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vom Krieg der Steine und der Bäume

Es gibt bekanntlich zwei Sorten von Menschen, die, die zur Steinzeit gehören, die Lithophilen, und die Holzköpfe, die Philodendren.


Wenn es in der Welt der Steinfreunde, von denen die geachtetsten steinalt und die gefürchtesten steinreich sind, etwas Gutes gibt, so ist das bestimmt in guter Steinbauweise Stein auf Stein gebaut und Felsenfest. Der Steinmann besitzt einen Steingarten und mindestens einen Schornstein in seinem Steinhaus. Er isst Steinofenbrot zu seinem Staek, dass er am liebsten vom "heißen Stein" genießt. Er behängt seine Frau mit edlen echten Steinen und beauftragt einen Steinmetz mit der Bearbeitung von Kunststein für seine Marmorfensterbänke. Er bevorzugt Natursteinmauern und verkleidet sein Haus mit Schiefersteinplatten. Wenn er in seiner Freizeit auf seiner Kunststein-Terrasse sitzt, umgeben von Terrakottagefäßen mit Steinbrech und "lebenden Steinen" darin, so träumt er von Urlaub in den Rocky Mountains und weiß doch, dass er doch wieder nur am Wochenende in den Steinbruch fährt und plagt sich mit seinen Nieren- und Gallen-Steinen.
Seine Vorfahren sind die Ägypter der vierten Dynastie, mit ihrer in Stein geschnittenen Schrift und den monumentalen Steinbauwerken. Und die Chinesen, die sich mit einer steinernen Armee beerdigen ließen und die eine steinerne Mauer bauten, die selbst vom Mond aus noch sichtbar ist.
Und irgendwie leben wir ja alle mehr oder weniger in der Steinzeit, obwohl wir uns köstlich amüsieren,über die Technik des Steinschloßgewehres an unserer Wand. Immerhin haben wir keine Nachwuchsprobleme, lesen doch alle unsere Jüngsten ständig die neuesten Abenteuer der Familie Fred Flintstone. Und wir selbst, wurden erwachsen mit den Rocky Filmen 1 bis unendlich.


Der Holzmensch ist da völlig anders: In seinem Holzblockhaus mit den in den Jahren geschwärzten Eichenholzbalken an der Decke, schaut er von seinem Holzschemel aus, dem Prasseln der Buchenholzscheite im Kamin zu. Der Holzwurm in der hölzernen Wanduhr tickt vernehmlich und das Knarren der hölzernen Dielenbretter ist für ihn Musik. Er wohnt in Holzkirchen oder in Holzwickede, fährt zum Wochenende nach Holzheim und freute sich vorm TV, wenn Bernd Hölzl auf dem Fußballfeld herumholzt. Auch er träumt, träumt vom Urlaub im Amazonasbecken oder in Kanada und fährt wieder abwechselnd in den Harz und den Bayrischen Wald. Er spielt in seiner Freizeit etwas hölzern auf einem Holzblasinstrument. Während er die Oboe quält, begeistern sich seine Kinder für die Holzblockflöte. Seine Wände zieren erlesene Holzstiche in handgeschnitzten Holzrahmen. Da auch seine Räume angefüllt sind mit Massivholzmöbeln, verziert mit den exklusivsten Furnierhölzern und kompliziertesten Holzintarsien, sagt er sich ständig: Holzauge sei wachsam! Denn seit alters her hat er einen großen Feind, das Feuer, etwas, das Holz nur so verschlingt, und auch Termiten, die, Dank der in ihrem Darm lebenden Bakterien in die Lage versetzt werden, Holz zu fressen, und die dies auch tun. Aber gegen letztere gibt es ja glücklicherweise heutzutage gute Mittel.


Doch nun beginnt die Geschichte des Streites.

