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Mit einem entsetzlich lauten "klirr" fiel der Teller zu Boden und zersprang in hunderte Scherben. >> verdammt!<< fluchte ich und begann die Splitter aufzusammeln. Das Haus war still, und ich seufzte. Wie sollte es sonst sein. Sie waren alle weg. Miles. Toni. Marc. Chris. Raphael. Jonas. Andrew. Alle. Nur ich war alleine. Wie ich es den ganzen Winter lange war. Sie könnten theoretisch jetzt jeden Tag hier herein schneien. Aber nur rein theoretisch. Ein stechender Schmerz ließ mich zusammen fahren. Ich hatte mich ein einer Scherbe geschnitten. Blut tropfte auf die weißen Splitter und ich setzte mich gedankenverloren und erschöpft auf den Boden, lehnte meinen Kopf an den Kühlschrank und schloss die Augen. Seit ein paar Nächten plagte mich ein schrecklicher Albtraum. Es war immer wieder der gleiche. Ich wachte immer wieder erschrocken auf.

Ich war im Wald, es war unser Wald doch der Boden war völlig Blut durchtränkt. Die Wölfe heulten im Mondlicht und dann war da diese Bewegung im Gebüsch. Ein Wolf. Sein graues Fell schimmerte silbern im Mondlicht und seine blau-grauen Augen starrten mich an. Einen Moment verharrten wir beide. Dann fletschte er die Zähne und plötzlich war sein ganzes Fell blutverschmiert...

Die Klingel riss mich aus meinem Tagtraum und ließ mich wieder hochfahren. Es war soweit! Ich wollte zur Tür sprinten, rutschte doch auf den Scherben aus und ein stechender Schmerz bohrte sich in meinen Fuß. Ich jaulte auf, biss jedoch auf die Zähne und humpelte im Eiltempo zur Tür. Der lange Gang von der Küche zur Haustür kam mir ewig vor. Ungeduldig klopfte jemand an die Tür. >>Joeline? << sprach eine bekannte Stimme. Ich war endlich an der Tür und schloss auf. Vor mir stand ein hübscher, junger Mann. Etwa 18 Jahre alt, groß und muskulös. Er hatte hellbraunes, gelocktes Haar und seine grauen Augen sahen mich an. Er stand lässig an den Türrahmen gelehnt und grinste mich an. >> rein mit dir, sonst wird sich Dad noch Fragen was ein nackter, junger Mann wohl an meiner Tür gemacht hat...<< ich grinste und ließ Raphael rein. Er grinste immer noch. Selbst dann noch, als ich mir die schmerzende Scherbe aus dem linken Fuß zog. >> was hast du angestellt? << fragte ich. >> Ich? << er grinste breiter. Ich schupfte ihn leicht von mir weg und lachte. Seine Annäherungsversuche sind seit dem letzten Jahr enorm gestiegen. Er hatte seine Hände um meine Taille gelegt und mich näher an sich gezogen. Keine Frage, er war total in mich verschossen. Doch sein Machogehabe war nicht meins. >> Ja du...<< grinste ich und bohrte ihm meinen Zeigefinger in die Brust. >> Ich hab dir beim Holzhacken zugesehen...<< seine Augen leuchteten. Ich seufzte und schaute weg. Mein Fuß schmerzte und irgendwie störte mich die Tatsache, dass er nackt war. >> ich schlage vor du ziehst dir was an... ich warte noch auf die anderen und gehe dann einkaufen...<< meinte ich und löste mich aus seiner Umarmung. Er zuckte die Schultern und ging die Holztreppe hoch. Ich humpelte wieder in die Küche und kehrte die Scherben zusammen. Ich war so tollpatschig. Natürlich wusste ich warum Raphael so gelacht hatte. Holzspalten war nicht so meine Spezialität. Entweder traf ich das Holz nicht, oder wenn ich es mal geschafft hatte, wurde mir so heiß vom vielen Axt heben und mit voller Wucht auf das Holz eindreschen, das ich den Pullover ausziehen musste. Darunter hatte ich im Winter meistens ein weißes Top an, leider passte der BH nicht immer dazu... Dan konnte es schon sein, das das eine oder andere mal... aber ich beschloss Dad zu sagen, dass er allemal einspannen soll, für den nächsten Winter Holz zuhaken. Wenn er kommen würde. Ich setzte mich auf den Stuhl und zog meine flauschige Socke aus. Sie war mal gelb gewesen, doch ein dicker, roter Fleck machte sich auf der Unterseite breit. Scharf zog ich Luft durch die Zähne ein, als ich mit der Pinzette einzelne, kleine Splitter heraus las. Hinter mir hörte ich leise Schritte und dann tropfte mir eine Träne auf den Fuß. Ich fluchte leise, das tat so weh. Eine warme Hand wischte die Tränenspur von meiner Wange und nahm mir die Pinzette aus der Hand. Mit schnellen Bewegungen las Raphael die weißen Splitter aus der Wunde und ich pappte mir ein kleines Wundpolster auf die Wunde und machte es mit einem blauen Tape fest. Es klopfte an der Haustür. Der nächste kam schon. Ich humpelte, gefolgt von Raphael, zur Tür und ließ Miles und Toni herein. Mittlerweile waren alle 6 Jungs da. Nur Andrew fehlte noch, ungeduldig wartete ich im Wohnzimmer. Stunden vergingen und es begann zu dunkeln. Ich ging hoch ins Bad und stellte mich unter die Dusche. Freitagabend, da musste ich in die Stadt. Mit tropfenden Haaren, in ein Handtuch gewickelt schlich ich in mein Zimmer und schloss die Tür hinter mir. Blitzschnell schlüpfte ich in meine Unterwäsche, denn ich hörte schon Schritte im Gang. Ehe ich mich versah klopfte es an meiner Tür. >> Janine? << fragte eine bekannte Stimme. >> ich bin gleich fertig, Andy, warte unten auf mich, okay? << sagte ich, während ich mich in meine Röhrenjeans steckte. Rote Jeans, schwarzes Fledermaus Shirt und meine schwarzen Sneakers. Geduldig föhnte ich meine langen, dunkelblonden Haare und bürstete sie, bis sie in sanften Wellen meinen Rücken hinab flossen. so ging ich runter. Naja, gehen konnte man nicht sagen, ich hinkte ein wenig. Mittlerweile waren alle angezogen, wofür ich ihnen sehr dankbar war. >> Was hast du denn? << erkundigte sich Toni und Andys Blick durchbohrte mich sorgenvoll. >> Ich bin auf eine Scherbe getreten...<< meinte ich gleichgültig und setzte mich auf den Tisch. >> also, wie war der Winter? << fragte ich. Sie erzählten mir, wie sie gejagt worden waren, in Canada hatten sie einen Bären erlegt. >> Das ganze Rudel ging auf ihn los, er hatte keine Chance<< prahlte Jonas stolz. Ich nickte lächelnd und dann klingelte mein Handy. >> ich muss dann los, die andern Geschichten hör ich mir Morgen an... bye<< sagte ich und ging raus. Draußen drückte ich auf den grünen Annahme Knopf und schon laberte mich meine beste Freundin Jennifer voll. >> ich dachte wir gehen heute zusammen aus? Kommst du nicht? Du hast es mir aber versprochen! << redete sie auf mich ein, ehe ich en Wort gesagt habe. Ich seufzte. >> Jen, beruhige dich, ich bin gleich auf dem Weg zu dir...<< sagte ich ruhig und sie stockte. >> oh, ich dachte du würdest kneifen...<< sie kicherte, ich murmelte noch schnell eine Antwort, verabschiedete mich und legte auf. Ich ging nochmal hinein um mir eine Jacke zu holen und Papas Autoschlüssel vom Brett zu nehmen. Ein etwas komisches Gefühl in meiner Magengrube breitete sich aus. Warum wusste ich nicht. Mit einem großen Satz sprang ich in den hohen, mattschwarzen Geländewagen und ließ den Motor an. Geschickt wendete ich ihn auf dem kleinen Waldweg und fuhr eine ganze halbe Stunde durch den Wald, bis ich endlich in der kleinen Stadt auf eine geteerte Straße kam. Den Wagen parkte ich vor Jennifers Haus. Das Holzhaus war weiß und hatte hellblaue Fensterläden. Kitschig. Ich mochte das Haus nicht, es war mir zu Kindlich, es erinnerte an ein Barbie Haus. Jennis Zimmer war genau das Gegenteil. Es war zwar kleiner als meines, hatte pinke Wände und war vollkommen schwarz eingerichtet. Es gefiel mir. kaum war ich zur Tür rein, packte sie mich, chauffierte mich die Treppe hoch, und ich wurde auf ihr großes Bett gesetzt. >> rate mal wer auf der Party sein wird! << ihre Stimme überschlug sich fast vor Aufregung. Ich zuckte die Schultern und sie schloss die Tür mit dem Fuß. >> Alex! << sie kreische schon fast und ich hielt mir die Ohren zu. >> au, bitte Jen, nicht so laut...<< nuschelte ich. >> oh, Entschuldigung, Süße, das hab ich total vergessen... aber du weißt, ich bin schon seit Semester Anfang hinter ihm her...<< sie machte sich an ihrem Kleiderschrank zu schaffen. Ich nickte das wusste ich. Vergönnen konnte ich ihr das nicht. Alexander, alias Alex, war der wohl begehrteste Junge der Schule. Er war eine Stufe über uns und wirklich heiß. Alex war mindesten zwei Köpfe größer als ich und er hatte einen wunderbar trainierten Body... Es ging einmal ein Foto von ihm in der Umkleide in der Schule herum. Ich hatte es auch mal zu Gesicht bekommen. Wei er so da stand, in seinen Boxershorts, den Sixpack zur Kamera gedreht, den Oberarmmuskel angespannt weil er gerade seine Sporttasche auf die Bank wuchtete und seine dunklen, fast schwarzen Haare waren nass vor Schweiß. Es hatte irgendwie zu gestellt, zu professionell gewirkt. Darum glaubte ich nicht, dass das ein Mädchen heimlich geschossen hatte.
