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Herausgeber

Edition Rosalee

 

Ryan

 

Ruslan

 

Magdalena (Maggy)

 

Leseprobe: Kapitel 1

 

„Eine Pina Colada!“ Selbstbewusst bestellte Magdalena ihren Cocktail beim Barmann und dieser schaute etwas hilflos zu seinem Chef Ruslan. Wer teilte schon gerne der kapriziösen Pflegetochter eines russischen Mafiabosses mit, dass sie nach amerikanischem Gesetz noch zu jung war, um Alkohol trinken zu dürfen. Ruslan seufzte innerlich. Maggy konnte mit ihren gerade achtzehn Jahren bereits mehr vertragen als so mancher Bauarbeiter. Mit ihren Internatsfreundinnen hatte sie es in Paris ordentlich krachen lassen, als er sie das letzte Mal dort besucht hatte, und war dabei erstaunlich klar im Kopf geblieben.

„Eine Virgin Colada“, korrigierte Ruslan die Bestellung und Maggy schnaufte ironisch. Sie zeigte ihm den Mittelfinger und er ließ es ihr durchgehen. Maggy hasste das Wort Jungfrau - in jeder Sprache. Ruslan, der sie praktisch seit ihrer Geburt kannte, wusste auch, weshalb. Er gab ihr einen väterlichen Kuss auf die Stirn und orderte noch ein Glas Rum für sich.

Maggy schmiegte sich wie so oft in letzter Zeit viel zu eng an ihn. Wann begriff sie endlich, dass er nicht vorhatte, sie in sein Bett mitzunehmen? Ihr Besuch hier in New York barg bereits ein gewisses Risiko, dass die falschen Leute auf sie aufmerksam wurden und sie wieder in dem Milieu landete, aus dem er sie vor Jahren herausgezogen hatte – sein Milieu. Ginge es nach ihm, suchte sich Maggy einen wohlerzogenen Milliardärssohn mit dickem Trust Fund und lebte mit ihm ein glückliches Leben, ohne mit Menschenhandel, Drogenkriminalität und Prostitution in Berührung zu kommen. Ihre Zuneigung zu ihm konnte nur fehlgeleitete Dankbarkeit sein, weil er sie als Kind aus einer schrecklichen Situation befreit und bei sich aufgenommen hatte. Dabei hatte er das damals nicht einmal für sie getan, sondern lediglich eine Schuld gegenüber ihrer Mutter eingelöst.

Maggy schnappte sich den Rum von der Theke, kaum, dass er serviert wurde, kippte ihn in ihren Virgin Colada und rührte mit dem Strohhalm um. Ruslan tat so, als bemerke er es nicht, bis sie ihn mit dem Ellbogen anstieß.

„Was ist denn das für ein seltsames Teil?“, fragte sie und hielt Ruslan den Trinkhalm unter die Nase.

„Ein Ding, mit dem man sich eine Flüssigkeit in den Mund saugen kann?“, erwiderte Ruslan ironisch.

„Ich meine doch das Material. Das fühlt sich anders an.“

„Papier.“

„Papier? Schräg!“

„Umweltfreundlich“, korrigierte Ruslan sie.

„Als wenn dich die Umwelt auch nur einen Deut interessieren würde.“

„Ein verschuldeter Spieler hat sich mit einer LKW-Ladung davon einen Aufschub erkauft. Sie kosteten mich nichts und ich teste gerade, wie die Gäste des Clubs darauf reagieren.“

Misstrauisch drehte Maggy den Papierstrohhalm in den Händen, steckte ihn dann wieder in ihren gepimpten Drink und ließ ihn sich schmecken.

