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'Emilie, schau doch da kommt die Omi! Lauf zu ihr und begrüß sie mit deinen Puppenküsschen links und rechts!'

Ja, dass war immer das erste was ich tat wenn Oma auf Besuch zu uns gekommen ist. Es war so eine unbeschwerte Zeit. Wenn sich Oma ankündigte gab es immer viel zu tun in unserem Haus. Alles musste fein säuberlich wieder weggeräumt werden. Wischen, fegen, staubsaugen, aufräumen. Ob man als Kind wollte oder nicht. Ich tat es.

'Hallo Mutter, wie geht es dir? Hattest du eine angenehme Fahrt zu uns? Du musst doch bestimmt sehr müde und erschöpft sein, schau ich habe dein Bett schon fertig gemacht!' Oma konnte nicht auf die Fragen meiner Mutter antworten, da sie schon ins Schlafzimmer gebracht worden ist. So war das immer. Kaum dass Oma angekommen war, durfte sie gleich wieder ins Bett. Ja, das muss man verstehen. So eine 40 - mintütige Fahrt ist ja auch so lang. Da wird man einfach sehr müde wenn man angekommen ist. Ich fand es immer seltsam. Meistens ist Oma immer nach dem Kindergarten gekommen, also so gegen 13 Uhr und wenn sie dann da war, blieb sie meistens auch immer eine Woche. Ich liebte es von der Oma zum Kindergarten gebracht und auch wieder abgeholt zu werden. Meine Oma war hübsch! Eine kleine Frau mit moppeliger Figur, hellblauen Augen, Maryiln Monroe Haarfarbe und Frisur und dicken, wohlgeformten schwarzen Augenbrauen. Einfach meine Schönheitsikone zu damaligen Zeiten.

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Abendessen. Ein kulinarisches Gaumenfest. Lauter tolle Sachen auf dem Tisch und wegen jedem kleinem Bisschen durfte ich betteln. Nicht weil meine Mutter zimperlich gewesen wäre, nein, ich musste ja auf meine Figur aufpassen. Eine Figur, die man auch als 'Schweinchen Dick' Verkleidung durchgehen hätte lassen können. Ich war vier. Was interessierte mich da meine Figur? Ich wollte auch ein Butterbrot mit Schinken und Käse essen. Die polnischen dicken Würste sahen mich auch bettelnd an. Nein, ich durfte nicht. Ich durfte so vieles nicht aber das war mir damals nicht bewusst.

Ich war schon immer runder und größer als alle anderen Kinder in meinem Alter. Warum dass so war weiss ich nicht. Ich betrachtete mich auch nie als richtiges Kind, welches immerzu nur mit Kinder spielen wollte oder ähnliches. Es war mir im Kindergarten immer schon aufgefallen, welche der Erzieherinnen am meisten Modebewusstein bewiesen und wer nicht. War das normal? Ich glaube nicht. Ich konnte mit Erwachsenen die besten Gespräche führen und die besten Spiele spielen. Kinder waren für mich Zeitverschwendung. Meine Eltern sahen dies nicht.

Je älter ich wurde, desto bewusster wurde es mir dass ich anders bin. Anders im Sinne von: 'Alle sind schön, ich bin es nicht!' Diese Aussage machte ich bereits mit sechs Jahren als ich eingeschult worden bin. Alle waren so schön angezogen, hatten Kinderkleidung an und buntes Zeug in den Haaren drinn. Ich jedoch zog Kleider in Konfektion 38 an, bei einer Größe von 1,52m. Ich war nicht normal und wollte aber auch nicht normal behandelt werden. Ich war was besonderes und so wollte ich auch gesehen werden.

Die Schulzeit war damals nicht viel dramatischer als sie heute ist. Gemobbt wurde schon immer nur wurde es nicht immer offiziel getan. Ich wurde nicht gemobbt, so kann ich es nicht beschreiben. Ich war auch nicht das beliebteste Mädchen. Wie denn auch? Ich war schüchtern, konnte nicht vor mehreren Leuten etwas vortragen, fühlte mich so klein und traurig, niemand konnte mich verstehen. Meine Eltern waren mir nicht wirklich eine Hilfe. 'So ist das eben, du kannst dich nicht immer hinter jemanden verstecken und hoffen, das alles gut geht. Handle selber und lass dich nicht verarschen!' Sagt man sowas einem sechs jährigem Mädchen, welches mit sich und der Umwelt vollkommen überfordert ist? Nein! Ich war ein völlig hilfloses Kind. Passte nicht zu Kindern in meinem Alter aber auch nicht in die Erwachsenenwelt. Ich tat genau dass, was man von mir verlangte. Ich war stets lieb, hilfsbereit, verschlossen, immer freundlich nickend und habe alles über mich ergehen lassen. Ging ja auch ganz einfach. Mein Frust wurde mein größtes Laster. Das Essen.

