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Inhaltsverzeichnis

 

1 - Dieses Flugticket habe ich nicht bestellt 

 

2 - Mit Kugelschreibern klickt man nicht

 

3 - Tiramisu auf Löffeln

 

4 - Tiefschlaf der Prinzessin ohne Namen 

 

5 - einmal baden, oder lieber zweimal 

 

6 - Tacos essen ist eine Kunst 

 

7 - Abschlussessen

 

8 - sie muss nicht recht behalten 

 

9 - tut Verrücktwerden weh?

 

10 - und nun? 

 

11 - mein Herz rast 

 

12 - schreib mir 

 

13 - Magenschmerzen 

 

14 - ich kann das allein 

 

15 - Urknall 

 

16 - Kinderpflaster 

 

17 - nur ein Drink 

 

18 - neu ist nicht immer besser 

 

19 - Epilog

Dieses Flugticket habe ich nicht bestellt

 Clara :

 

Als ich die Stufe des Rednerpults heruntersteige, hat sich der kleine und vollgestopfte Konferenzraum spürbar aufgeheizt und die sechs Männer vor mir scheinen genauso zu schwitzen wie ich.

Es ist zwischenzeitlich Nachmittag geworden und ich habe viel Zeit für meinen Vortrag verbraucht, doch ob es ausgereicht hat und ich sie überzeugen konnte, kann ich nicht beurteilen.

In den letzten Stunden kam die überraschend warme Maisonne immer mehr zur Geltung und der vollkommen verglaste Raum im 9. Stock wurde von warmem Licht geflutet. Froh darüber, dass ich mich heute Morgen für mein neues Kostüm entschieden habe, hat es mich davor bewahrt, an Überhitzung zusammenzubrechen und meine Haare, welche ich mir gestern schmerzhaft über Nacht eingedreht habe, springen ganz sicher nicht mehr auf Höhe meiner Schultern, sondern hängen leblos auf meiner Hüfte.

Endlich spüre ich, wie die Last der letzten vierzehn Monate von mir abzufallen beginnt.

Mein Assistent Kai Stemmer schaut wenig beteiligt im Raum umher, was ich ihm aber nur bedingt übel nehme, denn er hat nur wenig Ehrgeiz bei diesem Projekt gezeigt.

Mein Chef Michael Richter sitzt entspannt auf seinem Stuhl und beobachtet seine Gegenüber. Ständig hat er einen undurchdringlichen Blick aufgelegt und bis jetzt war er mir keine große Hilfe. Mit seinem graphitfarbenen Anzug und seinem perfekten Businesshaarschnitt beeindruckt er mich nur wenig. Seine leicht ergrauten Schläfen und dem dazu passenden, bestimmt von einer Friseurin getrimmten 3-Tage-Bart, lassen ihn seriös und etwas angsteinflößend wirken, doch ich weiß, dass er einer der herzlichsten Menschen ist, die ich kenne.

 

Jedoch die Staffel der vier Männer aus Richmond/Virginia, die eifrig während der ganzen Präsentation auf ihre Tablets eingedroschen hat, interessiert mich um so mehr.

Ich war enttäuscht, als sie heute Morgen wie eine Naturgewalt das Gebäude eroberten.

Allesamt sind zwar gut aussehende Männer in den Dreißigern in perfekt sitzenden Anzügen, welche alle Frauen in ihren Bann ziehen, doch sie sind nur eine Delegation von Werbefachmännern und Juristen, die die Europa-Kampagne in Augenschein nehmen sollen. Ich hatte erwartet, dass ein Mitglied der Geschäftsleitung der Redwood Group erscheinen würde.

Besser gesagt wollte ich den CEO, F.C. Redwood, jr. sehen. Er hat mir die gesamte Zeit des Projektes die Luft zum Atmen genommen und wöchentlich verlangte er einen Statusbericht, welchen er zerpflückte wie einen Aufsatz in der 8. Klasse und verbesserte ihn. Jedes Mal verlangte er umgehende Korrekturen, die meist in achtundvierzig Stunden vorgenommen werden sollten und zu Beginn machten mich seine E-Mails mitten in der Nacht oder zum Wochenende extrem wütend.

Hatte es sich noch nicht bis zu ihm durchgesprochen, dass es so etwas wie Zeitverschiebung gab, oder meine Wenigkeit nicht als leibeigen zu bezeichnen ist?

 

Die einzige Aussage meines Chefs dazu war damals eindeutig.

"Clara, das ist der wichtigste Auftrag des Unternehmens, und wenn F.C. Redwood verlangt, dass du ihm wöchentlich Pralinen schickst, wirst du das gefälligst auch tun. Ich kann den Auftrag auch weitergeben." Das hatte gesessen und die E-Mails des CEO gehören nun seit dem letzten Jahr zu meinem Leben, wie das Atmen selbst.

 

Während ich zu meinem Platz gehe und spüre, wie mein Körper nach einer Pause schreit, folgen mir nun sechs Paar Augen.

Dieser Auftrag hat mich zwölf Kilo und eine Menge Schlaf gekostet. Ungeduldig erwarte ich eine Reaktion, doch nichts geschieht.

Langsam werde ich nervös und meine Handflächen werden schwitzig, doch versuche ich, das Bedürfnis, sie an meinem Rock abzuwischen, zu unterdrücken.

War all meine Arbeit umsonst, und ich kann mir gleich meine Kündigung abholen? Oder habe ich unserem Unternehmen den Coup des Jahrhunderts geliefert?

Nachdem nichts geschieht, ergreift Herr Richter endlich das Wort und ich könnte ihm aus Dankbarkeit an den Hals springen, denn das bedeutet, dass er zufrieden ist.

Endlich erbarmt sich nun auch einer der Angestellten der Redwood Group, etwas zu sagen. Falls ich mich richtig erinnere, ist es Rick Silver, der Projektleiter für Europa. Sein Akzent und seine melodische Stimme erfüllen den Raum, und mein ganzer Körper steht unter Strom.

"Erst einmal vielen Dank für Ihre Zeit und diese Präsentation. Wie uns Mr. Redwood schon versicherte, ist der Besuch Ihres Unternehmens keine Zeitverschwendung gewesen. Doch leider konnte Mr. Redwood uns aufgrund eines unvorhersehbaren Termins nicht begleiten. Mit dem von Ihnen vorbereiteten Material werden wir mit unserer Geschäftsleitung über die Vergabe des Auftrags beraten und melden uns zu gegebener Zeit«

 

Waaas? Das ist doch nicht sein Ernst?

Er wird uns seine Entscheidung nicht direkt mitteilen? Mein Blick fliegt zu meinem Chef, der nun ebenfalls sichtlich mit seiner Fassung ringt.

Einer der Juristen lehnt sich zu Mr. Silver herüber und dieser stimmt mit einem Nicken zu und fährt mit völlig regungsloser Stimme fort.

"Dürften wir Sie bitten, uns einen Augenblick allein zu lassen? Wir müssen kurz etwas besprechen."

Besprechen?

Haben die gerade entschieden, uns den Auftrag nicht zu geben? Kalter Schweiß bildet sich in meinem Nacken. Mein Chef, mein Assistent und ich stehen alle gleichermaßen um Fassung ringend auf und verlassen den Konferenzraum.

 

Im Flur richtet mein Chef den ersten Kommentar an mich.

"Clara, wenn sie die Kampagne nicht wollen, sind die Amis dümmer als ich dachte, also bleib cool. Herr Stemmer, Sie können zurück an Ihren Platz, das Szenario gönne ich mir mit Clara allein."

Nun bin ich völlig durch den Wind, war das ein Lob? An solchen Tagen höre ich mein Bett wie wild nach mir rufen und ich bin einfach nur noch müde und bin mir sicher, dass, wenn ich noch eine Kleidergröße einbüße und ich noch eine weitere Lage Make-up zum Verdecken meiner Augenringe brauche, kann ich locker in einem Horrorfilm als Zombie mitspielen.