Jennifer hatte sich in einen Minirock gezwängt und ein trägerloses Top um ihre üppige Oberweite geschnürt. >> willst du wirklich so zur Party gehen?<< fragte sie. Ich nickte. Sie sah mich entgeistert an. >> zieh wenigstens ein anderes Shirt an... du hast doch so ein schönes Dekolté...<< damit meinte sie zwar etwas anderes. Ich war zwar ziemlich dünn, und klein. Doch dafür hatte ich gute Kurven, das handelte mir schon manchmal ärger ein. >> du mit deiner Traumfigur versteckst dich immer hinter so Jungen Zeugs! << sagte sie empört und zog mich von ihrem Bett. >> das ist heute aber kein Jungenzeug! << protestierte ich. Sie murrte, als ich mich wieder auf ihrem Bett verschanzte. >> süße, du hast so wunderbare, lange, dünne beine...<< begann sie. >> ich behalte das an<< bewies ich meine Sturheit und sie ging sich murrend schminken. nach einer guten halben Stunde kam sie wieder aus ihrem Badezimmer. >> Hilfe, was hast du mit Jen gemacht! << stieß ich lachen hervor. sie grinste. >> so werde ich wenigstens auffallen...<< meinte sie. Naja, sie war auch schön. Sie hatte nachtschwarzes, kinnlanges Haar, mit einer knallroten Strähne versehenes Haar. Jennifer war sicher über 170 groß, im Gegensatz zu mir, ich kam einfach nicht über die 160, was mich deprimierte. Sie band sich noch High Heels unter die Füße und so stieg sie in meinen Wagen ein. >> auf zu Alica...<< meinte ich. Alica war die dritte in unserem vierer-clan. Wir vier, Alica, Jennifer, Claire und ich, wir vier waren so verschieden, doch wir erlebten zusammen immer die Lustigsten Abenteuer. Ich konnte mit ihnen über fast alles reden. Leider nur über fast alles. Das ich im Winter alleine bin, weil mein Vater und die anderen sechs Jungs sich in Wölfe verwandeln und dann im Frühling nackt vor meiner Haustür stehen, wäre wohl Zuviel für sie. Ich war auch mal ein Wolf. Aber durch einen grauenhaften Zwischenfall, hatte ich eine Blockade in meinem Kopf errichtet und konnte mich nicht verwandeln. Aber so konnte ich auch nicht altern. Die anderen sagten, dass sie auch manchmal lieber in meinem Körper wären um im Winter gemütlich vor dem Kamin zu sitzen, anstatt in Wolfsgestalt mit dem Hunger zu Kämpfen und die schmerzen der Verwandlung nicht mitmachen zu müssen. Ich war aber froh, dass ich das nicht musste. Jennifer hatte die ganze fahrt etwas gelabert, ich hatte nur manchmal mit einem "was, echt?" oder einem "oha" geantwortet. Aus dem Haus von Alica dröhnte schon die laute Musik und Jenni entdeckten den Wagen von Alex. Ich zuckte nur die Schulter. Der BMW beeindruckte mich wenig. Ich half Jenni noch die Treppe zur Veranda hoch, mit den Schuhen war das eine Kunst. Vor der Tür zögerte ich. Ich war nicht wirklich so ein Partygirl, lieber saß ich zuhause und las das Kräuterkunde Buch, über Heilpflanzen. Jenni sah mich an, sie nahm meine Hand lächelte und öffnete die Tür. Sie zog mich durch die Menge in die Küche, wo auch schon Alica stand, mit einem Becher in der Hand und gerade Claire nachschenkte. >> Hola Chicas! << begrüßte ich sie. Jetzt schienen sie uns bemerkt zu haben den sie kamen auf uns zu und ich wurde umarmt und herumgeschwungen. >> Ich dachte du kneifst...<< meinte Claire und drückte mir zwei Küsse auf die Wange. Ich wurde rot. >> hatte ich nicht vor...<< meinte ich schüchtern. Mir wurde ein Becher in die Hand gedrückt und Claire erzählte mir, wie viele der Oberstufe hier waren, während ich mich auf die helle Marmorarbeitsfläche der Kochinsel setzte. >> oh, was ist denn das für ein Sahneschnittchen? << sie sah zu einem Jungen rüber. Ich stockte. Raphael und Jonas waren hier. Die zwei größten Machos des Rudels. Um den Schock runter zu spülen nahm ich einen Schluck von dem Teufelswasser in meinem Becher. Der Alkohol brannte in meiner Kehle und ich spuckte das Zeug in die Spüle. >> ekelhaft...<< knurrte ich und stellte den Becher weg. >> wohl noch grün hinter den Ohren...<< sagte eine charmante Stimme ich sah nach links. Claire war schon längst weg um von Jonas und Raphael angebaggert zu werden. Und wer stand vor mir. Alex. Logisch. >> na und...<< meinte ich und sah wieder rüber zu Jonas und Claire. Raphael kam auf mich zu und legte die Hände um mich. >> Raph... geh und spiel mit den Mädchen aber lass mich und meine Girls in Ruhe...<< sagte ich und funkelte ihn warnend an. Er drückte sich an meine Knie, in der Hoffnung, dass ich meine Beine um ihn schlingen würde, ich blieb aber so sitzen und sah ihn an. Er lächelte. >> ach komm schon, Jo...<< Raph legte seine Hand auf meinen Oberschenkel und ein leises, bedrohliches Knurren vibrierte in meiner Kehle. >> Alter, zieh ab und lass die Kleine in Frieden...<< Alex schupfte ihn unsanft von mir weg. Das konnte Raphael nicht auf sich sitzen lassen und stieß ihn auch. >Wie im Kindergarten< dachte ich mir und sah zu wie sie sich immer fester stießen. Als Raph dann mit der Faust ausholte war es zu viel. ich sprang von der Kochinsel und sagte mit bestimmter Stimme: >>Stopp! Es r...<< Doch ich kam nicht dazu fertig zu sprechen, denn Raphael hatte mich blind vor Stolz in die Magengrube getroffen. Ich taumelte zurück und Sterne tanzten vor meinen Augen. >> lauf, Raph... lauf so schnell du kannst...<< flüsterte ich und schloss die Augen. Wenige Sekunden später wachte ich wieder auf. Ich hörte Claire, wie sie Raphael aus dem Haus schmiss. Ich sah wie Jonas sich schützend hinter ihr aufgebaut hatte. Ich spürte, dass Jen meine Hand hielt und jemand mich die Treppe hoch trug. Doch regen konnte ich mich nicht. Mir war so übel. Eine Tür wurde geöffnet und ich konnte hören, wie Jennifer ein Pärchen aus dem Zimmer jagte. Mit hochrotem Kopf lief das Mädchen an mir vorbei, und ich konnte erkennen, dass es Klara war, sie ging in meine Bioklasse. Der Junge rauschte an uns vorbei und ich wurde in Alicas Bett gelegt. Sie selbst war auch anwesend, doch sie war nicht diejenige die mich getragen hatte. >> Jo, süße, hörst du mich? << ihre feine Stimme drang wie durch Watte an mein Ohr. Ich nickte. >> er muss sie wirklich hart erwischt haben...<< meinte eine männliche Stimme neben mir. Im Augenwinkel konnte ich Jennis schmachtenden Blick erhaschen und schon wusste ich, dass Alex mich nach oben getragen hatte. Gott, das war alles zu kitschig. Wie in so einem typischen Teenifilm. Das Zimmer wurde abgedunkelt und ich schlief ein.
Morgens weckte mich mein Handy. Ohne die Augen zu öffnen, suchte ich meine Hosentaschen nach dem kleinen Touchscreen Handy ab. als ich es endlich gefunden hatte, hatte es bereits aufgehört die Titelmelodie meines Lieblingsfilms zu spielen. Ich verfrachtete das Handy aufs Nachtkästchen, drehte mich mit einem "mhpf" um, kuschelte mich in die Decke und schlief weiter. Keine zwei Minuten später klingelte wieder mein Handy. Ich knurrte, grabschte nach dem nervigen Ding und nahm ab. >> Ja? << fragte ich und machte mir nicht die Mühe meine Stimme nett klingen zu lassen. >> Gott sei Dank, du lebst noch! Wo bist du? << die Stimme von Andrew, alias Andy, nervte mich noch mehr. >> bei Alica, ich war zu müde um nach Hause zu fahren...<< meinte ich und setzte mich auf. um mich etwas zu bewegen fuhr ich mir durch die Haare. >> Schon gut, ich hab mir nur Sorgen gemacht, normalerweise rufst du an... ach, weist du wo Jonas geblieben ist? << erkundigte er sich. >> ich weiß, Dad...<< die ungewohnte Anrede ließ ihn erleichtert aufatmen. >> ...und Jonas ist wahrscheinlich bei Claire... oder im Nebenzimmer... keine Ahnung...<< ich zuckte die Schultern. Neben mir streckte sich jemand. Alica wurde wach. Ich sah zu ihr hinunter. sie lächelte mich an. >> sorry<< flüsterte ich. sie schloss die Augen wieder und drehte sich um. >> Dad ich muss auflegen, Alica will weiterschlafen, ich fahr dann später mit Jonas nach Hause...<<sagte ich und legte auf. Ich beugte mich über Alica und legte das Handy wieder auf das kleine Glastischchen. Jemand hatte ein Glas Wasser dort hingestellt. Ich nahm es und trank es aus. leise schlich ich aus dem Bett und ging ins Bad um das Glas wieder zu füllen. Dort spritze ich mir auch noch etwas Wasser ins Gesicht und inspizierte meinen Bauch. Ein blauer Fleck war zu sehen. er schimmerte in zahlreichen Farben. Ein wirkliches Prachtstück. Ich zog meine enge Hose aus und ging in Boxershorts nach draußen. Ich erstarrte. Nicht nur Alica war wach geworden sondern auch Alex. Wir hatten tatsächlich zu dritt in dem Bett geschlafen! Er richtete sich gerade auf und streckte seine Arme. Als er mich sah, grinste er. Ich sah ihn immer noch geschockt an. >> Ich hab die gleiche...<< meinte er grinsend und deutete mit einem Kopfnicken auf meine Simpsonshorts. Ich sah an mir herab und zupfte daran herum. >> ich liebe sie...<< ich lächelte und versuchte die, für mich mega peinliche, Situation zu retten. dann ergriff ich wieder die Flucht und rettete mich ins Bad. Dort zwängte ich mich wieder in die Jeans und ging raus. Alica stellte ich das Wasser auf den Tisch, nahm mein Handy und den Autoschlüssel und wollte gehen. >> hei, willst du mir nicht sagen wie du heißt? nachdem ich dich gestern verteidigt habe? << fragte Alex und stand auf. Alica nuschelte verschlafen etwas, zog sich die Decke über den Kopf und schlief weiter. >> Jo...<< sagte ich kurz und ging raus. Ich schlich den Gang entlang, hinter mir die lauten Schritte von Alex. >> Jo... das ist dein Spitzname, oder? << er war dicht hinter mir. Ich öffnete das Schlafzimmer von Alicas Zwillingsbruder. >> hei Max, du hast nicht meinen Kumpel Jo gesehen? Oder Claire, oder gleich beide? << fragte ich ihn. Er spielte gerade irgendein Spiel auf seiner XBox. >> Elternschlafzimmer...<< sagte er kurz. >> danke...<< ich schloss wieder die Tür und nahm die Türklinke der anderen Tür, rechts neben mir in die Hand, als ich Geräusche aus dem Raum vernahm. Ich wollte eine weitere peinliche Situation heute vermeiden, also hämmerte ich gegen die Tür. >> Jo, ich fahr in einer halben Stunde, wenn du dann nicht fertig bist musst du laufen! << teilte ich ihm mit und ging runter. >> Willst du was essen? << fragte ich Alex. Er sah zu mir herab. >> gerne...<< ich deutete ihm sich auf dem einzigen, nicht angekotzden Barhocker Platz zunehmen. Erst riss ich das Fenster auf, die Gerüche hier drinnen waren alles andere als appetitlich. ich richtete für alle das Frühstück. Steckte Tiefkühlbrötchen in den Ofen, holte Butter und Marmelade aus dem Kühlschrank, machte für Alex, Jonas und Max Kaffee, für mich und Alica schenkte ich Orangensaft in ein paar Gläser. >> Meinst du Alica hat einen Kater? << fragte Alex. >> Nö, dann hätte ich ihr "Bloody Mary" gemacht<< ich grinste ihn frech an und ging mit einer Tasse Kaffee hoch zu Max. Der freute sich darüber und ließ seine XBox links liegen um runter Frühstücken zukommen. Später kamen dann noch Claire und Jonas runter. Ich saß mit meinem Glas O-Saft auf der Arbeitsfläche und sah allen zu wie sie ihr Essen runter stopften. Alica ließ sich nicht blicken, wahrscheinlich schlief sie noch bis mittags. Draußen knutschten Claire und Jonas zum Abschied noch rum und ich kam mir total blöd vor weil ich Alex nur schüchtern zugewunken habe. Schlussendlich fuhr Claire doch mit uns mit und die Knutscherei ging im Auto weiter. >> bitte unterlasst das, ich möchte heute mein Frühstück im Bauch behalten...<< meinte ich grinsend. Ich setzte Claire mit verstrubbelten Haaren und verrutschtem Shirt zuhause ab.
Dann warf ich Jonas einen vielsagenden Blick durch den Rückspiegel zu. Er lächelte. >> Seit wann beobachtest du sie schon? << fragte ich. Er grinste breiter. >> seit sie bei dir geschlafen hat und dich in Unterwäsche gesucht hat...<< erzählte er. Ich lachte. Es hatte gerade geschneit und ich hatte Zuwenig holz zum Heizen. Deswegen bin ich raus und hab Holzgehackt. Claire hatte Angst und hatte mich gesucht. Leider hat sie die Angewohnheit in Unterwäsche zu schlafen, und sie hatte vergessen sich einen Morgenmantel umzuwerfen. Tja, dann stand sie eben in ihrer Unterwäsche in der Haustür. >> Die rote Spitzenwäsche...<< grinste er, als ich gerade den Waldweg einbog. >> ich schwör es dir, wenn ich herausfinde, das du sie betrügst, oder schlimmer... sie beißt, bringe ich dich um... alles klar? << ich sah ihn durchdringend an. Er nickte und kletterte vor, auf den Beifahrersitz. ich blieb stehen und schnallte mir den komplizierten Sechspunktgurt um. Kaum war ich angegurtet schon gab ich Gas. Der Motor heulte auf und machte einen Satz nach vorne. Ich hatte keine Lust eine halbe Stunde ewig lang, auf der nichtbefestigten Straße zu fahren. Stattdessen fegte ich über meine Abkürzung. In satten 12 Minuten waren wir da. Das Auto stand vor Dreck, und ich sprang fröhlich aus dem Jeep.
