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Der Assassine

Der Tod war verlockender als die Frau dieses Widerlings Ahasverus zu werden. Der Großkönig von Persien hatte sich in den Kopf gesetzt mich zu seiner Gemahlin zu machen, um sich die Treue meines Vaters, König Caspian von Kreta, zu sichern. Zu meinem Glück hatte dieser eine Vermählung abgelehnt. Es hatte ihm widerstrebt mich einem Mann zur Frau zu geben, dem Treue nicht wichtig war. Allein die Vorstellung mein Leben an seiner Seite verbringen zu müssen, jagte mir eine Gänsehaut über den Körper. Für nichts auf der Welt wollte ich das, lieber starb ich. Doch Persiens König war ein Tyrann, der kein Nein kannte. Mit eiserner Hand herrschte er über sein Reich; Güte, Mitgefühl und Liebe waren Fremdwörter für ihn. Er ließ mich einfach von seinen Söldnern entführen und nach Persepolis in den Königspalast verschleppen. Wie ein Stück Vieh hatten sie mich vor ihn geschleift.

Ein Monster, das war er, darüber konnte selbst sein attraktives Äußeres nicht hinweg täuschen. Gut zwei Köpfe größer als ich und fast doppelt so breit. Der lüsterne Blick, mit dem er mich gemustert hatte, ließ mich vor Angst erzittern. Arrogant und siegessicher hatte er mich gepackt und mit einem höhnischen Grinsen an sich gezogen. Ich schlug um mich, wehrte mich mit all meiner Kraft. Leider schien ihm meine Gegenwehr zu gefallen. Über meinen hoffnungslosen Versuch lachend, warf er mich über seine Schulter, trug mich ohne große Mühe in sein Schlafgemach. Meinen Widerwillen, mich dorthin zu begeben - selbst auf Händen getragen, ignorierte er gänzlich. Da er mir scheinbar beweisen wollte, dass er kein Unmensch war, gewährte er mir vierundzwanzig Stunden, um mich mit meinem Schicksal anzufreunden. Als Königin an seiner Seite zu stehen, ihm der Gehorsam meines Vaters sowie Kretas Seestreitkräfte zu sicher. Weiterhin seine Macht zu mehren. Doch mich vor allem freiwillig in sein Bett zu begeben und ihm einen oder auch zwei bis drei Erben schenken. ... aber nicht mit mir! Allein der Gedanke daran trieb mir die Übelkeit in die Kehle, nie würde ich aus freien Stücken die Nacht mit ihm verbringen. Ohne darüber nachzudenken hatte ich ihm das an den Kopf geworfen, worüber er nicht sonderlich erfreut gewesen war. Prompt hatte er mich abgesetzt, meinen Kopf brutal so gebogen, dass er seine widerliche Zunge ekelerregend an meinem Hals zu meinem Ohr hinauf wandern lassen konnte. Eiskalte Schauer überliefen mich. Ich versuchte mich zu wehren. Kampflos würde ich mich ihm nicht überlassen, doch gegen seine in unzähligen Kämpfen errungene Kraft kam ich nicht an.

»Du solltest vorsichtig sein, deine Schönheit besänftigt meine Wut nicht endlos«, flüsterte er mir zu, legte seine Lippen dann auf meine. Widerlich. Reflexartig biss ich zu. Ich schmeckte sein Blut in meinem Mund. Grinsend schubste er mich grob auf das riesige Nachtlager, das sich mittig im Raum befand und von Gold durchzogenen Moskitonetzen umgeben war. Er wischte sich das Blut von der Lippe und warf sich auf mich. Begrub meinen zarten Körper unter seinem. Panik packte mich. Hatte ich ihn zu sehr gereizt? Würde er mich jetzt einfach nehmen? Allein der Gedanke ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.

»Scheinbar möchtest du nicht mehr bis Morgen nach der Vermählung warten. Ich werde meine Freude daran haben, dich mit meinem Körper zu zähmen.« Er lachte lüstern auf und sah mich aus eiskalten Augen an. Augenblicklich hörte ich auf mich zu Wehr zu setzen. Dass es ihm nichts ausmachen würde mir seinen Willen gewaltsam aufzuzwingen, dessen war ich mir bewusst. Doch ich wollte ihm einfach nicht gehören, jedem anderen, doch nicht ihm. Er bemerkte meine Kapitulation und grinste: »So schnell, so zahm? Na, na, na, jetzt bin ich etwas enttäuscht, Prinzessin. Ich hatte mir mehr Gegenwehr erhofft.«

Damit ließ er ab von mir und ich flüchtete mich in eine Ecke des Bettes. Lachend stand er auf, ging zur Tür. Bevor er mich endgültig allein ließ, versprach er mir jedoch im Morgengrauen zurück zu sein. Mein Magen drehte sich schlagartig um. Da würde er nicht aufhören bis ich sein war. Wobei es ihm völlig egal wäre, ob ich mich wehrte oder nicht. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass er seine letzte Nacht als unverheirateter Mann in seinem Harem verbrachte, denn er auch weiterhin zu besuchen gedachte. Ein Hoffnungsschimmer, wenn auch nur ein Kleiner. Ein Mann wie er bräuchte mehr als eine Frau, waren seine Worte gewesen.

Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, gab ich mich meiner Verzweiflung hin. Weinend brach ich zusammen. Fieberhaft suchte ich nach einem Ausweg, über eine Flucht brauchte ich erst gar nicht nachzudenken. Der persische Königspalast war eine Festung, aus der es lebend kein Entkommen gab. Also blieb mir nichts als der Tod. Wenn Ahasverus im Morgengrauen zurückkam, würde er nur meine Leiche finden. Suchend sah ich mich im Gemach um. Komischerweise schien es so, dass sein Gemach für meine Ankunft hergerichtet wurde. Ich fand einen großen Spiegel mit einer Kommode, eine kleine Sitzbank und unzählige Kleidertruhen in der rechten Zimmerhälfte vor. Auch ein Kissenlager zum Sitzen war vorhanden. Scheinbar sollte mir, außer Liebe und Freiheit, nichts fehlen. Die linke Seite war offensichtlich Ahasverus zugedacht. Dort lagen seine Rüstung sowie seine Waffen. Ihm schien gar nicht der Gedanke gekommen zu sein, dass ich mir mit einer seiner Waffen das Leben nehmen könnte. Welch ein Glück. Ich sprang auf und griff nach irgendeinem Dolch und ließ mich wieder auf der Schlafstatt nieder. Mit zitternden Händen hielt ich ihn so, dass ich ihn mir in die Brust rammen konnte. Doch ich brachte einfach nicht den Mut auf mein Leben selbst zu beenden. Wie lang ich feige so dasaß, wusste ich nicht. Irgendwann wurde mir bewusst, dass mir die Zeit davonlief. Die Nacht schwand dahin.

»Wenn Ihr euch einen schnellen Tod wünscht, solltet Ihr den Dolch höher halten, leicht drehen, damit Ihr euer Herz direkt trefft. Doch solltet Ihr einen langsamen, qualvollen Tod bevorzugen, stecht einfach zu.« Ich erschrak. Dunkel und leise erklang eine männliche Stimme vom Balkon hinter mir. Eine ganz schwarz gekleidete Gestalt stand einfach, wie aus dem nichts, da. Die tödliche Aura, die sie umgab, ließ keinen Zweifel daran, wer oder was dort stand. Ein Assassine. Für den professionellen Meuchelmörder gab es nur einen Grund, der ihn herführen konnte. Mein Vater hatte ihn geschickt, um mich und unser Volk zu befreien, denn Freiheit von Ahasverus bedeutete in meinem Fall den Tod. Flucht brachte einfach nichts, so sehr ich auch insgeheim betete, dass dies der Auftrag des Assassinen wäre. Der Perserkönig würde mich jagen, bis er mich wieder hätte. Dann wäre es noch die angenehmste Strafe, die Nächte in seinem Bett verbringen zu müssen.
Immer noch stand der Mann einfach nur auf dem Balkon und sah zu mir herüber. So als ob er darauf wartete, dass ich ihm seine Aufgabe abnahm und mich mit dem Dolch selbst erstach. Sah er denn nicht, dass ich einfach nicht den Mut dazu fand, mein Schicksal zu besiegeln? Plötzlich setzte er sich langsam in Bewegung und kam geschmeidig auf mich zu. Sein Anblick fesselte mich. Direkt vor mir blieb er stehen und sah auf mich herab. Ich hätte Angst haben sollen, doch ich hatte keine. Als er sich zu mir kniete und ich in sein Gesicht sehen konnte, das bis jetzt von einer schwarzen Kapuze verdeckt wurde, stockte mir der Atem. Seine Augen ließen mein Herz einen Moment stillstehen, bevor es wie wild raste. Goldbraunen Augen blickten mich daraus belustigt an. Irritiert fragte ich mich, was ihn so amüsierte? Mein Versuch, mir selbst das Leben zu nehmen? Ich wollte ihn grade danach Fragen, als sich ein spöttisches Grinsen auf seine Lippen legte. Mich der Wunsch überrannte, diese auf meinen zu spüren. Mit den Fingern die kreuzförmige Narbe an seinem Kinn nachzufahren. Unbewusst fuhr ich mir mit der Zunge leicht über meine Lippen, was ihn nur mehr Grinsen lies. Dennoch riss er mich mit sein dunkler Bariton aus meiner Faszination.

»Scheherazade von Kreta, Euer Vater schickt mich, ich soll Eurem Leiden ein Ende setzen. Ich werde es so schnell und schmerzlos gestalten, wie es mir möglich ist.« Schweigend sah mich der Assassine nun an. Worauf er genau wartete, war mir nicht bewusst. Es gab sicherlich Leute, die um ihr Leben flehten, bettelten oder sogar versuchten zu fliehen. Auch wenn die Aussichtslosigkeit solcher Versuche offensichtlich war, hingen die meisten Menschen an ihrem Leben. Doch ich wollte sterben. Er hatte doch mein Unvermögen selbst gesehen. Brauchte er noch mehr Bestätigung, dass ich den Tod einem Leben an Ahasverus Seite vorzog.

