Cover

Impressum

 

 

VIP-Ticket

Ins Chaos

 

 

J. Helene Krätzner

 

Copyright © 2017 J. Helene Krätzner

1. Auflage

Alle Rechte vorbehalten. Die vollständige oder auszugsweise Speicherung, Vervielfältigung oder Übertragung dieses Werkes, ob elektronisch, mechanisch oder Aufzeichnung, ist ohne vorherige Genehmigung des Rechteinhabers urheberrechtlich untersagt.

Alle im Roman vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse und Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig.

© / J. Helene Krätzner

c/o

Papyrus Autoren-Club,

R.O.M. Logicware GmbH

Pettenkoferstr. 16-18

10247 Berlin.

 

© Covergestaltung:

Helene Krätzner

© Bilder:

Vitaly Valua - 123rf.com

Miodrag Veljovic – 123rf.com

rawpixel – 123rf.com

 

ISBN-13:

ISBN-10: 9781520401997

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Friede beginnt im eigenen Haus.

(Karl Jaspers, 1883-1969)

 

 

 

 

 

 

 

 

Maxine - Abschied

 

Lautlos fällt er.

Drei Tage schneit es nun schon wieder in Frankfurt und die Wettervorhersage verspricht mir auch für Richmond Kälte. Warum Felix Redwood nicht bis zum Frühling mit der Auflösung der Agentur warten konnte, bleibt mir ein Rätsel. Allerdings glaube ich, es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, Deutschland zu verlassen. Die vergangenen Monate haben alles verändert. Mich haben sie verändert. Als ich das Jobangebot angenommen habe, wusste ich nicht, wie schwer es mir fallen wird, Frankfurt, Ria und meine Freiheit wieder aufzugeben.

Zwei Jahre ist es nun her, dass Felix seinen Platz in der Brauerei eingenommen hat und ich anschließend die Werbeagentur seiner Frau Clara als Geschäftsführerin vertreten habe. Von Anfang an war klar, dass die kleine Zweigstelle abgestoßen wird. Jetzt kommt der Abschied trotzdem überraschend.

Auch als mich die quirlige Rothaarige am Flughafen empfangen und das Versprechen an ihre beste Freundin, sich gut um mich zu kümmern, wörtlich genommen hat, war ich davon überzeugt, hier nach meiner Abreise nichts zu vermissen. Wie schnell es Ria schafft, sich in die Herzen der Menschen zu stehlen, konnte ich mir nicht vorstellen. Heute schaue ich den Schneeflocken dabei zu, wie sie den weitläufigen Garten unter einer weiteren Schicht Schnee in einen verspäteten Winterschlaf legen. Die Feiertage sind gerade erst vorüber und die letzten Silvesterüberreste liegen noch unter dem Schnee verborgen.

Mitte Februar. Wie schnell neunzehn Monate vergangen sind!

„Springt da draußen ein nackter Kerl herum, oder warum schaust du so verträumt in die Dunkelheit?“ Schnell wische ich, die verirrte Träne fort und drehe mich um. Ria steht in der Tür, nur mit einem weiten Shirt bekleidet und schaut mich neugierig an.

„Hast du unseren Besuch vergessen? Zieh dir lieber etwas an, ich kann sein Testosteron geladenes Gerede nicht mehr ertragen.“ Wie sehr mich seine Anwesenheit nervös macht, behalte ich lieber für mich. Der Wirbelwind rückt sich ihre Brüste zurecht und zwinkert mir kampflustig zu.

„Soll er nur kommen, ein Ryan Dempsey kann mir nichts anhaben. Außerdem muss ich ihn nur noch zwei Stunden ertragen.“ Frustriert rolle ich mit den Augen. Sie findet es lustig, mir immer wieder zu sagen, dass mir der Anwalt den letzten Nerv raubt und ich die nächsten Stunden mit ihm verbringen muss. Eingesperrt in ein Flugzeug und allein ohne Ria, die verhindert, dass ich mich blamiere.

„Du bist gemein“, antworte ich ihr lachend, verstumme aber im nächsten Moment wieder, als Ria aufschreit und ein lautes Klatschen zu hören ist. Daraufhin steht Ryan neben ihr. Er trägt eine Jeans und hält in der Hand ein Shirt. Ist es zu viel verlangt, es anzuziehen, bevor er hereinkommt? Sein blondes Haar steht wild ab, und zu meinem Leidwesen ist sein Anblick wieder einmal verboten sexy.

„So scharf du auch mit deinem Hintern hin und her wackelst, Wildkatze, du bist Claras beste Freundin. Du bist leider tabu.“ Endlich zieht sich Ryan das Shirt über und betritt die Küche. „Hast du noch zwei Tassen Kaffee übrig, Max?“ Er verhält sich, als würde er schon ewig mit uns zusammenwohnen, und holt aus dem Küchenschrank zwei Tassen. Ria und ich schauen ihm fassungslos zu. Hat er schon wieder eine Frau angeschleppt?