Jonas war schon an der Tür und hielt sie mir, gang Gentlemen, auf. Drinnen wurde ich mit "Jo! Der Kühlschrank ist leer" und "Wo ist das Fleisch?" begrüßt. >> ja, euch allen auch einen guten Morgen...<< sagte ich und ging zum Kühlschrank. Der ist gar nicht leer. Hier Orangensaft. Speck. Eier...<< ich machte auch ihnen ein Frühstück. >> untersteh dich, Speck wird mit Brot gegessen! << ich nahm Chris die Speckschwarte weg und schnitt mit der Maschine dünne Scheiben. Für die nächsten drei Stunden würden die Ruhig sein. Ich ging hoch und begann Dreckwäsche aufzusammeln und sie Körbeweise in den Keller zu tragen. Dann teilte ich alle ein, das Haus musste geputzt werden. >> Raphael, du machst die Wäsche. Ich hab dir alles aufgeschrieben. Miles, Fenster putzen, die Sachen sind unter der Spüle. Toni, Staubsaugen und Wischen, der Staubsauger ist unten im Keller, das zum Wischen ebenfalls unter der Spüle. Marc, du wirst Bügeln, ich hab dein Bügeleisen schon aufgebaut. Chris, die Küche. Das heißt, Tisch abräumen, Geschirr spülen und mir eine Einkaufsliste machen. Andrew, du machst die Betten. Abziehen und runter zu Raph bringen. Ausschütteln, lüften und neu beziehen. Ich werde dir die neuen Bettbezüge heraus legen... ach, die Bäder müssen auch noch gemacht werden, da macht jeder sein eigenes... wer meines macht bekommt was von mir...<<
>> und was machst du? << fragte Marc. >> Ich? Nichts, ich hab mich den ganzen Winter lang alleine mit dem Haus abgemüht, das so groß ist um zwei Großfamilien unterzubringen...<< scherzte ich. Noch bevor sich Proteste erheben konnten hob ich abwehrend die Hände. >> Ich geh Einkaufen<< damit waren alle glücklich. Ich ging hoch, duschte mich und zog mir eine Jeans, ein T-Shirt und eine Baseballjacke an. Dazu sog ich meine blau, weißen Converse an. Ich holte meine Geldtasche und stopfte das Handy noch in die Jackentasche. Ich lief die Treppe in Socken Runter, als mir Andrew mit Schuhen entgegen kam. >> du weißt, das Schuhverbot ist... du kannst Hausschuhe anziehen, aber keine Straßenschuhe...<< tadelte ich. Er nickte und ich verließ das Haus. Mit dem schmutzigen Wagen führ ich wieder in die Stadt. Das größte Einkaufcenter in der Umgebung war eine Stunde entfernt. Ich legte einen tollen Song ein und fuhr auf die Autobahn.
Mein Handy klingelte. >> Ja? << fragte ich. >> Hei Honey...<< begrüßte mich Alica. >> Heey, schon wach? << lachte ich und steckte das Handy in die Freisprechanlage, weil ich gerade von der Autobahn abfuhr. >> du wirst nicht erraten wer bei mir gerade auf der anderen Leitung ist...<< jauchtste sie, Natürlich wusste ich es. >> ähm, lass mich raten... Alex? << ich kicherte. Sie jauchzte. >> ich verbinde die Leitungen du musst aber leise sein...<< sage sie und schon hörte ich wie sie umschaltete. >> hallo Alex, sorry, meine Mum hat angerufen...<< log sie. >> schon okay, ich hab dich aber nicht geweckt, oder? << er lachte. >> nein nein... wie hast du den geschlafen... so in meinem Bett? << sie kicherte. >> sehr gut, vor allem wen ein so hübsches Mädchen neben einem schläft...<< ich wusste das er gerade grinste und musste mir verkneifen, zu lachen. >> du Casanova...<< Alica war hin und weg. >> haha, ich weiß... Ähm, hör mal, Alica, könntest du mir einen Gefallen tun? << fragte er. Sie stockte. >> a-aber natürlich...<< sie lachte verlegen. Ich wusste, sie würde "ja" sagen, egal was er von ihr wollte. >> deine kleine Freundin, Jo... kannst du mir ihre Nummer geben? <<
Alica stockte. >> ich w-weis nicht... weißt du, Joeline hasste s wen man ihre Nummer einfach so weiter gibt... aber bei dir will ich mal eine Ausnahme machen... dafür hab ich aber was gut bei dir...<< stotterte sie. Ich verfluchte innerlich meine Verletzlichkeit und hoffte Alica würde das geschickt einfädeln. Ich hatte noch nie einen Freund, und im Moment machte ich mir Hoffnungen, das durfte ich nicht. Ich darf mir keine Hoffnungen machen. Während ich mir das einredete sagte Alica ihm meine Nummer an und lud sich selber bei ihm ein, heute ein DVD-Abend zu machen. Er willigte ein und legte auf. ohne ein "bye" oder "bis dann". Ihr fiel das gar nicht auf. glücklich redete sie davon was sie heute anziehen würde. Ich riet ihr, keinen Minirock anzuziehen, mit der Begründung "Jungs lieben Mädchen in sexy Jeans, Miniröcke sehen zu billig aus". Sie grübelte. >> du musst es ja wissen, ich meine du lebst mit sieben Jungs unter einem Dach, da weiß man schon auf was die so stehen...<< sie grinste und schien die Tatsache verdrängen zu wollen, das Alex gerade vorher nach MEINER Telefonnummer gefragt hatte. >> du, Schätzchen...<< begann ich. >> Ja? << sie war gerade beschäftigt, ihre Antwort kam erst nach ein paar Sekunden. >> du machst heute aber nichts, was du bereuen könntest, oder? << fragte ich vorsichtig. Sie lachte. >> Süße, ich bin 17... und schon lange keine Jungfrau mehr... also was soll ich denn noch bereuen! Wenn er will, dann ist das gegessen... kein Problem...<< sie lachte immer noch. Shit. >> Oh, das... das wusste ich nicht, ich dachte das mit Daniel vor zwei Jahren war nur ein Gerücht...<< ich war verunsichert und war zu verwirrt, das ich einfach in den dritten Stock des Parkhauses hoch, und gleich wieder runter fuhr. Als ich dann am Außenparkplatz eine Parklücke ergattert hatte blieb ich jedoch im Auto sitzen. Sie erzählte mir, dass sie damals bei Danny geschlafen hat, und wahrscheinlich ich die einzige Jungfrau unserer Clique war. Ich seufzte. >> das ist mir auch egal... ich werde jetzt jedenfalls nicht mit dem nächstbesten ins Bett hüpfen, ich warte auf den richtigen... aber ich glaube der wurde überfahren oder so...<< ich lachte über meinen eigenen Scherz und verabschiedete mich bei ihr. Kaum wollte ich aus dem Wagen aussteigen klingelte schon wieder mein Handy. Eine Nummer die ich nicht kannte. Wahrscheinlich Alex. >Soll ich? < dachte ich, konnte es aber nicht lassen. Also nahm ich ab. >> hallo? << ich fand meine Stimme klang überraschend unsicher. >> ähm, Hi, hier ist Alex... also, der der dich gestern verteidigt hat...<< sprach er. Seine Stimme klang bei weitem nicht mehr so selbstsicher wie vorher bei Alica. >> Ach, hi... woher hast du meine Nummer? << und jetzt war ich so froh über mein klein wenig Schauspielerisches Talent. >> Die... die hat mir Jonas gegeben...<< log er. >> ach so... warum rufst du an? << fragte ich. >> also, ich... ich wollte dich Fragen ob wir mal was zusammen machen, also... ähm, was tust du heute Nachmittag? << am anderen Ende der Zeitung raschelte etwas nervös. >> ich bin im Mew-Park...<< teilte ich ihm mit trauriger Stimme mit. >>...aber du könntest auch kommen, ich meine... wenn du willst...<< ich biss mir auf die Lippe. Jetzt hörte ich mich sicher so an wie eine seiner Stalkerinnen. Oder wie Jenni oder Alica. >> wirklich?... äh, ich meine... ja, gut ich bin sowieso in der Nähe...<< nachdem wir uns schüchtern verabschiedet haben, legte ich auf. Mit etwas weichen Knien stieg ich aus dem Auto und ging rein. Gezielt steuerte ich den Bioladen an. Milch, Eier, Fleisch, Joghurt, Brot, Gummibärchen, Wurst, Schinken und noch mehr Fleisch. An der Kassa steckte ich Papas schwarze Kreditkarte in den Automaten und schob den Einkaufswagen, ins Auto. Dort packte ich alles in die Kühltüten und schloss den Deckel. Was sollte ich jetzt tun? mich irgendwo hinsetzen und warten? Nö. Ich ging wieder rein und beschloss mir meine Haare etwas kürzen zu lassen. Also setzte ich mich in den Friseursalon und sie schnitt ganze 10cm weg. Jetzt waren sie immer noch lang, aber reichten mir nicht mehr bis zum Hosenbund. Dann klingelte mein Handy. Alica. >> Jo, ich hab eine Frage... welche Unterwäsche soll ich anziehen? << in ihrer Stimme schwankte Panik. Ich kicherte. >> nimm das dunkelblaue Set, mit den schwarzen Spitzen...<< riet ich ihr. >> das? Warum nicht das Rote? << ich wusste, dass sie gerade das Rote anhatte und sich prüfend vor dem Spiegel drehte. >> weil das Blaue deine grünen Augen und deine Roten Haare unterstreicht... rot ist irgendwie zu gewollt...<< gab ich meinen Senf dazu. >> Wenn du das sagst, danke Süße! tut tut tut...<< sie hatte aufgelegt.Die Friseurin schnippelte derweilen an meiner dunkelblonden Mähne herum, und föhnte sie mir anschließend. Sie hatte mir einen Stufenschnitt verpasst. Jetzt lockten sich meine Haare noch mehr, aber es sah niedlich aus. Wenigstens konnte ich sie jetzt offen lassen, und musste sie mir nicht andauernd zusammen binden.