Bevor ich mich völlig in meinen verrückten Filmfantasien verliere, öffnet sich die Tür und Herr Silver bittet uns wieder herein.

Herr Richter setzt sich neben mich und tätschelt nur kurz, aber aufbauend mein Bein unterm Tisch. Ich bin so überrascht, dass mein Gesichtsausdruck und das kurze Keuchen unsere Gegenüber aufschauen lassen.

"Herr Richter, Ihre Arbeit haben Sie gemacht und mit Frau Phillips haben Sie eine Kraft, welche sich jedes Unternehmen nur wünschen kann. Doch wir haben nicht vor, Bericht bei Mr. Redwood zu erstatten."

Das nenne ich mal einen Schlag in die Magengrube, das hört sich nicht gut an. Doch als Mr. Silver weiterspricht, schaue ich ihn nur noch sprachlos an.

"Sondern wir bitten Sie, dass Miss Phillips uns morgen begleitet und ihr Projekt dort den beiden Herren Redwood vorstellt. Wir versprechen, dass Sie Mrs. Phillips schnellstmöglich wieder bei sich haben werden.«

Hitze breitet sich in mir aus. Das darf doch nicht wahr sein. Hat mir Richter nicht vor fünf Tagen Zwangsurlaub auferlegt, wenn diese Präsentation durch ist?

Nur die Vorstellung, mich ein paar Tage in meinem Bett zu verstecken, konnte mich überleben lassen. Bitte nicht das auch noch.

Herr Richter räuspert sich, was kein gutes Zeichen ist.

"Mr. Silver, in Anbetracht der Situation, und dass Miss Phillips sowieso in Urlaub geht, ist es Ihr sicher ein Vergnügen, eben diesen Urlaub in den Staaten zu verbringen." Das hat er nicht eben gesagt, oder? Wurde mir gerade mein Urlaub vorgeschrieben?

Meine Gedanken überschlagen sich und mein noch extrem kleiner Rest Stolz protestiert, ich spüre, dass ich chancenlos bin und frustriert sacke ich zusammen.

"Fine, fine, ich werde alles Nötige veranlassen und lasse Ihnen dann die Daten durch unsere Sekretärin zukommen. Unser Flug geht morgen um vier Uhr und wir reisen mit einem Firmenjet, ich hoffe, das ist Ihnen recht?!"

Mein erster Gedanke ist: Super einen zwölf Stunden Flug mit diesen Spießern. Und wenn man denkt, es kann nicht schlimmer werden, muss es ja schlimmer kommen. Während ich mit meinem Schicksal hadere, weiß ich jetzt schon, was meine Eltern sagen werden.

Kind bist du dir sicher? Dieser Job frisst dich schon viel zu lange auf. Schau dich nur an, du siehst bemitleidenswert aus.

Das wird lustig werden.

 

Doch während ich meinen Gedanken nachhänge, bemerke ich nicht, dass die Herren mich mustern und es sieht aus, als sei alles geklärt. Schnell ziehe ich meinen Blazer an und wir bewegen uns in Richtung der Tür.

Eine höfliche Verabschiedung folgt und die Delegation verlässt unsere heiligen Hallen.

Richter und ich bleiben am Aufzug zurück und mir ist zum Heulen zumute. Habe ich meine Loyalität der Richter Agentur nicht genügend in den letzten sechs Jahren und insbesondere der vergangenen vierzehn Monate bewiesen?

Richter umschließt meinen Oberarm, zieht mich in sein Büro und drückt mich in den Sessel vor seinen überdimensionalen Schreibtisch. Ich komme mir vor wie im Rausch. Nein, ich kann nicht mehr, bitte.

"Clara, ich sehe schon seit längerem, dass dieses Projekt dir mehr abverlangt, als du zu schaffen denkst, aber du hast es bewältigt. Ich hatte keinen Zweifel und du hast mich nicht enttäuscht. Du fliegst morgen nach Richmond, wartest auf die Audienz bei den beiden Redwoods, fegst sie vom Hocker und danach machst du Urlaub in New York auf Agenturkosten und bleibst so lange, bis du wieder fit bist."

 

Mehr kann ich nicht erwarten, oder? Und mehr wird mir Richter auch nicht zugestehen, was will ich also mehr? Nichts, ich bin stark, ich kann das!

 

Es wird aber bedeuten, dass ich meinen dreißigsten Geburtstag allein in New York verbringen werde. Noch so eine Sache, die meine Eltern sicher nicht freuen wird.

Egal, ich habe mir die letzten Monate nicht das Leben verboten, um jetzt zu kneifen.

Nach kurzem Nicken verlasse ich Richters Büro und steuere direkt meinen Schreibtisch im Großraumbüro an. Seit meinem Praktikum vor sechs Jahren habe ich diesen Platz, meinen Platz! Und in den letzten Monaten war dieser Schreibtisch mein Arbeitsplatz, mein Wohnzimmer und Bett zugleich gewesen. Ich packe alles Wichtige ein, gebe meinen Kaktus meiner Schreibtischnachbarin Nicole und verabschiede mich von meinen Kollegen, die denken, ich ginge in meinen mehr als verdienten Urlaub.

Als ich das Gebäude verlasse, grüße ich noch kurz unseren Pförtner und steuere auf die Frankfurter U-Bahn zu. So langsam werden mir die letzten Stunden bewusst. Was soll's, Urlaub so lange ich brauche, ist Entschädigung genug.

 

Zu Hause angekommen rufe ich erst einmal bei meinen Eltern an und mit jedem weiteren Klingeln steigt meine Unruhe, und als sich der Anrufbeantworter meldet, spule ich nach zwei Sekunden Bedenkzeit alle Informationen schnell herunter. Bevor sie protestieren können, werde ich schon in der Luft sein.

Nach dem Umziehen schlendere ich über den Hausflur und zwei Türen weiter klopfe ich. Meine beste Freundin und Nachbarin Ria öffnet mir und schaut mich mit dem gleichen Blick an wie meine Eltern.

"Clara, du siehst Scheiße aus. Komm rein, oder hast du mal wieder keine Zeit?" Ja, eine gute Freundin war ich seit dem Redwood Projekt nicht, aber wir kennen uns schon seit der Uni und ich weiß, dass sie mir nicht lange böse sein wird.

Sie ist wie immer perfekt gestylt, ihre roten Locken hat sie locker hochgesteckt und ihre Beine stecken in einer superengen Jeans. Das Shirt in XXL Look lässt sie frisch und jung wirken.

Müde gehe ich einfach durch ihren überfüllten Flur und bin immer wieder überrascht, wie viel auf ihre 70 qm passen. Meine Wohnung gleicht eher einem Möbelhaus und viel Persönliches steht nicht herum, so ist es leichter Ordnung zu halten. Viele finden, sie sieht aus wie eine klassische Männer-Wohnung, aber ich mag es so.

Auf ihrem Heiligtum von knallbuntem Sofa lasse ich mich fallen und hoffe, dass sie mich nicht auf den Sessel verbannen wird.

Mit einer Flasche Coke und zwei Gläsern kommt sie ins Wohnzimmer, schenkt ein und gibt mir ein volles Glas.

"Hier, damit du mal etwas Zucker ins Blut bekommst. Am liebsten würde ich dir Currywurst mit Pommes frites holen, aber ich denke, dein geschundener Körper kommt mit so vielen Kohlenhydraten und Fett gar nicht mehr zurecht. Erzähl, wie es gelaufen ist und dann planen wir endlich deinen Urlaub."

 

Ihr Gespür, immer genau ins Schwarze zu treffen, ist für mich immer noch erschreckend und ich bin überzeugt, dass sie eine tolle Anwältin wird. Kleinlaut erzähle ich von den letzten Stunden und warte auf das große Donnerwetter.