Seit zwei Wochen ist er nun in Frankfurt. Neun Tage hat er seinem Ruf in der Brauerei alle Ehre gemacht und zielstrebig die Auflösung der Agentur geleitet. Täglich hat er die Massen von Unterlagen für die Verschiffung vorbereitet, Verhandlungen geführt und alle behördlichen Belange abgearbeitet. Oft war er der Erste, welcher die Agentur betrat und kehrte erst spät in der Nacht in die Villa zurück. Ich kann verstehen, warum Felix Redwood seine linke Hand geschickt hat. Insgeheim hatte ich gehofft, dass Stanley, mein Abteilungsleiter der Marketingabteilung kommen wird, aber natürlich verstehe ich, dass in dieser Angelegenheit ein Anwalt vonnöten ist.

Vor fünf Tagen änderte sich dann sein Verhalten. Er eröffnete mir, er wäre fast fertig und er würde die verbleibende Zeit, bis zur Abreise nutzen, sich zu amüsieren. Was das zu bedeuten hatte, konnte ich noch nicht einmal im Ansatz erraten, bis am nächsten Morgen eine wildfremde Frau die Küche betrat. Nun sitzt mir jeden Morgen beim Frühstück eine andere gegenüber. Ria findet das lustig. Für mich ist es nur zu ertragen, da ich mit jeder Frau auch einen weiteren nackten Teil von Ryan angaffen darf. Wofür ich mich aber fast selbst hasse, denn es weckt Sehnsüchte in mir.

„Braun oder blond?“, fragt Ria schnippisch. Ryan dreht sich zu uns um und grinst diebisch.

„Beides!“

„Und warum nur zwei Tassen?“, fragt Ria weiter. Mir ist schlecht. Ob der Boss ahnt, was Ryan hier in seinem Haus treibt?

„Michelle trinkt keinen Kaffee.“ Ryan holt aus dem Kühlschrank die Milch und füllt ein Glas damit. Beides stellt er vor mir ab und lehnt sich zurück an die Arbeitsfläche, während er seinen Kaffee trinkt.

„Was schaust du mich so angewidert an, Max?“ Herausfordernd bohrt sich sein Blick durch mich hindurch. Wenn er nur wüsste, was ich wirklich denke.

„Ich heiße Maxine!“ Ryan nickt amüsiert.

„Gut, dann noch einmal. Was schaust du mich so angewidert an, Maxine?“ Na dann! Immer schön Abstand nehmen!

„Mein Blick ist nicht angewidert, da verstehst du etwas falsch. Ich frage mich nur: Bist du eine so schlechte Gesellschaft, dass keine Frau eine zweite Nacht mit dir verbringen möchte oder sind dir die Frauen so egal?“ Für einen Moment glaube ich, den knallharten Anwalt überrascht zu haben. Dann trinkt er einen Schluck und stellt die Tasse ab. Langsam kommt er einen Schritt auf mich zu und beugt sich vor. Im Ausschnitt seines Shirts sehe ich einige helle Brusthaare. Wie froh ich bin, den Küchenblock zwischen uns zu haben.

„Ich lüge keine dieser Frauen an, verspreche ihnen nichts und erwarte nichts. Ob ich gut bin, wage ich nicht, pauschal zu sagen, jedoch bin ich mir sicher, keine kann sich beschweren. Ich lade dich gerne ein, die Wahrheit meiner Aussage zu überprüfen. Für so ein Mauerblümchen wie dich gebe ich mir auch besonders viel Mühe. Ich bin mir sicher, du stehst eher auf die zärtliche Tour. Oral, viel streicheln und danach kuscheln. Wird nicht so oft gewünscht und ich bin etwas aus der Übung, aber für dich ... Max!“ Er sagt meinen Namen mit einem Hauch Spott in der Stimme, allerdings scheint sich unser Blick nicht lösen zu können. Wo ich herkomme, spricht man nicht über Sex und ich habe zu wenig Erfahrung, um zu sagen, ob mir das gefallen würde. Jedoch verletzt es mich, so gedemütigt zu werden, auch wenn ich mir alles, was er gesagt hat, nur zu deutlich vorstellen will.

„Hat deine High School-/ oder College Freundin dir das Herz gebrochen? Fährt dein Therapeut schon einen Porsche? Nennt man Männer wie dich eigentlich Callboy oder Prostituierte? Gibt es für solche Fälle gesetzliche Gesundheitskontrollen?“, bluffe ich, um meine viel zu schnelle Atmung, zu verbergen. Seine Nähe setzt mir zu und ich will, dass Ryan endlich einen Schritt zurückgeht. Er verschränkt die Arme vor der Brust und schaut zu Ria, die uns mit offenem Mund zusieht.

„So anständig, moralisch und dazu auch noch verdammt sexy. Ich freue mich auf den Flug. Wollen wir eine Wette abschließen, Ria?“ Sie lehnt sich an den Türrahmen und lächelt.

„Dir gefällt das hier, Dempsey, oder?“ Wie ein glückliches Kind wackelt er mit dem Kopf. „Was willst du wetten?“ Böse funkele ich Ria an. Ihr gefallen die Spielchen mit Ryan. Wahrscheinlich fühlt sie sich auch sicher, da Ryan immer wieder beteuert, wie tabu sie für ihn ist.

„Ich wette, dass ich es schaffe, unserer Miss Anständig bis Richmond Erleichterung zu verschaffen ...“ Ria lässt Ryan erst gar nicht aussprechen und beginnt hysterisch zu lachen. Sie hält sich den Bauch und wischt sich Tränen aus den Augenwinkeln.

