? Unterlagen?“

„Neinnein, nein.“

Wieder so ein Typ zum Anschieben. „Kommen Sie in die Küche, möchten Sie einen Kaffee?“

„Sehr gerne, ja.“

Handwerker haben bei uns einen besonderen Status.

1. Sie wollen gepflegt werden.
2. Kaffee gibt es immer.
3. Laß sie niemals alleine. Wenn Sie nicht schon 100mal da waren.
4. Die Nicht-Tierlieben sind ohnehin schnell weg, weil unsere Hunde leidenschaftlich gerne an Ohren knabbern und Handwerker ja immer irgendwo `rumkriechen. Dann kommen sie so schön dran...

Herr Schmitz nahm seinen dampfenden frisch gebrühten Kaffee dankend an:

„Also, ich erkläre Ihnen jetzt mal, wie das bei uns geht. Das scheinen Sie nicht zu wissen. Also wir sind ein Handwerkerkollektiv. Das heißt, wir sind viele Firmen mit verschiedenen Gewerken. Und ich bin der Geschäftsführer. Bei uns kriegen sie deshalb alles aus einer Hand. So praktisch sind wir für den Kunden. “

„Ah, sie sind der Präsident.“

„Ja, hihi.“ Sehr lustig.

„Und?“

„Ich sage immer erst mal Guten Tag, damit die Kunden eine vertrauensvollen Eindruck bekommen.“

Aha.

„Wieso haben Sie keine Prospekte mit?“

„Dafür machen wir einen Extra-Termin. Dann kommt auch der Architekt mit. Wissen Sie, wir haben einen hervorragenden Architekten.“

„Wozu brauche ich den?“ Zwei Meter mal vier Meter mit Holzdeckel. „Und wann könnten sie fertig sein?“

„Also vor März nächsten Jahres ist nichts drin.“

Wir hatten Oktober.

„HÄÄ?“

„Sie brauchen doch eine Baugenehmigung. Bis dat dursch iss – und die Statik muß ja auch bereschnet werden. Dat dauert.“

„Eine Baugenehmigung?“

„Ja selbstverstäääändlich dat. Ohne Bauuuujenehmigung läuft dat bei uns nich. NäNä.“

Er hob beim Kaffeetrinken das kleine Fingerchen an der Tasse hoch wie ein Hund das Beinchen....

„Ja wie geht denn das jetzt bei Ihnen?“

„Also. Wir machen einen neuen Tärmin. Dann komme ich wieder mit dem Arschitekten. Dann der nächste Tärmin mit den jeweiligen Gewärken. Womit wir anfangen, gucken wir dann mal.“

Das Handwerkerkollektiv fusionierte wahrscheinlich gerade mit General Electric, Microsoft und Oracle auf einmal. Anders war der Geschwindigkeitsrausch nicht zu erklären. Ob er weiß wie man „Due Dilligence“ schreibt?

„Kommen Sie – das sind doch nur zwei mal vier Meter?“

Außerdem kann man auch mit einer Bauvoranfrage anfangen. Und wir planten ja noch nicht einmal.

Mir fiel etwas ein: „Wir haben schon mal eine Baugenehmigung beantragt. Das ging aber viel schneller.“

„Für wat denn?“

„Umbau Nebengebäude da drüben.“

„Ja wenn et die noch tut.“

„Das ist aber ein anderes Gebäude,“ meinte ich.

„Ja dann jeht dat nit`, nääää.“

„Ja wat denn nun?“

Kennen Sie den leisen Schmerz zwischen den Ohren?

Er weiter: „Ja un wat iss mit der Heizung? Da müssen wir ja auch noch einen Termin mit unserem Heizungsbauer machen. Wat da alles kommt...“

„Wieso?“

„Ja - wo die Heizkörper hinkommen und so?“

„Haben Sie schon mal Heizkörper an Glaswände gehängt?“

„Dat müssen wir mal gucken...sie haben so Moderne Strahler ...hihi... hier im Zimmer“

„Ich dachte eigentlich an eine Fußbodenheizung.“

„Ohhh - dat jeht jaaaanitt.“

„Wie – dat jeht jaaanitt...???“

„Dat iss wat anderes als ne Heizung.“

„Was tun sie denn da rein? Wir haben Wasser in unserer Heizung. Und Sie?“

„Na ja...da müssen wir auf jeden Fall einen neuen Termin machen.“

„Wir haben einen hervorragenden Heizungs-Installateur, wir brauchen Ihren nicht.“

„Dann muss der uns erst einmal ein Anjebot machen. Bei uns gibt es nämlich alles aus einer Hand – keine Sorje für den Bauherrn also.“

„Und das Dach macht sowieso unser Dachdecker. Der hat das bisher absolut klasse gemacht und bleibt dabei.“

„Dann muss der uns auch erst mal ein Anjebot machen.“

„Wieso? Der macht das für uns und basta.“

„Nä, der muß uns seine Rechnung schicken.“

„Warum das denn?“

„Damit Sie alles aus einer Hand kriejen. Bei uns gibt es nämlich alles aus einer Hand – keine Sorje für den Bauherrn also.“

„Wieviele Termine haben Sie denn so im Schnitt, ehe eine zwei mal vier Meter große Glaskiste steht?“

„Wir ham noch nich über die Elektrik geredet!“ stellte er fest.

„Wir haben Steckdosen. Außenstrom. Ich kann Ihnen so gottverdammt viel Strom hier reinlegen, da funktioniert auch ein elektrischer Stuhl.“ sagte ich.

Er verstand es nicht.

„Hat ihr elektrischer Stuhl Massage?“ fragte er.

Massage wie Sau.

„Ja, „ sagte ich, „ aber ich habe die Kopf-Elektroden noch nicht.“ 220 Volt waren nun mal 220 Volt.

„Nee, dat iss vill zu komplex.“

Wer hatte ihm denn das Wort beigebracht?

„Zwei mal vier Meter Glaskiste sind komplex?“

„Ja. Wir müssen ja noch einen Termin mit dem Fensterbauer machen.“

„Fensterbauer?“

„Ja wie sollen denn die Türen aufgehen vorne?“

„Falten Sie sie einfach nach rechts.“

„Nee, dat jeht nittt. Dann muß der Busch da weg.“

„Und nach links?“

„Nee....das ist zu komplex...zu dick. Wir machen immer in der Mitte auf.“

„In der Mitte?“

„Ja.“

„Sie klappen zwei Meter große Glasflügel nach innen rechts und links weg?.“

„Ja woröm dann nitt???“

Zwei Meter Raumtiefe mit zwei Meter tiefen Glastüren links und rechts nach innen. Gute Idee.

„Und was mach ich mit den Möbeln?“

„Sie wollen Möbel da reinstellen?“

Nein, es sollte ein Iglu werden. Im Sommer Sauna, im Winter Kühlschrank. Wir hatten auch erst vier Saunen und drei Kühlschränke. Und nirgendwo sind Möbel drin.

„Da muss je Jukkapalme rein, wissen Sie? Ich schicke Ihnen auch noch mal unseren Gärtner vorbei, müssen wir n Termin machen.“

„Und wenn Sie die Türen nach außen klappen?“

Meine Frage war simpel. Die Antwort aber auch.

„Dann müssen Sie den Baum da links fällen.“

Der Baum: ein hundertjähriger Ahorn mit einem Stammdurchmesser von weit über einem Meter und einer Höhe von ca. 25 Metern und damit doppelt so hoch wie unser Haus.

„Ne, der bleibt.“

„Dann können Sie die Türen aber nicht nach hinten an den Wintergarten umklappen.“

„Warum soll ich das denn machen?“

„Damit Sie volle frische Luft kriegen !“

„Und wenn Sie die Scheiben falten, krieg`ich nur halbe oder wie?“

Das verstand er auch nicht so ganz.

„Auf jeden Fall müssen wir en neuen Tärmin machen.“

„Wieso?“

„Weil wir im Februar nicht arbeiten.“

„Was?“

„Können Sie unseren Leuten nicht zumuten, verstehen Sie? Karneval können wir nicht arbeiten. Die liegen dann nämlich nur rum. Hahaha. Nee, dat jeht auf keinen Fall. Eine Woche voll auf Tour und dann eine zur Erholung. Also vor März jeht nix.“

Ein Versuchsballönchen, nur mal so: „Ich habe aber schon den Christbaum bestellt.“

Wir hatten noch nie Christbäume.

„Nix ohne Jenehmigung, verstehen Sie? Nicht mit uns. Nä. So – was ist jetzt mit dem Tärmin?“

Bevor ich ihn gegen seine Überzeugung als erfolgreicher Terminmacher rausschmiß....beruhigte ich ihn dann noch, dass ich ja seine Karte hätte, wo mindestens sicherlich bei aller Professionalität auch ganz bestimmt eine Telefonnummer notiert sei und überhaupt das Thema ungeheuer komplex sei und ich jetzt so verwirrt, daß ich erst mal in die Planungsphase eintreten wolle.


Horizonte muß man haben.


La Ultima Moda

Wir fahren in die Innenstadt. Mode, Mode, wohin man auch schaut. Ob das schön ist, weiß ich noch nicht, weil ich sozusagen zur Weiter- , nein, was schreibe ich denn, zur Grun dausbildung meine Frau begleite. Mode. Der unendliche Wahnsinn, des Kaisers neue Kleider. Die Zeit der Wahrheit ist gekommen, ich bin ganz aufgeregt. Über nichts anderes wird permanent derart viel gedruckt, nichts wird derart oft fotogrtafiert wie Kleider: fü Männer, Frauen, Kinder, Dicke, Dünne, Sheriffs, Omas und Opas, Heteros und Reiche. Und ich bin dem Grund auf den Fersen

Das Heiligtum steht inmitten von Paris. Es sieht aus wie ein Schützenfestzelt in Norddeich, es passen aber nicht soviele Leute rein. Denn in Paris gibt es nix zu trinken und nix zu tanzen im Zelt. Dort laufen dafür Mädels über ein Brett, sie sehe auch meistens so aus. Sie haben jedenfalls nichts, was man Holz nennen könnte, vor den klassischen Hütten. Aber das jedenfalls nur Optik. Andererseits ist Frankreich ja das Land der Feinschmecker, hier lebt Gott irgendwo.