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Ich war schon immer adipös. Da konnte ich nichts dagegen machen. Erst recht nicht als ich klein war.

'Ne, du bist nicht dick mein kleines Pummelchen! Das ist Babyspeck, also ganz normal, mach dir keine Sorgen!' liebkoste mich meine Mutter, '...aber Mama, wenn das Babyspeck ist, warum habe ich das dann noch? Ich bin doch kein Baby mehr! Ich bin doch schon neun Jahre alt!'

Tja, was hätte eine Mutter schon ihrem neun jährigen Kind sagen können? Beispiel Nr.1) 'Da hast du recht! Mit neun Jahren schon 85kg zu wiegen ist kein Babyspeckthema mehr. Wir beide machen jetzt zusammen etwas, dass du an Gewicht verlierst. Das bekommen wir schon hin, ich liebe dich und ich werde das mit dir zusammen schon schaffen!' Beispiel Nr.2 'Ja kann ich denn da was dafür? Wieg ich etwa so viel? Egal was ich dir sagen, du machst es doch eh nicht! Wie oft habe ich dir den verboten Süßigkeiten zu essen? Wie oft habe ich dir denn gesagt, dass ich es nicht will wenn du Chips frisst? Mach deine Diät doch selber, auf mich hörst du doch sowieso nicht!' oder einfach Beispiel Nr.3 - Gar nicht so lange warten und Übergewicht immer zu vermeiden versuchen! -

Ich denke Beispiel Nr.1 und Nr.3 hätten mir viel geholfen. Aber meinen Eltern kam nur Beispiel Nr.2 über die Lippen.

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Es wurde mir egal. So egal als ob in China ein Sack voll Reis umkippen würde, so egal wurde es mir! Wen juckte den schon eine Zahl auf der Waage? Mich nicht! Es gab schliesslich wichtigere Sachen auf der Welt als Übergewicht.

Ich schloss mich mit neun Jahren einer Szene an, bei der ich nicht einmal mehr weiss ob es so etwas überhaupt noch gibt! Ich wurde eine kleine Lolita. Einfach so und überhaupt einfach so ohne zu überlegen. Zuhause musste ich die liebe kleine Emilie sein. Emilie spielte immer mit Puppen und rosa Autos. Emilie machte ihre Hausaufgaben auch stets schön. Wen interessierte es denn? Meine Eltern? Hmm, nicht dass ich wüsste. Es war doch sowieso immer egal was ich machte. Es durfte eben nur in einem gewissen Zeitlevel getan werden und durfte nichts mit Süßigkeiten und Chips zu tun haben. Okay, dachte ich mir, dann mach ich eben was anderes.

Wochenende. Meine Eltern waren in der Arbeit und ich alleine zuhause. Ich zog mir viel zu enge Klamotten an, stopfte mir Taschentücher in den Ausschnitt, zog hohe Schuhe an und malte mir ganz ungeniert wie eine junge Frau die Lippen rot an. Wer es mir erlaubt hat? Ich habe es mir erlaubt. Ich, ganz allein ich wollte es machen und ich erlaubte es mir aus freien Stücken. Niemand auf der Strasse erkannte mich als Kind. Man sah mich an und meinte: 'Hey hübsche Lady, was machst denn heut' noch so?', ja dass riefen mir junge Kerle hinterher! Okay, ich hatte es also geschafft. Endlich musste ich nicht mehr mit Kindern spielen sondern ich durfte mit Erwachsenen spielen und reden. Dieses 'mit Erwachsenen spielen', meinte ich nie in sexueller Hinsicht. Mein Gott, ich war doch erst neun. Meine Gadanken waren zum Teil auch noch wie bei einem Kind, deswegen meinte ich auch wirklich spielen. Ich wusste nicht das Erwachsene auch was anderes taten. Ich fand es aber relativ schnell raus.

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Im Schwimmbad ging es mir immer gut. Ich konnte in den Ferien gar nicht genug vom Wasser bekommen können. Von früh bist spät konnte man mich nur im Schwimmbad finden, nichts anderes hätte mir mehr Spass machen können.