»Ihr solltet mir den Dolch geben. Dies ist keine Art für eine Prinzessin zu sterben«, erklang seine Stimme, nach einer gefühlten Ewigkeit, wieder. Mit einem spöttischen Grinsen legte er seine Hand über meine und zog den Dolch zurück. Ich erschauerte bei seiner Berührung und überließ ihm diesen einfach. Achtlos legte er ihn neben uns. Warum sollte er ihn auch in der Hand behalten, wenn er nicht vorhatte mein Leben mit diesem zu beenden.

»Habt Ihr noch einen Wunsch? Ich kann Ihn Euch zwar nur bedingt erfüllen, doch ich werde es versuchen.« Sein dunkler Bariton strich sanft über mich hinweg, ließ mich innerlich erbeben. Es irritierte mich zwar, dass er mir noch einen Wunsch gewährte. Üblich war dies bestimmt nicht, doch ich konnte meinen Blick nicht von ihm lösen. Auch er schien von meinem Anblick gefangen zu sein. Es war reiner Irrsinn, er war ein Assassine. Dennoch wollte ich nur in seinen Armen liegen, seinen starken Körper auf meinem spüren und mich in wilder Leidenschaft unter ihm wiederfinden. Vergebens versuchte ich meine Gedanken zur Ordnung zu rufen, doch es ging nicht. Ich war völlig verrückt, doch ich nahm allen Mut zusammen und sagte ihm: »Macht mich zur Frau, bevor Ihr mir das Leben nehmt.« 
Ein Ausdruck der Verwunderung huschte über sein Gesicht, doch er dauerte nicht lang. Augenblicklich zog er mich in seine Arme, die sich fordernd, doch sanft um mich schlossen. »Seid Ihr Euch sicher, dass das Euer Wunsch ist? Sobald ich Ihn erfülle, gehört Euer Leben mir und ich kann es beenden, wann immer ich will.«

Sein intensiver Blick aus goldbraunen Augen ließ mich erschauern. Mein ganzer Körper prickelte, wo er seinen berührte. Mit einem Nicken besiegelte ich mein Schicksal. Seine Hände fuhren augenblicklich an meinem Körper entlang, lösten dabei unbekannte Empfindungen in mir aus. Langsam legte er seine Lippen auf meine und küsste mich. Seine Zunge nahm von meinem Mund Besitz. Unwillkürlich seufzte ich auf, ich fühlte mich sonderbar leicht. Mein Leben würde durch seine Hand enden, doch das machte mir keine Angst. Ich war bereit und ich würde als Frau sterben. Der Göttervater Zeus hatte meine Gebete erhört. Ersparte mir das Schicksal, Ahasverus Gemahlin zu werden. Stattdessen hatte er mir den Assassinen geschickt, damit dieser mich zur Frau machte. Ich konnte es mir nicht erklären, doch ihn wollte ich unbedingt.

Als er sich von mir löste, lag eine seltsame Gier in seinem Blick. Er jagte mir einen Schauer durch den Körper. Verlangen lag in seinem Bariton, als er die Worte sprach, die nur der Tod ändern konnte: »Du gehörst jetzt mir, Scheherazade. Mir, Dastan, vergiss das nie.«

In den Armen des Todes

 Mein Körper fühlte sich seltsam an. Eine Mischung aus Schmerz und Wohlgefühl. Gelegentlich strich Dastan mit einem Finger mein Rückgrat hinauf und hinunter, was mir kleine Lustschauer bescherte. Mit geschlossenen Augen lag ich auf seiner warmen Brust, seinen Duft einatmend. Es fühlte sich gut an, fast als ob ich dorthin gehörte. Hier konnte mir die grausame Realität nichts anhaben, so kam es mir vor. Auch wenn ich wusste, ich hatte mein Schicksal in Dastans Armen besiegelt. Bald stand ich meinen Ahnen gegenüber, zu ihnen geschickt durch die Hände, die mich eben noch in Leidenschaft erbeben ließen. Allein die Erinnerung an die letzten Stunden ließ mich wohlig aufseufzen. Obwohl Dastan nicht sonderlich sanft war, verspürte ich nicht den Drang mich gegen ihn zu wehren, wie es bei Ahasverus der Fall war. Seine Berührungen hatten in mir nur den Wunsch nach mehr geweckt. Selbst seine Worte »Du gehörst jetzt mir« hatten mich nicht zurückschrecken lassen, im Gegenteil. Ich legte meine Lippen wieder auf seine, drückte mich fest an ihn. Sofort verlangte seine Zunge Einlass in meinen Mund. Bereitwillig öffnete ich mich ihm, wollte mehr. Nach einer gefühlten Ewigkeit löste er sich von mir. Frustriert stöhnte ich leise auf. Grinsend sah er mit seinen goldenen Augen auf mich herab. Mein Verlangen nach ihm, gefiel meinem Assassinen.