Ruslans Handy vibrierte und er nahm den Anruf entgegen: „Ja?“

Einer der Türsteher kündigte die Ankunft von Ken Takura und ein paar Geschäftsleuten in seiner Begleitung an. Der Japaner kontrollierte in seinem eigenen Territorium das Glückspiel und die Edelprostitution. Seit er mit der Amerikanerin Jasmine verheiratet war, hatte er den Straßenstrich zurückgefahren und ließ nur noch an einigen ausgewählten und besonders gewinnträchtigen Stellen anschaffen gehen. Die Mädels und Jungs wurden jetzt regelmäßig mit heißen Getränken und Sandwiches versorgt, wie Ruslans Spione berichteten. Ob diese eigentümliche Fürsorge in irgendeiner Weise auf den Einfluss von Jasmine zurückzuführen war, konnte Ruslan nur vermuten. Glücklich verheiratete Männer verhielten sich eben oft großzügiger, auch Yakuza-Bosse wie Takura.

Das zusätzliche Investment von Ken in seine Straßennutten zeigte erste positive Effekte. Sie sahen gesünder aus und zogen zahlungskräftigere Freier an. Ruslan überlegte bereits, seinen Bordsteinschwalben ebenfalls Lunchpakete zu spendieren.

Entschlossen löste Ruslan seinen Arm aus der Umklammerung von Maggy und machte sich auf den Weg, Takura höchstpersönlich zu begrüßen. Er gab Bull, seinem Schatten, ein Zeichen, ihm zu folgen. Auch wenn Ruslan mit Takura auf einigermaßen freundschaftlichem Fuß stand, gehörte so ein Leibwächter unbedingt zum Image eines russischen Bosses mit dazu.

Die Hostess hatte die Gruppe um Takura in den V.I.P.-Bereich des Clubs geführt. Es kribbelte plötzlich begehrlich in Ruslans Unterleib, als er den Tätowierer Ryan erblickte, einen Freund Takuras. Leider trug Ryan heute ein langärmeliges Hemd, wahrscheinlich ein Zugeständnis an die Anzugträger. Es war eine Schande, seine tollen Tattoos zu verdecken. Bedauerlicherweise hatte Takura Ryan vor Ruslan entdeckt, und in fremden Gewässern angelte Ruslan nicht. Ob Takura Ryan zu sich und Jasmine mit ins Bettchen nahm oder die drei lediglich gute Freunde waren, spielte dabei keine Rolle. Der Vertraute des einen Mafiabosses konnte nicht gleichzeitig im Bett eines anderen willkommen geheißen werden.

Ruslan schüttelte Takura herzlich die Hand und ließ sich von Jasmine einen Kuss auf die Wange hauchen. Er mochte ihren weiblichen, frischen Duft. Als sie sich umdrehte, um sich auf die Couch zu setzen, erblickte Ruslan einen Teil ihres Rückentattoos, welches ihr raffiniert geschnittenes cremefarbenes Seidenkleid offenbarte.

„Wow!“, entfuhr es Ruslan spontan.

„Danke!“, raunte Ryan ihm ins Ohr. Ruslan musste an sich halten, ihn nicht zu schnappen und so schnell wie möglich in sein Büro zu zerren. Dort wollte er unanständige Dinge mit ihm tun, vielleicht vor ihm in die Knie gehen und die so vielversprechende Beule in seiner Körpermitte freilegen ... Hoppla! Ruslan räusperte sich, als Ryan ihm zuzwinkerte, als könnte er seine Gedanken lesen.

„Dein Werk?“, fragte Ruslan mit rauer Stimme.

„Ja! Als Jasmine dem Fuchstattoo zustimmte, musste Ken ihr im Gegenzug dazu versprechen, sich nicht einzumischen, wenn sie es vorzeigen möchte. Eigentlich ...“

„... zeigen Japaner ihre Tätowierungen nicht in der Öffentlichkeit. Es ist in ihrem Land ein gesellschaftliches Tabu“, vervollständigte Ruslan den Satz.

Ryan lächelte. „Lust, dir selbst ein Motiv von mir entwerfen und tätowieren zu lassen?“

„Sorry, aber ich komme Takura nicht in die Quere.“

Jetzt runzelte Ryan die Stirn. „Keine Ahnung, was du damit andeuten willst.“

Ryan drehte sich abrupt um und setzte sich dann zu Jasmine.