Sommer '96 - Alter: 10 - Größe: 1,70 - Gewicht: 95kg - Konfektionsgröße: 42/44
Es war ein toller Tag! 35°C im Schatten, keine Wolke am Himmel, ein Schwimmbadtag. Ich zog meinen Badeanzug an. Ich überlegte mir sehr lange was ich an diesem Tag anziehen konnte. Ich entschied mich für mein Lieblingskleid. Es war schwarz mit großen Sonnenblumen und extrem kurz, dazu natürlich meine Plateau-Flip Flops. Meine dicken, langen und lockigen Haare lies ich offen und schminkte mich richtig 'Summerlike'. Meiner Mutter war es egal. Ich tat ja eh was ich nur wollte. Ich packte meine Handtücher und meine Decken noch schnell ein und setzte mich auf den heissen Fahrradsitz, der sich über Tage in der Einfahrt vor der Garage durch die Sonne aufgeheizt hatte auf und fuhr ins Schwimmbad.

Angekommen sah ich nur auf diese endlos, nicht enden wollende Kassenschlange am Eingang. 'Nein!' dachte ich mir, 'jetzt darf ich auch noch in der Hitze warten!'

'Hey, du darfst gern vor mich! Von hinten habe ich dich auch noch nicht gesehen, du hübsches Ding du!' Uff, wer war das? Kannte ich diesen Kerl schon? Ich schätzte ihn auf Anfang 20, Südländertyp, hammer Augen und einen Körper zum Wegschmelzen! 'Oh, dankeschön...' stotterte ich irgendtwas daher, 'Kenne ich dich?' 'Hehe, sorry... ich bin Flo. Hab dich schon des öfteren hier gesehen und jetz hab ich gemeint, ich sollte dich doch mal ansprechen.'

Wow, in diesem Moment wusste ich nicht mehr was ich sagen sollte. Ich wurde von einem Typen angebaggert, gerade ich?! Ich, ein Mädchen welches nicht die hübscheste war, ich, trotz meines Übergewichtes. Was war nur los? Was sollte ich sagen? Ich wurde rot, zumindest hatte ich so ein seltsam brennendes Gefühl im Gesicht.

'Ähm... Hallo, ja ich bin Emilie. Danke dass du mich vorgelassen hast.' Dieses bescheuerte Dauergrinsen ging einfach nicht weg. Was würde der denn von mir schon halten? Dass ich bescheuert wär? Viel zu albern oder schlimmer noch, zu kindisch? Nein, er fand mich nett. Er wollte mehr von mir erfahren und ich war an diesem Tag total anders. Noch mehr anders, als ich je gewesen hätte sein können. Ich war verliebt.

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Flo und ich hatten eine wunderschöne Zeit zusammen. Ich fand in diesem Sommer so einiges über ihn und mich herraus. Ich erfuhr dass er eigentlich gar kein Südländer wäre, sondern nur gern in der Sonne brutzeln würde. Er war auch keine Anfang 20 sondern 'erst' 18. Naja, ganze acht Jahre älter als ich. Das erfuhr er aber nie. Er meinte immer ich wäre schon 15. Wie verbrachten so gut wie den ganzen Sommer miteinander. Wir gingen Eis essen, wir picknickten zusammen am See, gingen ins Kino. Ich dachte immer das wären diese komischen Spiele, die die Erwachsenen immer meinten und sie gefielen mir.

Eines Tages, ich kann mich noch sehr gut erinnern, bekam ich meinen ersten komischen Kuss von Flo auf meinen Mund. Mensch war das ein Trauma. Warum wollte er mir unbedingt die Zunge in den Hals stecken? Hatte er gemeint, ich hätte vielleicht noch was vom Eis zwischen den Zähnen stecken oder so? Ich checkte es nicht, nur er fragte ständig ob er mein erster Freund wäre und ich mich deshalb so eigenartig verhalten würde. Ich kann mich auch mal an eine Nacht erinnern als ich meiner Mutter sagte, ich würde bei meiner besten Freundin übernachten. Sie meinte nur, ich sollte am nächsten Tag um die und die Uhrzeit wieder da sein. Es kümmerte sie noch immer nicht wie ich aussah. Sie merkte nicht einmal dass ich gar nichts mehr daheim aß. Wahrscheinlich meinte sie, ich sei mal wieder auf Diät. Nein, dass war ich nicht. Ich war verliebt, dass merkte sie auch nicht.

Diese Nacht mit Flo war wirklich schön. Wir redeten die ganze Nacht über Gott und die Welt, nur meistens wusste ich nicht genau worüber die Welt so sprach. Mit zehn Jahren war das einfach mal nicht so leicht. Vielleicht war auch dies ein Grund, weshalb ich Flo sprechen lies. Ich hörte ihm so gern zu. Nicht nur weil ich seine Stimme toll fand, sondern eher deswegen, weil ich mir viel von ihm abschauen konnte. Seine Mimik, seine Art und Weise wie er die Welt mit seinen Augen sah. Ich war begeistert. Endlich hatte ich jemanden gefunden der mich so mochte wie ich war. Dicker, naiver und vielleicht auch kindischer aber ich gefiel ihm. Er konnte sich mit mir in der Stadt sehen lassen und ich hatte jemanden, an dem ich mir das 'Erwachsen sein' abschauen konnte. Diese Nacht war einmalig und ich ahnte nicht dass diese, die letzte Nacht werden sollte, die ich mit ihm verbringen sollte.