Mein Assassine, dieser Gedanke war plötzlich da, doch er gefiel mir. Lächelnd sah ich zu Dastan. Mit seiner geheimnisvollen, dominanten Art hatte er irgendwie von mir Besitz ergriffen. Er würde der erste und einzige Mann in meinem Leben sein. Kurz befiel mich Bedauern, das uns nur diese Nacht blieb. Deshalb schob ich meine Hände in sein halblanges braunes Haar und zog ihn zu mir. Ich wollte keinen Moment vergolden. Grinsend ließ er unsere Lippen wieder miteinander verschmelzen. Mein Körper brannte regelrecht. Ich vergaß alles um uns, Ort und Zeit. Es gab nur noch ihn, meinen Assassinen. Auch ihm schien es nicht anders zu ergeben, ich konnte sein Verlangen spüren. Als seine Lippen meinen Mund verließen und zu meinem Ohr wanderten, überlief mich ein Schauer.

»Scheherazade, ich bin nicht sanft, aber ich werde einfühlsamer sein, als es Ahasverus wäre.« Zum Beweis biss er mir leicht in mein Ohrläppchen. Ich stöhnte auf, presste mich gegen ihn und spürte seine harte Männlichkeit durch seine Lederhose gegen meinen Bauch drücken. Grinsend löste er sich von mir. Drückte mich auf das Bett hinter uns, beugte sich über mich und nahm mich kurz mit seinem prächtigen Körper gefangen. Ihn auf mir zu spüren, war mir nicht unangenehm. Viel zu schnell jedoch erhob er sich wieder von mir. Mit geübten Handgriffen öffnete er seinen Umhang und ließ ihn neben uns zu Boden fallen. Entledigte sich seiner Stiefel und begann seinen schwarz gefärbten Lederbrustpanzer auszuziehen. Ich beobachtete fasziniert das Spiel seiner Muskeln. Er war gebaut wie ein griechischer Gott. Als er seine Hose auszog, errötete ich. In seiner ganzen Männlichkeit stand er nun vor mir. Sein goldener Blick lag auf meiner Tunika. Mit zitternden Fingern löste ich die Fideln, sowie die Kordel, die den Stoff an meinen Hüften zusammenhielt. Die Schamröte stieg mir immer mehr ins Gesicht. Was mich dazu veranlasste meinen Kopf zur Seite zu drehen. Dastan sollte nicht sehen, dass ich errötete. Schnell ließ er sich neben mich auf das Lager sinken. Seine Finger schlossen sich um mein Kinn und er drehte meinen Kopf zu sich zurück. »Sieh mich an, Scheherazade.«

Wie er meinen Namen aussprach, jagte mir wohlige Schauer durch den Leib. Ich spürte seine Nähe mit jeder Faser. Sein goldener Blick lag nachdrücklich auf mir. »Wende nie deinen Blick von mir ab, egal was passiert, hast du verstanden?«
Ich versank in seinen Augen und nickte. Seine Lippen legten sich wieder auf meine. Mein Herz klopfte vor Aufregung schneller. Sanft zog er mich an seine Brust. Augenblicklich umhüllte mich sein Duft. Erdige Wüstenwind vermischt mit würzigem Moschus. Doch es haftete ihm auch etwas Weiches, Sinnliches an. Etwas Unverwechselbares.

Seine rauen Hände fuhren an meinem Körper entlang. Ich konnte spüren, wie er sich zurückhielt, bewusst darauf achtete, mich nicht zu grob anzufassen. Seine Sanftheit und Zärtlichkeit, berührten mich sehr. Doch er sollte sich nicht meinetwegen zügeln. Ich war mir immer bewusst gewesen, dass es ein Krieger wäre mit dem ich mein Bett teilen würde und nicht ein Dichter. Dass es letztlich ein tödlicher Assassine war, wäre mir nie in den Sinn gekommen.
»Dastan«. Ich hauchte seinen Namen mehr, als das ich ihn sagte. Doch es reichte, um ihn seine Zurückhaltung vergessen zu lassen. Augenblicklich lag er auf mir und nahm meinen Mund leidenschaftlich in Besitz. Seine Knie drängten sich grob zwischen meine Beine, bereitwillig öffnete ich mich ihm. Sein rauer Kuss schickte Schmetterlinge in meinen Bauch. Meine Lippen fühlten sich leicht geschwollen an, durch seine unsanfte Behandlung. Seine Hände glitten derb über meine Haut und meine Brüste. Seine Küsse wurden immer drängender, raubten mir dabei den Verstand. Automatisch schlang ich meine Arme um ihn, mein Körper hatte längst auf seine Nähe und Berührungen reagiert, explodierte regelrecht.

Ich hatte die Augen geschlossen, um seine Zärtlichkeiten zu genießen. Als ich sie nun atemlos öffnete, bohrte sich sein goldener Blick besitzergreifend in meinen himmelblauen. Grinsend küsste er sich nochmals meinen Hals entlang, dabei positionierte er sich so, dass er seine Männlichkeit in mich schieben konnte. Ich presste mich fest an ihn, öffnete meine Beine noch etwas mehr. Als seine Lippen sich um mein Ohrläppchen schlossen, überliefe mich ein Schauer. Sacht biss Dastan zu, grub seine schwieligen Hände in mein schwarzes, rückenlanges Haar. Ich stöhnte unter ihm auf. Spöttisch flüsterte er mir zu: »Ihr fühlt Euch in den Armen Eures Todes recht wohl, Prinzessin«.

