Cover

Wichtiger Hinweis

Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Jeder Band (siehe Druckausgaben hier: http://www.hary.li) ist jederzeit nachbestellbar.

 

TEUFELSJÄGER 037


Roboter gegen das Böse

von W. A. Hary

Mark Tate ist ein tausendfach Wiedergeborener. Also gibt es hier und heute mehr als nur einen direkten Nachfahr von ihm. Einen ganz besonders: Dr. Toy Fong! Weil Mark Tate zur Zeit in der jenseitigen Sphäre ORAN verschollen ist, erfuhr er von seiner besonderen Bestim­mung, Mark Tate vorübergehend auf Erden zu vertreten. Das tut er im vorliegenden Roman ein letztes Mal, ehe er auf die Freunde von Mark Tate trifft - oder vielleicht auf Mark Tate persönlich? Nun, das wäre das Thema vom nächsten Band. Bleiben wir erst einmal hier - und ich sage euch: Zieht euch warm an! Obwohl es diesmal auch stellenweise was zu lachen gibt (zumindest zum Schmunzeln - je nach Humorpotential), geht es im wahrsten Sinne des Wortes BÖSE zur Sache!

Euer W. A. Hary


Impressum

Alleinige Urheberrechte an der Serie: Wilfried A. Hary

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

ISSN 1614-3329

Copyright dieser Fassung 2015 by www.HARY-PRODUCTION.de

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

www.HaryPro.de

eMail: wah@HaryPro.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius

Lektorat: David Geiger


1


Der seriöse Herr im Nadel­streif­anzug las das Schild neben der Toreinfahrt: »Dr. Toy Fong - Beratungsbüro für Indus­trie- und Finanzfragen«.

Eigentlich nahm sich dieses Schild recht bescheiden aus, ge­messen an dem Anwesen hinter der Umgrenzungsmauer. Diesem Dr. Toy Fong gehörte hier, im vor­nehmen Westende von London, eine recht ansehnliche Villa.

Der Herr drückte auf den Klingelknopf. Ein feines Lächeln spielte um seine Lippen.

Der Lautsprecher der Sprech­anlage knackte. »Bitte, Sie wün­schen?«

»Mein Name ist Miller, Eras­mus Miller.«

»Sind Sie angemeldet?«

»Nein, ich brauche keine An­meldung.«

»Sir, bedauere, aber die Büro­zeit ist beendet. Wenn Sie vielleicht zu einem späteren Zeit­punkt...?«

»Ist Dr. Fong anwesend?«

»Leider nicht!«

»Dann spreche ich mit Ihnen!«

Zögern. Dann ertönte der Tür­summer. Erasmus Miller drückte gegen das Tor. Es sprang auf.

Die Stimme aus dem Laut­sprecher: »Treten Sie bitte ein!«

Er achtete nicht darauf.

Ein schmaler Weg führte durch den Vorgarten zur Villa. Die Haustür wurde von innen ge­öffnet. Der Mann, der darin er­schien, mochte dreißig sein. Er war geschmackvoll gekleidet und drückte die Brille auf seiner Nase zurecht.

»Mr. Miller?«

Der seriöse Herr nickte nur. Er wartete, bis ihm der Dreißig­jährige Platz machte und betrat die Villa.

Toy Fongs Angestellter wirkte leicht indigniert. Er schielte nach dem schwarzen Köfferchen des Gastes.

»Äh, mein Name ist Jerry Law­ton. Ich bin gewissermaßen Mr. Fongs rechte Hand. In welcher Angelegenheit kann ich Ihnen dienen?«

Mr. Miller übersah die ihm angebotene Rechte. Er blickte sich in der kleinen Empfangshalle um.

Eine Tür öffnete sich. Die junge Dame, die mit einer Akte über dem Arm heraustrat, ge­hörte ebenfalls zu Fongs Ange­stellten.

Erasmus Miller stellte sein Köfferchen auf den Besu­chertisch. Er blickte zu Jerry Lawton hinüber.

»Sie brauchen nicht viel für mich zu tun, sondern nur auf mein Köfferchen aufzupassen. Hm, es befindet sich eine Bombe darin!«

»Eine - was?«

Miller blickte auf seine Arm­banduhr.