„Ryan, hör auf ... ich mache mir vor Lachen gleich in die Hose. Träum weiter. Maxine wird nicht mit dir schlafen.“ Ryan stemmt die Hände in die Seiten und stimmt in Rias Gelächter ein.

„Was du gleich wieder denkst, Wildkatze. Niemand redet von Sex.“ Er dreht sich zu mir, und ich habe nur noch den Wunsch zu verschwinden. Sein Blick liegt auf mir, jedoch spricht er weiter mit Ria. „Ich muss sie nicht anfassen. Es wird reichen, wenn ich ihr ganz leise ins Ohr flüstere, wie ich mir ihr schwarzes Haar vorstelle, welches mir über die Brust streift, während sie rittlings auf meinem Schoß sitzt. Sie sich nach hinten fallen lässt und mich der erotische Anblick ihres überstreckten Halses antörnt und ...“ Es reicht. Welche Region meines Körpers gerade in Flammen steht, möchte ich noch nicht einmal denken und stehe auf.

„Es reicht! Gerade dir als Anwalt müsste dein Verhalten und wie man es nennt, doch klar sein, oder?“ Mir ist meine aufsteigende Hysterie bewusst, jedoch muss Ryan verstehen, dass nicht jeder so frei mit seiner Sexualität umgehen kann.

 

Nun habe ich Ryan wirklich überrascht. Er richtet sich auf und jeder Schalk ist aus seinem Gesicht verschwunden. Sein Blick lässt sich nicht deuten, aber ruhig antwortet er mir.

„Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, Miss Henderson. Ich habe die Situation falsch eingeschätzt.“ In der Küche könnte man eine Stecknadel fallen hören. Draußen wird es langsam hell und Ria tritt verlegen von einem Fuß auf den anderen. Ich wollte, dass er aufhört, und atme erleichtert durch.

„Schon gut, Ryan. Bitte gestehe mir einfach meine Grenze ein.“ Für einen Augenblick bleibt es still und ich hoffe, Ryan geht. Diesen Gefallen erweist er mir natürlich nicht und so ergreife ich die Flucht. Im Flur muss ich tief durchatmen. Seine Worte haben mir zugesetzt. Mein Körper bebt und in meinem Kopf sprudeln wilde Bilder umher. Ich habe mir so etwas noch nie mit einem Mann gewünscht. Was mich jedoch noch viel mehr angesprochen hat, ist seine Stimme. Diese pure Erotik. Warum kann ich in solchen Situationen nicht einfach gelassen bleiben? Überall ist Sex, in meinem Job ist er ein wichtiger Teil, aber wenn es um meine Person geht, kann ich nicht loslassen.

 

Gerade überlege ich, ob ich duschen gehen soll oder zurück zu Ria, um die Abfahrtszeit zu klären, da kommen von oben zwei Frauen kichernd nach unten. Als sie mich sehen, verstummen sie. Sie sind beide bildschön und sich dessen auch bewusst. Da ich auf eine Unterhaltung verzichte, zeige ich in Richtung Küche.

„Bist du seine Freundin?“, fragt mich die Blonde.

„Gott bewahre, nein!“ Ich lasse die beiden stehen und eile die Treppe nach oben in mein Zimmer.

 

 

 

 

 

 

Ryan - Turbulenzen

 

Ria schüttelt missbilligend den Kopf.

Sie hat ja recht, Felix versteht bei dem Thema keinen Spaß. Ich wollte Max etwas aufziehen. Wer kann denn ahnen, dass sie nicht nur prüde, sondern auch dünnhäutig ist? Dazu auch noch verdammt heiß. Allein ihre Brüste anzusehen, törnt mich an. In den letzten Tagen hat die Amazone ihre Führungsqualitäten unter Beweis gestellt und ich muss zugeben, ich habe sie falsch eingeschätzt.

„Du bist zu weit gegangen, Dempsey.“

„Habe ich auch bemerkt, aber sie hat angefangen.“ Ria tapst mit ihren winzigen, nackten Füßen auf mich zu und funkelt mich böse an. Sie hat keine Berührungsängste, mit ihr ist es leicht. Ihre schwarze Unterwäsche scheint deutlich unter dem langen Shirt durch und es macht ihr nichts aus, dass ich es bemerke.

„Nein, du bist das Arschloch. Vielleicht kannst du die Körpersprache von willigen Frauen lesen, aber bei Maxine hat dich dein Radar verlassen. Seit Tagen bringst du irgendwelche Weiber mit und bemerkst nicht, wie unangenehm ihr das ist. Du bist hier zu Gast, Gäste benehmen sich normalerweise nicht so.“ Rias rote Locken hüpfen aufgeregt auf und ab, während sie grinsend begonnen hat, ihren Zeigefinger gegen meine Brust zu piksen.

„Warum sollte ihr das unangenehm sein? Steht sie auf mich?“ Überrascht hält Ria inne. Das würde mir gefallen, denn ich würde gerne herausfinden, ob sie im Bett auch so schüchtern ist.

