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Sie sitzt wieder am Strand. Auf einer großen, weichen Decke. Die Sonne leuchtet rot und ist schon fast verschwunden. Sie blickt sehnsüchtig auf das Wasser und denkt nach. Auf ihrem Bein liegt ein Block. Sie hat vor, einen Brief an ihre Eltern in der Heimat zu schreiben.

Liebe Mama, Lieber Papa,
mir geht es hier sehr gut. Ich bin endlich glücklich und ich habe endlich gefunden, was ich so lange gesucht habe: Den Frieden mit mir selbst.
Hier ist es traumhaft. Ich schaue gerade auf das Meer und die untergehende Sonne. Euch würde es hier auch gefallen. Vielleicht könnt ihr mich ja mal besuchen kommen, wenn ihr daheim nicht mehr so viel zu tun habt.
Ich liebe und vermisse euch. Bitte richtet auch meiner lieben Schwester einen schönen Gruß aus.
Ich hoffe, euch geht es genauso gut wie mir. Und ihr antwortet mir hoffentlich ganz schnell. Ich bin schon sehr gespannt, wieder von euch zu hören.
In Liebe, eure Tochter

Sie legt den Kopf in den Nacken und macht die Augen zu. Überlegt. Denk über so vieles nach. Über die Freunde, die sie seit Wochen vermisst. Die Familie, die sie verlassen hat, ihr allerliebstes Haustier. Und über all das Altbekannte, was sie aufgegeben hatte. Dann sieht sie zur Sonne und es rollen ihr Tränen über die Wangen. Es war immer ihr Wunsch gewesen, hier zu sitzen. Aber sie hatte niemals daran gedacht, was sie dafür alles aufgeben musste. Trotzdem ist sie glücklich. Alle Probleme hat sie hinter sich gelassen. All die unfairen Gemeinheiten hat sie verziehen, bevor sie geflogen ist. Und jetzt sitzt sie hier. Mit Tränen, aber auch mit einem Lächeln im Gesicht.
Jemand setzt sich zu ihr. Jemand, den sie gern hat. Der zweite Grund, wieso sie jetzt hier ist. Sie stemmt ihre Arme in den Boden und winkelt die Beine an. Der junge Mann neben ihr umfasst seine Knie und schaut stillschwegend auf das scheinbar endlose Meer. Dann schaut er auf das stück Papier neben ihr. Er ergreift es und liest. Als er fertig ist, sieht er ihr zufrieden in die Augen.
„So glücklich bist du?“ Sie dreht ihren Kopf in seine Richtung. „Ja. Dank dir.“ Er hat ein glückliches Lächeln im Gesicht. Sieht sie verträumt an. Dann legt er eine Hand an ihr Gesicht, beugt sich zu ihr hinüber und küsst sie.
Beide sind so glücklich und friedlich. Zufrieden mit der Situation, der Welt und sich selbst.
Sie hat alles aufgegeben. Für ihn. Aber auch ein bisschen für sich selbst. Zu Hause hatte sie viel Stress mit Leuten, die ihr nichts Gutes wollten. Dort hatte sie sich unglücklich verliebt, hatte nie eine konkrete Antwort bekommen und war schließlich emotionslos.
Jetzt hat sie ihre große Liebe gefunden. Zwar weit weg von der Heimat, aber alles was sie braucht ist dieser eine Mann.

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Publication Date: 11-22-2011

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