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Verliebt in einen Butterkeks

»Ihre Schrift zu entziffern, ist manchmal schon ein Abenteuer für sich«, schimpfte mein Verleger, als wir telefonierten. Im Hintergrund vernahm ich ein Gepolter, dass darauf schließen ließ, dass er in seinem Büro gerade ungehalten von einer Ecke in die andere wuselte. Er neigte zu übertriebener Nervosität.

»Meine Schrift?«, fragte ich. »Wieso? Ich habe Ihnen doch nichts Handschriftliches geschickt.«

»Schon«, erwiderte Herr Radetzki mit einem für ihn typischen gemein-spöttischen Unterton, »aber wahrscheinlich haben Sie mit verbundenen Augen getippt. Wäre es handschriftlich, dann wäre es die reinste Sauklaue.«

Ich wollte etwas erwidern, etwas wie: »Na, hören Sie mal, guter Mann, Ihre eigene Schrift lässt aus kalligrafischer Sicht ja nun auch zu wünschen übrig. Die unsauberen Notizen, die sie mir stets an meine Manuskripte heften …!« Und so weiter und so weiter und so weiter.

Doch bevor ich überhaupt einen Ton herausbekam, haute er mir schon den nächsten Vorwurf um die Ohren: »Und worüber Sie schreiben! Menschen! Junge Menschen, alte Menschen, kleine Menschen, große Menschen, dicke Menschen, dünne Menschen … So was will doch heute niemand mehr lesen!«

»Ja, aber … worüber soll ich denn sonst schreiben?«

»Ich schlage vor, Sie schauen sich einmal die Werke Ihrer Konkurrenz an. Gehen Sie mal raus!«

»Sie meinen, ich soll raus gehen, unter Menschen, darf aber nicht über Menschen schreiben? Was ist denn das für eine Logik?«

»Um Logik geht es hier nicht. Es geht um Profit. Nun tun Sie mir schon den Gefallen!«

 

Also schön, damit der Mann wieder ruhig schlafen konnte, verließ ich am Tag darauf meine trauten vier Wände, um einen Blick auf die literarischen Schöpfungen anderer Autoren zu werfen. Ich fuhr in die Stadt, um eines jener kolossalen Kaufhäuser aufzusuchen, in denen man für Geld

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 08-29-2018
ISBN: 978-3-7438-7940-9

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