»Eine Viertelstunde habt ihr Zeit. Ihr seid doch zu dritt, oder?«

Eine Antwort wartete er nicht ab. »Tut mir leid, aus dem Feier­abend wird leider nichts. Natür­lich weiß ich, dass Dr. Fong nicht anwesend ist. Er vernachlässigt sein Büro in letzter Zeit, treibt sich zuviel in der Welt herum. Wenn er zurückkommt, dürfte von seinem Büro nicht mehr viel übrig sein.«

Miller nahm die Hand vom Köfferchen. »Der Zeitzünder ist bereits eingestellt. Ich darf mich bis dahin empfehlen!«

Er lüftete höflich seinen Hut und strebte dem Ausgang zu.

»He, Moment!« rief Jerry Lawton verdattert.

Irene Becker, vor fünf Jahren aus Deutschland gekommen und seitdem im Dienste von Toy Fong, stockte im Schritt. Ihre geweiteten Augen gingen zwischen dem Köf­ferchen und Miller hin und her. Sie glaubte, leises Ticken zu hö­ren.

Lawton griff nach dem Ärmel von Erasmus Miller. Er wollte den Mann aufhalten.

Doch seine Hand fuhr einfach durch Miller hindurch!

Vor Schreck ließ Irene Becker die Akte fallen.

Der Knall, mit dem sie am Boden aufkam, erschreckte auch Jerry.

Er knirschte mit den Zähnen, sprang Miller nach - diesmal vergaß er alle antrainierte Höflichkeit und warf sich auf Erasmus Miller. Das heißt, das war seine Absicht gewesen.

Es wurde nichts daraus!

Mr. Erasmus Miller schien aus Luft zu bestehen. Jerry glitt durch ihn hindurch und kam un­sanft am Boden auf.

Unbeirrt erreichte Erasmus Miller die Haustür, tat sie auf und verschwand nach draußen.

Claudette, die Französin, hörte den Krach und kam nachsehen. Sie erblickte Jerry Lawton am Boden und Irene Becker vor am Boden zerstreut liegenden Akten­blättern. Erstaunt runzelte sie die Stirn. Die Haustür schloss sich von außen. »Was ischt passiert?« fragte sie in ihrem Akzent, den sie wohl nie verlieren würde.

Irene Becker ballte die Hände zu Fäusten und presste sie vor den Mund. Dann stierte sie auf das Köfferchen.

Ehe Claudette Brignon noch einmal fragen konnte, rannte Irene zur Haustür. Sie wollte hin­aus, dachte nur noch daran, dass die Bombe hochgehen sollte. Die Haustür war nicht mehr zu öff­nen! Auch durch den kräftigen, sehr sportlich aussehenden Jerry Lawton nicht!

Claudette betrachtete das Köf­ferchen. »Seid ihr total verrückt geworden?«

»Da ist eine Zeitbombe drin!« brüllte Jerry sie an. Er eilte zum Büro.

»Wir müssen durch das Fens­ter nach draußen!«

Doch auch die Tür zum Büro war hermetisch verschlossen!

Jerry Lawton versuchte es an sämtlichen Türen - auch an den oben, die durch die Freitreppe er­reicht wurden. Vergeblich!

Und in der Empfangshalle war kein Fenster, sondern nur Glas­bausteine!

Jetzt hörten sie es alle - das bösartige Ticken, das aus dem Köfferchen kam.


*


Der Wagen rollte langsam aus. Dr. Toy Fong überlegte, ob er ihn in die Garage fahren sollte, ent­schied sich dagegen.

Er atmete tief durch. Vor vier Tagen hatte er sein Zuhause verlassen. Hier waren Büro und Wohnung untergebracht. Es kam ihm vor, als wären inzwischen Jahre vergangen.

Ob seine Angestellten noch da waren?

Er wusste, dass auf sie Verlass war. Sie arbeiteten auch, wenn ihnen der Chef nicht stän­dig auf die Finger sah. Das war auch notwendig, denn Toy muss­te öfter mal eine Firma besuchen, deren Bücher in Ordnung bringen oder verwaltungs- oder finanztechnische Rationalisierungsmaßnahmen ausarbeiten.