Vor dem Innenhof des louvre stehen hunderte Menschen. Sehen alle in die Luft, küssen sich oder gucken pikiert die anderen an. Möglichst aber sind sie alle bestrebt, sich nicht zu sehen,wenn man sich nicht kennt, weil es falsch ausgelegt werden könnte, wenn man den Falschen kennt, der nicht so aussieht, wie man auszusehen hat, hier im Zentrum der textilen Macht, dem Kreml der Ästhetik, der Lubljanka des Outfits.

Ich stehe mit meiner Frau in der Vorhut der Drängenden. Sie ist Fachfrau. Da drüben, sagte sie gerade, stehe Herr Mreierauch, Kunde. Aha. Er wäre schwul, seine Frau dadrüben lesbisch. Sie hätten eine Tochter. Wie geht das? Frage ich mich leise und vergesse prompt schlichte biologische Selbstverständlichkeiten angesichts zahlloser kaputter Geschlechtskompasse in der versammelten ästhetischen Potenz der Fassade.

Ich trage einen grauen Flanellanzug und fühle mich wie ein Dinosaurier im Museum of Modern Arts. Nein, ich habe nichts ggen Minderheiten. Hier gibt es auch keine Minderheit, weil alle entweder schwul oder lesbisch oder krank oder gut im Geschäft sind. Gut im Geschäft ist auch der im Zelt. Und ich bin lar die Minderheit, nicht schwul, keine Millionen, graues Flanell. Outrageous out, outrageous old.

Schau mal, raunt unsere Freundin, der dort...der sieht aus, wie ich keine Freunde habe, denke ich. Schau mal, flüstert sie weiter, Hussimucki......

Wenn ich in dem Zeug rumlaufen würde, käme ich in keine Pressekonferenz oder wenn, ließen sie mich njur einmal rein. Denke ich wieder, sage nichts und sehe angestrengt um zu verstehen.

Er trägt also Hussimucki.Hussimucki für männer – pour Homme. Lassen Sie es mich mal anders versuchen, denn die Artikulation ist schließlich mein Beruf. Er hat also keine Schultern, ist sichtbar mit ohne Hintern, und ist nur wegen seiner ungewaschenen Wangen ein dicklichmännliches Objekt der scheinbaren Begierde. Ungewaschen? Nope – fashion ably dirty, unrasierter Trend. Er trägt dazu eine Sonnenbrille, wie sie Arnold Schwarzenegger im Terminator trägt. Wenn Arnold dazu diesen Huckimucki tragen würde, dürfte er höchstens einen Witz im Beichtstuhl erzählen, aber er dürfte den Beichtstuhl nicht kaputthauen. Deshalb trägt er sowas nicht.

Der Hussimucki-Sergeant trägt die Klamotten seines geistigen Herrn schwarz. Alles hängt. Der Blouson hängt, das Hemd hängt drunter, die Hose hängt. Wenn Schuhe hängen könnten, würden sie auch hängen. Alles hängt schwarz und hängt. Alles. Ich gehe das In-Subjekt näher an und vergleiche die Schwerkraft des Stoffes geistig mit der meiner alten T-Shirts.

Meine alten T-Shirts haben, was ich als Quartals-Hantels-Sportler so an mir habe, die Eigenshaft, ein bißchen nur zu hängen. Also? Also trage ich sie, wenn ich mich pudelwohl fühle und frei Sie sind eine zweite Haut. Meine Frau schreit dann immer, wenn siemich nur sieht. Dabei hängt ausser dem Stoff nix. Meine Arme und Schultern schon garnicht. Aber ich als geborener Machofeind (ich hasse Dummheit) mit der seltsamen Gabe, von tausend Leuten wegen meines Schattens für einen solchen gehalten zu werden, erst recht, wenn ich meine alten englischen Biershirts trage, ich suche den geistigen Sieg – und verliere haushoch, wenn ich nur ein bißchen nachdenke.

Wenn ich in Hussimucki ankäme, würde mich meine Frau zu einer Tunte deklarieren. Wenn ich meine heißgeliebten Shirts anziehe, kriegt sie einen noch größeren Schreikrampf. Jetzt sieht sie mich ganz lieb an. Ich im grauen Flanellanzug, der mir ebensogut steht wie James, dem zeitlosen Bond. In meinen Flanell paßt nicht einmal mehr eine Brieftasche hinein, die Smith & Wesson habe ich sowieso schon zuhause gelassen. Mai 1990.Manchmal ist es einsam im Museum

Der Bonsai-Bond vor mir schwebt mittlerweile, unrasiert. Wenn ich unrasiert bin, schreit meine Frau: „Du kratzt wie Sau“...

Junge Gut-Drauf-Jünglinge umramen sich, atemlose Narzisse, bewußlos vom Nektar der Bedeutung einer Klamotte. Irgendwie liebe ich meine Shirts und meinen Flanell. Ich spanne mich, die Nähte krachen und sehe wieder auf den hochkarätigen Kleiderständer (blass ist er auch)...er trägt einen Zopf.

Ich hatte früher mal einen Zopf. Meine Frau sagt dann immer, dass wir uns dann NIEMALS kennengelernt hätten. Jetzt schauen sie alle auf unser Hussimucki. Die Freundin haucht den Preis der schwarzen Konfitüre. Dafür kriege ich zwei Holley-Doppelvergaser für eine Achtzylinder-Cobra (Nicht Original Shelby) , 40 Kilo Hantelgewichte, paar tolle Schuhe, eine Lenkdrachen und eine Blues Harp.

Melodisches Paris. Ich drücke mich in eine Ecke und versuche nicht unbedingt gesehen zu werden. Dinosaurier sind eben so groß.

Einer unserer Freunde trägt den teuersten Arbeitsanzug, den ich je gesehen habe. Ein nobler Blaumann, eigentlich eine optische Alarmanlage. Muntunu. Hose, Jacke, alles staunt. Und ich bin auf dem falschen Planeten. Als ich ihn das erstemal damit sah, hatte ich mich schon ein bißchen gewundert.Aber weil ich manchmal schlau bin, hatte ich nix gesagt.

Der Anzug eben, aus Blaumann-Stoff (....oh önig der Artikulation, woraus besteht ein Blaumann ? (Stoff !!)... Aha. Er hatte ein Sacco (Sakko), eine Hose ( Hose eben), und einen Gürtel (Gürtel...klar?). Das Ganze schloddrig und ungebügelt..er sah so aus als „habe der gottseidank noch irgendwas zum Anziehen gefunden“.

Jemand fotografiert meine Frau. Ich bin auch Fotograf, würde sie in ihrem derzeitigen Aufzug nur fotografieren, wenn sie das Bild für eine Bewerbung bräuchte...aber ich verstehe die Gesetze dieses Genres eben gerade soi gut, wie eine Kuh kapier, dass beim Kricket viele hellgekleidete Typen auf der Wiese rumlaufen, aber nicht .....warum.


Musik erklingt…..erklingt??? nein, Dschungelbässe bahnen sich ihren wabernden Weg durch Bretterboden und Zeltdach und bewegt zäuselt ein Wispern durch die Reihen, die schon jetzt keine Luft mehr kriegen können, weil Paris schließlich die Stadt der Düfte ist.

Magere Frauen tappen seltsam hilflos bis zum Ende der langen Bretterbohle und drehen sich um, gehen wieder zurück und erhalten einen tierischen Applaus. What is this? Fragt mich mein innerer Sir, weil ich in diesem Moment einmal mehr meine heimliche Reinkarnation als alter britischer Lord verspüre...what is this??

Dann schreit ein Flüstern durch die Reihen .....“Das ist sie....“...Evangelium, ? Diese Frau ein Evangelium? Ein Evangelium müsste was Großes sein. Aber das hier verstehe dich nicht. Eine große Fritte, wasserstoffperoxydblond, relativ hovh und dünn, flach, schiebt sich mühsam über den Gang, das Becken 40 Zentimeter vor der Schulter...ganz langsam, ohne Gehilfe, Krücken, ohne Rollstuhl...,mit der Motorik eines ferngesteuerten Etwas..ganz langsam....hin...zurück....hin...zurück.

Frenetisches Klatschen.

Es ist vielleicht so eine Art Behindertenolympiade, begreife ich und klatsche. Arme Frau, Hohlkreuz wie Sau, dürr, spärlich bekleidet..und ich ahne und begreife Charles Darwin und die Neckermänner und das Gesetz von Murphy. Eins und eins sind kaum jemals zwei.

Der Kapitalismus hat hier seine eigene Evolution geschaffen. Es ist relativ einfach die Beweisführung des ewig Schönen zu führen, wie man hier nur EINEN Vergleich braucht.

In einem Negerkral klatschen und hüpfen exotische weibliche Wesen, werden fotografiert, tragen merkwürdige Entwicklungen aus Stoff oder Leder oder beidem.

Hier klatschen und hüpfen exotische weibliche Wesen, werden fotografiert, tragen merkwürdige Entwicklungen aus Stoff oder Leder oder beidem.

Zu Beiden kommen Busladungen meist anders gekleideter Gucker, die sich nicht sattsehen können. Wenn sie Alles gesehen und fotografiert haben, fahren sie wieder weg und erzählen der ganzen Welt, was sie gesehen haben. Soweit der evolutionsmäßige Vergleich.

Der drastische Unterschied liegt in der Zahlungsmentalität der Völker. Während man in Afrika eine Frau mit all ihren Klamotten für zwei Kühe bekommt, zahlst Du hier nur für den Lendenschurz mit einer halben Herde, die Frau gibt es erst für den kompletten Schlachthof. Das nennt man dann Inflation. Armer Weltwährungsfonds.

Die Schneider dieser Wesen vor mir sind gottähnliche Geschöpfe. Sie kreieren Dinge, die wiederum von denen kopiert werden, deren dicke Kusinen das andere erstens nicht tragen und zweitens nicht bezahlen können. So reduziert sich das ganze Karussell wieder auf die zwei Kühe runter und die Soziologen haben endlich ihre Existenzberechtigung, weil sie dann erklären müssen, warum frau (man) sich ruhig in einen Laden für billige Übergrössen hineintrauen darf.