'Du bist ein echt hübsches Mädchen, weisst du das eigentlich?' Ich wurde verlegen. 'Ich? Ach, naja... ich bin schon ganz okay,' meinte ich. 'Okay? Was meinst du mit okay? Deine Figur, so schön weiblich, deine Haare, und dein Gesicht! Wie ein Engel! Du hast wunderschöne Augen und jeder Kerl der was anderes sagt, der lügt!' Boah, da war ich baff. Das war das erste Mal, das mir jemand sagte, dass ich wunderschön sei! Das musste doch ein Traum sein?! Ich bekam tatsächlich Anerkennung von einem jungen Mann. Nie von meiner Familie, nein von einem Mann. Ich gab ihm ganz zärtlich einen Kuss auf seine rechte Wange. Das war glaub ich eines der schönsten Gefühle, welche ich bis dato gefühlt hatte. Er nahm mich in seine Arme und wir schliefen ein. Ja, das war meine erste Nacht mit einem erwachsenem jungen Mann. Ich war so verliebt. Ich dachte wir würden für immer zusammen bleiben. Er war so anders. So anders genau wie ich. Zwar hatte er immer bombastische Anmachsprüche drauf, richtig freche sogar aber er ist nie zu weit gegangen. Das schätzte ich an ihm. Ich war damals vielleicht noch sehr naiv doch wusste ich in dieser Nacht, dass er mehr gewollt hätte aber er nie was ohne meiner Erlaubnis getan hätte. Deswegen liebte ich ihn auf meine ganz besondere andere Art und Weise als diese kleinen Teenagerkinder sich heut zu Tage lieben.

Am nächsten Morgen fuhr er mich wieder mit seinem Auto nach Hause. Besser gesagt setzte er mich eine Ecke davor ab, man sollte uns ja nicht sehen. Erst seit kurzem hatte er den Führerschein und war mächtig stolz drauf. Er setzte mich ab und meinte er freue sich schon wahnsinnig auf morgen abend, wenn wir uns wieder sehen würden, unten bei der Flußpromenade. Das war unser heimlicher Treffpunkt. Ich verabschiedete mich mit einem Kuss auf seine weichen Lippen und roch ein letztes Mal noch seinen Geruch nach einem herben aber doch fruchtig männlichem Deo, dessen Marke es heute leider nicht mehr zu kaufen gibt. 'Bis Morgen Prinzessin, freu mich schon! Ich habe dich lieb!

Es gab kein Morgen und auch kein Übermorgen. Er verlies mich nicht und ich ihn auch nicht. Er verlies nur diese Welt, für immer. Es machte mich ein wenig stutzig das er am nächsten Abend nicht kam. Ich wollte aber auch keine Klette sein. Als er aber am übernächsten Abend auch nicht da war, entschloss ich mich zu ihm nach Hause zu gehen und wollte nachschauen ob alles in Ordnung wäre.

>>Ding-Dong<< ... nichts ... >>Ding-Dong<<
Seine Mutter öffnete mir die Tür sah mich an und schlug sie vor meiner Nase mit einem lauten Krachen wieder zu. 'Oh Gott', schluchzte ich, 'wissen sie vielleicht bescheid, dass ich mit meinem Alter gelogen hatte? Haben sie vielleicht jemanden gefragt der mich kannte und ihnen erzählte dass ich noch ein Kind sei und ihr 18-jähriger Sohn auf ein Kind herrein gefallen sei?!' Ach wie egoistisch war ich in diesem Moment denn? Hätte es wirklich mich betreffen sollen dass seine Mutter mir die Tür vor der Nase zuschlägt? Warum meinte ich das? Ich weiss es nicht mehr.
Eine Minute später öffnete mir der Vater leise die Tür und entschuldigte sich bei mir wegen seiner Frau. 'Emilie,' krächtzte er mit seiner heisernen Stimme auf mich ein, 'Du musst jetzt stark sein, Florian hatte gestern in der Früh einen schweren Autounfall auf der A8, er ist gestern noch an der Unfallstelle verstorben. Bitte entschuldige uns ja, meine Frau verkraftet den Tod ihrer Sohnens noch nicht, ich muss zu ihr. Es tut mir leid!'