„Wie kommst du darauf?“ Ja, wie komme ich auf die Idee? Vielleicht weil ich Max‘ Reaktion gesehen habe? Sie hat förmlich nach Luft geschnappt, als ich ihr meine Zunge angeboten habe.

„Nur eine Idee.“ Eine Vorahnung beschleicht mich. „Sie hat es nicht mit Männern, stimmt’s?“ Enttäuscht sage ich meinem Schwanz, dass er sich wieder beruhigen kann. Es sei denn, sie steht auf Dreier und wir suchen uns eine heiße Tussi. Wieder scheint Ria überrascht zu sein.

„Mann, Dempsey, du bist echt unbeschreiblich. Dir kommt überhaupt nicht in den Sinn, dass eine Frau dich vielleicht einfach nicht heiß findet, oder?“ Natürlich, aber bei Max habe ich es nicht erwartet.

„Stehst du nicht auf mich?“, scherze ich und Ria pikst mir ein letztes Mal gegen die Brust, bevor sie sich umdreht und gehen will.

„Sorry, aber wenn ich mir einen vom Redwood Clan aussuchen könnte, wärest du nicht meine erste Wahl.“ Sie lacht frech und wackelt lasziv mit dem Arsch. Damit erzählt sie mir aber nichts Neues, denn das letzte Mal, als ich sie sah, hatte sie Augen für einen ganz anderen von uns. Michelle und Franziska betreten die Küche und ich bin froh, die beiden gleich loszuwerden.

„An welcher Stelle stehe ich denn?“, rufe ich Ria hinterher. Jetzt bin ich neugierig. An der Tür dreht sie sich noch einmal um.

„Lass es mich so sagen. Du bist der junge, aufgedrehte Johnny Storm, aber ich stehe eher auf den edlen, unberechenbaren Bruce Wayne.“ Dann ist sie verschwunden.

Mit wem hat sie mich gerade verglichen? Batman kenne ich, aber dieser Johnny Storm sagt mir nichts. Ich werde John fragen, er kennt sich mit Superhelden aus. Die beiden Frauen setzen sich wie selbstverständlich an den Tresen, jedoch kann ich mich nicht auf sie konzentrieren. Also wäre Rias Nummer eins von uns immer noch John? Lachend löse ich mich von dem Gedanken. Die beiden wären ein sehr ungleiches Paar.

„Der Kaffee ist ja schon kalt“, meckert Michelle und schmollt. Franziska trinkt von ihrer Milch und veranstaltet mit dem Milchbart über ihrer Lippe ein Gesicht, welches wohl verführerisch sein soll. Ich habe genug. Die Woche war lustig, aber mir vergeht die Lust.

„So Ladys, es wird Zeit, euch ein Taxi zu rufen. Ich muss zum Flughafen.“ Ich ziehe mein Handy und bestelle ein Taxi, bevor die Frauen ihre Einwände hervorbringen können. Zwanzig Minuten später bin ich sie los.

 

Eine weitere Stunde später sind auch wir soweit, das Taxi ist bestellt und ich werde Zeuge einer herzzerreißenden Abschiedsszene, wie ich sie mir nie vorstellen konnte.

Das Taxi steht vor der Tür. Es fließen reichlich Tränen und genau wie Maxine Ria verspricht, so schnell wie möglich sie besuchen zu kommen, beteuert Ria, dass Felix ein elender ‚Beste-Freundinnen-Dieb‘ ist.

Ich denke, Felix wird es beim nächsten Besuch nicht leicht haben, denn Ria prophezeit ihm einige Methoden der Folter. Wie eng ihre Freundschaft geworden ist, beweist allein schon die Tatsache, dass Ria kurz nach Max‘ Eintreffen in Frankfurt zu ihr in die Villa von Felix und Clara gezogen ist. Ich war am ersten Abend überrascht, als die kleine Wildkatze in ihrem ultrascharfen Outfit hereinkam. Sie mir als eine Kollegin vorzustellen, wäre mein Untergang, aber ich habe auch kein Interesse, auf dem Gericht Leute herauszuboxen, die nur, weil sie Geld für einen Anwalt haben, sich alles erlauben. Nun kann Ria noch ein halbes Jahr bleiben, dann wird auch die Villa verkauft. Sie bleibt allein zurück und winkt uns nach, bis das Taxi um die Ecke biegt. Max sitzt stumm neben mir auf dem Weg zum Flughafen. Eisern versucht sie, ihre Tränen versiegen zu lassen.

„Sicher werdet ihr euch bald wiedersehen“, versuche ich, sie zu trösten. Maxine wischt sich die Tränen aus dem Gesicht und bindet sich ihr pechschwarzes Haar zusammen. Gepaart mit ihrer hellen Haut und den roten Lippen, unterscheiden sich nur ihre strengen Gesichtszüge zu den Erzählungen von Schneewittchen. „Was hat diese Stadt, dass sie sie alle weinend verlassen?“, frage ich, denn ich erinnere mich an das Heimweh von Clara. Wenn es besonders schlimm war, hat sie immer mit Ria und ihren Eltern stundenlange Videochats gehalten.

„Freiheit“, flüstert Max und schaut dabei aus dem Fenster. An der Scheibe perlen die Schneeflocken in Tropfen herunter. Sie wird mir nicht antworten, wenn ich frage, was sie damit meint, also bleibe ich still.