Gut, denke ich und schwitze. Es ist so eng auf den billigen Stehplätzen. Mein Schätzchen, ob sie noch was sieht? Mit der Sonnenbrille hier im Dunkeln? Sie ist ja schließlich beruflich hier. „Siehst Du Was?“

Sie steht auf den Zehenspitzen, ihr schwarzer Schlapphut schirmt jede Erkennungsmöglichkeit vollendst ab. Ist sie es noch? Ich kneife sie zart in den Po. „Schschschschschsch.....“
Sie ist es. Dabei habe ich fast nichts gesagt und konzentriere mich nun wieder voll angestrengt auf das Geschehen vor mir, auf dem Ding das einige Engländer mal als „Catwalk“ bezeichneten.

Jetzt kommen hordenweise Schwangere. Oder besser: Sie müssten es sein, der heftig nach oben schwingenden Glockenform der knappen Kleidchen nach. Und wieder bekomme ich ein Problem mit meinem Lieblingsgehirn (habe nur eins). Wieso fragt es mich leise ins rechte Ohr, wieso gibt es Frauen, die ihr Kind im Rücken austragen?
Sei still, raunt es dann durch mein Oberstübchen, das hier ist Frankreich.

Ich lasse den Dialog der grauen Zellen wuchern und gucke stumm.

Das Gehirn hatte recht. Die Glockenkleidchen schwingen nach hinten heraus weit nach oben. Die Mütter sind dabei erstaunlich gut in Form. Das ist nicht Pre-Na-Tal, dämmert es mir, weil bei denen der Nachwuchs vorne ist.

Vor mir marschiert die verkehrte Welt in grün, rot, weiß, blau, gelb, vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück. Ein anerkennendes Raunen plätschert angesichts dieser genetisch verunfallten Armada entzückt auf. Bin ich bei Benetton? Vielleicht, fällt mir ein, die zeigen ja die noch nicht abgenabelten Babies in der Werbung, damit niemand sieht, wie die Mutter es ausgetragen hat.

Angestrengt sehe ich nach vorne und kommuniziere mit meinem Lieblingsgehirn. Die fröhlichen Schwangeren purzeln auf und ab, auf und ab mit ihren Glockenkleidchen und ich grinse. Wind, das ist es, Wind muss es sein, was die Kleidchen derart nach hinten aufwirbelt. Ich kenne allerdings keinb Rezept, was derartiges bewirkt...Chilli Con Carne nicht, selbst Tonnen Mais dürften dies nicht hinkriegen. Nur eine Mischung hat die Fährigkeit...fällt mir bei Durchsicht meines internen Ernährungsrezepturspeichers ein, nur eine Mischung könnt dies bewirken: Sechs Flaschen Bier am Abend und dazu neun Aminosäurenpeptid-Tabletten zum Aufbau eines kleinen festen Körperchens...aber ich höre nichts , was im Entferntesten auf eine modisch koordinierte Pupsorgie hindeutet. Und das Publikum ist bis auf viele kleine spitze Schrei-Chen realtiv gezähmt.

Es ist nicht wie in einem Popkonzert. Weder fallen die ersten Reihen in Ohnmacht, noch fliegen hinten die Bierbecher haufenweise zu Boden. Auch schreien keine unorganisierten Horden ständig Anfeuerungsrufe....ich denke und lächle...und stelle es mir vor. Anfeuerungsrufe. Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer großen Modenschau und die Menge grölt wie ein ausgerasteter Fußball bierschwanger vor sich hin.

Was soll ich rufen? Ich strelle mich auf die Zehenspitzen und grinse schelmisch. Manchmal machen Gedanken einen ungeheuren Lärm.

Mein Liebchen dreht sich um und macht „pssssssssssssssssssst“!!! Dabei habe ich doch gar nichts gesagt.

Jetzt kommen wieder neue Kleider angelaufen. Irgend etwas am Frontmodell erinnert mich an den alten Schlafanzug meines Großvaters. Nur was, weiß ich noch nicht. Sind es die Streifen?

Sie sind grün mit silberner Mitte. Einen dünnen schwarzen Rand haben sie auch noch. Adleraugen habe ich, stelle ich zufrieden fest. Ich gucke genauer hin. Pyjamas ohne Hosen, halbe Pyjamas sozusagen. Letzte Woche, denke ich so, letzte Woche gab es ein ähnliches Modell beim Roten Kreuz. Sie hatten es als Werbung für die kommende Haussammlung in ein Fenster gehängt. Nur fehlten dabei die blauen Gummistrapse, die jetzt hier unter den Schlafanzügen auf und ab marschieren, hott und hü.

Ich muss unwillkürlich gähnen. Die Frau neben mir – nicht meine Frau – sieht mich an, als hätte ich hinter ihr auf den Boden gepinkelt. Gähnen muss ja wohl noch erlaubt sein...sage ich mir und gähne ganz fest noch einmal. N

Ich versuche mich zu konzentrieren, um wieder viele Erklärungen zu finden oder mich wieder heimlich wie ein Bauer (`tschuldigung) über etwas lustig zu machen, was ich bis jetzt nicht ganz verstehe. Aber ich bin ja auch Laie im Fach Anziehen.

Biershirts, Levis`s, Lederjacken, Cowboystiefel aus New Mexico, 50 Dollar habe ich dafür bezahlt. Mann, weißt Du noch? Yeah, still available. Ich gucke nach vorne, um zu lernen.

Dunkelblaue Hosenanzüge, gefüllt mit zarter Weiblichkeit sind es jetzt, die auf und ab dampfen, auf und ab, auf und ab.
Es sind dieselben Damen, die noch vor wenigen Minuten schwanger waren. Jetzt sind sie es nicht mehr. Wie kann man sich so schnell umziehen?
Aber die Frage ist überflüssig – ich bin aj auch in Sekunden aus meiner Straßenkluft araus. Nur würde ich jetzt länger brauchen.

Ich gucke heimlich an mir herunter. Graues Flanell. Outreagous old. Aber irgendwie schon wieder gut, denke ich und stelle fest, dass ich anscheinend irgendwas kapiert oder kapituliert habe. Aber Dinos sind ja auch was Feines.

Mode.
Die Unendlichkeit der Umhüllungskunst kosten bestimmt Millionen Schafen das Leben, die brauchen ja Berge von Wolle, lämmert es mir angesichts jetzt wandelnder Pullunder. Aber was machts, ich koche und esse schließlich auch Lamm und Knoblauch.
Trotzdem, bei dem Gedanken taucht sofort das ganze Öko-Katastrophenszenario vor meinem inneren Auge auf. Ab Greenpeace sich auch an so einem Zelt im Herzen von Paris vor Lagerfelds Karl anketten würde?

Skurrile Filme laufen ab, in der grauen Flimmerkiste meines Denkzentrums. Vor mir ist nämlich Pause.

Bei mir nicht. Die Gedankenflut der vormittags-Nacht ist schier unbegreiflich. Kaum steht ein Programmpunkt auf unabsehbare Zweit still, ist Ruhe im Raum und Sturm in Kopf. An was ich jetzt beispielsweise alles denken muss, kaum dass das letzte Model verschwunden ist....

Ich stelle mir vor, dass mir einer sagt: Mach mir eine Kollektion. Denn so heißen die Sammlungen verschiedener Röcke, Hosen, Hemden, Kleider, de unter einem Namen verkauft werden. Hilflos checke ich alle Kopfbilder aller Menschen ab, die ich jemals gesehen habe. Die Rekapitulation des toltekischen Nagualismus auf Sparflamme also – was die so anhatten oder wie ich sie anziehen würde...

Lösung eins: Ich zeieh allen graue Flanellanzüge an. Der Schlagzeuger unserer rauhen Rhythm`n Blues Band sieht komisch darin aus. Der Bassmann noch schlimmer – wie in einer Zwangsjacke.

Ich verpasse den grauen Flanellsaccos britische Biersticker-Marken und meinen Jungs Turnschuhe. Alte Turnschuhe, used ones. Es nimmt Form an.

Lösung zwei: Ich lasse meine Finger davon und schreibe liebe drüber, wenn ich weiß, was ich schreiben soll.

Edel fühlt er sich an, so ein grauner Flanell. Edel? Ist er das? Ich beginne mich zu fragen, ist ein Anzug, der 250 Mark gekostet hat, edel?
Ich glaub`langsam...nich...brauch zwar keinem zu sagen, dass ich den im Second Hand gekauft habe...aber...

Im Zuge meiner fashionablen Weiterbildung habe ich neulich eine Jacke angezogen, die meines antiquierten Geschmackens nach für feinere Gelegenheiten gedacht war. Dunkelblau aus (Stoff..?), whooop-rigendein Filzflanell (Hohepriester des Wortes – gibt es Filzflanell ? Wo?). Zeug; Faser – egal....EGAL.

...auf jeden Fall für steifere journalistische Berufsangelegenheiten von mir angeschafft..und nun stolz getragen, weil ich meinem Sychätzchen demonstrieren wollte, dass ich nebenm meiner Saurierhaut noch ein „klassisches“ Stück zum Tragen uin ihrer Gegenwart besitze. (wir haben getrennte Kleiderschränke).

Am nächsten Tag fragt sie mich: „Ziehst Du die Sportjacke wieder an?“

Sportjacke....“Sportjacke??? Welche Sportjacke?“
Ich habe keine Sportjacke. Ich kann den Adidas-Krempel nicht leiden...Sportjacke? Meint sie vielleicht meine Regenjacke ?? Ich habe eine, damit ich beim Joggen nicht nass werde...
Ich sah sie entgeistert an. „Sportjacke?“ Doch nicht die Gelbe mit dem Gummi?
„Herrgott, die B L A U E !!!!“

Sportjacke. Aha. Very sportlich indeed. Es hat jedenfalls gedauert. Und so war ich einen Stolz ärmer geworden. Aber die Jacke habe ich noch und pflege sie ähnlich aufmerksam wie meine grauen Flanellanzug.