Dr. Toy Fong war Betriebswirt und Publicrelationsmanager. In Wirtschaftswissenschaft hatte er sogar eine Doktorarbeit ge­schrieben. Die Arbeit wurde verlegt und befand sich in jeder Bücherei, die etwas auf sich hielt.

Dennoch zwang ihn das Schicksal in letzter Zeit, ganz andere Aufgaben wahrzunehmen. Sein Beruf hatte ihn reich und unabhängig gemacht. Erst auf dem Höhepunkt seiner berufli­chen Karriere wurde ihm klar, welches Erbe man ihm in die Wiege gelegt hatte: Toy Fong war ein Magier! Immer wieder trat sein Vorfahr mit ihm in Ver­bindung. Toy nannte ihn schon den Ur-Fong, denn er hatte denselben Namen. Aber das war nicht alles, was er hatte erfahren müssen...

Es begann auf einem Schloss. Der Schlossherr hatte Toy enga­giert, um die große Firma auf Vordermann zu bringen. Und dessen Vorfahr wiederum war der Todfeind von dem alten Toy Fong gewesen.

Ein magischer Kreis über all die Zeiträume hinweg hatte sich geschlossen. Der Kampf, damals unentschieden ausgegangen, geriet abermals auf den Höhe­punkt.

Dr. Toy Fong gewann! Er war gewissermaßen das Zünglein an der Waage.

Damals, vor Jahrhunderten, war der alte Toy Fong aus seinem selbstgeschaffenen Paradies ge­trieben worden: Das Tal der Träu­me. Mittelpunkt dieses Tales, durch Magie Tausende von Jah­ren von der Außenwelt abge­schnitten, war der Garten der Düfte. Hier regenerierte sich der alte Toy Fong. Er war somit uns­terblich.

Der Lord, der sich der Schwarzen Magie verschrieben hatte, zerstörte alles. Der Kampf begann - ein Kampf, der erst in diesem Jahrhundert sein gutes Ende genommen hatte - durch den letzten Nachfahr des dama­ligen Toy Fong. Und dieser war gleichzeitig... auch der Nachfahr von Mark Tate! Denn der dama­lige Toy Fong hatte die Tochter seines Erzfeindes, des Lords, ge­heiratet. Sie bekamen gemeinsam ein Kind. Die Ahnenkette bis heu­te entstand. Das Besondere an der Tochter des damaligen Lords jedoch war: Es handelte sich zu dieser Zeit um die Inkarnation des Geistes von Mark Tate!

So war Dr. Toy Fong heute nicht nur der direkte Nachfahr vom damaligen Toy Fong, son­dern auch von Mark Tate!

Immer wenn Toy mit seinem Vorfahr in Kontakt geriet, gesch­ah das auf magischer Ebene - im Garten der Düfte. Der Geist des ehemaligen Magiers, der jetzt zu einer Art Positivdämon gereift war, weilte in einer anderen Sphäre, wohin er einen Teil sei­nes Paradieses gerettet hatte.

Toy Fong wusste, wenn Mark Tate wieder aus dem jenseitigen eich ORAN zurückkehrte, in das es ihn verschlagen hatte, war sei­ne Mission, ihn auf Erden zu vertreten, beendet. Dann würde es einen neuen Herrn des Gartens der Düfte geben: IHN, Dr. Toy Fong!

Sein Ahne hatte es ihm gesagt.

Doch er hatte Zweifel in sich, denn manchmal glaubte er, nie­mals die einstige Größe seines Ahnen erreichen zu können, um wirklich in Würde der neue Herr des Gartens der Düfte sein zu können!

Er schüttelte den Kopf, ver­scheuchte die Gedanken, die ihm beim Anblick seines Hauses un­willkürlich gekommen waren. Hier fühlte er sich irgendwie fremd, seit er die neue Rolle über­nommen hatte. Deshalb trug er sich mit der Absicht, eines Tages das Anwesen zu verkaufen. Vielleicht würde das sehr bald ge­schehen? Er musste unabhängig sein.