 

Am Flughafen wirkt Max, als wäre ihr schlecht. Sie lässt sich von mir helfen, aber ein Gespräch kommt nicht zustande.

„Bist du noch sauer auf mich?“, frage ich. Kurz legt sie mir die Hand auf den Oberschenkel, zieht sie aber sofort wieder zurück.

„Nein, Ryan. Ich wollte nicht so um mich schlagen. Mir liegen einfach solche Spielchen nicht.“

„Was ist dann?“ Ihr Blick klebt auf ihren Händen.

„Ich möchte nicht zurück. Hier war es wunderschön. Mit Ria habe ich mich zum ersten Mal lebendig gefühlt.“ In ihrer Stimme liegt etwas Unergründliches, etwas zwischen den Zeilen, was sie nicht sagt. Ich hole uns einen Kaffee und anschließend wird endlich unser Flug aufgerufen. Max steht ruckartig auf und bleibt mir eine weitere Antwort schuldig, also folge ich ihr.

 

Felix hat uns Flüge in der ersten Klasse reservieren lassen und ich notiere mir auf meiner imaginären Liste, ihm dafür zu danken.

„Möchtest du den Fensterplatz?“

„Nein, nimm du ihn ruhig.“ Ich rutsche durch und Max setzt sich neben mich.

„Ich dachte, ihr Leute aus dem Marketing seid von Haus aus kommunikativer, aber viel sprichst du nicht, oder liegt es an mir?“ Ohne Ria wirkt Max irgendwie anders. In der Agentur konnten wir super zusammenarbeiten. Felix hat mir gesagt, sie sei sehr gewissenhaft, trotzdem hatten wir Spaß. Jetzt wirkt sie befangen.

„Männer mögen keine Frauen, die zu viel reden.“ Über diese Aussage muss ich lachen.

„Möchtest du, dass ich dich mag?“ Max zuckt kurz zusammen. Mittlerweile glaube ich wirklich, sie ist vom anderen Ufer.

„Ich meine das allgemein. Frage mich, ich antworte dir.“ Diese Frau ist interessant. Ob sie auf Ria steht und deshalb nicht zurück möchte? Verzweifelt versuche ich, das Bild eines flotten Dreiers aus meinem Kopf zu verbannen, und weiche aus.

„Was wirst du machen, wenn wir zurück sind? Deine Familie besuchen?“ Wieder zuckt sie kurz, dann schaut sie mir fest in die Augen.

„Ehrlich gesagt, weiß ich es noch nicht. Wahrscheinlich werde ich mich nach einer Wohnung umschauen. Ich denke, die Firmenwohnung werde ich wohl nicht ewig nutzen können.“ Sie weicht mir aus. Wartet denn niemand auf sie? Sie war seit fast zwei Jahren nicht mehr in den Staaten.

„Besuchst du nicht deine Familie?“

„Nein.“ Sie dreht sich von mir weg und damit ist unser Gespräch beendet. Das betretene Schweigen wird durch die Verzögerung des Starts in die Länge gezogen. Als wir abheben, atmen wir beide erleichtert auf. Lachend drehe ich mich zu ihr.

„Über die Arbeit möchte ich nicht reden und du nicht über dich, also ... steht Ria auf John?“ Mit der Frage kann ich gleich zwei Antworten bekommen. Steht Max auf Ria und was hat das Gerede von Batman auf sich? Max zuckt mit den Schultern. Verschmitzt grinst sie und macht ein unschuldiges Gesicht.

„Hin und wieder schreibt sie mit ihm, aber mehr weiß ich auch nicht. Warum fragst du?“ Mist, Sackgasse oder lügt sie? Es kommt mir vor, als wenn ihre Wangen sich färben.

Auf einmal beginnt die Maschine unruhig auf und ab zu wippen, was Max dazu veranlasst, ein erschrockenes Quietschen von sich zu geben, welches uns beide auflachen lässt. Sie versteckt ihr Gesicht zwischen den Händen. Immer wieder ruckt die Maschine und Max wird immer bleicher. Das Anschnallsignal ertönt und ich sehe ihr dabei zu, wie sie sich sofort anschnallt und den Gurt immer fester zieht. Wie wild beginnt sie, an dem Ring an ihrer Hand zu spielen, und murmelt leise vor sich hin.

„Mach dir keine Sorgen, sicher ist es nur der Schnee.“ Max nickt nur und murmelt weiter, ihre Stimme wird zunehmend ängstlicher und auch ihr Ring dreht sich immer schneller um ihren Daumen. „Was ist mit dir?“ Hat sie solche Angst vor den Turbulenzen?

„Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“ Mit großen Augen starre ich sie an, als ich die Worte verstehe. Sie betet.

„Du bist nicht verklemmt, du bist gläubig“, stelle ich schockiert fest. Max beendet ihr Gebet und jetzt erkenne ich die Erhebungen an ihrem Ring. Wie konnte mir das in den letzten Tagen entgehen? Ein Rosenkranzring! Fuck!

„Du sagst das, als sei es eine Schande.“ Max schaut mich gekränkt an.