„Flanell-Läppchen“ pflegen die Kölner zu sagen. Nettes Wort für ein Stück Stoff. Wenn die Kölner wüßten, wieviel Geld, wieviel verdammtes Geld sich mit Läppchen machen ließe, würden sie nur noch Läppchen machen, von morgens bis abends nur Läppchen.

Meine Frau ist Kölnerin von ganzem Herzen und macht Läppchen wie Sau. Aber schöne. Jetzt weiß ich auch warum.

Ich arbeite in der Regel an Papierchen, keinen Läppchen. Da steht dann drauf, was ich geschrieben habe. Und im Allgemeinen nennt man es Zeitung, auch wenn die Regel vorherrscht, dass nichts älter ist als die Zeitung von gestern.

Aber zumindest da treffen sich Läppchen und Papierchen. Mittlerweile ist nämlich die Mode von gestern tatsächlich schon von vorgestern, auch wenn frau sie morgen erst kaufen will. Dann schon besser von vorvorgestern, habe ich mittlerweile gelernt, dass ist dann schon wieder sooo alt, dass e wieder alt alt neu durchgeht. Oder witzig. Nicht unbedingt zum Totlachen, aber irgendwie popmäßig akzeptabel. So wie ich wahrscheinlich. Dinos sind in. Ha.


Hüte sind für Männer mittlerweile verboten, habe ich auch schon gelernt. Nicht, das ich au die Idee käme, Hüte zu tragen, aber ich erinnere mich noch ganz genau, dass es vor noch erst 60 Jahren absolut hip war, als Mann in einem Anzug - wahrscheinlich ähnlich klassisch dem Meinen – dazu den passenden Hut zu tragen.

Nicht, dass ich vor 60 Jahren schon gelebt hätte, aber ich habe schon derart viele Filme gesehen, Bücher gelesen, noch mehr Fernsehfilme geguckt, die alle aus meiner Zeit stammen, dass ich soweit schon wieder informiert bin. Und außerdem erinnert sich mein Lieblingsgehirn – ausgesprochen visuell entwickelt – an meinen Großvater, der NIE ohne Hut das Haus verließ. Er war Finanzbeamter und rauchte auch IMMER Zigarre. Das tue ich gelegentlich. Ständig auf Havannas zu kauen gibt tierischen Mundgeruch.

Aber das nützt ja nicht viel weil man ja keinen Hut mehr trägt, stelle ich fest und beende mein Unterfangen, mein geistiges Modearchi zu durchforsten, abrupt.

Guck lieber, raune ich meiner Zentrale zu, damit Du lernst was sich in den 90er Jahren abspielt. Du lebst sowieso hinter dem Mond, wenn Du dich mit deinem geographischen Umfeld vergleichst.
Aber ich verstecke mich ja, weil man einen Dino so gut verstecken kann.

Mich kann sowieso keiner sehen, weil es dunkel ist wie die Nacht und die Scheinwerfer einzig den Auf- und Abgang der Diamantengalerie beleuchtet. Die Edelsteine werden gerade neu gefasst.
Wo geht es nun hin? Fast bin ich gespannt auf die wieder wechselnde Optik, bin fast neugierig auf die straff marschierenden, streng koordinierten Fräuleins.

Mein Schätzchen, wo ist mein Schätzchen? Ich sehe mich angestrengt um. Aha, kurz abgetaucht.

„Pipi“, flüstert sie in mein Ohr, „Piiiipiiiii“. Angestrengt auf zwei Beinen wibbelnd. Sie mußte mal. Kein leichtes Problem angesichts eng stehender Menschenmassen, die allem huldigten , nur nicht einer zivilisierten, normalen Zuschauerschar, die eigentlich automatisch Gänge freihalten sollen, für die, die mit Blumen nach vorne stürmen wollen und für die , die auf der Suche nach einem dichten Busch nach hinten fliegen wollen.

Wieviel machen hier eigentlich in die Hose? Fragt sich der Blues-verseuchte Teil meines Lieblingsgehirns, während sich der britische Lord in mir eilends eine anonyme Bombendrohung wünscht, damit mein Schätzchen völlig alleine eine völlig saubere Toilette findet. Auf der dann logischerweise keine Bombe liegt, sondern Berge blütenweiches Klopapier.

Sie ist schon weg. Der Druck war einfach zu groß. Außerdem besser jetzt als in der Pause, wenn nämlich jeder geht. Ich kann warten – großzügig, als ob ich wegkönnte oder wollte - ...nein es ist sehr aufregend. Unheimlich aufregend. Ich spähe auf das Oberdeck, wo im Moment wieder eine Parade naht. Stewardessen, ohne Tablett, und definitiv nicht Singapore Airlines, weil die normalerweise kein schwarzes zerfetztes Leder tragen. Obwohl...wäre SM Airlines ne Geschäftsidee.

Dominas bedienen die Fluggäste? Wunderschöne Idee für die El Arenal-Flieger aus dem Ruhrgebiet. Dann wäre Ruhe an Bord.

Nach einigen Minuten ist auch mein Schatz wieder da. Sie fragt mich nicht, ob sie was verpasst hat. Weil sie genau weiß, dass meine Antwort schrecklich wäre. Lieber was verpassen, als eine textile Tatsache mit den Worten eines Urwalddoktors beschrieben zu bekommen. Dabei würde ich einen Lendenschurz noch hinbekommen. Aber sie fragt ja nicht.
Ich versuch s mal, leise: „Du hast was verpaßt!“
„Was?“
„Stewardessen. SM-Stewardessen.“
Ob sie weiß, was es für einen Lärm macht, wenn sie die Augen zur Decke bewegt?
Schon gut, iss ja schon gut. Ich habe nichts gesagt...

Vor uns bahnt sich wieder eine Änderung an. Es wird dunkler, noch dunkler, dann leuchtet plötzlich ein riesiger Schriftzug auf: T I Z I A N. Aha, die römische Kolllektion, folgere ich messerscharf und sehe vor meinem inneren Auge Legionärshorden mit Velours-Slips in stolzem Schritt aufmarschieren.
Tizian. Welch Wohlklang. Doch statt beeindruckender Impressionen römischer Weltherrschaft beschleicht mich eine andere Erinnerung. Ich gluckse und pruste ein bißchen. Wieder dreht sich die vor mir stehende Lady mit Hinter-ihr-auf-de-Boden-gepinkelt-Blick um.

Tizian. Eine entfernte Bekannte meinerseits, ihrerseits leidenschaftlich öko- und WG-mäßig voll drauf, Dipl.-Päd. (Lehrerin), legte sich eines Tages eine größere Latzhose zu, weil Titzian unterwegs war. Der kleine Kerl beeindruckte mich viele Monate später äußerst nachhaltig, als ich versehentlich in einen Sonntags-Nachmittags-Alternativ-Kaffee hineingeraten war.

Tizian. Mama erzählte gerade mal wieder allen Anwesenden, was für ein süsser Kerl der eineinhalbjährige Tizian sei, der breitbeinig und unter anderem mit einer hellblauen Wollkappe wohlgekleidet vor der Kaffeegesellschaft stand. Mama plärrte: „Ja was hat denn mein Kleiner, was hatu denn?“

Tizian sah seine Mama daraufhin mit einem entrückten Lächeln an, als sei sie nicht ganz dicht. Er bückte sich langsam, ging in die Knie, hob beide Augenbrauen und seufzte leise. Er sah sie unverwandt an und lächelte immer noch. Sein kleines Gesich verzog sich ein bißchen, als ob ihn etwas anstrengte...ab er nur leicht..und dann... und dann...schiß er mit hörbarem Karacho in die Hose. Mit einem bratenden Ton, wenn ich mit auditiv betrachtet verständlich ausdrücke. Und das ist für Kinder eine Leistung. Tizian seufzte kurz, machte auch noch ein Bäuerchen und sah stolz hoch.
Den Namen vergess ich so leicht nicht.

Ein Rippenstoß machte mir bewußt, dass ich wohl immer noch vor mich hin kichere. Dabei habe ich nix gesagt und erst recht nicht gebraten.Das fehlte noch – hier inmitten von Paris, der Stadt der Düfte, der Mode, der Beauties, der Bodies. Kreative Stimmmung, allemal. Ich beschließe, über diesen Vormittag zu schreiben. MAche ich wirklich so einen Krach ? „Iss ja schon gut“

TIZIAN. Jetzt geht’s los. Ein großer Parfum-Flakon wankt auf den Laufsteg, umd sich gleich danach mehrfach um die eigene Ahse zu drehen. Wieso fällt er nicht hin? Oder sie...ist ja nicht auszumachen...dann kommt der nächste, einmal hin und zurück und – schwupps der Spuk ist weg. Frenetischer Applaus. What? Fragt sich mein Innerer Lord, what the heck is this?? Oder besser war....aber wahrscheinlich liegt es an meinem Lieblingsgehirn, dass es noch nicht verstanden hat, dass der, der vorher die Mädhcne angezogen hat, jetzt wohl einen Duft kreiert hat. Was es hier alles gibt??? Donnerschlag!!


Ich hätte es ahnen müssen: Die Fakons hatten gebraten, aber wie...eine Duftwelle, nein FLUT schwappt durch Zelt, hammergleich. Der Atemnot zuvorkommend, halte ich die Luft an...frenetischer Applaus, Bravorufe, Entzücken, Freude. Erlösergleich schwebt plötzlich der Kreateur hüftschwenkend auf den Laufsteg, gerahmt von begeistert zahmklatschenden Elfen, dieselben, die er vorher immer umgezogen hat. Und TIZIAN blinkt jetzt sternengleich, der Schriftzug, und die Besucher, die noch nicht standen, springen in die Höhe, es ist ein Bild für die Götter. Atemlos hauen alle ihre Hände aufeinander, rufen Bravo auf Französisch oder was auch immer ihre Sprache ist und sie sind begeistert und lassen ihn hochleben und das Zelt wankt und duftet und der Sauerstoff wird knapp und der Meister winkt und wirft Küsschen und sie stehen und jubeln und klatschen und esisteinestimmung und da ..