Ich durchstöberte gerade einen Laden für Damenunterwäsche als mein Handy wieder klingelte. >> Ja? << nahm ich ab. >> Hi Jo... wo bist du? << fragte Alex. >> ääääh...<< Shit. was soll ich jetzt sagen? >> warte beim Haupteingang ich komm zu dir...<< sagte ich schnell und wollte auflegen, als Alex >> ich hab dich schon gefunden<< lachte. Ich fuhr zusammen, jetzt hatte ich ihn auch gesehen. Er hatte sein Handy wieder in der Hosentasche versorgt, nur ich hielt es immer noch krampfhaft am Ohr fest. Peinlich. >> Spitzenwäsche? << er zog fragend eine Augenbraue hoch. >> ich dachte du stehst mehr auf Boxershorts? << er griff nach der weichen Seide am Kleiderständer. >> tu ich ja, aber die passenden BHs dazu brauch ich auch noch...<< ich grinste. Jetzt war plötzlich wieder alles so leicht. Er lachte. >> also, was tun wir jetzt? << fragte ich. Er zuckte die Schultern. >> wir könnten den Laden durchprobieren...<< schlug er vor und grinste verführerisch. Ich hatte eine Idee. >> gut ich such dir was aus...<< lachte ich und suchte ihm den größten BH den ich finden konnte aus. 80D. Er grinste und ich setzte mir den BH auf den Kopf. >> das wird mein neuer Hut...<< scherzte ich und er lachte auf. Ich zog ihn in eine Kabine und gab ihm den BH, doch als ich wieder raus gehen wollte schloss er die Tür. >> hier geblieben... ich brauch ja dein Fachwissen...<< grinste er und zog sich das Shirt aus. Anständig drehte ich mich um. Wobei ich das nur tat, um ihn nicht anzustarren. >> Wie zieht ihr denn das alleine an? << murmelte er, währen der versuchte die Häkchen hinter dem Rücken zu verschließen. Ich lachte. >> anders als du...<< mit einer einzigen, schnellen Bewegung schloss ich ihm den BH und er drehte sich vor dem Spiegel. >> ich finde ihn etwas gewagt...was soll denn mein Freund von mir denken? << quietschte er in Mädchenstimme. Ich lachte. >> Du hast so was von Recht, Alexandra... er wird denken, dass du das größte Flittchen der Stadt bist...<< scherzte ich. >> ach, dann war ich aber ein böses Mädchen...<< er machte ein paar möchtegern-sexy-Frauen Posen vor dem Spiegel und ich lachte mich halb tot. Um nicht umzukippen lehnte ich mich an die weiße Plüschwand. Er drehte sich zu mir um, und kam näher. Seine Augen fixierten meine, und seine Hände stützen sich neben mir ab. Ich fühlte seinen Atem auf meinen Wangen, als er seine Stirn auf meine legte. Und plötzlich überkam es mich. Ich wollte ihn berühren. Ich wollte seine warme Haut an meiner Handfläche spüren. Ich wollte ihn. Ich fasste ihm etwas zaghaft an den Bauch und fuhr langsam hoch bis zu seinem Nacken. Dort spielte ich mit seinen Haaren. Er schloss die Augen und trat näher an mich heran. Ich fühlte mich wohl, und ließ seine andere Hand von unten über seinen Rücken gleiten, bis zum Verschluss des BHs. Er lächelte, und seine Hand wanderte an meine Taille. Er drückte mich an sich und seine Lippen näherten sich meinen. Ich öffnete ihm flink den BH, wand mich aus seinen Armen und trat aus der Kabine. >> Gib mir bitte den BH, ich bring ihn zurück... das ist ja viel zu gewagt für dich...<< mit dem Scherz versuchte ich die Situation zu retten. Er grinste und streifte sich die Träger von den Schultern. >> und was ist mit dir, bist du nicht hergekommen um etwas zu kaufen? << fragte er. Ich zuckte die Schultern. >> Ich brauche keine Spitzenwäsche wenn ich nicht die Absicht habe, dass sie jemand zu Gesicht bekommt... das ist Verschwendung<< meinte ich und hängte das Wäschestück an eine Stange. Er zog sich das Shirt über und trat aus der Kabine. >> der Typ, von gestern...Raphael... ich glaube er steht auf dich...<< sprach er. Ich nickte. >> schon seit er bei mir wohnt...<< ich zuckte die Schultern. >>... ich kann sein Machogehabe nicht hören, wenn ein Junge mich liebt soll er um mich kämpfen, mich lieben und begehren, und nicht einfach so zum Zeitvertreib versuchen mich zu verführen, und mich dann wieder fallen zu lassen... dafür bin ich nicht auf der Welt<< meine Stimme zitterte als ich das sagte. >> schon gut, aber warum wohnt er bei dir? << er wirkte bedrückt. >> Ach, mein Vater hat so ein Projekt... er nimmt Jugendliche auf, die von zuhause ausgerissen sind...<< log ich. Er nickte. >> wir haben ein großes Haus da fällt das nicht auf, und wir bekommen Geld genug, mehr als wir ausgeben können...<< ich lächelte. Meine Lüge schien zu fruchten. >> ach so... wie viele seid ihr denn? << informierte er sich. >> Ich, mein Vater und sechs andere Jungs im Alter von 14- 19 Jahren<< antwortete ich und wir schlenderten durch das gesamte Einkaufscenter. Als wir uns dann auf den Heimwegmachten dämmerte es bereits. Himmel, hatten wir so lange geredet. Alex hatte es überhaupt nicht eilig nach Hause zu kommen. Er begleitete mich zum Auto, versprach mir, mich anzurufen und verabschiedete sich. Ich stieg in den Wagen und fuhr durch die Stadt, gefolgt von einem dunkelblauen BMW. Auf der Autobahn hielt er sich immer hinter mir. Auch als ich zwischen den Autos hindurch raste, denn langsam machten die Kühlbatterien schlapp. Nach der Autobahn blinkten seine Lichter kurz auf und er bog ab. Ich fuhr weiter durch die Stadt und, diesmal schön brav auf dem Weg, durch den Wald nach Hause. >> Jungs... kann mir jemand helfen die Einkäufe rein tragen? << fragte ich als ich die Erste der drei Tüten reinschleppte. Als ich wieder nach draußen hinkte, stritten sie sich wer die restlichen zwei Taschen reintragen soll. Irgendwie hatten sie sich den doch noch entschieden und brachten die Kühltaschen rein. Ich räumte brav alles in den Kühlschrank und ging hoch. >> was hast du denn am Fuß? << fragte Toni, der Jüngste im Haus. >> ich bin in eine Scherbe getreten...<< meinte ich und er lächelte mich mitleidig an. ich trat in mein Zimmer und schaute einen Moment lange an die weiße Zimmerwand. Die Fenster waren schön geputzt, das helle Parkett gewischt und mit einer Pflegespülung eingelassen, mein Lila Teppich abgesaugt, die hellen, weißen Möbel Abgestaubt, mein mattschwarzes Französisches Bett geputzt und neu mit einer Rosaroten Bettwäsche überzogen. Sie hatten sich alle Mühe gemacht. Mein Staunen ging im Bad weiter. Auf den Duschwänden war kein einziger Kalkfleck zu sehen, das Waschbecken glänzte weiß und der Wasserhahn sah nicht mehr aus wie aus Bronze sondern wieder wie Gold. Mein Spiegel war schön geputzt, und aus dem weißen Zierrahmen abgestaubt. >>Wow...<< entwischte mir. >> sie haben sich alle große Mühe gegeben... so als kleines Dankeschön...<< meinte Andy. Ich schloss wieder die Türe und umarmte meinen Vater. >> sag allen ein liebes Danke...<< nuschelte ich. Er nickte. >> aber...<< begann er. Ich schluckte. Er roch bestimmt Alex... >> was bekommt der der dein Bad geputzt hat? << fragte er. Ich stutzte. >> wer hat es den geputzt? << antwortete ich mit einer Gegenfrage. >> Ich...<< Marc stand in der Tür. Ich ging mit leichten schritten auf ihn zu, stellte mich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss auf die Wange. >> zufrieden? << lächelte ich. Er grinste. >> allemal...<< dabei warf er Raph einen triumphierenden Blick zu. Er guckte nur böse zurück. Später ging ich runter in die Küche und machte Stakes für das Gesamte Rudel. Die Gemüsebeilage wurde verschmäht, und ich gab mich mit dem Karotten und Erbsengemüse zufrieden. Die anderen schlugen sich den Bauch mit den leckeren Stakes voll und verzogen sich nach dem Essen alle auf ihr Zimmer. Die Küchenarbeit blieb wieder an mir hängen. Als ich das erledigt hatte ging ich wieder hoch in mein Zimmer und schloss die weiße Tür hinter mir. Als ich einen Blick auf mein Handy warf fiel mir die Kinnlade herunter. 12 entgangene Anrufe. Vier von Alica. Zwei von Claire. Drei von Jennifer und drei von Alex. Erst rief ich Jennifer an.
>> hei Jen, was wolltest du? << erkundigte ich mich. >> ach mir war nur langweilig und wollte fragen was du heute so machst...<< meinte sie. >> ach, schade... ich war im Mew-Park, einkaufen...<< antwortete sie. >> was machst du nacher noch?<< ihr war anscheinend WIRKLICH langweilig. >> weiß nicht... warum?<< ich hatte jezt absolut keine Lust mit ihr einen Horrorfil zu gucken, und hoffte, das irgendetwas dazwischen kommen würde. >> ach, ich hab von "The hills have eyes" beide Teile da, wir könnten ne Doublefeature machen...<< schlug sie vor. Ich seufzte. >> sorry, jen, aber du weißs ich krig bei "Hostel" schon einen halben Herzinfarkt... wie soll ich da "The hills have eyes" aushalten?<< ich lachte nervös. >> Ach, wenn Claire und Alica auch noch kommen? << fragte sie weiter. Schließlich ließ ich mich doch noch breitquatschen und versprach in einer halben Stunde bei ihr zu sein. Aber warum war Alica bei Jen? War sie heute nicht mit Alex verabredet? Ich zog mir eine kurze, schwarze Jogginghose und mein pinkes XL-Shirt, auf dem in Graffitibuchstaben der Name des Londoner Musicals "Underground" stand. Ich zog noch die Socke aus, die schon wieder einen roten Fleck abbekommen hatte und zog meine hellblauen Kuschelsocken über das Tape. Dann schlüpfte ich noch in meine Nike Sneakers und rannte durch die kalte Nacht zum Auto. Bibbernd drehte ich dort die Heizung auf und fuhr zu Jennifer. Alicas Auto Parkte bereits in der Einfahrt, also ließ ich den Wagen auf dem Gehweg stehen. >> hei Girls...<< rief ich und zog die Schuhe aus. Claire stürmte schon auf mich zu. Ich wollte noch >stopp, ich hab meine Kuschelsocken an!< schreien, doch ich lag schon auf dem Boden. >> autsch...<< ich rieb mir den Hinterkopf. >> au... du hättest mir sagen sollen, dass du deine Lieblingssocken anhast...<< sie lächelte und jemand half ihr hoch. Jonas! >> wie kommst du hier her?<< fragte ich. Er lachte. >> ich hab zwei gesunde Beine, Jo...<< er reichte mir die Hand und half mir hoch. Von drinnen konnte ich noch mehr Stimmen hören. Raphael und Alex. >> Hei Leute!<< begrüßte ich sie alle freundlich und nahm anlauf. Ich sprintete auf das Sofa zu, sprang über die Lehne und saß schon auf meinem Platz. In der Sofaecke. mit dem Fuß fischte ich noch nach der Creméfarbenen Plüschdecke und kuschelte mich in die Ecke. Raphael hatte mürrisch mit Alex den Platz getauscht, der mich jetzt mit seinen grau-blauen Augen ansah. Raph wird sich schon mit Alica vergnügen. Höchst erfreut machte Jen den Fernseher an und legte die DVD ein. Den großteil des Filmes verbrachte ich unter der Decke. Und trotzdem war ich diejenige die am öftersten zusammenzuckte. Alex war immer "unauffällig" etwas näher zu mir gerückt und dann lag ich irgendwann, am ende des ersten Teils in seinen Armen und guckte zu ihm hoch. Er lächelte mich an und dann schaltete Jennifer das Licht ein. Ich warf mir die Decke über den Kopf. >> ist der Film endlich fertig...?<< fragte ich mit dünner Stimme. Dann wurde ich plötzlich gepackt und auf eine Schulter genommen. Ich schrie auf, strampelte und rollte aus meiner Decke. Mit einem lauten "dock" traf ich zum zweiten mal heute auf dem Boden auf. >> Raphael... konntest du das nicht lassen?<< murrte Alica und ich knurrte ihn an. Er war der einzige der das urkomisch fand, und musste den zweiten Film vom Boden aus angucken. Einen Rangkampf konnte er sich aber auch nicht verkneifen. Ich wollte ihm meine Decke entreißen, aber er hielt sie fest. Neckisch sah er mich an. >> Vergiss es! ich bin nicht für solche spielereien gelaunt!<< fauchte ich leise. Er knurrte, ließ aber dann die Decke los. Triumphierend hinkte ich zu meinem Platz in der Ecke zurück und Jen schaltete wieder das Licht aus. >> was hast du eigentlich am Fuß?<< fragte mich Alex im flüsterton. >> ich bin in eine Scherbe getreten...<< flüsterte ich zurück. Er lachte. was war daran wohl so witzig? Ich versuchte, die Decke nicht mehr über den Kopf zu ziehen, doch das brachte mich nur dazu, mein Gesicht in Alex' Brust zu verstecken. Er legte schützend den Arm um mich und strich mir sanft über den, immer noch schmerzenden, Hinterkopf. Ich sog seinen Duft ein. Ich hörte sein Herz schlagen. Ich spürte wie sein Blut durch seine Adern pulsierte. Ich wollte für immer so da liegen. Genüsslich schloss ich die Augen. Alexander war so sanft zu mir gewesen, das hätte ich ihm gar nicht zugetraut. seine andere Hand streichelte meinen Rücken und drückte mich mehr und mehr an ihn. >> nein, ich glaube sie schläft...<< flüsterte er. ich verkniff mir ein kichern. sollten sie doch denken das ich schliefe. Als dann Alica aufschrie, mit der begründung etwas in der Küche gehört zu haben musste ich wohl oder übel "aufwachen". Ich streckte mich und als ich Alex' Gesicht sah rückte ich erschrocken von ihm weg. Alica und Jennifer wollten ihn schon. Selbst für das Flirten mit ihm sollte man mir 50 Peitschenhiebe verschreiben. Das macht man einfach nicht. Der fast Freund der Freundin... So was geht überhaupt nicht!