Ein möglicher Käufer wäre vielleicht ein ehemaliger Studi­enfreund, der schon mehrmals geäußert hatte, sich selbständig machen zu wollen. Er konnte Haus und Büro übernehmen.

Auch daran mochte Toy Fong nicht mehr denken. Er stieg aus und schlug den Wagenschlag zu.

Das war der Zeitpunkt, da sich die Haustür öffnete. Ein Mann trat heraus, ein Fremder.

Toy Fong runzelte die Stirn. Ein neuer Kunde?

Er blieb neben dem Wagen stehen und wartete. Der Fremde schloss pedantisch das Tor, ehe er weiterging. Dabei musste er an Toy Fong vorbei. Ihre Blicke be­gegneten sich. Der seriöse Herr lächelte freundlich.

»Oh, da sind Sie ja, Doc. Man erwartet Sie gar nicht. Ehrlich ge­sagt, ich hätte auch nicht ge­dacht, dass Sie ausgerechnet jetzt... Na ja, ist sowieso egal. Was getan werden musste, geschieht bereits.«

Er grüßte höflich, indem er seinen Hut kurz anlüftete.

Toy Fong runzelte die Stirn. Unwillkürlich schickte er seine magischen Fühler aus - und erschrak. Mit dem Mann stimmte etwas nicht. Ganz deutlich merkte er das.

Der Fremde war kein Mensch!

Der seriöse Herr beschleunigte seine Schritte. Er schien es eilig zu haben, Abstand zwischen sich und das Haus zu bringen.

Toy Fongs Misstrauen wuchs. Er überlegte nicht lange.

»He, warten Sie! Jetzt, wo ich schon einmal da bin, könnten wir doch...«

Der Fremde reagierte nicht. Er wurde immer schneller.

Toy Fong verließ seinen Wagen, eilte hinterher.

Seltsam, er machte größere Schritte. Dennoch verringerte sich der Abstand nicht.

Toy traten Schweißperlen auf die Stirn. Er knirschte mit den Zähnen, ballte die Hände zu Fäusten.

Zum zweiten Male schickte er seine magischen Fühler aus. Diesmal ging er weniger rück­sichtsvoll vor.

Der Mann kehrte Toy den Rücken zu. Der Doktor hörte die Stimme: »Das sollten Sie aber nicht tun, Doc! Es tut weh!«

Für Toy war das nur eine Auf­forderung, weiterzumachen. Er wollte den Fremden zum Stehen zwingen - den Fremden, der ihm wie ein Wesen aus einer anderen Welt erschien.

Tatsächlich, der Abstand ver­ringerte sich!

»Bitte nicht, Doc, es tut wirklich weh!« sagte der seriöse Herr, von dem Toy Fong noch nicht wusste, dass er sich Eras­mus Miller nannte und mitten in sein Haus eine Zeitbombe plat­ziert hatte.

Er wandte Toy nicht sein Ge­sicht zu. Etwas hemmte seine Bewegungen. Es waren die schar­fen Gedankenbefehle des magisch begabten Doktors.

»Bleiben Sie stehen!« befahl Toy.

Mr. Miller tat es. Toy holte auf.

Mr. Miller drehte sich herum.

Toy Fong erschrak zutiefst. Da war kein Gesicht, sondern nur eine weiße, milchige Fläche ohne Mund, Nase und ohne Augen!

In die Fläche kam Bewegung. Sie schien sich öffnen zu wollen.

Dann stülpte sie sich regel­recht um, wurde wieder zu einem Gesicht.

Es war das Gesicht eines Monsters. Zähnefletschend stand es da. Seine Haltung verkrümmte sich.

Toy Fong spürte die geballte Magie, die ihm das Monster ent­gegenschleudern wollte.

Das Monster zischte. Eine Rauchwolke puffte aus seinem Maul. Der Nadelstreifanzug verwandelte sich in grüne Schuppen.

Ein gellender Schrei. Er kam von weiter hinten.

Toy Fongs Kopf flog herum. Eine Frau. Sie blieb entsetzt stehen. Doch seltsam: sie blickte nicht in ihre Richtung!

Was hatte sie Schreckliches gesehen?