Jetzt schießt Rummenigge an der linken Flanke empor, und er läuft und läuft und dann Querpaß zu Müller und der wieder zu Hosenboden, Hosenboden weiter zu Müler...WASFÜREINSPIEL!!!!!!!!jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa....Abseits. So ähnlich. LA Ultima Moda.

Das Parfum ist es. Des Kaisers neue Kleider. Du ziehst nur den Duft an. Und es wird dich garantiert niemand deiner alten Kumpels, deiner alten Freunde erkennen.
Dir GutenTag sagen, wie geht es dir denn...wenn du nur mit einem Duft bekleidet über die Straße läuft. Niemand wird dich wiedererkennen, selbst wenn du noch so freundlich grüßend auf sie zugehst, nur mit dem Duft und nichts als dem Duft bekleidet. Sie werden peinlich weggucken und sich und dich kilometerweit auseinanderwünschen. Und sie werden sich ihrer Sache sicher sein: Du mußt ausgebrochen sein , aus der Geschlossenen. Kein Duft der Welt kann das verhindern – und das gilt sogar in Paris.

Ganz anders die Situation, wenn du duftend und mit grauem Flanell bekleidet Tach sagst. Sie werden freudig überrascht auf dich zukommen: HeyMann wasfürnesachedichhierzusehen....und vielleicht wird man mit dir kaffeetrinken gehen und man wird dir zum erfolg gratulieren, weil du schon mal so aussiehst, als hättest du den und weil du riechst als wärest du König....

Wiederum anders stellt sich die Sache mit britischen Biershirts dar. Dann darfst du um nichts in der Welt so duften. Wenn du schon aussiehst, als würdest du nach Schweiß riechen, dann rieche wenigstens nach nichts, falls du dich so nicht riechen kannst. Dann läufst du auch nicht Gefahr nicht gerochen werden zu wollen. Das will man ja nicht.

Übrigens steht und fällt die Frage des Duftes auch mit der Qualität der Cowboystiefel. Falls sie etwa 85 Jahre alt sind aus Chilchinbito im südwestlichen Arizona stammen, gilt wieder das Riech-Gesetz der britischen Biershirts.
Aber hochpoliertes Schlangenleder gibt dir wieder alle Freiheit dieser Erde Dann darfst Du nach fast allem riechen, es gilt alles, alles ist erlaubt. In fast allen Teilen dieser Erde. Leider nur nachts.
Aber damit önnte man ja leben, wenn man tagsüber einem generellen Cowboy-Stiefel-Embargo unterliegt wie ich. Zu grauem Flanell passen leider nur schwarze B örsenschuhe.

Immer noch Jubel. Es riecht wie am jüngsten Tag, wenn die Engel auf die Erde kommen.So ähnlich würdeich mir jedenfalls den Engelsgeruch vorstellen. Wahnsinnig süß, wahnsinnig penetrant.

Hoffentlich kriecht der Duft nicht in die Kleider, denke ich. Und schnuppere dezent an meinem Schatz. Es geht noch. Sie riecht nach sich. Lecker wie immer.

Früher ging ich immer zu Charme & Anmut kaufen. Das Preis- und Leistungsverhältnis entsprach in etwa dem eines guten Wireless-Lan-Programmes gegen zwei Saccos. Das war ja auch zeitgemäß. Der Vergleich konnte gut gegeneinander aufgerechnet werden.

Vielleicht ist es in Zukunft anders. So ein Tag in Paris kann ganz schön die Prinzipien verderben, weil Geschmack inflationär ist.

Deshalb muß ich ab jetzt höllisch aufpassen. Man ist ja schließlich nicht zum Spaß in Paris.


Hinter den Kulissen des Sehens

Die pointierte Artikulation jeglicher Visualität, jeglicher Beobachtung ist Fluch und Segen zugleich. Du läßt Momente emotionaler Bewußtlosigkeit zu, indem Du siehst. Nur siehst.

Und Du kannst verdammt nochmal verdammt viel sehen. Selbst wenn Du nicht willst. Wenn Du es trainiert hast, öffnet es Dir die Poren. Die völlige Visualisierung birgt eine unumstößliche Wahrhaftigkeit. Nicht nur die der Augen.

Ich sah die violett verfärbten kleinen verkrüppelten Händchen meines toten Bruders. Ich küsste ihn. Drückte ihn, herzte ihn, nahm ihn in den Arm.

Als wir ihn in seinen kleinen Sarg legten, brannten sich seine kleinen verkrüppelten dunkelblau verfärbten Füßchen in alle Farben meines Lebens. Sie werden dort für immer sein.

Und er schlief in seine Unendlichkeit voller Liebe hinüber, während er mir etwas versprach:

Nein, keine verschissene Orgelmusik in der Kirche, die da später auf uns wartete. Sie war häßlich genug.

Geht ok Mann, keine verschissene Orgelmusik, ja? Ja, habe ich Dir doch versprochen, Jojo.

Er konnte nie meinen Namen aussprechen, Jojo war eben sein Wort für mich. Und in seinem kleinen Leben hatte er einen großen Sinn für Humor.

Der Tag kam mit Totenstille in der Kirche. Leise betraten unsere Freunde und Bekannten den roten Backsteintempel. Alle saßen still.

Nach 30 Minuten kam der Ersatz-Pastor aus Indien und flüsterte meinen Eltern so leise zu, dass es jeder mit bekam: "Der Organist ist verschwunden."

Danke Mann. Ok, habe verstanden. Wie immer in solch eigentlich beschissen traurigen Momenten trug ich eine Sonnenbrille. Mir reichte meine nonstop-triefende Nase.

Aber jetzt wurde es technisch. Meine Frau stieß mich in die Seite: "Wie gut dass alle glauben, Du würdest herzergreifend weinen:" In mir bahnte sich ein ungeheurer Lachkrampf an.

Denn ohne Orgelspieler fehlte an der Stirnwand des Kirchenschiffes die Nummer des jeweiligen heiligen Liedes, welches angestimmt werden sollte. Der Inder in Weiß drehte sich ständig verzweifelt um und suchte die graue Betonwand ab.

Glücklicherweise gab es hobby-mäßige Beerdigungs-Besucherinnen unter den Scheintoten hinter uns, die immer genau wußten, was zu singen war. Ich sang immer nur ein Wort ganz laut, weil ich es einmal in einem Mr.-Bean-Film gesehen hatte: "HALLE-LU-JAAAA". "Hör sofort auf!!" zischte meine Schwester mir zu. Ich dachte nicht daran.

So zog es sich gute 25 Minuten hin, bis wir im Bereich der Orgel ein Stühlerücken hörten. Scheiße, dachte ich, komm, hilf mir. Geht klar Jojo, hörte ich tief in mir. Der Inder in Weiß drehte sich um und sah endlich die Nummer des Liedes "122" an die Wand projiziert. Er atmete hörbar auf. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Was mochte meinem kleinen almighty brother`chen jetzt einfallen?

Nun, das Beste schlechthin.

Er schaltete einfach den Strom aus.

Und zwar im ganzen Stadtteil. Draußen begann es zu regnen. Die Kirche war stockdunkel, der Gesang erstarb leise, weil kein Schwein mehr etwas sehen konnte. Es gab nur noch zwei Kerzchen auf dem Altar. Meine Mutter drehte sich leise zu mir um: "Das war doch klar," lachte sie ganz leise.

Ich zitterte, lautlose Lachkrämpfe. Der weiße Inder beschloß in seiner Not, die heilige Kommunion nun vorzuziehen.

Noch hatte er so eine Chance, seine Schäfchen im Halbdunkel mehr oder weniger sichtbar vor den Altar zu locken. Er raste los, um die Hostien zu holen und die Gewohnheitsbegräber trotteten nach und nach zum Sünderbänkchen.

Als ich noch überlegte, ob wir a) trocken und b) lebendig aus der Nummer rauskommen konnten, geschah wieder Etwas. Eine nahe Verwandte von uns, ihrerseits planetarisch überversorgt, war in ihrem Elektrorollstuhl erschienen.

Sie sammelte quasi karmische Haushaltsunfälle. Dazu war sie diesmal - wie logisch zur Beerdigung - ganz in strahlendes Weiß gekleidet. Weiße Schuhe, weißer Regenmantel, weißer Rock, weiße Mütze, weiße Handschuhe; alles strahlend weiß. Eben genau die Farbe für eine Beerdigung. Nun war der Mittelgang also frei, der überirdische Tower hatte ihr Startfreigabe erteilt.

Sie schaltete das Lämpchen an ihrem Turbo-Rollstuhl ein und gab Vollgas. Wir zuckten zusammen. Dann kam das weiße Gespenst wie irre durch das Kirchenschiff an uns vorbei gerast, volle Kanne auf den Altar zu. Sie mußte das vorher in einer Rallye-Gruppe geübt haben. Eine Vollbremsung mit Querstand vor dem fassungslosen weißen Inder - und sie hob ihren weißbehaarten Kopf und streckte dem armen Mann die Zunge raus. Der schmiß ihr blitzartig mit dem Wort (normalerweise waren es vier...) "DER-LEIB-CHRISTI-AMEN!!!" den Oblaten (sie nennen es ja Hostie) in den Rachen, drehte sich rum und war mit zwei Schritten am Altar.

Während sie mit quietschenden Reifen die Kurve zurück nahm und wieder abschoß, füllte er seinen Pokal deutlich sichtbar bis obenhin mit Messwein. Zwei Viertelchen mögen es gewesen sein. Ein guter halber Liter also. In einem Zug weg. Aber vielleicht war ihm diese Begegnung ja nicht fremd. Unsere Verwandte sammelte nämlich Kaplane.

Schon immer außergewöhnlich gottesfürchtig und fürchterlich glaubend, hatte sie sich in einem gewissen Alter nur noch mit Christi und Gott beschäftigt. Und dabei einen evolutionären Abgrund entdeckt: Es gab was unterm Rock Gottes. Und man trank auch immer so leckeres Zeug. Früher fuhr sie von Messe zu Messe, dann von Andacht zu Andacht.

Immer wenn Sie uns besuchte, setzte mein Brüderchen sein heimlich hintergründiges Grinsen auf, schelmte mich an - falls ich gerade da war - und sagte mir zwei Worte: "Oma Aua!" Und sein Fingerchen tippte an die Stirn, er grinste dabei meistens ziemlich auffällig. Und Oma war eigentlich immer aua.