„Nein, natürlich nicht. Für meinen Vater gehörst du zwar dem falschen Team an, aber er als Baptistenprediger wäre von dir hellauf begeistert. Mir ist das egal, ich habe schon vor Jahren das Team verlassen.“ Es ist mir nicht egal. Ich bereue es, das Thema angeschnitten zu haben, aber jetzt verstehe ich ihre Abneigung, über Sex zu reden.

„Wie konntest du es hinter dir lassen? Ich verfalle immer wieder in die alten Muster.“ Resigniert hält sie ihre Hand hoch und zeigt mir den Ring. Keine Ahnung was sie von mir will.

„Warum trägst du das Ding überhaupt, wenn du eigentlich nicht beten willst?“ Muss es bei allen Themen auf der Welt denn genau dieses sein?

„Aus Gewohnheit. Ich trage den Ring schon seit zwanzig Jahren und seit ich nach Richmond gegangen bin, gibt er mir das Gefühl, nicht diese furchtbare Person zu sein, welche mir meine Eltern vorwerfen.“ Ich weiß, wovon sie spricht. Wütend reiße ich ihr förmlich den Ring vom Finger und lasse ihn in meine Brusttasche fallen.

„Siehst du, egal, wie viel Mühe du dir gibst, irgendjemand ist immer der Meinung, dass sich für dich nicht die Himmelspforte öffnen wird. Also kannst du auch Spaß haben. Deshalb schlafe ich, mit wem ich will und mache, was ich will. Ich bin kein schlechter Mensch, weil ich selbstständig denken kann und du auch nicht. Damit ist das Thema für mich beendet.“ Ihre blauen Augen blicken tief in mich hinein und ich fühle mich unwohl. Kann nicht Ria neben mir sitzen oder jede andere beliebige Frau?

„Danke, Ryan. Du bist immer für eine Überraschung gut.“

„Für was dankst du mir? Ich denke, ich habe dir nichts Neues erzählt.“

„Nein, hast du nicht, aber du hast mich fantastisch abgelenkt.“ Jetzt bemerke ich auch, dass sich das Flugzeug beruhigt hat und wir wieder sanft fliegen. Diese kleine Hexe. Augenzwinkernd deute ich eine Verbeugung an.

„Ich habe doch gesagt, dass es mir gelingt, dir Erleichterung zu verschaffen!“ Maxines Lachen ist ehrlich und als sie ihre Hand auf den Mund presst, sieht sie unbeschwert aus. Ich habe sie extrem falsch eingeschätzt. Wie konnte mir der Ring entgehen? Eine gemeinsame Nacht kann ich jetzt wohl vergessen.

 

Ein Knacken ertönt und mit verzerrter Stimme informiert uns der Kapitän, dass eine Schlechtwetterfront es uns unmöglich macht, Madrid anzusteuern. Wildes Stimmengewirr erhebt sich und der Unmut der Passagiere ist von allen Seiten zu hören. Nur mit Mühe erfahre ich das neue Ziel. Paris.

"Frankreich. War ich noch nie. Du?" Max könnte mich nicht schockierter ansehen.

"Hast du dem Piloten nicht zugehört? Wir befinden uns in einer Schlechtwetterfront und landen in dem Sinne Not. Was sollen wir jetzt machen?" Ich kenne diese Stimmlage, Max wird hysterisch. Zu gerne würde ich ihr die Flugbegleiterin zum Fraß vorwerfen, aber die ist schon von anderen Fluggästen umzingelt.

"Wir hören uns am Flughafen an, wie es weitergeht, und buchen um. Zur Not nehmen wir uns ein Hotelzimmer. Bleib ruhig, es kann nicht ewig dauern."

"Kannst du auch mal nicht auf alles eine Antwort haben?", wettert sie und ich sehe genau, wie sie ihren Daumen umschließt, welcher nur eine helle Delle vorweist. Als sie es bemerkt, funkelt sie mich böse an.

"Willst du ihn wiederhaben?"

"Nein!" Mir gefällt es, dass sie keine Schwäche zeigen will. Sie braucht diesen blöden Ring nicht.

 

Bis zur holprigen Landung kreisen wir einige Zeit über dem Flughafen. Wahrscheinlich landen auch noch andere Flüge unplanmäßig, was sich zu meinem Leidwesen auch bestätigt, als wir das Flugzeug verlassen und den Airport betreten. Überall sind Menschen und drängeln sich um die Schalter ihrer Fluggesellschaften.

Ein kurzer Seitenblick zu Max überrascht mich. Sie schaut sich aufmerksam um und scheint nun kein bisschen mehr aufgeregt zu sein.

„Nach was schaust du?“ Sie löst ihren Blick aus der Masse und ihre blauen Augen treffen mich.

„Ich schaue, welche Fluggesellschaften am stärksten betroffen sind. Bei denen brauchen wir eine Umbuchung überhaupt nicht zu versuchen. Am besten stellen wir uns jetzt auch an, sonst sinken unsere Chancen immer weiter. Außerdem habe ich mich gefragt, ob wir unser Gepäck bekommen? Wir sollten nicht vergessen nachzufragen.“ Anerkennend tippe ich mir an die Stirn.