Shit, fluchte Ruslan in Gedanken, orderte die erste Runde Champagner für die Gruppe aufs Haus und trat den strategischen Rückzug an.

 

xxx

 

Reichlich angepisst beobachtete Ryan, wie Ruslan Mendov, der Besitzer dieses Clubs, verschwand. Sollte Ryan Ken stecken, dass Ruslan eine intime Beziehung zwischen ihnen vermutete? Ja, Ryans Art zu tätowieren, war gelegentlich ungewöhnlich und verbunden mit erotischen Spielen. Aber nach Abschluss von Jasmines Rückentattoo hatte es keine sexuellen Begegnungen mehr mit Ken und Jasmine gegeben. Ihre Freundschaft jenseits dessen existierte noch. Wenn das Paar in New York weilte, verabredete es sich regelmäßig mit Ryan.

Weshalb, zum Teufel, fühlte er sich in letzter Zeit immer zu den falschen Kerlen hingezogen, zu Männern wie Ken und Ruslan? Als wenn die Gefahr, die sie ausstrahlten, einen Teil ihrer Anziehungskraft ausmachte.

Die gut gelaunte Jasmine zog Ryan von seinem Platz und auf die Tanzfläche, während sich Ken seinen Geschäftspartnern widmete und wieder einmal viel zu ernst dabei wirkte. Ein Teil von Ryan sehnte sich danach, ihm einen entspannteren Gesichtsausdruck zu schenken, vielleicht mit einem Blowjob. Der vernünftigere Teil von ihm wusste jedoch, dass er nicht der richtige Mann für Ken war. Ken sah ihn gelegentlich mit Zuneigung und Freundschaft an, wenn er nicht gerade seine kalte Maske trug. Leider fehlte seinen Blicken die Leidenschaft und Begierde, die Ryan sich bei einem Lover wünschte. Das Verlangen, was Ryan in den Augen von Ruslan zu erkennen glaubte, wenn dieser ihn anschaute. Zu schade, dass er Ryan nur als Spielzeug von Ken betrachtete.

Ryan sah in Richtung Bar, wo sich eine aparte junge Frau mit rotblonden, langen Haaren an Ruslan schmiegte und ihm irgendetwas erzählte, vielleicht ihre heutigen Shopping-Erlebnisse, die er womöglich finanzierte. Ruslan wirkte eher geduldig, als von ihren Avancen beeindruckt. Zwischen den beiden gab es auf jeden Fall eine familiäre Vertrautheit.

Ruslan schien zu ahnen, dass er beobachtet wurde. Plötzlich fixierte er Ryan mit seinen eisgrauen Augen. Es durchflutete Ryan heißkalt. Ruslans Worte hielten Ryan auf Abstand, seine Blicke dagegen verrieten, was er wirklich wollte - Ryan, hier und heute!

Sie mussten sich ja nicht gleich in eine Beziehung stürzen.

„Toilette!“, teilte Ryan Jasmine wortkarg mit und nickte ihrem Leibwächter kurz zu, damit er sich statt seiner zu ihr auf die Tanzfläche gesellte. Max rollte genervt mit den Augen, aber setzte sich in Bewegung.

Erneut verfing sich Ryans Blick mit dem von Ruslan. Sie starrten einander an, bis Ryan an Ruslan vorbei war und zielstrebig in den Flur trat, der zu den Restrooms führte. Allerdings bog Ryan in die andere Richtung ab. Vor der Treppe zu den Büros stand wie immer ein Guard. Der Mann musterte Ryan misstrauisch, sprach ihn jedoch nicht an, da Ryan einige Meter vor ihm stehen blieb, sich an die Wand lehnte, seinen Verdampfer aus der Hosentasche nahm und daran zog. Ryan war oft genug im Oduvanchik, kurz Odu, gewesen, um zu wissen, dass das Personal des V.I.P-Bereichs das Rauchen von E-Zigaretten bis zu einem gewissen Maß tolerierte. Sollte Ruslan Ryans Einladung verschmähen, dann verlor er wenigstens nicht das Gesicht, hier auf ihn zu warten.