Nun, es blieb dunkel. Drinnen wie draußen. Wir hörten die Regentropfen an die Fenster klopfen.

Kirchen haben eigentlich immer ziemlich viele Fenster, durch die man aber - warum auch immer - niemals hindurch sehen kann. Was im Übrigen ein Jahrtausende altes System hat.


Lebenswerk 1 - A


Arbeit an sich hat die Transzendenz einer Hobbyhure im Paralleluniversum. Willst Du sie nicht, hast Du sie aber am Hals. Omnipräsent. Arbeit definiert das Sein oder auch nicht. Wenn nicht, hast du die bereits erwähnte Dame aber wieder am Hals. Falls doch, mag sie ein Kettenglied des Weltgefüges werden.

Tag 1

Hatte wieder den Hilfsarbeiterjob in der Sandgrube,. Nicht zum erstenmal. Fast zwei Monate Drei-Schicht-Maloche. von 6 bis zwei, von zwei bis 22 Uhr und nochmal von 22 bis 6 Uhr morgens. Rangierte tonnenschwere Diesel-Loks am Tagebaurand, 60-Tonnen-Waggons tagein, tagaus, nachts mit wachsendem Anspruch.

Tag 5

Mein ungeplanter Zen-Kanal kam. 150 Meter lang, 1,20 Meter tief, 65 cm breit un die Kanten bitteschön nivelliert. Der Vorarbeiter wies mich in die Fakten der Ödnis der kommenden Wochen ein. "Hier kommen die Strom-Dinger, die Trafos, für die neuen Fließbänder rein. Hast drei Wochen Zeit." Na danke.
Ich hing nun dreißig Meter unterhalb der Grubenkante und sah in meinen neuen Mond. Weißer Sand bis zum Horizont. Vor mir eine flache strahlend weiße Bene durchzogen von den schwarzen Gummiadern der Fließbänder. 150 Meter. Hier durfte ich jetzt in Ruhe Gott suchen. Ich zündete mir erst mal eine Zigarette an.

Tag 7

Hatten die 150 Meter mit Nivellierungsschnur markiert. Ich hatte mit dem Graben begonnen. Sommer, 34 Grad. Die Luft flirrte. Der Boden war halb Quarzsand, halb Lehm. Machte dicke Arme und Schultern.
Ich war allein. Nackter Oberkörper, schwitzte wie eine Sau, war dreckig wie sonst was und rauchte mir ab und an eine Zigarette.
Das Problem war nicht die Länge des Grabens. Nein. Die Tiefe war das Problem. 1,20 Meter ist beschissen tief wenn du nur eine Schaufel und einen Spaten hast. Ich musste es also logistisch angehen. Den Blues hast Du sowieso

Tag 9

34 Meter geschafft. Keine Leichen bisher, nur Blindsch-Leichen. Sie kamen morgens um 6 aus dem Gebüsch am Grubenrand, wenn es noch kühl war und die Gräser Tau trugen. Später lagen sie glänzend in der Sonne. Ich schwitzte mich durch.

Tag 11

6.10 Uhr morgens. Momentan nahte Meter 50. Meine Blindschleichen kamen wieder aus ihrem Versteck. Ich begann sie zu sammeln.


Weil die restliche Belegschaft grundsätzlich alles tottrat, was sich als Kleingetier vor ihren Füßen bewegte. Nun hatte ich 12 Blindschleichen in meinem Helm gesammelt und begann mit ihnen zu reden. Was kann man einer Blindschleiche schon Falsches erzählen? Sie kümmerten sich nicht um dicke blonde Brüste und was man damit alles massagemäßig machen kann, Kochrezepte ließen sie kalt, mein Gequatsche über laute Autos sowieso. Es war heiß. Ich holte mal wieder meine Zigaretten raus. Mich sah ja eh keiner, alleine in einem montrösen Sand-Tagebau.

Tag 13

Meine Technik klappte. Ich grub grundsätzlich von unten nach oben. Sobald ich die Sohle des Grabens wegnahm, brach der Sand darüber ein. Ich kam verdammt schnell vorwärts. Alleine jeden Tag im Sand. Noch knapp 25 Meter. Ich rauchte erst mal eine, blinzelte in die Sonne und war wieder patschnaß geschwitzt. Ich bekam zwei Flaschen Wasser pro Schicht. Bisher keine Schätze gefunden. Oder?

Tag 16

10.30 Uhr. Ich hatte zu weit gegraben. 155 Meter. Der Boden wurde immer lockerer. Ich setzte mich auf den Rand meiner Grube, nahm ne Zigarette und holte erst mal tief Luft. Gegen 12 wollte der Vorarbeiter kommen. 12.20 Uhr. "Hi sagte ich und schmiß ihm erstmal meine Zigaretten zu. "Joot jemaat!" sagte er und zeigte auf mein erstes Lebenswerk, 155 Meter schnurgerade einen Graben im Sand gezogen.
Er sah aus wie Charles Bronson und arbeitete nun schon 20 Jahre in der Grube. "Schön jraad!" Schön gerade meinte er . Ja. Schnurgerade. Die Schnur war noch da.

Er trank seinen Schnaps, zog tief an meiner Zigarette. Und sagte: !Ich habe ne gute Idee."

"Erzähl..."

"Mach et widder zoo."

"Was?"


"Macht et widder zoo! Hier" Er warf mir einen Schlüssl zu. Es war der Schlüssel für die alte Diesel-Raupe. Ich hatte schon etliche Löcher im Tagebau damit versenkt. Das Ding stank wie Sau. qualmte wie Sau und war ziemlich dreckig. Ölverschmiert, kein Radio. Alter Diesel. Kettenantrieb.

"Ich soll mein Lebenswerk vernichten?"

"Ja, aber datt macht doch nix. Wenn DU dat zoo häss, fäng widder von fürre an und buddelst das wieder aus."

Die Hinterfragung meiner Existenz nahm Gestalt an. Wozu war ich auf der Welt? Das sprengte meine Dimensionen. Ich war auf Dialog aus. Den konnte ich aber knicken. „Haste noch en Schnaps??"

"Klar, hee..:" er warf mir den Kurzen zu.

"Ich meine was macht das für einen Sinn? Ich buddele jetzt seit drei Wochen an der scheiß`Grube und soll sie jetzt wieder zumachen?"

"Ja aber dat tut doch nich`weh?"


Nein. Schmerzen sind was anderes. Natürlich tat es nicht weh, wochenlang eine Grube ausgehoben zu haben, sie wieder zuzuschütten und wieder auszugraben. Nein. Der Schmerz sitzt woanders. Wie bescheuert muss man eigentlich sein um so was zu veranstalten?
Andere gehen für Geld auf den Strich. Ich machte einen Strich in die Landschaft ohne allerdings einen sexy Landscape zu haben. What the the fuck…?

Ich schlief unruhig in der folgenden Nacht. "Hey", sagte eine Blindschleiche zu mir," komm bloß wieder, wir brauchen Dich noch."

"Für was denn?"

"Zum Zuhören. Wir haben noch niemals einen Menschen derart viel Blödsinn mit sich selbst reden hören."

Na danke. Ich träumte weiter. Am nächsten Morgen traf ich gegen 6 Uhr in der Grube ein und war im Film. Die Blindschleichen rauchten Zigarren und lachten sich halbtot.

Passenderweise regnete es in Strömen. Warmer dichter fetter Sommerregen. Und ich kletterte im nassen Ölzeug auf meine Raupe und begann mein Lebenswerk zu vernichten. "Verpisst Euch," rief ich den Blindschleichen zu, "das Ding hier ist zu schwer!" Die Blindschleichen lachten sich schlapp und waren sturzbetrunken weil sie eine kleine Kümmerling-Flasche gefunden und geleert hatten.

Ich wurde wach und es regnete tatsächlich Bindfäden. Warmer dichter fetter Sommerregen. Ich kletterte in meine Raupe im Ölzeug, es war 7 Uhr morgens und ich rauchte erst mal eine.

Verschmierte Fenster einer dreckigen Raupe im Tagebau erlauben Dir eine ungeheure Fernsicht. Du siehst nix. Jaaaaanix. Und alles weiß. Eine göttliche Aussicht.
Ich fuhr langsam durch die sandige Gegend. Falls ich auf der Tagebaukante aufsetzte, würde es lustig. Dann hatte ich echte Chancen mich ins Jenseits zu befördern.

Das fehlte gerade noch. Hebst sinnlose Gräben aus, wobei sich die Frage nach der Sinnlosigkeit eigentlich nicht stellte. Ich hatte doch Geld damit verdient? Andersrum: Was tun Menschen eigentlich alles für Geld? Ich unterhielt mich im Regen mit meinen Blindschleichen, rauchte wieder eine. Sie wußten immer noch nicht was Geld war, warum das alles auf der Welt so kompliziert war und was das alles überhaupt zu bedeuten hatte. Aber deshalb hießen sie wahrscheinlich Blindschleichen.

Du kriegst eben nix mit, trinkst Tau und bist happy. Was für ein Leben. Wo ist ihr Glück? Entweder lebten sie von Geburt an in einem einzigen Serotonin-Sumpf oder hatten andere Drogen zur weltumspannenden Erkenntnisfähigkeit gefunden. Tautropfen?

In Tautropfen ist kein LSD drin. Andererseits hatte ich im Leben noch keinen Tautropfen zu mir genommen.

Ich gab Gas, eine dicke stinkende Dieselwolke kam aus dem vor mir aufragenden Auspuff. Und schob ganz langsam Stück für Stück die Arbeit der zurückliegenden Wochen wieder zu. Mit dem scheiß weißen Sand, der bis zum Horizont ging. Aber es gab noch eine Steigerung im angehenden Lebenswerk.


Lebenswerk 2 - B


Zur weiteren Zementierung diverser virtuoser Fertigkeiten manueller Art beschloß ich Goldschmied zu werden.