Ja, er hatte recht, ich fühlte mich sehr wohl in seinen Armen, sicher und seltsam geborgen. Seine Brutalität machte mir keine Angst. Ich hatte sie und auch die Tatsache, dass er mich am Morgen töten würde völlig vergessen. Mein Schoß war von einer Feuchtigkeit durchtränkt, die seine Berührungen hervorgerufen hatten. Ich spürte wie er sich zwischen meinen Beinen bewegte, sacht mit seinem Geschlecht über meins strich und sich in meiner Nässe tränkte. Seine Lippen legten sich fast schon grob auf meine und seine Zunge forderte rücksichtslos Einlass in meinen Mund, während er sich in mein Innerstes drückte. Als er auf einen Widerstand stieß, zog er sich kurz zurück, um mit einem festen Stoß meiner Jungfräulichkeit ein Ende zu setzen. Ein reisender Schmerz durchfuhr mich und ich verkrampfte mich unter Dastan. Augenblicklich lag er still auf mir. Lies mir einem Moment. Mit einem seltsamen Ausdruck im Gesicht beobachtete er mich. Unter seinem begehrlichen Blick errötete ich wieder. Was mochte er gerade denken, schoss es mir durch den Kopf, als ich ohne nachzudenken meine Hand hob und ihm eine Strähne aus dem Gesicht strich.

»Jetzt bist du mein, Scheherazade.« Der besitzergreifende Ton und das Leuchten seiner Augen ließen mich den Atem anhalten. Sein Satz war so absolut, ließ keinen Widerspruch zu. Mit diesen Worten warf der Assassine jegliche Sanftheit über Bord und schob sich nachdrücklich ganz in mich. Wieder erstarrte ich und schrie vor Schmerz auf. Augenblicklich verschloss er meinen Mund mit seinem. Ahasverus hatte Wachen vor dem Gemach aufgestellt, damit ich nicht floh. Auch wenn die Idee alleine aus dem Palast zu fliehen absoluter Wahnsinn wäre. Doch sollten sie meinen Schrei hören, würden sie nachsehen, was mit mir war. Dann wäre Dastan, der der starb und ich würde mich unter Ahasverus wiederfinden, der mich seine Wut darüber, nicht der erste Mann in mir zu sein, spüren ließ.

Als Dastan gänzlich in mir war, verharrte er nochmals einem Moment still. Meine Starre löste sich abermals und mein Körper fügte sich diesen neuen intensiven Erfahrungen. Es war seltsam unsere Körper vereint zu spüren. Es schmerzte leicht, dennoch erregte es mich. Abermals beobachtete er mich mit seinem begehrlichen Blick. Sanft begann er mich zu streicheln und sich langsam, doch recht schnell drängend in mir zu bewegen. Solche intensiven Empfindungen hatte ich noch nie gefühlt. Auch ich strich über seinen Körper und krallte mich in sein Haar. Dies entlockte ihm ein raubtierhaftes Knurren. Als sich alles in meiner Mitte zusammenzog, sich ein unvergleichlicher Druck aufbaute, bog ich mich ihm reflexartig entgegen. Ich fühlte mich, als ob ich an einem Abgrund stand und nur auf den Moment wartete, um mich in die Tiefe zu stürzen.

Dastan versenkte sich immer brutaler in mir, bis er sich plötzlich über mir aufbäumte, ohne Rücksicht auf die Wachen laut aufstöhnte und sich in meinem Unterleib ergoss. Mein Innerstes zog sich kraftvoll zusammen und ich fiel in die Dunkelheit. Es dauerte einige Zeit, bis ich daraus wieder zurück ins Licht fand. Dastan hatte sich mit mir zusammen umgedreht, sodass ich auf seiner von Narben übersäten Brust, genau über seinem schlagenden Herzen lag. Schwer atmend hob ich meinen Kopf und blickte in ein mit sich selbst sehr zufriedenes Gesicht. Mein Assassine grinste mich an und mein Herz setzte kurz aus. Sanft legten sich seine Lippen kurz auf meine, bevor er meinen Kopf zurück auf seine Brust legte. Seitdem hatten wir einfach so dagelegen. Gelegentlich hatte ich eine seiner Narben nachgezeichnet und mich gefragt woher er sie hatte.