Ryan nebelte den Raum in den nächsten Minuten ziemlich ein und der Wächter wurde zunehmend unruhiger. Vielleicht befürchtete er, dass Ryan die Sprinkleranlage versehentlich aktivierte. Gerade, als er einen Schritt in Richtung Ryan machte, tauchte Ruslan auf.

„Boss!“

Ruslan nickte seinem Mann zu, nahm Ryan den Verdampfer aus der Hand, sog selbst einmal daran und schaltete ihn dann aus. „Rauchen verboten!“, raunte er leise in Ryans Ohr.

„Bestraf mich doch!“, wisperte Ryan zurück und er spürte, wie ein Schauer der Lust durch Ruslan fuhr.

Ruslan packte Ryan am Oberarm und schob ihn vor sich die Treppe hinauf. In dieser Etage war Ryan noch nie gewesen. Vor einer Stahltür blieb Ruslan stehen und zog eine Schlüsselkarte durch den Kartenleser neben der Tür. Er führte Ryan in ein ziemlich unordentliches und siffig wirkendes Büro.

„Wenn du glaubst, dass ich mich in einer solchen Umgebung wie eine Straßennutte flachlegen lasse, hast du dich geschnitten“, grollte Ryan enttäuscht und wollte den Weg zurück nach draußen antreten, prallte dabei aber fast gegen Bull, der im Türrahmen stand.

„Bull! Schließ die Tür – von außen!“, befahl Ruslan und Bull tat, wie ihm geheißen.

Ohne auf Ryans Protest einzugehen, stellte sich Ruslan von ihm auf und begann, die Knöpfe seines Hemds zu öffnen.

„Es ist eine Schande, diese Pracht zu verdecken.“

„Ruslan ...“

Ryans Worte wurden mit einem sengenden Kuss erstickt und er ergab sich in die Hitze des Augenblicks. Zu schnell für seinen Geschmack endete der Kuss auch schon wieder und Ruslan trat von ihm zurück.

„Was?“, fragte Ryan verwirrt, als Ruslan zu einem Wandpanel trat, darauf drückte und es aufsprang. Eine versteckte Tür!

„Mein zweites Büro“, sagte Ruslan und bedeutete ihm mit einer einladenden Geste, in den anderen Raum zu treten.

„Stylisch!“, entfuhr es Ryan und blickte sich in dem luxuriös ausgestatteten Raum um.

Ruslan küsste ihn auf den Nacken und raunte: „Zufrieden?“

„Nimmst du mir jetzt einen heiligen Schwur ab, dass ich niemandem von diesem Zimmer erzähle?“, brummte Ryan.

„Ich schätze meine Privatsphäre, aber nein, du musst keinen Eid leisten. Ich verlasse mich einfach auf deine Diskretion.“

Ruslan knöpfte nun Ryans Hemd ganz auf, streifte es ihm ab und fuhr mit den Fingerspitzen die Ränder einiger Tätowierungen nach.

„Eigene Entwürfe?“

„Hm“, brummte Ryan abgelenkt, weil jede einzelne Berührung sinnliche Impulse durch seinen Körper jagte und in seinen Schwanz fuhr.

„Meisterwerke“, wisperte Ruslan, bevor er seine Lippen über einen von Ryans gepiercten Nippel legte und daran saugte. Ryan streichelte ihm durch die Haare und brachte so die sorgfältig gekämmte Frisur in Unordnung. Langsam, aber zielsicher, küsste sich Ruslan nach unten und Ryans Gürtel lag bald auf dem Fußboden. Als Ruslan den Reißverschluss aufziehen wollte, hörten sie ein Klicken und Ruslan sprang in einer fließenden Bewegung in eine stehende Position zurück, während er gleichzeitig nach seiner Waffe griff.

Durch eine zweite Tür trat die Rothaarige ein, die Ryan vorhin mit Ruslan an der Bar gesehen hatte.

„Maggy! Was hast du hier zu suchen?“, blaffte Ruslan sie an.