Ich bekam eine Lehrstelle. Wobei ich schon aus der noch geringen Lebenserfahrung meinerseits mitgekriegt hatte, dass die Kleinsten immer die größte Scheisse machen mussten.
Ich hatte nun folgende Aufgabe, die einen Manager gut gestanden hätte.

Ankunft morgens 7.30 Uhr. Gegen 8.15 Uhr kamen die anderen Gesellen und Lehrlinge. Und ich musste um 8 Uhr Brötchen beim Bäcker um die Ecke holen.
Ich war oder bin mir ja für keinen Scheiß zu schade. Aber was dann kam…Dienstag morgen. Punkt acht Uhr Brötchen holen. Ich ahnte ja noch nichts.

Für wen denn die Brötchen wären, fragte mich die Mitarbeiterin in der Bäckerei. Nett wie immer sagte ich für wen. Die Antwort war mir schleierhaft….“Bitte nicht schon wieder….“

Ich kam mit den Brötchen zurück.

Und mein neuer Chef legte jedes einzelne verkackte Brötchen auf die Goldwaage. Eine Goldwaage misst jedes Gewicht auf hunderstel Gramm genau.

Wenn ein Brötchen keine 40 Gramm wog musste ich das verschissene Brötchen wieder umtauschen. Jedes einzelne verschissene Brötchen. Jeden Morgen.

Wir hatten Brötchen mit 40,68 Gramm, andere mit 39,99 Gramm, mal 27,54 Gramm, mal 40,01 Gramm. die besseren kamen auf 42 Gramm.

Und ich war der bescheuerte Idiot, der jeden verfickten Morgen wieder in die Bäckerei zurücklaufen musste, um zu sagen, dass die Brötchen um 00,01 Gramm zu klein waren.

Unter 40 oder 41 Gramm wurde nix gekauft. Das war Gesetz.

Aber mach nen halven Hahn draus, du kannst soviel scheiss Käse drauflegen, dann wird das Brötchen gewichtsmäßig zur Handgranate. Und vergiss den Senf nicht.

Nein.

Jedes Brötchen was ihm nicht genehm war – wohlgemerkt auf die Goldwaage gelegt, AUSTARIERT - mit ultrafeinen Gewichtchen mit einer Pinzette bis es passte, jedes verdammte Brötchen was 0,01 Gramm zuwenig wog, musste wieder zurück.

Und je nach Arbeitslage musste ich jeden Morgen zehn Brötchen wiegen. Du kommst Dir vor wie das allerletzte bescheuerte Arschloch.


Einmal versuchte ich auf ihn einzuwirken. „ Hörense mal,“„ meinte ich, als mal wieder ein Schmetterlingsflügel Gewicht an einem Brötchen fehlte, zugegebener Weise undiplomatisch….“geht es noch?“


„40 Gramm sind Gesetz!“ sagte er. „Oder 39 Gramm. Umtauschen!“

Was mich bekloppt machte: Die Bäckerei hatte keine Goldwaage um ein blödes Brötchen auf 0,01 Gramm Unterschied zu wiegen. Die hatten nur ne Waage ohne Kommastellen .

Ich habe also als angehender Goldschmied Stunden damit zugebracht Brötchen zu wiegen, wieder umzutauschen, wieder zu wiegen, wieder umzutauschen, wieder zu wiegen und wieder von vorne.

Weißt Du was du lernst? Gold zu verachten. Silber, Platin all das edle Zeug verkommt zu Mist, wenn Du nur Brötchen wiegen musst.
Nicht, das ich neben der Brötchenwiegerei durchaus das eine oder andere mitbekommen hätte. Zum Beispiel dass Goldschmiede in der Regel meistens arme Schlucker sind, weil ihre Tätigkeit von Kammerseite als derart erbärmlich eingeschätzt wird, das sie fast nix kriegen.

Ich hatte als Lehrling 150 Mark (nicht Taler) im Monat, nach fast vierjähriger Lehre wären es 1800 gewesen, Ein Fliegenschiß. Oder? Jupp.

Dieses Lebenswerk wurde jedenfalls auch zügig abgeschlossen. Vorzeitig.

Ich hatte vom Brötchenwiegen die Schnauze voll..


What friends are for…


Manche Freunde oder Sogenannte haben Pathos. Das merkst Du beispielsweise , wenn es darum geht, wer verdammt noch mal jetzt denn die Kaution bezahlt, um Typ XYZ aus der U-Haft auszulösen. Warum er überhaupt drin saß…

Man fällt eben nicht nur aus den sprichwörtlichen Wolken, wenn das Handy mal eben klingelt, Deine Frau anruft und nur einen Satz sagt: „Er ist verhaftet worden und sitzt in der Schweiz in Auslieferungshaft“.

Hatte was. Erstens war es fällig. Wir wussten nur nie, warum es einmal geschehen würde. Er hatte nie um sich geschossen, aber so ziemlich jede blöde Gaunerei angefangen um irgendeine Mark zu machen.

Zum Beispiel Kindern gebrauchte alte PCs geklaut um bei irgendeinem Blödmann zehn Mark dafür zu kriegen. Das ist der Himmel für intelligente Kriminalität. „Wirtschaftskrimineller“ wäre wohl der Adelstitel für ihn.
Er hatte einfach die Seuche und jobbte halt als Chauffeur.

Dazu einen „Arbeitgeber“, der die schiere Seuche in Person war. Der jonglierte mit Millionen im dreistelligen Bereich, war immer bewaffnet und meistens pleite. Seinen persönlichen Doktortitel machte er für mich an einem Nachmittag im rheinischen Biergarten. Wir saßen im Stadtgarten. Er stieß mich an.

„Ich brauche 150 Millionen Dollar, noch heute.“

„Klar.“ Völlig klar. Das normalste der Erde eben.


„Willst Du Dir ne Garage bauen?“ Berufszyniker wie ich haben viele Freiheiten, die sie sich geben dürfen. „Ich würde sie dann türkis streichen und Du kaufst mir dann noch eine goldene Cobra, ok?“

„Arschloch.“ Klare Ansage.
„Ich muß nach London. Das Geld liegt da auf der Strasse.“
Ich war zwar schon häufiger in der britischen Hauptstadt, hatte aber vergeblich nach derart viel Geld auf dem Piccadilly Circus Ausschau gehalten. Aber ich hatte auch nicht in den Gully geguckt.

„Hast Du ein Telefon dabei?“

„Ja“

„Muß mal gerade in Dubai nachfragen,“

„Klar.“ Völlig klar.

Mit meinem Handy nachmittags aus Köln in Dubai anrufen. Um 150 Millionen Dollar zu bestellen. Ich zahlte ja das Kölsch nachher.

Vier Minuten wurde getuschelt.

„Mr. Ragza. Thank you. Send the cable transfer to London. And thank you again.”

Ich kriegte mein Handy zurück.

„Morgen habe ich das Geld. Cool, oder?“

„Ja, cool.“

Ich fragte ihn nicht wofür man 150 Millionen Dollar an einem Freitagnachmittag in einem Kölner Biergarten brauchte und wieso er auch noch samstags die Bankbestätigung bekam wenn schon der Freitag in Dubai Sonntag ist. Aber er hatte wohl einen Grund.

Oder nur mit einem Anrufbeantworter gequatscht.

Das kannst Du ja nie wissen. Weil Du bei Yacht-Parties in Puerto Portalls in Mallorca auch nicht weiß, ob das Schiff zufälligerweise keine Maschine mehr hat, weil die deutsche Steuerfahndung gerade Lust auf zwei Zehn-Zylinder-Volvo-Penta-Schiffsdiesel mit jeweils 1500 PS hatte.

Aber dafür hat man ja Handies im Biergarten dabei.

Jener Dollar-Junky jedenfalls hatte einen Chauffeur. Das war die Nummer eins von eben - der die alten Kinder-Computer klaute.

Nun begab es sich, das Nummer zwei, also mein Kölsch-Nachbar aus dem Biergarten, plötzlich und einfach verschied. Unmengen eines weißen Pulvers in der Nase und ebensolche Massen eines klaren russischen Unterhaltungsgetränks hatten ihre Wirkungen hinterlassen.

Und kein Schwein wollte ihn jetzt haben.

Seine Ex auch nicht. Die war früher immer im Lear-Jet durch Europa gedüst und war mit einem weißen Rolls Royce von der Gangway an der Rollbahn abgeholt worden.

Jetzt war der Gönner auf einmal tot. Und meine Bestürzung darüber einer skurillen Existenzfrage gewichen: Wieso ist Einer mit 150 Millionen Dollar auf dem Konto auf einmal einfach tot? Mit soviel Kohle kannst Du doch nicht einfach abnippeln. Oder?

Aber er war so was von mausetot wie man es nicht mehr toppen kann. Tot sein ist wie ein bisschen schwanger sein. Entweder du bist es oder nicht.

Und die Scheisse ist Du kannst nicht zurück. Für kein verkacktes Geld der Welt.

Als einzige rechtlich relevante Person entschied seine Ex:
„Verbrennt ihn in Holland !! Das ist da billiger !!“

Also wurde die Leiche irgendwie in die Niederlande geschafft, wo ein Ofen frei war.

Der Fahrer war Nummer eins, unser PC-Klauer.


Tage später. Die Urne war nun fertig.

Er rief aus dem Auto an. „Wo soll er denn hin?“

Ihre Antwort kam fix: „Ist mir scheissegal. Nur bring ihn mir nicht ins Haus.“

Jetzt wurde es eng.

Seine Aktuelle wollte ihn auch nicht. Das Thema Friedhof wurde gar nicht erst angesprochen, weil da ohnehin niemand hinwollte, um „Tschööö“ zu sagen. Augenscheinlich war er nicht unbedingt beliebt..gewesen.

Also wurde Sohn 1 ausgeguckt. Der wollte ihn aber auch nicht weil er sowieso nicht von ihm war. Der Bruder war dran.

Der hatte noch eine Verwendung für seinen alten
Herren, nett verpackt in der Urne. Sah hübsch aus.

Er hatte noch einen Laden. Ein Bettenstudio in der Innenstadt.

Da stand er im Regal. Als Deko.

Und kein Schwein wußte wie viele Millionen Dollar dort „begraben“ waren.