„Ich sehe, du denkst an alles. Dann komm.“ Nach drei Stunden ist es um meine Ruhe geschehen. Ein Ehepaar vor uns bildet die letzte Hürde, bevor wir endlich dran sind und lässt einfach nicht von der Dame am Computer ab. Max zieht an meiner Jacke.

„Es waren mindestens zwölf Amerikaner vor uns.“ Überrascht schaue ich Max in die leicht mandelförmigen, aber strahlend blauen Augen. Sie überwältigen mich immer wieder, da sie zu den schwarzen Haaren so exotisch wirken. Ob sie doch auf ein Abenteuer Lust hätte? Wahrscheinlich nicht. Schade. Bevor sie meine Gedanken errät, sammele ich mich.

„Hast du die Leute beobachtet?“, frage ich lachend.

„Selbstverständlich. Ryan, ich will hier nicht ewig festsitzen.“ Endlich stehen wir vor dem Schalter.

 

 

 

 

 

 

Maxine - Beißendes Shirt

 

„Ich kann Ihnen frühestens für übermorgen einen neuen Flug anbieten.“ Das kann nicht wahr sein.

„Sie wollen mir also erzählen, dass ein wenig Schnee einen ganzen Flughafen lahmlegt und ich erst in zwei Tagen abreisen kann?“ Ich sehe Ryans Blick neben mir, aber seit sein Versuch, uns mit seinem Charme eine Umbuchung zu ermöglichen nicht funktionierte, kann ich nicht mehr still sein. Die Stimmung kippt, als mich die Dame abschätzig anschaut.

„Nicht der Flughafen ist lahmgelegt, immerhin sitze ich hier und versuche Ihnen zu helfen. Das Wetter beeinträchtigt eher den Flugverkehr.“ Sie wendet sich einfach von uns ab und tippt mit ihren manikürten Fingernägeln auf der Tastatur herum. Ich verstehe ihre Lage und auch, dass dieser Tag für sie ein sehr bescheidener Arbeitstag ist, aber diese Frau kann sich nicht vorstellen, was es bedeutet, mit einem Ryan Dempsey unterwegs zu sein. Ohne aufzuschauen, lässt sie die Bombe platzen.

„Für morgen habe ich noch zwei Plätze nach New York. Dann wären Sie wenigstens schon einmal in den Staaten.“ Sie schaut mich auffordernd an.

„Geht doch. Ich danke Ihnen“, antworte ich mit einem aufgesetzten Lächeln. Auf einmal liegt Ryans Hand auf meinem Arm. Ihn habe ich ganz vergessen.

„New York? Wir können doch auch warten.“ Wenn er nur ahnen würde, wie sehr mich seine Anwesenheit verwirrt und ich das abstellen will. Die Frau am Schalter schaut uns aufmerksam an.

„Bitte, Ryan.“ Er scheint nicht zu überlegen und schenkt mir ein freches Grinsen.

„Das wird zwar ein anderes Abenteuer, als ich es mir vorgestellt habe, aber hey! Das kann spaßig werden. New York, wir kommen.“ Der Drucker neben uns beginnt zu arbeiten und kurz darauf liegen zwei neue Tickets vor uns. Was sind schon vierundzwanzig Stunden, wenn es doppelt so viel sein könnten.

„Bitte, die Dame. Ihr persönliches VIP-Ticket ins Chaos.“ Ryan reicht mir die Unterlagen und schultert mein Handgepäck. Das Gepäck konnten wir nicht bekommen.

„Danke, der Herr. Mit Ihnen wird es ganz sicher ein Chaos. Ich habe Ihre schwache Leistung gesehen. Bei solchen Augenaufschlägen frage ich mich, wie es Ihnen gelingt, die Frauen reihenweise zu verführen“, scherze ich gut gelaunt auf dem Weg nach draußen.

„Nicht alle stehen auf blonde Männer. Außerdem hast du ihr Angst gemacht. Du standest da wie eine eifersüchtige Freundin“, albert er zurück und ich vermeide es, ihn aus dem Augenwinkel anzusehen.

Vielleicht sind blonde Männer im Nachteil, aber allein schon seine strahlenden Augen, die ihn so jung aussehen lassen, bringen einen zum Transpirieren. Ganz zu schweigen von seinem athletischen Körper.

„Wie stand ich da? Wäre ich eifersüchtig gewesen, wäre ich nicht so höflich geblieben. Das nennt man Zuckerbrot und Peitsche.“

„Du bist dir wirklich nicht im Klaren, wie heiß sich das aus deinem Mund anhört, oder?“ Ryan streicht sich über die Brust, dann deutet er einen Peitschenhieb an. Ein Schauer legt sich über meine Arme.

„Du denkst immer daran, oder?“

„An was? Sag es, Max! Sex! Animalischer, leidenschaftlicher, heißer und extrem erfüllender Sex! Ein Spiel mit der Lust und schwitzenden Körpern. Ich stehe darauf, wenn ich spüre, wie der Körper einer Frau in Flammen steht. Ja, ich denke in deiner Gegenwart oft an Sex.“

„Ich heiße Maxine“, weiche ich aus. Kann man diese Stimmlage üben?