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Ohnmacht, Hilflosigkeit, Trauer, Wut... all dass vermischte sich gerade mit allem was ich sonst noch so fühlte. Warum er? Warum mein Flo? Warum mein Mann und warum zum Teufel ich? Warum verlor ich einen Menschen der mir so viel bedeutete? Der mich so mochte wie ich war. Der mir diese Anerkennung zeigte die ich bis dahin immer suchte? Warum? In mir zerbrach mein Herz, ich hörte es nicht mehr schlagen. Ich wollte sterben, ich wollte zu ihm. Ein letztes Mal wollte ich ihn nochmal sehen, riechen, schmecken... einfach alles wollte ich, aber nur mit ihm! Ich wollte ihm doch noch so viel sagen! Wusste er dass ich ihn liebte? Dass ich mit ihm alt werden wollte? Natürlich war es naiv und dumm sowas zu glauben, schliesslich war er noch so jung und ich doch noch ein Kind aber in diesem Moment, stand in meinem Ausweis zwar noch mein Alter drinn, aber ich wusste, es war vorbei. Meine Kindeheit war vorbei! Ich war nicht mehr zehn und klein und süß und lieb. Nein, verdammt! Ich hatte die wichtigste Person in meinem Leben verloren. Ich hatte meine Liebe und mein Herz verloren und all dass konnte mir kein Spielzeug auf dieser Welt und kein anderer Mensch wieder geben, keiner gab mir meinen Flo wieder zurück. Meine Kindheit wie ich sie kannte, sie starb.

Ich war kaputt. Ich konnte und wollte nicht mehr. Mit wem hätte ich den über ihn sprechen können? Mit niemanden! Niemand wusste bescheid, meine Mutter hätte wieder gemeint: 'Ach Schätzchen, das hast du bestimmt wieder einmal geträumt. Du bist erst zehn, da hat man keine festen Freunde und schon gar nicht du! Schau mal, ich habe eine neue Puppe für dich!' Ich hasste sie. Sie verstand gar nichts. Ich hätte es ihr nie im Leben sagen können. Ich schwieg, ging nach den Sommerferien wieder in Schule, geschminkt. Meine Noten wurden schlechter und jedem war es egal. Ich dachte an Flo und an all dass was wir zusammen nach der Schule hätten machen können. Ich dachte an seine Blicke, seine Küsse, seinen Duft. Es kam mir vor, als wäre er damals immer bei mir gewesen. Ich liebte ihn so sehr und hätte alles getan um ihn wieder zu sehen.

Mein Leben wurde anders. Noch mehr anders, als es jemals bei mir war. Ich hatte falsche Freunde und ich fing mit dem rauchen an. Wen kümmerte es denn? Niemanden! Rauchen war bei mir damals eher paffen und das allein sah schon so dumm aus aber ich tat es. Was hätte ich denn sonst machen sollen um mich im meinem Leben noch mehr abstumpfen zu können? Kerle waren für micht nichts mehr neues. Sie waren mir egal und ich ragierte gar nicht mehr auf Komplimente oder gar auf Anmachsprüche. Sie interessierten mich null. Keine waren wie Flo, niemand nur im entferntesten. Er fehlte mir so sehr! Ich konnte nicht schlafen, nicht denken, nicht atmen. Ich verstand es immer noch nicht. Zwei Jahre vergingen und ich meinte mein Leben wäre vorbei.

Nein, es änderte sich was. Ich änderte mich. Man kann sagen, ich wurde böse. Ich hatte Ideen die keinem Kind auf dieser Welt eingefallen wären. Mir schon. Ich war zwölf und bereit meine Pläne, welche ich mir in den Kopf gesetzt hatte durchzuziehen. Ich dachte zwar noch an meinen Flo, wusste aber dass ich nicht mehr zurück konnte. Ich musste mich rächen. Ich musste mir selber versprechen all dass zu rächen was in mir kaputt gegangen ist, weil ich so dumm war mich zu verlieben. Liebe war verboten, das war mein Leitfaden. Ich wollte mich dafür bestrafen, dass ich liebte. Ich durfte es nicht, hätte ich mich nicht verliebt wäre all das mit Flo vielleicht nie passiert.

Mein Plan war grausam mir und den Männern gegenüber, nur profitierte am Ende ich darüber...

<<<Fortsetzung folgt>>>

Imprint

Text: by Skurielle La Femme (c) 2010
Publication Date: 04-10-2010

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Dedication:
Dieses Buch widme ich meiner Kindheit und meiner Sonja, ich liebe Dich!

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