Langsam schwand jedoch der Nachthimmel und machte dem Morgenrot platz. Ich war jetzt eine Frau. Er hatte mir meinen Wunsch erfüllt. Doch seine Worte hallten immer wieder in meinem Kopf wieder. »Jetzt bist du mein, Scheherazade«. Wollte er mir damit etwa sagen, dass ... nein ... das konnte nicht sein. Ich ignorierte diesen seltsamen Gedanken. Dennoch die Erinnerung allein an die Absolutheit seine Aussage, erzeugte wieder Schmetterlinge in meinem Innern. Ich erschauerte wohlig, sofort lagen seine Arme schützend um mir.
Die ersten hellen Sonnenstrahlen tauchten das Gemach in warmes orange. Ahasverus würde bald kommen. Ich konnte nicht mehr darüber nachdenken, was er gemeint hatte. Er musste seinen Auftrag beenden und verschwinden. Ich hob den Kopf, es wurde Zeit. »Dastan«. Sein Blick legte sich auf mich, als ich seine Namen sagte. »Der Morgen graut.«

Sein Blick wanderte zum Balkon. Am Horizont war das rötliche Leuchten längst dem strahlenden Gelb der Sonne gewichen. Er legte seine Lippen sacht auf meine und schob mich dann von sich. Augenblicklich war mir kalt und ich zitterte leicht. Schweigend reichte er mir meine Tunika, damit ich mich ankleiden konnte. Während auch er seine Kleider anlegte. Da ich schnelle angezogen war, sah ich ihm zu, wie er den Körper, der mir eben noch solche Freude bereitet hatte, wieder in all dieses Leder packte. Als er den Umhang umgelegt hatte, hielt er mir seine Hand hin. Verwirrt sah ich ihn an, sollte ich aufstehen, damit er mich töten konnte? Als ich nicht reagierte, trat er dicht neben mich und sagte bestimmt: »Komm.«

Sein Verhalten irritierte mich nur noch mehr, sodass ich immer noch an meinem Platz verharrte. Frustriert stöhnte er auf. Verärgerte ihn meine Begriffsstutzigkeit? Leise vor sich hin fluchend griff er nach mir und zog mich hoch in seine Arme, die sich besitzergreifend um mich schlossen. Seine Lippen legten sich an mein Ohr: »Du gehörst jetzt mir, Frau. Vergiss das nie, Scheherazade. Also tu, was ich dir sage und komm endlich mit«. 

Flucht aus dem Palast

Entkommen, aus dem eigentlich unüberwindbaren Mauern des persischen Königspalastes. Es grenzte an ein Wunder. Bereits die Flucht vom Balkon, auf dem Dastan mich einfach gezogen hat. Eigentlich unmöglich zumindest mit mir. Der Balkon war gut vier Meter hoch. Für einen Assassinen keine Höhe, doch wie sollte ich da runter kommen? Fragend blickte ich neben mich, doch anstatt Dastans goldenen Blicks, sah ich die immer höher steigende Sonne. Mein Assassine war verschwunden, panisch drehte ich mich um, wo war er.

»Prinzessin. Oh süße Scheherazade, dein Bräutigam kommt.« Klang es dumpf durch die dicken Holztüren von draußen ins Gemach. »Scheherazade, oh Scheherazade, jetzt bist du mein.« Ein Ekelschauer überlief mich, die Worte, die mein Herz bei Dastan schneller schlagen ließen, trieben mir nun die Galle in die Kehle. Ahasverus war auf dem Weg zu mir und kündigte sein Kommen lautstark an. Panik ergriff mich.

»Meine Scheherazade, spring.« Dastans Stimme riss mich aus meiner Angst und lenkte meinen Blick nach unten in den Hof. Da stand er, mit ausgebreiteten Armen und blickte zu mir hoch. Was hatte er gerufen? Spring? Das konnte er nicht ernsthaft meinem? Ahasverus Stimme wurde immer lauter, er hatte es nicht mehr weit bis zu dem Gemach, das er gedachte mit mir zu teilen. Ich sah Dastan an, sein Blick fest und sicher. Kurz schloss ich die Augen, unter mir stand er, mein Assassine und streckte seine Arme nach mir aus. Ohne wirklich zu überlegen, was ich da tat, kletterte ich auf die Brüstung und sprang. Dastans Arme fingen mich auf, drückten mich schützend an seiner Brust, bevor wir zusammen rücklings auf den Boden prallten. Reflexartig rollte Dastan uns unter den Balkon, damit wir nicht ungeschützt mitten auf dem Palasthof lagen. Ich spürte sein Gewicht auf mir und verlangen ihn wieder in mir zu spüren überflutete mich. Ich hielt den Atem an, vergaß völlig, wo wir waren und schmiegte mich an ihn. Auch in seinem goldenen Blick stand brennendes Verlangen. Seine Lippen legten sich an mein Ohr und ich erschauerte. »Hier ist nicht der passende Ort, Frau.«

Damit sprang er auf, reichte mir seine Hand, zog mich hoch. Schnell suchte er den Palast ab, doch die meisten im Palast schliefen noch. Doch nicht mehr lange, wenn der König das Zimmer leer vorfand. Ineinander verschlungen auf dem Boden unter dem Balkon zu liegen, da hatte er recht, war nicht gerade eine gute Idee.

Als Dastan sicher war, dass uns niemand sah, rannten wir in Richtung Säulenhalle, die in den hinteren Garten führte. Sollten uns die Wachen oder gar Ahasverus sehen, wäre alles aus. Ich würde den Versuch zu entfliehen teuer bezahlen. Ahasverus brauchte mich zwar, um sich Kretas riesige Seestreitmacht zu sichern, doch eine Strafe für meinen Ungehorsam bekäme ich dennoch.