"Mensch Clara, dass du so ein Projekt nicht noch einmal ohne anständigen Assistenten durchziehst. Jetzt musst du allein fliegen, obwohl das besser ist als mit Richter und zu deinem Geburtstag komm ich zu dir. Hallo? ... New York, das rocken wir. Jetzt gehst du duschen und wir gehen noch etwas trinken. Auf den Schock brauche ich etwas Nettes."

Ob sie einen Cocktail oder einen Mann meint, weiß ich noch nicht genau, aber bei einem Cocktail bin ich dabei. So ist Ria, gibt das Leben dir Zitronen, besorge dir Tequila und mache eine Party daraus. Und obwohl ich eher verzichten möchte, steckt ihr Wesen einfach nur an.

Außerdem weiß ich, dass jeder Widerstand zwecklos ist.

Meinem Schicksal ergeben, sitzen wir kurz darauf in unserer Stammlounge und schlürfen Wodka Energy, um mich am Einschlafen zu hindern. Jeden Versuch, mir einen Kerl schmackhaft zu machen, wehre ich ab, genauso wie in den letzten zwei Jahren und um halb zehn sieht Ria ein, dass ich keine Party, sondern ein Bett brauche.

Wir schleppen uns lachend nach Hause und ich falle noch angezogen ins Bett. Mit einem Ruck bin ich wieder oben.

Was bin ich doch blöd, ich muss noch packen! Überraschenderweise fällt mein Gepäck eher minimalistisch aus. Mein Ziel ist es, herumzugammeln und nichts zu tun. Also beschränke ich meine Garderobe auf jede Menge bequemer Stücke und nur wenig ausgehfähigem Material. Noch den Aktentrolley und ich bin stolz auf mich. Jetzt bleiben mir noch vier Stunden Schlaf, und meine Reise kann beginnen.

 

Als der Wecker klingelt, denke ich an sterben. Die Frau, die mich im Spiegel anschaut, kenne ich nicht wirklich, doch das ist jetzt egal. Ich gehe duschen, ziehe mir meine Skinny Jeans an, dazu eine luftige altrosa Bluse und ein paar Keilpumps. Auch wenn die Herren wahrscheinlich schockiert über die Augenringe sein werden, gebe ich mir nicht mehr Mühe, sie zu verheimlichen und lasse das Make-up weg.

Bis zum Termin mit dem CEO wird es wahrscheinlich Montag werden und bis dahin habe ich genügend Zeit, mich wieder herzurichten.

Das Taxi steuert den kleinen Privatflughafen an und hätte die Fahrt noch weitere zehn Minuten länger gedauert, wäre ich wieder eingeschlafen. Der große Kaffee in meiner Hand wird es schon richten und kaum angekommen, warten auch schon alle auf mich.

Es ist doch erst zwanzig nach drei! Das war wohl nix mit deutscher Pünktlichkeit.

Mein Gepäck wird direkt vom Bordpersonal in Empfang genommen und mein Aktentrolley nimmt Mr. Silver, der mich herzlich begrüßt.

Er ist in Jeans, dunklem Poloshirt und einer schwarzen Lederjacke und eigentlich sind alle leger gekleidet und ich bin erleichtert. So sehen sie etwas sympathischer, fast schon heiß aus.

"Miss Phillips, schön das Sie pünktlich sind. Wir werden auch gleich starten können, die Fluggenehmigung kommt in den nächsten Minuten. Wir haben Ihnen einen Fensterplatz freigehalten, wenn Ihnen das recht ist."

Wir steigen ein und ich bin überrascht, wie groß und hell alles ist. Freundliches Hochglanzholz, alle Griffe dunkel abgesetzt und jede Menge Chrom. Auf den Kopfstützen sind die Initialen F.C.R. eingestickt und ich schaue verwundert. Beim Einsteigen habe ich nicht darauf geachtet, mit was für einer Maschine wir fliegen werden.

 

"Das ist das Flugzeug von Mr. Redwood", erklärt mir Mr. Silver und ich setze mich. Alle stellen sich noch einmal vor und ich versuche, mir alles zu merken. Rick ist ein blonder Mann, der eher klassisch wirkt, und ist Mr. Redwoods rechte Hand.

Ryan ist der klassische Surfer Typ. Braungebrannt, blondes Haar und um seine Augen hat er sympathische Lachfalten. Er ist eindeutig der Klassenclown und nebenbei der Firmenanwalt.

Stanley ist ein Kerl, welcher immer klar sagt, was er meint.

Seine haselnussbraunen Haare sind etwas länger und perfekt gestylt. Sein ganzes Erscheinungsbild hat etwas Metrosexuelles und er ist ebenfalls für das Marketing zuständig.

Der Letzte im Bunde ist Phil. Er hat optisch etwas von Tiger Woods und ist ein ruhiger Typ, aber sein Lächeln strahlt etwas Herzliches aus. Firmenanwalt.

Wir bieten uns das Du an und mittlerweile finde ich die Männer sympathisch. Meinen leeren Kaffeebecher stelle ich vor mich auf den Tisch und eine nette Flugbegleiterin fragt nach, ob es noch ein frischer Kaffee sein dürfe, dankend nehme ich an.

"Clara, du siehst sehr erschöpft aus. Geht es dir gut?", fragt Rick.

"Oh ja, dein Chef weiß es einfach nur, wie er einen auf Trab halten kann. Ich denke, ich habe in den letzten vierzehn Monaten weniger geschlafen als du wahrscheinlich in einem Monat", lache ich und das allgemeine Nicken deute ich als wissende Zustimmung.

"Dann hast du ja ein paar Stunden, um dich auszuruhen". Dass ein neuer Kaffee kommt, bekomme ich schon nicht mehr mit.

 

...

 

Felix :

 

Was bin ich froh, wenn unsere Villa endlich fertig ist und ich wieder meine eigenen vier Wände habe.

Denn wirklich Lust, hierzubleiben habe ich nicht. Das Bad ist völlig in Nebelschwaden gehüllt und der Spiegel ist beschlagen. Sobald ich angezogen bin, werde ich verschwinden. Im Büro wartet bestimmt schon Christoph. Und die Jungs werden sich auch bald melden.

 

Bevor ich das Schlafzimmer betrete, bereue ich das alles hier. Shannon rekelt sich nackt auf dem Bett, und dass sie nicht abgeneigt auf eine weitere Runde ist, lässt sich nicht von der Hand weisen.

Aber es wird so schnell keine weitere Runde geben. Die nächsten Tage werden stressig und darüber bin ich froh.

"Ich werde jetzt fahren", teile ich ihr mit, und als ich mein Hemd zuknöpfe, klingelt mein Handy und ich bin schon lange nicht mehr so froh gewesen über eine Störung.

Ich stopfe das Hemd in die Hose und sehe auf dem Display, dass es Rick ist. Hoffentlich hat er gute Nachrichten.

"Ich melde mich, Shannon", damit drehe ich mich um und nehme das Gespräch an,

"Hey Kumpel, sag mir, dass du gute Nachrichten hast", begrüße ich ihn. Ich schaue über die Schulter und bleibe stehen.

Shannon öffnet die Schenkel weit und anstatt über den nächsten Sex nachzudenken, fällt mir nur eines ein.

Diese Frau ist wie eine Pizza. Während man sie sich einverleibt, ist es toll. Aber danach weiß man, dass es nicht gut war. Lässig streichelt sie sich an den Innenseiten ihrer Schenkel, "ich weiß, dass du wiederkommst. Du kommst immer wieder und ich werde genau hier sein."

Kopfschüttelnd verlasse ich das Schlafzimmer und schnappe mir im Vorbeigehen mein Jackett, welches über der Couchlehne hängt. Die Tür fällt ins Schloss.

 

"Felix, wir verlassen gerade die Richter-Agentur. Christoph und du haben die richtige Wahl getroffen, das Projekt ist perfekt. Aber es gibt eine Planänderung." Was ist denn nun schon wieder?