„Oh Shit! Ich dachte, du bist mit deinem Gast in dem anderen Büro“, hörte Ryan die Stimme von Bull hinter der Frau. „Maggy sucht ihren Diamant-Ohrring.“

Die Rothaarige musterte Ryan ungeniert von oben bis unten. „Du hast einen guten Männergeschmack, Ruslan, Baby.“

„Mein Männergeschmack geht dich einen Scheißdreck an!“

„Wie wäre es mit einem Dreier?“, fragte die Kleine kackfrech.

„Du fängst dir gleich drei Ohrfeigen ein.“ Ruslan packte sie am Oberarm und schob sie zurück in den Flur. „Keine weiteren Störungen!“, herrschte er Bull an, dessen Gesicht puterrot vor Beschämung war, das Sexleben seines Bosses gestört zu haben. Mit Kraft warf Ruslan die Tür zu und sperrte so die beiden Eindringlinge aus. Knurrend steckte er seine Pistole wieder in das Holster.

„Du hättest sie nicht wirklich geschlagen, oder?“, fragte Ryan unbehaglich.

„Wen, Magdalena? Nein! Einmal habe ich ihr den Hintern versohlt, als ich sie mit meiner Glock in der Hand erwischte. Da war sie gerade neun Jahre alt. Sie wollte Anatolij ... ach, lassen wir das.“

„Ist sie deine Tochter?“

Ruslan öffnete eine Schranktür und das Licht einer verspiegelten Bar sprang an. Er goss Wodka in zwei Gläser. Eines davon reichte er Ryan. „Maggy ist meine Pflegetochter. Wir sind nicht genetisch miteinander verwandt. Normalerweise lebt sie in Paris, aber dort rückte ihr jemand zu sehr auf die Pelle und sie nahm den nächsten Flieger nach New York, um unter meine Flügel zu schlüpfen.“

Die Falten auf Ruslans Stirn vertieften sich, als würde er sich ernsthafte Sorgen um die junge Frau machen. Er kippte seinen Wodka in einem Zug und bewegte die Schultern in dem sichtlichen Bemühen, sich wieder zu entspannen.

„Sie scheint mehr von dir zu wollen.“

„Ich bin zu alt für sie.“

„Wie alt bist du denn?“

„Fünfunddreißig.“

„Ich hätte dich eher auf vierzig geschätzt“, entfuhr es Ryan und gleich darauf kickte er sich in Gedanken selbst dafür in den Arsch. Was für ein tolles Kompliment für jemanden, an dem man sexuell interessiert war.

„Das frühe Altern bringt der Beruf mit sich“, entgegnete Ruslan ironisch.

„Sorry, ich bin ein Trampel. Habe ich dir jetzt die Stimmung verdorben?“

„Das hat schon die eifersüchtige Maggy geschafft.“ Ruslan strich sich mit gespreizten Fingern durch die Haare. „Das ist wahrscheinlich auch besser so, denn ...“

„Lass gefälligst Ken aus dem Spiel! Ich treffe meine eigenen Entscheidungen.“

„Das Problem ist: Wenn du dich mit mir einlässt, dann wird sich deine Freundschaft mit Ken in Luft auflösen. Er tut das nicht, um dir weh zu tun, sondern aus Selbstschutz.“

„Ein Fick ist noch kein Einlassen, oder?“

Ruslan nahm Ryan das noch unberührte Glas aus der Hand und stellte es auf der Bar ab. Er zog Ryan an den Kanten seines offenen Hemds zu sich heran und hauchte ihm gegen die Lippen: „Glaubst du, dass uns einmal genügen wird?“

Ein sinnlicher Schauer durchlief Ryan und sein steinharter Schwanz rieb sich an dem von Ruslan. Mit einem Grollen überwand Ryan die letzten Millimeter und presste seine Lippen auf die von Ruslan. Je mehr sie einander verschlangen, umso hungriger wurden sie. Schließlich besann sich Ruslan auf das, was er eigentlich tun wollte und ging erneut vor Ryan auf die Knie. Langsam und mit einem genüsslichen Ausdruck im Gesicht zog Ruslan den Reißverschluss von Ryans Hose auf und rieb seine Nase an der harten Beule unter dem Slip. Ryan hörte ihn tief einatmen.