»Wo ist sie.« Kaum hatten wir den Palasthof überquert, zerriss ein Wutschrei die morgendliche Stille. Panik packte mich. Ohne es zu wollen, fing ich an zu zittern. Augenblicklich spürte ich eine Wand in meinem Rücken. Dastan drängte mich in eine dunkle Nische. Woher die plötzlich kam, war mir egal. Sein Körper schirmte mich gänzlich ab, sein Duft umspielte meine Sinne. Doch selbst seine Nähe, ließ die Angst nicht verschwinden. Was mir blühte, wäre schon grausam, doch Dastan, würde den Mittag nicht mehr erleben. Der Zorn des Perserkönigs darüber, dass er es war, der mir die Jungfräulichkeit nahm, wäre unermesslich. Ahasverus Schreie hallten im ganzen Palast wieder. »Wo ist meine Braut, verdammt noch mal? Wie konnte sie euch Trunkenbolden entkommen? Findet sie! Ich will sie wieder haben! FINDET SIE!«

Dastans Lippen pressten sich auf meine, sein Kuss ließ mich erschauern, er hatte nichts Sanftes. Rau drängte sich seine Zunge in meinen Mund. Ich stöhnte auf und schlang meine Arme um ihn. Im selben Moment liefen die ersten Wachen hektisch suchend über den Platz und ließen mich zusammenfahren. Dastans Umhang verbarg uns jedoch gänzlich, sodass sie uns, Zeus sei dank, nicht entdeckten.

»Er bekommt dich nicht, Scheherazade. Du bist MEIN.« Der Besitzanspruch in seinen Worten ließ mich erschauer. Du bist sein, die Worte halten immer und immer wieder in meinem Kopf wieder. Was meinte er damit? Ja, mein Leben gehörte ihm, doch das meinte er nicht, dessen war ich mir sicher. Ich hing diesem Gedanken immer noch nach, als Dastan mich aus der Nische weiter in den Garten zog. Konnte er ... wollte er mir damit sagen, dass ... War das der Grund, warum er mich nicht getötet hatte? Ich hielt ihn doch eigentlich nur auf. Ohne mich zu entkommen wäre einfacher für ihn.

Ein unsanfter Stoß riss mich aus meinem Gedanken. Ich landete hart im von Morgentau noch feuchten Gras. Eine Gruppe Wachen hatte den Garten durchsucht und uns gesehen. Nun blieb ihm nichts als zu kämpfen. Assassinen waren die bestausgebildetsten Kämpfer, die man für Drachmen bekommen konnte. So verwunderte es nicht, dass Dastan die vier Wachen schnell und geschickt erledigte. Diese hatten es nicht für nötig gehalten, Alarm zu schlagen. Die Tatsache »Vier gegen Einen« hatte sie glauben lassen im Vorteil zu sein. Dass sie es mit einem Assassinen, einem eiskalten, effizienten Mörder, zu tun hatten, der jeden, der sich ihm in den Weg stellte, augenblicklich tötete, erkannten sie nicht.

Dastan schnell und effizient töten zu sehen, führte mir deutlich vor Augen, wem ich mein Leben verschrieben hatte. Doch auch Ahasverus war ein eiskalter Killer und wir befanden uns immer noch in seinem Palast. Inzwischen suchte der ganze Hofstaat nach mir. Angst packte mich wieder. Wir mussten hier weg. Ich stand langsam auf, doch meine Beine gaben nach. Die Furcht lähmte mich. Sofort stand er vor mir, fing mich auf, legte meine Arme um seinen Hals und hob ich hoch. Ich schmiegte mich an meinen Assassinen. Sein Gesicht war mit dem das Blut der Wachen bespritzt. Eigentlich hatte ich Angst haben müssen, angst vor ihm doch nicht. Ich spürte nur die Schmetterlinge in meinem Bauch, die seine Nähe immer hervorrief. Den Rest unserer Flucht nahm ich nicht wirklich mehr wahr. Erst als Dastan mich hinter der Palastmauer wieder auf meine eigenen Füße stellte und seine Lippen auf die meinen legte, erwachte ich aus meinem Nebel. Ich presste mich an ihn, küsste ihn leidenschaftlich. Augenblicklich drückte mich mein Assassine mit seinem Körper gegen die Mauer und rieb seiner Männlichkeit an mir. Viel zu schnell jedoch, schob Dastan mich von sich und mir legte seinen Umhang um. »Dafür haben wir immer noch keine Zeit, erst muss ich dich hier wegschaffen Frau, bevor du mich wieder verführen kannst.«.