So zogen sich einige Monate hin.

Eines Tages klingelte bei der Mama das Telefon. Der Sohn mit dem Bettenstudio hatte ein Problem. Er glaubte Klopfgeräusche aus der Urne gehört zu haben.

Das Ding musste jetzt wirklich weg.

Familienrat. Der Chauffeur beschloss, die Urne im Garten zu versenken. Und als Grabstein sollte ein alter Reichsaldler aus Beton her.

Zur feierlichen „Bestattung“ ohne geistlichen Beistand wurde erstens eine Grube gegraben. Zweitens überlegte man und frau sich, welchen Leichenschmaus man sich gönnen sollte.

Fazit: Der Papa mochte immer so gerne Koteletts mit Erbsen und Möhrchen. Gesagt, beschlossen und getan. Nur dass der Sohn mit der Urne etwas verspätet war…

Kaum hatte die „Trauergemeinde“ begonnen, Koteletts und Erbsen mit Möhrchen zu verspeisen, kam er an. Und stellte die Urne mit der Asche des Verstorbenen mitten auf den Tisch. Während alle Anderen gerade aßen. Noch.
Nur der Appetit war weg.

Man beschloss nun umgehend, die hierzulande illegale private Bestattung vorzunehmen. Das Loch war schon ausgehoben.

Der Chauffeur stellte die Urne in die Grube. Die Familie begab sich im Gänsemarsch dorthin. Dann füllte jeder ein grosses Glas Wodka und schüttete es über die Urne.

Bevor der Reichsadler seine Funktion erfüllte.

Hasta la vista baby !.


Informationsgesellschaft

Habe noch Zeiten erlebt, in denen erwachsene Familienväter in ihren Redaktions-Schreibtischen ihre Cognac- und Whiskeyvorräte hielten. Bei Bedarf schmissen sie sich die leeren Flaschen gegenseitig an die Köpfe.

Dabei suchten sie täglich eine Zeitung herauszubringen, Blattmachen nannte es sich. Nebenbei versuchten sie täglich mit dem einen oder anderen Bürgermeister essen zu gehen, natürlich nicht auf ihre Kosten. Recherchieren nannten sie es.
Gedruckt wurde fast alles.
Ein Kollege (nicht ich!) trug immer einen riesigen US-Parka, in den im geschlossenen ZUstand sechs Flaschen Bier reinpaßten.
Er kam eines Tages von einer Pressekonferenz zurück, zog sein mantelähnlich grünes Teil aus . Er hob den linken Arm und roch an seinem Pullover unter der Achsel. "Puh", sagte er, zog ein Deo aus seiner Tasche und sprühte seinen Pulli unter der Achsel ein.
Er grinste mich an: "Geht doch eh nur um den Geruch!" Auf den Gedanken, der Schweißgeruch könne von ihm selbst kommen, kam er nicht. Dann setzte er sich und begann zu schreiben. Damals hackten wir alle noch auf alten Adler-Schreibmaschinen rum. Mit richtigem Papier.

Er war 20 Minuten später von einem Berg Papier-Knollen umringt, weil er ständig wieder neu mit seinem Wahnsinns-Artikel neu begann. Heute kennt man so was nur aus alten Filmen mit Walter Matthau. Es war jeden Tag so.

Fotos machte der Kollege auch. Eines Tages hatte er eine besondere Geschichte. Ein lokales Bauvorhaben. Er raste los, kam zurück und ab ging es in die Dunkelkammer. Eine halbe Stunde später legte er uns sein Foto vor.

Sensationell. Er hatte (im Januar) ein leeres Feld im Nebel in schwarzweiß geknipst. Praktischerweise hatte er das Feld auch noch geblitzt. Im Nebel. Ein sagenhaftes Bild. Oben hell, Mitte Sternchen, unten dunkel. Ende. Er legte auch gleich die entsprechende BU (Bildunterzeile) vor: "Hier soll bald gebaut werden."


Es wurde gedruckt. Nur die Investoren hatten anschließend nach dem Wahnsinns-Papparazzi-Schuß keine Lust mehr, ihr Geld in ein unerträglich häßliches Loch zu versenken - es hätte ein Baumarkt werden sollen. Passiert ist nix.

Dafür gab es sehr kreative Anarchos unter den Kollegen. Man liebte Fakes, die der schon älteren verschrobenen Redaktionsleitung heimlich untergeschoben wurden. Nix Dolles, aber was Feines.

So entstand beispielsweise der Wanderverein "Schiss-Kojenko", der jedes Jahr seine Hauptversammlung "abhielt" und sich pressemäßig hervorgehoben sehen wollte.
Einer der Vorsitzenden "hieß" "Dr.Z.Ochkütt", die Beisitzerin war "B.Soffen" und die Wanderwartin hieß "Wanda Warte".

Wir genossen es im Stillen, am nächsten Morgen die Zeitung aufzuschlagen und wieder einen Bericht über "Schiss-Kojenko" vorzufinden, dessen Existenz nur der Yeti getoppt hätte.

Aber brav und heimlich still und leise konnte so die Beisitzerin "B.Soffen" immer mal wieder ein sportpolitisches lokales Polit-Statement abgeben: "Bewegung ist gut für die weibliche Beckenbodenmuskulatur!". Übersetzung gefällig? F……

Der eigentliche Urheber dieser völlig erfundenen Jahreshauptversammlungen wurde nie offiziell entlarvt. Ich war es jedenfalls nicht. Aber weiß wer es war.

Bis eines Tages der Bürgermeister einen erbosten Brief an die oberste Chefredaktion schrieb, was für ein gottverdammter Schwachsinn eigentlich permanent in unserer Zeitung erschien.

Dann erfanden wir etwa anderes. Rund 700 Kilometer von der nächsten Küste entfernt gründete sich im flachen Rheintal eine neue Abteilung der „Deutschen Gesellschaft für Schiffbrüchige“.
Nicht zu verwechseln mit der „Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“!


Wir dachten eben man sollte Abgesoffenen auch mal eine Chance auf mediale Kompetenz geben.

Die war ebenso echt wie „Schiss-Kojenko“ und führte auch Hauptversammlungen durch,

Dabei wurden dann Preise für mutige Kanuten vergeben, die 50 cm vom Ufer des stinkenden Mittelland-Kanals, auf dem sie ruderten, das Ufer wieder erreicht hatten. Völliger Irrsinn. Es wurde veröffentlicht. Mit Foto.

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YESTERDAY

Gegen 22.30 Uhr hatte man mir einen Sterbenden aufs Zimmer gelegt. Er war zwar noch da, aber eigentlich schon dort.
Ich lag im Einzelzimmer, also war noch Platz für ein zweites Bett.
Sein alter Kopf, kurze graue Haare, ein düner Sauerstoff-Schlauch in der Nase. Er atmete nicht mehr.
Ich war zwar sowieso völlig bewegungsunfähig, war fixiert, Katheter und Tropf und Schläuche. Und ich stellte die letzte überflüssige, geradezu bizarr-bescheuerte Frage an die Schwester, die ihn hereingeschoben hatte: „Kann ich was tun?“

Nein. Er war ja schon dort.
Ich empfand einen bläulichen geruchlosen Nebel über den weißen Metallstreben der Betten. Es war kein Luftzug, eher wesenhaft, ein leiser wabernder Schein.
Der Mann war nicht unästhetisch. Der Tod roch auch nicht.

Mühsam versuchte ich - vollgepumpt mit sehr betäubender Pharmazie - etwas völlig überflüssigerweise im Auge zu behalten. Als ob ich auf ihn achtgeben müsste. Dabei ging er gerade. Oder war ja schon dort.

Ich konnte jedenfalls nichts dafür. Das war ja auch schon was.

Er starb ganz friedlich. Außer dem bläulichen Schimmer, dem wabernden Nebel, dem ich im Wahn übrigens leise Geräusche zuschrieb. Zarte Geräusche. Geräusche eben. Nicht spezifisch. Er klingelte irgendwie mit einem leisen Echo.. Fast wie ein „Ping“ im Echolot eines U-Bootes, dem eine Resonanz in unbekannter Entfernung zugesprochen wurde. Klopfte so der Tod an?

Eine zarte Resonanzprobe, gewebetauglich. Das „Ping“ kam und ging in Wellen. Es mag sein - diese Wahrnehmungen könnten nur Sekunden gedauert haben. Sie blieben aber haften.
Ebenso wie die schließlich letztendliche Bestätigung seines jetzigen Seinszustandes durch einen im Flur tobenden und fluchenden Chefarztes:

„Wo habe Ihr ihn hingetan? Wohin, verdammt ...?“ ... zur Schwester gewandt.
„Zu ihm..“ hörte ich sie zeigend deuten...“dort...“
„Seid ihr völlig irrsinnig????“ schrie er sie an, „holt ihn sofort da raus. SOFOOORT!!“

Das Licht ging an, der Nebel ging. Der Arzt sah mich konzentriert an, in die Augen.
„Alles ok,“ flüstere ich völlig bescheuerterweise..“Er ist...“

Er nickte und drückte meine Hand. Der Eingeschlafene war fort. Sie hatten ihm das Laken über den Kopf gezogen.

Aber ich konnte wirklich nichts dafür. War ja - wie gesagt - auch schon was.

The End


Ein einziger besoffener Pauker kann ein ganzes Orchester ziemlich zur Verzweiflung bringen.

Vergiss niemals die durchaus heilende Wirkung anarchischer Aspekte in der Virtuosität der Göttlichkeit.

Die können nämlich wirklich gut tun. Und ein bisschen bekloppt sein tut ja nicht weh.


Warum sollten Empfangsdamen im Zoo wohnen?
Warum hebt man 100 Meter lange Gräben aus und macht sie einfach wieder zu?
Haben Fliegen Verträge mit Japanern? Kennen Sie das Gefühl, gerade etwas mitbekommen zu haben und sich unmittelbar danach zu fragen: „Was war das denn??“
Ja, was war das bloss…


Imprint

Text: Guido Hecker
Images: Guido Hecker
Editing/Proofreading: ..außer mir keiner
Translation: no yet
Publication Date: 02-28-2012

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