Ein Mann ging an dem Mons­ter vorbei, beachtete es gar nicht. Kurz sah er Toy Fong an. Dabei ging sein Blick durch Toy hin­durch, als sei dieser Luft.

Der Doc begriff: Sie befanden sich innerhalb eines magischen Schutzwalles, geschaffen durch das Monster, das in der Gestalt eines Menschen angeblich Eras­mus Miller hieß.

Der Passant stockte ebenfalls im Schritt, schaute in eine be­stimmte Richtung. Seine Augen weiteten sich. Grauen spiegelte sich darin wider.

Toy Fong folgte dem Blick - und sah es auch.

Er konnte verstehen, dass die Leute sich so erschreckten!


2


Jerry Lawton war kreidebleich. Er versuchte, durch die Glasbau­steine etwas zu sehen. Es gab eine kleine Lüftungsklappe. Diese öffnete er, um hindurchzuspä­hen.

Da sah er seinen Chef. Er stand draußen am Wagen, verließ diesen, eilte jenem Mr. Miller nach.

»Nein!« brüllte Jerry.

Toy Fong tat genau das Ver­kehrte.

»Merken Sie denn nicht, dass Sie Miller vom Haus ablenken will? Ein Trick!«

Toy Fong hörte ihn nicht. Die Worte Jerrys wurden von einer unsichtbaren Wand aufgehalten.

»Isch 'abe eine Eedi!« sagte Claudette aufgeregt.

»Du meinst: eine Idee!« korri­gierte Irene automatisch.

»Sagte ich doch: Eddie!« be­harrte Claudette. Sie deutete auf das tickende Köfferchen. »Wir ma­chen auf und sehen nach!«

Entgeistert stierten sie Irene und Jerry an.

Zu verlieren hatten sie in der Tat nichts.

Jerry Lawton nahm sich ein Herz. Er lief zum Tisch, betrach­tete das Köfferchen unschlüssig.

»Schnell!« drängte Irene. »Die Viertelstunde! Denke bloß an die Viertelstunde!«

Jerry Lawton überlegte fieber­haft. Ihm fiel etwas ein. Hatten sie nicht im ganzen Haus verschlossene Türen vorge­funden? Das hatte doch eine ge­wisse Zeit beansprucht. Und als er dann aus dem Lüftungsschlitz geschaut hatte, war Mr. Miller ge­rade erst vom Haus weggegangen.

Gerade erst weggegangen! Als wären nur Sekunden vergangen!

Er konnte sich diesen Um­stand nicht erklären. Aber war nicht alles rundherum mysteriös und unheimlich? Oder war es normal, dass man durch erwachsene Menschen hindurch­greifen konnte, als bestünden sie aus reiner Luft?

Eine Chance! sagte sich Jerry. Wir haben noch eine winzige Chance! Claudette hat recht.

Und dann ergriff er endlich das Köfferchen, um es aufzuma­chen.

Es ging nicht!

Er wollte das Köfferchen anheben.

Ebenfalls Fehlanzeige! Es schi­en eine Tonne oder mehr zu wiegen.

Schweiß rann ihm von der Stirn in die Augen.

Die beiden jungen Frauen hielten Abstand. Irene, blond, langbeinig, zwar keine Schön­heitskönigin, aber überaus adrett, Claudette, kleiner, sportli­che Figur, dunkle Haare, ständig damit beschäftigt, eine nicht zu bändigende Strähne aus der Stirn zu wischen, große, dunkle, braune Augen, eine lustige Stups­nase - ein Mädchen, das jeder auf Anhieb gern haben musste.

Beide waren Kolleginnen, wie sie sich Jerry nur wünschen konnte. Und trotzdem ließen sie ihn jetzt im Stich.

Sie konnten nicht anders. Ihre Nerven machten nicht mehr mit.

Jerry kämpfte einen einsamen Kampf mit dem Verschluss des Köfferchens.

Und dann

Imprint

Publisher: BookRix GmbH & Co. KG

Publication Date: 02-25-2019
ISBN: 978-3-7438-9782-3

All Rights Reserved

Dedication:
Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary

Next Page
Page 1 /