Ich drehte mich um und Raphael und Alica kamen aus der Küche zurück. Ich fing einen bestrafenden Blick von Alica ein. >> da war nichts... wir haben aber Popcorn gemacht...<< Raph hielt drei Schüsseln in der Hand. Wieder machte Jen dunkel und drückte auf Play. Ich hielt mir wieder die Decke über den Kopf und hörte zu wie Menschenschreie aus den Boxen hier im Raum dröhnten. Nach dem Film fuhr ich nach Hause. Jonas übernachtete bei Claire und anscheinend hatte Raphael Alica um den Finger gewickelt, denn auch er zog händchenhaltend mit ihr ab.
Den Sonntag verbrachte ich lernend in meinem Zimmer. Morgen war wieder Schule, und bis jetzt hatte ich noch gar nichts für die Schule getan.
Montagmorgen. Ich machte für alle Frühstück und fuhr dann mit dem Jeep in die Schule. Es war kein wirklich besonderer Tag. Es regnete, und der Dreck tropfte von meinem Auto. Ich war früh dran also hatte ich einen Parkplatz ganz nah an der Schule, und wartete im warmen Auto. Langsam trudelten auch schon die anderen Schüler ein und ich stieg missmutig aus dem Wagen aus. Die Kälte schwappte mir entgegen und ich rannte so schnell wie mit einem verletzten Bein möglich, ins Schulhaus. Meine erste Stunde war Mathe. Ich war gut in Mathe, das war bis jetzt noch nie ein großes Problem für mich, doch heute hatte ich den Kopf wo anders und verrechnete mich die ganze Zeit.
Der Schultag zog sich wie ein ausgekauter Kaugummi an mir vorbei. Als es endlich zur Mittagspause klingelte stand ich auf und hinkte in die große Cafeteria. Am Tisch warteten schon Jen, Alica und Claire. >> Hola Chicas!<< begrüßte ich sie und ließ mich auf meinem Stuhl nieder. >> und was gibts neues?<< fragte mich Claire. >> bei mir? Nichts... warum?<< ich war verwirrt und nahm einen biss von meinem Apfel. >> Ja, zwischen dir und Alex... da läuft doch was...<< Alicas stimme klang ungeduldig, aber es war keine Spur von Eifersucht oder Wut zu hören. >> nicht wirklich...<< ich zuckte die Schultern. >> und was ist mit Raph und Jo?<< ich sah Alica und Claire an. Sie kicherten. >> die haben es euch auch angetan, nicht?<< ich grinste und sie erzählten mir wie süß die zwei doch waren. Jonas, hatte ihr Komplimente gemacht... Raphael hatte ihr schmutzige Dinge ins Ohr geflüstert... Tja, so war das mit den beiden. Ich hoffte nur, das die Jungs es ernst mit ihnen meinten. Ich biss wieder von meinem Apfel ab und hörte zu wie sie drei verschiedene Theorien aufstellten, wie ich wohl an so ein "Sahneschnittchen" gekommen sei. Ich lachte immer nur, wenn sie irgendetwas von "verführen" sprachen. Sie fragten andauernd ob eine ihrer Theorien stimmte. Ich antwortete nur mit >> da läuft nichts zwischen uns...<< aber als dann einer von Alex Kumpels an mir vorbei ging und mir einen Zettel gab fanden sie das besonders witzig. >> ach wirklich nicht?!<< fragte Claire und nahm mir den Zettel weg. Ich stand auf und versuchte das Stück Papier wieder in meinen Besitz zu bringen doch damit hatte ich nur die gesamte Aufmerksamkeit der ganzen Cafeteria erreicht. Ich lag fast auf dem Tisch währen Claire, Alica und Jen den Zettel abwechselnd sich zuwarfen. Dann wurde es mir zu blöd. Ich unterdrückte ein knurren, schnellte vor und packte das zerknüllte Zettelchen aus der luft. Dan zog ich mit dem Papierkügelchen auf das Mädchenklo ab. >> süße?<< fragte Jennifer die mir gefolgt war. Ich verriegelte die Tür und lehnte mich dagegen. Dann erst entknüllte ich das Papier. "Hast du schon mal was von Handy abnehmen gehört? :-D
ich wollte dich Fragen ob wir wiedermal was zusammen unterehmen wollen? Bitte schreib so schnell wie möglich zurück" stand auf dem zerknitterten Zettel. Ich seufzte und holte mein Handy aus der Hosentasche. Wow, 4 entgangene Anrufe und 6 Mitteilungen. Allesamt von Alex. Um den Zettel zu verstecken hob ich den Akku aus dem Handy und steckte den geglätteten Zettel darunter. dann setzte ich noch die Hülle drauf und betätigte die Klospülung. Erst als ich mir sicher war, das man meinem Handy nicht ansehen konnte, das etwas versteckt war ging ich raus. Alica, Claire und Jen warteten schon. >> und was stand auf dem Zettel?<< fragten die drei wie aus einem Mund. Ich zuckte die Schultern. >> wo ist er?<< Jen durchsuchte meine Handflächen. >> hab ihn runtergespült...<< log ich. >> Ach Joeline! Bist du ganz blöd?!<< fuhr mich Alica an. Ich stolperte erschrocken zurück. >> aber ich dachte... du... du und Raphael...?<< nuschelte ich. Sie lachte. Ich versuchte ein grinsen in mein Gesicht zu zaubern, aber ich wusste, das es vollkommen idiotisch aussah. >> Süße...<< sie legte den Arm um meine tailie und spazierte mit mir aus dem Klo. >>... du hattest schon seit zwei Jahren keinen Freund mehr, und nachdem dich Benjamin so behandelt hat, kann ich das verstehen...<< beim klang seines Namens zuckte ich zusammen. >>...aber ich denke nicht, das Alex das mit dir machen würde. Du hast schon auf so viel für uns verzichtet, du hast uns schon soviel gegeben... jetzt bist du mal an der Reihe glücklich zu werden... siehst du...<< sie deutete an den Platz von Alex, der gerade zu uns rüberschaute als wir die Cafeteria betraten. Er zwinkerte uns zu und ich sah verwirrt wieder hoch zu Alica. Klar würde er mich nicht in das Versuchslabor seines Vaters stecken, sein Vater ist Anwalt und kein Wissenschaftler der Tierversuche macht. Ich spürte wie ich zu zittern begann, als das Bild von Benjamin und seinem Vater im weißen Kittel vor meinem inneren Auge erschien. Ich setzte mich auf meinen Stuhl und unterdrückte die Tränen. Das gefühl von Strom, der durch meinen Körper schoss war uneträglich. Ich wusste, dass ich nicht mehr an diese Maschinen angeschlossen war, doch dieses Gefühl breitete sich immer aus, wenn ich an Benjamin dachte. Ganze drei Monate lag ich in dem viel zu kleinen Käfig. Meine Pfoten waren mit einem juckiendem Verband verbunden, der mit irgendeiner flüssigkeit getränkt war und an meiner linken Vorderpfote war ein Kabel angeschlossen. ich sah meine linke Hand an. An der innen Seite war immernoch die kleine runde Narbe zu sehen. Das kabel hatte sich enzündet und Benjamins Vater, Dr. Birtch, hatte es mir einfach ausgerissen. Ich hatte gejault vor schmerz und wollte nach im schnappen, doch Benjamin hatte mir das Maul zugebunden. Ich schüttelte mich um die schrecklichen Momente wieder zu vergessen, doch ich hörte immernoch das piepen der Geräte. Das wussten sie nicht, sie wussten nicht einmal, das ich ein Wolf war Sie hatten nur die Narben gesehen, und bemerkt, dass ich drei Monate nicht in der Schule erschienen war. Leider war es winter und zuhause war auch niemand. Die drei hetzten die Polizei auf Benjamin an, der aber auch nicht Zuhause war. Erst als ich mich im Labor seines Vaters verwandelt hatte und ich nackt in dem winzigen Käfig gekauert war schloss Benjamin den Käfig auf. Was er mit mir gemacht hätte wollte ich nicht wissen. Ich wusste, dass er mich nicht freilassen wollte. Das sah ich an seinem gierigen Blick. Ich hatte ihn mit dem Kabel einen Stromstoß verpasst und war hoch in die Küche gegangen wo sein Vater frühstückte. Ihm hatte ich ein Messer in die Hand gejagt und war in den Garten gerannt. Wegen des Schnees, und der Eises Kälte begann sich mein Körper wieder zu verwandeln und ich rannte als Wolf durch den Wald. Das Rudel hatte mich nicht erkannt und Marc hatte mich angefallen. Verletzt lag ich blutend im Schnee und winselte als er über mir stand, mit hochgezogenen Lefzen und knurrte. Jonas und Toni hatten ihn aber von mir runter gezogen. Sie hatten tief unter dem brennenden Geruch nah Labor, mich gerochen. Mich, Joeline. Andrew hatte sich dann mit dem Rudel auf die Suche nach Benjamin und seinem Vater gemacht, hatten sie aber nie gefunden. Seit diesem Tag konnte ich mich nicht mehr in einen Wolf verwandeln. Seit diesem Tag hatte ich angst, mich wieder zu verlieben.
>> Süße? Geht es dir nicht gut?<< fragte Jen. Ich schüttelte den Kopf und kam wieder zurück in die Realität. >> sorry, ich musste nur an die Zeit mit Benjamin denken...<< ich schluckte und sah lustlos auf mein Essen.