"Was soll das heißen? Planänderung? Ich habe euch zu viert nach Deutschland geschickt. Das war doch kein schwerer Auftrag. Steht der Vertrag, oder nicht?"

Christoph hatte mich nach Pittsburgh geschickt, um weitere Verhandlungen zu führen und deshalb konnte ich nicht mit zur Richter-Agentur, aber Probleme habe ich nicht erwartet.

"Felix, wir kommen zu fünft zurück. Ryan hatte eine klasse Idee. Wir bringen diese Miss Phillips mit. Das musst du mit eigenen Augen sehen." Das kann doch wohl nicht wahr sein. Nur kontrollieren, dass die Wochenberichte der Wahrheit entsprechen, die Zusage erteilen und mit dem Vertrag zurückkommen. Dafür habe ich meine vier besten Jungs losgeschickt.

"Willst du mich auf den Arm nehmen? Was war so schwer an eurer Aufgabe? Ich dachte, ich könnte mich auf dich verlassen."

 

Unten am Auto wartet John auf mich. Er öffnet mir die Beifahrertür und ich lasse mich in den Sitz fallen. Bevor Rick antwortet, sind wir auf dem Weg in die Brauerei.

"Felix vertraue mir. Höre dir mit Christoph den Vortrag noch mal an, dann weißt du, was ich meine. Wir fliegen morgen ganz früh los. Kann jemand ein Hotelzimmer für Miss Phillips buchen? Lass sie nicht zu lange warten, danach geht sie in Urlaub und ich glaube, den braucht sie auch. Kläre mit Christoph ab, wann es euch passt."

"Wisst ihr was? Wenn ihr nicht in der Lage seid, Entscheidungen zu treffen, müssen wir uns mal ernsthaft unterhalten. Wilkins gibt dir alles Weitere durch." Damit lege ich auf und donnere mein Handy aufs Armaturenbrett.

"Alles klar, Kumpel? Ich dachte, du bist entspannter, wenn du von Shannon kommst." Ich schiele nach links zu John, der nicht nur mein Fahrer, sondern auch mein ältester und bester Freund ist. Erschöpft lehne ich den Kopf zurück.

Wie ich das satthabe, aber Shannon weiß, wo ihr Platz ist, und sie klammert nicht. Das Letzte, was ich brauche, sind Frauenprobleme.

"Ich sollte mir ein Hobby suchen. Die Frau ist zwar heiß, aber mehr als einen Fick kannst du nicht erwarten. Und Rick ist auf dem Heimweg, im Schlepptau das Mauerblümchen aus der deutschen Agentur. Ich dachte, dass die Jungs in der Lage sind, das Projekt noch einmal zu checken und mit dem Vertrag wiederzukommen."

Ich schließe die Augen und merke, dass ich echt im Arsch bin, aber das haben schlechte Nächte im Hotel so an sich.

"Du bist schon zwei Wochen im Hotel, wenn du nicht schlafen kannst, gehe endlich zu Christoph oder komm zu mir", erwidert John.

"Lass mal, die nächsten Tage werden schon hart genug. Deine Couch ist cool, aber nicht zum Pennen und zu Dad will ich nicht", antworte ich schläfrig, schnappe mir aber dann wieder mein Handy und gebe Wilkins alle Daten durch. Wie erwartet hat meine alte Vertraute schlechte Laune.

"Mr. Redwood, ich habe keine Ahnung, wann ich Ihnen einen Termin freimachen soll, der Plan ist gut bestückt. Aber ich werde das mit ihrem Vater klären, der möchte alles bestimmt schnell regeln." Dann ist die Leitung tot.

Grinsend schaue ich John von der Seite an, er kennt meine Assistentin schon genauso lange wie ich.

»Sie hat wieder schlechte Laune. John?« Er stand heute Morgen wieder pünktlich vor meinem Hotel, dann bei Shannon, jetzt fährt er entspannt durch den Verkehr und gibt mir durch ein Brummen zu verstehen, dass er mir zuhört. Hat wohl noch nicht seine Dosis Kaffee intus.

"Vielleicht nehme ich dein Angebot doch an und mache mich auf deiner Couch breit. Passt es dir ab morgen?" John schaut mich an und schmunzelt.

"Ich weiß, wie dein Tag aussieht. Jeden Abend bombardiert mich dein Drachen mit dem Tagesplan und kennzeichnet die Termine, bei denen ich dich fahren soll, als wäre ich ein dummes Kind, dem sie alles zweimal erklären muss. Selbst wenn Pamela Anderson heute Nacht kommen wollte, meine Bude steht dir immer offen." Das ist John, immer da, wenn man ihn braucht.

Zum Schlafen ist die Fahrt zu kurz, aber ich merke trotzdem, wie die Aussicht auf Schlaf mich etwas entspannt.

"Ich rede mit der Wilkins, ich glaube, sie sieht wirklich noch die kleinen Schlitzohren von früher in uns." Wieder Johns Brummen, dann schlafe ich doch ein. So verfliegt der Tag und am nächsten Morgen stehe ich um acht vor dem Hotel.

 

Müde lasse ich mich in den Sitz fallen, als er kommt.

Der Tag im Büro verspricht, ätzend lang zu werden. Es ist viel zu tun und dann kommen noch die Jungs. Wir haben die Präsentation auf heute Nachmittag gelegt, damit wir die Sache schnell erledigen können.

Lieferanten mit ihren Ausreden langweilen mich, Telefonate, die sich ewig ziehen, lassen meine Laune weiter sinken und die Werbeagentur, die für den neuen Werbespot verantwortlich ist, schafft es nicht, nach unseren Vorstellungen etwas auf die Beine zu stellen.

Zwischenzeitlich schaue ich mir die Akte von diesem deutschen Mauerblümchen an.

Das Foto der Personalakte zeigt eine junge Frau mit blondem streng zurückgebundenem Haar und heller Haut, blaue leuchtende Augen, einer kleinen Stupsnase und vollen Lippen.

Ihre Gesichtszüge sind fein und das Lächeln lässt vermuten, dass sie es besser könnte, als sie es auf diesem Bild tut. Eigentlich fehlt nur noch eine Brille, dann hätte es mich nicht gewundert, wenn sie Bibliothekarin geworden wäre.

 

Aber sie hat in Rekordzeit das Projekt auf die Beine gestellt. Ihr Lebenslauf ist unauffällig und in ein paar Tagen wird sie dreißig. Das Studium mit anschließendem Praktikum hat sie in der Regelzeit durchgezogen und seitdem ist sie bei der Richter-Agentur.

Sie ist vier Monate früher fertig, als es die Vorgabe war, was wirklich beeindruckend ist, wenn man überlegt, dass die Franzosen noch nicht halb so weit sind.

Sie hatte drei Assistenten, wovon die Ersten jeweils nur wenige Wochen in den Berichten aufgeführt wurden.

Aber auf den ersten Blick wirkt sie nicht sehr dominant, was wohl bedeutet, dass sie nicht nur das Projekt allein vorangebracht hat, sondern auch meine Mails und den unverschämten Anforderungen mit Ruhe und Gelassenheit entgegengetreten ist.

Die Italiener waren in Bezug auf Jammern und Ausreden die Spitzenreiter.

Diese Miss Phillips scheint zu wissen, was sie will. Mir steht zwar nicht der Sinn danach, meine Zeit dem Vortrag zu widmen, aber vielleicht ist es nicht so schlecht, sie sich mal live anzuschauen.

 

Die Nacht war wieder furchtbar im Hotel.

Diese ständigen Geräusche, immer wieder hört man Leute durch die Flure streifen und Türen zuschlagen. Das Kopfkissen ist viel zu dick. Man möchte nicht meinen, dass bei solchen Preisen es zu viel verlangt ist, ein bequemes Bett zu bekommen.

Langsam merke ich, wie meine Laune in den Keller rutscht.

Christoph klopft an meine Tür.

"In einer Stunde landet der Jet, bist du bis dahin fertig?" Mit einem Blick über meinen Schreibtisch sinkt meine Laune immer weiter.

