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Petra

Petra war doof.


Sie war mindestens einen Kopf größer als ich und hatte möhrenrote Haare. Ihre Nase bog sich leicht nach unten und irgendwie fehlte ihre Oberlippe. Zahllose Sommersprossen blühten in ihrem runden Gesicht.
Doch am schlimmsten war ihr wogender Gang. Sie trampelte, wenn sie rannte und brauchte viel länger als ich.

Petra war sitzen geblieben.


Das hatte man mir gesagt. Es muss schlimm gewesen sein, als sie so alleine da saß, dachte ich und niemand holte sie ab.
Deshalb tat sie mir leid.

Petra liebte mich.


Immer, wenn sie mich sah, rannte sie irgendwie auf mich zu, ruderte mit ihren Armen und rief: „Warte! Ich will mit dir spielen!“
Schnell sah ich mich um. Waren Kinder da, mischte Petra sich unter, wie ein Tropfen Blut in einem Eimer Wasser. Doch war ich allein, dann klebte sie erbarmungslos an meiner Seite.

Petra verlor immer!


Geduldig, immer wieder... Ballwerfen gegen die Wand, Huppekästchen, Wettrennen... sie verlor und strahlte mich an.

Meine wunde Seele brannte wie ihre Haare.
Ich wollte nicht, dass sie verlor! Ich wollte kämpfen müssen!


Ein Jahr später saß ich viele Kilometer weit weg. Ich weinte.

Petra, wo bist du?


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Publication Date: 09-29-2011

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