Nach der Mittagspause hatte ich drei Stunden Kunst. Da unser Lehrer krank war durften wir einfach irgendetwas malen. Ich zeichnete einen grauen Wolf mit schwarzen Pfoten und silberfunkelndem Fell. Die Ohrenspitzen waren ebenfalls schwarz, und seine grau-blauen Augen sahen mich tief und durchdringend an. Der Busch verdeckte seine Narbe an der rechten Flanke nur halb und die dunkelheit des Waldes hinter ihm, die durch den Mond nur spärlich erleuchtet wurde, wirkte bedrohlich. Es war der Wolf aus meinem Traum, und er kam mir so schrecklich bekannt vor. >> Wow, das ist wunderschön, Joeline...<< lobte der Geographie Lehrer, der diese Stunde suplierte. Ich nickte anerkennend und setzte meine signatur an den rechten Bildrand. Ich stellte es zum Trocknen ans Fenster und nahm mir eine neue Leinwand. Ich hatte noch genau ein einhalb Stunden zeit. Diesmal malte ich mich. Nicht mich als Mensch, sondern als Wolf. Das schokoladenbraune Fell, die schönen, weißen Ohren, das helle Abzeichen auf meinem Nasenrücken und der Stirn, die schneeweißen Pfoten und den großen, graubraunen Fleck mit den schwarzen Punkten auf meinem Rücken. >> Das ist aber keine typische Fellfarbe für einen Wolf...<< kritisierte der Professor mein Bild. Ich nickte Gedankenverloren. >> und er ist etwas zu klein... ist es noch ein Welpe?<< fragte er. Ich schüttelte verneinend den Kopf und zeichnete noch den hellen Wolf von vorher neben mich. Er war um einiges größer, sah aber sanft zu der kleinen Wölfin herab. Es erinnerte mich an die Situation bei Jennifer. Als Alex mich so angesehen hatte... Es klingelte und ich fuhr zusammen. Ich wollte mich nicht mit dieser kleinen Wölfin vereint fühlen. Das Tier in mir war an einem Stromschlag gestorben. Jetzt war ich nur noch meine menschliche Hülle. Meine leere, menschliche Hülle. Ich kritzelte noch ein "Jo" an den Rand, stellte es zu den anderen Bildern und verließ die Klasse. Auf dem Gang kam mir Claire entgegen. >> Jo, kann ich bei dir mitfahren? mein Auto springt nicht an... und ich hab jetzt keine Lust jemanden zu fragen ob er mir Starthilfe gibt...<< sie lächelte zu mir hinab. Ich erwiderte ihr grinsen und ging mit ihr nach draußen. Ohne Worte stieg sie ein und ich fuhr sie vor ihre Haustüre. >> danke süße... und nicht vergessen, heute Alex wegen dem Briefchen fragen<< sie drückte mir ein Küsschen auf die Wange und stieg aus. Ich bog gerade auf die unbefestigte Waldstraße ein, als meine guten Ohren neben dem Brummen des Motors und den Steinen unter den reifen, ein kleines, klägliches Miauen vernahmen. Ich blieb stehen, stellte den Motor ab und stieg aus. Leise folgte ich dem dünnen Miauen, bis ich auf zwei kleine, pechschwarze Fellbällchen stieß. Die zwei waren aneinander gepresst und zitterten in der kälte des Bewölkten Frühlingstages. >> ach, ihr armen...<< flüsterte ich und suchte im umkreis von 20 Metern nach einer Höhle in einem hohlen Baum oder einem Nest im Hüfthohen gestrüpp. Nichts. Wenn die Kätzchen noch länger in der Kälte liegeblieben, würden sie Erfrieren. Ich ging wieder zurück und wickelte die zwei unterkühlten Babys in meine Jacke. Vorsichtig kämpfte ich mich durch das Gestrüpp, zurück zum Auto. Dort stellte ich erstmal die Heizung auf Höchststufe und fuhr langsam, mit den beiden schwarzen kätzchen auf dem Schoß zum Haus. Etwas umständlich öffnete ich mit meinem Fuß die Türe und hinterließ einen braunen Dreckstreifen an der hellen Türklinke. Drinnen stellte ich meine Schuhe auf den Teppich und ging leise hoch. Oben in meinem Zimmer legte ich die kleinen Katzen auf eine Decke und ging runter um ihnen ein Hirsekissen zu Wärmen. Ich hörte ein Fauchen und dann oben etwas poltern. Mein Herz raste, als ich in sekundenschnelle oben Stand. Unten machte sich die Mikrowelle durch ein nerviges Piepsen aufmerksam. Ich schaute Marc und Toni böse an. Das eine Junge lag zusammen gekauert unter der Decke, das andere war vom Bett gefallen. >> raus mit euch, ihr wisst genau ihr stinkt nach Hund!<< blaffte ich und nahm das Katzenjunges vorsichtig auf. Es zitterte immernoch. >> bring mir bitte das Kissen und das Telefonbuch hoch...<< rief ich den beiden Jüngsten hinterher. Derweilen legte ich die zwei wieder auf die Decke und streichelte sie beruhigend. Marc brachte mir das warme Hirsekissen und das Gewünschte Buch. Das Kissen legte ich unter die Decke und verfrachtete die zwei Katzen in ,eine kleinere Decke gemummelt, darauf. Im Telefonbuch suchte ich nach der Nummer des Tierarztes und machte einen Termin für 17:00 aus. Dann rief ich Alex an. Das war ich ihm irgendwie Schuldig. >> Hallo Jo...<< begrüßte er mich schon nach dem ersten Klingeln. >> hi, ähm, ich wollte dich fragen ob du vielleicht lust hast mit mir zum Arzt zu gehen.. also äh, nicht mit mir... ich hab zwei Kätzchen gefunden, und will sicher gehen, ob sie gesund sind...<< stotterte ich. >> gerne, soll ich dich abholen kommen?<< fragte er. >> ähm, nein, ich komm mit meinem Auto zu dir, aber dann muss ich jetzt gleich los... ich hab in einer halben Stunde den Termin...<< nuschelte ich. Er stimmte mir erfreut zu und legte auf. Ich überlegte mir wie ich die zwei Süßen wohl am sichersten Transportieren konnte. Ich ließ die Zwei alleine und ging runter in die Küche. Dort fand ich einen kleinen Korb den ich mit zwei Decken auspolsterte und die Katzen mit dem Hirsekissen rein setzte. Das klägliche Miauen hatte aufgehört und sie schliefen, als ich ihnen die Decke bis zu den kleinen Öhrchen hochzog und mit ihnen zum Auto schlenderte. Die Heizung lief auf höchster Stufe und ich hatte den Korb auf dem Beifahrersitz festgeschnallt. Langsam fuhr ich den rumpelden Waldweg entlang und hoffte, das ich die Babys dadurch nicht geweckt hatte. Als ich endlich auf der geraden Straße war konnte ich die verlorene Zeit wieder aufholen, indem ich einfach gas gab. Zu dieser Zeit war hier kein wirklich großer Verkehr. Ich übersah einige Stoppschilder und bremste vor Alex' großem Haus ab. Natürlich wusste ich wo er wohnte, er hatte, abgesehen von uns, das größte Haus hier. Er kam gerade aus der Tür und ich lehnte mich zur Tür herüber um sie ihm zu öffnen. Leider waren meine Arme zu kurz und er öffnete sie selber. >> hi...<< sagte ich schüchtern. er lächelte begrüßend und gurtete den Korb los. Er bettete ihn auf seinem Schoß und schloss die Autotür. Erst jetzt hob er vorsichtig die Decke und sah den beiden beim Schlafen zu. >> sie sind niedlich...<< flüsterte er und ich nickte. Wir fuhren schweigend durch die Stadt, bis wir etwas verspätet beim Tierarzt hielten. Ich Parkte neben dem Eingang und sprang aus dem Auto. Alex war bereits schon draußen und gab mir den Korb. Zusammen gingen wir rein. Der Arzt begrüßte und schon vor der Tür und reichte mir die Hand. Alex hielt mir die Tür auf und mir schwappte der Gestank von Desinfektionsmittel und ich verharrte in der Türschwelle. >> Süße?<< fragte Alex besorgt. Mein Herz hämmerte gegen meine Brust und ich trat benommen einen Schritt zurück. >> i-ich kann n-nicht...<< meine Stimme war tonlos. Der Arzt legte mir die Hand auf die Schulter. >> Ich behandle nur Tiere... und ich versichere ihnen, dass ich alle Spritzen und Arztgeräte in meinem Schrank verschlossen habe...<< sprach er mit seiner sympatischen Stimme. Ich nickte benommen und dann vernahm ich wieder das klägliche Miauen. Ich biss die Zähne zusammen und folgte dem Arzt in seine Behandlungszimmer.Er wies mich an, die zwei Katzen auf seinen kalten, metallenen Ordinationstisch zu legen. Das Miauen wurde lauter als sie schutzlos auf dem Tisch lagen und mein Herz schien zu zerspringen. Der Arzt führte ein paar Untersuchungen durch und meinte anschließend >> es ist ein Männchen und ein Weibchen, die beiden sind etwas unterkühlt, circa fünf Wochen alt und sehr Hungrig. Wir könnten sie hier behalten, sie aufpäppeln und sie danach verkaufen, wenn sie wollen...<< er streichelte dem einen Kätzchen zärtlich über den Kopf. >> Nein!<< entwischte es mir etwas zu laut. >> ich nehme sie mit nach hause...<< murmelte ich noch. Er nickte und schrieb mir etwas auf einen Zettel. >> Klarissa soll ihnen das geben, die Beiden brauchen alle 3 Stunden ihre Milch...<< mit einem liebgemeinten Lächeln gab er mir das Papier und setzte die Katzenbabys wieder in den Korb. Er reichte mir und Alex, der mich die ganze Zeit im Arm gehalten hatte, die Hand und zuammen gingen wir nach draußen. Hinter einer Theke saß eine etwas ältere Frau und feilte sich die Fingernägel. >> Ich soll das hier abholen...<< ich gab ihr den Zettel. Sie richtete ihre Lesebrille, blickte mit einem spöttischen Blick auf das Rezept und dann zu mir hoch. >> natürlich...<< murrte sie arrogant und verschwand hinter einer Schiebetür. Zurück kam sie mit einer großen Dose und zwei kleinen Fläschchen. >> die Anleitung steht oben... das macht dann 37,95...<< sie klatschte mir die Rechnung vor die Nase und ich bezahlte den Betrag auf den Cent genau, um dann fluchtartig aus dem Haus zu rennen. Alex war immer hinter mir, auch als ich die Dose mit dem Milchpulver und die Fläschchen auf den hinteren Sitz verfrachtete. >> Warum hast du so panische Angst vor Ärzten?<< fragte er und sah mich durchdringend mit seinen grau-blauen Augen an. Wenn ich ihn so ansah, fiel mir der Wolf aus meinem Traum wieder ein. >> Das ist eine lange Geschichte...<< sagte ich abwesend, gab ihm den Korb und ging rüber zur Fahrerseite. Ich atmete noch einmal tief ein und wieder aus, bevor ich einstieg und den Motor anließ. >> Wir könnten zu mir gehen...<< schlug er vor und erntete einen etwas schockierten Blick von mir >>...ihnen noch schnell was zu trinken geben... bis du wieder zuhause bist...<< fügte er noch schnell hinzu. Ich nickte zaghaft und parkte kurze Zeit später in seiner Einfahrt. >> sind deine Eltern nicht zuhause?<< fragte ich. Er schüttelte lachend den Kopf, als er mit den miauenden Kätzchen ausstieg. Ich holte das Pulver und die Fläschchen vom Rücksitz und folgte ihm in das große Haus. >> meine Mutter ist Journalistin und mein Vater ein viel beschäftigter Anwalt... die sind selten zuhause...<< erklärte er und ging in die große Wohnküche. Den Korb stellte er auf die große, helle Couch und füllte einen Wasserkocher mit frischem Leitungswasser. ich packte derweilen die Fläschchen aus und löffelte das Pulver in die kleine Öffnung. Alex lehnte lässig an der Arbeitsplatte und sah mir mit einem etwas verträumten Blick dabei zu. Ein Lämpchen blinkte auf dem Wasserkocher auf und er goss das heiße Wasser in die kleinen Glasfläschchen. Wir stellten die viel zu heißen Flachen in kaltes Wasser, bis sie Körpertemperatur hatten. >> wo sollen wir...?<< fragte ich, und er breitete als Antwort eine Decke auf dem Sofa aus. Ich gab ihm ein Kätzchen und setzte mich neben ihm, mit einer Flasche in der einen, und einem kräftig saugeden Kätzchen auf dem Schoß, an den äußersten Rand der Decke. Nachdem sie beide die ganze Flasche leergefuttert haben schliefen sie glücklich ein. Ich legte sie zurück in das Körbchen und setzte mich dann wieder auf meinen Platz, so weit entfernt wie möglich von Alex, auf die Decke. >> Willst du gleich gehen, oder sollen wir noch etwas Fernsehen?<< erkundigte er sich. Ich sah auf die Uhr, es war erst halb sieben... Da würde sich schon noch einen Film ausgehen. Ich nickte. Er zippte durch die Kanäle und wir stellten fest das nichts wirklich gutes im Fernsehn lief. Kochshows, Western und so Liebesschnulzen. Er ließ den Sender mit dem Liebeszeugs. >> muss das sein?<< fragte ich. Er grinste. >> warum, stehen Mädchen nicht auf so was?<< fragend zog er eine Augenbraue hoch. Ich schüttelte den Kopf >> Mädchen die Boxershorts tragen nicht...<< grinste ich. >... weil ich mir dann wünschte, dass mir das auch passiert... glückliche Liebe, ohne Schmerz...< dachte ich mir, traute mich aber nicht es zu sagen. Im Fernsehen strich ein Mann mit lockigem, schwarzen Haar der Frau gerade eine Strähne aus dem Gesicht. >> weißt du was mir gerade auffällt?