Die Holzleute nennen die Steinleute Steinmu's, grüne Steinbeißer und neuerdings: Betonköpfe. Die Steinleute wiederum beschimpfen die Holzköpfe, sie hätten ein Brett vor dem Kopf und ein hölzernes Benehmen. Wenn dann noch den Steinleuten ein "Herz aus Stein" vor die Füße geworfen wird und die dann die anderen als Holzwürmer beschimpfen, die nur Holzwolle im Kopf hätten, so gibt ein Wort das andere, und der Streit ist da. Wir beobachten es täglich auf der Straße, in U-Bahnen, Parks und Stadträndern Wie hatte es begonnen? Die Begegnung mit dem Fremden, dem „Anders Sein“, macht Angst, ruft Gewohntes, Bewährtes als gut, weil erfolgreich aus dem Gedächtnis ab, und versucht, das Andere, den Anderen zu ändern, zu bekehren. Die Steinleute machten so die Holzleute auf ihren Holzweg aufmerksam, empfahlen aber nur ihren, den Holzleuten zu steinigen Weg. Doch war Den Holzleuten dieser Weg zu steinig. Sie sagten, dass Intergration Assinilation wäre und proklamierten in ihren Gebieten den Holzweg als allein Gültigen.

Und so ist dieser Streit schon so alt, sehr, sehr alt.

Uns sind ja die Geschichten und Darstellungen bekannt, wo mit Steinschleudern gegen Holzpalisaden Steine geschleudert werden und mit ... Holzrammböcken in die Steinmauern eingebrochen wird. Egal, wie weit wir zurückgehen, Steinäxte, gegen Holzkeulen, das ist wie ein roter Faden, der sich durch die gesamte Geschichte der Menschheit zieht.
Eigentlich sollte in unserer Zeit dieser Streit,längst beigelegt sein. Dank des fehlenden Umweltschutzes, den man gemeinsam angehen muss. Der saure Regen frisst nicht nur Bäume, sondern auch Steine: Steht auf dem Harz schon bald kein Baum mehr, so bröckeln auch die antiken Marmorpaläste mit ihren schon gesichtslosen Skulpturen zusammen. Eigentlich, ja eigentlich , müssten sie zusammenhalten. Doch sie setzen ihre Scheuklappen an, damit sie nicht den eigenen Zerfall rechts und links sehen und sagen sich, mit dem Blick in die Ferne, hinüber zum Holz- bzw. zum Steinnachbarn: "Schau mal, wie es dort zerfällt. Der tut nichts zum Erhalt dieser Welt. Da kannst Du mal sehen, was das für kurzsichtige
Leute sind!"

Wir kämpfen den Kampf Holzkeulen gegen Steinäxte nur mit moderneren, verfeinerten
Mitteln weiter. Und so kommt die Zukunft, wie es kommen, muss: Es wird das Erzgebirge kahl, die ägyptischen Tempel zerbröseln, die Spannbetonbrücken und Bauwerkskonstruktionen brechen in sich zusammen. Der brasilianische Urwald ist dabei zu verschwinden.

Ob nun der gemeinsame Schöpfer dieser Kontrahenten in ihrer Vorstellung auf einem Stein- oder Holz-Thron sitzt, ist für die Erde unerheblich.
Wir MÜSSEN einander helfen, zusammenhalten, die Gräben überwinden;
Denn sonst werden sich, auch wenn die Tage des Holzes gezählt sind und aller Stein zu Sand geworden ist, die Kontrahenten noch in ihren Ideologien streiten.


Nachwort zum „Naturgesetz“
Ethologische Beobachtung: Empathie?
Ratten, befreien nicht verwandte Artgenossen aus Käfigen, wenn sie Gelegenheit dazu haben. (Sie haben nichts, allenfalls Nachteile davon, verzichten sogar auf Belohnungsfutter, dass ihnen an anderer Stelle geboten wird, selbst das fröhliche Miteinander nach der Befreiung, das als Belohnung aufgefasst werden kann, wurde unterbunden. Dennoch wird diese Ratte wieder weitere unbekannte Artgenossen befreien.

Imprint

Text: Coverfoto von Steinbruch Oetelshoven, er gehört zum größten Kalksteinabbaugebiet Europas
Publication Date: 01-10-2012

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