„Ich könnte ein Stück von dir abbeißen, so gut riechst du“, schnurrte Ruslan, nahm den Bund von Ryans Slip zwischen die Zähne und zog ihn herunter.

Ryan stöhnte auf und der Anblick von Ruslans Zunge, der ihm das Precum vom Schwanz leckte, ließ ihn fast abspritzen. Gleich darauf kickte auch der sensorische Reiz in seine Hoden.

„Argl, ich ...“ Ryan zog an Ruslans Haaren, um ihn noch schnell zu warnen. Statt zurückzuweichen, öffnete Ruslan den Mund weit und Ryans Sperma floss ihm über die Zunge. Keuchend hielt sich Ryan an dessen Schultern fest.

„Peinlicher Frühstart“, japste er.

Ruslan schmunzelte, leckte ihm ein letztes Mal über die Eichel und erhob sich dann. Er trat zur Bar und kippte das zweite Glas Wodka herunter.

„Hey! Das war meiner!“

„Hol ihn dir doch zurück!“

Ohne zu zögern, küsste Ryan ihn und stieß ihm die Zunge tief in den Mund. Er schmeckte den ausgezeichneten Wodka und sich selbst. Eine exquisite Mischung, fand er. „Darf ich dich auch ansehen?“, wisperte er an Ruslans Lippen.

„Meine Tätowierungen sind grob und ohne künstlerische Leidenschaft gestochen worden. Sie sind lediglich ... Symbole.“

„Bitte!“, flüsterte Ryan und spielte am obersten Knopf von Ruslans Hemd.

Ruslan löste sich sanft von ihm, streifte sein Sakko und das Holster seiner Waffe ab. Beides legte er über die Rückenlehne eines Sessels. Er breitete die Arme aus und signalisierte so seine Zustimmung. Sofort begann Ryan, Knopf um Knopf zu öffnen. Jeder freigelegte Zentimeter Haut wurde mit einem Kuss bedacht. Endlich stand Ruslan mit nacktem Oberkörper da und Ryan betrachtete dessen Vorderseite mit dem Blick eines Künstlers. Es war nicht das erste Mal, dass er Mafiatätowierungen ansah oder verschönerte. In Gedanken entwarf er ein Konzept, wie er die grobschlächtigen Motive, die er auf Ruslans Körper sah, verfeinern und veredeln konnte.

„Was geht dir durch den Kopf?“, fragte dieser ihn in einem amüsierten und gleichzeitig etwas irritierten Ton.

„Sorry! Ich tätowiere dich gerade in meiner Fantasie.“

„Ach? Und welche Motive kommen dir dabei in den Sinn?“

„Noch keine bestimmten. Vielleicht ein Löwe für deinen Rücken. Den habe ich allerdings noch nicht gesehen.“

Ruslan runzelte die Stirn. „Löwe?“

„Entschuldige! Ich möchte dir nicht zu nahe treten.“

„Tust du nicht. Dein Vorschlag ist interessant. Weshalb ein Löwe?“

„Dein Name, deine Statur ... Du bist sehr muskulös.“

„Ein Mann, den ich kenne, Dmitri, hat sich vor Jahren einen Bären auf den Rücken tätowieren lassen. Er glaubt daran, dass dadurch die Kraft des Tiers auf ihn übergeht. Er hat sogar seine Sicherheitsfirma nach einem Bärengott benannt – Matunus.“

„Du kennst den Investor Dimitri Kostja?“

„Ja, ich bin ihm schon begegnet. Was weißt du über ihn?“, fragte Ruslan misstrauisch.

„Gelegentlich müssen die Farben von Tätowierungen aufgefrischt werden. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“ Ryan verschränkte die Arme vor der Brust und Ruslans Blick wurde wieder weicher.