<< sagte er und ich wandte ihm wieder meine gesamte Aufmerksamkeit zu. Er fuhr mit seinen Finger durch meine offenen, lockigen Haare und spielten mit den Spitzen. Mein Herz hämmerte, und ich hoffte, dass er es nicht hörte. >> du hast die Haare geschnitten...<< stellte er fest und ich lachte. Er war der erste, dem es aufgefallen ist... Seine Hand wanderte von meinen Haarspitzen an meine Tailie und sanft zog er mich neben sich. Ich wurde nervös. >> alex...<< nuschelte ich hilfesuchend. >> hmmh?<< sein Blick streichelte mich und ich wurde rot. >> wenn du es nicht willst, sag es...<< seine Stimme klang so sanft und es durchzuckte mich wie Strom. >Du hast schon auf so viel für uns verzichtet, du hast uns schon soviel gegeben... jetzt bist du mal an der Reihe glücklich zu werden...< hallte die Stimme von Alica in meinem Kopf auf. Ich fasste einen Entschluss. Wenn Alex das nicht ernst mit mir meinte werde ich wieder einen Wolf, denn dann wollte ich nicht als Mensch weiterleben... Mein ganzer Körper kribbelte. Alex, der seine Hand schon wieder zurück gezogen hatte war ein stück von mir weggerutscht. Ich zögerte, doch dann legte ich meine Hand in seinen Nacken und kniete mich auf das Sofa um in die Höhe seiner Lippen zu kommen. Etwas zaghaft legte ich meine Lippen auf seine. Es war ein kurzer schüchterner Kuss, der erste Kuss meines Lebens, wenn man die Küsse meines Vaters nicht mitzählt. Er legte seine Hände um mich und legte mich auf seine Arme. Ich sah zu ihm hoch. An der art wie er mich anlächelte. Wie er mich hielt. Wie er mich Küsste, wusste ich dass er mich genauso liebte wie ich ihn. Dass das so schnell gehen konnte, wusste ich nicht. Aber das freudige kribbeln das durch meinen Körper fuhr war etwas völlig neues für mich. Ich fühlte wie etwas in mir wieder auflebte, und war mir einfach nicht mehr sicher, ob dies kein Traum war. Er strich mir über die Haare. >> Weißt du wie lange ich auf diesen Moment gewartet habe?<< er lächelte glücklich. ich schüttelte den Kopf. >> Ich weiß nicht, du warst die einzige die nicht an meinen Lippen hing, wie die anderen Mädchen... du bist die einzige um die ich Kämpfen musste...haha<< er lachte auf >> ich hab dich auf dem Flur auch mal angerannt... nur um mit dir zu sprechen... aber du bist einfach nur zurück gestolpert, hast dich bei mir entschuldigt und bist weggegangen... ich war garnicht zu wort gekommen...<< Jetzt musste auch ich grinsen. >> Ich hatte mal ein Foto von dir auf dem Handy... ich glaube Alica hat es mir geschickt, jedoch hab ich es wieder gelöscht... ich wollte nicht wie diese Stalkerinnen mit dem Bild als Hintergrund herumlaufen... da hätte ich mich irgendwie... schuldig gefühlt...<< ich richtete mich auf und setzte mich auf die Knie. Er grinste. >> das bild aus der Umkleide?<< er zog wieder die Augenbraue hoch. Ich nickte.>> w-was ist das jetzt... das mit uns?<< fragte ich, als ich um neun, mit dem Korb in der Hand, in der Haustür stand und nervös mit dem Autoschlüssel spielte. >> das siehst du morgen in der Schule...<< flüsterte er und küsste mich zum Abschied nochmal, sodass meine Knie weich wie Butter wurden. Ich fuhr gutgelaunt nach Hause und chauffierte die Katzenbabys singend hoch in mein Zimmer. Um Mitternacht weckten mich die zwei Hungrigen Kätzchen. ich stieg missmutig aus dem warmen Bett und schlich mit den beiden schwarzen Fellkugeln runter in die Küche. Dort machte ich ihnen ihre Fläschchen und fütterte sie. Das Licht ging im Gang an und Miles kam runter. >> was ist das für ein Krach?<< murrte er. Ich sah von dem Kätzchen zu ihm auf und er erblickte das schwarze Fellbündel auf meinem Schoß. Ein lächeln huschte ihm über die Lippen, als er näher kam, und dem Männchen, dem ich den Namen Joey gegeben hatte, vorsichtig über das Köpfchen streichelte. >> Mach das Licht wieder aus...<< sagte ich ihm, als er gähnend wieder die Treppe hoch polterte. Ich nahm Joey und seine Schwester Melody wieder in die Arme und ging mit ihnen auf leisen Sohlen hoch. Im Dritten Stock angelangt, ging ich schnell den Flur entlang um in das letzte Zimmer, mein Zimmer, zu gelangen. Dort legte ich die zufrieden Schnurrenden Kätzchen in ihr Körbchen und krabbelte zurück in mein Bett. Glücklich schlief ich ein. Die restliche Nacht schlief ich tief, und hatte nicht bemerkt wie Joey aus dem Körbchen geklettert war. Erst als mein Wecker klingelte und ich mich erhob merkte ich, wie ein schwarzes Fellknäul sich auf mein Gesicht gelegt hatte. Ich hob ihn hoch und strich liebevoll mit meiner Nase über sein Köpfchen. >> Morgen Joey...<< flüsterte ich und legte ihn zu seiner, bereits munteren, Schwester ins Körbchen. Als wir zu dritt in die Küche kamen wurden sie von allen seiten bestaunt. >> nicht anfassen...<< knurrte ich, als Chris Melody gerade herausnehmen wollte. Ich gab den beiden ihr Fläschchen und trug sie wieder nach oben, wo ich mich dann im Bad unter die Dusche stellte und mich anzog. Die Zwei waren bereits so munter und krabbelten auf der Decke, die ich ihnen auf dem Boden ausgebreitet hatte, herum krabbelten und meinem Stoffbären das Ohr anknabberten. Zum Abschied gab ich beiden noch ein Küsschen und trug Dad auf ihnen alle drei Stunden das Fläschchen zu geben... Erst dann stieg ich ins Auto und fuhr mit vollgas zur Schule. Ich war schon spät dran. Zum glück bekam ich noch einen Parkplatz, sprintete jedoch zur ersten Schulstunde. Als ich etwas außer Atem in meiner Geographiestunde ankam Teilte unser Lehrer gerade den korrigierten Test aus. Ich setzte mich schon auf meinem Platz, zwischen Claire und Jennifer und blickte auf meine Note. A+. Geographie war noch nie ein Problem gewesen, wie Mathe oder Kunst. Claire hatte ein B- und Jenni A. Ein gutausgefallenes Testergebnis. Ich freute mich wie ein kleines Kind als es zur Mittagspause klingelte. Endlich wieder mal zu viert am Tisch sitzen. Jenni wusste schon von Melody und Joey, die anderen noch nichts. Aber auf dem Weg zur Cafeteria hielt mich jemand plötzlich an der Hand fest. Ich fuhr herum und erblickte Alex. Er lächelte mich an und zog mich zu sich. >> du wolltest doch wissen, was das mit uns ist? ich würde vorschlagen, ich zeig mal den anderen Jungs, mit wem sie sich anlegen sollen...<< flüsterte er und küsste mich. Ich hörte wie einige Mädchen erschrocken aufschrien, ein paar Jungs grölten und Jennifer jauchzte erfreut. Ich trennte mich von Alex der mich immer noch fest hielt, und wurde rot. Warum genau vor all den Leuten... Ich fühlte mich unwohl, so im Mittelpunkt zu stehen, und sah hilfesuchend zu ihm hoch. Er grinste. Als ob er wusste was ich ihm damit sagen wollte, ahm er meine Hand und begleitete mich zu meinem Tisch.
Nach der Schule fuhr ich nach Hause und mein Telefon klingelte ohne Pause. Claire. Jen. Alica. Klara. Stephanie. Anna. Lena. Clarissa. Marie. Jack und Elena. Sie alle wollten wissen, ob wir zusammen waren, wie wir zusammen gekommen sind, usw. Ich schaltete mein Handy aus. Endlich stille. Als ich vom Parkplatz fahren wollte war Stau. Ich kam gerade mal aus meiner Parklücke heraus und musste hinter einem dunkelblauen BMW warten. Es klopfte an meine Fensterscheibe. Marie. Ich ließ das Fenster herunter fahren und sah sie fragend an. >> stimmt es? Stimmt das was die anderen sagen?<< fragte sie hibbelig. Ihre geglätteten, blonden Haare begannen sich im Nieselregen zu wellen und sie hielt sich schützend ein Heft über den Kopf. >> kommt darauf an WAS die anderen sagen...<< sagte ich geduldig. Sie schnaubte. >> ja, dass du und Alex zusammen seid...<< fauchte sie. Ich zuckte die Schultern, betätigte den Knopf und das Fenster fuhr mit einem gleichmäßigen surren wieder hoch. Sie hämmerte wieder dagegen und ich fuhr weg. Irgendwie machte sich der Wunsch in mir breit, ihr über den Fuß zu fahren, oder irgendetwas anderes, doch jetzt war endlich wieder fließender Verkehr und ich bog nach rechts ab und fuhr auf die Hauptstraße. Zuhause galt mein erster Blick Melody und Joey. Die zwei lagen aneinander gekuschelt auf der Decke und schliefen neben dem Teddybären. Ich döste neben den beiden, bis mein Handy wieder vibrierte. >> Ja?<< fragte ich leise. >> Hallo süße, sag mal, hast du Lust morgen mit mir Shoppen zu gehen?<< hallte Claires Stimme an mein Ohr, und ich nickte. >> Schätzchen, ich kann dich durchs Telefon nicht nicken sehen...<< lachte sie und ich kicherte. >> aber du weißt, das ich nicht nein sagen kann...<< nuschelte ich. Sie bejahte. >> sag mal, stimmt das was mir Jennifer erzählt hat?<< ihre Stimme klang überdreht. Ich grinste. >> Was hat sie denn erzählt?<< murmelte ich verschämt. >> wie Alex dich geküsst hat... Erst hielt er dich an der Hand und zog dich langsam an sich heran. Er legte deine Hand um seinen Nacken und drückte dich, mit der Hand um deine Hüfte an ihn heran. Langsam beugte er sich über dich und flüsterte dir etwas ins Ohr... dann legte er seine Lippen sanft auf deine und seine andere Hand wanderte auch an deinen Rücken, um dich noch mehr an sich zu drücken...<< schwärmte Claire. >> wow, das hört sich fast so schön an wie es war...<< säuselte ich lächelnd. Sie kicherte. >> Ach Jo, ich gönne es dir, und wenn er sich auch nur halb als so ein Arschl...<< Ihre Stimme überschlug sich vor Wut. >> bitte nicht solche kraft ausdrücke vor meinen Babys...<< unterbrach ich sie und streichelte über Joeys kleines Bäuchen, das ich langsam hob und senkte. Tatsächlich war ich nach dem Telefonat auf dem Boden eingeschlafen. Um Mitternacht weckte mich das klägliche Miauen. ich streckte mich und ging mit den beiden runter. Das wurde zur Routine. Ich wurde in der Nach immer zweimal wach, schlief aber dann in der Schule fast ein. >> Joeline!<< weckte mich Jennifer. >> Hmm?<< ich rieb mir die Augen. >> gott sei dank pennst du heute bei mir... dann kriegst du wenigstens dort ein bisschen Schlaf ab...<< lachte sie und ich ließ meinen Kopf auf das Armaturenbrett ihres Mazdas fallen. Mit einem lauten "dock" traf er dort auf und ich jaulte auf. >> au...<< knurrte ich und legte den Kopf in den Nacken. Ich war wirklich übermüdet. Die letzten zwei Wochen, in denen ich die Kätzchen fütterte, hatte ich wirklich nicht gut geschlafen. Naja, es lag nicht daran das ich zweimal in der Nacht auf musste, es lag mehr an der Qualität des Schlafes. Diese Albträume wurden immer Schlimmer. >> ich hab sogar Raph, Jonas und Alex wieder eingeladen... und noch jemand...<< sie grinste. >> der Typ aus dem Einkaufcenter?<< riet ich und versuchte meine Stimme wenigstens ein kleines bisschen Aufrichtig klinge zu lassen. Sie nickte kichernd, während sie die Waldstraße einbog und wir kräftig durchgeschüttelt wurden. Mein Pick-up war um einiges besser gefedert als ihr Auto und ich stütze mich mit der Hand am Dach ab. Danach kam ich Wort wörtlich wachgerüttelt zuhause an. Jen hatte mir Fahrverbot aufgebrummt, weil ich nicht mal meine Füße heben konnte, um in den hohen Geländewagen zu steigen. Also fuhr sie mich zur schule, und wieder nachhause. Sie war auch die einzige di wusste, das ich im winter alleine war, und sie war auch die einzige die ich darauf vorbereiten werde, mir bei der nächsten Verwandlung zu zusehen. Ich wollte, dass sie in mein Geheimnis eingeweiht war. Ich wollte dass sie es wusste. Die Tage wurden wärmer und die Nächte kürzer. Und vor uns lagen die Sommerferien. >> Morgen Dad...<< scherzte ich als ich ihm das Zeugnis vor die Nase hielt und rauf in mein Zimmer polterte um meine zwei Schätze zu begrüßen. Die beiden hatten zu mir eine sehr intensive Bindung aufgebaut, ich glaubte sogar, dass sie mich als ihre Mutter sahen. Kaum stand ich in der Türe stolperten die zwei schon auf mich zu und schmiegten sich schnurrend an mich. Ich nahm sie hoch und ging wieder, sehr geräuschvoll, nach unten um ihnen ihre Fläschchen zu geben. Ich legte meinen Kopf auf die Tischplatte, während Joey und Melody ihre Flaschen leer tranken und nickte dabei ein.