"Ich beeile mich, aber fangt schon an, wenn sie da sind."

Als ich wieder auf die Uhr schaue, könnte ich würgen. Wahrscheinlich sind die Jungs schon da, aber ich muss dringend duschen.

Mit Kugelschreibern klickt man nicht

Clara :

 

Als ich aufwache, ist unter meinem Kopf ein Kissen und über mir liegt eine weiche Decke, meine Schuhe stehen ordentlich im Gang. Mein Körper schmerzt, und ich komme mir vor wie gekaut und ausgespuckt.

Rick schaut mich freundlich, jedoch amüsiert an.

"Clara, wir werden gleich in Richmond ankommen und ich denke, dass du dich bestimmt noch frischmachen möchtest, bevor wir zu unserem Termin bei Mr. Redwood erscheinen." Mit großen Augen schaue ich den Mann vor mir an und verstehe erst einmal nicht, was er mir da sagt.

"Wie lange habe ich geschlafen? Und wie meinst du das mit dem Termin? Ich dachte, er wird nicht vor Montag stattfinden", frage ich zögerlich.

Dabei muss ich ziemlich belustigend aussehen, was mich verärgert, denn die einzige Antwort ist ein Lächeln seitens der Männer. Ryan schmunzelt und antwortet mir grinsend.

"Sweetheart, du hast elf Stunden geschlafen und bist schneller eingenickt, als dass wir auch nur den Versuch wagen konnten, uns mit dir zu unterhalten. In den letzten Stunden sahst du aus wie einfach ausgeknipst. Wir haben gewettet, wie lange Rick brauchen wird, dich zu wecken, doch du scheinst den Schlaf eines Murmeltieres zu haben. Wir haben die Nachricht bekommen, dass deine Präsentation kurz nach dem Eintreffen angesetzt wurde. Also wirst du es nicht lange mit uns aushalten müssen und in deinen anscheinend mehr als verdienten Urlaub starten können. Wohin dürfen wir den Flug buchen?"

 

Meine entgeisterte Antwort, ohne dass ich sie verhindern kann, wird staunend quittiert.

"Mann, wer ist euer Chef? Kennt der die Erfindung einer Uhr nicht? Seit vierzehn Monaten bombardiert er mich zu den unchristlichsten Zeiten mit seinen Wünschen und jetzt das. Hat er es sich zum Ziel gemacht, mich, bevor ich noch dreißig werde, in den Burnout zu treiben? Hat der keine Frau und Kinder, die seine Zeit fordern? Oder andere Hobbys ..." Das Gelächter ist so laut, dass sich Röte auf meinen Wangen ausbreitet, doch diese ist auch meiner Wut zuzuschreiben.

Sollte ich mich entschuldigen? Nein!

"Ihr könnt mir bitte einen Flug für morgen nach New York buchen, danke", blaffe ich und setze eine missgelaunte Miene auf.

Ryan schaut mich immer noch fragend an, bis er mich mit neugierigem Blick fragt.

"Sweetheart, weißt du eigentlich, wer die Redwoods sind oder besser gesagt, wer Felix Christoph Redwood, jr. ist?"

Was ist das denn für eine Frage? Natürlich nicht, es hat mich auch nicht interessiert. Mein Job bestand nur aus zwei Dingen.

Den Querulanten zufriedenstellen und alles tun, um den Auftrag zu bekommen.

Ich weiß nur, dass es sich um eine der größten Brauereien in Virginia handelt, welche nun nach Europa will. Die Brauerei ist in dritter Generation und der Senior wird als angenehmer Geschäftspartner beschrieben. Sein Sohn, der immer mehr das Geschäft übernimmt, soll eher von der harten und anstrengenden Sorte sein.

Während in meinem Kopf sich alle Informationen, die ich von Herrn Richter bekommen habe, zu ordnen scheinen, deutet Ryan meinen Blick richtig und lacht.

"Macht nichts, Sweetheart, so wird es für alle lustiger." Seine Frage an die anderen Herren, wer mehr als sechs Stunden wetten möchte, wird unterbrochen, denn ohne Vorwarnung und ohne ein Geräusch verursacht zu haben, stehen auf einmal der Pilot und eine Flugbegleiterin neben uns. Freundlich schaut er mich an.

"Wie ich sehe, ist Dornröschen aus ihrem Schlaf erwacht. Mein Name ist McRiley, ich war ihr Pilot und denke mal, die Frage, ob der Flug angenehm war, erübrigt sich." Er zwinkert mir zu und schaut dann zu Rick.

"Rick, wie geplant werden wir gleich landen. Doch ich habe gerade Order bekommen, dass ihr direkt reinkommen sollt. Sorry, es gibt keine Verschnaufpause. Wenn ihr noch Kaffee oder etwas anderes wollt, dann jetzt."

 

Meine Augen werden groß. War das jetzt sein Ernst?

Ich kann doch meine Präsentation nicht in diesem Aufzug halten. Alltagsklamotten, verknittert und fast ohne Kleister im Gesicht. Die Zukunft meiner Firma und auch meine eigene steht hier auf dem Spiel!

Doch am Seufzen meiner Gegenüber merke ich wieder einmal, dass mir, wie so oft in den letzten vierundzwanzig Stunden, wohl keine Wahl bleibt.

Also: ›Krönchen richten, Schulter straffen, lächeln und auf sie mit Gebrüll‹.

Ich entschuldige mich mit meinem Notfalltäschchen kurz in Richtung Toilette und was ich dann im Spiegel sehe, ist genauso schlimm wie erwartet. Nach ein paar Minuten ist das Ergebnis nicht perfekt, doch mehr ist aus meiner Handtasche nicht herauszubekommen. Noch eine kleine Ohrfeige links und rechts, damit die Wangen etwas Farbe bekommen und alles passt. Auf meinem Platz angekommen, werde ich auch schon direkt mit dem leisen Pling des Anschnallsignals begrüßt und ich schaue in die Runde.

Die anderen sehen ebenso müde aus wie ich, und wieder denke ich, das Mr. Redwood wirklich ein Sklaventreiber zu sein scheint und er mir jetzt schon unsympathisch ist. Doch sollte er meine Arbeit nach dieser Präsentation nehmen, wäre mein Chef ein glücklicher Mann, unsere Firma sicher und ich einer Gehaltserhöhung näher. In ein paar Wochen würde ich an einem neuen Projekt arbeiten und hätte dieses Unternehmen vergessen. Meine Aufgabe liegt nur in den Planungen eines Projektes und die Durchführungen werden von anderen erledigt.

Also bin ich in gut zwei Stunden eine freie und stolze Frau, oder arbeitslos.

 

Nachdem die Maschine völlig ruhig aufkommt, geht der Spaß los und mich hat der Ehrgeiz gepackt. Ich bin heute nicht gekommen, um zu versagen und ich werde kämpfen. Selbstbewusst richte ich mich auf und straffe meine Schultern.

Unsere Koffer werden auf zwei schwarze 5er-BMW Limousinen verteilt und meine Handtasche und meinen Aktentrolley behalte ich bei mir. Meine Begleiter tragen ebenfalls ihre Aktentaschen und gehen eng um mich herum, auf eine alte und sehr korrekt gekleidete Dame zu, die uns alle mit einem hochnäsigen Blick mustert und begrüßt. Sie streckt mir ihre knochige Hand entgegen und ich bin über ihren unfreundlichen Ton verblüfft.

"Ich bin Miss Wilkins, die persönliche Assistentin von Mr. Redwood jr. und das nächste Mal wäre eine angemessenere Garderobe für ein Meeting mit Mr. Redwood erwünscht."

Hat mich die Schrulle gerade wie ein schmutziges Kind beim Essen getadelt?

Als ich die schuldigen Gesichter der gestandenen Männer um mich herum sehe, weiß ich, dass ich nicht anders kann.