„Sei nicht so, Max. Du darfst mich auch mit deiner Peitsche bestrafen.“ Die Eiseskälte vor dem Flughafen lässt uns beide aufkeuchen und so geht meine verräterische Reaktion glücklicherweise unter. „Hier bekommt man ja die Eier schockgefrostet. Ich hoffe, du gestattest mir, erst im Hotel die Hosen für eine Bestrafung runter zu lassen.“ Kopfschüttelnd sehe ich mich nach dem Taxistand um. Für mich braucht er sich nicht auszuziehen, denn in meinem Kopf habe ich meine eigenen Bilder.

„Ein schönes Gesicht ist vergänglich, mein Lieber. Irgendwann werden dir deine Sprüche nicht mehr weiterhelfen, oder hast du vor, ein zweiter Hugh Hefner zu werden?“ Ryan folgt mir, als ich den Stand auf der linken Seite des Gebäudes entdeckt habe.

„Dann hoffe ich, mein Hintern bleibt etwas länger knackig. Du kennst den alten Hugh? Ich bin überrascht! So verführerisch sich das auch anhört, aber vielleicht begegnet mir ja irgendwann eine Frau, die in mir mehr sieht als den Playboy. Wenn nicht, dann denke ich über eine Laufbahn als Sex-Therapeut nach. Ryan, der Liebes-Guru. Hört sich doch gut an.“ Über sich selbst lachend läuft er im Rückwärtsschritt vor mir und wackelt mit den Augenbrauen. Ich würde mir auch seine Kehrseite ansehen.

„Ich denke, du bist dann eher so etwas wie ‚Ryan - der Date Doktor‘.“ Ryan überlegt kurz.

„Du vermarktest mich. Damit du auch weißt, auf was du besonderen Wert legen musst, biete ich dir einen kostenlosen Crashkurs an. Über einen Intensivkurs können wir verhandeln.“ Ergeben schließe ich für einen Moment die Augen und schlage mir die Hand vor die Stirn. Dieser Kerl ist unglaublich. Was würde er eigentlich machen, wenn ich das Angebot hier und jetzt annehme?

„Huch!“ Auf einmal knalle ich gegen jemanden und öffne erschrocken die Augen. Ich klebe an Ryans Brust, der verschmitzt lächelt. Er zeigt zur Seite und wir stehen vor einer Reihe von Taxis.

„Wo willst du denn hin? Hast du von mir geträumt?“ Das muss aufhören.

„Du bist ein Lustmolch, Dempsey.“ Er salutiert.

„Zu Diensten!“ Wir werden einem Taxi zugewiesen und steigen ein. Ich kann das Chaos förmlich riechen, welches dieser Mann mit sich bringt.

„Wohin darf es gehen?“

„Zum nächstgelegenen Hotel, bitte“, weist Ryan den Fahrer an und der schaut verwundert.

„Sie haben kein Hotel?“ Jetzt schaut Ryan ebenso ungläubig.

„Nein. Paris war nicht unser Ziel.“

„Ah, der Schnee. Sie wissen aber schon, dass morgen Valentinstag ist. Da ist die Stadt fast ausgebucht.“ Ryan schaut kurz zu mir nach hinten.

„Ist das nicht fantastisch? Wir zwei an Valentinstag in der Stadt der Liebe. Toll.“ Hört dieser Mann überhaupt jemandem richtig zu?

„Nein, ist es nicht, Ryan. Wir sitzen hier bis morgen fest und ich werde die Nacht nicht im Flughafen verbringen. Was schlagen Sie vor?“, frage ich den Fahrer.

„Kein Hotel in der Innenstadt, ich habe aber eine Idee. Eine Verwandte führt eine kleine Pension außerhalb. Ich könnte sie anrufen?“ Dankbar nehme ich das Angebot ohne Ryans Zustimmung an und der Taxifahrer fährt los. Während der Fahrt spricht er mit einer Frau über die Freisprechanlage und ich verstehe kein Wort. Nur seine anscheinend zufriedene Miene lässt mich hoffen.

Wir fahren quer durch die Stadt und endlich legt er auf. Sein Fahrstil bringt mich immer wieder dazu, mich am Seitengriff festzuhalten, und einmal entweicht mir ein peinlicher Ton.

„Sie haben Glück. Meine Schwester hat noch ein schönes Zimmer frei.“ Erleichtert atme ich durch, bis mir seine Wortwahl auffällt.

„Wie meinen Sie das? Ein Zimmer? Wir brauchen zwei!“ Schockiert schaue ich zu Ryan, der grinsend nach draußen blickt. Über den Sitz schubse ich ihn gegen die Schulter.

„Davon haben Sie nichts gesagt. Sie standen am Taxistand so eng zusammen, da dachte ich ... ähm ... am besten klären Sie das gleich bei meiner Schwester.“ Ich sehe Ryans immer breiter werdendes Grinsen und schlage ihn noch einmal.

„Du und deine Späßchen.“

 

Kurz darauf stehen wir vor einem Gebäude, was

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Images: Vitaly Valua - 123rf.com , Miodrag Veljovic – 123rf.com , rawpixel – 123rf.com
Editing/Proofreading: E. Jung
Publication Date: 02-14-2017
ISBN: 978-3-7396-9831-1

All Rights Reserved

Dedication:
Der Friede beginnt im eigenen Haus. (Karl Jaspers, 1883-1969)

Next Page
Page 1 /