>> Joeline?<< weckte mich die Stimme von Jen. Ich sah auf. Sie stand vor Jonas und Raphael in der Küche. Joey rollte gerade von meinen Haaren runter und Melody schlief beruhigt weiter. Ich streckte mich und trug die Katzen hoch in mein Zimmer, um mich dort noch in mein Kuscheloutfit zu werfen. Benommen torkelte ich wieder nach unten und pennte sogar bei der Autofahrt auf Raphaels Schulter ein. >> Ich nehm sie dir ab…<< hörte ich eine bekannte Stimme und wurde weitergereicht. Alex roch wieder so gut und ich kuschelte mich an ihn. Er ließ mich den ganzen Abendlang nicht los und ich döste mehr oder weniger auf ihm. Er strich mir manchmal eine Strähne aus dem Gesicht, streichelte liebevoll über meinen Oberschenkel, hauchte mir ein Küsschen auf die Stirn oder kitzelte mit einer Haarsträhne meinen Hals. Alex saß in der Sofaecke und hatte seinen Arm auf die Lehne gelehnt. Die andere Hand hatte er um meinen Hintern gelegt und verhinderte so, dass ich nicht von ihm abrutschte. Auch als Claire entschied, mit Jonas zu ihr nachhause gehen, weckte er mich vorsichtig. >>Hmmh?<< murmelte ich. >> Willst du hier schlafen, oder gehst du mit zu mir?<< fragte er leise. Ich sah zu Jen. Sie nickte auffordernd. >> ich geh mit zu dir…<< antwortete ich zaghaft und Jen freute sich wie ein Honigkuchenpferd. Doch ich hatte ein schlechtes Gewissen, eigentlich war abgemacht das wir alle vier bei ihr schliefen. Aber dann nahm mich Alex an der Hand und ging mit mir zu seinem BMW. Müde setzte ich mich auf den Sitz und schnallte mich an. Er fuhr zügig nachhause, überschritt dabei aber zahlreiche Geschwindigkeitsbegrenzungen. Mit dem Schlüssel öffnete er die große, weiße Haustür in das riesen Haus seiner Familie. Obwohl wir schon gut ein halbes Jahr zusammen waren, war ich bisher nur einmal bei ihm gewesen. Wir hatten uns immer bei Claire oder Jen getroffen, oder auch des Öfteren im Mew-Park. Doch jetzt war ich alleine mit ihm in diesem großen Haus. Die Haustür fiel hinter ihm ins Schloss du er tastete nach dem Lichtschalter. Klar, für ihn musste es stock dunkel sein. Ich ging einfach an die Wand und betätigte mit einem Finger den Schalter. Das Licht flackerte auf und leuchtete grell in meinen Augen. Ich hielt mir die Hände vor die Augen, als ich spürte, wie Alex‘ Hände nach meiner Taille griffen und ich musste lächeln. Er führte mich die Treppe hoch und im oberen Stock den Gang entlang zu seinem Zimmer, ich hatte noch immer die Hände vor den Augen. Doch als seine warmen Hände langsam untermeinem Shirt hoch wanderten fuhr ich herum und starrte ihn entsetzt an. Verwirrt sah er zu mir herab, und ich wich kurze Zeit später seinem Blick aus. >> Sorry… ich… ich, bin das nur gewohnt so zu reagieren…<< entschuldigte ich mich schüchtern. Er lächelte wieder und zog mich an sich heran. >> ist schon okay… ich werde warten…<< flüsterte er. Ich kuschelte mich an seine Brust. >> Alex…?<< meine Stimme klang zu fragend, für das was ich vorhatte. >>hmmh?<< antwortete er. >> Ich liebe dich<< meine Stimme klang etwas dünn, aber es wahr ehrlich gemeint. In dem halben Jahr war es immer nur ein „ly“ oder ein kleines Herzchen in einem SMS. Es waren immer nur die Blicke die sagten „ich will dich nie verlieren“ und „ich liebe dich“. Jetzt hatte ich es ausgesprochen. >> Ich liebe dich auch…<< sagte er ohne zu zögern, hob meinen Kopf mit zwei Fingern an und küsste mich. Müde schlief ich in seinem großen Bett, neben ihm ein.
Die Sonnenstrahlen kitzelten meine Nase und ich musste niesen. Wiederwillig schlug ich die Augen auf und mein Blick fiel auf die bronzefarbene Bettwäsche aus teurer Seide, wie sie in der Mittagssonne glitzerte. Ich strich sie glatt und entdeckte den leeren Platz an meiner Seite. Ich ließ mich wieder in das flauschige Polster fallen und sah mich im Zimmer um. Ich entdeckte ein paar Bilderüber seinem Schreibtisch. Langsam schwang ich meine Beine aus dem Französischen Bett und tappte barfuß über den hellen Parkett. Eine kleine Pinnwand war mit Fotos beklebt. Allesamt wunderschön. Ein kleiner Junge der auf einem Elefanten saß, hinter ihm die junge Mutter mit dem aschblonden Haar und den roten Lippen. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Auf dem Nächsten Foto standen sie alle drei neben einem Delphin. Man konnte gut erkennen, dass es Alex‘ Vater war. Er war ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Von seiner Mutter hatte er nur seine strahlenden grau-blauen Augen. Ich sah mir alle Fotos an. Bis ich versehentlich eine Nadel runterstieß. Zwei Fotos landeten auf dem Boden. Sie kamen mir unangenehm bekannt vor. Benjamin. Ich zuckte zusammen und ließ es wieder fallen. Das zweite Foto war jedoch schrecklicher. Ich erstarrte als ich meine Augen erblickte. Mein Wolfs ich. Jemand musste es vor ein paar Jahren aufgenommen haben. Bevor Benjamin mich einsperrte, dort hatte ich die Narben noch nicht. Es war ein schönes Bild. Eine junge, hübsche Wölfin mit ungewöhnlich geschecktem Fell. Die Tür ging auf und ich fuhr hoch. Schnell versteckte ich die Bilder hinter meinem Rücken. >> Guten Morgen…<< begrüßte mich Alex und zog sich die Jacke aus. >> wo warst du?<< fragte ich ängstlich. >> Ich war beim Bäcker… frische Brötchen holen…<< er lächelte verführerisch. Es zerriss mich innerlich. Kannte er mein Geheimnis? Was hatte das Bild von Benjamin für eine Hintergrundgeschichte? Wenn ich ihn nicht so lieben würde, hätte ich jetzt die Flucht ergriffen. Ich wäre im Pyjama durch den Wald gerannt und hätte das Rudel auf ihn gehetzt. Doch das tat ich nicht. In mir schrie alles auf, als ich mich langsam wieder fasste und mich langsam zu ihm aufs Bett setzte. Nur aus reiner Höflichkeit nahm ich einen Bissen von der Semmel. Er war noch warm und roch verführerisch gut. Doch er steckte mir wie ein Kloß im Magen. >> Was ist los?<< sein Blick durchbohrte mich und ich war den Tränen nahe. Ich liebte ihn. Ich liebte ihn so sehr, warum musste dieser eine Moment alles zerstören. Eine Träne kullerte meine Wange herab. > kann ich nicht einmal das bekommen was ich will? Kann es nicht einmal perfekt sein?< zu spät bemerkte ich, dass ich das gerade laut gesagt hatte. Alex sah mich verwirrt an und streckte die Arme nach mir aus. Ich wich ihm aus und zuckte unter seiner Berührung zusammen. Ich hielt mir meine Hände vor das Gesicht und dabei fielen die Fotos aus meiner Hand. Er zog mich doch auf seinen Schoß und ich war nicht in der Lage mich zu rühren. >> es ist doch perfekt…<< flüsterte er und vergrub sein Gesicht in meinen Haaren. War es nicht. Etwas hatte, wieder einmal, alles in mir Zerstört. Ich winselte. Ich winselte wie ein kleiner Welpe, um Hilfe. >> Sch sch…<< Alex Stimme ließ mich zusammen zucken. Ich schlug die Augen auf und sah in seine klaren tiefen Augen. Er konnte nicht so grausam sein. Er würde nie so etwas tun. Das war nicht Alex. Das war nicht mein Alex. Ich kramte das Bild von Benjamin unter den Krümeln hervor und zeigte es ihm. >> wer… wer ist das?<< ich schluckte heftig. Er sah sich das Bild an. >> der ging mit mir in den Kindergarten… mein Vater hat ihn in einem Fall verteidigt… den einzigen Fall den er verloren hat… Ich mochte Benjamin noch nie…<< er zog die Nase kraus und sah dann vom Foto zu mir herab. >> Was hat er getan?<< seine Stimme war tonlos. Er sah mich weiterhin so durchdringlich an. >> er ist mein Ex…<< nuschelte ich. Er blickte weiterhin zu mir herunter. >> Joeline…<< begann er mit sanfter Stimme. Ich sagte nichts. Stand auf. Zog mein Shirt aus und zeigte ihm die vielen kleinen Narben. Sie waren von weitem gar nicht zu erkennen. Es waren viele kleine Schnitte und Einstiche gewesen. Die wenigsten von ihnen waren ohne Komplikationen verheilt. >> ach du heilige…<< staunte er und musterte meine Narben. >> War das Benjamin?<< fragte er. >> …und sein Vater…<< flüsterte ich tonlos. Jetzt wusste er es. Jetzt war ich aufgeflogen. Jetzt war ich schutzlos. Ich sah zu ihm hoch. Seine Unterlippe bebte. Er war wütend. >> wie kann man nur!<< fauchte er böse und ich schrak zurück. Es war mehr ein Reflex, doch das schockierte Alex. Wieder sah er zu mir. >> Ich… ich würde das nie tun… Jo… ich schwöre es dir bei allem was mir etwas bedeutet…<< sein Tonfall klang ehrlich und in seinen Augen flackerte die Sehnsucht auf. Ich trat an ihn heran und schlang meine Arme um ihn. Er drückte mich fest an sich und ich sog seinen Duft auf. Er roch so gut, ich wollte mehr. Ich küsste seinen Hals, höher kam ich nicht. Er beugte sich zu mir herunter küsste meine Schläfe, meine Stirn, meine Nase, meine Lippen. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und legte meine Arme um seinen Nacken. Er hob mich hoch und ich schlang meine Beine um seine Hüfte. Seine warmen Hände hielten mich fest und ich fühlte mich geborgen. Mit mir torkelte er ein paar Schritte auf das Bett zu und fegte mit einer schnellen Bewegung die Bettdecke, mitsamt den Brötchen und Krümeln vom Bett. Sanft legte er mich dort ab und sein fragender Blick musterte mich. Ich atmete tief ein und küsste ihn zur Bestätigung. Er lächelte, küsste mich schnell am Hals und verschwand aus dem Zimmer. Hatte ich was falsch gemacht? Langsam setzte ich mich auf und wartete gespannt. Ich hörte im Raum nebenan wie er eine Schublade öffnete etwas heraus holte und sie wieder schloss. Er kam wieder zurück und betätigte einen Schalter neben der Tür. Mit einem leisen Surren schlossen sich die Jalousien wieder und das Licht wurde etwas schummrig. In seiner Hand befand sich ein kleines, quadratisches Päckchen und ich begann einfach nicht zu überlegen. Er strich mir durchs Haar, küsste mich sanft und drückte mich vorsichtig wieder an die Matratze. Mein Herzschlag beschleunigte, als er sich selbst das Shirt auszog. Ich musste schlucken. In meinen Fingern zuckte es als ich seinen atemberaubenden Körper sah. Langsam wanderten sie über seine weiche Haut zum Bund seiner Hose. Etwas ungeübt öffnete ich den Knopf und strich sie ihm von den Beinen. Er seufzte glücklich als ich ihm einen Kuss auf den Oberkörper hauchte und krabbelte über mich. Er zog mir mein Höschen aus und ich fühlte mich erst etwas unwohl, so ganz nackt vor ihm zu liegen. Seine Hände streichelten mich sanft und Alex hauchte zahlreiche Küsse auf meinen Bauch die langsam hochwanderten. Er liebkoste mein Schlüsselbein, meine Schulter, meine Kehle und die kleine Mulde hinter meinem Ohr. Sein Atem strich über mein Gesicht und ich schlang meine Beine wieder um seine Hüfte um ihm näher zu sein.
>>und was hat es mit dem Wolf zu tun?<< fragte ich vorsichtig, als ich auf seiner Brust lag und mir das Bild „rein zufällig“ in die Hände fiel. >> Ich hab ihn mal auf einem Jagdausflug gesehen… Er hatte so wunderschönes Fell, mein Vater wollte ihn schon erschießen, wenn er nicht so jung gewesen wäre… Jeden November, wenn ich mit meinem Dad wieder jagen gehe, suche ich nur nach ihm…<< er lächelte. Ich erwiderte es
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Publication Date: 06-13-2011

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