"Wenn Mylord Extrawünsche hat, bekommt er uns so, wie wir nun mal nach einem dreizehnstündigen Flug aussehen. Ich hätte auch nichts gegen eine Dusche gehabt", kontere ich und die Alte starrt mich an.

Die angespannte Luft ist förmlich zu spüren und so muss ich mir das Schnauben der Schrulle gefallen lassen.

Rick und Ryan dirigieren mich zu den Autos und wir fahren vom Landeplatz. Nur ein paar Minuten später taucht vor uns das imposante Firmengelände auf. Wir fahren auf den Hof, steigen aus und steuern direkt auf einen modernen Gebäudekomplex, dessen Front komplett aus Glas besteht, zu. Beim Eintreten kommt mir klimatisierte Luft entgegen, die wirklich gut tut und ich atme tief durch.

Doch sofort werde ich nach rechts auf einen Aufzug zugeschoben, der sich auch direkt auf Anfrage öffnet. Die Kabine ist groß und so passen wir alle fünf mit unseren Aktentaschen hinein. Kaum ist die Türe geschlossen, lachen die Männer ausgelassen los.

 

"Sweetheart, du hast gerade den persönlichen Hausdrachen des Chefs angemacht, das verzeiht sie dir niemals. Aber Hut ab, das hat sich noch niemand getraut. Der Chef ist der Einzige, der sie etwas unbeherrscht behandeln darf", erklärt mir Ryan.

Immer noch wütend hätte ich Lust, mich noch etwas mit der Dame zu unterhalten und antworte selbstbewusst.

"Sie muss mich nicht mögen, ich bin in zwei Stunden wieder hier draußen, und wenn ich meinen Job gut gemacht habe, dann sichert meine Kampagne ihre Rente. Angst vor alten Schnepfen habe ich nicht. Mein Vater ist Bundeswehrgeneral in Pension, und wenn ich auf stur schalte, beißt sich jeder die Zähne aus."

Phil hält eine zehn Dollar Note in die Mitte und sagt frech.

“Ich wette auf vierundzwanzig Stunden.” Rick tippt mit zehn Dollar auf zwölf Stunden, Ryan auf sechs Stunden und Stanley schaut mich lange an, hält ohne hinzusehen seinen Geldschein in die Mitte und meint nur in meine Richtung:

"Enttäusche mich nicht, er hätte es verdient. Ich sage achtundvierzig Stunden." Phil steckt die Scheine ein und grinst mich schelmisch an.

Was ist hier los? Muss ich das verstehen?

 

Da öffnet sich die Fahrstuhltür und wir treten in einen hellen Flur. An dessen Wänden hängen mehrere Aufnahmen der Brauerei im Wandel der Zeit und ja, das nenne ich mal Wachstum. Begonnen hat alles klein mit einem Pferdekarren, nun sieht es wie ein Imperium aus.

Wir betreten einen Konferenzraum, der mindestens dreimal so groß ist als der in Frankfurt und die Präsentation fertigzumachen, dauert nicht lange, da der Raum perfekt ausgestattet ist.

Gekühlte Getränke sind schon angerichtet und ich bin bereit. Lange muss ich nicht warten, denn um Punkt neunzehn Uhr wird die Türe geöffnet und ein Herr, Mitte sechzig, in einem eher schlichten Anzug und schon grauem Haar betritt den Raum. Er steuert direkt auf mich zu und streckt mir seine Hand entgegen.

Ich setze mein perfekt einstudiertes Lächeln auf und reiche ihm meine. Er ergreift sie mit seinen warmen Händen und bei einem Blick in seine von Lachfältchen umrandeten Augen stellt sich ein Gefühl von Geborgenheit ein. Diese eisblauen Augen leuchten auffallend und hatten früher bestimmt eine ungeheuere Anziehungskraft.

"Miss Phillips, ich danke Ihnen über alle Maßen. Mein Name ist Christoph Redwood, Senior. Was meine Jungs und auch mein Sohn von Ihnen verlangen, ist mehr, als ich für gut heiße, doch ich habe eben gehört, dass sie uns schon bald wieder verlassen. Auf ein Essen werde ich sie aber doch hoffentlich noch einladen können, oder?"

"Mr. Redwood, erst einmal vielen Dank für Ihre nette Einladung in ihr tolles Unternehmen. Es ist sehr schön, das Leben zu meinem Projekt, welches mich nun schon über ein Jahr begleitet, kennenzulernen. Ich hoffe, ich stehle Ihre Zeit nicht." Eine Antwort wegen des Geschäftsessens umgehe ich, denn so langsam wird der Wunsch, zu gehen immer größer.

Mr. Redwood schaut mich kurz an und wendet sich dann an Rick.

"Mein Lieber, ich brauche die Franzosen und Engländer nicht mehr zu sehen, ich sehe in den Augen von unserer Miss, dass sie zu uns passt. Felix hat recht, sie weiß, was sie will. Setzen wir uns doch und beginnen auch gleich. Felix hat ja alle Wochenberichte und weiß, was Miss Phillips uns zu sagen hat."

So etwas Familiäres habe ich noch nie erlebt, aber ich habe ja schon davon gehört. Vielleicht ist dann der Junior doch nicht so streng.

 

Meine Präsentation läuft schon, und gerade als ich ein Schaubild an der Wand kommentiere, wird ohne anzuklopfen barsch die Türe zum Konferenzraum geöffnet. Ich höre feste und schnelle Schritte, doch da mich aber dieses rüpelhafte Verhalten ärgert und ich es nicht mit Aufmerksamkeit belohnen möchte, ignoriere ich den Störenfried und mache weiter, als ich höre, wie sich gesetzt wird.

Vor meinem geistigen Auge taucht ein bierbrauender Neandertaler auf und nach wenigen Minuten werde ich schon massiv von einem Kugelschreiberklicken gestört.

Na schön, entweder will er mich verunsichern oder herausfordern. Das kann er haben!

 

Mit einer fließenden Bewegung drehe ich mich zu meinen Zuhörern um und setze eine entschlossene Miene auf. Ich will klarstellen, dass ich um Aufmerksamkeit bitte. Doch da trifft mich buchstäblich der Schlag. Mein Herz setzt für mindestens zwei Schläge aus und mein Mund wird staubtrocken. Meine Atmung vergesse ich vollkommen und betrachte den Mann am Kopf des Tisches.

Seine gestylten dunkelbraunen Haare glänzen, als wären sie noch feucht und laden sofort zum Träumen ein. Wie würde es sich anfühlen, wenn ich meine Hände darin vergrabe? Das markante und maskuline Gesicht mit diesen eisblauen Augen, die ich vor ein paar Minuten schon einmal bestaunt habe, starren mich ebenfalls an, doch diese sind voller Feuer und Leidenschaft.

Bekleidet mit einem schwarzen Anzug, schwarzem Hemd und silberner Krawatte, alles in slim Line gehalten, lassen keine Fantasien über die Muskeln seiner Arme und Brust zu. Heilige Kanone, ist dieser Mann echt?

Ich hoffe inständig, dass es nur wenige Sekunden sind, die ich ihn so offen von oben nach unten begutachte. Ich habe zwar nicht das Gefühl, dass er etwas anderes tut, aber Scheiße, ist das peinlich.

 

Er erhebt sich und das Spiel seiner Muskeln ist eindeutig zu sehen, oh Gott, dieser Mann strotzt vor einem riesigen Ego.

Eindeutig weiß er, welche Wirkung er hat und während ich meinem Kopf klarmache, dass so ein Verhalten eindeutig unprofessionell ist, werde ich mir schlagartig meiner doch ziemlich desolaten Erscheinung bewusst und ich bin wieder voll da.

Nun steht er direkt vor mir und trotz meiner ein Meter sechsundsiebzig komme ich mir klein vor. Dieser Mann ist mindestens einsneunzig und er ist mir sehr nah, eigentlich schon viel zu nahe und ich muss den Kopf heben, um ihm in die Augen schauen zu können. Ein Duft eines herben Aftershaves und einer Frische umgibt mich und ich bin wie benebelt.