„Er ist ein Kunde von dir.“

„Mag sein, mag nicht sein.“

Ruslan trat zu Ryan heran und lehnte sich so zu ihm, dass sich ihre jeweilige Stirn berührte. „Ich bin nicht so abergläubisch wie Dmitri, aber die Vorstellung, mit einer Tätowierung die Kraft des Löwen auf mich übergehen zu lassen, fasziniert mich schon lange.“

„Darf ich deinen Rücken sehen?“

„Kein Löwe!“

„Weshalb nicht?“

„Vielleicht wartete ich auf den richtigen Tätowierer, der mit Narbengewebe umgehen kann?“

Innerlich erschrocken, aber äußerlich ruhig und professionell, erwiderte Ryan: „Auf Narben, die älter als zwei Jahre sind, kann man in der Regel gut tätowieren. Darf ich sie mir ansehen?“

„Ein anderes Mal. Kümmere dich jetzt um meinen Schwanz.“ Mit einer dominanten Geste griff sich Ruslan Ryans Hand und presste sie auf seine Körpermitte.

Ryan lachte amüsiert auf und kniete sich vor ihn. „Dein Wunsch ist mir Befehl!“

 

xxx

 

Kens Miene wirkte eiskalt und undurchdringlich. Seit Ryan von oben zu ihm und Jasmine zurückgekehrt war, stellte er ein besonders distanziertes Gesicht zur Schau, was seine Geschäftsfreunde allerdings nicht zu bemerken schienen. Die amüsierten sich prächtig. Ryan gab Ken zuliebe wieder den fröhlichen Gesellschafter, bis die Runde sich endlich, endlich auflöste und der Chauffeur Ken, Jasmine und Ryan nach Hause fahren konnte. Fast befürchtete Ryan, dieses Mal ein Taxi nehmen zu müssen, aber Ken ließ ihn mit einsteigen.

Jasmine streifte ihre High Heels ab, schmiegte sich unter eine Decke, gähnte ungeniert und schlief kurz darauf ein.

Ken reichte Ryan ein Mineralwasser. „War es mit Ruslan nur ein Fick oder ist es mehr?“

Seufzend rieb sich Ryan über die Nasenwurzel. „Ruslan hat vermutet, dass du so reagierst.“

„Weil er ein ziemlich schlauer Mann ist.“

„Ich weiß nicht, was mit Ruslan wird, okay? Mag sein, dass ich ihn tätowiere. Wir werden sehen ...“

„Und sollte er dich beauftragen, wirst du dann Sex mit ihm haben?“

„Das geht dich nichts an. Ich verrate ihm schließlich auch nicht, wie ich Jasmine tätowiert habe und welche Rolle du dabei spieltest.“

„Shit!“, fluchte Ken, strich sich durch die Haare und für einen Moment blitzten Emotionen in seinen Augen auf. Dann hatte er sich wieder im Griff. „Nach diesem Abend wird es keine privaten Treffen mehr zwischen uns geben, Ryan.“

„Wegen Ruslan?“

Ken trank sein eigenes Mineralwasser aus. „In den Kreisen, in denen sich Ruslan und ich bewegen, müssen sich unsere Freunde für eine Seite entscheiden. Du kannst nicht mit mir und Ruslan gleichzeitig befreundet sein. Ich wünsche dir viel Glück mit ihm und hoffe, dass du bei ihm findest, was du suchst.“

Fast schon übertrieben vorsichtig stellte Ken die Flasche in die Bar zurück. Er griff Ryan im Nacken und küsste ihn auf die Lippen. Seine Zunge strich sanft über die von Ryan, bis der Wagen anhielt und Ryan bemerkte, dass sie vor seinem Wohnhaus standen. Ken löste sich von ihm, drehte sich demonstrativ von ihm weg und starrte aus dem Fenster. Ryan seufzte, gab der schlaftrunkenen Jasmine einen letzten Kuss auf die Stirn und stieg aus dem Fahrzeug.

Shit!

 

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Publication Date: 05-22-2018

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