Ich ihn verführen? Was bildete er sich ein? Ich war eine Prinzessin und kein leichtes Mädchen aus irgendeiner Taverne. Wütend funkelte ich ihn an. »Was fällt dir ein? Du hast wohl vergessen, mit wem du sprichst! Auch wenn ich mein Bett mit dir geteilt habe, mit dem gebührenden Respekt hast du mich dennoch zu behandeln. Ich bin PRINZESSIN Scheherazade von Kreta und nicht irgendein ...«

Zornig schnitt Dastan mir das Wort ab. »Frau, ich glaube, du hast vergessen, mit wem du redest. Und jetzt HALT DEN MUND, sonst überlege ich mir doch noch, ob ich dich nicht AUGENBLICKLICH TÖTE. Dein Geschrei verrät den Wachen nur, wo wir sind.«

Wütend sah ich Dastan an. Ich wollte ihm grade sagen, dass er mich doch bitte umgehend töten solle, da ich nicht länger den Wunsch verspürte, weiter in seiner Gesellschaft zu verweilen. Als er mich immer noch wütend zurück in seine Arme zog und meinen Mund mit seinem verschloss. Ich wand mich, wollte seinem Griff entfliehen. Doch er hielt mich unnachgiebig fest. Seine Dominanz rief erneut Verlangen nach ihm in mir wach. Ich schmiegte mich an ihn, griff in sein Haar und drücke mich fester gegen ihn. Augenblicklich lockerte er seinen Griff und ließ seinen Mund zu meinem Ohr wandern. »Können wir uns später weiter streiten? Bevorzugt, wenn du nackt unter mir liegst, Scheherazade. Ich wollte heute keineswegs sterben.«

Seine Worte ließen mich erschauern, dennoch hatte er recht. Es war unklug hier einen Streit auszutragen. Sterben stand jetzt, wo wir es aus dem Palast geschafft hatten, nicht mehr unbedingt auf meiner Wunschliste, ganz im Gegensatz zu »sich nackt unter ihm befinden«. Was hatte ich mir da nur eingebrockt? Er war dominant, arrogant, und tödlich, doch ich wollte nur ihn. Als ich stumm nickte, grinste er selbstgefällig, entließ mich aus seinen Armen und befahl mir hier im Schatten auf ihn zu warten. Was blieb mir auch anderes übrig? Allein würde ich nicht vor Ahasverus fliehen können und zu ihm zurück würde mich nichts auf dieser Welt bringen. Mein Assassine war alles, was mir blieb. Ich blickte auf die einsame todbringende Wüste, die hinter dem Palast von Persiens Hauptstadt Persepolis begann.

Ein Schnauben ließ mich aufschrecken. Dastan war zurück mit einem schwarzen Araber-Hengst an seiner Seite. Er musste sich in die Reiterei geschlichen haben. Unbewusst fragte ich mich, wie viele Leben er dort beendet hatte. Ich riss mich von dem Gedanken los und musterte das Pferd bewundernd. Auf Kreta hatte ich eine weiße Halbblutstute besessen. Vater hatte sie mir geschenkt. Seiner Meinung nach war das Temperament eines Vollbluts nichts für eine Prinzessin. Beim Gedanken an meinen Vater überkam mich Trauer, ich würde ihn wohl nie wiedersehen. Wehmütig trat ich neben Dastan. Meine Heimat fehlte mir.

»Wir müssen los. Die Wachen werden uns hier bald finden.« Ich nickte und griff in die Mähne des Pferdes, als Dastans nächste Worte mich innehalten ließen. »Außerdem ist es ein weiter und gefährlicher Weg nach Kreta, Scheherazade. Was dein Vater dazu sagen wird, dass du dir einen Assassinen zum Mann erwählt hast, kann ich dir nicht sagen. Doch dich lebend wiederzubekommen, wird ihn sicherlich milde stimmen. Außerdem ist der Palast deines Vaters einer der wenigen Orte, an denen ich dich halbwegs vor Ahasverus schützen kann.« Ich sah ihn entgeistert an. Doch ich kam nicht mehr dazu weiter nachzudenken. Hinter Dastan tauchten einige Wachen auf. Ich schrie auf: »Dastan«.

Grade noch rechtzeitig wich dem Säbel aus, zog seinen Dolch und erstach die erste Wache. Blitzschnell drehte er sich zu den Übrigen rum. Eine blies grade Alarm. Dastan fluchte derb, schnitt einer weiteren Palastwache die Kehle durch und wand sich dem Hornbläser zu. Unterdessen hatte sich der letzte der Wächter mir genähert, es würde ihm eine schöne Belohnung einbringen, wenn er mich dem König zurückbrachte. Verzweifelt kreischte ich auf, als er seine widerlichen Armen um mich schlang. Dastan war augenblicklich bei mir und schnitt auch diesem den Hals auf. Röchelnd brauch diese vor mir zusammen und ließ mich los. Wegen meiner Notlage hatte mein Assassine jedoch von der anderen Palastwache ablassen müssen. Diese war zum König geflohen. Sein Leben wurde das nur kurzfristig retten, sagte mir mein Gefühl. Denn nachdem der Wächter dem König berichtet hatte, würde diese den Feigling persönlich töten. Eile war jetzt geboten. Ahasverus würde nun persönlich kommen, um mich wieder einzufangen. Ein Zittern durchlief mich. Dastan nahm die Zügel wieder in die Hand, musterte mich kurz und hob mich ohne ein Wort auf den Rücken des Pferdes. Dann schwang er sich hinter mich auf den Hengst, legte seinen Arm fest um meine Hüften und jagte das Pferd Richtung Wüste in den Morgen. 

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Publication Date: 11-04-2018

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