Mit meinem derzeitigen Aussehen wirke ich wie Kate Moss zu ihren schlimmen Zeiten und Shit, ich kann doch mehr als einen Blick wie ein ängstliches Häschen aufsetzen. Bloß keinen Schritt nach hinten weichen.

 

Doch mehr Gedanken kann ich nicht mehr zusammensetzen, da erklingt auch schon eine tiefe schwingende Stimme, die ein Kribbeln in meinem ganzen Körper, aber hauptsächlich in meinem Magen verursacht.

"Miss Phillips, ich denke, ich erlöse Sie und wir brechen Ihre Präsentation ab."

So, jetzt stecke ich wohl in Schwierigkeiten. Ich sollte Herrn Richters Angebot von einem Urlaub in New York nicht annehmen. Wer weiß, welche Kosten er mir in Rechnung stellt, wenn eine Absage seitens der Amerikaner kommt.

Meine Schultern sacken zusammen, denn der Mann vor mir sieht nicht nach Verhandlungen aus. Jetzt Kontenance wahren, die Schultern wieder straffen und das Kinn heben.

In seinem Blick liegt eindeutig ein Ausdruck von Überheblichkeit.

"Mein Vater hat sich für Ihr Unternehmen entschieden und ich befürworte dies. Und da es schon reichlich spät ist und die Herren hinter Ihnen nach Hause möchten, beenden wir diesen Abend und treffen uns morgen zu einigen kleinen Änderungen zusammen. Ihrem Chef habe ich schon Bescheid gegeben und für Montag sechszehnhundert ist Ihr Flug angesetzt. Dann haben sie noch einen Tag in Richmond, um in Urlaubsstimmung zu kommen. Ich nehme Sie mit, wir haben beide ein Zimmer in Richmond Hotel."

Ein Blick an ihm vorbei zu den Herren am Tisch zeigt, dass uns alle wie einen Verkehrsunfall anschauen.

Blaue Augen schieben sich wieder vor mich. Für heute ist mir alles egal, mein Herz rast, mein Unterleib spricht eine eindeutige Sprache und meine Müdigkeit lässt sich auch nicht von der Hand weisen.

Wir verabschieden uns von Herrn Redwood Senior, der seinem Sohn einen mahnenden Blick zuwirft, welchen ich aber nicht ganz verstehe und Ryan und Phil stürmen lachend wie Schulkinder nach draußen und verschwinden zu zweit im Fahrstuhl.

Rick, Stanley und Felix Redwood besprechen anscheinend, wie es morgen weitergehen soll, und haben ein strammes Tempo, welches es mir unmöglich macht, etwas zu verstehen. Sie wählen die Treppe.

Mit Mr. Redwood Senior schlendere ich eher gemütlich durch den Flur und ich dachte, er trennt sich von uns, hat sich aber wohl entschlossen mitzukommen.

Während mich ein muskulöser Hintern im Anzug zu Träumereien verleitet, versucht mein Gesprächspartner sich durch die Blume für die bestimmende Art seines Sohnes zu entschuldigen.

Im Hof angekommen, verabschieden sich die drei Männer gerade. Ryan und Stanley zwinkern mir zu und rauschen mit der zweiten Limousine davon.

Mr. Redwood Senior hält mir die Tür des Fonds eines weiteren schwarzen BMWs auf und ich rutsche erleichtert ins Wageninnere.

"Vielen Dank, Mr. Redwood und eine gute Nacht".

Auf der anderen Seite steigt mein Begleiter dieser Fahrt ein und ich spüre ihn mit jeder Faser meines Körpers.

Immer schön ruhig bleiben, Clara.

Redwood Senior verabschiedet uns beide mit einem fast schon militärischen Gruß und die Limousine setzt sich in Bewegung. Ich bemerke, dass er sein Telefon zückt und zu telefonieren beginnt.

"Redwood hier, ich komme in dreißig Minuten an und möchte, dass Sie einen Tisch für zwei vorbereiten." Ohne eine Verabschiedung legt er einfach wieder auf.

Dass er kein Date mehr an einem Samstagabend hat, wäre auch unvorstellbar. Ich schaue nach draußen in die Dunkelheit und frage mich, was für eine Frau so abrufbereit ist, dass er einfach entscheidet, wann sie zu erscheinen hat?

Mein eigener Plan liegt darin, mir noch etwas vom Zimmerservice kommenzulassen und so schnell wie möglich zu schlafen. Außerdem muss ich dringend diesen Mann aus meinem Hirn aussperren, was will er schon mit mir, also kann ich diese Träumereien auch gleich bleiben lassen.

Was verdammt schwerfällt, wenn schon allein beim Klang seiner Stimme mein ganzer Körper kribbelt.

"Sie haben so hart gearbeitet, ich dachte, sie würden sich mehr über eine Zusage freuen. Oder ist man in Europa nicht so emotional?"

Langsam drehe ich mich zu ihm und mich treffen diese Augen wie ein 10.000 Volt Schlag. Bloß ruhig bleiben und nicht sabbern.

"Doch ich freue mich sehr, aber ich bin extrem müde."

Auch wenn ich den ganzen Flug über geschlafen habe, könnte ich mich in eine Ecke stellen und sofort einschlafen.

Zu mehr Erklärung bin ich einfach nicht mehr im Stande. Ich versuche ruhig und beiläufig zu wirken und lege meinen Kopf in den Nacken und schließe die Augen. Das warme und weiche Leder der Sitze lässt mich tief eintauchen und ich merke, wie ich leicht werde. Das leichte Schwanken des Fahrzeuges erledigt den Rest und ich schlafe ein.

 

Als ich wieder zu mir komme, befinde ich mich zwar noch im Auto ,aber ich liege auf einer warmen, starken und eindeutig muskulösen Brust und ich kann seinen wilden Herzschlag spüren. Den Duft des herben Aftershaves erkenne ich sofort und sein Arm liegt zärtlich um meine Schulter, seine Stimme ist ruhig und leise.

"Heute habe ich keine Lust mehr zu kommen. Mein Termin dauert länger, ich melde mich demnächst." Kurzes Schweigen, und ich höre eindeutig eine Frauenstimme durch den Apparat.

"Bitte beruhige dich, wenn du mehr willst, bin ich der Falsche."

Er legt auf. Stille!

Wie soll ich nun reagieren?

Das Letzte, was ich will ist, dass er denkt, dass es mir gefällt, an ihn gekuschelt zu liegen, obwohl es mehr als schön ist. In meinem Kopf tauchen Szenen auf, die eindeutig zu gefährlich sind, um sie weiterzuspinnen und ich tue so, als wenn ich plötzlich wach werde und fahre mit Schwung nach oben, und schaue mich verwirrt im Auto um. Im Halbdunkeln sehe ich seinen amüsierten Blick und entschuldige ich mich leise.

"Tut mir leid, wenn ich Ihnen zu nahe gekommen bin." Sein Lächeln kann Berge zum Schmelzen bringen und mein Herz dazu.

"Oh, kein Problem, ich empfand es als sehr nett. Da wir uns ja nun schon etwas näher gekommen sind, freue ich mich um so mehr, mit Ihnen heute Abend zu essen. Vielleicht erfahre ich dann noch mehr als die Tatsache, dass ihre Haare sehr weich sind."

Flirtet dieser Mann gerade mit mir? Sicherlich nicht mit mir, er will bestimmt den bestellten Tisch nicht mehr absagen, aber auf meine Person muss er verzichten. Für mich ist der Tag beendet.

"Dann haben Sie eindeutig mein Geheimnis des heutigen Tages gelüftet. Wenn Sie mich etwas schlafen lassen, verrate ich Ihnen morgen vielleicht ein Weiteres", kontere ich zufrieden und bin stolz auf meine Antwort. Dann muss ich zusehen, wie sich seine Augen von Eisblau in Stahlblau verändern und er mich wütend anschaut.

Bin ich ihm oder seinem Ego auf den Schlips getreten?

"Miss Phillips ... ich bin ein guter CEO, weil ich viel von meinen Leuten verlange, aber auf sie achte. Ihr Chef hat das wohl versäumt."

Jetzt bin ich verwirrt. Was will er mir sagen? Doch ich brauche nicht zu fragen, sondern bekomme die Antwort prompt.

"Das Bild Ihrer Personalakte, welches ich zu Beginn Ihrer Tätigkeit für unser Unternehmen bekommen habe, hat mit Ihnen heute nichts mehr gemeinsam. Wo sind die leuchtenden Augen?

Sie haben den Auftrag vier Monate früher fertig als verlangt und jede Zeitvorgabe, die ich gestellt habe, haben Sie kommentarlos erledigt. Es gab keine Beschwerden über meine E-Mails zu respektlosen Zeiten und keine anderen Ausreden. Und seien Sie sich sicher, da waren Sie die Einzige. Außerdem konnte ich aus den Wochenberichten entnehmen, dass Sie zweimal einen Assistentenwechsel hatten, was bedeutet, dass Sie entweder eine Tyrannin bei der Arbeit sind, was ich nicht mehr glaube oder unfähige Leute hatten. Wie viel haben sie abgenommen? Fünfzehn bis zwanzig Pfund?"

Was ist das hier? Eine Psychoanalyse oder ein Frage/Antwort Spiel? Was geht ihn das an? Er hat das Produkt gekauft, wie es entsteht, ist nicht sein Problem. Meine Müdigkeit ist wie weggeflogen und ich bin sauer, stinksauer.

 

"Wie. Viel. Haben. Sie. Abgenommen?", herrscht er mich an.

Oh mein Gott, macht mich seine starke Erscheinung an. Was für ein Mann!

Während ich ihm genau in die Augen blicke, merke ich, dass er eine Antwort erwartet.

"Ich denke, bis heute dürften es fünfundzwanzig Pfund sein. Zufrieden?" Antworte ich pampig.

Der Wagen kommt zum Stehen und Felix Redwood ist schnell aber elegant ausgestiegen und reißt meine Türe auf, bevor der Fahrer auch nur den Motor abstellt.

"John mache Feierabend, ich bleibe heute im Hotel". Den Blick des Fahrers namens John kann ich nicht deuten, aber wenig später verschwindet der BMW an der Ecke.

Er dirigiert mich mit Nachdruck in die elegante Empfangshalle des Hotels und wirft mir einen bösen Blick zu.

"Sie essen mit mir, damit ich sichergehen kann, dass Sie nicht zusammenbrechen." Er wird am Empfang herzlich begrüßt und direkt informiert, dass der bestellte Tisch bereitsteht.

Man gibt mir meine Zimmerkarte und ich werde wie ein störrischer Maulesel durch den luxuriösen Eingangsbereich, in dem gigantische Sessel stehen, die aussehen, als wären sie aus einer Epoche, in denen Könige noch mit Riesen dinierten, gezerrt.

 

… … … … …

 

Felix :

 

Was für ein Tag.

Nach dem Duschen kann ich mich kaum zwingen, durch die Flure zum Konferenzraum zu gehen. Miss Wilkins, die in der kleinen Kaffeeküche gerade Ordnung macht, legt ein Gesicht an den Tag, das nichts Gutes verheißt.

"Mr. Redwood, also die Europäer haben wirklich keine Manieren. Diese Dame besitzt die Frechheit, wie eine dahergelaufene Göre völlig unangemessen hier zu erscheinen und respektlos war sie auch noch."

Bei dem verzerrten Gesicht meiner Assistentin weiß ich genau, dass es besser ist, dieses Gespräch morgen weiterzuführen.

"Miss Wilkins, ich bin spät dran. Ich habe Montag sowieso vor, mit Ihnen zu sprechen, da kümmere ich mich auch um dieses Problem. Versprochen".

Bevor sich das Gespräch zuspitzt, mache ich mich schnell auf den Weg zur Präsentation, denn jetzt bin ich gespannt. Vielleicht ist das Mauerblümchen ja doch eine Wildkatze, denn Mut, der guten alten Miss Wilkins die Stirn zu bieten, haben nicht viele.

Vor der grauen Tür des Konferenzraumes bleibe ich stehen und lausche. Von drinnen hört man erst nichts, dann eine zarte Frauenstimme. Ruhig und melodisch, leise, aber man kann sie deutlich hören. Ihr Akzent verrät eindeutig, dass sie englisch zwar fließend beherrscht, aber nicht ihre Muttersprache ist.

Mal sehen, ob das Mauerblümchen schreckhaft ist.

 

Ich reiße die Tür auf und betrete den Raum. Alle schauen wie gespannt nach vorne, nur Christoph wirft mir einen strengen Blick zu.

 

Vorne steht eine Frau mit dem Rücken zu mir, anscheinend hat sie nicht vor sich umzudrehen, was zwar schade ist, aber ihre Rückansicht ist auch nicht von schlechten Eltern.

Sie ist nicht gerade klein und hat ellenlange schlanke Beine. Sie trägt eine dunkle Jeans, was auch erklärt, dass Miss Wilkins es als unangemessen empfand. Blaue Keilabsatz Pumps lassen sie geradestehen und die rosafarbene Bluse ist etwas ballonartig und endet direkt auf ihrem kleinen, knackigen Arsch. Ihre langen blonden Haare waren wohl mal zu einem Knoten gefasst, aber jetzt hängt der Knoten auf der Mitte ihres Rückens, was vermuten lässt, dass diese noch länger sind.

Oh Mann, ich verbringe zu viel Zeit mit Frauen, da mir solche Kleinigkeiten auffallen.

Ich lasse mich auf den freien Stuhl zwischen Christoph und Phil fallen und betrachte kurz die faszinierten Männer um mich herum. Sie stolziert vor dem Schaubild auf und ab und ignoriert mein unhöfliches Erscheinen komplett.

Hätte ich mir ja denken können und ziehe einen Block von der Mitte des Tisches zu mir und schreibe Christoph eine Nachricht.

"Bleibt es bei unserer Entscheidung?" Christoph liest und antwortet.

"Passt wie die Faust aufs Auge." Entspannt lehne ich mich wieder zu dieser heißen Kleinen und kann kaum erwarten, dass sie sich umdreht. Sie scheint schlanker als

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Text: Alle Rechte, wie auch d. Recht d. Vervielfältigung u. Verbreitung liegen bei der Autorin. Alle im Roman vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse u. Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit Personen o. Ereignissen sind zufällig.
Images: Galina Peshkova - 123.RF.com ; subbotina - 123Rf.com ; orelphoto/ Dmitry Sergeev - 123RF.com
Editing/Proofreading: E. Jung
Publication Date: 09-11-2015
ISBN: 978-3-7396-1611-7

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Dedication:
Nun sitze ich schon ewig hier und brauche wahrscheinlich länger, die Widmung zu schreiben, als den ganzen Roman. *kicher* Also habe ich mir überlegt, es ganz simpel zu halten. DANKE AN: meinen wundervollen und geduldigen Ehemann,der mich ständig mit Männernn, wie Felix, teilen muss, meine Mutter, die mir beigebracht hat, dass Lohn immer mit Arbeit verbunden ist und zu sein, wie ich bin. Ich liebe euch. Meine Schwiegereltern, die mir oftmals den Rücken freihalten, wenn ich mich im Büro verliere, meine Mentorin Lucya F., die eine Geduld hat, welche ich immer wieder bewundere, meine Leser/innen, die mich so liebevoll unterstützen, all die Menschen, die meine Manuskripte vorablesen und schon so einige Lachanfälle hatten und alle die, die mich in irgendeiner Weise beeinflussen, um weiter an mir zu arbeiten. EUCH ALLEN, DANKE!

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